Nachlese zur Vulkanexplosion des Hunga Tonga

Druckwelle an der Wetterstation Chemnitz. Quelle: DWD/Thomas Undeutsch

In diesem Artikel berichteten wir bereits, dass die Druckwelle der Explosion des Hunga Tonga Vulkans weltweit von Luftdruckmessgeräten nachgewiesen werden konnten. In Deutschland wurde sie am Abend des 15.01. von Nordosten kommend mit einem Luftdruck-Impuls von ca. 1,5 hPa gemessen, am frühen Morgen des 16. dann etwas schwächer aus Südwesten. In Algerien, das Tonga gegenüberliegt, kulminierte die Wellenfront (Animation).

Die Auswertungen weltweiter Messungen haben ergeben, dass die Druckwelle 4 Mal um Erde lief und selbst im Atlantik ungewöhnliche Wellen verursachte. Am 17. Januar, also zwei Tage nach der Explosion, wurde auch in unseren Breiten nochmals ein Wellendurchgang von ca. 0,5 hPa registriert. Weitere Durchgänge der Welle durch Mitteleuropa folgten bis mindestens zum 18. Januar. Gravitationswellen wurden bis in eine Höhe von 85 km nachgewiesen.

Die Explosion der Vulkaninsel ist nach ersten Erkenntnissen die weltweit stärkste seit der Eruption des Pinatubo auf den Philippinen im Jahre 1991. Die Explosion war sowohl im 2300 Kilometer entfernten Neuseeland als auch im 9700 Kilometer entfernten Alaska zu hören. Allerdings wurde vergleichsweise wenig Material befördert. Die mit Schwefeldioxid angereicherte Aschewolke ist bis in eine Höhe von über 30km aufgestiegen und und wandert nun nach Nordwesten. Sowohl in Teilen Australiens als auch auf den Fidschiinseln wurde die Bevölkerung vor sauren Regen gewarnt. Für eine weltweite Klimaauswirkung dürfte die Gesamtmenge an Schwefeldioxid allerdings zu gering gewesen sein.

In Australien wurde bereits von intensiven Dämmerungen berichtet, welche durch die Lichtstreuung an den feinen Asche- und Aerosolpartikeln entsteht. Bei uns sind die Chancen auf „Hunga-Tonga-Dämmerungen“ eher gering, denn ein Austausch zwischen Nord- und Südhemisphäre wird in bodennahen Schichten durch die Passatzirkulation verhindert. Zwar lässt die Trennung mit der Höhe nach, aber die Aerosolmengen dürften für einen großen Einfluss bei uns nicht ausreichend sein.

Zudem gibt es bei uns schon seit längerer Zeit intensive Purpurlichter, deren Ursache nicht eindeutig geklärt ist. Im Verdacht stehen einige aktive Vulkane in Kamschatka und den Aleuten, welche in letzter Zeit mehrfach Asche bis >10km Höhen geschleudert haben. Diese Mindesthöhe sollten Aerosole haben, damit eine großräumige Ausbreitung möglich wird. Einige Wissenschaftler vermuten auch chemische Rückstände der riesigen Waldbrände in Sibirien im letzten Jahr als (ozonfressende) Aerosollieferanten (Quelle). Fakt ist, dass wir schon jetzt genügend „eigene“ Streupartikel für Dämmerungserscheinungen in den Atmosphärenschichten über uns haben, als dass eine Zugabe durch „Hunga Tonga Asche“ besonders auffallen würde. (ch)

Intensives Purpurlicht am 11.01.2022 – vor der Hunga Tonga Explosion – über der Wetterwarte auf dem Fichtelberg.
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