12. August 2018 – erster Frost im Erzgebirge

10 Tage früher als 2017 gab es am „Kältepol des Erzgebirges„, in Marienberg – Kühnhaide den ersten Frosttag. Die eingeflossene kältere und trockene Luft kühlte sich durch kräftige Ausstrahlung bis auf minus 2,4 Grad ab. Am Erdboden sogar auf minus 4,5 Grad.

Auch in anderen höher gelegenen Tälern und Mulden gingen die Temperaturen bis in die Nähe von Null Grad, am Erdboden bis in den leichten Frostbereich zurück. In Hammerunterwiesenthal am Pöhlbach waren die Wiesen schon richtig schön bereift, genauso wie im Hochmoorgebiet hinter Boží Dar (Gottesgab) in Richtung Horní Blatná (Bergstadt Platten). (mb)

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Kaltfrontdurchgang

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In der letzten Nacht ist die Kaltfront des Südskandinavien-Tiefs ORIANA über uns hinweggestürmt. Von Gewittern sind wir fast komplett verschont geblieben, dafür gab es Windspitzen bis maximal 74km/h auf dem Gipfel und 60km/h in den Tälern und am Morgen tatsächlich flächendeckend etwas Regen. Mehr als 1mm ist zwar nirgendwo zusammengekommen, aber man hatte das Gefühl, daß die Pflanzenwelt ganz laut aufatmete. Denn neben dem Hauch von Nass gab es zudem einen Temperatursturz von mehr als 15°C. In Aue fiel die Temperatur von 33,0°C auf 17,6°C, auf dem Fichtelberg von 26,2°C auf 10,3°C. Den größten Temperaturrückgang hatte Kühnhaide, wo das Thermometer von 31,9°C auf 14,5°C um 17,4°C fiel. In der kommenden aufklarenden Nacht geht es am erzgebirgischen Kältepol sicherlich in den einstelligen Bereich.

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Temperaturverlauf an der Wetterwarte Fichtelberg

Und wie geht es nun weiter? Am Montag nimmt die heiße Luft einen neuen Anlauf, wird aber bereits am Abend durch ein neues Tief wieder zurückgedrängt. Nachfolgend sinken die Temperaturen bis zur Wochenmitte auf ein erträgliches Maß ab und es wird etwas unbeständiger. Langfristig sieht das amerikanische Modell eine Südwestwetterlage mit erneut hochsommerlicher Wetterentwicklung während das europäische Modell vorerst kein stabiles Sommerhoch mit abwechslungsreichen Wettercharakter sieht.

Anbei einige Fotos von den gestrigen Ferngewittern und dem heutigen dank Kaltluft sehr klaren Sonnenuntergang. (ch)

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Tornados in Waschleithe und Grünhain?

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Lokale Gewitterzelle auf dem Weg in Richtung Waschleithe, aufgenommen vom 728m hohen Spiegelwald. Foto: Olaf Wolfram, digimakro.de

Mehrere Zeitungen berichteten, daß vorgestern am 8. August bei einem kleinen aber heftigen lokalen Gewitter gleich zwei Windhosen, also Tornados Waschleithe und Grünhain heimgesucht haben (123456). In Waschleithe fielen zahlreiche Bäume um, einer davon traf den Biergarten eines Restaurants, in dem sich zum Glück keine Leute aufhielten. In Grünhain stürzte ein Baum auf ein Zelt, in dem sich zwei Personen befanden. Diese kamen schwer verletzt ins Krankenhaus.

Aber war es wirklich ein Tornado, der zu diesen Schäden führte? Wie das Beispiel von Carlsfeld zeigt, hinterlässt ein Tornado eine Schneise, nämlich dort, wo der rotierende Rüssel den Boden berührt. Es wurde vor Ort aber weder ein Wolkenschlauch beobachtet, noch lässt sich eine charakteristische Tornadospur erkennen, so daß diese Variante doch recht unwahrscheinlich erscheint.

Die Zelle, die sich bei Eibenstock bildete, intensivierte sich über Aue und zog dann unter weiterer Verstärkung in Richtung Waschleithe und Grünhain. In Aue wurde 15,8mm Niederschlag gemessen, in Grünhain dürfte es nach dem Radarsummenbild noch etwas mehr gewesen sein. Die höchste Windgeschwindigkeit des Tages wurden in einer ähnlich lokalen Gewitterzelle in Selb mit 96km/h gemessen. Im Großraum Aue-Schwarzenberg befindet sich leider keine Windmessstelle. Aber derartige plötzlich auftretende Windgeschwindigkeiten können im Sommer viel größere Schäden anrichten, denn durch die Belaubung der Bäume ist die Angriffsfläche um ein Vielfaches größer als im Winter. Zudem hat die seit Monaten anhaltende Trockenheit den Bäumen stark zugesetzt. Die Kapillaren ziehen das gespeicherte Wasser aus dem Stamm, um die Baumkrone und vor allem Blätter und Früchte mit Wasser zu versorgen. Kommt an den Wurzeln kein Wasser nach, führt das langfristig zur Austrocknung und macht die Wurzeln, Baumstämme und Äste für Wind noch anfälliger. So stürzte zum Beispiel gestern Vormittag ohne jegliches Gewitter an der B97 zwischen Laußnitz und Ottendorf Okrilla ein mit Eicheln überladener Ast auf die Straße, durchbohrte die Frontscheibe und landete mitten in einem Wagen. Drei Personen wurden dadurch schwer verletzt.

Zurück zum Erzgebirge. Denkbar wäre auch eine Fallböe (Downburst) als Ursache der Schäden. Sie entsteht durch starke Abwinde, die wie ein Sack auf den Boden prallen und dort seitwärts ausweichen müssen. In diesem Bereich kommt es kleinräumig zu Sturmböen, die auch Orkanstärke erreichen können. Downbursts kommen häufiger vor, als Tornados und treten vor allem dann auf, wenn ein dichter Niederschlagsvorhang am Boden auszufließen scheint. Genau solch eine Situation zeigt das Foto, welches Olaf Wolfram von der Zelle gemacht hat, die kurz darauf nach Waschleithe weiterzog. Nachfolgend noch ein Video, aufgenommen von Bianca R. in Grünhain. (ch)

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Sternschnuppennächte der Perseiden

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Perseid am Abend des 06.08.2018. Foto: Wolfgang Hinz

Wie romantisch ist es, in einer lauen Sommernacht den Himmel zu beobachten und Sternschnuppen zu zählen? Diese Möglichkeit bietet momentan der Meteorstrom der Perseiden. Zur Maximumsnacht vom Sonntag, 12. August auf den Montag, 13. August 2018 kann ein aufmerksamer Beobachter ca. 100 Sternschnuppen in einer Stunde beobachten. Der Mond beeinträchtigt zwei Tage nach Neumond die Beobachtung nicht. Am besten hält man ab 22 Uhr nach den schnellen Sternschnuppen Ausschau.

Ein Meteorstrom entsteht, wenn die Erde bei der Sonnenumrundung eine Kometenbahn kreuzt. Auf dieser befinden sich Staub von Gesteinsstücken und sonstigen kleinen Partikeln, die der Komet vor allem in Sonnennähe verliert. Sie verteilen sich im Laufe der Jahrtausende über die gesamte Bahn des Kometen, weshalb ein Meteorstrom meist jährlich an der Stelle wiederkehrt, wo die Erde den Bereich dieser Materiewolke durchquert.

Der Grund für den Meteorstrom der Perseiden ist der Komet 109P/Swift-Tuttle, dessen Staubpartikel mit hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre der Erde eintreten und die Luftmoleküle zum Leuchten bringen. Der Radiant dieses Meteorstroms liegt im Sternbild des Perseus, mitten im Band der Milchstraße. Beobachter sollten am besten nicht genau in Richtung des Radianten schauen. Je weiter weg die Blickrichtung, desto länger werden die Meteorspuren.

Die Perseiden sind zwar der bekannteste, aber nicht der aktivste Meteorstrom. Bei den Geminiden Mitte Dezember und den Quadrantiden Anfang Januar können mitunter noch mehr Sternschnuppen pro Stunde beobachtet werden, jedoch sind die Nächte dann bei weitem nicht mehr so lauschig wie momentan. Die Perseiden sind am besten 3-4 Nächte vor und vor allem kurz nach dem Maximum ein lohnendes Beobachtungsziel. Bis 28. August sind dann letzte vereinzelte Sternschnuppen zu erhaschen. (ch, wh)

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Die Wetterwarte als Kindergarten

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Kleines Rotschwänzchen im Kindergarten der Wetterwarte

Das ruhige und von den zahlreichen Fichtelbergbesuchern abseits gelegene Messfeld der Wetterwarte diente in den letzten Wochen als Kindergarten und Flugschule für zahlreiche Vogelnachkommen. Besonders zahlreich sind in diesem Jahr die Haus-Rotschwänzchen geschlüpft. Etwa 5 auf dem Gipfel brütende Päärchen haben 15-20 Junge herangezogen, die nun tollpatschig ihre ersten Flugversuche unternahmen. Diese fielen zeitgleich auf das Ausschlüpfen tausender Holzwespen, so dass ihr erster Tag im Kindergarten mit einem riesigen Festschmaus endete. Ein kleines Rotschwänzchen (Lotte) ist besonders zutraulich und zwitschert den Angestellten auf dem Weg zum Messfeld immer fröhlich zu, ohne auch nur die geringste Angst zu zeigen.

Interessant waren auch die unzähligen kleinen Amseln, die nicht so recht begreifen wollten, dass man eigentlich aus den aufgestellten Vogeltränken trinkt. Stattdessen sind sie darin gelandet und haben fröhlich herumgeplanscht.

In den letzten Tagen kamen noch einige kleine Bluthänflinge hinzu (etwa 5), die uns morgens mit noch nicht so ganz harmonischen Duettgesang begrüßen, so dass einem wirklich das Herz aufgeht.

Junge Fichtenammern wurden ebenfalls gesichtet und auch unser Gipfel-Rabenkrähenpäärchen kommt mit 2 Sprösslingen daher. Diese sind aber nur Gast und nicht in den Kindergarten der Wetterwarte integriert. (ch)

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Video zum ersten Bodenfrost im Erzgebirge

… von Oliver Kaufmann von Promovie. 

Artikel zum Bodenfrost

 

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Erster Bodenfrost im Erzgebirge

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In der eingeflossenen kühlen Luft sanken in der klaren und windstillen Nacht (mit vielen Sternschnuppen) die Temperaturen in den Erzgebirgestälern auf einstellige Werte. Spitzenreiter war unserer bekannter Kältepol Marienberg-Kühnhaide mit plus 0,7 Grad in 2 Meter Höhe. In 5 Zentimeter über dem Erdboden trat mit minus 1,5 Grad der erste Bodenfrost für die neue Wintersaison 2018/2019 auf. (mb)

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Durchatmen!

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Herbstliche Nebelstimmung in Bärenstein (mb)

Eine Woche lang hatte uns die Hitzewelle fest im Griff und bescherte uns Temperaturen weit über 30°C. Nun hat in der Nacht die gewittrige Kaltfront des kleinen Tiefs LYDIA für Abkühlung gesorgt, so dass wir heute bei Höchsttemperaturen deutlich unter 30°C etwas aufatmen können. Auf dem Fichtelberg braucht man bei Nebel und kühlen 14°C schon fast eine Jacke.

Aber bereits morgen kündigt sich die nächste Hitzewelle an. Aber DURCHHALTEN, es ist langfristige Abkühlung in Sicht! Denn am Donnerstag wird sich die Hitze mit voraussichtlich kräftigen Gewittern verabschieden und am Freitag könnte uns sogar ein Regengebiet überqueren und den ausgetrockneten Böden etwas mehr Wasser spenden, als es die kleinen Gewitterchen gestern und in der Nacht getan haben.

Danach bahnt sich ein Wetterwechsel an, der die Hitze beendet. Ob es dann bei angenehmen Temperaturen sonnig oder eher kühl und unbeständig weitergeht, ist noch nicht ganz klar und hängt davon ab, ob sich das Azorenhoch erneut nach Mitteleuropa ausdehnt, wie es das amerikanische Modell sieht, oder sich das Tiefdrucksystem über Mitteleuropa festsetzt (europäisches Modell). Für uns wird es auf jeden Fall endlich mal wieder spannend.

Nachfolgend noch einige Bilder der letzten Tage mit den Fichtelberg umzingelnden , Sicherheitsabstand haltenden Gewitterwolken. Und wer hatte Dienst? Natürlich ich, der Gewitterschreck … (ch)

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Fichtelbergwetter im Juli 2018

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Das seit Februar anhaltende Hochdrucksystem über Nord- und Mitteleuropa setzte sich auch im Juli fort und brachte den 4. viel zu warmen und örtlich extrem zu trockenen Monat in Folge. Auf dem Fichtelberg war der Monat mit einer Mitteltemperatur von 14,7°C um 3,5°C zu warm und belegte damit Platz 6 in der Juli-Bestenliste (Platz 1: Juli 2006 mit 16,7°C). Wärmerekorde wurden im Erzgebirge kaum geknackt. Stattdessen brachte Hoch EKKEHARD Zum Monatsanfang durch extrem klaren Wetter und dadurch großer nächtlicher Ausstrahlung letzte Nachtfröste am Erzgebirgskamm. Auf dem Fichtelberg blieb es deutlich wärmer und es wurde am 01. mit 4,6°C der tiefste Wert des Monats gemessen. In der klaren Luft gab es für Sommer ungewöhnlich gute Fernsichten und die wohl beste Brockensicht, die auf dem Fichtelberg je beobachtet werden konnte.

Mit der Kaltfront des wohlklingenden Tiefs ELISONIA kamen am 06. einige Gewitter nach Sachsen und brachten den meisten Gebieten lang ersehnten Regen. Viel kam nicht zusammen, am meisten fiel in Schwarzenberg (8,9mm) und Marienberg-Kühnhaide (14,6mm). Die Temperaturen sanken bis in die Nacht teilweise um mehr als 20°C ab, in Aue zum Beispiel von 30°C auf 8,8°C.

Zum Monatsende gab es dann pünktlich zu den Hundstagen die erste Hitzewelle mit Höchsttemperaturen von weit über 30°C in den Tälern. Erzgebirgischer Spitzenreiter der DWD-Stationen war Aue mit 34,4°C. Örtlich war es aber noch wärmer. Im Bereich von größeren Städten (Chemnitz, Zwickau, Schwarzenberg) wurden mit nächtlichen Tiefsttemperaturen über 20°C Tropennächte registriert. Auf dem Fichtelberg war es vergleichsweise angenehm kühl und nur an den letzten beiden Tagen stieg das Thermometer auf sommerliche Werte >25°C. Die Monatshöchsttemperatur von 26.6 °C wurde am 31. des Monats gemessen.

Vor allem in den letzten Tagen entwickelten sich durch zunehmend feuchtere Luft aus Südwesteuropa einzelne Gewitter. Eins davon bildete sich am 31. über dem Fichtelberg und „rettete“ mit einer Tagessumme von 22,8mm den Juli 2018 mit insgesamt nun 48,3mm (43%) vom Rang drei der trockensten Monate auf Platz 10. In Aue fielen nur 18,6mm, hier wurde mit Abstand der trockenste Juli registriert. Aue hat aber noch eine weitere Besonderheit aufzuweisen. Hier lagen sowohl das höchste Tagesmaximum (34,4°C), das höchste Tagesminimum (19,2°C) aber auch das tiefste Tagesminimum (4,6°C) in den Top 5 der Juli-Statistik. In Carlsfeld wurde mit 2,5°C am 02.07. sogar das tiefste Minimum in einem Juli gemessen.

Die Sonne machte im gesamten Erzgebirge fleißig Überstunden. Am längsten schien sie mit 316,7 Stunden (158%) in Chemnitz, am kürzesten mit 275.8 h (141%) in Carlsfeld. Auf dem Fichtelberg verweilte sie 277,3 Stunden, was 145% des Normalwertes von 191,8 Stunden entspricht.

Auf dem sonst oft windigen Fichtelberg war es im Juli ungewöhnlich ruhig. Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 12. mit 62.6 km/h gemessen. Das Monatsmittel lag mit 5,2 m/s für einen Juli ungewöhnlich niedrig. Nur 1983 und 1994 gab es mit einem Mittelwert von je 5,1 m/s noch weniger Wind. Starken Wind (Windstärke 6) gab es an 10 Tagen, Stürmischer Wind (Windstärke 8) trat nicht auf.

Es wurden auch einige Atmosphärische Erscheinungen beobachtet. 8 Mal gab es Morgen- oder Abendrot , dazu Leuchtende Nachtwolken, Regenbogen, Irisieren und Halos.

Zum Schluss noch ein Blick auf die phänologischen Jahreszeiten, welche durch die Vegetationsperioden bestimmt werden. Wie schon mehrfach erwähnt, hat sich in diesem Jahr die Pflanzenwelt besonders beeilt. So leiteten auf dem Gipfel die (an den unvertrockneten Sträuchern) reifen Vogelbeeren zum Monatsende den Spätsommer ein. In tieferen Lagen ist die Vegetation schon auf Herbst eingestellt, die einsetzende Reife der Kirschen oder dem Schwarzem Holunder zeigen den phänologischen Frühherbst an, erste reife Eicheln und Kastanien im Chemnitzer Raum sogar schon den Vollherbst. Der verfrühte Laubfall ist die Folge der anhaltenden Trockenheit und (hoffentlich) noch kein Zeichen dafür, dass auch der Spätherbst schon im Gange ist. (ch)

Monatswerte Fichtelberg

Wetterrückblick Olbernhau von Dirk Christoph

Deutschlandwetter im Juli 2018, Pressemitteilung des DWD

Wetterrückblick des Observatoriums Hoher Peißenberg in den bayrischen Voralpen

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Der heißeste Tag des Jahres

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Selbst Kamele suchen in diesem Sommer schattige Fleckchen. Foto: Reinhard Nitze

Die derzeitige Hitzewelle hat gestern (hoffentlich) ihren Höhepunkt erreicht. Deutschlandweit wurde mit 39,5°C die höchste Temperatur an der automatischen Messstation des DWD in Bernburg/Saale-Strenzfeld in Sachsen-Anhalt gemessen. Durch eine leichte und geschützte sowie nach Süden offene Hanglage ist diese Station oft wärmer als die Umgebung und schafft es regelmäßig in die Temperatur-Hitlisten.

In Sachsen war Klitzschen bei Torgau mit 37,8°C am heißesten. Lichtenhain-Mittelndorf (Sächsische Schweiz) und Treuen (Vogtland) stellten mit 35,5°C bzw. 35,3°C ihre bisherigen Juli-Rekorde ein.

Im Erzgebirge lag von den offiziellen Stationen Aue mit 34,4°C vorn. An unserer privaten Wetterstation im Oswaldtal in Schwarzenberg wurden aber am 13. heißen Tag in Folge (Maximum >30°C) gestern mit 37,0°C eine noch höhere Temperatur in einer Wetterhütte gemessen.

Ein Ende des nun schon seit April andauernden ungewöhnlich trockenen Sommerwetters ist nicht in Sicht. Zwar sollen die Temperaturen ab dem Wochenende etwas erträglicher werden, aber  die Großwetterlage will und will nicht weichen. Obwohl das die erste richtige Hitzewelle in diesem Jahr war (siehe dazu auch diese Grafik des DWD) und es auf dem Fichtelberg erst zwei Sommertage gab (Im Vergleich 2015: 13), ist mit dem Juli der nun schon 4. deutlich zu warme und verbreitet viel zu trockener Monat zu Ende gegangen.

Derartig stabile Wettersysteme gibt es sehr selten, können aber in Extremfällen bis zu einem Jahr anhalten. Kommt diese Wetterlage im Winter vor, so kann es zu extremer Kälte kommen. Ein sehr kaltes Beispiel ist zum Beispiel der Winter 1708/09. Selbst Länder mit in der Regel milden Wintern wie Portugal oder Italien waren betroffen und der Gardasee fror komplett zu. Auch in Portugal gefroren die Flüsse und Palmen versanken im Schnee. Missernten und nachfolgende Hungersnot sollen (je nach Quelle) bis zu 1 Million Todesopfer gefordert haben.

Eine heiße Variante einer solchen Großwetterlage war zum Beispiel 1540, als es 11 Monate kaum Regen, dafür aber Extremhitze gab. Brunnen und Quellen versiegten und es gab kaum noch Trinkwasser. Der Pegel des Bodensees sank so weit ab, dass die Insel Lindau im Sommer 1540 mit dem Festland verbunden war. Neben einer verdorrten Ernte mit unbezahlbaren Preisen für Mehl und Brot gab es zahlreiche Brände, die nicht nur riesige Wälder zerstörten, sondern sich auch in den mit Fachwerkhäuschen eng bebauten Städten rasant ausbreiteten. Die Zahl der Opfer, welches diese Jahrtausenddürre forderte, lässt sich nicht abschätzen.

Hoffen wir, dass wir nicht ganz so lange auf Regen verzichten müssen, denn die Natur ist schon jetzt im Dauerstress. Die Vögel fliegen viel kleiner aus, als in normalen Jahren, die Vogelbeeren sind an den Bäumen, die es geschafft haben, bereits seit Mitte Juli rot oder für immer verdorrt und viele Bäume sehen aus wie im Spätherbst (siehe Fotos im Anschluss). Lediglich kleine vom Gewitter betroffene Regionen des Erzgebirges konnten kurzzeitig aufatmen, so gab es letzten Freitag in Forchheim ein Gewitter, welches 34,2mm Niederschlag, darunter auch kleinkörnigen Hagel brachte. Der Fichtelberg und die umliegende Umgebung bekamen gestern einen Gewitterguss mit 22,8mm ab. Auch in den Folgetagen sind Hitzegewitter möglich, allerdings bleiben die Niederschlagsspenden wohl weiterhin örtlich sehr begrenzt. Und eine Änderung ist nicht in Sicht … (ch)

 

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