Gehört Chemnitz zum Erzgebirge?

Regenbogen über Chemnitz von Claus Traxler

Als Bild der Woche haben wir uns heute für einen Regenbogen aus Chemnitz entschieden. Aber halt! Chemnitz gehört doch gar nicht mehr zum Erzgebirge, oder etwa doch?

Neue Untersuchungen des Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) von Gesteinen an der Erdoberfläche  haben ergeben, dass die geologische Nordwestrand-Grenze des Erzgebirges zum Erzgebirgischen Becken durch den Süden von Chemnitz verläuft. Denn hier ist die Trennlinie von mehr als 300 Millionen Jahre alten metamorphen und magmatischen Gesteinen des Erzgebirgs-Kristallins und den vergleichsweisen jüngeren, nicht metamorphosierten Gesteinen des Karbons und des Perms.

Die Grenze verläuft auch mitten durch Gelände der TU Chemnitz. Die südlichsten Universitätsteile, in denen sich die Büros und einige Labors des Instituts für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik sowie die Aula befinden, befinden sich geologisch im Erzgebirge, während sich das 100 Meter entfernte METEOR-Gebäude im Erzgebirgsbecken steht. In der Tiefe setzt sich das Erzgebirge im geologischen Sinne nach Norden bis ins Stadtzentrum fort.

Da also geologisch die südlichen Stadtteile von Chemnitz zum Erzgebirge gehören, steht auch die DWD-Wetterstation auf dem 418 Meter hohen Galgenberg an der Neukirchner Straße auf erzgebirgischen Boden, weswegen wir deren Werte nun in die Erzgebirgsbetrachtungen nun mit einfließen lassen 🙂

Chemnitz – bekannt als Tor zum Erzgebirge – hat dieses Tor nun aufgestoßen. (ch)

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Erster heißer Tag des Jahres im Erzgebirge

Heute war der bisher heißeste Tag des Jahres und es wurde erstmals im Erzgebirge die 30°C geknackt und zwar bis in eine Höhe von etwa 650 Metern*. Spitzenreiter war Aue mit 32,3°C. Auf dem Fichtelberg wurde mit 25,4°C der erste Sommertag (Maximum ≥25°C) und der 7. Bergsommertag (Maximum ≥20°C) erreicht.

Das muss aber nicht der einzige heiße Tag bleiben, denn vom vom 23. Juli bis 23. August sind statistisch die heißesten Tage des Jahres zu erwarten, die sogenannten Hundstage. Mit Schatten suchenden Vierbeinern haben die Hundstage aber nichts zu tun. Stattdessen geht die Bezeichnung bis auf das alte Ägypten im 2. Jahrtausend v. Chr. zurück und bezeichnete die Rückkehr des Sternbildes Großer Hund (Canis Major) an den Morgenhimmel. Zuerst erscheint Sirius als hellster Stern über dem Horizont, der den Kopf des Hundes markiert. Bis zur Sichtbarkeit des gesamten Sternbildes vergehen 31 Tage, woher sich deshalb die Bezeichnung „Tage vom großen Hund“ (Hundstage) ableitet.

Ab morgen wird es aber erstmal gewittrig und deutlich kühler, aber bereits für kommendes Wochenende berechnen die Modelle die 30°C erneut für uns. (ch)

* Höhenermittlung unter Einbeziehung der privaten Messdaten von wetternetz-sachsen.de

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Irdische Farben

Irisieren und rechte Nebensonne in Adorf. Foto: Wolfgang Weigert

Dieses Foto schickte uns unser treuer Leser Wolfgang Weigert aus Adorf. Er konnte nicht nur eine atmosphärische Erscheinung festhalten, sondern gleich zwei. In der linsenförmigen Föhnwolke sieht man farbiges Irisieren (hier erklärt). Circa 22° rechts von der Sonne ist zudem eine rötliche Nebensonne zu sehen, die in einer höheren Wolkenschicht entstanden ist. Diese Haloart entsteht Eiskristallen, an denen das Sonnenlicht durch Lichtbrechung in seine Spektralfarben zerlegt wird. Leider sind die optischen Eigenschaften der Kristalle nicht immer gut, so dass häufig nur das langwellige Rot dominiert.

In dieser Woche waren übrigens mehrfach irisierende Wolken und Halos zu sehen. Anbei noch einige eigene Fotos vom Fichtelberg und aus Schwarzenberg.

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Optische Erscheinung beim Raketenstart der Marsmission

Bordkarte, damit zumindest meine Gedanken intensiv dabei sein können.

Heute ist vom vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral erfolgreich eine „Atlas V“-Rakete in Richtung Mars gestartet. Mit an Bord ist der Nasa-Rover „Perseverance“, der im Februar 2021 in einem ausgetrockneten See landen soll, der bisher noch nie vor Ort untersucht wurde. Dieser ist unter anderem mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten, zwei Mikrofonen, 23 Kameras, einem Laser und einen kleinen Hubschrauber ausgestattet. Wenn die Mission weiterhin erfolgreich ist, können wir uns auf richtig interessante Bilder freuen.

Bereits vor einem Jahr konnte man bei der NASA begehrte Bordkarten ordern. Diese lassen einen zumindest gedanklich an dieser Mars-Mission teilnehmen. 🙂

Farbige Kranzerscheinung nach dem Raketenstart vom Kennedy Space Center der NASA in Florida. Quelle: NASA/Joel Kowsky

Kurz nach dem Start (→ Fotos) gab es einen farbigen Ring um die Raketenspitze und ich wurde gefragt, um welche Erscheinung es sich handeln könnte.

Dem Schatten nach zu urteilen steht die Sonne etwas rechts unterhalb. Die farbige Ringerscheinung ist also weder um die Sonne noch um den Gegenpunkt. Eine Glorie kann man ausschließen, denn diese ist nur um den Beobachterschatten zu sehen, wenn sich dort Wassertröpfchen in Form von Wolken oder Nebel befinden. Für Irisieren sollte der Winkel zur Sonne schon zu groß sein.

Beim Betrachten des Fotos fällt mir eine eigene Beobachtung von der Zugspitze ein. Am verglasten Gebäude der österreichischen Zugspitzbahn spiegelte sich die Sonne und erzeugte an dieser sekundären Lichtquelle einen Kranz in aufsteigenden Nebelfetzen.

Das gleiche könnte hier der Fall sein. Vergrößert man die Raketenspitze, ist sie extrem hell angeleuchtet. Beim Start entstehen zum einen durch die Verbrennung von Treibstoff reichlich Abgase und in der Unterdruckzone Überschallwolken aus Wassertröpfchen. Durch Lichtbeugung an diesen Aerosolen könnte sich um die in der Raketenspitze gespiegelten Sonne ein farbiger Kranz gebildet haben. Auch der Raketenschatten wird auf dieser Aerosolleinwand abgebildet. (ch)

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Seltsame Walze

Abendliche gewitterlose Walze über Schwarzenberg (ch)

Es gibt sie noch … Gewitter im Erzgebirge. Sie waren weder schwer noch besonders regenreich – lediglich um Annaberg gab es Regenmengen um 20mm – aber sie waren sehenswert. Und damit nicht genug, am Abend zog noch eine wunderschöne Walze über Schwarzenberg hinweg. Sie war kein Teil eines Gewitters, es gab bei der Überquerung keinen Wind, keinen Regen und dahinter kam schnell das Abendrot zum Vorschein, wie man auf den folgenden Bildern von Konrad Egermann und mir zu sehen ist.

Nachfolgend noch einige Impressionen von dem herrlichen Nachmittagsgewitter.

[Edit] Dem Hinweis von Maik Buchien nach (vielen Dank dafür!!!) handelte es sich bei der Walze um einen so genannten Outflow Boundary (Outflow = Ausströmen, boundary = Grenze). Das ist eine Böenfront, die einem Gewitter weit vorauseilen kann. Zum Zeitpunkt der Walze gab es ein langsam ziehendes Gewitter über Limbach-Oberfrohna nördlich von Chemnitz, dessen Niederschlagsgebiet bis nach Aue, also kurz vor die Walze reichte (→ Radarbild). Die im Gewitter mit dem Niederschlag (Starkregen, Hagel) herabstürzende Luft breitet sich am Boden in Zugrichtung des Gewitters oder bei langsam bis gar nicht ziehenden Gewittern in alle Richtungen aus. An ihrem Vorderrand wird die Luft zum Aufsteigen gezwungen. Dies kann sogar dazu führen, dass sich an der „Outflow Boundary“ neue Schauer oder Gewitter bilden können, was wahrscheinlich nach Süden hin der Fall war (zumindest bis Aue). Fotos nach zog die Walze übrigens  mindestens bis nach Zschopau, löste sich jedoch allmählich auf.

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Allmählicher Abschied von Komet und Leuchtenden Nachtwolken

Komet NEOWISE am 21./22.07.2020 neben der Wetterwarte Fichtelberg – noch immer schön, aber nicht mehr sehr hell. (ch)

Was für ein schöner Monat für Nachteulen! Es war zwar nur selten klar, aber wenn, dann konnte man ein Blick auf die recht häufig vorhandenen Leuchtenden Nachtwolken und den wunderschönen Kometen NEOWISE werfen.

Die Saison der Leuchtenden Nachtwolken geht in unseren Breiten nun allmählich zu Ende. Und auch NEOWISE wird immer schwächer und ist mit bloßem Auge nur noch bei absoluter Dunkelheit ab etwa 23 Uhr unterhalb des Großen Wagens schwach erkennbar. Er hatte zwar gestern mit 103,5 Mio. km Entfernung seinen geringsten Abstand zur Erde, aber am hellsten war bereits am 3. Juli am sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Inzwischen ist seine Helligkeit von 0,9mag auf etwa 3,5mag zurückgegangen.

Zahlreiche Fotos haben uns aus der Region erreicht, von denen wir die besten nachfolgend (nach Datum sortiert) zeigen möchten. Vielen Dank an Jana Menzel, Franz Becker, Jarda Fous und Michael Rund!

 

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20.07.2020 – Gewitter und Hagel in Adorf

Am Montag gab nochmals kurze Gewitter, die vor allem in Thüringen und im Vogtland beachtliche Niederschlagsmengen bis 28mm (Bad Liebenstein) brachte. Im Erzgebirge ging dem Gewittercluster die Luft aus und er brachte nur noch wenig Niederschlag.

Unser Leser Wolfgang Weigert sendete uns Fotos aus Adorf, wo es sogar kräftigen kleinkörnigen Hagel gab, der vorübergehend liegen blieb. Auf seinem Barografen ist eine so genannte „Gewitternase“ zu sehen. Sie entsteht bei Gewitterdurchgang, wenn die vorhandene warme und damit auch leichtere Luft plötzlich durch deutlich kältere Luft ersetzt wird. Als Folge davon steigt dann der Luftdruck plötzlich und schnell an. Nach Abzug des Gewitters erwärmt sich die Luft oftmals wieder und der Druckanstieg geht dabei wieder zurück. (ch)

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Wochenrückblick

Auch die vorangegangene Woche wurde von Wechselhaftigkeit geprägt. Am vergangenem Wochenende und in der Nacht auf Montag gab es verbreitet Frost oder Bodenfrost mit Minimum in den beiden erzgebirgischen Hochtälern Jelení (Hirschenstand) (-4°C) und Kühnhaide (-3°C). Libor Čihák Junior machte in Jeleni und Rolava eindrucksvolle Bilder. Vielen Dank dafür!

Die höchste Temperatur wurde am Samstag mit 24,6°C in Aue gemessen. Allerdings zogen im Tagesverlauf Wolken auf. Das waren die Vorboten eines Höhentiefs über Serbien, welches vor allem heute feuchte und labil geschichtete Luft bis in den Osten unseres Landes schaufelt und bereits am Mittag für kräftige Gewitter sorgte. In Marienberg-Rübenau fielen in weniger als einer Stunde 18,3mm und in Cranzahl sogar 22,4mm Niederschlag. Örtlich könnte es auch mehr gewesen sein, denn die Gewitter zogen nur sehr langsam weiter.

In der kommenden Woche bleibt alles wie gewöhnt. Nach warmen und sonnigen Wochenstart wird es zur Mitte wechselhafter und kühler mit nach heutiger Tendenz vielleicht sonnigem Wochenende. Eine Hitzewelle und lange Trockenperioden sind weiterhin nicht in Sicht. (ch)

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Eiskalte Kometennacht

Komet NEOWISE um Mitternacht über dem Spiegelwald (ch)

Seit gestern ist der Komet NEOWISE nun auch am Abendhimmel zu sehen. Sobald es in der Dämmerung dunkel genug ist, erscheint er am Nordwesthorizont als Fernglasobjekt und wird mit zunehmender Dunkelheit auch mit bloßem Auge sichtbar (→Auffindungskarte Abendsichtbarkeit).

Wer allerdings in der letzten Nacht (wie wir 🙂 ) mit dünnen Sommerklamotten unterwegs war, der musste tapfer sein, denn das Thermometer sank verbreitet bis auf 5°C (Aue, Marienberg, Fichtelberg), in Marienberg-Kühnhaide sogar bis auf -2,6°C, in 5cm über dem Erdboden, also im Bereich der Füße sogar bis auf -5,1°C!

Die kommende Nacht wird nicht mehr ganz so kalt. Wer dennoch irgendwo hin fährt, um den Kometen zu sehen, sollte sich aber warme Kleidung und heißen Tee mitnehmen, denn so schnell kann man die Augen von der Schönheit von NEOWISE nicht abwenden. (ch)

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Neowise in der Abenddämmerung um 23.15 Uhr (ch)

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Viel Wind um nichts

Föhnwolken über dem Keilberg (ch)

Gestern war der wärmste Tag der Woche. Mit einer erzgebirgischen Höchsttemperatur von 28,4°C (Aue) lässt allerdings der erste heiße Tag (≥30°C) weiterhin auf sich warten. Auf dem Fichtelberg gab es mit 21,7°C immerhin den vierten Bergsommertag (≥20°C) des Jahres. Allerdings war es mit Föhnunterstützung ziemlich stürmisch. Im Flachland wurden bis 59km/h (Marienberg) gemessen, auf dem Fichtelberg sogar 83km/h. Ursache war der ehemalige Tropensturm „Ex-Edouard“, der über Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hinweg zur Ostsee zog.

Die Kaltfront in der letzten Nacht war länger angekündigt und sollte uns eigentlich mit Gewitter und Regen überqueren. Die kältere Luftmasse kam – die Temperaturen sanken in der zweiten Nachthälfte in den einstelligen Bereich (bis 6,4°C auf dem Fichtelberg) – der Regen blieb allerdings aus.

Kommende Woche könnte der Sommer mit hochsommerlichen Werten bei uns vorbeischauen, denn den Modellen nach dehnt sich das Azorenhoch immer weiter über Mitteleuropa aus. Allerdings wird es von einem Tief bei Island daran gehindert, sich über Skandinavien zu etablieren. Zwar sorgt das Hoch dafür, dass das Tief nicht weiter nach Osten vorankommt, aber sein Einfluss könnte immer wieder zu Schauern und Gewittern führen.

Auf jeden Fall hoffen wir endlich auf klare Nächte, um den Kometen NEOWISE zu sehen, denn dieser blieb den Erzgebirgern bisher verborgen 😦 (ch)

Nachfolgend die besten Bilder der letzten Tage:

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