Pulsierende Schneehöhen im Zeichen des Klimawandels – oder wie viel Schnee liegt in Zinnwald wirklich ???

Am Mittwoch den 4. Februar 2015 brachen wir mit Ski zu einer schönen Wanderung zwischen Kahleberg und Lugstein auf. Es lag ausreichend (geschätzt zwischen 40 und 60 cm) Pulverschnee und der Wald war herrlich winterlich anzusehen.

Zinnwald

Kahleberg-Zinnwald

Am Abend schaute ich nach der Schneehöhe, die von der Wetterwarte Zinnwald gemeldet wurde – was nur 30 cm ??? Das kam mir ziemlich wenig vor. Deshalb am nächsten Morgen ein erneuter Blick, oh 53 cm wurden gemeldet, 23 cm Neuschnee ??? Dabei kamen doch in der Nacht nur ein paar Flöckchen vom Himmel. Was stimmt denn nun ??? Welchen Wert sollen die Skifahrer, der Winterdienst, die Feuerwehr, die Touristeninformation usw. glauben ??? Schlimmer noch, diese „qualitativ hochwertigen Wetterdaten“ (siehe „Deutscher Wetterdienst setzt auf vollautomatisch arbeitende Messnetze“ vom 22. Jan. 2015, letzter Absatz) fließen auch in Datenbanken ein und stehen sämtlichen Auswertungen und Klimaprojektion zur Verfügung !!! Des Rätsels Lösung ist aber ganz einfach: Die Wetterwarte in Zinnwald arbeitet im teilautomatischen Betrieb. Das bedeutet, tagsüber ist die Station mit Personal besetzt und meldet damit sämtliche Wettererscheinungen, Augenbeobachtungen, Wolkenarten, Niederschlagsarten, Schneehöhe usw. Weiterhin werden die automatischen Sensoren von Schnee- und Nebelfrostablagerungen frei gehalten, gewartet, deren Werte geprüft und gegebenenfalls korrigiert. In der übrigen Zeit des Tages läuft die Station im vollautomatischen Betrieb, ohne dass auf die gemeldeten Werte Einfluss genommen wird.

Nun aber zurück zum Schnee: Eine Schneehöhenmessung erfolgt zu den Terminen 01 Uhr, 07 Uhr, 13 Uhr und 19 Uhr und wird mit der stündlichen Wettermeldung verbreitet. Zu den Terminen 07 und 13 Uhr wird die durchschnittliche Schneehöhe durch einen Mitarbeiter des DWD auf einer repräsentativen und von menschlichen Einflüssen unberührten Fläche, aus einer Vielzahl von Einzelmessungen bestimmt (s.h. auch Beitrag vom 24. Jan. 2015 „Wer hat den meisten Schnee„). Zu den Terminen 19 Uhr und 01 Uhr ist die Wetterwarte nicht besetzt. Die Schneehöhe wird dann durch einen Schneehöhensensor an einer einzigen Stelle ermittelt.

Fichtelberg1

Beispiel für punktförmige Schneemessung auf dem Messfeld

Fichtelberg2

Gesamt-Schneesituation an der Wetterwarte Fichtelberg zum Zeitpunkt der Messung auf dem Bild oben

Dieses Prinzip ist jedoch nur eine Punktmessung und nicht repräsentativ für die Umgebung. Eine Schneedecke baut sich normalerweise ungleichmäßig hoch auf und besonders auf Bergen verweht diese zum Teil sehr stark. Das ist auch der Grund für die großen Differenzen.

Grafik3

Schneehöhen in Zinnwald im Zeitraum 01.02.-07.02.2015

Dieser unbefriedigende Zustand wird in absehbarer Zeit alle Wetterwarten des DWD ereilen, denn für die Zukunft ist die Vollautomatisierung des gesamten Messnetzes geplant. (siehe Pressemitteilung des DWD vom 22. Jan. 2015 „Deutscher Wetterdienst setzt auf vollautomatisch arbeitende Messnetze„).

Ein weiteres aktuelles Beispiel von dem, was uns in Zukunft erwartet, zeigt die aktuelle Schneehöhendarstellung der inzwischen vollautomatisierten Wetterstation auf dem Feldberg im Schwarzwald. Von schneefrei bis knapp 360 cm ist alles dabei. Die Rohdaten stammen vom DWD und wurden von wetteronline aufbereitet. (mb, wh, ch)

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