Erzgebirgswetter im November 2022

Der November war im Erzgebirge zu warm, niederschlagsarm und sehr sonnenscheinreich.

Das warme Oktoberwetter setzte sich im November bis zum Ende der zweiten Dekade fort. Anfangs wurden im Erzgebirge aufgrund einer ausgeprägten Inversion und Föhneinfluss nochmals Temperaturen über 18°C gemessen (Maximum 18,5°C in Deutschneudorf-Brüderwiese am 12.11.). Aufgrund der schon kalten Nächte waren die Tagesgänge zwischen Höchst- und Tiefsttemperatur enorm und lagen zum Teil über 20°C (→ siehe Artikel).

In der dritten Dekade gestaltete ein markanter Luftmassenaustausch das Wetter und vor allem die Nächte deutlich kühler. Insgesamt war der Monat im Erzgebirge rund 2 bis 3°C zu warm. In Sachsen und vor allem im Erzgebirge war es deutschlandweit am kältesten und das Monatsmittel vom Fichtelberg war mit 1,9°C nach der Zugspitze das zweitkälteste. Zinnwald folgte mit 2,3°C immerhin auf Platz 4, Deutschneudorf-Brüderwiese auf Platz 6 und Carlsfeld auf Platz 8 der kältesten Messstationen des Landes.

Auffällig waren die zahlreichen Nachtfröste, die es selbst in tiefer gelegenen Lagen wie beispielsweise Schwarzenberg Oswaldtal (420m) an 14 Tagen gab. Erzgebirgische Spitzenreiter waren allerdings Kühnhaide mit 20, gefolgt von Deutschneudorf-Brüderwiese mit 19 Frosttagen. Nur die Zugspitze hatte deutschlandweit mit 28 Frosttagen mehr zu bieten. Auch in der Kältesumme, bei welcher alle negativen Tagesmittel aufaddiert werden, lagen erzgebirgische Stationen, hier der Fichtelberg und Zinnwald gemeinsam hinter der Zugspitze auf Platz 2.

Die deutschlandweit tiefste Minimumtemperatur wurde mit -14,6°C am Morgen des 20. November in Marienberg-Kühnhaide gemessen. Hier konnte die Zugspitze mit „nur“ -13,6°C nicht mehr mithalten 😉.

Kälte bedeutete leider nicht gleich Schnee. Das größte Niederschlagsgebiet entlang der Luftmassengrenze am 18. und 19. schwächelte auf seinem Weg ins Erzgebirge. Während Bergen auf Rügen danke Lake Effect noch 11cm abbekam, reichten die maximal 3cm im Erzgebirge kaum für einen Schneemann. Größtenteils war es sogar nur angezuckert.

Zwar kamen auf dem Fichtelberg mit nachfolgend kleineren Niederschlägen am 24.11. im Maximum 10cm zusammen, aber auch das ist für November sehr kläglich. Wer erinnert sich da nicht gern an den November 1910, als am 24.11. bereits 1,40 Meter den Gipfel tiefwinterlich einhüllten 😉. Allerdings zeigt die Statistik, dass später Schnee oft größere Schneemengen bringt. Auch in den letzten beiden Jahren winterte es erst Ende November ein und brachte im Februar die Maximalhöhe von über einen Meter. Und nicht zu vergessen der Winter 2018/19, wo ebenfalls nach Startschwierigkeiten im November im Januar und Februar bei einem Maximum von 1,83m die frisch automatisierten Messgeräte einschneiten…

Der Monat war erneut zu trocken und es wurden nur rund 50-75 Prozent des Normalwertes erreicht. Damit wurde der Niederschlagsüberschuss der letzten beiden Monate wieder abgebaut. Dafür machte die Sonne zwischen 25 und 80% Überstunden.

Herbst

Der Herbst war nicht zuletzt durch den außergewöhnlich warmen Oktober mit erzgebirgischen Temperaturabweichungen zwischen 1,3 und 2,2°C zu warm und nach 2006 und 2011 (2014, 2018) der dritt- bis fünftwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Anfang September wurden noch hochsommerliche Temperaturen erreicht. Spitzenreiter war Aue mit 27,4°C am 7. September. Allerdings strömte rasch deutlich kühlere Luft nach Deutschland und der September wurde am Ende sogar kälter als im langjährigen Mittel. Der Oktober brach, wie hier berichtet, einige Temperaturrekorde und war im Mittel oft ebenso warm oder teilweise sogar wärmer als der September. Andererseits gab es bereits bis zu 34 Frost- und 58 Bodenfrostnächte (Marienberg-Kühnhaide), was vor allem auf die oft trockenen und klaren Luftmassen zurückzuführen ist.

Aufgrund der großen Niederschläge im September bis 311 Prozent des Mittelwertes (Marienberg-Rübenau) fiel der Herbst im Erzgebirge zu nass aus. Spitzenreiter ist auch hier Rübenau mit 310 Litern, was einem Überschuss von 57 Prozent entspricht.

Der Sonnenschein war am Erzgebirgskamm etwa 10-15 Prozent zu gering, im Vorland (Chemnitz) dagegen ziemlich ausgeglichen. (ch)

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Adventskalender

In diesem Jahr gibt es wieder einen Adventskalender mit Bildern, interessanten Infos, lustigen Inhalten und natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen!

Viel Spaß damit und eine wunderschöne Adventszeit wünscht
das Team der Fichtelbergseite.

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Ungewöhnliche Wolken

Asperitaswolken in Königsbrück (mb)

Heute näherte sich von Westen her die Ausläufer des Tiefdruckkomplexes YUKI. Darin eingelagert ist eine Okklusion, welche durch die Vereinigung einer Kaltfront mit einer Warmfront in einem dynamischen Tief entsteht. Okklusionen entstehen regelmäßig, weil Kaltfronten mit Kaltluft schneller vorankommen als die Warmfronten, hinter denen sich der Warmsektor des Tiefs befindet.

Der Kampf der Luftmassen war heute den ganzen Tag über durch ungewöhnliche wellenartige Wolken bis hin zu Asperitas zu beobachten. Diese hauptsächlich an an Stratocumulus und Altocumulus auftretende Sonderform sieht von unten betrachtet aus, wie eine aufgeraute wellige Meeresoberfläche. Bereits in diesem Artikel habe ich den Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Jetstreams und Asperitaswolken untersucht. Und tatsächlich mäandert auch heute der Jetstream über Deutschland hinweg (→Karte).Vielleicht hat jemand Ähnliches beobachtet? (ch)

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Eiskaltes Wochenende

In den Medien hat man ja meist den Winter schon totgesprochen … doch hat er uns am Wochenende gezeigt, was Kaltluft bereits im November schon leisten kann. Deutschlandweit purzelten einige Tages- oder sogar Monatsrekorde. Aber nicht im Erzgebirge, da ist man Kälte gewöhnt.

Besonders die Nacht zum Sonntag war richtig und verbreitet zweistellig kalt. Besonders im Hochtal Jeleni rauschte das Thermometer mit -17°C in den Keller. Interessanterweise war es in Hammerunterwiesenthal kälter als in Kühnhaide. Nachfolgend die nächtlichen Tiefstwerte der kältesten Stationen.

Wir waren am Sonntag Morgen zum Sonnenaufgang auf dem Fichtelberg. Bei minus 8°C und Windstärke 5 konnte man den Winter ganz tief spüren 😉 Die weißgezuckerte Morgenstimmung war wunderschön, allerdings zogen direkt zum Sonnenaufgang Wolken auf und hüllten den Fichtelberg ein. Schade. Aber hoffentlich bald wieder … nach dem Motto: Totgesagte leben länger … (ch, wh)

Fotos: Claudia und Wolfgang Hinz

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Erste Winterfreuden des Jahres :-)

Erster Schneemann des Jahres und erste Winterfreuden 🙂 (mb)

Nachdem gestern unsere Geduld bis aufs Äußerste strapaziert wurde, hat es dann doch noch geklappt. Zuerst fiel in Königsbrück Schnee. Zwar nur 1cm, aber es reichte, dass der erfreute Matthias Barth (mb) den ersten kleinen Schneemann dieser Wintersaison bauen konnte. Zur Feier des Tages gab es einen ersten Jagatee 🙂

Claudia Hinz (ch) musste in Schwarzenberg noch länger darben. Zwar sanken auch dort allmählich die Temperaturen, aber der Niederschlag schien Bögen um die Stadt zu machen. Erst gegen 16 Uhr, als sie nach Chemnitz musste, begann leichter Schneefall.

Erstaunlicherweise lag in Chemnitz (Küchwald) bereits eine Schneedecke von etwa 2cm und alle Autos waren von herrlichem Weiß bedeckt. In den Lampen der Stadt war der rieselnde Schnee zu sehen … die gelben Blätter an den Bäumen färbten sich weiß und die Stadt war auf einmal wunderschön! 😉

Zurück in Schwarzenberg war es auch dort angezuckert. Aber das Weiß bestand eher aus festgefrorenem Nassschnee und Graupel und taugte nicht zum Baumaterial für einen ersten Schneemann. Der muss also weiter warten, aber hoffentlich nicht mehr zu lang!

Leider kam das gesamte Erzgebirge bei diesem Wintereinbruch nicht so gut weg. Die höchste Schneemenge fiel mit 3cm in Oberwiesenthal, sonst waren es 0-2cm. In der Nacht klarte es oft auf und die Temperaturen sanken verbreitet bis in den zweistelligen Minusbereich. Spitzenreiter war wie immer Kühnhaide mit -12,1°C in 2 Meter Höhe und -16,9°C am Erdboden. Es reihten sich Deutschneudorf-Brüderwiese mit -10,3°C und Fichtelberg mit -10,0°C in die Kälteliste ein. Bei Matthias wurde es in Königsbrück mit einem Minimum von -9,7°C fast so kalt wie auf dem Fichtelberg. Schwarzenberg war mit -4,8°C dagegen verhältnismäßig warm.

Ein Blick auf den Osten Deutschland, wo es entlang der Luftmassengrenze weit größere Schneehöhen gab als im Erzgebirge. So meldete Bergen auf Rügen danke Lake Effect beispielsweise 11cm und hatte damit mehr Schnee als der Fichtelberg! Dass nordische Flachlandstationen mehr Schneehaben, als unser Berg, kommt nach einer Untersuchung von Jörg Wichmann etwa alle 4 Jahre vor, nämlich dann, wenn es im Herbst oder beginnenden Winter wie diesmal eine Luftmassengrenze oder schleifende Kaltfront gibt, die dem Norden mehr Niederschlag bringt als dem Erzgebirge. So hatte beispielsweise Berlin in 56 Jahren an 15 Tagen eine höhere Schneedecke als der Fichtelberg. Hoffen wir, dass das bald wieder anders wird und der Fichtelberg mit weißer Pracht alle Tieflandstationen in den Schatten stellt 😉

Da wir immer wieder gefragt werden, wie der Winter wird: Auch wenn die Medien alles schon vorher zu wissen scheinen, ist eine sichere langfristige Vorhersage einfach nicht möglich. In der Vergangenheit folgte auf einen warmen und trockenen Herbst oft ein später, aber kalter Winter. In den letzten 20 Jahren scheint aber auch diese Regel nicht mehr zu stimmen. Dennoch werden die Weichen für den Hochwinter oft erst zum Jahreswechsel gelegt und bis dahin ist alles offen und wir Winterfans können weiter hoffen 😉 (ch, mb)

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Vom Leiden zweier süchtiger Winterfans …

Für heute ist Schnee angesagt (versprochen) und die Vorfreude riesengroß. Gestern ging es noch in den Supermarkt, um kleine Möhren zu kaufen. Schließlich wollen wir vorbereitet sein, wenn das erste Schneemann-Baumaterial vom Himmel fällt 😄

Schnee in Berlin Hohenschönhausen. Foto: Gerhard Froning

Von Nordosten her schiebt sich die Kaltluft allmählich unter die Warmluft und bildet eine markante Luftmassengrenze. Die Temperatur sinkt, unser Puls steigt vorfreudig in ungeahnte Höhen.

Doch was ist das? Das Niederschlagsgebiet samt Schnee fällt in BERLIN!!! Dort, wo ihn keiner will und braucht. Und er scheint immer weniger zu werden und sich kaum in Richtung Königsbrück und Schwarzenberg zu bewegen. Wo wir wie auf Kohlen sitzen. Das grenzt an Folter. Müssen wir jetzt etwa nach Berlin fahren, um Schnee zu sehen? Fichtelberg wäre ja noch ok. Aber 3°C … und kein Schnee in Sicht …

Trauer … Verzweiflung … Neid … Entzugserscheinungen … Das Warten geht weiter … (ch, mb)

Quelle: Wetteronline.de

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Das Wetter im Osterzgebirge im Oktober 2022

Entgegen dem natürlichen Zyklus stiegen die Temperaturen im Oktober immer weiter. Die ersten Tage prägte eine nasse und trübe Nordwestlage mit kräftigen Schauern und böigem Wind.
Anschließend etablierten sich Westlagen mit Hochdruckeinfluss, wodurch die Niederschläge seltener auftraten. Am 07. & 09. schien die Sonne fast ungehindert. Dies führte zwar zu Strahlungsnächten aber Frost wurde an repräsentativen Standorten weit verfehlt.
Um den 15. setzte mit „Tief Danica“ eine Südwestlage ein. Am 17. stiegen die Temperaturen gar auf 16 °C (Zinnwald-Georgenfeld) bis 25 °C (Dohna). Wie in Dohna gab es auch anderweitig vereinzelt Sommertage und im Tiefland spürte man leichte Schwüle! Ab diesem Zeitraum machte sich im Landkreis der „Böhmische Wind“ bemerkbar, da es an anderen sächsischen Stationen mit ähnlicher Höhe markant wärmer war.
Auf der Rückseite des nordischen „Hoch Xilotzin“ gelangte um den 20. kühle Luft zu uns und im Luv des Erzgebirges regnete es am 21./22. um die 10 mm. Der 20. war ein heiterer Tag und begann flächig <5 °C und lokal mit Bodenfrost.
In der letzten Oktoberdekade lag das Böhmische Becken fast durchgängig im Nebel. Auch Zinnwald bekam durch die Winddrehung auf S-SW „tiefliegende Wolken“ zu spüren. Das „Mittelmeerhoch Zacharias“ wirkte sich auch auf dem Erzgebirgskamm ab dem 25. aus: es blieb trocken, vermehrt sonnig. Nach kurzer stürmischer Phase am 24. drehten sich die Anemometer im Elbtal und deren Ausleger nur noch langsam. Sogar windstille Zeiten wurden registriert.
Spannend wurde es dann doch nochmal am Ende des Monats. Das Hoch verlagerte sich Richtung Balkan, wodurch der Zustrom warmer Luft in Mitteldeutschland noch verstärkt wurde. Am 30. stiegen die Temperaturen auf 19,5 °C (Köttewitz), 22,3 °C (Dohna), 22,8 °C (DWD-Station), 23,4 °C (Landmarktstation) und 23,6 °C (Bannewitz). Im Tiefland machte sich die Bodeninversion deutlich bemerkbar. An insgesamt 4 Tagen meldete Zinnwald-Georgenfeld neue Tagesrekorde, an 3 neue Dekaden- und an 2 Tagen neue Monatsrekorde. Im Tiefland setzte die Blüte der Erle und Hasel ein und die Vögel bauten wieder Nester.

Nicht nur die Éireannaigh (Iren) mit Ihren Samhain (den eigentlichen Halloween) feierten in der Nacht zum 1.11. den Jahreswechsel. Auch aus hydrologischer Sicht endete das Jahr 2022. Es fiel im Landkreis zwischen 100 und 150 mm zu trocken aus. Der Oktober mit seinen 19,5 mm (Dohna) bis 42,6 mm (Zinnwald) fiel erwartungsgemäß deutlich zu trocken aus. Thermisch betrachtet fiel der Oktober 2 °C (Dresdner Elbtal-weitung) bis 4 °C (Zinnwalder Kamm) zu warm aus und an der Wetterwarte wurde der wärmste Oktober gemessen (9,4 °C), während die 12,0 °C in Dohna nicht einmal für Platz 3 reichte. Im Durchschnitt bildete Köttewitz den wärmsten beobachteten Standort (12,8 °C). Die kumulierten Niederschläge von 19,5 mm (Dohna) bis 42,6 mm (Zinnwald-Landmarkt) reichten nur für 40 – 50 % vom langjährigen Mittel obwohl an bis zu 15 Tagen Regen messbar war. Die Sonne wurde hingegen überdurchschnittlich lang (130 – 140 %) von den Instrumenten erfasst: 135 h in Zinnwald (28 Tage) und 149 h in Dohna (30 Tage). Insgesamt war es ein recht windarmer Monat. Am Bannewitzer Anemometer wurde 1 x die Windstärke 6 gemessen, am Dohnaer 2 x, am Köttewitzer 5 x und 18 x am Zinnwalder. Nur auf dem Kamm erreichte der Wind (3 x) die Windstärke 8. Die höchste Böe wurde gleich am 1. mit 68 km/h registriert.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Inversionswetterlage am Wochenenden mit Fernsichten und Luftspiegelungen

Milleschauer mit dem dahinter liegendem Riesengebirge mit (von rechts nach links) Kotel (Kesselkuppe, 1435m) und Lysá hora (1344m) zu sehen, dann der Reifträger mit nach oben gespiegelter Baude und dem Jeschken.

Am Wochenende lag über Deutschland das Hoch Charly, welches milde und trockene Luft aus dem Süden brachte. Allerdings machen sich diese warme Luftmassen hauptsächlich in der Höhe bemerkbar. In den Tälern sammelt sich die schwere Kaltluft, die nach oben hin regelrecht gedeckelt wurde, d.h. der Austausch zwischen tief liegenden und höher liegenden Luftschichten wird durch eine Sperrschicht verhindert. Diese Umkehr des normalerweise mit der Höhe abnehmenden Temperaturverlaufs nennt man Inversion. Voraussetzung für eine solche Inversion ist eine Landschaft, die aus Hochflächen und darin eingeschnittenen Tälern besteht sowie nächtlicher wolkenloser Himmel und Windstille, damit sich die Luftmassen nicht vermischen können.

Die Inversion, die wir am Wochenende hatten, war die intensivste seit 2015. Damals sorgte eine kräftige Inversion am 2. und 3. November für die noch heute gültigen Novemberrekorde auf dem Fichtelberg (19,0 und 18,9°C). Diesmal erreichte der Fichtelberg „nur“ 15,3°C, was in der Novemberstatistik der Höchsttemperaturen (seit 1890) nur Platz 15 bedeutet. Denn solche Inversionen gibt es im Winterhalbjahr immer mal wieder.

Bei den kürzeren Erzgebirgsreihen wurden am 12. November einige Monatsrekorde übertroffen. So zum Beispiel mit den 18,5°C in Deutschneudorf-Brüderwiese (Messung seit 2006), was am Samstag zudem der drittwärmste Ort Deutschlands war! Auch Zinnwald-Georgenfeld (seit 1971) konnte sein bisheriges Novembermaximum um 0,3°C überbieten.

Die Temperaturumkehr machte sich besonders in den Nächten bemerkbar. Während es auf den Bergen ungewöhnlich warm war, gingen die Temperaturen in den Tälern vielfach in den Frostbereich. Die höchsten Tagestemperaturen gab es am Samstag in den Kammlagen zwischen 700 und 900 Metern Höhe. Am Sonntag kam Südföhn hinzu, so dass die Föhndüse im Schwarzenberger Oswaldtal alles hinter sich ließ. Interessant waren zudem die in den Tälern sehr großen Tagesgänge in den Tälern, welche zwischen tiefster Nacht- und höchster Tagestemperatur bis über 20°C Temperaturunterschied brachte. Nachfolgend einige Werte ausgewählter Erzgebirgsstationen.

Regelmäßige Leser unserer Seite wissen, dass solche Inversionswetterlagen nicht nur interessante Temperaturgänge, sondern auch herrliche Refraktionseffekte hervorrufen. Auch diese sind im Winterhalbjahr nicht selten. Allerdings waren am Wochenende aufgrund der knochentrockenen und sehr sauberen Luft oberhalb der Inversion die Luftspiegelungen nicht, wie gewohnt am Bayrischen Wald, sondern zeichneten sich klar und deutlich am 180-220km entfernten Riesengebirge ab. So konnte man neben dem gewohnten Grünen Strahl zum Sonnenaufgang auch beispielsweise die ständige Veränderung der deutlich sichtbaren Reifträgerbaude beobachten. Und auch die 220km entfernte Schneekoppe, die normalerweise nur hinter dem Hochwiesenberg herauslugt, wurde nach oben gespiegelt und überragte diesen. So klar und deutlich konnte ich Riesengebirgsspiegelungen noch nicht beobachten. Ein Zeichen dafür, dass die Luft bei uns immer sauberer wird 🙂

Nachfolgend die besten Fotos und ein Video vom Sonnenaufgang am 13.11. (ch, wh)

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50 Jahre Orkan QUIMBURGA

Heute vor 50 Jahren, am 13. November 1972 ereignete sich vor allem im Norden und Osten Deutschlands einer der schlimmsten Stürme des 20. Jahrhundert, der auch auf dem Fichtelberg mit 184km/h die dritthöchste gemessene Windspitze seit Beginn der dortigen Windmessung im Jahre 1967 brachte.

Windentwicklung und Temperaturen über dem DDR-Gebiet. Gezeichnet: Roland Baer
Windentwicklung und Temperaturen über dem DDR-Gebiet. Gezeichnet: Roland Baer

In vielen Artikeln über den Sturm ist zu lesen, dass nicht oder viel zu spät gewarnt wurde. Allerdings steckte die moderne Informationstechnologie der Wettervorhersage 1972 noch in der Weiterentwicklung. Es gab zwar seit 1960 Wettersatelliten, aber noch keine Computersimulationen, in welche die Daten zur Wetterberechnung eingespeist wurden. Die Datenerfassung an den Wetterwarten und deren Verarbeitung erfolgte größtenteils manuell. Zur Datenübertragung kamen Telex, Funk, Fax und Telefon zum Einsatz. Auch Wetterkarten wurden aus den so übertragenen Bodenmessdaten noch per Hand gezeichnet, indem alle Stationen mit den Messwerten versehen und Druckgebilde schließlich anhand Linien gleichen Luftdrucks markiert wurden. Zuletzt erfolgte anhand der Temperaturverläufe die Darstellung der Fronten. Bis zum Fertigstellen der konventionell gezeichneten Wetter- und Spezialkarten vergingen oft 5-6 Stunden. Nach Auswertung dieser fanden Wetterbesprechungen statt. Da auch die internationale Vernetzung nur mit großer Verzögerung funktionierte, wurden plötzlich eintretende Wetterverschlechterungen erst mit Verzögerung erkannt, so dass es für eine nachhaltige Warnung der Bevölkerung oft schon zu spät war. Denn Vorhersagen wie heute, rund um die Uhr in allen möglichen Medien, gab es nicht, sondern nur in den Abendnachrichten im Fernseher, in den Rundfunknachrichten oder in den Tageszeitungen. Insofern wurde sowohl in der „Aktuellen Kamera“ im DDR-Fernsehen als auch in der Tagesschau für den 13. November 1972 zwar ein Herbststurm angekündigt, dessen Auswirkungen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht absehbar waren.

Am nächsten Morgen sahen die Meteorologen, was sich da entwickelte. Das im Raum Neufundland geborene Tief QUIMBURGA wurde auf seinem Weg nach Osten von einem in 1500 Metern Höhe ausgebildeten äußerst scharfen Temperaturgradienten von 45 K zwischen 10° warmen Subtropikluft und −35° kalten Polarluft aufgespalten. Das Teiltief zog unter Verstärkung über England in Richtung Nordsee und erreichte unter weiterer Verstärkung Schleswig-Holstein, wo im Raum Brunsbüttel ein rekordverdächtig tiefer Kerndruck von 953 Hektopascal gemessen wurde (→ Karte). Auf der Rückseite des Tiefs bildete sich aufgrund eines rasch unter Verstärkung nachschwenkenden Keils des Azorenhochs ein sehr markanter Luftdruckgradient aus, was zu extremen Windgeschwindigkeiten führte und es äußerst labiler polarer Kaltluft ermöglichte, über der Nordsee nach Süden vorzustoßen.

Das Sturmfeld des Orkantiefs erreichte, nachdem es in den Nachtstunden zunächst Großbritannien überquert und dort schwere Schäden angerichtet hatte, am 13. November 1972 gegen 01:00 Uhr nachts die Nordsee. In Antwerpen wurden in den frühen Morgenstunden bereits Windgeschwindigkeiten von 140 km/h gemessen. In den Vormittagsstunden wurde auch Norddeutschland vom Sturmfeld erfasst. Orkanböen, die selbst im Flachland 120 bis 167 km/h (Celle) erreichten, zerstörten etwa zehn Prozent des gesamten Waldgebietes.

Die am Morgen von den Wetterdiensten herausgegebenen Warnungen erreichte viele Menschen nicht mehr und so traf es sie beim Weg zur Arbeit ziemlich unvorbereitet. Berliner Passanten berichten von Aktentaschen, die aus der Hand gerissen wurden sowie am Boden liegende Materialien und auch Dachziegeln, die überall umherflogen. In Berlin-Friedrichshagen brach der Giebel eines Kirchturms weg und begrub eine Frau unter sich. Ihr Sohn, der Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshagen war, musste sie später aus den Trümmern bergen.

Wie von Riesenhand bewegt, knickt der gewaltige Turm der Christophoruskirche in Berlin-Friedrichshagen zur Seite weg. Quelle: Christophoruskirche Friedrichshagen

Im Oberharz war der Sturm besonders intensiv. Auf dem Brocken wurde mit 245km/h die höchste Windspitze gemessen, aber auch Wernigerode war mit 155km/h ganz oben dabei. Es wurden die Bäume großer Waldflächen entwurzelt und das Dorf Elend am Fuße des Brockens war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten, da zahlreiche Bäume die Straßen versperrten. Forstarbeiter waren mit schwerem Gerät tagelang im Einsatz, um das gebrochene Holz zu beseitigen. Die Aufräum- und Aufforstungsarbeiten der vom Sturm gerodeten Waldflächen dauerte bis in die 1980er-Jahre an.

Sachsen wurde zum Glück nur vom Windfeld gestreift, so dass sich die Schäden bei Windstärken bis 130 km/h im Tiefland (Chemnitz und Görlitz) und 184 km/h auf dem Fichtelberg vergleichsweise in Grenzen hielten.

Insgesamt starben in England, Belgien, den Niederlanden, in Norddeutschland und der DDR 73 Menschen. Im gesamten Norddeutschland kam es zu schweren Schäden an Gebäuden, der Verkehrsinfrastruktur, Versorgungsanlagen und Wäldern. Zahlreiche historische Gebäude wurden schwer beschädigt oder zerstört. Der öffentliche Nahverkehr wurde vielerorts eingestellt, an den Flughäfen ging zeitweise nichts mehr. In den Städten verursachte der Orkan Chaos, deckte Dächer ab, beschädigte Strommasten, unterbrach die Stromversorgung und behinderte den Straßenverkehr. In nur zwölf Stunden legte QUIMBURGA eine Entfernung von 1000 Kilometern zurück.

Wetterkarte vom 13.11.1972 aus dem "Täglichen Wetterbericht des Deutschen Meteorologischen Dienstes der DDR". Quelle: Archiv Falk Böttcher
Wetterkarte vom 13.11.1972 aus dem „Täglichen Wetterbericht des Deutschen Meteorologischen Dienstes der DDR“. Quelle: Archiv Falk Böttcher

Im „Täglichen Wetterbericht des Deutschen Meteorologischen Dienstes der DDR“ wurden die Wetterlage, die Messdaten und eine Nachschau erstellt und den Kunden per Post zugeschickt. Falk Böttcher hat uns diese aus seinem Archiv zur Verfügung gestellt (→ PDF). Vielen Dank!

Text: Claudia Hinz unter Mitwirkung von Roland Baer

Interessante Links:

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Frost in Tallagen und Hochtälern

Frost an der Messstation in Jelení (Hirschenstand) Foto: Libor Čihák Junior

Nach dem gestrigen Kaltfrontdurchgang klarte es am Abend unter dem zunehmenden Einfluss des Hochdruckgebietes ANDRÉ auf und es war das erste Mal zu spüren, dass wir fortgeschrittenen Herbst haben. Die Nachttemperaturen rauschten Vielerorts in den Frostbereich, vor allem in den Tälern und unseren sibirischen Hochtälern. Nachfolgend die Top 10 der kältesten Erzgebirgsorte.

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