Polare Stratosphärische Wolken über dem Erzgebirge?

Abendliches Purpurlicht über dem Erzgebirge. Foto: Věra Tichá Šebestová

Vielleicht ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass die Dämmerungen bei klarem Wetter derzeit besonders intensiv sind. Solche intensiven Purpurlichter hatten wir zuletzt im August, als die Aerosole verschiedener Waldbrände für zusätzliche Streupartikel in der Atmosphäre sorgten (siehe diesen Artikel).

Was ist diesmal die Ursache? Es gibt (zum Glück) derzeit keine größeren Waldbrände in der Nordhemisphäre und auch keine hochreichenden Ascheausstöße von Vulkanen. Die Ursache muss also woanders liegen.

Auf der 30hPa-Karte ist der nach Süden verlagerte Kältepol des Polarwirbels gut zu sehen. Quelle: FU-Berlin

Ein Blick auf die 30hPa-Karten verrät, dass sich der Polarwirbel momentan sehr weit nach Süden verlagert hat und der kälteste Bereich Deutschland einschließt. So wurden gestern bei Radiosondenaufstiegen Stratosphärenminima von -83,3°C im Norden (Schleswig, Greifswald) und -80,1°C in unseren Breiten (Essen, Meiningen) gemessen. Ab etwa 78°C können sich polare stratosphärische Wolken (PSC) bilden, welche wahrscheinlich die Ursache des derzeitigen Purpurlichtes sind.

Auf dem Bild oben von Věra Tichá Šebestová sieht man deutlich, dass es zarte Wolkenstrukturen sind, welche sich rot färben. Das spricht stark dafür, dass sich in der Höhe von 22-26km Eiskristalle gebildet haben. Diese Eiswolken können aus Wasser (Typ II) oder anderen chemischen Partikeln (meist Salpetersäure, Typ I) bestehen.

Weiter nördlich, z.B. in Schweden oder Schottland, wurden bereits irisierende Perlmutterwolken (wie am 3.02.2016 über den Alpen) beobachtet. Über unseren Köpfen ist wahrscheinlich derzeit die Dichte der Eiskristalle noch zu dünn, um deutlich sichtbare kompaktere Wolken bilden zu können. Aber den Vorhersagen zufolge könnte diese stratosphärische Kälte noch ein paar Tage über uns liegen, vielleicht lassen sich die irisierenden Wolken bei Sonnenauf- und -untergang auch noch bei uns blicken? (ch)

Weitere Infos und aktuelle Beobachtungen sind im Forum des Arbeitskreises Meteore e.V. zu finden. 

Purpurlicht heute Morgen über Grünstädtel (ch)

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Wetterwarte Brocken, 1142m, Harz, Deutschland

Die Wetterwarte Brocken im Winter. Foto: Rene Sosna

Der Brocken ist ein historischer Berg, denn westlich des Gipfels verlief die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Heute vor 30 Jahren wurde aufgrund tausender Demonstranten die Brockenmauer zum Sperrgebiet geöffnet und der Berg für die Menschen freigegeben. Seitdem hat sich sein Gesicht stark verändert. Die Mauer, die sowjetischen Soldaten sowie die Abhöranlagen der Sowjets und der Staatssicherheit der DDR sind verschwunden.

Heute gehört der Gipfel zum 2006 vereinten Nationalpark Harz (aus dem 1990 gegründeten NP Hochharz und dem 1914 entstandenen NP Harz), um die seltene Gebirgsflora und -fauna zu schützen. Auf dem Gipfel befinden sich heute das Brockenhotel sowie das Brockenhaus mit einem Besucherzentrum und einer Ausstellung zur Geschichte des Berges sowie der Brockengarten und der Bahnhof der Brockenbahn.

Und natürlich die Wetterwarte, welche im 30. Jahr des Mauerfalls zum Jahresende automatisiert werden soll, was wie beim Fichtelberg den Verzicht von Niederschlags- und Schneehöhenmessung bedeutet sowie aller Parameter, die das menschliche Auge bedürfen. Das Brockenwetter wird auf seelenlose Zahlen reduziert, denen die Schönheit von Wetter und Naturerscheinungen egal sind.

Marc Kinkeldey hat die Geschichte der Wetterwarte Brocken für uns aufgeschrieben, um den 184 Jahren, in denen enthusiastische Menschen das Wetter auf dem stürmischen Gipfel beobachteten und lebten, ein Denkmal zu setzen. Vielen Dank dafür! (ch)


Die Geschichte der Wetterwarte auf dem Brocken

Der Brocken, die höchste Erhebung Norddeutschlands, liegt in den Granitmassiven des Harzes. Mit seinen 1141 Metern Höhe überragt er seine Umgebung und stellt sich seit Jahrtausenden Wind und Wetter entgegen. Das Wetter ist rau…der Grund ganz einfach.

Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge in Deutschland und liegt am dichtesten an der Nordsee und dem Atlantik. Somit ist der Harz das erste nennenswerte Hindernis, wo sich Regenfronten stauen und abregnen. Ebenso treffen alle Stürme zuerst den Harz, ein Bollwerk mitten im norddeutschen Tiefland, und werden durch den abrupten Anstieg des Massivs enorm beschleunigt. Das führte zur Entwicklung einer besonderen Fauna und Flora sowie zu Wettererscheinungen, die dem Berg früh den Ruf einbrachten, Heimstatt von Geistern zu sein. Weiterlesen

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Wieder Messwerte von Niederschlag und Schneehöhe auf dem Fichtelberg

Seit einigen Tagen werden auf dem Fichtelberg wieder Messwerte für Schneehöhe und Niederschlag erhoben.

Da die Niederschlagsmessung des DWD zum 1.01.2019 eingestellt wurde, hat die Kachelmann GmbH im Windschatten der Fichtelbergbaude einen eigenen Niederschlagsmesser installiert. Dieser ist 3 Meter hoch, um ein Einschneien zu verhindern, aber auch, damit es bei bodennahen Schneefegen nicht reinweht.

Auf dem Messfeld des DWD wurde ein Schneehöhensensor aufgebaut. Ob er sich bei großen Schneehöhen bewährt, wird sich zeigen, auch wenn Vergleichsmessungen aufgrund des zum 1.01.2019 abgezogenen Personals nun nicht mehr möglich sind. Ein Anhaltspunkt für die Schneebedeckung ist es sicher, aber eine Punktmessung auf dem stürmischen Gipfel wird nie die frühere konventionelle Messung an 16 Standorten ersetzen können (siehe auch diesen Artikel). (wh)

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Adventskalender

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Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Adventskalender mit Bildern, interessanten Infos, lustigen Inhalten und natürlich gibt es auch wieder etwas zu gewinnen. Viel Spaß damit und eine wunderschöne Adventszeit wünscht das Team der Fichtelbergseite.

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Schnee auf dem Fichtelberg und lauernde Kälte in Skandinavien


Auf dem Fichtelberg ist es wieder weiß geworden. Zwar ist der Gipfel nur angezuckert, aber da das Thermometer in den kommenden Tagen in den Frostbereich rutscht, könnte es vielleicht noch ein bisschen mehr werden.

Und schaut man sich mal das Wetter über Nordeuropa an, bestehen berechtigte Hoffnungen, dass der Winter auch bei uns vielleicht doch nicht so warm ausfällt, wie verschiedene Modelle vorhergesagt haben. Denn in Skandinavien ist es seit Oktober ungewöhnlich kalt, anfangs betrug die Abweichung -3K, inzwischen sogar bis zu -10K. Sowohl gestern als auch heute Morgen lag die Tiefsttemperatur in Nikkaluokta in Nordschweden bei -35°C. Eine vergleichbare Kälte hat es Anfang November in den vergangenen 75 Jahren in Nordschweden nur dreimal in den Jahren 1952, 1968 und 1971 gegeben. Auch aus Murmansk wurde ein Minimum von -20°C gemeldet, der Rekord für den 11. November stammt dort mit -21°C aus dem Jahr 1925. Der strenge Frost hat inzwischen bereits zu einer Vereisung der küstennahen Gebiete des Bottnischen Meerbusens geführt.

Die Vorhersagemodelle berechnen im Dezember ein „Abtropfen“ der Skandinavientiefs, so dass die kalten Luftmassen aus dem Norden angezapft werden könnten. Ob es wirklich so kommt und wie stark diese Kältewellen sein werden, bleibt abzuwarten, aber ein nachhaltiger Wintereinbruch am Erzgebirgskamm ist durchaus wahrscheinlich. Ich selbst würde mich riesig freuen, denn was gibt es schöneres, als die erzgebirgische Lichterwelt im Schnee zu erleben! Und auf Eisnebelhalos freuen wir uns natürlich auch wieder 🙂 (ch)

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Atompilzwolke

„Atompilzwolke“ in Oederan. Foto: F. Frenzel

Am 10. November wurde über dem Erzgebirge eine Wolke beobachtet, die wie ein Atompilz aussah und einige Leute erschreckte.

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Wolke in Kleinolbersdorf. Foto: Klaus Lahr

Klaus Lahr beobachtete sie in Kleinolbersdorf, wo sie sich nach 14:00 im Nordosten (in Richtung Oederan bis Freiberg) aufbaute, erst vollkommen symmetrisch nach rechts und südlich gerichtet, dann wie im Foto rotationssymetrisch. Etwa 15:30 begann sich der Hut aufzulösen, danach verflüchtigte sich der Stiel.“

Frank Frenzel hat diese Wolke von Oederan aus gesehen, bevor sie sich kurze Zeit später wieder auflöste.

Solche Formen kennt man hauptsächlich bei sterbenden Schauerwolken oder Industriewolken über Schornsteinen. Beide Erklärungen scheiden allerdings bei diesen Beobachtungen aus. Schauer gab es nicht und weitere Bilder zeigen, dass die Wolke nicht mit dem Boden verbunden ist. Aufschluss brachte schließlich das Vertikalprofil. Hier zeigt sich zwischen 2500 Metern und 3000 Metern eine wärmere und deutlich trockenere Luftschicht. Insofern ist es am wahrscheinlichsten, dass diese Wolke als normale Quellwolke entstand, nach oben kondensierte und durch die markante Inversion gedeckelt wurde. Anstatt weiter nach oben zu wachsen, breitete sich die Wolke seitlich aus und sah daher wie ein Atompilz aus. (ch)

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Radiosondenaufstieg von Meiningen am 10.11.2019 um 12 UTC. (Quelle)

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Rückblick auf den ersten Wintereinbruch

Ein erster Schneemann auf dem Fichtelberg. Foto: Jarda Fous

In der letzten Woche wurde es, wenn auch nur wenige Tage, das erste Mal richtig weiß auf dem Erzgebirgskamm. Jarda Fous war auf dem Fichtelberg und dem Keilberg unterwegs, um den ersten Schnee im Foto festzuhalten. Diese Fotos möchten wir Euch trotz urlaubsbedingter Verspätung nicht vorenthalten.

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Wo bleibt der Schnee? – Ein Höhenvergleich auf 1200 m

Die 2. Novemberdekade neigt sich dem Ende, doch bis auf eine dünne Schneedecke im Obererzgebirge (letzte Woche) sieht man nur grüne Alm. Die Vorhersage deutet auch nicht auf einen nachhaltigen Wintereinbruch vor der Adventszeit.

Aber wie sieht es an anderen Orten in dieser Höhe aus? Wo können die Schneefanatiker hin?

Alpen:
Chaumont (1136 m) – Westschweiz 10 cm
Engelberg (1055 m) – Zentralschweiz 28 cm
Mallnitz (1200 m) – Österreich/Kärnten 25 cm

Nordamerika:
Im Flachland Labrador in Ostkanada, welches auf dem selben Breitengrad wie Deutschland liegt, > 20 cm.

Skandinaviengebirge:
Fast überall > 20 cm.

Besonders viel Schnee liegt – wie im letzen Jahr – in den Alpen. Die vielen meridionalen Großwetterlagen erzeugten ein massiven Luv auf der Südseite.
Die dickste Schneeschicht meldete heute früh das Observatorium Sonnblick auf
3105 m mit 475 cm. Die Zugspitze ist mit 85 cm weit abgehangen.

Quelle: Kachelmannwetter.com Schneehöhe 18.11.2019 7 Uhr

Auch im trocknen Ostasien liegt eine zumindest dünne Schneedecke.
Die Lawinengefahr wird in den Alpen stark ansteigen. Daher empfehle ich momentan Skandinavien/Finnland.

Alle Angaben auf Grundlage der Kachelmannmesswerte.

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Orkantag 13.11.

Nein, dieses Jahr kann man nicht wirklich von einem stürmischen Herbst sprechen. Dies ist ja schon aus der Großwetterlage (GWL) zu erkennen. Seit den 1990-ern nimmt die Häufigkeit von meridionalen GWL’s zu, mit dem Ergebnis einer störenden W-Strömung. Sturmlagen treten da nur durch den Böhmischen Wind und mal selten mit dem „Ostseeexpress“ auf. Doch es gab auch ein Zahrzent, indem die zonalen GWL’s den Ton angaben und im Tiefland für grüne Winter verantwortlich waren.

Der 13.11. ist hier ein ganz besonderer Tag. Sowohl 1972 als auch genau 1 Jahr danach überquerten 2 Orkantiefs das Erzgebirge: Am 13.11. 1972 erreichte die maximale Windböe am Fichtelberg 184 km/h und 1973 nochmal 155 km/h.

1973 nimmt für den Fichtelberg eine ganz besondere Rolle ein, denn in diesem November maß das Anemometer an 9 Tagen die höchste Windstärke.

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Vorwinter

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Fichtelberg heute Morgen (Foto Kerstin Franze)

Auf dem Fichtelberg ist es weiss geworden und heute Morgen wurden privat 5cm gemessen. Zwar wird dieser Schnee nicht die wieder steigenden Temperaturen der nächsten Tage überleben, aber für einen ersten Schneemann reicht es allemal ⛄.

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