Lufttrübung durch Saharastaub

Dieser Februar ist einer der spannendsten Wettermonate seit langer Zeit. Da ist nicht nur die ungewöhnliche Temperatur-Wochenamplitude von fast 40°C (Aue: 39,6°C), sondern auch die regionalen Temperaturunterschiede zwischen den Föhntälern und den gestern noch zahlreicheren Gebieten in der Kälte des Böhmischen Nebels, aus dem Alexander Buhle weitere Fotos schickte:

Heute kam noch Saharastaub dazu. Der Staub wird in der Sahara durch lokale, kräftige Winde aufgewirbelt und kann dann in höheren Luftschichten über große Entfernungen verfrachtet werden. Auf der Ostseite einer Tiefdruckzone über West- und Südwesteuropa, die sich zeitweise bis nach Nordafrika erstreckt, gelangte durch eine südliche Höhenströmung der Saharasand auch nach Mitteleuropa.

Links: Ausbreitung des Saharastaubs bis nach Skandinavien. Quelle: ZAMG;
Rechts: Lidarmessung der Station Marienberg. Quelle: DWD

Durch die hohe Dichte an Kondensationskeimen, an denen sich Wasserdampf absetzt, bildeten sich heute Morgen eine dünne Wolkendecke. Diese war nur 5000-6000 Meter hoch, aber bestand zumindest teilweise aus Eiskristallen und bildete verbreitet zarte Halos.

Saharastaubhalo (ch)


Aber auch nach Auflösung der Wolken blieb eine deutliche Lufttrübung zurück und es war eine weitere atmosphärische Erscheinung zu sehen. Deckte man die Sonne ab, dann wurde ein bräunlicher Ring um die Sonne sichtbar. Der so genannte Ring von Bishop entsteht, wenn das Sonnenlicht an den unzähligen Staubpartikeln der Atmosphäre gebeugt wird. Der Radius des Rings variiert dabei stark mit der Partikelgröße. Bei Saharastaub hat er meist einen Sonnenabstand von 10-20°. Bei feinerem Staub oder winzigen schwefelhaltigen Vulkanaerosolen in der höheren Atmosphäre wurden jedoch auch schon Bishop’sche Ringe mit 30 bis 45 Grad beschrieben. Der Namensgeber dieser Erscheinung ist Pastor Sereno Edward Bishop. Er beschrieb solch einen Beugungsring nach dem legendären Vulkanausbruch des indonesischen Inselvulkans Krakatau, bei dem mehr als 18 Kubikkilometer Gestein und Asche bis zu 80 km in die Höhe geschleudert wurden.

Ring von Bishop in Schwarzenberg (ch)

Aber am charakteristischsten sind natürlich die gelblich-trüben Sonnenauf- und Untergänge, von denen Mario Groth, Wolfgang Weigert, mb und ch nachfolgend Aufnahmen zur Verfügung stellen (ch)

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Temperaturrekorde im Westerzgebirge und Böhmische Nebelkälte im Osterzgebirge

Im Satellitenbild ist der Böhmische Nebel sehr gut zu sehen. Quelle: SAT24.de

Ausgeprägter kann ein Temperaturunterschied kaum sein. Während Schwarzenberg mit 20,8°C heute zu den wärmsten Orten Deutschlands gehörte und Aue mit 20,0°C sowie der Fichtelberg mit 12,9°C neue Februarrekorde aufstellten, gab es im Osterzgebirge von Frühling keine Spur. Zinnwald meldet mit einer Höchsttemperatur von -0,3°C sogar einen Eistag. Schuld ist Böhmischer Nebel, der sich im Böhmischen Becken gebildet hatte und in Kammlagen unter 900 Metern übergeschwappt ist. So legte sich die kalte Nebelsuppe über Zinnwald und ließ keine wärmenden Sonnenstrahlen durch.

Nebelfrostige Bäume in Zinnwald. Fotos: Alexander Buhle

Morgen könnte die Obergrenze des Nebels ansteigen und weitere Kammorte unter sich begraben und es wird (vorübergehend) nicht mehr ganz so warm wie heute. (ch)

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Frühlingsausbruch

Erster Winterling in Schwarzenberg

Dieser kleine Winterling steckt neugierig sein Köpfchen heraus, als wölle es schauen, was denn jetzt los ist, gerade war noch alles tiefgefroren und nun so warm? So richtig traut er dem Frieden noch nicht und bleibt vorsichtshalber knapp über dem Erdboden …

Ein Orkantief südwestlich von Island saugt milde Luft an und bringt sie nach West- und Mitteleuropa. Der Winter hat sich nach der sehr kalten Periode deshalb erst einmal verabschiedet und im Tiefland ist der Schnee bei Temperaturen bis 11°C (Schwarzenberg) in Rekordgeschwindigkeit weggetaut. Selbst auf dem Fichtelberg ist das Tauwetter mit Temperaturen bis 4°C bereits angekommen und die Schneehöhe ist unter einen Meter gesunken.

Blick auf Schwarzenberg am 15. und 19.02.2021

Und es wird noch wärmer. Bis Mitte nächster Woche werden auf dem Fichtelberg bis 12°C erwartet und die wärmsten Täler gehen auf die 20°C zu. Allerdings könnte Saharastaub den Himmel trüben und vielleicht auch für milchige Wolken sorgen.

Aber ein Blick in die Statistik zeigt, dass einer strengen Kaltluftperiode mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere folgen werden. Und tatsächlich berechnet das amerikanische Vorhersagemodell bereits Anfang März ein Rückkehr der Kälte und die anderen Modelle ziehen allmählich nach. Details bleiben natürlich noch abzuwarten, aber Sonnenanbeter sollten auf jeden Fall die warmen Tage bis kommenden Donnerstag intensiv nutzen. (ch)

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Die Kältepole Deutschlands und Tschechiens im Erzgebirge

In der letzten Woche wurde zwischen einem Höhenrücken über der von der Iberische Halbinsel, Großbritannien und der Nordsee hinweg bis nach Grönland reichte und einem kräftigen Hoch über Osteuropa mit einer nördlichen Strömung arktische Luftmassen herangeführt. In den letzten beiden Nächten ist es aufgeklart und aufgrund der kalten Schneedecke sind die Temperaturen in den Keller gegangen.

Seit 9.02. gab es in Deutschland Minimumtemperatur unter -20°C und in einem Streifen von Niedersachsen über Hessen nach Thüringen wurden einige Allzeitrekorde geknackt. So beispielsweise in den thüringischen Städten Mühlhausen (-26,7°C am 10.2.), Olbersleben (-26,0 am 9.2.)  oder Querfurt im südwestlichen Sachsen-Anhalt (-24,8°C am 14.).

Auch im Erzgebirge war es sehr kalt – nur ist man dort in den Kältelöchern solche Temperaturen gewohnt. Insofern stellen weder die Kühnhaider, noch die Hirschenständer Minimas Absolutrekorde dar.

So wurde in Marienberg-Kühnhaide heute Morgen mit -29,0°C (und -33,0°C am Erdboden) die kälteste Temperatur des Winters in ganz Deutschland gemessen, aber der Rekord vom 1.02.1998 mit -33,5°C wurde nicht eingestellt.

Und es war auch nicht die kälteste Temperatur des Erzgebirges. Denn da gibt es ja noch den Messpunkt in Jelení (Hirschenstand) mit ähnlichen Bedingungen, aber höher gelegen. Dort rauschte die Temperatur gestern Morgen auf -32,7°C herunter und war die kälteste Station der gesamten Tschechischen Republik. Aber auch dort war die bisherige Tiefsttemperatur von -38,6°C aus dem Februar 2012 nicht gefährdet.

Ganz anders auf dem Fichtelberg, wo sich gestern eine Inversion ausbildete. Mit -10°C gehörte er gestern Morgen zu den „wärmsten“ Orten des Erzgebirges. Im Tagesverlauf stieg die Temperatur auf -5°C an und die schon kräftige Sonne begann, den Schnee von den Bäumen zu werfen.

In den Tälern kletterten die Temperaturen bereits in den Plusbereich (z.B. 4,6°C in Schwarzenberg) und es setzte Tauwetter ein. Da es in den kommenden Tagen noch wärmer wird, müssen wir uns vorerst von solchen Wintermärchenbilder wie gestern Morgen verabschieden. (ch)

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Lichtsäulen am Fichtelberg

Fast täglich werde ich gefragt, ob denn bei der Kälte schöne Eisnebelhalos auf dem Fichtelberg zu erwarten sind. Aber trotz der derzeit sehr kalten Temperaturen gibt es auf dem Fichtelberg keine guten Bedingungen für große Eisnebelhalos-Displays. Denn das Erzgebirge liegt im Stau einer Nordanströmung, hat viele tiefe Wolken, wenig Sonne und der Böhmische Nebel, der normalerweise am Kamm auskristallisiert, fehlt komplett.

Insofern bleibt auch am Fichtelberg (wie derzeit in allen kalten Regionen möglich) nur der klassische Polarschnee, der aus dem Wasserdampf der bodennahen feuchten Luftschicht auskristallisiert. Laut Lehrbuch kann dieser ab -12°C entstehen, in der Praxis (nach eigenen Beobachtungen) je nach Kondensationskeimdichte und Luftfeuchtigkeit auch schon mal bei etwa -6°C. An diesen Kristallen treten sowohl an Sonne als auch an hellen Lampen (wie bei Mathias‘ Beobachtung am Dresdener Elbtal) bevorzugt Lichtsäulen auf, denn die zu Boden schwebenden Eiskristalle reflektieren wie die Wellen auf einer Wasseroberfläche das Sonnenlicht.

Bereits gestern Morgen war auf den Webcambildern der Fichtelberg-Schwebebahn eine schöne Lichtsäule erkennbar.

Quelle: http://fichtelberg.panocloud.webcam/

Im Tagesverlauf zog es dann leider zu. Als es etwa 1 1/2 Stunden vor Sonnenuntergang wieder aufriss, sind wir ziemlich spontan hochgefahren. Leider war es auf dem Fichtelberg inzwischen wieder zugezogen. Aber unten an der Straße zur (5m entfernten) Grenze hatten wir dann einen schönen Blick auf die Sonne, an welcher erst eine untere und später auch eine schöne obere Lichtsäule zu sehen war. Leider mussten wir auf der Straße bleiben, denn im inzwischen über 1m hohen feinsten Pulverschnee sinkt man gnadenlos ein. (ch)

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Kalt, kälter, am schönsten

Die letzte Nacht war die kälteste seit 2012. Wolken verhinderten Rekordtemperaturen, aber selbst in den wärmeren Regionen wie Aue sank das Thermometer bis auf -20°C. Der kälteste Ort des Erzgebirges war Marienberg-Kühnhaide mit -26,3°C in der Luft und -29,8°C am Erdboden. Deutlich wärmer war es auf den Bergen, da die schwere Kaltluft bevorzugt in die Täler absinkt. So meldete der Pöhlberg als Minimum -17,3°C und der Fichtelberg war mit -16,5°C der wärmste Ort des Erzgebirges.

Bei solchen Temperaturen kann hohe Luftfeuchtigkeit regelrecht auskristallisieren und es bilden sich Eisnadeln oder Eisplättchen, die langsam zu Boden schweben. Diese erzeugen nachts häufig Lichtsäulen an Lampen und Autoscheinwerfern, da sie wie die Wellen auf dem Meer das Licht reflektieren. Solche Lichtsäulen konnte Matthias Barth heute Morgen auf dem Flughafen in Dresden beobachten.

Aufgrund des fehlenden Windes waren die Temperaturen aber erträglich, zumal am Vormittag auch noch die Sonne herausblinzelte. Insofern konnte man viele witzige Sachen machen, die lange Zeit nicht mehr möglich waren. Einige Eisfreuden wie die Verwandlung von kochendes Wasser in Schnee oder gefrierende Seifenblasen haben wir bereits in diesem Artikel vorgestellt. Heute Morgen kam noch die „Stehjeans“ hinzu.

Dafür weicht man eine (am besten ausgediente) Jeans in Wasser ein und hängt sie etwa eine Stunde draußen auf. Sie friert derart hart, dass man sie anschließend wunderbar in den Schnee stellen kann. Im nachfolgendem Klopf-Video (entstanden bei -18°C in Schwarzenberg) ist gut zu sehen, wie hart eine Jeans werden kann. Natürlich kann man seine gesamte Garderobe auf diese Weise in den Schnee stellen, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und zumindest bis zum Wochenende bieten weitere kalte Nächte Gelegenheit dazu. (ch)

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Eiskörner und Schneechaos

Eiskörner in Schwarzenberg

In Schwarzenberg und Umgebung gab es gestern eine besondere Überraschung. Der Niederschlag fiel stundenlang als Eiskörner. Diese entstehen, wenn Regentropfen oder geschmolzene Schneeflocken durch eine wärmere Luftschicht in eine bodennahe frostige Kaltluftschicht fallen und dabei gefrieren. In der Höhe war die Warmluft also noch vorhanden, während sich am Boden die Kaltluft mit Temperaturen zwischen -3 (zu Beginn) bis -6°C bereits breitmachte. Bis in die Nacht hinein bildeten die Eiskörner eine mehrere Zentimeter hohe Schicht, bevor in der zweiten Nachthälfte Neuschnee diese seltene Niederschlagsart unter sich begrub.

Im gestrigen Blogartikel habe ich beschrieben, dass der Saharastaub an der Wetterfront das Schlimmste wohl verhindert hat. Abends staunte ich dann nicht schlecht, als ich in den Nachrichten sah, dass selbst 15-20 Zentimeter Schnee ganze Großstädte in ein Chaos stürzen können. Als Erzgebirger, der jahrelang bei Wind und Wetter zum Arbeiten auf den Fichtelberg gefahren ist, kann man sich das kaum vorstellen, denn Winter mit zum Teil ganz anderen Schneemengen ist hier eine ganz normale Jahreszeit, in der man einfach 10 Minuten früher losfährt. Aber dann …

Dann fuhr ich heute nach Chemnitz und erlebte, was 16cm Schnee anrichten können. Selbst die Hauptadern der Stadt waren nicht vom Schnee beräumt, Spurrinnen und festgefrorene Schneepampe machten ein Fahren im eigentlichen Sinne unmöglich, jedes Abbiegen wurde zur Rutschpartie, Parkplätze waren nur befahrbar, wenn gerade ein Fahrzeug herausgefahren ist und die Fußgänger (und Hunde) kämpften sich auf den naturschneebelassenen Fußwegen durch den Schnee. Was war es für ein Segen, in Hartenstein wieder auf die gut beräumten erzgebirgischen Straßen abbiegen zu können. An dieser Stelle mal ein riesiges Dankeschön an den erzgebirgischen Winterdienst, die es jedes Jahr aufs Neue schaffen, dass der Winter hier eben eine ganz normale Jahreszeit ist.

Der große Schneefall ist nun erst einmal vorbei, dafür wird es richtig kalt. Bei Aufklaren kann das Thermometer nachts unter -20°C fallen, tagsüber klettert es kaum aus dem zweistelligen Minusbereich heraus. Und ein Ende der Kälte ist nicht in Sicht. Allerdings könnte kommende Woche ein weiteres sehr selten gewordenes Wetterereignis dazu kommen … Sonnenschein!

Zum Saharastaubschnee haben und noch zahlreiche Fotos erreicht, deshalb nachfolgend weitere Fotos von diesem seltenen Ereignis. (ch)

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Saharastaub statt Katastrophe

Die Presse hat sich an Schlagzeilen mal wieder selbst übertroffen

Seit einer Woche hat uns die Presse mit sich überschlagenden Meldungen auf ein Katastrophenwochenende vorbereitet.

Das Tief TRISTAN zog letzte Nacht vom südlichen Mitteleuropa zu uns herein und prallte dort auf die sehr kalte Festlandsluft des über dem Nordmeer und Skandinavien liegenden Hoch GISELA. Allerdings wurde durch eine straffe Südströmung auch reichlich Saharastaub aus Nordwestafrika in etwa 5km Höhe nach Süddeutschland getragen. Man konnte dies auf den Alpenwebcams verfolgen und erlebte eine Stimmung wie auf dem Mars (z.B. 123). An den Sandkörnern kondensierte Wasserdampf, so dass sich (unvorhergesagt) Wolken bilden konnten und es zudem außerordentlich (gelblich) trüb war.

Durch die stark gefilterte Sonne stiegen die Temperaturen nicht so stark an, wie berechnet. Das hatte zur Folge, dass sich die Luftmassengrenze weniger markant und etwas diffuser weiter im Süden ausbildete. Die größten Schneehöhen gab es in einem Streifen vom Niederrhein über das Sauerland und Thüringen bis nach Leipzig, wobei der starke Wind auf freien Flächen für Schneetreiben mit eingeschränkten Sichtweiten sorgte. Die höchste Neuschneemenge wurde mit 32cm an der Stationen Weißensee-Ottenhausen in Thüringen gemessen. Sonst fielen in diesem Streifen zwischen 2 und 25 Zentimeter.

Ich habe einige Flachländer in den entsprechenden Gebieten gefragt, alle empfanden dies als ganz normalen Wintereinbruch, der Winterdienst funktionierte, aber es gab vor allem beim Nahverkehr einige Einschränkungen (ebenfalls normal), wohl aber auch, weil die Technik gar nicht mehr auf Winter eingestellt ist.

Sehr viel schlimmer waren die Menschen in Hessen und Ostthüringen dran, die den Eisregen abbekommen haben. Dort regnete es teilweise über Stunden, der Winterdienst kapitulierte und eine dickte Eisschicht legte das Leben quasi lahm.

Das Erzgebirge kam mal wieder mit blauem Auge davon. In den Vorhersagen lag es schon mehrfach außen vor, aber ab und zu auch im Gebiet mit Eisregen. Aber in der Nacht zog der Saharastaub von Südbayern auch zu uns und deckelte in der Höhe die Temperaturen, so dass die tieferen Lagen statt Eisregen Eiskörner bekamen. Diese entstehen, wenn Regentropfen oder geschmolzene Schneeflocken durch eine kalte Luftschicht fallen und dabei (wieder) gefrieren. Am Erzgebirgskamm schneite es, die höchste Neuschneemenge fiel mit 14cm in Deutschneudorf-Brüderwiese. Auf dem Fichtelberg stieg mit nur 4cm Neuschnee die Schneehöhe auf 90cm.

Verteilung des Saharastaub.

Interessant waren die intensiven Ablagerungen von Saharasand im Schnee, welche die Presse gern als Blutschnee betitelt. Im Erzgebirge sind diese sehr selten, da eine straffe Südströmung gewöhnlich Warmluft mit sich bringt, die eher für Regen als für Schnee sorgt. Aber in den Alpen gibt es in fast jedem Winter Staubablagerungen. Das letzte derart intensive Ereignis gab es am 21.02.2004.

Nachfolgend einige eindrucksvolle Fotos von Matthias Barth in Dresden und Carsten Kundt in Thüringen.

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Das Wetter im Osterzgebirge im Januar 2021

Die 1. Dekade des Jahres 2021 bleibt nass und trüb in Erinnerung. Vom 03. – 05. wurde auch im Tiefland Nebel beobachtet. Es bildete sich eine dünne Schneedecke bis in Elbtal. Die Konstellation der Druckgebiete lies den Wind fast einschlafen.
Hoch Antje“ mit ihrer Hochdruckbrücke lies endlich mal nennenswert Sonne bis zum Erdboden durch. Die Temperaturen gingen auf -6 bis – 8 °C zurück. Es blieb aber nicht komplett trocken, wodurch sich wieder flächendeckend eine Schneedecke ausbildete.

Tief Dimitrios“ bestimmte ab dem 12. die Witterung: Mit stürmischen Wind aus NW-NO gewitterte es am Abend des 13. begleitet von Schneeschauern. Auf der Rückseite floss feuchte Polarluft zu uns. Die Schnee-decke erreichte am 16. den Höchstwert (außer Zinnwald) mit 12 cm (Dohna) bis 20 cm (Bannewitz). Am Morgen des 17. maß das Dohnaer und Köttewitzer Thermometer den Monatstiefstwert mit -11,0 °C/-8,9 °C
Diesmal war die Kälte im Tiefland nicht mit Sonnenschein verbunden.
Mit „Tief Goran“ entwickelte sich eine straffe Südwestlage. Vom 19. – 23. lagen die Temperatur deutlich über dem Soll. Den Höhepunkt spiegelt der 22. mit 4,0 °C (Zinnwald) bis 12,1 °C (Dohna) wieder. Bis auf 500 m war wieder das Grün sichtbar. Die Sicht war erstmalig sehr gut. In Zinnwald reichte es mit 53 cm Schnee deutlich für Wintersport auch wenn der Schnee nicht der „glatteste“ war.
Aber eine westliche Troglage („Tief Irek“) versorgte den Landkreis anschließend mit viel Neuschnee im Gebirge. Auf Höhe des Elbtals blieb es matschig.
Der mit Abstand schönste Tag war der letzte des Januars. Die Sonne schien die max. mögliche Zeit (7,9 h). Vom Osterzgebirge aus war die Schneekoppe zu erkennen und der Wind wehte lau g Kaiserwetter. An diesem Tag meldeten Dohna & Köttewitz 3 cm, Bannewitz 10 cm und Zinnwald-Georgenfeld 71 cm als Schneehöhe.

Mit -3,7 °C war Zinnwald erwartungsgemäß der kälteste und Dohna (1,0 °C) der wärmste Standort. Die Mitteltemperaturen lagen dabei im januarüblichen Bereich. Frost trat an 16 (Köttewitz) bis 31 Tagen (Zinnwald) auf. Eistage mit Höchstwerten < 0 °C registrierten die Thermometer zwischen 1x (Dohna) und
25 x an der Wetterwarte Zinnwald. Auch diese Parameter lagen im gewöhnlichen Bereich. Turbulenter wurde es beim Niederschlag und Sonnenschein. An beachtlichen 26 Tagen sammelte sich im Zinnwalder Hellmann Niederschlag und an allen Tagen mit Festkörpern. Am wenigsten zu tun hatte der Bannewitzer Wetterbeobachter (19 Tage). Den geringsten Schneeanteil meldete Köttewitz (21 Tage). Die Niederschlags-summen von 74 mm (Köttewitz) bis 116 mm (Zinnwald) überboten das langjährige Mittel um 50 % im Obererzgebirge und 80 – 90 % im Tiefland. Erwartungsgemäß blieb uns dadurch die Sonne einiges schuldig. Messbar war sie an 9 bis 11 Tagen (gesamt 28 bis 37 h). Der 4. trübste Januar in der Gesamtreihe! Der Himmel war zu 7,3/8 = 91 % bedeckt. Aber die Skifans freuten sich trotzdem. Schließlich war den gesamten Januar über Wintersport auf dem Kamm möglich. Selbst im unteren Erzgebirge reichte es für 12 Skitage (Schneehöhe ≥10 cm). Die max. Höhe in Dohna betrug 12 cm. Die Vereinsbeobachter in Zinnwald-Georgenfeld freuten sich am 30. über 73 cm. Nebel entstand an 1 (Dohna & Bannewitz) bis 24 Tage (Zinnwald). Köttewitz – sonst ein nebelfreier Ort – kam an 4 Tagen in den „Genuss“.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Der Winter kehrt zurück

Sonnenaufgang am letzten Montag – so sollte es bald wieder auf dem Fichtelberg aussehen (ch)

Seit Tagen titeln die Medien wieder um die Wette, dass uns am Wochenende eine Schneewalze und die große Polarpeitsche heimsuchen. Für uns Erzgebirger wird es sicher ein ganz normaler Wintereinbruch, wie wir es von der Jahreszeit nicht anders gewohnt sind. Für das Tiefland könnte die Wetterlage jedoch brisant werden.

Seit vergangener Woche befindet sich Deutschland im Einflussbereich verschiedener Luftmassen. So floss von Norden und Nordosten her polare Meereskaltluft ein, die vor allem die nördlichen und östlichen Landesteile beeinflusste und für Neuschnee sorgte. Aber nur der äußerste Norden Deutschlands verblieb in der Polarluft. Der Rest des Landes und auch das Erzgebirge wurden von Südwesten her von atlantischer Warmluft geflutet.

Diese ließ gestern selbst auf dem Fichtelberg die Temperaturen in den Plusbereich (bis 3,4°C) ansteigen und den Regen in Schnee übergehen. Dadurch ist die Schneedecke leider auf nur 82cm (private Messung) zusammengeschrumpft. Noch schlimmer war es in tieferen Lagen, wo die zum Teil über 30mm Niederschlag in 48 Stunden (Tannenberg: 31,2mm) komplett als Regen fielen und den zuvor gefallenen Schnee regelrecht wegwuschen. Die Flüsse stiegen deutlich und kleinere Bäche schwollen an, aber größere Überflutungen sind aus dem Erzgebirge nicht bekannt.

Randvoller Oswaldbach in Schwarzenberg (ch)

Am Wochenende intensiviert sich die Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands und trennt eisige Polarluft im Norden von sehr milder Luft im Süden, die von Tief Tristan aus Spanien herangeführt wird und am Alpenrand die Temperaturen mit Föhnunterstützung bis auf 20° ansteigen lassen kann. Dort, wo die Luftmassen aufeinanderprallen, kann sich kräftiger Niederschlag bilden. Auf der kalten Seite können nach Modellberechnungen bis Montag 20-40cm Neuschnee fallen, zudem frischt der Ostwind von der Ostseeküste her auf verweht den frisch gefallenen Schnee. Im Übergangsbereich zur Warmluft nach Süden könnte gefrierender Regen zu Glätte führen.

Wo genau der Kampfplatz der Luftmassengrenzen mit dem höchsten Niederschlag sein wird, darüber sind sich die Modelle noch uneins. Ziemlich sicher ist, dass auch das Erzgebirge einen großen Schwall Kaltluft abbekommt und sicherlich wieder weiß wird. Wieviel Schnee fallen wird, hängt stark von der Höhenlage ab, nämlich wann der Regen in Schnee übergehen wird. Ich bin aber optimistisch, dass der Fichtelberg seinen Meter Schnee spätestens am Montag wiederhaben wird. (ch)

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