Solidarisches Sterben – Ein Nachruf auf unseren Überlebensbaum

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Der Baum in seinen jungen Jahren

Dieser Baum ist mind. so alt wie die Wetterwarte, denn er war bereits auf den ersten Fotos dieser zu sehen, wenn auch damals noch jung und frisch. Was mag er in den über 100 Jahren alles gesehen und erlebt haben? Den zweiten Weltkrieg, einen Großbrand, das Sterben all seiner Mitbäume Ende der 80er, die Sprengung und den Abriss des DDR-Fichtelberghauses, unzählige Stürme und andere Unwetter, aber auch traumhaft schöne Sonnenauf- und Untergänge …

Er stand immer im Blickfeld der Wetterbeobachter, ist Teil unzähliger Fotos und ist als Überlebensbaum in die Präsentation zur 100-Jahrfeier der Wetterwarte eingegangen. Er hat – ebenso wie die Mitarbeiter der Wetterwarte jedem Wetter getrotzt und beide waren fest in die Geschichte des Fichtelbergs verankert.

Nun hat er zum Jahreswechsel zusammen mit dem Personal und der ununterbrochenen Klimareihe der Wetterwarte sein Ende gefunden. Durch Trockenheit, Stürme und den dicken Nebelfrost der letzten Wochen ist seine Krone gebrochen. Der tote Stamm ragt nun aus dem Schnee wie ein mahnender Zeigefinger: Bei allem Handeln sollte man die unberechenbaren Wetterkapriolen auf dem Gipfel nie unterschätzen!

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Riesengebirgssicht zum Sonnenaufgang

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Der markante Milleschauer (Böhmisches Mittelgebirge) mit dem dahinter liegendem Riesengebirge kurz vor Sonnenaufgang.

Nach der herrlichen gestrigen Riesengebirgssicht hofften wir zum Sonnenaufgang auf mehr und fuhren erneut auf den geliebten Fichtelberg. Die Bedingungen waren gut. Die -4°C in Schwarzenberg und extrem trockenen +6°C auf dem Gipfel ließen auf eine kräftige Inversion schließen. Solch eine Inversionsschicht deckelt nicht nur Kaltluft, sondern auch sämtliche Dreck- und Staubpartikel, so dass oberhalb die Luft oft sehr klar und durchsichtig ist. Und so hatten wir auch heute Glück, das Riesengebirge war kurz vor Sonnenaufgang zum Greifen nah. Teilweise wurde es zusammen mit dem Jeschken von leichten Luftspiegelungen verzerrt.

Der Sonnenaufgang selbst war auch sehr interessant, denn die Sonne schien über den Horizont zu wachsen und sich durch die einzelnen verzerrenden Luftschichten hindurchzukämpfen (siehe nachfolgendes Video).

Auch am Ochsenkopf im Fichtelgebirge zeigten sich Spiegelungseffekte, während der Große Arber aufgrund von langsam hereindriftenden Saharastaubs heute nicht zu sehen war.

Kurz nach Sonnenaufgang wurde die Inversionsschicht durch die hohe Strahlung der Sonne schnell aufgelöst und die gute Sicht verschwand, noch bevor die Autokolonne der Skifahrer den Gipfel erreichte 😉 (ch, wh)

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Traumwetter und ungewöhnliche Fernsicht

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Die Wetterwarte taut auf. Foto: Claudia Hinz

Was für ein Tag! Die Sonne strahlte den ganzen Tag vom fast wolkenlosen Himmel und die Temperaturen kletterten bis auf 15°C in den Tälern (Aue: 15,3°C) und 9°C auf dem Fichtelberg. Durch den schwachen Wind und die hohe Sonneneinstrahlung wirkte es aber mindestens ebenso warm wie in Aue und nicht nur ich befreite mich schnell von meiner Jacke und krempelte die Ärmeln des viel zu warmen Flanellhemdes hoch …

Besonders imposant war die Fernsicht. Bis zum Mittag war deutlich das Riesengebirge mit der 220km entfernten Schneekoppe erkennbar. Auch der Bayrische Wald schien zum Greifen nah.

Dem Schnee ging es mächtig an den Kragen. Zwar wurde die Gesamtschneehöhe „nur“ um 5cm auf 170cm (private Messung) dezimiert, aber die meisten Bäume verloren ihre seit Wochen auferlegten Schneelasten. Es war, als wäre überall ein befreites Ächzen zu hören. bei vielen Fichten offenbarten sich abgestorbene Spitzen, einige Bäume überlebten nicht (dazu in einem späteren Artikel).

Auf den folgenden Fotos von gestern (von Matthias Barth) und heute (von Claudia und Wolfgang Hinz) sieht man die freigelegten Bäume. Bis mindestens Montag bleibt es sonnig und sehr warm, wie es danach weiter geht, da sind sich die Modelle noch nicht so einig. (ch)

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Stürmischer Wochenbeginn, aber Besserung kommt

Im Raum Leipzig, wo Sebastian Manns wohnt, ist schon fast Frühling und vereinzelt blühen schon Hasel und Erle. Also die beste Zeit für einen Ausflug auf den Fichtelberg, um noch ein bisschen Winterluft zu schnuppern. Aber was ihn oben auf dem Berg erwartete, hatte er so nicht auf dem Plan. Die eh derzeit schon stark lädierten Bergstraßen waren durch Schneetreiben zum Teil nur schwer passierbar. Auf dem Gipfel wurde er mit Nebel und Windspitzen bis 99 km/h empfangen und die Schnee- und Graupelschauer peitschten schmerzhaft ins Gesicht. Keine Spur von Frühling!

Stürmischer Montagsausflug zum Fichtelberg. Fotos: Sebastian Manns

Aber am Morgen zeigt sich auch der Fichtelberg wieder von seiner sonnigen Seite und die Temperaturen steigen zumindest vorübergehend in den positiven Bereich Denn das Hoch DORIT über West- und Mitteleuropa vertreibt die Schauer nach Osteuropa und bringt sonniges und warmes Winterwetter. Denn winterlich ist es auf dem Berg nach wie vor und die momentanen 1,76 Meter Schnee (privat gemessen) werden nicht so schnell weichen. In diesem Sinne wünschen wir ein herrliches Skiwochenende! (ch)

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Schneeburg in Carlsfeld

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Sapperino der Zweite ist Herrscher einer kompletten Burg. Foto: Kevin Förster

Wohin mit dem vielen Schnee, der in den letzten Wochen gefallen ist? Carlsfeld hat schon vor zwei Jahren für Furore gesorgt, als der Schnee zu einem hübschen 15,5 Meter hohen Schneemann verarbeitet wurde. Sapperino der Erschte lockte damals unzählige Schaulustige an.

Nun liegt noch mehr Schnee und ein größeres Bauwerk muss her. Am Sonntag war die Geburtsstunde von Sapperino II., der von einer 25 mal 12 Meter große Burg mit 12 Meter hohen Türmen umrahmt wird. Freiwillige Helfer benötigten zwei Wochen für dieses Kunstwerk. Eine Woche ist noch für den Feinschliff vorgesehen, bevor am 16. Februar die feierliche Eröffnung stattfindet. (ch)

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Luftspiegelungen an Fichtelgebirge und Bayrischen Wald

Luftspiegelung am Fichtelgebirge. Fotos: Gerd Franze

Am Mittwoch (6.02.19) lag der Fichtelberg herrlich sonnig oberhalb einer Inversion mit Talnebel. Während in der Nebelsuppe die Temperatur ganztägig im unterhalb des Gefrierpunktes blieb, stieg sie auf dem Gipfel bis auf 2,6°C. Solche Wetterlagen sind ideal für Luftspiegelungen. Durch den Temperatur- und damit verbundenen Dichtesprung direkt an der Wolkenkante wird das Licht reflektiert und erzeugt Spiegelbilder entfernter Berge.

Nachfolgend ein Video von Gerd Franze, welches eine dynamische Luftspiegelung am Bayrischen Wald zeigt.

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Erneut Schnee im Erzgebirge

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Traumwinterabend bei 1,83 Meter Schnee

Am Sonntag sorgte ein Mittelmeertief erneut für starke Schneefälle im Alpenraum, Ostbayern und Sachsen. Am Erzgebirgskamm fielen bis 40cm Neuschnee, aber auch beispielsweise der Flughafen Dresden bekam 24cm ab. Der ehemalige Fichtelbergkollege Matthias Barth hatte gerade Dienst und berichtete, dass der Flugbetrieb eingestellt und alle ankommenden Flüge nach Leipzig und Schönefeld umgeleitet wurden. Auch die  dort installierten Messgeräte der Wetterwarte hatten mit dem Schneefall stark zu kämpfen.

Auf der A4 gab es zum Teil kilometerlange Staus, da mehrere Pkw quer auf der Fahrbahn standen. Auf den erzgebirgischen Straßen hielt sich das Chaos aber in Grenzen, dort ist Winter eine ganz normale Jahreszeit. Nur, wo es stark geweht hat, war es mitunter schwierig durchzukommen.

Auf dem Fichtelberg kam gestern die Sonne wieder heraus und zum Sonnenuntergang präsentierte sich der Berg mit Talnebel und 1,83 Meter Schnee (privat gemessen!) als perfekter Wintertraum. Allerdings machte sich die Entmannung der Wetterwarte stark bemerkbar. Da der Zaun der Wetterwarte längst unter dem Schnee verschwunden ist und man wunderbar oben drüber laufen kann, wird das Messfeld langsam zum Mekka von Ausflüglern. Außerhalb der Dienstzeiten der Wartungsmitarbeiter sind also alle Messgeräte frei begeh- und manipulierbar. Da solche Situationen aber vorher bekannt waren und auch kommuniziert wurden, wird das, wie auch die fehlenden Niederschlags- und Schneehöhenwerte bewusst in Kauf genommen. Eine solide Datenqualität ist auf diese Art und Weise aber nicht mehr sicherzustellen. (wh)

 

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Fichtelbergwetter im Januar 2019

Betrachtet man die deutschlandweiten Januarauswertungen (zu warm, sonnenscheinnormal und etwas zu viel Niederschlag), dann fällt der Fichtelberg in doppelter Hinsicht durch das Raster. Zum einen, weil er zu kalt und in Sachen Niederschlag rekordverdächtig war und zum zweiten, weil aufgrund offiziell fehlender Messungen auf der Radarkarte des Monatsniederschlages im größten Skigebiet von Ostdeutschland ein „trockenes“ Loch“ klafft. Zum Glück gibt es noch Enthusiasten, welche durch tägliche Niederschlags- und Schneehöhenmessungen versuchen, dieses Loch aufzufüllen. Denen zum Dank ist auch für den Monat Januar eine Monatsauswertung möglich.

Das Wetter wurde im Januar 2019 durch Tiefdruckgebiete dominiert, welche aus überwiegend nordwestlichen Richtungen über Deutschland hinwegzogen. In den Staulagen des Erzgebirges und der Alpen gab es dabei große Niederschläge mit enormen Neuschneemengen. So stieg die Gesamtschneemenge auf dem Fichtelberg bis zum 14. auf 1,60 Meter und in Carlsfeld auf 93cm (Automat) bzw. 1,25 Meter (privat gemessen). Selbst im Flachland fiel ein halber Meter Schnee (z.B. private Messung in Schwarzenberg am 10.).

Erst in der zweiten Monatshälfte setzte sich häufiger auch mal hoher Luftdruck durch und kalte Polarluft sorgte vor allem für eiskalte Nachttemperaturen. So wurde in Künhaide am Morgen des 21. eine Lufttemperatur von -24,3°C gemessen. Das Thermometer 5cm über dem Erdboden zeigte sogar -28,2°C. Auf dem Fichtelberg war es an diesem Tag (wahrscheinlich durch eine Inversionswetterlage, was aber nur ein Beobachter sehen kann) mit -10,3°C verhältnismäßig warm und das Erdbodenminimumthermometer leider eingeschneit.

Zum Monatsende gab es ein Auf und Ab der Schneefallgrenze mit einem insgesamt nasskalten Wettercharakter. Auf dem Fichtelberg fielen jedoch alle Niederschläge als Schnee, so dass der Gipfel bis zum 29. in einen 1,73 Meter dicken Schneepanzer gehüllt wurde. Zahlreiche Fotos (1234) zeugen von diesem Traumwinter, den es mit ähnlichen Januar-Schneehöhen zuletzt 2012 (161cm) gab. Es geht aber noch mehr, wie der Januar 1967 zeigte, als sich der Schnee sogar 2,25 Meter hoch auftürmte.

Statistisch zusammengefasst lag der Januar auf dem Fichtelberg mit einer Monatsmitteltemperatur von -5.7 °C um 0.6°C unter der langjährigen Mitteltemperatur von -5.1 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 0.0 °C wurde am 01. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte -12.7 °C am 23. Januar. Es gab 30 Eistage (Höchsttemperatur < 0°C), 31 Frosttage (Tiefsttemperatur < 0°C) und 10 kalte Tage (Tiefsttemperatur ≤ -10°C).

Die Sonne schien insgesamt 43,3 Stunden, was 68 % der normalen Erwartung von 63.8 Stunden entspricht.

Der Monatsniederschlag lag bei 318,9mm. Das sind 365% des Normalwertes von 87.5 mm. Damit wurde der höchste Januarniederschlag in der 103-jährigen Fichtelbergstatistik registriert (die aber wie bekannt zum 31.12.18 offiziell beendet wurde, weshalb dieser Rekord leider auch inoffiziell bleibt!!!).

An allen Tagen lag Schnee. Die höchste Gesamtschneehöhe von 173cm wurde am 29. des Monats gemessen.

Zum Monatsbeginn sorgte Sturmtief ZEETJE für Windspitzen bis 122 km/h und in Gipfellagen für einen zünftigen Schneesturm. Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats brachte aber  Tief FLORENZ am 14. mit 129.6 km/h. Insgesamt war der Januar sehr stürmisch. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 29 Tagen und stürmischer Wind (Windstärke 8) an 16 Tagen.

An 29 Tagen herrschte zumindest zeitweise Nebel. Das sind 2 Tage mehr als im Durchschnitt. Erwähnt werden sollte aber an dieser Stelle die lange Nebelperiode vom 29.12.-17.01. Das ist zwar nicht rekordverdächtig, aber betrachtet man den Zeitraum vom 6.12.-17.01. hat nur an 3 Tagen zeitweise die Sonne geschienen. Man hatte fast das Gefühl, der Berg trauert um seine ehemals enthusiastischen Wetterbeobachter und hat keine Lust mehr, seine phantastischen Geheimnisse preis zu geben, da sich eh keiner mehr daran erfreut.

Denn die auf dem Berg oft außergewöhnlichen atmosphärischen Erscheinungen werden nun leider nicht mehr beobachtet, auch Gewitter oder ungewöhnliche Fernsichten können nicht mehr registriert werden. Dank Zufallsbeobachtungen konnten aber am 4. Januar ein kräftiges Wintergewitter mit einem starkem Schneeschauer, Wind und Schneetreiben am Ortsausgang Bärenstein und 22. Eisnebelhalos am Keilberg, Plessberg und in Klingenthal registriert werden.

Wetterrückblick Olbernhau von Dirk Christoph

Wetterrückblick des Observatoriums Hoher Peißenberg in den bayrischen Voralpen

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Vortrag in der Arche Nebra

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Der Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld

Wie kam es eigentlich zum Wetterverein?

Wie wir alle wissen, macht die Digitalisierung vor nichts in dieser Welt halt, so auch nicht vor dem Wetter. Insofern war die Entscheidung des Deutschen Wetterdienstes wohl langfristig absehbar, die Gelernten und Erfahrenen der Wetterwarten, die ihren Beruf (der zumeist auch Berufung war) mit Leidenschaft ausführten, umzuschulen und anderweitig einzusetzen. Zumal die letzten Jahre gezeigt haben, dass diese Richtung trotz noch nicht restlos geklärter Probleme konsequent durchgesetzt wird.

Mal abgesehen von den Brüchen und Neuorientierungen, die es im Leben der Menschen gibt – mit all den Konsequenzen auch für deren Familien, ist das Sterben der meist in benachteiligten ländlichen Gebieten gelegenen Wetterwarten auch ein herber Verlust für die Region. Denn an den meisten Standorten wurde eben nicht nur „in die Wolken“ geguckt, die Beobachter waren oft gut in ihren Orten vernetzt und es wurden Führungen für Schulklassen, interessierten Gruppen oder Touristen angeboten. Tage der Offenen Tür und andere Veranstaltungen lockten regelmäßig wesentlich mehr Menschen „hinter dem Ofen“ hervor, als das je in einer Stadt möglich wäre. So leisteten die Wetterbeobachter neben ihrer wichtigen Arbeit auch immer einen großen Beitrag für die Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Wetterdienstes in der Fläche, konnten so manchen Irrtum über Wetter und Klima aufklären und waren für viele Schüler die erste Berührung mit diesem hochspannenden Thema.

Da nun aber auch das Aus der professionellen Wetterbeobachtung an der Wetterwarte Zinnwald beschlossen wurde, es aber seitens der Zinnwalder Beobachter und dem Netzwerk, das sie sich im Laufe der Zeit aufgebaut hatten noch so viele Ideen gab, noch so viele Möglichkeiten in der Luft lagen, musste eine gangbare Lösung gefunden werden. Und so wurde mit 17 Erstunterzeichnern der Wetterverein gegründet, der sich seitdem gut zehn Mal im Jahr trifft und oft wöchentlich in Kontakt steht, um die Arbeit im Verein voranzubringen. Übrigens sind die Vereinsmitglieder nicht – wie man meinen könnte – alles Wetterfreaks, nein, es sind auch viele Menschen dabei, die einfach etwas für die Region tun wollen. Nach einem Jahr endlich und vielen Mühen erfolgte dann auch die Eintragung als „gemeinnütziger eingetragener Verein“ beim Registergericht in Dresden.

Da Zinnwald meteorologisch ein besonderer Ort ist – schließlich wird hier der offizielle deutsche Niederschlagsrekord gehalten  – ist unsere Idee, das Thema „Wetter und Klima“ am Leben zu erhalten, einen großen Wetterlehrpfad rund um Zinnwald-Georgenfeld zu bauen und natürlich auch das Erbe der alten Wetterbeobachtung zu bewahren. Da dieses Projekt in dieser Form ziemlich einmalig ist, gibt es auch keine „Blaupause“, alles muss mit viel Mühe erkämpft werden, Dennoch denke ich, haben die festen Vereinsmitglieder und viele Helfer und Sympathisanten – schon eine Menge geleistet.

Etappen des Wetterlehrpfades

Jedes Jahr wird ein neuer Baustein des Wetterweges eingeweiht, nach Schneehöhen- und dem Skitagezaun sowie dem Niederschlagsröhrenprojekt – als Hinweis auf unseren Niederschlagsrekord – gibt es nun auch die Zinnwalder Sonnenuhr. Dazu veranstalten wir Vereinsausfahrten, bisher zum Beispiel zur INTERKLIM-Abschlussveranstaltung nach Usti nad Labem, einer Wanderung auf den Milesovka, einen Besuch bei Thomas Globig im MDR-Wetterstudio oder ins Wettermuseum nach Lindenberg. Im Rahmen des jeden letzten Freitag im Monat im Zinnwalder Hotel Lugsteinhof stattfindenden Wetterstammtisches laden wir immer wieder interessante Gäste mit guten Vorträgen rund um das Thema Wetter und Klima. Zudem ist der Wetterverein jährlich Partner des deutsch-tschechische Grenzbuchenfestes, bei dem sich die Menschen der Grenzorte Zinnwald-Georgenfeld und Cinovec treffen und gemeinsam feiern.

Das ist aber noch lang nicht alles, so arbeiten Vereinsmitglieder die Zinnwalder Klimareihen auf bzw. führen sie fort, so dass wir weiterhin den Monatsbericht für die Regionalzeitung schreiben können, ebenso werden tägliche Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt fortgeführt, sogar die Wettererscheinungen, die der Automat nicht erfassen kann, wie zum Beispiel Halos, Fernsichten, Böhmischer Nebel, Schneeverwehungen oder Gewitter werden beobachtet.  Und natürlich messen wir auch täglich die „nicht verwehte“ Schneehöhe in Zinnwald, und zwar nach der herkömmlichen Beobachtermethode. Diese ist bei Facebook (wetter-ev) oder bei Wetternetz-Sachsen.de zu erfahren. Mitunter ist der Unterschied zur Automatenmessung beträchtlich!

Ab Februar messen wir dann auch die Schneedichte (also die Schwere des Schnees) für den Deutschen Wetterdienst.

Nicht zu vergessen auch der Zinnwalder Wetterkalender, der jedes Jahr durch ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder mithilfe eines Hamburger Mediendesigners entsteht und in dieser Art schon einzigartig ist.

Da die Führungen auf der Wetterwarte aus versicherungstechnischen Gründen im Moment nicht angeboten werden können, ist in Zusammenarbeit mit dem Hotel Lugsteinhof und dem Tourist-Info-Büro der Stadt Altenberg die Zinnwalder Wetterwanderung entstanden, die rund um Zinnwald/Cinovec führt und sich langsam steigender Beliebtheit erfreut. Zum Wandern oder auch Pferdekutsche fahren ist die Gegend mit ihren teils beeindruckenden Aussichten und meist sanften Anstiegen geradezu ideal.

Wobei wir wieder beim Wetterwanderweg sind!

Inzwischen ist die Sichtweitentafel fertig gestellt worden, die – wenn denn der Schnee am alten Sichtstein weggetaut ist – installiert wird. Die Einweihung erfolgt am am 1.2.2019, 15:00 Uhr an der Zinnwalder Turnhalle mit Wintergrillen und einer Murmeltieraktion, denn – Achtung – am 2.2. ist Murmeltiertag! Und es heißt ja, wenn das Murmeltier an Lichtmess Mittag seinen Schatten sieht, dann dauert der Winter noch sechs Wochen.  (Übrigens, letztes Jahr hat es fast geklappt…) Wer Lust hat, kann auch beim Wettertipp mitmachen, diesmal wollen wir wissen, wie viele Sommertage es 2019 an der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld geben wird.

Weitere Informationen über den Wetterverein gibt es unter www.wetter-ev.de oder Wetterverein-Zinnwald-Georgenfeld auf facebook. Oder einfach mal beim Vereinsstammtisch im Hotel Lugsteinhof in Zinnwald-Georgenfeld vorbeigucken (→ Termine).

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