Wochenrückblick

Gewitter über dem Bärenstein. Foto: Olaf Wolfram

In der vergangenen Woche endete der starke Fichtenpollenflug, es gab endlich wieder Regen und vereinzelt Gewitter, die aber in Sachsen weniger dramatisch ausfielen.

Fichtenpollenflug

Der schon in der Vorwoche eingesetzte Fichtenpollenflug erreichte am Montag seinen Höhepunkt. Aufgrund leichter bis mäßiger Winde und der Trockenheit zogen riesige Pollenwolken aus den Wäldern und lagerte sich in jeder noch so kleinen Ritze ab. Die Niederschläge am Nachmittag des 17. Mai und in der Nacht zum 20. wuschen die Luft zumindest vorübergehend sauber. Aber erst die Kaltfront in der Nacht zum 21. setzte dem gelben Staub ein Ende. Ob es sich wirklich um ein Mastjahr handelt, wie viele Medien berichteten, mag ich nicht beurteilen, denn 2018 und 2020 gab es einen ähnlich starken Fichtenpollenflug. Ursache ist das nach dem unterkühlten Frühjahr beständig trockenwarme Wetter der letzten Wochen. Dadurch vollzog sich in der Natur eine wahre Entwicklungsexplosion, sodass die Blüte der Fichten überall fast gleichzeitig erfolgte, anstatt nacheinander. Der Wind wehte die Pollen aus den Wäldern und verteilte sie in der größeren Umgebung. Aufgrund von Luftsäcken können vor allem Pollen von Kiefern und Fichten mehr als 100km weit transportiert werden. Der Regen wusch die Luft schließlich rein und verzierte manches Fenster und Auto mit zusätzlichen Pollenschlieren.

Pollenablagerungen auf dem Auto in Schwarzenberg (wh) sowie auf Teichen nahe Olbernhau und Rübenau (ch)

Großflächige Pollenkoronen wie 2018 blieben in diesem Jahr aus. Wahrscheinlich waren zusätzlich noch zu viele andere Pollen in der Luft, so dass es keine sauberen Beugungsringe, sondern nur eine diffuse Aufhellung um die Sonne gab. Heiko Ulbricht hatte aber in Freital Glück und lichtete diese schöne Pollenkorona am Mond ab.

Pollenkorona am Mond in Freital. Foto: Heiko Ulbricht

Regen und Gewitter

Die erste Hälfte war sehr trocken. In Marienberg (0,2mm) und Zinnwald (0,5mm) wurde beim Niederschlag ein neuer Halbmonats-Negativrekord aufgestellt. Am meisten Niederschlag der DWD-Stationen fiel mit 12,6mm in Carlsfeld, wo noch Platz 4 der trockensten Mai-Halbmonate erreicht wurde.

Insofern kam Tief BORA der sächsischen Wetterpaten Silvio Wandel und Thomas Junghänel vom Wetternetz Sachsen wie gerufen, denn es brachte in der Nacht zum Dienstag Schauer mit bis zu 14mm Niederschlag (Marienberg). Und der Regenfreude nicht genug, brachten auch die Tiefs CLARISSA und EMMELINDE Schauer und Gewitter bis immerhin 7mm (Deutschneudorf-Brüderwiese am 20. Mai). Leider sehen die Modelle Niederschlag auch längerfristig als seltenes Gut, so dass der Mai trotz der Tropfen auf dem heißen Stein viel zu trocken werden wird 😦 (ch)

Gewitterschauer in Adorf. Foto: Wolfgang Weigert
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Bergfrühling

Vor zwei Wochen noch sah es auf dem Fichtelberg noch ziemlich trist aus (siehe hier). Nun ist aber auch auf dem Gipfel der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Die letzten Schneereste sind verschwunden, die Wiesen ergrünen, die Bäume entfalten ihre Blätter und die Maiblumen blühen mit anderen Frühblühern um die Wette. Der gesamte Fichtelberg wirkt wie verwandelt. Auch auf der Gipfel-Baustelle wird mit Hochdruck gearbeitet und sieht man schon den neuen Kreisverkehr. Am 25. Mai soll alles fertig sein 🙂

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Die ersten Sommertage des Jahres

Das Hoch WOLF brachte in den letzten beiden Tagen die ersten Sommertage ins Erzgebirge. In Aue wurden bereits am Dienstag mit 25,0°C die Sommertag-Marke geknackt. Gestern gesellten sich zu Aue einige weitere Stationen mit Sommertagen, von denen hier nur einige genannt sind:

Der Fichtelberg verpasste mit 19,8°C knapp den ersten Bergsommertag (≥ 20,0°C).

Statistisch sind vor allem in den warmen Tälern im Mai auch die ersten heißen Tage (≥ 30,0°C) möglich. Zuletzt gab es diese in Aue 2017 (30,4°C), 2008 (31,5°C) und 2007 (30,2°C). Aber die braucht sicher im Mai noch keiner … 😉 (ch)

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Die Sache mit den Eisheiligen …

Uns erreichte eine Anfrage, wie das denn wirklich mit den Eisheiligen ist, da im Internet gerade wieder ein Artikel von 2018 kontrovers diskutiert wird, in dem diese regelrecht zerbröselt werden.

Die Namen der Eisheiligen sind ursprünglich Gedenktage an den Erzbischof von Vienne MAMERTUS (11. Mai), den Bischof von Tongeren SERVATIUS (13.) sowie die Märtyrer*innen PANKRATIUS (12.), BONIFATIUS (14.) und SOPHIA (15.). Diese Namenstage beziehen sich auf den Julianischen Kalender und würden sich aufgrund der Kalenderreform im Jahre 1582 eigentlich um 10 Tage nach hinten verschieben.

Wie die Verknüpfung mit den Bauernregeln schließlich zustande kam, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich war es Zufall, dass die mit ursprünglichem Datum in den Gregorianischen Kalender transferierten Gedenktage mit einer regelmäßig wiederkehrenden Singularität eines markanten Kaltlufteinbruchs zusammenfielen und die verehrten Heiligen deshalb den Beinamen Eisheilige (oder auch Gestrenge Herren oder Eismänner) verpasst bekamen. Die „kalte Sophie“ wurde erst später zu den Eisheiligen hinzugezählt.

Die Bauernregeln im Zusammenhang mit den Eisheiligen wurden wahrscheinlich in der kleinen Eiszeit aufgestellt, als die Winter noch strenger und langandauernder waren. Aber vor allem in Gebirgslagen haben sie sich bis heute tief in das kollektive Gedächtnis eingegraben und gerade hier im Erzgebirge halten viele daran fest und verlegen ihre Aussaat konsequent erst nach Abzug der kalten Sophie. Denn statistisch gesehen strömt nach anfänglich wärmeren Temperaturen zur Monatsmitte nochmals kalte Polarluft nach Mitteleuropa, die durchaus zu Nachtfrösten führen kann. Besonders in den Tallagen des Erzgebirges sind diese gefürchtet, da diese so manche Obstbaumblüte zunichtemachen können.

Die früheren Bauern hatten noch keine präzisen Wetterberichte oder gar Wetterapps, an denen sie sich mit ihren Arbeiten orientieren konnten. Sie mussten sich auf ihre eigenen Beobachtungen und analytischen Fähigkeiten verlassen, um nicht durch erfrorene Pflanzen ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Insofern wurde es von Generation zu Generation überliefert, für Auspflanzungen ins Freie die Eisheiligen abzuwarten, selbst wenn es vorher noch so warm ist. Aufgrund des wärmeren Klimas werden zwar deutschlandweit inzwischen die Nachtfröste im Mai immer seltener, dennoch gibt es die Kaltlufteinbrüche nach wie vor und werden statistisch gesehen sogar immer markanter. Das liegt zum einen daran, dass die erste Maidekade deutlich wärmer ist als früher, aber aufgrund der immer sauberer werdenden Luft bei trockener Polarluft klare Nächte auch immer mehr auskühlen.

Nachfolgend zwei Grafiken von Tagesmittel und Tagesminimum, wo man den über verschiedene Jahre gemittelten Kaltlufteinbruch deutlich sehen kann. Da dieser nicht regelmäßig auftritt und sich häufig auch zeitlich etwas verschiebt, ist es überraschend, dass sich die Kalte Sophie dennoch so klar herauskristallisiert.

Datenquelle: sklima.de, Grafiken ch

Betrachtet man die Eisheiligen also nicht im korrekten historischen Kontext, sondern ausschließlich als Bezeichnung einer meteorologischen Singularität, haben sie zumindest in einigen Regionen nach wie vor Bestand. Bei den meisten Erzgebirgern sind sie allgegenwärtig und wer erst Mitte Mai seine Blühpflanzen aussät, ist (wenn er nicht gerade in Kühnhaide wohnt, wo Frostnächte das ganze Jahr über auftreten können) auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Die letzten „eisheiligen“ Nachtfröste gab es zum Beispiel in Aue (Tallage) 2020 und 2019.

Auch in diesem Jahr wird zum Wochenende hin ein markanter Kaltlufteinbruch erwartet, der allerdings lediglich die derzeit sommerlichen Temperaturen normalisiert. Mit Nachtfrösten ist zum Glück nicht zu rechnen.

Mehr Infos zu den Eisheiligen mit weiteren interessanten Fakten gibt es beispielsweise unter eisheilige.info. (ch)

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Das Wetter im Osterzgebirge im April 2022

Mit Dauerfrost im Erzgebirge begann der Monat deutlich zu kalt. Am Morgen des 03. sank die Temperatur auf -2 °C im tieferen Land und -7,5 °C an der Zinnwalder Wetterwarte. In der darauffolgenden Woche waren Wolken mit Niederschlag und guter Fernsicht dominant. Auf dem Kamm bildete sich eine bis zu 13 cm hohe Schneedecke (05.). „Tief Nassim“ brachte aktive Nordseekaltluft zu uns mit Sturmböen am 07./08. sowie starker Quellung, Graupelschauern und Gewitter am 09./10. Die Verbindung aus Regen und Schneeschmelze verursachte erhöhte Pegelstände.

Um den 13. herrschte eine sonnige Südlage unter „Hoch Reiner“. Der letzte Zinnwalder Schnee schmolz nun dahin. Die Monatshöchsttemperatur erreichten die Stationen am 13. – Zinnwald am 14. – mit 16,0 °C bis 22,6 °C (Dohna).
Nachdem Ostern eher trüb und nass vorüber ging, trocknete aber der Oberboden nun langsam aus. Gründe dafür waren beständige Hochdruckgebiete über Nordeuropa und eine windige Phase um den 19. Am Morgen des 20. beobachteten alle Stationen den letzten Frost des Monats.
Tief Renate“ schob sich von der Ukraine unter das Skandinavienhoch „Spiro“. Die entstandene Ostlage brachte viele Wolken und am 21./22. auch im Flachland Nebel. Niederschlag fiel nur geringfügig.
Eine fast identische Wetterlage am 24. ging dann aber mit Dauerregen und 24h-Niederschlagssummen von 14,8 mm (Dohna) bis 24,2 mm (Zinnwald-Georgenfeld) einher.
Trocken, wolkig und progressiv wärmer endete der April aufgrund eines britischen Hochs.  

Mit einer Durchschnittstemperatur von 3,3 °C (Zinnwald-Georgenfeld) bis 8,3 °C war es ein um 1,5 bis 2 °C/K zu kalter April, verglichen mit dem Zeitraum 1991-2020. Auch im Vorjahr führten Nordlagen zu einem nur zögerlichen Frühlingsbeginn. In Zinnwald reichte es noch für 3 Eistage. Frost trat tatsächlich nur an 4 (Köttewitz) bis 12 Tagen (Zinnwald) auf und liegt fast im Soll. Verteilt auf 11 bis 14 Tage sammelten die „Hellmänner“ 34,8 mm (Dohna) bis 73,0 mm (Zinnwald). Während dies im Erzgebirgsvorland rund 100 % des Normalniederschlags ist, lag an der DWD-Wetterwarte ein Plus von 34 % zum seit 1991 gezählten Klimamittel vor. Die gemessenen Sonnenstunden von 131,2 h (Köttewitz) bis 169,2 h (Dohna) erreichten ca. 90 % des Mittels. Gewitter wurden an 1 Tag (Zinnwald an 2 Tagen) beobachtet. Nebel tauchte in Zinnwald an 14 (normal 13) Tagen auf. Windstärke 6 erreichte Dohna an 7 Tagen und Zinnwald an 18 Tagen. Die höchsten Windböen: Dohna (63 km/h), Köttewitz (64 km/h), Bannewitz (74 km/h) und Zinnwald (80 km/h). Dies war der einzige Standort mit Sturm (≥ 75 km/h). Der Luftdruck von 1014 bzw. 1015 hPa stellt den niedrigsten Wert seit Juli 2021 dar, liegt aber nur leicht unter dem Durchschnitt. Ursache dafür war, dass die stabilen Hochdruckgebiete weit im Norden lagen und wir zwar in deren Wirkungsbereich standen aber eben nicht im Kerngebiet. Da der April feuchtere Luft als im März im Gepäck hatte kam es vor, dass die Luftfeuchte – trotz zunehmender Wärme – über der des Vormonates lag (73 % im April : 66 % im März).

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Triste Zwischenzeit

Die Zeit zwischen dem letzten Schnee und dem Frühlingserwachen ist nicht die schönste … (ch)

Derzeit präsentiert sich der Fichtelberg nicht gerade einladend. Der alte Schnee ist grau und dreckig, Äste und Sträucher sind durch die Schneelast abgeknickt, die Wiesen sind noch braun und die Laubbäume kahl. Hinzu kommt eine Baustelle, welche die scheinbare Tristesse vergrößert.

Schaut man aber genauer hin, sieht man Anzeichen des Erwachens. Zur inzwischen verbreitet blühenden Weißen Pestwurz, die noch vor zwei Wochen ganz vereinzelt als erster Frühlingsbote die Köpfe ungeduldig durch den Schnee steckte, kommen inzwischen Schneeglöckchen, Huflattich und Seidelbast dazu. Im Fichtelberggarten blühen zudem die Wiesenschlüssenblume und der Rote Steinbrech. Stellenweise ist erstes zartes Grün zu sehen und auch einige Baumknospen stehen kurz vor der Blattentfaltung. Noch muss man, vom Gezwitscher der Dompfaffen begleitet, den Frühling suchen, aber es dauert nicht mehr lange und auch unser höchster Gipfel ist wieder wunderschön anzusehen … (ch)

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Pollenkorona an Birkenpollen

Birkenkorona im Flöhatal

In diesem Jahr sind die Blütezeiten der Bäume recht unterschiedlich. Fast hat man das Gefühl, sie variieren nicht nur mit der Höhenlage, sondern auch von Ort zu Ort und von Tal zu Tal. Zusammenhängen könnte dies mit den zahlreichen Nachtfrösten, die in bewaldeten Tälern nicht so heftig zu Buche schlagen wie in freien Tälern und Hochtälern.

Bei einer Wochenendwanderung im (bewaldeten und damit nachtfrostgeschützten) Flöhatal konnten wir am Samstag eine herrliche Birkenkorona um die Sonne beobachten. Diese verblasste, sobald wir das Tal verlassen haben. Gleichzeitig zeigte unser Birkenschnupfen an, dass die Pollen dort bereits fleißig Flugübungen machten, außerhalb aber deutlich weniger nerven 😉

Die Pollenkorona entsteht durch Lichtbeugung an den Blütenpollen und ist am besten bei klarem blauem Himmel als kleiner farbiger Kranz um die Sonne zu beobachten. Durch die große Blendwirkung der Sonne ist für die Beobachtung eine dunkle Sonnenbrille vonnöten, zudem sollte man die direkte „Sonnenscheibe“ unbedingt abdecken. Am einfachsten ist sie deshalb bei Sonnenuntergang beobachtbar, wenn die Blendwirkung nachlässt, oder seltener am Mond.

In den warmen Gebieten Deutschlands sind nicht selten ab Februar die ersten Pollenkoronen an Erlenpollen sichtbar. Die schönsten und hellsten entstehen aber im Mai an den Pollen von Fichte und Kiefer. Durch Luftsäcke können sich diese lange in der Luft halten und werden bei leichtem Wind mitunter über 100km weggetragen. Trifft das Sonnenlicht auf die Pollen, wirken sie wie ein Hindernis, an dessen Rand das Licht in seine Spektralfarben aufgespalten wird. Es entsteht ein Beugungsbild, dessen Aussehen von der Form der Pollen abhängt.

Bei Fichten- und Kiefernpollen (nachfolgend ein Beispielbild) ist die Korona nicht rund, sondern weist charakteristische Knoten auf, durch welche man sie eindeutig zuordnen kann. Auf diese müssen wir aber wohl noch etwas warten. Vielleicht auch vergeblich, denn eine gleichzeitige Fichtenblüte wie Ende April/Anfang Mai 2018 ist in diesem Jahr eher unwahrscheinlich. (ch)

Fichtenkorona mit charakteristischen Knoten Anfang Mai 2018
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Asperitas durch Tief Renate

Am letzten Donnerstag (21.04.) gab es zwischen dem Erzgebirge und Leipzig wellige Asperitas-Wolken. Diese visuell sehr eindrucksvolle Wolkenart wurde erst 2017 zum internationalen Wolkenatlas hinzugefügt.

Da die Entstehung von Asperitas noch nicht gänzlich geklärt ist, habe ich mir die Wettersituation genauer angeschaut und nach Gemeinsamkeiten zu früherem Auftreten dieser Wolkenart gesucht.

Die Wellenformen deuten auf jeden Fall auf eine Vermischung verschiedener Luftmassen hin. Und auch diesmal lag östlich der Beobachtungslinie das Höhentief Renate, welches Regen in den Osten Deutschlands schickte. Dieser löste sich nach Westen hin auf, nur zeitweise erreichte noch leichter Regen Leipzig oder das Erzgebirge. In 1500m (entspricht der geschätzten Wolkenhöhe) gab es zwar keine großen Temperaturunterschiede aber markante Feuchtesprünge, welche die (Umwälzungs)wellen erzeugt haben könnten. Zudem drehte am westlichen Erzgbebirgskamm der Wind auf Südost, was wahrscheinlich zusätzliche Föhneffekte erzeugt hat. Zumindest die Fotos aus dem Erzgebirge zeigen deutlich eingelagerte Föhnwolken.

Eingelagerte Föhnwolken zeugen von Föhneffekten (ch)

Aber neben sich durchmischenden Luftschichten und Föhn gibt es noch eine weitere Gemeinsamkeit bei allen selbst beobachteten Asperitas-Fällen: der Jetstream führte genau über das Beobachtungsgebiet. Das schmale Starkwindband, das in der oberen Troposphäre oder unteren Stratosphäre auftritt, umspannt die mittleren Breiten unserer Atmosphäre. Der wellenförmig wehende Höhenwind weist oft Windgeschwindigkeiten von mehr als 100km/h auf, in Extremfällen sogar bis 500km/h. Diese Höhenströmung entsteht aufgrund großer horizontaler Temperatur- und der dadurch entstehenden Dichte- und Druckunterschiede, welche durch die starken Höhenwinde ausgeglichen werden.

Hindernisse wie zum Beispiel Berge stören das komplexe Wechselspiel aus Strömung, Druck und Windstärke und erzeugen Wellen. Vielleicht sind diese ja bei der Bildung von Asperitas beteiligt oder lassen diesen erst entstehen? (ch)

Am Donnerstag verlief ein Teil des Jetstrams genau über Ostdeutschland, das Gebiet, wo der Asperitas beobachtet wurde. Quelle: ventusky.com

Weitere Asperitas-Beobachtungen im Erzgebirge mit Karte des über dem Beobachtungsgebiet verlaufenden Jetstreams

Nachfolgend Fotos aus Leipzig (vielen Dank an Mai Buchien) und Schwarzenberg (ch, wh).

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Online-Themenabend Bergwetter

Der Fachausschuss Amateurmeteorologie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft lädt morgen Abend alle Wetterinteressierten zum Online-Themanabend „Bergwetter“ ein.

Nach kurzer Vorstellung des Fachausschuss Amateurmeteorologie durch den Vorsitzenden Norbert Maercz entführt Claudia Hinz die Teilnehmer mit ihrem reich bebilderten Vortrag „Bergwetter“ auf verschiedene Berggipfel des Landes und beleuchtet die wichtigsten typischen Wettersituationen und deren Auswirkungen. Anschließend stellen sich mit dem Ring europäischer Hobbymeteorologen e.V. und dem Wetternetz Sachsen zwei Wettergruppierungen vor.

Ergänzung am 26.04.2022

Aufgrund mehrfacher Anfragen wurde der Themenabend mitgeschnitten, das Video ist hier hinterlegt. Zudem kann sich jeder in eine Mailingliste eintragen, in welcher über die Aktivitäten des Fachausschusses Amateurmeteorologie informiert wird.

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Heftiger Corona-Ausbruch am Ostermontag

Kranz (lateinisch : Corona) am Ostermontag über dem Erzgebirge

Am Ostermontag gab es einen intensiven Corona-Ausbruch einer höchst ansteckenden und noch dazu süchtig machenden Variante an H2O-Partikeln 😉

Corona ist nicht nur der Name des derzeitigen Virus, sondern der Begriff kommt aus dem lateinischen und heißt übersetzt „Kranz“ oder „Krone“. So werden in der atmosphärischen Optik auch farbige Kränze bezeichnet, welche um Sonne oder Mond herum durch Lichtbeugung an den winzigen Wassertröpfchen von Wolken entstehen.

Kränze sind nicht wirklich selten. Am häufigsten treten sie auf, wenn dünne mittelhohe Wolken aufziehen oder – wie gestern –  wenn sich vor der Sonne dünne Föhnwolken (lenticularis) bilden. Dann entstehen meist besonders eindrucksvolle Kränze in schillernden Farben. Leider verhindert die Blendwirkung der Sonne, dass man diese wundervolle Erscheinung so einfach sehen kann. Aber wenn man die Sonne abdeckt (z.B. Schornstein oder Straßenlampe) und seine Augen mit einer dunklen Sonnenbrille schützt, steht einer Beobachtung nichts mehr im Wege. Auch das Fotografieren der Erscheinung ist nicht einfach. Die Chips der meisten Handys sind mit Fotos in Sonnenrichtung überfordert und brennen den Kranz regelrecht aus. Besser geeignet sind Kameras, mit denen man gezielt unterbelichten kann. Einfacher sind Beobachtung und das Fotografieren von Kränzen um den Mond, da die Blendwirkung hier um einiges geringer ist. (ch)

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