Sensationelle Fernsicht vom Brocken zum Fichtelberg

Blick vom Brocken zum Fichtel- und Keilberg in 230km Entfernung. Foto: Marc Kinkeldey

Blick vom Brocken zum Fichtel- und Keilberg in 230km Entfernung. Foto: Marc Kinkeldey

Der Brocken, nebligster Ort Deutschlands und Europas, versteckt sich an 307 Tagen in den Wolken. Die nördliche Lage und seine Höhe von 1141 m NN sind günstig für solch hohe Anzahl an Nebeltagen. Mittel- und Nordeuropa ist meist von Westwetterlagen beeinflusst und daher herrscht bei uns in Deutschland auch ein angenehmes und wechselhaftes Klima. Keine heißen und trockenen Sommer und keine strengen Winter mit Werten weit im zweitstelligen Minusbereich. Diverse Tiefdruckgebiete geben sich die Klinke in die Hand und eine Schlechtwetterfront jagt die nächste. Gebunden an Warm- oder Kaltfronten sind nicht nur hohe und mittelhohe Wolken(Eiswolken) sondern auch sehr oft Wolken im tiefen Stockwerk. Wolken in 800 bis 1500 m NN sind perfekt um den Brocken verschwinden zu lassen. Die Sichtweite im Nebel beträgt meist nur zehn bis 30 Meter, damit ist der Bergnebel besonders dicht. An rund 200 Tagen versteckt sich der höchste Berg Norddeutschlands 24 Stunden in den Wolken, an den anderen Tagen nur teilweise. Es gibt also auch schöne Momente und damit auch Tage mit genialer Fernsicht. Der Harz, wie ein kleines Bollwerk im norddeutschen Flachland, steigt hoch empor und somit liegt den Wanderern das Flachland zu Füßen. Nach Süden ist dann auch recht oft der 110 bis 130 Kilometer entfernte Thüringer Wald sichtbar. Bei noch klarerer Luft zeigt sich im Südwesten die Rhön mit der Wasserkuppe (152 km) oder der hessische Vogelsberg mit 173km Entfernung. Nach Westen erheben sich Kaufunger-, Habichtswald und das Sauerland mit dem Kahlen Asten, wo sich ebenfalls noch eine Wetterwarte samt Beobachtungspersonal befindet. Wasserkuppe (Rhön) und Kahler Asten sind dann auch erfreut uns mal sichten zu können. Im Winter, bei klassischer Inversionswetterlage, also unten Nebel und kalt-oben Sonne und warm, kann es unendliche Fernsichten geben. Bei nur teils wüstenartigen zwei Prozent Luftfeuchte auf dem Brocken ist mit viel Glück, maximal einmal im Jahr, in südöstlicher Richtung das 230 km entfernte Erzgebirge mit seinen beiden höchsten  Erhebungen dem Fichtelberg und dem Keilberg sichtbar. Meist ist dies vor Sonnenaufgang  bzw. kurz nach Sonnenaufgang möglich. Hier ist bereits der Horizont recht hell und das Erzgebirge hebt sich besonders gut ab. Bei zunehmendem Sonnenstand werden die Bedingungen rasch schlecht, hinzu kommt der aufsteigende Dunst zwischen dem Harz und dem Erzgebirge.  Der Fichtelberg selbst hat morgens keine Chance, da es Richtung Nordwesten, also Brocken, noch sehr dunkel ist. Besser wird es für den Beobachter dann am Nachmittag bzw. zum Sonnenuntergang. Dann wiederum hebt sich der Brocken perfekt am hellen Horizont ab. Früher wurde das Erzgebirge ebenfalls schon vom Brocken aus gesichtet aber mit zunehmender Luftverschmutzung zu DDR Zeiten verschwand es für immer. Neu wiederentdeckt wurde es dann 1992, als sich so langsam die Luftqualität besserte.

Besonders verrückt war meine Sichtung vor kurzer Zeit, 20. November 2016, wo bei Orkanböen das Erzgebirge fast den gesamten Tag vom Brocken aus gut zu erkennen war. Eigentlich ungewöhnlich, je mehr Wind je stärker ist die Luft in Bewegung und damit nie so klar wie an windschwachen Tagen. Meines Erachtens muss  hier der extrem stark ausgeprägte Alpenföhn eine Rolle gespielt haben. Dieser zeigte nicht nur in Bayern Wirkung sondern trocknete die Luftschichten weit bis nach Norddeutschland total aus. Bei ganztägig elf Windstärken (110km/h) und Orkanböen bis 130 km/h sind sonst solche Sichtweiten eigentlich nahezu unmöglich. Der Wind ließ zwar an den Folgetagen (21. & 22. November) etwas nach war aber mit acht bis neun Windstärken weiterhin brockentypisch. Die Windrichtung blieb genau bei Süd und der Alpenföhn hielt weiter an. Somit tauchte an diesen beiden Tagen ebenfalls das Erzgebirge erneut auf. So klar wie an diesen Tagen habe ich es noch nie sehen können. Der Beobachter auf dem Fichtelberg war erfreut mal wieder vom Brocken zu hören. Eine phantastische Wetterlage über drei Tage mit Fichtelbergsicht wird deutliche Spuren in unseren Tagebüchern hinterlassen… und diese Bücher mit Wetteraufzeichnungen gibt es schon seit 1836 vom Brocken!

Weitere Sichtziele an diesem Tag:

Text und Bilder: Marc Kinkeldey, Wetterwarte Brocken

Artikel über Brockenblick vom Fichtelberg

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2 Antworten zu Sensationelle Fernsicht vom Brocken zum Fichtelberg

  1. Siegmar Lorenz schreibt:

    Toll, das Sichtphänomen! Ähnliches erlebte ich auf dem Hohen Peißenberg bei gleicher Wetterlage einen Tag zuvor, beschrieben in meinem Monatsrückblick November auf eurer Website.
    Siegmar Lorenz,
    Wetterbeobachter

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