Nachtrag "Capella"/"Quimburga"

Auf einen Beitrag/Hinweis von unseren MDR-Meteorologen Thomas Globig zu meinem letzten Beitrag möchte ich noch folgendes hinzufügen: „Quimburga“ erlangte in der Tat insgesamt mehr Punkte in meiner Liste als „Capella“. Der Schaden wurde fast doppelt so hoch wie im Jahr 1976 beziffert. Besonders die Höhenluft über West- und Zentraldeutschland wehte deutlich stärker. Nun zu Capellas „Führungsdisziplinen“: die stärkste je gemessene Sturmflut, mehr Tote, ein größeres und länger anhaltendes Orkanfeld. Denn „Quimburga“ war im äußersten Norden und im Süden schwach. Zudem war der Mittelwind geringer. Physikalisch ausgedrückt: „Capella“ wies eine höhere Energie auf. Die Beurteilung was nun der stärkste Orkan der Moderne war, überlasse ich nun euch. 😉

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Bombensturm? Victoria

Uns erreichten heute irritierte Anfragen, wann denn der von den Medien angekündigte Bombensturm bliebe, denn bis dato ist es im Erzgebirge recht windarm.

Leider neigen die Medien in letzter Zeit immer stärker zu Übertreibungen, jeder Sturm wird zum Monster, jeder Kälteeinbruch zur Russenpeitsche und jede Sturmflut erzeugt Monsterwellen. Schlagzeilen sind wohl heute wichtig, um entsprechende Klicks zu generieren. Leider wird da oft einiges durcheinander geschmissen oder verallgemeinert. Der derzeitige Sturm VICTORIA ist da wohl das beste Beispiel.

Sturm VICTORIA mit ungewöhnlich tiefen Kerndruck über dem Atlantik. Quelle: Berliner Wetterkarte

Ja, VICTORIA ist ein extremer Sturm mit einem Kerndruck von 923hPa. Dies liegt im Bereich der stärksten, nicht tropischen Zyklonen, die über dem Nordatlantik beobachtet wurden. Der Rekordtiefstwert wird auf 912 bis 916 hPa geschätzt. Mit der Schlagzeile „Orkan VICTORIA erreicht mit 220 km/h Europa“ ist Island gemeint. Denn der südlich der Insel vorüberziehende Orkan erreichte dort Spitzengeschwindigkeiten von 153km/h am Flughafen Reykjavík-Keflavík und 226km/h in Steinar bei Vik an der Südküste Islands. Er sorgte neben Flugausfällen auch dafür, dass vorsorglich Straßen gesperrt, Schulen geschlossen und das öffentliche Leben nahezu lahm gelegt wurde. In Großbritannien sorgte der Orkan (der dort DENNIS heißt) für reichlich Regen. Vor allem in Wales sorgten Regenmengen von über 100 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden für Überflutungen.

Bei dem von den Medien betitelte „Bombensturm“ handelt es sich um eine sog. Bombogenese. Das ist ein Tief mit einer starken Intensivierung durch einen Druckfall im Kern von mehr als 24 hPa in 24 Stunden. Ursache ist das Zusammentreffen von kontinentaler Kaltluft und feucht-warmer Meeresluft. Bei VICTORIA fiel der Druck allein von Donnerstag 13 Uhr bis Freitag 01 Uhr von 987 auf 962 hPa.

Heute hat der Sturm auch Mitteleuropa erreicht und an der Küste Windgeschwindigkeiten über 100km/h erreicht. Die höchste Spitzenböe wurde mit 173km/h auf dem Brocken gemessen, der zum einen durch seine ausgesetzte Lage oft die höchsten Windgeschwindigkeiten erreicht und zudem näher am Sturm liegt. Der Fichtelberg ist mit aktuell 90km/h weit abgeschlagen und in den Tälern kommt kaum etwas an. Das Hauptwindfeld streift uns allerdings erst um etwa Mitternacht. Dann wird es auch auf Sachsens höchstem Gipfel noch Windböen über 100km/h geben, aber große Schäden sind bei uns zum Glück nicht zu erwarten.

Wer also an einer sachlichen Wettervorhersage interessiert ist, sollte die Hände von Seiten mit dramatisierenden Überschriften lassen. Es gibt genügend Wetterportale, welche die Wetterereignisse sachlich und nachvollziehbar erklären. (ch)

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Der "Capella-Orkan" – Eine vergessene Katastrophe

In der heutigen Zeit geht der Trend zur Dramatisierung immer weiter und so war es für mich keine Überraschung, dass Orkan „Sabine“ schon im Vorfeld als einer der schwersten Stürme prophezeit wurde. Dieser Welle schlossen sich auch offizielle Meteorologen an – zumindest in Bezug auf die Vorwarnung. Ich gebe zu, das Kriesenmanagement funktionierte zum 1. Mal fast perfekt. Bis jetzt wurde kein Todesopfer gemeldet. Aber einige Kollegen ließen sich auch hinreisen und übertrieben, selbst Stunden vor dem Ereignis, mit Warnungen von 130 km/h und mehr im Flachland. Zumindest im Münchener Raum reichte es tatsächlich knapp für Windstärke 12. Aber mit seinen über 500 m ü. NHN zähle ich die Region schon zum Mittelgebirge. Bei uns in Sachsen maß das Anemometer auf dem Fichtelberg 150 km/h. Die böhmischen Kollegen auf dem Milleschauer (836 m) sogar 163 km/h. Im Tiefland (< 200 m ü. NHN) war das höchste der Gefühle Windstärke 11: 106 km/h an der Amateurstation Leipzig-Knautkleeberg (126m).

Station mit der höchsten Flachlandwindböe Sachsens.
Bild: 24 h-Windböendiagramm von Kachelmannwetter.com

Nun möchte ich aber diesen Orkan mit anderen einschätzen können. Nach Medienberichten kann man da nicht gehen also bleibt, wie es sich für einen Wetterbeobachter gehört, nur in der Historie nachsehen und Messwerte vergleichen. Mein Ziel war es klar zu definieren, welche Rangfolge, welcher Orkan in der Hitliste einnimmt. Einen großen Dank im Vorfeld an Claudia Hinz für ihren Beitrag vom 09.02.2020. Ich überlegte mir ein Punktesystem in welchen die Größe eines Orkanfeldes, die Stärke und die Dauer des Mittelwindes, sowie die maximale Windböe betrachtet werden und zwar auf Deutschland bezogen, separat auf Flach- und Bergland und den Süden, den Norden, der Mitte und den Osten des Landes. Heraus kam für mich unerwartet:

In allen Wertungen erlangte „Capella“ vom 03.01.1976, die meisten Punkte. „Kyrill“ vom 18.01.2007 belegt deutschlandweit den 2. Platz und je nach Region die selbe Intensität mit Platz Nr. 3 „Vivian“ vom 26./27.02.1990. Bereits gestern verglichen Experten „Sabine“ mit „Emma“ vom 01.03.2008. Dies deckt sich mit meiner Analyse. Demnach belegt „Emma“ Platz 4 und war in Süddeutschland sogar der stärkste Orkan nach „Capella“. Der bekannte Orkan „Lothar“ vom 26.12.1999 liegt im Süden Deutschland 3 Plätze weiter unten (5.). Bundesweit ist „Sabine“ nun auf Platz 5 einzuordnen. Im Sächsischen Raum erzielten „Friederike“ (18.01.2018), „Herwart“ (29.10.2017) nahezu die selbe Punktzahl wie „Sabine“.

Aber wie stark wütete „Capella“ eigentlich?

Der 1. Orkan, den ich mit vollem Bewusstsein und schon eigener Wetterstation miterlebte, war „Kyrill“. Damals war ich 13 Jahre alt. Um in ähnlicher Art und Weise „Capella“ in Erinnerung zu haben, müsste ich also Anfang der 1960-er geboren sein. Da wir sicherlich einige Leser unter uns haben, die noch nicht Ü50 sind, denke ich ist es im Interesse vieler, ein bisschen Wetterhistorie aufzuarbeiten:

Das 1. was ich (auf)klären möchte ist der Name. Anders als üblich kam dieser nicht durch die Vergabe einer Patenschaft zustande. Tragischerweise erinnert er an das Schiffsunglück der – unter DDR-Flagge fahrenden – „Capella“ aus Rostock. Sie sank mit 11 Mann Besatzung vor Borkum.

Die Bodenwetterkarte vom 01.01.1976 0 Uhr UTC zeigte eine Westlage, zyklonal (Wz). Die Frontalzone lag durch ein Tief über Ostkanada bis in den Mittelatlantik. Westlich der Azoren formierte sich sehr schnell ein Tief und wanderte Richtung Island. Ein Tief in dieser Region lenkte die Strömung aber Richtung Nordsee ab.

Quelle: Wetterzentrale Reanalysis archives (NOAA) 1.1.1976 0 Uhr UTC

Am Mittag des 2. vereinten sich das Islandtief und „Capella“. Über den Britischen Inseln nahm „Capella“ den 1. Menschen das Leben. Auf dem Brocken und dem Fichtelberg erreicht der Wind Orkanstärke. Erst jetzt wird den Meteorologen in Ostdeutschland der Ernst der Lage klar. Aber bereits viel zu spät…

Quelle: Wetterzentrale Reanalysis archives (NOAA) 2.1.1976 12 Uhr UTC

…Denn schon 12 h später erreichte „Capella“ den Fichtelberg mit 166 km/h, sowie Thüringen und Westsachsen mit Windstärke 10 (ca. 95 km/h). Zudem setzte in der Deutschen Bucht die Sturmflut ein. Es sollte die schlimmste der Moderne werden. Am 03.01. um 01 Uhr lag das Tief mit seinem Kerndruck von 965 hPa über Dänemark. Der Orkan – mit seiner NW-Strömung – füllte den Trichter der Elbmündung immer weiter. Der Pegel in St. Pauli stieg am Abend des 03. auf NN + 6,45 m. Der höchste Wert seit 1825.

In Sachsen maßen die Anemometer am Morgen des 03.01.1976 die höchsten Werte. Das außerordentliche ist, dass die Orkanböen ungehindert bis ins Tiefland vordrangen, wie auf der Karte zu entnehmen.

82 Menschen starben offiziell aufgrund des Orkans. Das „Capella“ zum stärksten aller Orkane wurde, lag an:
1. Extrem südliche Position der Zyklogenese
2. Durch milde Atlantikströmung hohe Energieaufnahme
3. Schnellläufer
4. Extrem starke Böen
5. Ungehindertes Vordringen bis ins Tiefland

Die Gefährlichkeit eines Orkanes geht nicht von den Spitzenböen auf den Gebirgen aus, sondern davon ob die Böen, von Gewitter oder Schauern begleitet, bis auf das Bodenniveau durchbrechen können.

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Die weibliche Seite von Sturmtief Sabine

Sturmtief Sabine. Quelle: Berliner Wetterkarte

Den Höhepunkt des Orkantiefs Sabine ist vorüber. Das Erzgebirge lag am Rand und ist vielerorts mit einem blauen Auge davon gekommen. Hier gab es die größten Böen auf der Rückseite der Kaltfront, die uns am Morgen zwischen halb und um 6 mit einem Gewitter aus dem Bett schmiss (-> Blitzradar). Vor der Kaltfront hatte sich eine Inversion ausgebildet, so dass der Wind hauptsächlich oberhalb wehte und es in den Tälern ruhig blieb. Die Kaltfront durchmischte die Luftschichtungen und so gab es die größten Windspitzen während der nachfolgenden zum Teil gewittrigen Schauerstaffeln.

Die deutschlandweit höchste Windspitze wurde mit 176km/h auf dem Feldberg im Schwarzwald gemessen. Auf dem Brocken waren es 173km/h, auf dem Fichtelberg 150km/h. Aber selbst in Chemnitz gab es noch 115km/h. Das ist ziemlich viel, dennoch kam SABINE an große Winterstürme wie EMMA, KYRILL oder LOTHAR nicht heran.

Windspitzen auf dem Fichtelberg. Quelle: kachelmannwetter.de

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Windspitzen in Deutschland. Quelle: DWD

An den Schauerstaffeln hat SABINE mehrfach ihre holde Weiblichkeit in Form herrlicher Mammatuswolken entfaltet. Nachfolgend die schönsten Fotos der Mammaten und von den abendlich beleuchteten Schauerwolken. (ch)

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Winterfreuden

Die Wetterwarte im ersten Morgenlicht (ch)

Lange haben wir darauf warten müssen, aber gestern Morgen präsentierte sich der Fichtelberg als Wintertraum. Über frischen Schnee und Böhmischen Nebel ging die Sonne auf und schien fast ungetrübt den gesamten Tag über.

Auch heute wird es nochmals sonnig, bevor kommende Nacht Sturmtief Sabine anrückt und in mehreren Wellen Sturmböen und morgen mit der Kaltfront wahrscheinlich sogar Gewitter bringt. Zumindest im oberen Bergland geht dabei der Regen wieder in Schnee über und starkes Schneetreiben kann die Sicht auf Null setzen. Wer nicht unbedingt Auto fahren muss, sollte darauf verzichten! Hoffen wir, dass es keine allzu großen Schäden gibt!

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Das Wetter im Osterzgebirge im Januar 2020

Zinnwald

Der Januar begann sonnig und warm (neuer Temperaturrekord am 02. in Zinnwald: Tmax. = 7,5 °C) mit guter Sicht. Auch hier gilt Zinnwald-Georgenfeld ein besonderes Augenmerk, da hier die Luftfeuchte auf 30 % sank, bei zugleich 7 cm Schneehöhe.

Vom 03. – 11. sammelten sich in den Regenmessern täglich Niederschläge – wenn auch in geringen Mengen. Sonnenschein war nur selten zu erhaschen, bei diesiger Sicht. Anfangs schneite es im Obererzgebirge, wodurch in Zinnwald die magere Monatshöchstschneehöhe von 10 cm am Messpegel abgelesen wurde. Aber das Tauwetter von bis zu 12 °C in Dohna ließ auch auf dem Kamm den Schnee beinahe komplett abschmelzen.
Die 2. und auch die 1. Hälfte der letzten Dekade ließ den ersehnten Regen/Schnee im Großen und Ganzen vermissen. Es gab sowohl sonnige Tage (12., 16./17.) aber auch viele graue Tage. An der Tschechischen Grenze mit hartnäckigen Böhmischen Nebel.

Hoch Ekart“ – ein mächtiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa – konnte die Wetterbeobachter im sonst langweiligen Januar unterhalten. Der Luftdruck stieg auf bis zu 1048 hPa und somit der höchste Wert seit Januar 2006. Nur damals sanken die Temperaturen auf – 20 °C. Im Jahr 2020 verursachte die Höheninversion jedoch nur ein paar Tage mit Frost. Nachts sanken die Temperaturen auf – 5 °C bis – 8 °C und tagsüber erreichte Köttewitz immer mehr als 0 °C. Hier gefror der Boden bis auf 14 cm Tiefe.
Zum Monatswechsel zog „Tief Lolita“ auf und presste milde aber auch energiereiche Atlantikluft nach Sachsen, worauf am 28. Graupelschauer in den Tabellen erfasst werden konnte. Anschließend – weiterhin stürmisch und gelegentlich regnerisch – erreichte uns am 31. abermals eine Warmfront in Verbindung mit exzellenter Fernsicht. Alle Stationen maßen dadurch ihre Monatshöchsttemperaturen zwischen 8 °C und 14 °C.

Der Januar war deutlich zu mild. Die Monatsmittel von – 0,3 °C (Zinnwald) bis 3,3 °C (Köttewitz) wichen um 2 – 3 °C vom Mittel ab. Etwas verwirrend für den Laien: Die Anzahl der Frosttage spricht schon für einen Wintermonat. Aber die 0 °C – Grenze wurde eben oft nur knapp und kurzfristig unterschritten. Einmalig war die Verbindung aus mildem und trockenem Januar. Die Niederschlagssummen von 14 mm (Köttewitz) bis 39 mm (Zinnwald) entsprachen nur 30 – 40 % vom Soll und verteilte sich auf 16 – 18 Tage. Sonnenschein zeichneten die Instrumente an 19 (Zinnwald) bis 24 Tagen (Dohna) auf mit einer gewöhnlichen Dauer von 50 bzw. 66 h. Aufgrund der aktiven Westwindströmung befanden sich wenig Staubpartikel in der Luft. Daher konnte das Auge an 10 Tagen ferne Ziele sichten. Die Zinnwalder konnten aber auch an 20 Tagen nicht weiter als 1 km blicken. Die Westwinde wehten stärker als üblich. Zu veranschaulichen ist dies, da selbst im Tiefland an 14 Tagen Windstärke 6 erreicht wurde (Köttewitz). Windstärke 8 registrierte das Anemometer an der ehem. Wetterwarte 6 x. Die höchste Windspitze zog am 31. mit 82 km/h (Bft 9) über deren Messfeld. Nur 4 Skitage (Schneehöhe ≥ 10 cm) stehen 31 vom Vorjahr gegenüber. Im Dresdner Raum fehlte Schnee gänzlich und noch nie wurde zu einem späteren Zeitpunkt die 1. Schneedecke des Winters beobachtet.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

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Fichtelbergwetter im Januar 2020

Nachdem der Vorjahresjanuar richtig winterlich mit über 170 cm Schnee ausfiel und mit einem Niederschlagsrekord aufwarten konnte, ist der Januar 2020 das ganze Gegenteil.

Nahe am Rekordmaximum, was die mittlere Temperatur anbelangt, ist er vorbeigeschrammt. Mit -0,4°C war er gegenüber dem langjährigen Mittel um 4,7 Grad zu warm. Der Rekord stammt aber schon aus dem Jahre 1932 mit -0,1°C. Mit ähnlich hohem Temperaturniveau kam der Januar 1989 mit -0,6°C einher. Auffällig war außerdem, dass fast durchgängig jeder Januartag zu warm war. Nur der 20.01. sorgte mit -0,2 Grad als einzigster für eine negative Abweichung.

Mitteltemperatur-Differenz-Diagramm. Quelle: sklima.de

Schaut man beispielsweise nach den Eistagen (Maximum <0°C), dann zählten wir nur 10. An 21 Tagen zeigte das Thermometer positive Werte. Normalerweise wäre das Verhältnis genau umgekehrt.

An 20 Tagen verzeichneten wir hier Niederschlag, 18 davon mit Schnee. Summiert man die täglichen Neuschneehöhen, dann erhalten wir 34 cm. Am ersten Januar starteten wir mit 24 cm erreichten schon am 5. Januar das Maximum mit 29 cm. Das Abtauen und wieder zögerliche Aufbauen einer Schneedecke hatte aber doch zur Folge, dass es keinen Tag ohne Schneedecke gab. Der gemessene Niederschlag erreichte mit 46,4 mm nur 53,2 % des Normalwertes.

Dagegen meinte es die Sonne mit uns recht gut und hatte 84,7 Stunden im Gepäck. Das sind 32,8 % mehr als üblich. An Tagen mit viel Sonnenschein sind vor allem in den Wintermonaten Inversionswetterlagen gebunden. Dann ist es unten merklich kühler als oben. Gleich an den ersten Januartagen war dies der Fall. Sonnenauf- und untergänge mit verzerrter Sonne oder Luftspiegelungen entfernter Gebirgszüge (12) sind dann sich einstellende Begleitphänomene. Selbst das Riesengebirge mit Schneekoppe – 200 km entfernt – konnte man mit bloßem Auge sehen.

Einen außergewöhnlichen Messwert können wir dennoch verbuchen. Mit einem Luftdruck von 900,8 hPa am 20.01.2020 haben wir für den Januar und gleichzeitig den bisher absoluten Rekord aus dem Jahre 1932 vom 27. Januar eingestellt.

Sehr selten sind auch Luftfeuchten von unter 10 %. Mit 4 % gemessen am 24. Januar ist auch dieser Wert außergewöhnlich.

Nun stellt sich die Frage, ob der Februar den Winter mit viel Schnee und tiefen Temperaturen noch ausgleichen kann? Nimmt man beide Parameter zur Hand und studiert die Statistik, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 % der Winter weiterhin zu mild und schneearm verläuft. Na dann hoffen wir mal, dass der Februar 2020 als Ausnahme diese Regel bestätigt. (gf)

Statistik

Temperatur:
Monatsmittel: -0,4°C (+4,7°C, zweitwärmster mit 1932 nach 1930)
Maximum: 6,8°C am 21. Januar
Minimum: -6,6 am 5. Januar
Frosttage (Tiefsttemperatur <0,0°C): 27
Eistage (Höchsttemperatur <0,0°C): 10

Sonne:
Monatssumme: 84,7 Stunden (132,8%)

Niederschlag (privat gemessen):
Monatssumme: 46,4 mm (53,2%)
Maximale Tagessumme: 8,4 mm am 3. Januar

Wind:
Höchste Windgeschwindigkeit: 114,5 km/h am 31. Januar
Tage mit Starkem Wind (Windstärke 6): 24
Tage mit Stürmischen Wind (Windstärke 8): 13
Tage mit Orkan (Windstärke 12): 0

Sonstiges:
Anzahl der trüben Tage: 19 (-2)
Anzahl der heiteren Tage: 2 (+1)
Tage mit Nebel (Sicht <1km): 26 (-1)
Tage mit Gewitter: 0 (0)


Wetterrückblick Olbernhau von Dirk Christoph

Wetterrückblick des Observatoriums Hoher Peißenberg in den bayrischen Voralpen

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Turbulentes Wetter

Nachdem die Wetterküche im Januar ziemlich langweilig war, legte der Februar einen sehr turbulenten Start hin. Mit einer westlichen Strömung stürmten mehrere Tiefs über Deutschland hinweg, die am Wochenende im Nordstau der Mittelgebirge, vor allem aber des Schwarzwalds und der Alpen kräftigen Dauerregen brachten.

Bei einem verlängertem Wochenendurlaub in den Bayrischen Alpen erlebten wir, wie die Isar in Bad Tölz innerhalb weniger Stunden von Niedrigwasser zu einem reißenden Fluss anschwoll. Im Einzugsbereich der Isar fielen allein am Wochenende über 100mm Niederschlag. Tauwetter bis in die Gipfellagen der Alpen versorgten die Flüsse mit zusätzlichem Wasser. Kleinere Bäche traten stellenweise über die Ufer und auf den Wiesen bildeten sich riesige Seen.

Bevor es aber nennenswertes Hochwasser gab, kam Rettung durch die Kaltfront, welche uns gestern überquerte. Diese führte dazu, dass die Schneefallgrenze in den Alpen ziemlich schnell auf unter 1000m sank und der inzwischen in kräftige Schauer übergegangene Niederschlag als Schnee konserviert wurde. Am Spitzingsee bildete sich in kurzer Zeit eine 50cm hohe Schneedecke.

Aber auch auf dem Fichtelberg wurde es wieder herrlich weiß. Seit Monatsbeginn fielen 63,8 mm Niederschlag, was schon deutlich mehr als im gesamten Januar ist. Zudem ging der Regen in der Nacht auf Dienstag in Schnee über und häufte sich bis heute Morgen zu einer 42cm hohen Schneedecke (private Messung, Automat leider mit 25cm viel zu gering). Endlich ist es wieder weiß und der Skibetrieb konnte wieder aufgenommen werden!

Endlich wieder Skibetrieb! Foto: fichtelberg.panocloud.webcam

Vergessen werden soll natürlich auch der Wind nicht, denn der war sein Monatsbeginn ein stetiger Geselle. Auf dem Fichtelberg überschritt er mehrfach die 100km/h-Marke mit einem Maximum von 107km/h in der Nacht zum Dienstag. Die höchste Windspitze in Deutschland wurde  gestern mit 146km/h auf der Zugspitze gemessen. Interessant wäre hier eine Messung vom 1838 Meter hohen Wendelstein, wo bei solchen Wetterlagen immer besonders hohe Windspitzen auftraten, aber diese Wetterwarte wurde leider 2012 komplett und ersatzlos geschlossen. Nicht unerwähnt bleiben soll eine Orkanböe von 126km/h, die am Samstagabend (1.02.) vor einem Gewitter auf dem Frankfurter Flughafen gemessen wurde.

Und wie geht es weiter? Nach vorübergehender Wetterberuhigung könnte uns am Wochenende das nächste Sturm- oder sogar Orkantief mit Tauwetter bis in die Gipfellagen erreichen. Auch langfristig sieht es nach turbulenter Westlage mit einer Achterbahnfahrt der Temperaturen aus.

Nachfolgend noch ein Video vom Tatzelwurm-Wasserfall, der nach dem Regen besonders eindrucksvoll war.

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Wetterrückblick Osterzgebirge 2019

…Als das Staunen kein Ende nahm.

Januar

  • Gemäßigte Temperaturen.
  • Nassester Monat von 2019 mit 212 mm in Zinnwald (darunter 3x >20 mm). Höchster 24h – Niederschlag = 39,9 mm. Messbarer Niederschlag täglich von 1. – 18., im gesamten Landkreis erhöhte Niederschläge. Leichtes Elbhochwasser!
  • Um Dresden wenig Schneetage, dagegen überdurchschnittliche 103 cm an der Wetterstation Zinnwald.
  • 13./14. „Sturmtief Florenz“: Die weichen Böden/Eisablagerungen verursachten starken Forstschaden.
  • Jahrestiefstwerte in der 3. Dekade. Selbst in Zinnwald nur – 12,0 °C.

Februar

  • In der 1. Dekade starker Schneefall bis ins Flachland. „Tief Quirin“ verursachte 30 cm Neuschnee in 24 h. Allzeitrekord. In Zinnwald Anstieg der Schneehöhe auf 1,22 m.
    Aber schon am 10. die letzte Schneedecke des Flachlandwinters.
  • Sonnige 2. Ferienwoche mit Jahreshöchstluftdruck von 1046 hPa (Hoch Erika).
  • Am Monatsende neue Temperaturrekorde (12 – 16 °C).
  • Drittsonnigster Februar um Dresden, teils ohne Eistage.

März

  • Um den 10. „Sturmtief Eberhard“ mit Bft 11 bis ins Tiefland, begleitet von Gewittern.
    Der Sachsenforst veröffentlicht alarmierende Schadquoten.
  • In der 2. Dekade erreichten die ersten Stationen die Grünlandtemperatur.
  • Ende der Wintersaison am 29.03.
  • Der windigste Monat 2019.
  • Im Flachland regional keine Frosttage. In der Dresdner Reihe zweithöchstes Temperaturminimum nach 1967.

April

  • Für Kälteliebhaber der heimliche Sommer.
  • Sonniges und mildes Osterfest unter der Regie von „Hoch Katharina“.
  • Neben dem Juni der heiterste Monat, dazu mit der geringsten Luftfeuchtigkeit.
  • Zwischen Ende März und Mitte April über 2 Wochen lange Trockenperiode.
    Die Böden und Flüsse begannen  „auf Reserve“ zu laufen . Am Monatsende erste Sommertage.

Mai

  • Am 05. letzte Schneedecke in Zinnwald – Frost am 15.
  • Eine Abwechslung von Regen und Sonne sog die Böden nochmal voll.
  • In der 2. Monatshälfte frühsommerliche Schwüle.
  • Der einzige deutlich zu kühle Monat in 2019 (Abweichung -1,5 bis – 2,0 °C).
  • Feuchter und sonnenärmer als der April.

Juni

  • Eine Serie von Hagelgewittern (Köttewitz 10. – 12.) zerstörte im Borthener Raum die Ernte und beschädigte Autos und Häuser („Tief Jörn/Klaus“).
  • Am 30. Jahreshöchsttemperaturen von 31 – 38 °C. Luftfeuchte: < 20 %.
  • Insgesamt ein sehr schwüler und der heißeste und sonnigste Juni seit Aufzeichnungsbeginn (+ 5 °C). Der Juni war der wärmste, sonnigste und um Dohna der trockenste Monat des letzten Jahres.
  • Die Vegetation explodierte förmlich mit früher Obst-, Gemüse- und Getreideernte.
  • 26 Fernsichttage.
6 cm große Hagelkörner in Köttewitz am 11.06.

Juli

  • Nach kühlen, nassen und windigen Start viel Sonne, wenig Regen und Hitzewelle Nr. 2.
  • Vom 23. bis 27. fast ungehinderte Strahlung durch Hoch Yvonne.
  • Die Ober- und Mittelböden trockneten völlig aus. Neupflanzungen verdorrten. Beginnendes Niedrigwasser in Gewässern.
  • Geringstes Luftfeuchtemittel aller 12 Monate.

August

  • 8 Sommertage in Zinnwald
  • Weiterhin hoher Taupunkt
  • An allen Tagen Sonnenschein
  • Die klimatische Wasserbilanz erreichte mit -200 mm ihren Höhepunkt.

September

  • Am 1. das letzte (Sommer)Gewitter mit Sturm des Jahres.
  • Um den 08. Vb-Tief „Hans“, jedoch nur 50 L pro Quadratmeter an der Wst. Zinnwald
  • Die Talsperrenpegel sanken auf Vorjahresniveau.
  • Das Wintergetreide kann nicht keimen, Obstbäume warfen frühzeitig die Früchte ab.

Oktober

  • Mitte Oktober, wie 2017, sehr warm mit Sommertag am 13. im Tiefland.  Zum letzten Mal schwül.
  • Erst am 6. Frost auf dem Kamm und am 30. im Elbtal.
  • Die Dürre erreichte ihren hydrologischen Höhepunkt, die Flusspegel stiegen anschließend wieder.
  • Spätobst und Getreide gediehen wie nie zuvor. Gründüngungen und Obstbäume blüten erneut.
  • Schwalben nisteten ein 3. Mal.

November

  • Am 13.11. erste Schneedecke des Winters 2019/2020. Es folgten nur 3 weitere Tage.
  • In den Folgetagen Sturm und bis zum Monatswechsel Nebel.
  • Geringster Luftdruck dieser Dekade (1006,9 hPa).
  • Monat mit den wenigsten Fernsichttagen und höchster Luftfeuchte in 2019, sowie 3 Nebeltagen in Köttewitz.
  • In Zinnwald der trockenste Monat.

Dezember

  • Um den 08. sehr mild und im Flachland Beginn der Brutzeit. Statt braun-weißen Äcker blühten die Felder gelb. Wintergetreide schoss bereits. Kirschbäume blühten.
  • Erst am 13. Dezember schneite es im Elbtal (Spätester Termin nach 1938).
  • Stark wechselnder Luftdruck Jahrestiefstwert von 982 hPa am 13.
  • Nur 1 Skitag am Hochmoor.
  • Der Dezember war erneut viel zu trocken, zudem 3 – 3,5 °C zu warm, auch wenn die Frosttage dies nicht vermuten ließen.
  • Trockenster Monat im Tiefland.
  • Die Böden waren noch trockener als vor 12 Monaten. Niedrigwasser und mau gefüllte Talsperren.

Jahr

  • Wärmstes Jahr der Moderne (6,9 °C – 11,3 °C), ebenso wärmster Sommer (16,6 °C – 21,0 °C).
  • Erneut deutlich zu trocken und sonnig, jedoch abgeschwächt.
  • Fast soviel Sommer-/Hitzetage wie 2018.
  • hoher Taupunkt durch TrW-, SWz-, SZ- UND Sez-LaGEN. Aufsummiert 43 % meridional. Nach 2016 die meisten schwülen Tage.
  • Noch nie wurden sowenig Nebeltage und soviel Fernsichttage beobachtet.
  • „Nur“ 89 Skitage.

Und 2020?

  • In den Bergen sehr milder und überall trockener Januar. Einzigartig!
  • Elbpegel bei 80 cm.
  • Kein kühler und/oder nasser Spätwinter in Sicht aufgrund eines hohen NAO-Index.
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Schneesturm auf dem Fichtelberg

Schneesturm auf dem Fichtelberg (ch)

Die Tiefdruckdamen Kim und Lolita stürmten gestern und heute über uns hinweg und brachten Spitzenböen bis 144km/h auf dem Feldberg im Schwarzwald und immerhin noch 108km/h auf dem Fichtelberg. Zudem gab es bis ins Flachland Schnee- und Graupelschauer.

Oliver Kaufmann von Promovie hat den Schneesturm auf dem Fichtelberg als Video festgehalten. Vielen Dank dafür!

 

Auf dem Fichtelberg wurde es endlich wieder richtig weiß und die Schneedecke wuchs auf 26cm an. Die neue Webcam zeigt die herrliche Winterlandschaft, die bis weit in die Hochtäler reicht.

Winterlandschaft heute Morgen. Quelle: fichtelberg.panocloud.webcam

Leider geht es am Wochenende dem Schnee schon wieder an den Kragen, es werden auf dem Fichtelberg +6°C erwartet. Aber in der nächsten Woche könnte es dann (hoffentlich) endlich länger kälter werden.

Im Flachland gab es übrigens an der gestrigen Kaltfront interessante Wolkenformationen und sogar einen Regenbogen. Der liegen gebliebene Hauch von Schnee war hier allerdings schnell wieder weg. (ch)

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