Druckwelle des explosiven Vulkanausbruchs des Hunga Tonga nachweisbar!

Gestern Morgen um 4:14 UTC (17:15 Ortszeit) explodierte der Vulkan Hunga Tonga, der zum Inselstaat Tonga im Pazifik gehört. Bereits am 20.12.2021 gab es einen ersten Ausbruch, bei dem Asche bis in eine Höhe von 15 Kilometern geschleudert wurde. Er hielt bis zum 2. Januar 2022 an und vergrößerte die Insel durch freigesetztes Material um mehr als 2,5 Quadratkilometer.

Bei der gestrigen Eruption wurde Asche bis in eine Höhe von 18.600 Meter geschleudert und die Insel ist auseinander gebrochen. Übrig blieben von der erst 2014 entstandenen Insel nur zwei Felsen. Es wurde ein Tsunami ausgelöst, der eine Höhe von 120 Zentimetern erreichte

Quelle: @planet/twitter

Und die erzeugte Druckwelle raste einmal um die Welt und erzeugte bei Barographen deutliche Ausschläge. Der linke Teil der Druckwelle erreichte uns nach 17000 km gegen 20 Uhr gestern Abend und sorgte für Luftdruckschwankungen bis 2,5hPa. Der rechte Wellenteil erreichte uns auf einem Weg von 23000km über Amerika und dem Atlantik und verursachte gegen 03.30 Uhr eine Luftdruckänderung von knapp 2 hPa. Zudem soll es an den Küsten Europas Meeresspiegelschwankungen bis zu 10cm gegeben haben (Quelle).

Die zwei Druckwellen auf dem Barographen von Matthias Barth (mb)

Um die Erde ein weiteres Mal zu umrunden und wieder bei uns anzukommen, bräuchte die Schallwelle mindestens 40 Stunden, durch Dämpfung sicherlich einige Stunden mehr. Morgen Nachmittag könnte es also an sensiblen Luftdruckmessern einen weiteren Ausschlag geben. Wir sind gespannt.

Als am 27. August 1883 der Vulkan Krakatau zwischen Java und Sumatra ausbrach, soll die Druckwelle sieben Mal um die Erde gerast sein. Allerdings war der Krakatauausbruch noch ein ganz anderes Kaliber – die Detonation soll 10.000-mal so stark wie die Hiroshima-Atombombe gewesen sein – dennoch zeigt dieser Ausbruch, was theoretisch möglich ist und wie wir selbst hier im beschaulichen Erzgebirge einen Gruß eines fernen Vulkans erhalten können. Weitere Druckwellen dieser Art sind nicht bekannt und selbst der Pinatuboausbruch im Jahr 1991 (der zweitgrößte Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts) hat keinen sichtbaren Ausschlag am Barometer gebracht (Archiv mb). (ch, mb)

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