Stórhöfði in Island – eine der stürmischsten Wetterstationen Europas

Blick zur Wetterstation Stórhöfði mit dem Leuchtturm im Hintergrund (wh)

Das Wetter auf Island wird maßgeblich vom warmen Golfstrom geprägt, der auf der nordeuropäischen Insel für vergleichsweise milde Temperaturen im Jahresvergleich sorgt. Island liegt rund 20 Kilometer südlich des Polarkreises. An der Südküste macht sich der Einfluss des warmen Irmingerstromes bemerkbar, während die Nordküste der Insel vom kalten Grönlandstrom beeinflusst wird.

In Island ist Windstille eine Seltenheit. Wenn man auf der Insel ein Auto ausleiht, bekommt man gleich die Info dazu, beim Öffnen der Tür darauf zu achten, dass die Tür nicht abreißt. Windstärke 12 ist hier keine Seltenheit. Es wurde schon von Orkanen berichtet, welche die Asphaltdecke von Straßen abhebt, Autos sandstrahlt oder die Frontscheiben von Fahrzeugen eindrückt. Statt hitzefrei bekommen die Schulkinder ab 150km/h sturmfrei. Kein Wunder, dass es in der isländischen Sprache mehr als fünfzig Ausdrücke für Wind in all seinen Ausprägungen gibt.

Grund für diese starken Stürme ist neben der ausgesetzten Insellage auch das sogenannte Islandtief, welches sich an der Südküste von Island immer wieder neu bildet und auch das Wetter in Deutschland besonders in den Wintermonaten mitbestimmt. Das Islandtief entsteht durch das Zusammenströmen von kontinentalen Kaltluftmassen aus dem Westen mit warmen Strömungen. Die Warmluft gleitet auf die Kaltluft, wobei es zu Verwirbelungen kommt.

Die windigste Wetterstation in Island und eine der stürmischsten in Europa befindet sich auf der Insel Heimaey, der einzig ständig bewohnten Hauptinsel der Westmännerinseln. Die Insel erlangte 1973 Berühmtheit, als sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar ohne Vorankündigung nur einige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt eine fast 2km lange Eruptionsspalte mit mehreren Kratern öffnete. Der Vulkanausbruch riss die rund 5000 Einwohner der Insel aus dem Schlaf, die noch in der gleichen Nacht evakuiert wurden. Es flossen über 230 Millionen Kubikmeter Lava aus, rund 400 Häuser der Stadt wurden bis zu 8 Meter tief von den Lava- und Schuttmassen begraben. Ein Teil des Lavastromes floss in Richtung der Hafeneinfahrt und drohte diese zu blockieren, was ein großes Problem für den auf Fischfang basierenden Lebensunterhalt der Menschen geworden wäre. Mit Wasserkanonen wurde der Lavastrom mit Meerwasser bespritzt und es gelang tatsächlich, den Lavastrom zu stoppen, so dass die Hafeneinfahrt jetzt zwar enger geworden, der Hafen gleichzeitig aber vor der Meeresbrandung besser geschützt ist.

Südspitze der Insel mit Wetterstation (wh)

In der Stadt Heimaey befand sich ab 1877 eine Wetterstation. Als 1906 auf der Südspitze der Insel in Stórhöfði ein Leuchtturm mit späterem Wohngebäude erbaut wurde, übernahm der Leuchtturmwärter auch die Wetterbeobachtungen und -messungen. Die ausgesetzte Landzunge, auf welcher der Leuchtturm thront, befindet sich in 122 Meter Höhe und ist den Stürmen des Ozeans schutzlos ausgeliefert.

Leuchtturm mit Wohngebäude 1912

Hier herrscht Hochseeklima und es gibt im Mittel an 120 Tagen Windstärke 8 und mehr und nur 4 windstille Tage im Jahr. Da die Windgeschwindigkeiten in früheren Zeiten per Staudruck gemessen wurden, variieren die in der Literatur genannten Extremwerte (wohl aufgrund der Umrechnung). So wurde als (wahrscheinlich) höchste Windgeschwindigkeit 241,2 km/h gemessen. Größere Spitzengeschwindigkeiten gibt es nur auf höheren Bergen. Europäischer Spitzenreiter ist Stórhöfði allerdings bei der mittleren Windgeschwindigkeit. Im Oktober 1963 wurde als 10-Minuten-Mittel 200,4 km/h (56,6 m/s) registriert.

Auf den Westmännerinseln findet man auch die höchsten Wellen im Küstenbereich Islands. So wurden im Januar 1990 Wellen bis zu einer Höhe von 23 Metern festgestellt.

Neben dem Wind wird das Klima der Insel durch Feuchtigkeit und Nebel gekennzeichnet. Die Winter sind mild mit wenig Schnee und die Sommer kühl. Als höchste Temperatur wurde 19,1°C gemessen, als Tiefstwert -16,9°C. Die Inseln sind zudem sehr niederschlagsreich, im Durchschnitt fallen 1.556 mm Niederschlag pro Jahr (Vergleich Fichtelberg: 1117,7mm). Im Mittel gibt es an 240 Tagen im Jahr Niederschlag von mindestens 0,1 mm.

In Stórhöfði wurde am 2. Dezember 1929 mit 919,7 hPa der tiefste europäische Luftdruck an Land registriert (Quelle). Als absolut tiefster gemessener europäischer Luftdruck gelten 913hPa, die am 10.01.1993 über dem Nordatlantik gemessen wurde. Aber aufgrund der geringen Messdichte über dem Meer sind noch geringere Werte wahrscheinlich.

Der Leuchtturm und die meteorologischen Beobachtungen befinden sich seit Bau des Leuchtturms in den Händen derselben Familie, die inzwischen bereits in der vierten Generation dort arbeitet. Im Jahre 1997 wurde die Wetterstation zwar automatisiert, wird jedoch weiterhin vom jeweiligen Leuchtturmwärter betreut, der nebenbei auch noch Naturschützer ist und Vogelmarkierungen der Papageientaucher und anderen Inselbrütern übernimmt. Zudem werden nach einem Messprogramm der NOAA in Stórhöfði aufgrund geringer äußerlicher Einflüsse seit 1991 kontinuierliche Datenaufzeichnungen verschiedener Treibhausgase durchgeführt.

Für uns war die extreme Lage der Wetterstation ein Grund, ihr im Frühjahr dieses Jahres einen Besuch abzustatten und uns selbst den an diesem Tag nur mäßigen Wind um die Ohren wehen zu lassen … (ch, wh)

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Nördlichster Hurrikan beobachtet

Lange Zeit schien ein Wetterrekord unangetastet. Es war Anfang August im Jahre 1971 als sich ein Hurrikan – der keiner war – über dem Westatlantik bildete. Er blieb deswegen auch namenlos und da es das 2. Tiefdrucksystem der Saison war, wurde dieses Tief „Two“ (engl. zwei) benannt. Als Hybridsystem wurde es bezeichnet, da zwar ein Auge erkennbar und Spitzengeschwindigkeiten von > 117 km/h gemessen wurde aber es fehlte ein thermisch-konvektives System.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/1971_Atlantic_hurricane_season#/media/File:BethAug1519711727UTCESSA9.gif

Nachdem „Zwei“ die Küste von Neufundland passierte wanderte es weiter Richtung Südgrönland. Auf 46 °N wurde es zum Sturmtief runter gestuft.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/1971_Atlantic_hurricane_season#/media/File:Beth_1971_track.png

Doch Wetter wäre nicht Wetter, wenn es immer wieder für Überraschungen sorgen würde. Und so ist es heute am 11.09.2021 der Fall. Denn „Hurrikan Larry“ – am 27.08. vor der Küste Äquatorialafrikas entstanden – zerfiel nicht nach seiner Ankunft bei den Bermudas. Der tropische Wirbelsturm zog mit dem Golfstrom nach NO, wo er in der Nacht zum 11.09. das kanadische Neufundland mit 140 km/h aber wenig Niederschlag heimsuchte. Gewitter wurden auch beobachtet. Die Temperatur der Wolkenobergrenze von – 60 °C bestätigt das Vorhandensein eines thermischen Systemes.

Quelle: https://weather.gc.ca/data/satellite/goes_nam_1070_100.jpg

Aktuell liegt das Auge bei 52 °N und die Behörden stufen den Wirbel noch als Hurrikan ein. Somit ist der alte Rekord von 1971 um min. 6 ° (min. 666 km) überboten.

Und wie war der Winter 1971/1972? Also Skitage gab es nicht an besonders wenig Tagen. 😉

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Woher bekommen die Hochs und Tiefs ihre Namen?

Die erste Benennung von Druckgebilden begann im 2. Weltkrieg durch den US-Wetterdienst, der für einen besseren Überblick Taifunen im Pazifik und später auch Hurrikanen weibliche Namen gab.

1954 regte die damalige Studentin und spätere ZDF-Fernsehmeteorologin Dr. Karla Wege am Institut für Meteorologie der FU Berlin an, auch den Druckgebilden in Mitteleuropa Vornamen zu geben. Zur besseren Übersicht über die Wettersysteme in den Wetterkarten wurden seitdem in alphabetischer Reihenfolge Tiefdruckwirbel mit weiblichen und Hochdruckgebiete mit männlichen Vornamen belegt. Lange Zeit war diese Praxis nur den Berlinern bekannt, bis die Medien 1990 aufgrund der Orkantiefs „Vivian“ und „Wiebke“ auf die Praxis der Namensgebung aufmerksam wurden. Seitdem sind die Namen der von der FU Berlin getauften Druckgebilde auf der Wetterkarte Standard. Da 1998 Diskussionen über eine mögliche Diskriminierung von Frauen aufkam, wurde ein jährlich wechselnder Turnus eingeführt, die Hochs und Tiefs abwechselnd mit weiblichen und männlichen Vornamen zu benennen.

Ab morgen ist es wieder soweit und es werden die Namen für 2022 vergeben.

Ab Mitternacht können unter www.wetterpate.de Wetterpatenschaften für die Hochs und Tiefs des kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Mit dem Geld wird die Wetter- und Klimabeobachtung an der Station Berlin-Dahlem der Freien Universität Berlin aufrecht erhalten, die mit einer 110-jährigen Reihe zu den weltweit längsten gehört. Da der DWD zunehmend konventionelle Wetterbeobachtungen einstellt, ist die Berliner Wetterbeobachtung bald einzigartig. Nur hier erleben die Meteorologiestudenten noch eine praxisnahe Ausbildung mit Einblicken in die Beobachtung des täglichen Wetters.

Ein Großteil der Kosten der Wetterbeobachtung wird durch den Verein Berliner Wetterkarte getragen. Mit einem Abonnement der Berliner Wetterkarte wird man täglich ausführlich mit detaillierten Beschreibungen, Beilagen und hochaufgelösten Karten (Beispiele in diesem Artikel) über die aktuelle Wetterlage informiert und bekommt u.a. auch die täglichen Wetterwerte deutscher Stationen. Weitere Angebote des Vereins sind zum Beispiel Geburtstagswetterkarten, Wetterkurse oder Führungen.

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Das Wetter im Osterzgebirge im August 2021

Der Trend eines nassen und eher angenehm temperierten Sommers setzte sich auch im August fort. In der 1. Dekade regnete es an 8 – 9 Tagen – häufig in Begleitung mit Gewittern. Die Sonne verhielt sich im 1. Monatsdrittel reserviert. Die Tiefsttemperaturen lagen bei 10 bis 14 °C. Tagsüber erwärmte sich die Luft wenigstens auf 15 °C bis 22 °C – zum Dekadenende immerhin ansteigend.
Die anhaltenden Trog- oder Westlagen mit ihren wolken- und regenbelastenden Luftmassen verdrängte ab dem 11. eine Hochdruckbrücke („Hoch Elfi“). Somit konnten die Hundstage zumindest größtenteils ihren Namen gerecht werden. Bis zum 16. bemühte sich Klärchen um Wiedergutmachung und Niederschlag war bis zum 21. lediglich in geringen Mengen ein Thema, wodurch die Böden bereits oberirdisch wieder abtrockneten. Einzig der aktive Wind, mit Starkwindcharakter um den 16., lies es einen frieren, als man aus dem Wasser kam. „Hoch Fridoline“ ermöglichte am 13. (in Zinnwald am 15.) den wärmsten Tag des Monats mit wenigstens knapp > 30 °C unterhalb 400 m. In Zinnwald wurden 24,4 °C und in Dohna 32,4 °C gemessen. Nur wenige Tage später meldete das DWD-Thermometer in Zinnwald seinen Monatstiefstwert mit 6,6 °C am 17.August „Tief Manfred“ & „Tief Nick“ ließen uns am Monatsende den Frühherbst spüren. Ab dem 20. lagen die 2 Tiefs nacheinander fast stabil über Mitteleuropa. Es kam zu einem anhaltenden Temperaturabsturz auf das Niveau des Folgemonats. Regen fiel beinahe täglich. Während es unsere Böden an die Sättigungsgrenze und darüber hinaus brachten führten die Weiße Elster, das Riesengebirge und Bayern mäßige Hochwässer. Bei gedrosseltem Sonnenschein trübte sich auch die bodennahe Luft öfters ein. Am Morgen des 25. sanken die Temperaturen auf 7,0 °C (Dohna), 7,4 °C (Bannewitz) und 7,9 °C (Köttewitz) und somit die jeweiligen Monatstiefstwerte.

Nach 31 Tagen kann gesagt werden, dass wir einen deutlich zu kühlen, nassen und trüben August hinter uns haben. Die Monatsmittel von 12,9 °C (Zinnwald) bis 17,5 °C (Köttewitz) wichen auf dem Kamm -0,2 K und im Tiefland -1,6 K vom Mittel ab. Während die Anzahl an Tropentagen >30°C (max. 3 in Dohna) gar nicht so gering war, mangelte es hingegen an Sommertagen. Die 25 °C-Grenze überschritten nur die „Flachlandstationen“. 5 x war dies in Bannewitz der Fall und in Dohna immerhin 11x. Regen vermieste uns an 19 – 24 Tagen den Sommerausflug. Die akkumulierten Mengen von 112,4 mm (Dohna) bis 173,5 mm (Zinnwald) überschritten das Soll um 30 – 50 % im Erzgebirgsvorland und um 70 % im Obererzgebirge. Im Norden Dresdens regnete es den Sommer über zuletzt 1987 so viel. Dass die Gewässer unserer Region kein Hochwasser führten haben wir der Tatsache zu verdanken, dass der Regen nicht in kürzester Zeit fiel und unser Nachbarland bis dahin einen trockenen Sommer hatte. Die Sonne schien mit 151 bis 163 h rund 3/4 von üblicher Dauer und somit so rar wie zuletzt 2006. Gewitter wurden an 3 (Bannewitz) bis 7 Tagen (Dohna/Köttewitz) gemeldet. Nebel bildete sich an 2 Tagen über dem Elbtal bis ins Müglitztal, sowie an 12 Tagen an der Zinnwalder Wetterwarte. Angesichts des feuchten Monats sogar recht wenig.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Wetterfest in Zinnwald-Georgenfeld am 18.9.2021

Norbert Märcz (Wetterverein Zinnwald, rechts) mit Thomas Globig (MDR, Mitte) und Silvio Wandel (Wetternetz-Sachsen, links) zum Wetterfest 2019 (ch)

Der Wetterverein Zinnwald feiert 50 Jahre Wetterbeobachtung in Zinnwald-Georgenfeld mit einem Wetterfest, welches am

Samstag, den 18.09.2021
von 13 bis 21 Uhr

stattfindet.

Neben einer feierlichen Eröffnungsgala mit Thomas Globig (MDR), Silvio Wandel (Wetternetz Sachsen), Falk Böttcher (DWD) u.v.m. sind auch Vorträge, Wetterwanderungen, Verlosungen, Grillen und ein Wetter-Orientierungslauf für Sportliche auf dem Programm. Der Tag wird mit einem stimmungsvollen Lampion- und Fackelumzug beendet.

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Es herbstelt…

Der Auersberg in Morgennebel gebettet (ch)

Hoch GAYA und ihre Nachfolgerin HERMELINDE dominieren derzeit unser Wetter und halten jegliche Tiefs auf Abstand. Aber trotz der spätsommerlichen Temperaturen bis bisher 24°C (Aue, Chemnitz Harthau) macht sich der Herbst zunehmend bemerkbar. Da sind zum einen die morgendlichen Nebelfelder, die es in einigen Tälern oft schwer haben, sich aufzulösen. Oder die einstelligen Nachttemperaturen, die ein Draußensitzen nach Sonnenuntergang zur kühlen Angelegenheit werden lassen. Oder die Tiere, die sich in wärmere Gefilde begeben oder sich auf den Winter vorbereiten. Oder die reif werdenden Vuglbeeren und die ansonsten immer spärlicher werdende Pflanzenwelt, die sich von ehemals blühender Pracht zunehmend in samendem Restebraun verwandelt. Oder die Spinnenweben, die nun von den Elterntieren und deren unzähligen Nachwuchs gemeinsam gesponnen werden. Der Herbst ist trotz der Temperaturen nicht mehr aufzuhalten…

Und wie geht es weiter? Nach einer kleinen Störung am kommenden Wochenende mit steigendem Gewitterrisiko setzt sich kommende Woche das ruhige neblig-sonnige Wetter auf geringerem Temperaturniveau fort. In unseren kalten Hochtälern am Kamm wird es dann bei Aufklaren Nachtfröste geben.

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Der nasse Sommerschreck NICK

Am 1. September ist meteorologischer Herbstanfang, pünktlich dann, wenn die herbstliche Augustperiode vorbei ist und der Spätherbst mit ruhigen und vor allem wärmeren Wetter zurück kommt.

Was war passiert? Mit Nick hatte sich ein kaltes Höhentief bei uns eingenistet, dessen Kern gestern Mittag direkt über dem Erzgebirge lag. Die dazugehörige Okklusionsfront hatte sich vor Ort eingedreht, so dass die Niederschläge nicht einfach nur durchzogen, sondern durch die kreisförmige Drehbewegung immer wieder zu uns zurückkamen. Zudem führte es Meeresluft subpolaren Ursprungs von Norden bzw. Nordosten ins Land. Zusammen mit Tief OVE, nahe des Schwarzen Meeres, bauten sie eine große Tiefdruckzone auf, die auch den östlichen Mittelmeerraum und die Schwarzmeerregion umfasst. Zusammen mit dessen feuchtwarmer Luft wurde die Niederschlagsbildung noch verstärkt

Das Ergebnis war 4-tägiger, zum Teil länger anhaltender Niederschlag bis über 80 Liter pro Quadratmeter in der Summe. Allerdings variierten die Niederschlagssummen durch die Einlagerung von Schauern und Gewittern ziemlich stark. So gab es auch Orte, wo „nur“ 20mm fielen (z.B. Pöhlberg: 19,4mm). Zudem war es richtig kalt. Vor allem am 27. stiegen die Temperaturen selbst im warmen Aue nur auf ein Maximum von 13°C. Auf dem Fichtelberg war es mit 7°C schon richtig ungemütlich. Aber ungewöhnlich ist das nicht, es gibt Ende August schon recht oft herbstliche Temperaturen. So war das tiefste Maximum in Aue 11,2°C (am 29.08.1995) und auf dem Fichtelberg 3,4°C (31.08.1978).

Es geht allerdings noch „schlimmer“, denn in den Alpen hat es bis auf etwa 2000 Meter herunter geschneit. Augustschnee ist dort sicher nicht so selten, das letzte Mal gab es 2018 eine Schneedecke bis auf 1000 Meter herab, aber dennoch rechnet man um diese Jahreszeit noch nicht wirklich mit einem alpinen Winterkleid. Auf dem Fichtelberg hat es bei Tiefstwerten um 5°C (leider) noch nicht zum Schnee gereicht und vom Brocken wurde zwar von den Medien (z.B. Rundfunk, WarnwetterApp, Videotext, OpenData) mehrfach Schnee gemeldet, aber der ist einzig und allein der Automatisierung geschuldet und nicht real gefallen 😦

Und wie geht es weiter? Hoch GAYA, welches noch mit Würde und großem Einfluss nördlich der Britischen Inseln thront, mischt sich zunehmend in die Herrschaft der inzwischen aufgespaltenen NICK-Brüder ein. Anfangs kann die Tiefgemeinschaft mit OVE noch genügend Druck ausüben, um das Hoch noch auf Abstand zu halten. Langfristig sind die kleinräumigen Tiefs im Kräftevergleich der mächtigen GAYA allerdings deutlich unterlegen und werden bis zur Wochenmitte nach Osten abgedrängt. Bereits ab Donnerstag scheint die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel und erwärmt die Luft bis zum Wochenende auf sommerliche Werte bis 25°C. Längerfristig tendieren die Modelle zu einer Zweiteilung mit Frühherbst über Norddeutschland und Spätsommer über dem Süden, so dass es bei uns zu einigen kleineren Störungen kommen kann. Aber der große Regen ist erst einmal vorbei (ch).

Vorhersage für morgen: NICK und OVE gehen, das Spätsommerhoch GAYA kommt … Quelle: DWD

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24./25.08.2021 – Frostnacht in den Hochtälern

Mit dem Tief MANFRED hat die Strömung auf Nord gedreht und es gelangen seit vorgestern kalte Luftmassen zu uns. In der Nacht auf Mittwoch ist es zunehmend aufgeklart und in unseren kalten Hochtälern sank die Temperatur unter oder nahe Null Grad. Bodenfrost gab es in Deutschneudorf und Kühnhaide, Luftfrost in Kühnhaide und Rolava. Auch die Nebelstimmung erinnerte schon sehr an den Herbst.

Auch in den nächsten Tagen bleibt uns das regnerische Herbstwetter erhalten. Für den September pendeln die Langfristmodelle zwischen einer Spätsommer- und einer Frühherbstvariante hin und her, so dass eine gesicherte Prognose nicht möglich ist. (ch)

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Nasses Ende der Hundstage

Als Hundstage werden umgangssprachlich die heißen Tage im Sommer bezeichnet, die gewöhnlich in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August auftreten. Nun, heiße Tage mit Temperaturen >30°C gab es im Erzgebirge in dieser Zeit nicht, aber immerhin ein paar vereinzelte Sommertage.

Zudem fielen die Hundstage vor allem zum Ende zu regelrecht ins Wasser. Ursache war das Tief MANFRED, das sich im Tagesverlauf von England nach Deutschland verlagerte, wobei sich an der zur Nordsee reichenden Okklusion ein weiterer Kern über Ostdeutschland bildete. Dort führte zum Teil schauerartig verstärkter Regen in den letzten 30 Stunden zu Niederschlagsmengen bis über 120 Liter pro Quadratmeter (Maximum in Belgershain im Landkreis Leipzig: 122,1). Das Erzgebirge lag am Rand und bekam weniger als 50 Liter pro Quadratmeter ab. Nachfolgend die statistische Bilanz der Hundtage (Stand heute 18.00 Uhr):

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Regenbögen

Flacher Regenbogen in Schwarzenberg (ch)

Gestern zogen mehrere Schauer über das Erzgebirge hinweg. Den größten Schauer gab es am Nachmittag in Schwarzenberg, wo in etwa 10min 5,1mm fielen (private Messung). Da es in den letzten 10 Tagen recht wenig geregnet hat, war dieser Niederschlag sehr willkommen.

Am schönsten waren allerdings die Regenbögen, die sich zum Ende der kleinen Schauer hin bildeten, als die Sonne schon wieder heraus kam. Den ersten gab es in Schwarzenberg am frühen Nachmittag, wo bei einer Sonnenhöhe von 40° nur der Nebenregenbogen zu sehen war.

Seltener Anblick eines allein stehenden Nebenregenbogens, bei dem die Farbfolge umgekerhrt vom Hauptregenbogen ist (ch)

Beim einem zweiten Schauer stand bei einer Sonnenhöhe von 28° auch der Hauptregenbogen flach über dem Horizont und wies wunderschöne Interferenzen auf. Auch in Hammerunterwiesenthal konnte Norbert Henrich einen flachen Regenbogen ablichten (Bild ganz unten).

Nach heutiger kurzer Pause geht das wechselhafte Regenbogenwetter morgen weiter. Mal sehen, was der Himmel noch schönes für uns bereit hält (ch)

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