Neuer Wolkenatlas zum Welttag der Meteorologie

Die neue Wolkenart Asperitas zieht in den neuen Wolkenatlas ein.

Gestern, am 23.03. wurde der Welttag der Meteorologie begangen. Dieser Tag erinnert an die 1950 in Kraft getretene Konvention der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Diese Fachorganisation der Vereinten Nationen für Meteorologie, operationelle Hydrologie und geophysikalische Wissenschaft ist eine staatenübergreifende Einrichtung mit rund 190 Mitgliedsländern mit Sitz in Genf. Hier wird der internationale Datenaustausch von weltweit über 20.000 Wetterstationen koordiniert, den weder Kriege noch andere „politische Großwetterlagen“ verhindern konnten.

An diesem Tag machte uns die WMO ein ganz besonderes Geschenk und veröffentlichte nach über 30 Jahren einen neuen Wolkenatlas, der in digitaler Form für jeden abrufbar ist:
https://www.wmocloudatlas.org/home.html

Der Wolkenatlas gilt als wichtigstes Standart-Werk für alle Wolkenbeobachter. In diesem wurden nun einige neue Wolkenarten aufgenommen bzw. längst bekannte Sonderformen als Unterarten aufgenommen. Folgende neue lateinische Namen sind nun zu finden:

  • Asperitas: lateinisch für aufgeraut oder aufgewühlt. Der Name beschreibt Wolken, die wie eine von unten betrachtete aufgeraute wellige Meeresoberfläche aussehen. Diese Unterart tritt hauptsächlich an Stratocumulus und Altocumulus auf.
  • Volutus: lateinisch für wälzen oder rollen. Die auch als „Rollcloud“ bekannte Wolkenformation steht meist sehr tief am Himmel und rotiert als langer Schlauch oft langsam um eine horizontale Achse. Sie ist nicht an einer anderen Wolke befestigt und tritt hauptsächlich als Stratocumulus oder seltener als Altocumulus auf.
  • Cauda: lateinisch für Schwanz oder Schweif. Diese auch als „Tail cloud“ bekannte Wolkenart ist eine horizontale, schwanzförmige Wolke auf niedrigem Niveau, die sich hauptsächlich an aktiven Gewitterzellen (Cumulonimbus) vom Hauptniederschlagsfeld bis hin zur „Wallcloud“ (Murus) erstreckt.
  • Murus: lateinisch für Wand. Die auch als „Wallcloud“ bekannte Wolke beschreibt eine oft abrupte Absenkung von der Basis eines Cumulonimbus, aus dem sich manchmal Tuba (Wolkenschläuche) bilden. Sie entwickeln sich typischer Weise im regenfreien Aufwindgebiet von Superzellen oder mehrzelligen Gewittern. Murus zeigt signifikante Rotation und vertikale Bewegung.
  • Fluctus: lateinisch für Woge. Beschrieben wird eine relativ kurzlebige Wellenbildung, meist auf der Oberseite der Wolke, in Form von Locken oder brechenden Wellen (Kelvin-Helmholtz-Wellen).
  • Cavum: lateinisch für Höhle. Die auch als „Hole punch cloud“ bekannte Wolkenformation zeigt sich als gut definiertes, meist kreisförmiges (manchmal lineares) Loch in einer dünnen Schicht aus unterkühlten Wassertropfenwolken. In der Mitte dieser Wolken führen Fallstreifen (virga) zur Wolkenauflösung

Folgende Begleitformen wurden neu benannt:

  • Cataractagenitus: Wolken, die sich an Wasserfällen bilden
  • Flammagenitus: Wolken bei Waldbränden oder Vulkaneruptionen, die wie ein Atompilz aussehen und die zumindest teilweise aus Wassertropfen bestehen. Bisher auch als Pyrocumulus bekannt
  • Homogenitus: Wolken über Schornsteinen oder Kühltürmen, die sich durch industrielle Prozesse durch aufsteigende Thermiken bilden
  • Silvagenitus: Aufsteigende Wolken über Wäldern als Folge der erhöhten Feuchtigkeit durch Verdunstung und Evapotranspiration (bezeichnet in der Meteorologie die Summe aus Transpiration und Evaporation, also der Verdunstung von Wasser aus Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen)
  • Homomutatus: Flugzeug-Kondensstreifen, die sich nicht sofort auflösen, sondern zerfasert noch lange am Himmel bleiben und in Cirrus übergehen

Eine schöne Übersicht der 10 Wolkengattungen mit allen bisher bekannten Unterarten befindet sich beispielsweise hier.

(ch)

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