Böhmischer Nebel und Fallstreifen

Wie eine Mauer stand der Böhmische Nebel gestern am Erzgebirgskamm zwischen Rübenau und Ansprung. (ch)

Am Samstag überquerte ein Niederschlagsgebiet das Erzgebirge, allerdings gab es direkt am Kamm eine ausgedehnte föhnige Aufheiterungszone. Das schleifende Tiefdruckgebiet zog schließlich nach Norden ab und von Südosten schob sich gestern langsam ein Hochdruckgebiet zu uns rein. Es klarte in der Nacht auf und das böhmische Becken füllte sich mit Nebel. Im nordseitige Lee war die Luft markant trockener, restliche Altocumuli zerfielen in Fallstreifen (virga) und der Nebel endete abrupt am Kamm und stand dort wie eine Mauer. Mit einem föhnigem Abendrot endete der Tag.

In der kommenden Woche dominiert ruhiges Herbstwetter mit Sonne, aber auch nächtlicher Nebelbildung. Mit weiterer Verlagerung des Hochs nach Südosteuropa könnte es zu massiver Warmluftadvektion über Mitteleuropa kommen, so dass zwei Modelle zur Wochenmitte nochmals Temperaturen bis 25°C sehen. Wir sind gespannt… (ch)

 

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Ski fahren in den Herbstferien: Heute vor 10 Jahren

Um den 20.10.2009 lag das Obere Erzgebirge unter einer Dicken Schneeschicht eingehüllt. Sehr zur Freude der Winterfans. Eine Nordlage brachte am 15. Schnee bis ins Elbtal. Ab 200 m blieb er für eine Nacht liegen und ab Dippoldiswalde (350 m) war die B170 nur noch mit Schneeketten passierbar.

An genau diesen 20.10.2009 meldeten die Wetterwarten folgende Schneehöhen: Fichtelberg 50 cm; Zinnwald-Georgenfeld 25 cm.

Die maximale Schneehöhe wurde im Gebirge am 18. gemessen. Hier die Daten in Übersicht:

Um den Fichtelberg konnte 1 Woche Skilanglauf betrieben werden.
Quelle: Kachelmannwetter, Schneehöhe 18.10.2009

Und jetzt 10 Jahre später?
Heute lagen auch auf dem Kamm 2-stellige positive Temperaturwerte vor. Schnee ist nirgens in Sicht. Im Gegenteil. Dieser Oktober ist zur Zeit ca. 3 K zu warm. Bei gleichbleibenden Trend wird er nach 2001 der wärmste Oktober der modernen Meteorologie.

Ein Trost: Auch wenn diese Vergleiche natürlich nicht übertragbar sind, so sei gesagt, dass der Winter 2001/2002 durchaus genug Skitage zuließ.

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Morgenrot und Regenbögen

Morgendlicher Regenbogen über Chemnitz. Foto: Matthias Strehlau

Gestern Morgen und am Vormittag schickte die okkludierende Front des britischen Tiefs THILO ein kleines Regengebiet über uns hinweg. Als die Sonne aufging, zog der Regen über Sachsen ab und es zeigte sich verbreitet herrliches Morgenrot und in Chemnitz sogar ein wundervoller Regenbogen. Im Tagesverlauf sorgten einige Schauer für weitere Regenbögen oder zumindest Fragmente davon. Zudem war die Fernsicht sehr gut, besonders auf West-Ost-Linie. Nachfolgend die besten Fotos verschiedener Fotografen.

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Bewölkungszunahme durch Flugverkehr?

Gestern beendete ich die Auswertung von 137 Jahren Wolkenbeobachtung in Sachsen. Glücklicherweise fand ich Quellen, indem der Bedeckungsgrad schon in Achtel umgerechnet wurde, da im Deutschen Reich die Bewölkungsangabe in Zehntel üblich war. Zum Beginn der Messreihe lag der Wert bei 5,2/8. Und nun 137 Jahre später 5,3/8. Das ist einer Stagnierung. Zu erkennen ist eine leichte Schwankung.

Das Argument einiger Verschwörungstheoretiker oder gar nur die subjektive Aufassung der Bevölkerung, dass durch die vielen Kondensstreifen der Himmel verdeckt wird, ist also als nicht zutreffend zu beantworten.

Jedoch ist bekannt, dass gerade dünne Cirrus, Cirrostratus, Cirrocumulus (Oberen Stockwerk) zu einer Temperaturerhöhung führen. Die bodennahe Globalstrahlung steigt durch die Lichtbrechung und die Reflektion ins Weltall wird erschwert. Um zu prüfen, inwiefern sich Kondensstreifen auf die Temperaturerhöhung auswirken, müsste ausgewertet werden, wie sich die Bedeckungsgrade der jeweiligen Stockwerke entwickelt haben.

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Böhmischer Nebel

Die schönsten Herbststimmungen gibt es auf dem Fichtelberg, wenn Nebel aus dem Böhmischen Becken über den Kamm schwappt. Gestern war es wieder soweit. Wie das Satellitenbild von Kachelmannwetter zeigt, lag halb Böhmen unter einer dichten Nebeldecke, die sich erst am Nachmittag langsam auflöste. Jana Menzel fuhr auf Fichtel- und Keilberg, um die herrliche Morgenstimmung zu genießen und für uns im Bild festzuhalten. Auch Oliver Kaufmann von Promovie  war wieder mit seiner Kamera unterwegs. Vielen Dank dafür!

Fotos: Jana Menzel

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Fichtelbergwetter im Juli, August und September 2019

Urlaube, Lehrgänge und sonstige zahlreiche Aktivitäten haben dazu geführt, dass wir in den letzten drei Monaten keine Monatszusammenfassung schreiben konnten. Da es jedoch vor allem bezüglich der Fichtelbergdaten einige Nachfragen gab, möchten wir sie zumindest noch in Kurzform nachreichen. Ausführlichere Rückblicke gibt es von Dirk Christoph aus Olbernhau, von Sebastian Wetzel aus dem Osterzgebirge und im Sommerrückblick 2019.

Nachfolgend die Monate in Kürze.

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Abendrot mit Lichtsäule in Fallstreifen


Während das Erzgebirge derzeit traumhaften Goldenen Oktober erlebt, wird der Nordwesten Deutschlands vom Doppeltief SEBASTIEN mit Kern über England und dem Ärmelkanal beeinflusst, welches das Wetter unbeständiger gestaltet. Das schwächelnde Hoch LIESBETH hält zwar noch dagegen, aber gestern konnte ein kleines Höhentief bis zum Abend nach Tschechien ziehen. Der zum Sonnenuntergang auf dem Radar erkennbare Regen fiel nicht zu Boden, sondern verdunstete auf seinem Weg zur Erde in der tieferen trockenen Luftschicht und zeigte sich als mächtige Fallstreifen (Virga) am Himmel. Wenn diese so deutlich sichtbar sind, wie gestern Abend, bestehen sie hauptsächlich aus Eisplättchen. An diesem entstand im Verlauf eines ungewöhnlich gefärbten Abendrots noch eine schöne diffuse Lichtsäule. Wie die Wellen auf einer Wasseroberfläche werfen auch die Basisflächen der schwebenden Eisplättchen das Licht zurück. Unser Gehirn verbindet die Milliarden von Lichtpunkten sowohl im Wasser als auch am Himmel zu einer vertikalen Säule. (ch)

 

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Goldener Oktober

Auf dem Fichtelberg wurde das Traumwetter von straffen Wind getrübt. (ch)

Hoch LIESBETH sorgt momentan für Goldenen Oktober. Da die Laubfärbung fortgeschritten ist, boten sich vor strahlend blauem Himmel bei Temperaturen bis 26°C (Schwarzenberg: 26,1, Aue: 25,4°C) zahlreiche traumherbstliche Fotomotive. Auf dem Fichtelberg war es allerdings vor allem gestern aufgrund ruppigen Südwest- bis Südwindes recht ungemütlich. Bei Windspitzen bis 81km/h musste sogar die Seilbahn ihren Dienst einstellen.

Bis Dienstag bleibt uns der Goldene Oktober noch erhalten, ab Mittwoch wird es kühler und wechselhafter.

Nachfolgend einige Fotos von Robert Reppel, Wolfgang Weigert sowie Claudia und Wolfgang Hinz.

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Sommerliche Oktobernacht

Gestern produzierte die Südwestlage eine warme Luftmasse mit dem Resultat, dass im Flachland einige Stationen einen Sommertag (Tmax. > 25,0 °C) meldeten. Die ohnehin hohen Temperaturwerte gingen in der Nacht kaum zurück. Der Grund war eine bodennahe SW-Strömung und ein hoher Bedeckungsgrad. Im Freistaat sanken die Temperaturen verbreitet nicht unter 15 °C. Selbst das Kälteloch Kühnhaide blieb mit einer Tiefsttemperatur von 4,9 °C deutlich frostfrei.

Auf dem Fichtelberg maß das Thermometer nicht weniger als 9,9 °C.

Von den offiziellen Stationen geht hervor, dass das Tschechische Erzgebirge und das Böhmische Becken deutlich stärker auskühlten. Der wärmste Ort auf unserer Seite war Nossen (16,8 °C). DIe DWD Flugwetterwarte gab einen Tiefstwert von 16,0 °C an. Seit 1882 wird im Raum Dresden die Temperatur aufgezeichnet. Wärmer als die letzte Nacht war es nur 1983 & 2009, jedoch in der 1. Dekade.

In der Dresdner Reihe (seit 1882) wurde noch nie eine Oktobernacht der 2. & 3. Dekade mit 16,0 °C gemessen.
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Erzgebirgische Föhnlage am 2.10.2019

Am letzten Mittwoch lag Sachsen unter dem Einfluss eines Troges. Dabei floß von Süden warme Luft über das Erzgebirge. Zeitgleich näherte sich mit geringer Zuggeschwindigkeit eine subpolare Kaltfront von N. Der Wind drehte am Morgen des 2.10. auf SW und die einströmende Luft wurde aufgrund der „Konterströmung“ von der Ostsee immer mehr komprimiert. Meteorologen sprechen dann von einer Konvergenz.

„Tief Nils“ lag nahezu stationär über Mitteldeutschland. Über Sachsen staute sich die Luft.
Quelle: DWD

Eine Konvergenz zeichnet sich meistens auch dadurch aus, dass ohne Zufuhr von Warmluft ein Hitzeherd entsteht. Daher bildet eine Konvergenz bei ruhigen Wetterlagen die Linie mit den wärmsten Orten und im Sommer auch Gewitter vor der eigentlichen Kaltfront. In diesem Falle fehlte aber die konvektive Energie. Die Folge Karte zeigt die Temperaturen verschiedener Stationen auf Kachelmannwetter um 8 Uhr MESZ.

Über der Dresdner Elbtalweitung bildete sich ein Warmluftsee. In Hosterwitz wurden 17,0 °C gemessen.

Die blaue Linie markiert die Kaltfront (Leipzig: 8,6 °C; Hoyerswerda: 16,0 °C – bei gleicher Höhenlage). Die roten Pfeile symbolisieren die S bis SW-Strömung duch das Italientief. Beide Luftmassen konzentrierten sich am nördlichen Erzgebirgsvorland. Der Föhn ist umso intensiver, je stärker das Profil auf der Lee-Seite fällt. Da dies auf die Region des Osterzgebirges zutrifft stieg hier die Temperatur am stärksten an. Somal der Südhang des Elbtales ein abfließen der warmen Föhnluft einschränkt. Zum Vergleich: Borna und Garsebach bei Meißen liegen nahezu gleich hoch. Dennoch entsprach die Temperaturdifferenz 2,9 K auf.

Warum war Köttewitz die wärmste Wetternetz-Station?

Köttewitz liegt am Südostrand der Dresdner Elbtalweitung, direkt am Müglitztal. Die Station mit einer Höhe von 214 m ist mit der DWD Flugwetterwarte Dresden (227 m) vergleichbar. Als Tmax. maß die Davis Station 16,9 °C, der Flughafen 15,6 °C. Warum? Die Föhnluft kühlte auf ihren Weg Richtung Kaltfront bereits ab. Der Nordhang des Müglitztals hingegen profitierte von der regen SW-Föhnströmung.
Köttewitz und auch die Station Dohma, südlich von Pirna) fallen immer wieder bei solchen Großwetterlagen durch hohe Temperaturen auf. (sw)

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