Ein Sonnengruß vom Fichtelberg

Sonnengruß vom winterlichen Fichtelberg. Foto: Heiko Ritter

Das neue Jahr beginnt mit ebensolchen Mangel an Sonne, wie das alte endetet. Bisher hat das Großteil des Erzgebirges gerade einmal die Hälfte des Monatssolls geschafft und es wird wahrscheinlich bis zum Monatsende auch nicht mehr viel Sonnenschein hinzukommen.

Nur der Fichtelberg kämpft sich gestern und heute zeitweise aus den Wolken hervor und schickt Sonnengrüße in die grauen Täler. Festgehalten wurden diese gestern Morgen von Heiko Ritter von der Fichtelberg-Schwebebahn. Beim Kampf zwischen Nebel und Sonne ist oft auch ein Nebelbogen zu sehen, den Heiko ebenfalls im Bild erwischte 🙂

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Nachlese zur Vulkanexplosion des Hunga Tonga

Druckwelle an der Wetterstation Chemnitz. Quelle: DWD/Thomas Undeutsch

In diesem Artikel berichteten wir bereits, dass die Druckwelle der Explosion des Hunga Tonga Vulkans weltweit von Luftdruckmessgeräten nachgewiesen werden konnten. In Deutschland wurde sie am Abend des 15.01. von Nordosten kommend mit einem Luftdruck-Impuls von ca. 1,5 hPa gemessen, am frühen Morgen des 16. dann etwas schwächer aus Südwesten. In Algerien, das Tonga gegenüberliegt, kulminierte die Wellenfront (Animation).

Die Auswertungen weltweiter Messungen haben ergeben, dass die Druckwelle 4 Mal um Erde lief und selbst im Atlantik ungewöhnliche Wellen verursachte. Am 17. Januar, also zwei Tage nach der Explosion, wurde auch in unseren Breiten nochmals ein Wellendurchgang von ca. 0,5 hPa registriert. Weitere Durchgänge der Welle durch Mitteleuropa folgten bis mindestens zum 18. Januar. Gravitationswellen wurden bis in eine Höhe von 85 km nachgewiesen.

Die Explosion der Vulkaninsel ist nach ersten Erkenntnissen die weltweit stärkste seit der Eruption des Pinatubo auf den Philippinen im Jahre 1991. Die Explosion war sowohl im 2300 Kilometer entfernten Neuseeland als auch im 9700 Kilometer entfernten Alaska zu hören. Allerdings wurde vergleichsweise wenig Material befördert. Die mit Schwefeldioxid angereicherte Aschewolke ist bis in eine Höhe von über 30km aufgestiegen und und wandert nun nach Nordwesten. Sowohl in Teilen Australiens als auch auf den Fidschiinseln wurde die Bevölkerung vor sauren Regen gewarnt. Für eine weltweite Klimaauswirkung dürfte die Gesamtmenge an Schwefeldioxid allerdings zu gering gewesen sein.

In Australien wurde bereits von intensiven Dämmerungen berichtet, welche durch die Lichtstreuung an den feinen Asche- und Aerosolpartikeln entsteht. Bei uns sind die Chancen auf „Hunga-Tonga-Dämmerungen“ eher gering, denn ein Austausch zwischen Nord- und Südhemisphäre wird in bodennahen Schichten durch die Passatzirkulation verhindert. Zwar lässt die Trennung mit der Höhe nach, aber die Aerosolmengen dürften für einen großen Einfluss bei uns nicht ausreichend sein.

Zudem gibt es bei uns schon seit längerer Zeit intensive Purpurlichter, deren Ursache nicht eindeutig geklärt ist. Im Verdacht stehen einige aktive Vulkane in Kamschatka und den Aleuten, welche in letzter Zeit mehrfach Asche bis >10km Höhen geschleudert haben. Diese Mindesthöhe sollten Aerosole haben, damit eine großräumige Ausbreitung möglich wird. Einige Wissenschaftler vermuten auch chemische Rückstände der riesigen Waldbrände in Sibirien im letzten Jahr als (ozonfressende) Aerosollieferanten (Quelle). Fakt ist, dass wir schon jetzt genügend „eigene“ Streupartikel für Dämmerungserscheinungen in den Atmosphärenschichten über uns haben, als dass eine Zugabe durch „Hunga Tonga Asche“ besonders auffallen würde. (ch)

Intensives Purpurlicht am 11.01.2022 – vor der Hunga Tonga Explosion – über der Wetterwarte auf dem Fichtelberg.
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Welttag des Schneemanns

Ein Herz zum Tag des Schneemanns (Archivbild aufgrund fehlenden Baumaterials) (ch)

Er zählt zu den bekanntesten Figuren weltweit, ist unpolitisch, hat keinen religiösen Hintergrund, verbreitet gute Laune und ist dadurch der perfekter Botschafter für Projekte aller Art und Werbe-Aktionen. Deshalb wurde 2010 am 18. Januar der Welttag des Schneemanns ins Leben gerufen. Das Datum steht für die Form des Schneemanns. So symbolisiert die „8“ den Schneemann selbst und die „1“ seinen Stock oder den Besen.

Aber wie sieht es mit Baumaterial für den Schneemann aus? Petrus hat zumindest guten Willen gezeigt und gestern noch schnell eine Kaltfront vorbeigeschickt. Allerdings war der Versuch recht halbherzig und insofern gibt es nur oberhalb von 500 Metern eine Schneedecke für Miniaturausgaben. Oberhalb etwa 800 Metern Höhe liegt dann genügend Schnee für größere Schneemänner. So melden der Pöhlberg 11cm, der Bärenstein 13cm, Zinnwald 22cm und der Fichtelberg (private Messung) 28cm Schnee.

Im März 2020 hatten wir bereits eine Schneemann-Challenge ins Leben gerufen. Da diese so viel Spaß gemacht hat, möchten wir das heute wieder tun und somit auch unter erschwerten Bedingungen den Welttag des Schneemanns feiern. Die schönsten Exemplare (notfalls auch in Stecknadelgröße) werden demnächst in einem Artikel zusammengefasst 🙂 Viel Spaß! (ch)

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Druckwelle des explosiven Vulkanausbruchs des Hunga Tonga nachweisbar!

Gestern Morgen um 4:14 UTC (17:15 Ortszeit) explodierte der Vulkan Hunga Tonga, der zum Inselstaat Tonga im Pazifik gehört. Bereits am 20.12.2021 gab es einen ersten Ausbruch, bei dem Asche bis in eine Höhe von 15 Kilometern geschleudert wurde. Er hielt bis zum 2. Januar 2022 an und vergrößerte die Insel durch freigesetztes Material um mehr als 2,5 Quadratkilometer.

Bei der gestrigen Eruption wurde Asche bis in eine Höhe von 18.600 Meter geschleudert und die Insel ist auseinander gebrochen. Übrig blieben von der erst 2014 entstandenen Insel nur zwei Felsen. Es wurde ein Tsunami ausgelöst, der eine Höhe von 120 Zentimetern erreichte

Quelle: @planet/twitter

Und die erzeugte Druckwelle raste einmal um die Welt und erzeugte bei Barographen deutliche Ausschläge. Der linke Teil der Druckwelle erreichte uns nach 17000 km gegen 20 Uhr gestern Abend und sorgte für Luftdruckschwankungen bis 2,5hPa. Der rechte Wellenteil erreichte uns auf einem Weg von 23000km über Amerika und dem Atlantik und verursachte gegen 03.30 Uhr eine Luftdruckänderung von knapp 2 hPa. Zudem soll es an den Küsten Europas Meeresspiegelschwankungen bis zu 10cm gegeben haben (Quelle).

Die zwei Druckwellen auf dem Barographen von Matthias Barth (mb)

Um die Erde ein weiteres Mal zu umrunden und wieder bei uns anzukommen, bräuchte die Schallwelle mindestens 40 Stunden, durch Dämpfung sicherlich einige Stunden mehr. Morgen Nachmittag könnte es also an sensiblen Luftdruckmessern einen weiteren Ausschlag geben. Wir sind gespannt.

Als am 27. August 1883 der Vulkan Krakatau zwischen Java und Sumatra ausbrach, soll die Druckwelle sieben Mal um die Erde gerast sein. Allerdings war der Krakatauausbruch noch ein ganz anderes Kaliber – die Detonation soll 10.000-mal so stark wie die Hiroshima-Atombombe gewesen sein – dennoch zeigt dieser Ausbruch, was theoretisch möglich ist und wie wir selbst hier im beschaulichen Erzgebirge einen Gruß eines fernen Vulkans erhalten können. Weitere Druckwellen dieser Art sind nicht bekannt und selbst der Pinatuboausbruch im Jahr 1991 (der zweitgrößte Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts) hat keinen sichtbaren Ausschlag am Barometer gebracht (Archiv mb). (ch, mb)

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Wolkenbogen

Wolkenbogen, welcher charakteristisch den Strukturen der Wolken folgt. Foto: Wolfgang Weigert, Adorf

Am letzten Mittwoch beobachtete Wolfgang Weigert in Adorf/Vogtland einen weißen Bogen, den er nicht so richtig einordnen kann. Es gab weder Regen noch Nebel. Der Bogen entstand mit dem Wolkenaufzug einer nahenden Warmfrontokklusion. Bei dieser Frontenart gleitet Warmluft auf die vorhandene schwerere Kaltluft auf und dringt nur langsam bis zum Boden vor. Dadurch ist die Konvektion hinter der Okklusion gering und es entstehen nur zögerlich Wolken. Insofern war auch der Wolkenaufzug lange sehr dünn und durchscheinend und der weiße Bogen entstand genau in den Strukturen der Wolken.

Die Physik des Wolkenbogens ist ähnlich der des Nebelbogens. Er entsteht an sehr kleinen Wassertröpfchen von Wolken, die aber etwas etwas größer sein können als im Nebel. Während sich beim Nebelbogen bei einer Tröpfchengröße <0,05mm die Farben aller Wellenlängen vermischen und weißes Licht ergeben, sind beim Wolkenbogen oft noch blasse Farbansätze erkennbar.

Während die Physik hinter dem Wolkenbogen also klar ist, gibt es Schwierigkeiten bei der Definition. In überlieferten Beobachtungen ist er häufig nicht deutlich vom Nebelbogen abgegrenzt. Diese Abgrenzung ist natürlich oft nicht leicht, da Nebel ja letztendlich nichts anderes ist, als aufliegende Wolken. Von höheren Standorten aus ist die Unterscheidung noch schwieriger, denn wenn eine nahende Wolke den Berggipfel einhüllt, ist dort Nebel und ein eventueller Wolkenbogen wird zum Nebelbogen, obwohl sich außer der Perspektive nichts geändert hat.

Außerdem sollte man eine strickte Unterscheidung vornehmen zwischen dem fast immer beobachtbaren Wolkenbogen von oben, wenn ein Beobachter auf eine tiefere Wolkenschicht blickt, und den Wolkenbogen von unten, welcher ausgesprochen selten auftritt.

Wenn er aber auftritt, dann ist er nicht selten sehr großflächig zu sehen. In dieser Woche trat er zwischen dem 11. und 13. Januar zwischen Helgoland, Sachsen, im Grenzbereich zu Tschechien, dem Bayrischen Wald bis hin zum Schafberg im Salzkammergut auf einer Strecke von 810 Kilometern (!) auf (Quellen: AKM-Forum, persönliche Mitteilungen).

Wolkenbogenfragment auf der Panocloud-Webcam am Fichtelberg

Insofern erscheinen beim Wolkenbogen weitere Untersuchung sinnvoll, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen er auftritt und wieso er so selten ist. Deshalb sind wir für jeden Beobachtungsbericht von weiteren echten „oberen“ Wolkenbögen dankbar. (ch)

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11.01.2022 – Trickers Gegensonnenbogen in Zinnwald

Trickers Gegensonnenbogen mit waagerechtem Horizontalkreis in Zinnwald. Foto: Michael Panzner

Am 11.01.2022 gab es nicht nur im Westerzgebirge Halos, auch im osterzgebirgischen Zinnwald bildete sich bei -6°C Eisnebel. In diesem fotografierte Michael Panzer einen Bogen, der gegenüber der Sonne wie ein Kreuz am Horizont stand.

Bei diesem handelt es sich um den Tricker’s Gegensonnenbogen, benannt nach R.A.R. Tricker, der 1973 die Theorie zu diesem Bogen entwickelte, den er auf einer Beobachtung von 1961 von J.R. Blake in der Antarktis fand. Er entsteht an horizontal ausgerichteten Eissäulchen und ist in dieser Helligkeit ausschließlich in Eisnebel zu bewundern. In den Eiskristallen hoher Cirruswolken tritt er dagegen äußerst selten auf und ist nur schwach zu sehen.

Bei Eisnebel ist er bei Vorhandensein anderer Säulchenkristallhalos, wie zum Beispiel oberer Berührungsbogen, Infra- oder Supralateralbogen recht oft vorhanden. Leider achtet bei großen Halophänomenen nur selten jemand auf den Gegensonnenbereich, da dann einfach die hellen und farbigen Halos um die Sonne das Geschehen dominieren und das Auge auf sich ziehen. Aber wie dieses eindrucksvolle Foto zeigt: Umdrehen lohnt sich!

Auf jeden Fall Herzlichen Glückwunsch an Michael Panzner für dieses eindrucksvolle Foto und vielen Dank, dass wir es hier zeigen dürfen!

Unterer Teil des linken Supralateralbogens und Infralateralbogen in ca. 46° Sonnenabstand. Sind diese Säulchenhalos zu sehen, könnte auch der Tricker’s Gegensonnenbogen auftreten. Foto: Michael Panzner
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11.01.2022 Traumtag mit Eisnebelhalos

Eisnebelhalo am Neuen Haus

Gestern gab es am Erzgebirgskamm wieder herrliche Eisnebelhalos. So richtig damit gerechnet hatten wir damit nicht (auch, wenn man natürlich immer hofft), denn die gestrige Nordanströmung ans Erzgebirge ist nicht gerade eine charakteristische Wetterlage für die Kristallwunder. Insofern sind wir hochgefahren, um eine herrliche Wanderung im sonnigen Schnee zu unternehmen. Aber bereits an der Grenze war die Fahrt beendet, als uns gegen 14.00 Uhr herrliche Halos entgegenlachten.

Über die Bergkuppen hatte sich eine Eiskappe gelegt und die höher gelegenen Wolken sanken auf etwa 1000 Meter ab. Auch musste der (kaum vorhandene) Wind zumindest in Bodennähe auf Süd gedreht haben (automatische Windmessung an der Wetterwarte leider seit Wochen defekt), denn vom inzwischen entstandenen Nebelmeer flossen die Wolken über die Grenze und zerfielen in Eiskristalle. Und so gab es in einem kleinen Gebiet zwischen Neklid an der Keilbergauffahrt (früher Sonnenwirbel) und der Sachsenbaude an der Fichtelbergauffahrt Eisnebelhalos mit herrlichen 3D-Effekten. Vor allem der obere Berührungsbogen schien zum Greifen nah und man konnte jedes einzelne Kristall glitzern sehen.

Als gegen 15.30 Uhr die Wolken weiter absanken und die Grenze schließlich mehr und mehr halofrei wurde, fuhren wir zum Sonnenuntergang auf den Fichtelberg. Dieser empfing uns freudig mit einer herrlichen Glorie, die als Mittelpunkt den Schatten des Fichtelberghauses zeigte.

In Ruhe genießen konnten wir den Sonnenuntergang allerdings nicht, denn am Keilberg „leckten“ einige Wolkenfetzen nach oben. Also nochmal rüber nach Neklid, wo sich ein herrliches Dreifach“V“ aus oberen Berührungsbogen, Parrybogen und Moilanenbogen zeigte. Leider nur wenige Sekunden, dann waren bis zum Sonnenuntergang „nur“ noch oberer Berührungsbogen und die Lichtsäulen zu sehen. Nebenbei erfreuten wir uns an den herrlichen Schattenspielen an den Schneekanonen.

Als die Sonne perlschnurartig am Horizont des Wolkenmeeres verschwand und die Halos mit sich nahm, fuhren wir nochmals auf den Fichtelberg, wo ein geniales Purpurlicht diesen herrlichen Tag beendete. (ch)

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Wochenrückblick – Der Winter kämpft sich zurück

Die Fichtelberg wird langsam, aber stetig wieder weiß. Foto: Kerstin Franze

Nach dem Frühlingeinbruch zum Jahreswechsel hat sich ganz allmählich der Winter wieder eingeschlichen. Am Mittwoch setzte von Nordwesten her der Zustrom deutlich kälterer Meeresluft polaren Ursprungs ein, so dass der Niederschlag bis in die tiefsten Lagen des Erzgebirges in Schnee übergingen. Oberhalb von etwa 600 Metern Höhe summierte sich der Schnee allmählich auf, so dass heute Morgen zwischen 10 und 15 cm lagen, am höheren Kamm sind es inzwischen 15-20cm Schnee. In den warmen Tälern schmilzt der Schnee leider immer wieder weg und fällt neu, so dass beispielsweise in Schwarzenberg nicht mehr als 4cm lagen (die aber inzwischen auch schon wieder gefräßigen Plustemperaturen zum Opfer fielen).

Gerade hier liegen also strahlendes Weiß und tristes Grau nah beieinander und selbst wenige Zentimeter lassen die Landschaft erstrahlen und (zumindest bei den Winterfan) Freude aufkommen.

Nur wenige Zentimeter Schnee lassen Schwarzenberg erstrahlen. (ch)

Nach weiteren Schneefällen bis morgen (Montag) Abend steht uns am Dienstag ein sonniger (!!!) Tag bevor. Sonne ist derzeit sehr selten, nach nur halb soviel Sonne wie normal im Dezember hat das neue Jahr bisher lediglich 10-15% des Monatssolls gebracht. Insofern genießen! (ch)

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Das Wetter im Osterzgebirge im Dezember 2021

Es war ein sehr wechselhafter letzter Monat des Jahres 2021: am 1. war es mit 2 bis 10 °C sehr mild. Der Rest der 1. Dekade ging leicht zu kalt an uns vorbei. Es überwogen Troglagen mit Wolken, Regen und Schnee. Nur am 3. schien fast ungehindert die Sonne. Bis auf die Dresdner Elbtalweitung bildete sich eine Schneedecke. Im Obererzgebirge war Skisport möglich. Aber besonders auf dem Kamm war es meist stark windig. Am 09. bildete sich bei mäßigen Schneemengen sogar in Dresden eine weiße Decke.
Vom 12. – 20. stellte sich unter westlicher Strömung („Hoch Yascha“ & „Hoch Zafira“) eine milde aber sonnenlose Witterung (13. – 21.) mit beständigem Hochnebel ein. Der Nebel sank am 12./13. bis ins Tiefland, begleitet von Regen. Am 17. meldete Zinnwald den Verlust der Schneedecke. An diesem Tag wurde mit 1037 hPa ein sehr hoher Luftdruck gemessen.
In den Vorweihnachtstagen kühlte es sich wieder ab und am 22. drang die Sonnenstrahlung bis zum Boden durch. Niederschlag am 19. führte wieder zu einer messbaren Schneehöhe in Zinnwald.
Eine Südwestlage („Tief Per“) mit Regen lies in der Höhe bereits am 23. die Temperaturen deutlich ansteigen. Die geschützten Lagen im Tiefland wurden dann am Morgen des 24. mit einem Schwung wärmer. Der Wind nahm an Geschwindigkeit zu und erreichte – mit bis 71 km/h im Erzgebirge – am Heiligen Abend sein Maximum. Von Norden schob sich polare Kaltluft („Hoch Belinda“) Meter um Meter nach Süden und in die Höhe (wie ein Keil). Von Dresden bis nach Zinnwald benötigte die Kaltfront 7 h. Ein Hauch von 1978! Diese aus Finnland stammende Luft ließ am 25./26. keine Temperaturen > 0 °C zu. Die Tiefstwerte sanken flächig auf < – 10 °C. Auf der Müglitz wurde bereits Eisgang beobachtet. Schnee sorgte überall für Weihnachtsstimmung.
Es folgte bis Silvester eine stetige Temperaturzunahme. Das andalusische „Hoch Christiane“ – von Sturm eskortiert – verewigte sich in die Geschichtsbücher: Überall wärmster Silvestertag (10,5 bis 17,0 °C). Außerdem wärmste je gemessene Tiefsttemperatur an einem 31.12. (7,2 bis 13,3 °C).

Die Spannweite der Mitteltemperatur reichte von – 1,9 °C (Zinnwald – Georgenfeld) bis 2,8 °C (Köttewitz) und wich somit knapp + 1,5 °C vom 30-jährigen Mittel ab. In Dohna wich die Temperatur nur + 0,8 °C vom Soll ab. Frostig gestaltete sich das Wetter an 13 (Dohna & Köttewitz) bis 25 Tagen (Zinnwald – Georgenfeld). Tage mit Dauerfrost (Eistage) maß auch hier die Bergstation am meisten (16). Dem gegenüber stand im unteren Müglitztal nur 1 Tag. Im Erzgebirge reichte der Niederschlag nur für 58 % vom üblichen. Weiter zur Elbe war die Niederschlagssumme war geringer, deckte aber bis zu 96 % vom Klimamittel. Die Verteilung reichte von 15 (Bannewitz – Wilmsdorf) bis 21 Tagen (DWD – Station).  Sonnenschein registrierte das Zinnwalder Gerät an mageren 18 h (54 %) und das Dohnaer 36 h (63 %).

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Sonntagsfarben

Sonnenaufgang gestern Morgen auf dem Fichtelberg. Foto: fichtelberg.panocloud.webcam

Der Himmel im neuen Jahr zeigt sich gleich von seiner besten Seite und hat uns in den letzten Tagen schöne Sonnenauf- und Untergangsfarben geschickt. Vor allem gestern bekamen die Frühaufsteher ein herrliches Morgenrot zu sehen und der Abendhimmel verabschiedete sich – zumindest in Schwarzenberg – in Gold getaucht. Dazu kamen sehr interessante wellige Wolkenformationen.

Goldene Abendstimmung in Schwarzenberg (ch)

Hinzu kommt heute im Tiefland (Aue, Schwarzenberg, Dippoldiswalde) der fünfte Tag mit Temperaturen über 10°C in Folge. Zwar zeigte sich die Sonne nicht durchgehend, aber es lud trotzdem zahlreiche Menschen nach draußen ein.

Ab Mittwoch nimmt der Winter einen neuen Anlauf, wird es aber voraussichtlich nur im Bergland schaffen, sich nachhaltig niederzulassen. Ganz sicher ist es aber noch nicht, wie weit die Kälte, die derzeit schon große Teile Skandinaviens und Russland heimsucht. Dort wurde im sibirischen Ojmjakon am 15. Dezember -62,8 Grad gemessen! Das grenzt schon sehr nahe an dem offiziell dort gemessenen Kälterekord von -67,8°C aus dem Februar 1933. Inoffiziell und nicht anerkannt wurde aber bereits 1922 eine Temperatur von -71,2°C gemessen. Damit zählt der Ort zu den kältesten der Welt, denn er ist von Gebirgsketten umgeben, die den Zufluss warmer Luft verhindern. Stattdessen sorgen arktische Luft-Strömungen für einen Kaltluft-Stau.

Ganz so kalt wird es hier nicht. Die Modellberechnungen sehen zum Wochenende im Hochland Tiefstwerte um die -10°C. Und aufgrund des wechselhaften Wetters könnte es weiterhin zu farbenprächtigen Sonnenauf- und Untergängen kommen, zumal die Stratosphäre durch zahlreiche Vulkanausbrüche in der Nordhemisphäre stark mit Aerosolen angereichert ist, welche das Sonnenlicht zusätzlich streuen.

Nachfolgend einige Sonntagsfotos von Wolfgang Weigert aus Adorf und von mir aus Schwarzenberg. (ch)

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