Der erste Schnee auf dem Fichtelberg

Erster Schneefall an der Wetterwarte. Foto: Gerd Franze

Man möchte es gar nicht glauben, aber wenige Tage nach offiziellem Herbstanfang gibt der Winter zumindest ein vorübergehendes Gastspiel. In den Medien schon tagelang angekündigt, segelten die ersten Flocken vermischt mit Regen am Freitagabend vom Himmel. Das sollte die ganze Nacht über so bleiben. Dann fiel die Temperatur auf 0,1°C und es bildete sich eine dünne 1cm-starke Schneedecke. Mit einsetzendem Temperaturanstieg verschwand diese fast wieder. Am frühen Nachmittag verstärkte sich der Niederschlag wieder und damit verbunden sanken die Temperaturen wieder, der Schneefall setzte erneut ein und gegen Abend waren schon 5cm Schnee zu verzeichnen. Selbst in Oberwiesenthal wurde es auf den Dächern weiß.

Schaut man in die Historie, so kann man die Frage nach einem Rekord schnell verneinen. Aber es ist schon selten, dass sich im September mal eine Schneedecke bildet, aber es kommt doch hin und wieder vor. Und in der letzten Septemberdekade (21. bis 30.) hat in der Vergangenheit schon an jedem Tag mindestens einmal Schnee gelegen. Die früheste auf dem Fichtelberg festgestellte Schneedecke bildete sich am 4. September 2007 mit 5cm. Die höchste im September festgestellte Schneedecke betrug 18cm am 24. September 1931. In kürzerer Vergangenheit wurde dieser Rekord leicht verfehlt. Am 25. September 2002 wurden nämlich 15 cm gemessen.

Ein dauerhafter Wintereinzug ist allerdings nicht zu befürchten. Die am frühesten sich einstellende Winterschneedecke stammt aus dem Jahre 1974. Dort begann der dauerhafte Winter ab 17. Oktober und reichte bis zum 8. Mai 1975. Das war zugleich die längste ununterbrochene Schneedecke auf dem Fichtelberg.

Eine alte Volksweisheit behauptet, dass bei reichlich vorhandenen Vogelbeeren ein strenger Winter folgt. Nach unseren Recherchen trifft das leider nicht zu. Auch dieser frühe Schnee lässt leider keine verlässliche Prognose für den bevorstehenden Winter zu. Den Oktober müssen wir da noch abwarten. Also warten wir es ab und genießen oder fürchten? den frühen Wintereinbruch. (Gerd Franze)

Erster Schneefall von Gerd Franze
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Angezuckert…

Nach dem herrlichen Spätsommer hat das Wetter nun umgeschlagen. Schuld ist ein Tiefdruck-Trio, bestehend aus dem Skandinavientief VALENTINA, dem Ostseetief WICCA und dem Mittelmeertief XYLA. Nordische Kaltluft prallt auf feuchtwarme Luftmassen aus dem Mittelmeer, was vor allem in den Alpen zu ergiebigen Niederschlägen führt. Dort hat es bis auf 1000 Meter herunter geschneit und auf der Zugspitze lagen heute Morgen 70cm Schnee.

Das Erzgebirge wird ebenfalls von dem Mittelmeertief, also einer regenbringenden Vb-Wetterlage beeinflusst. Allerdings sanken die Temperaturen auf dem Fichtelberg nicht unter 0°C ab, so dass er nur leicht angezuckert wurde. Für einen ersten Schneemann reichte das Baumaterial leider noch nicht. Und nun steigen die Temperaturen bereits wieder an, so dass der erste Schneemann wieder in weite Ferne rückt.

Aber es ist nur ein erster Testlauf des Winters. Kommende Woche steigen die Temperaturen wieder an und vielleicht schaut zum Wochenende zu der Altweibersommer nochmals vorbei. (ch)

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Der Sommer 2020 auf dem Fichtelberg

Allein beim Wort Sommer denkt man an Sonne, Wärme und Urlaub am Strand. Davon hatte der diesjährige Somme wieder viel zu bieten. Wenn auch nicht soviel wie in den vergangenen zwei Jahren 2018 und 2019. Mit 12,9°C war 2020 2,2 Grad gegenüber dem langjährigen Mittel zu warm. Besonders der August hatte mit 3,5 Grad mehr an Wärme dazu beigetragen. Eigentlich ist für einen Fichtelbergsommer nur ein Sommertag (Tagesmaxima ≥ 25,0°C) vorgesehen. Am Ende waren es fünf und allesamt im August. Temperaturrekordwerte nach oben oder unten waren nicht zu verzeichnen.

Auch die relative Luftfeuchte ist mit 77% um 7% zu trocken gewesen, die Anzahl der heiteren Tage mit 5 mehr und die trüben mit 6 weniger als normal unterstützen die Aussage eines für Fichtelberg-Verhältnisse schönen Sommers.

Wenn es aber so schön warm war, wieviel hat die Sonne dazu beigetragen? Vermutlich das Meiste, denn 614 Stunden sind ca. 10% mehr als das langjährige Mittel.

Betrachtet man nur die Niederschlagsmenge des Sommers, dann darf dieser Messwert nicht uninterpretiert stehengelassen werden. 323 mm entsprechen fast punktgenau 100%. Bezieht man allein die Tagessumme des Niederschlags vom 30. August (60mm) nicht mit ein, dann wären nur ca. 80% des Normalwertes erreicht worden, ein schönes Beispiel wie ein Einzelereignis die Statistik eines Vierteljahres beeinflussen kann. Weil das aber weitestgehend ein über 24 Stunden andauernder Dauerregen war, konnte der Erdboden diesen sacht aufnehmen und nicht nur das herrschende Niederschlagsdefizit sondern auch die bestehende Trockenheit weitestgehend ausgleichen.

Der schon seit weit über zehn Jahren beobachtete Trend des Rückganges der Gewitterhäufigkeit setzte sich auch in diesem Sommer fort. 19 Tage sollten es statistisch sein. Gezählt wurden allerdings nur (5 ?). Weil die Wetterstation nicht mehr dauerhaft mit Personal besetzt ist, könnten einige Tage nicht erfasst worden und deshalb durch die Lappen gegangen sein. Aber 19 waren es mit Sicherheit nicht. (Gerd Franze)

Statistik Sommer 2020

Temperatur:
Monatsmittel: 12,9°C (+2,2°C)
Maximum: 26,9 am 21. August
Minimum: 2,8 am 6. Juni
Bergsommertage (Höchsttemperatur ≥ 20 °C): 20
Sommertage (Höchsttemperatur ≥ 25 °C): 5 (+4)

Sonne:
Monatssumme: 616,4 Stunden (109,6%)

Niederschlag (privat gemessen):
Monatssumme: 322,8 mm (98,6%)
Maximale Tagessumme: 59,7 mm am 30. August

Wind:
Höchste Windgeschwindigkeit: 105,1 km/h am 26. August
Tage mit Starkem Wind (Windstärke 6): 32
Tage mit Stürmischen Wind (Windstärke 8): 3
Tage mit Orkan (Windstärke 12): 0

Sonstiges:
Anzahl der trüben Tage: 37 (-6)
Anzahl der heiteren Tage: 10 (+5)
Tage mit Nebel (Sicht <1km): 56 (-9)
Tage mit Gewitter: 5 ? (-14)

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Kaltfront, Frost und ungewöhnliche Fernsicht

Nach sehr warmen spätsommerlichen Tagen mit Temperaturen bis 30°C (Aue und Schwarzenberg am 15.09.) überquerte uns am Donnerstag die Kaltfront des nordosteuropäischen Tiefs TIMONA. Sie war nicht besonders wetterwirksam, brachte jedoch nachfolgend kühlere und vor allem trockenere Luftmassen. Das führte vor allem in unseren sibirisch kalten Hochtälern Jelení (Hirschenstand) und Marienberg-Kühnhaide zu starken Nachtfrösten bis -5,4°C in der Luft und -9,1°C am Erdboden (beides Kühnhaide am Morgen den 18.).

Zudem gab es in der klaren kalten Morgenluft ungewöhnliche Fernsichten. So konnte Jarda Fous gestern in der Früh vom Keilberg aus klar das 220km entfernte Riesengebirge erkennen.

Riesengebirgsblick am Morgen des 19.09.2020 vom Keilberg aus gesehen. Foto: Jarda Fous

Der warme Altweibersommer bleibt uns noch bis Dienstag erhalten, nachfolgend wird es zunehmend wechselhafter und kühler und vielleicht klopft am Wochenende auch mal der Winter zaghaft an die Tür. (ch)

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1911 – Das Jahr der Südpolexpedition

Vor knapp 109 Jahren, weit vor den Satellitenzeitalter, machten sich 2 Nationalentdecker auf den Weg zum südlichsten Punkt der Erde. Und somit wurde der Grundstein der meteorologischen Datenerfassung auf dem 7. Kontinent gelegt.
Doch während dieses, trotz antarktischen Sommer sehr kalten Ereignisses wird von den Meteorologen das Jahr 1911 in Mitteleuropa ganz anders assoziiert.

Hitzewellen bedeuteten damals 5 Sommertage am Stück – vielleicht auch mal 2 Hitzetage. Doch selbst für heutigen Maßstab war der Sommer 1911 hierzulande kein kalter. Der Sommer erreichte eine Mitteltemperatur von 18,9 °C. Erst 1982 wurde eine höhere Temperatur gemessen. 1911 war auch das Jahr mit 24 Tropentagen in der VP 2 (2. Vegetationsperiode (Juli-September). Bis heute ist dieser Wert nicht überschritten! Zudem wies kein anderer Sommer seit 1882 (Aufzeichnungsbeginn) eine geringere Luftfeuchtigkeit als diese 59 % auf.

Manchmal sollte man also Rekorde nicht immer im aktuellen suchen liebe Medien. 😉

Alle Werte beziehen sich auf meine aufgearbeitete Dresdner Datenreihe auf Grundlage der Daten der Wetterstationen: Dresden-Mitte, Radebeul-Wahnsdorf, Dresden-Klotzsche. Die gesamte Datei ist auf Wunsch erwerblich.

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Ein Denkmal für die Wetterfrösche

Wetterfrosch mit Beobachtertagebuch auf dem Fichtelberg (wh)

Was war das für eine Freude, als vor wenigen Wochen der Holztierzoo auf dem Fichtelberg um einen Wetterfrosch erweitert wurde. Er schaut nach unserer Interpretation sehnsüchtig zur Wetterwarte und hat ein Beobachtertagebuch in der Hand, in welchem alle gemessenen und beobachteten Werte notiert werden. Es handelt sich also mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Denkmal, welches (von einem leider unbekannten Künstler) den ehemaligen Mitarbeitern der Wetterwarte gesetzt wurde.

In der Wetterwarte Fichtelberg sorgten 102 Jahre lang ca. 70 Wetterbeobachter für eine lückenlose Klimareihe. Diese scheint in Zeiten der Klimaerwärmung nun nicht mehr wichtig, denn auf die Messung von Niederschlag und Schneehöhe wird seit der Automatisierung am 01.01.2019 verzichtet und auch die anderen Messungen sind vor allem im Winter sehr lückenhaft.

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Das Wetter im Osterzgebirge im August 2020

Und auf einmal war Sommer…

Nach einem sonnigen und heißen Start mit sehr guter Fernsicht gab es am 2./3 eine kurze „Sommerpause“. Bei Temperaturen von 12 °C bis 21 °C blieb es im Tiefland dennoch leicht schwül und windig. Zudem sank die Sicht flächendeckend auf < 8 km.
Hoch Detlef“ ließ dann aber aus Südost erneut trocken/heiße Luft zu uns durchdringen. Die Sonne verwöhnte uns vom 05. – 09. übermäßig. Nun begann eine stark schwüle Hitzewelle am 08./09. mit seiner schwachen Windströmung. Die Thermometer maßen mit 28,4 °C (Zinnwald) bis 36,9 °C (Dohna) die höchsten Temperaturen des Jahres. Köttewitz meldete am 10. eine Tropennacht (Tmin. ≥ 20 °C). Doch nun entwickelten sich in der „stehenden Luft“ einzelne stationäre aber extrem heftige Gewitter bei Kühnhaide und Radebeul mit fast 100 mm Niederschlag, Keller liefen aus und Schlammlawinen wälzten sich durch Straßen. Unser Einzugsgebiet wurde aber von den Unwettern zunächst weitgehend verschont.

Auch in den Folgetagen blieb es beinahe Windstill, wodurch sich auch am 11. extreme Gewitter ausprägten. Bei Chemnitz regnete es in kürzester Zeit bis zu 140 Liter pro Quadratmeter. Die Schwüle war unerträglich.
Um den 15. waren Gewitter so gut wie alltäglich. Der Regen entspannte die Dürre jedoch kaum. Eine SW-Lage unter der Leitung von „Tief Jantra“ ging als die letzte Hochsommerphase in die Statistik ein. Um Dresden erwärmte sich die klare Luft auf 36 °C und auch auf dem Erzgebirgskamm konnte ein Sommertag notiert werden.
Ab dem 22. sanken die Temperaturen langsam, aber stetig auf erträgliche Sommertemperaturen. Die Sicht war sehr gut und eine Westlage etablierte sich mit Zunahme der Bewölkung. Am 26. erreichte uns ungewöhnlich früh der 1. „Herbststurm“ (Tief Kirsten) mit schweren Schäden im Obstbau. Die Nacht zum 28. kühlte sich auch im Tiefland auf < 10 °C ab.
In den letzten Tagen zog „Tief Marlis“ in einer Vb-Zugbahn auch über den Landkreis. Am 30. maßen die Wetterbeobachter 31,2 mm (Zinnwald) bis 72,8 mm (Bannewitz).

Alle Stationen erreichten die klimatische Sommergrenze von 15 °C (16,7 °C Zinnwald bis 21,5 °C Köttewitz). Der August überbot sein Soll um 3 – 4 °C. Die 25 °C-Marke (Sommertag) meldete Zinnwald sportliche 7 heiße Tage mit 30+ °C maß das Dohnaer Thermometer an 14 Tagen. Köttewitz kühlte in 3 Nächten nicht auf < 20 °C (Tropenacht) ab. Der August war also wirklich alles andere als kalt! Und lange Zeit auch viel zu trocken mit einer hydrologischen Situation wie 2018. Doch das Vb-Tief am Monatsende „ruinierte“ die Statistik. Dohna sammelte im „Erntemond“ 97 L pro m2 und unüblicherweise nicht Zinnwald, sondern Bannewitz den meisten Regen (108 mm). Um Dohna fiel der Monat somit gar mehr als 20 % zu nass aus. Die Sonnenstrahlung zeichneten die Messgeräte (Pyranometer) ca. 220 h lang auf (115 %). Wieder einmal gab es sehr viele Fernsichttage und im Gegenzug kaum Nebel. Sowohl der Luftdruck als auch die Wind-geschwindigkeit zeigten keine Auffälligkeiten. Abgesehen vom Auguststurm, der uns am 31.8. heimsuchte. Die stärkste Böe wurde an der Wetterwarte Zinnwald mit 81 km/h (Bft 9) registriert. Der Bedeckungsgrad entsprach dem klimatischen Mittel.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Nass und kalt in den Herbst

Frost am Erzgebirgskamm (ch)

Gestern begann der meteorologische Herbst. Im Gegensatz zum astronomischen Herbstbeginn zur Tagundnachtgleiche sind die meteorologischen Jahreszeiten auf volle drei Monate gelegt. Das ist nicht nur praktisch für die monatlichen Statistiken und Jahreszeitenrückblicke, sondern ist m.E. auch näher am Wetter der Jahreszeiten selbst. Denn bereits in der ersten Septemberhälfte treten 30°C nur noch selten auf, die Nächte werden merklich kälter und es bilden sich morgendliche Nebel.

Die Wetterhütte in Jelení (Hirschenstand), dem kältesten Messpunkt im Erzgebirge. Foto: Thomas Drescher

Der Sommer 2020 verabschiedete sich mit etwas sehr selten gewordenem – Landregen. So fielen dank eines nordwärts ziehenden Italientiefs (Vb) vom Sonntag auf Montag in einem Streifen zwischen Hof über das Westerzgebirge bis nach Chemnitz mehr als 80 Liter Niederschlag. Erzgebirgischer Spitzenreiter war Stollberg mit 80,5mm. Am geringsten fiel die willkommene Regenspende in Zinnwald mit 31,2mm aus.

Der September begann dann mit Höchsttemperaturen von nur noch 16 Grad (Aue: 16,4°C) und sehr kalten Nachttemperaturen bis unter den Gefrierpunkt. In Jelení (Hirschenstand) wurden heute Morgen in 2 Meter Höhe -2,5°C, in Marienberg-Kühnhaide -1,2°C, am Erdboden sogar -4,6°C gemessen. Auch Carlsfeld meldete mit -0,5°C Bodenfrost.

So ganz gibt sich der Sommer noch nicht geschlagen und schaut am Freitag und Samstag nochmals mit Höchstwerten um 28°C bei uns vorbei, bevor es am Sonntag/Montag den nächsten Temperatursturz gibt. Das Auf- und Ab geht dann wohl so weiter und glaubt man dem globalen GFS-Modell, so könnte die Alpen (und vielleicht auch den Fichtelberg?) zur Monatsmitte ein kräftiger Wintereinbruch erwarten 🙂 (ch)

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Wochenrückblick

Das Wetter und die reich bestückten „Vuglbeerbaam“ sorgen für Herbststimmung (ch)

Die letzte Augustwoche war wechselhaft mit spätsommerlichen Temperaturen, welche die 25°C nicht mehr überschritten. Die Nebel am Kamm und die prall mit reifen Früchten bestückten Vogelbeerbäume (Ebereschen) lassen allmählich Herbststimmung aufkommen. Seit gestern streift uns zudem ein Mittelmeertief und führt zu inzwischen sehr selten gewordenen Landregen. Und auch ein Blick auf die Vorhersage zeigt, dass der Sommer vorbei ist und wir nun einen nassen kühlen Witterungsabschnitt bekommen. Zumindest die Pflanzen werden sich sehr darüber freuen.

Etwas heftiger geht es derzeit in den Westalpen zur Sache. Vor allem in der Region Piemont fielen bis zu 300mm Niederschlag in 24 Stunden – und es regnet weiter. In der Schweiz schneite es bis auf rund 1800 Meter Höhe hinunter (123) und es mussten einige Pässe gesperrt werden. In Norditalien und der Schweiz gab es Erdrutsche und zahlreiche Flüsse sind über die Ufer getreten, auch der Rhein ist auf Schweizer Seite randvoll. Das kann man zum Beispiel eindrucksvoll auf der Webcam Eispark Osttirol im Matreier Tauerntal sehen, wo sich der Gschlösslbach von einem idyllischen Bächlein in einen reißenden Strom verwandelte.

Vom idyllischen Bächlein zum reißenden Strom in 48 Stunden. Quelle: foto-webcam.eu

Aber zurück ins Erzgebirge. Dort sorgte das wechselhafte Wetter für wechselhafte Fotomotive, von denen die besten nachfolgend gezeigt werden. (ch)

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Ungewöhnlich früher Herbststurm

Ungewöhnliche Wolkenformationen begleiten das ungewöhnliche Sturmtief KIRSTEN (ch)

Der Hochsommer endete in diesem Jahr passend zum Ende der Hundstage am 23. August. Seitdem herbstelt es mit deutlich kühleren Temperaturen und morgendlichen Nebelfeldern in einigen Hochtälern. In Kühnhaide gab es in der Nacht zu gestern leichten Frost mit Minima von -0,2°C in der Luft und -2,5°C am Erdboden.

Mit Tief KIRSTEN zog heute der erste Herbststurm über das Land und brachte Windspitzen bis 144km/h auf dem Brocken. Aber nicht nur auf den Bergen stürmte es, sondern auch im Flachland wurden Windspitzen um oder über 100km/h erreicht, z.B. Weinbiet (553m) mit 100,1km/h. Im Erzgebirge führte erwartungsgemäß der Fichtelberg mit 105,1km/h die Hitliste an, gefolgt von Chemnitz (79,6km/h) und Marienberg (71,6km/h).

Sicher sind die Windgeschwindigkeiten nicht mit denen der stärksten Winterstürme vergleichbar, aber dieses Tief war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Es ist nicht nur ein sehr frühes Sturmtief, sondern hat zudem eine ungewöhnliche Temperaturverteilung. Bei dieser so genannten Shapiro-Kayser-Zyklone wickelt sich eine Warmfront um das Zentrum des Tiefdruckgebiets, wodurch starke Fallwinde (Sting Jets) ausgelöst werden. Das kann örtlich und vor allem auch in tiefen Lagen zu stärkeren Windgeschwindigkeiten führen, als die Modelle vorhersagen. Die Shapiro-Keyser-Zyklone fand erst in den letzten fünf bis zehn Jahren zunehmend Beachtung in Europa und man vermutet, dass diese Zyklonenart mit dem vermehrten Auftreten südlicher Westlagen zugenommen hat. Prominenter Vertreter einer Shapiro-Keyser-Zyklone ist zum Beispiel Orkan Xavier am 5.10.2017.

Nach Medienberichten führte der Sturm zu zahlreiche Einschränkungen, so mussten viele Parks, Freibäder, Friedhöfe und Zoos geschlossen und zahlreiche Straßen und Bahnstrecken gesperrt werden. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld waren 2.800 Haushalte wegen beschädigter Oberleitungen ohne Strom. Auf der Autobahn 13 von Dresden nach Berlin gab es Sichtbehinderungen aufgrund eines Sandsturms. Vereinzelt wurden Menschen von herabfallenden Ästen und Bäumen verletzt. Da die Bäume im Gegensatz zu Winterstürmen derzeit noch voll belaubt sind und entsprechend große Angriffsflächen bieten, brechen Äste schon bei viel geringeren Windgeschwindigkeiten. (ch)

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