Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2019

August

Der letzte Sommermonat fiel erneut zu warm aus, brachte jedoch – im Gegensatz zu den Vormonaten – überreichlich Niederschläge, keine Trockenperioden und kann sogar als unbeständig und wechselhaft bezeichnet werden.

Während der 1. Dekade lag eine Luftmassengrenze quer über Deutschland und trennte kühlere Atlantikluft im Norden von heißer Tropikluft im Süden. Die Temperaturspanne der täglichen Maxima bewegte sich auf dem Hohen Peißenberg zwischen 20 und 29 Grad Celsius, wobei es in feucht-warmer Luft häufig zu Schauern und Gewittern unterschiedlicher Intensität kam.

In der 2. Dekade kam die Frontalzone nach Süden voran – zum Verdruss mancher Ost- und Nordseeurlauber, welche einige trübe und verregnete Tage dort erdulden mussten. Das Starkwindfeld in der Höhe erstreckte sich vom Norden Portugals über Nordfrankreich und Norddeutschland bis Weißrussland. Bei uns lagen die Tagesmaxima vom 12. bis 15. nur zwischen 15 und 19 Grad Celsius. Am 11. und 12. fielen, unter dem Einfluss atlantischer Luftmassen und  begleitet von Gewittern, 50 Liter pro Quadratmeter Niederschlag  – ein Drittel der langjährigen Augustsumme. Mit Südwestwinden konnten die Temperaturen vom 16. bis 19. wieder über 20 Grad Celsius klettern.  Der wärmste Tag des Monats fiel dabei auf den 18. mit einem Maximum von 29,4 Grad Celsius. Erneut lag eine Luftmassengrenze über Deutschland. Unwetter, Hagel, Orkanböen inkl. erheblicher Schäden waren die negativen Auswirkungen, denn eine kräftige Gewitterzelle hatte sich vom Saarland bis nach Polen auf den Weg gemacht, dabei besonders südlich von Offenbach große Schäden verursacht. Der Dauerregen, welcher uns am 20. heimsuchte und an dem 28 Liter pro Quadratmeter fielen, entstand durch Aufgleitniederschläge. Warme Luft aus Südwesten hatte sich auf kältere aus Nordosten geschoben.

Die 3. Dekade begann sehr trüb, vom 21. bis 23. grüßte eindeutig schon der bevorstehende Herbst. Die Sonne zeigte sich fast nicht. Am 23. herrschte Dauernebel – das Tagesmaximum betrug nur 13,1 Grad Celsius. Ab dem 24. ging es mit den Temperaturen noch einmal kräftig bergauf, der Spätsommer meldete sich. Am 25. erreichte das Gemeindegebiet Hohenpeißenberg ein kräftiges Gewitter mit seltener Zugbahn: Ammersee – Berggipfel – Hohenpeißenberg. Innerhalb von nur 20 Minuten waren 20 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gefallen. Am 30. und 31. verabschiedete sich der Sommer bei uns mit maximalem Sonnenschein (12 – 13 Stunden je Tag) und am 31. nochmals mit einem Sommertag(Maximum 25,7 Grad Celsius). Das Monatsende bescherte unserem Norden und Nordwesten nochmals Rekordhitze, denn die dortigen Höchstwerte von 35 Grad Celsius stellten für Ende August einen Rekord dar.

Insgesamt fiel der August mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,0 Grad Celsius um 2,4 grd. zu warm aus. Von den 5 Sommertagen (Maxima über 25 Grad Celsius) war der 18. mit einem Monatsmaximum von 29,4 Grad Celsius der wärmste. Am kältesten war es am 21. mit 9,1 Grad Celsius. Messbare Niederschläge fielen an 16 Tagen – insgesamt 183 Liter pro Quadratmeter. Somit wurde das Monatssoll sogar um 17% überschritten. Trotz der nunmehr schon 5 zu trockenen Monate in diesem Jahr ist unsere Jahresniederschlagsbilanz nun ausgeglichen! Davon können die meisten Regionen bundesweit nur träumen. Deutschlandweit fielen nur 80% des langjährigen Mittels, manche Orte in Ostdeutschland blieben nahezu trocken. Punktuelle Unwetter brachten nur lokal vereinzelt 100 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden. Dennoch verschärfte sich die Trockenheit aber weiter, denn im Gegensatz zu Südbayern fielen deutschlandweit im Flächendurchschnitt seit Jahresbeginn lediglich 45 – 60% der klimatologisch zu erwartenden Niederschlagssummen. Vielerorts sind die Böden bis 1,8m Tiefe ausgetrocknet, womit nachhaltig die Wälder geschädigt werden (Baumsterben). Im Norden und Osten Deutschlands fehlt den Böden das Wasser. Die Lage ist so dramatisch, dass unsere Bundesagrarministerin Julia Klöckner zum Monatsende zum nationalen Waldgipfel einlädt. Neben der Waldbrandgefahr klagen die Landwirte über Ernteverluste und Futtermangel für die Tiere.

Die Sonne im August schien insgesamt 215 Stunden, was ziemlich genau dem langjährigen Mittel entsprach. An 10 Tagen wurden Gewitter beobachtet. Bayern war im Sommer das blitzreichste Bundesland (entsprach 25% aller Blitze deutschlandweit), wie das Münchner Blitzortungsunternehmen nowcast mitteilte.   Nebel trat an 16 Tagen auf. Die höchste Windspitze betrug am 7. 19 m/s bzw. 68 km/h.

Sommerrückblick

Der zurückliegende Sommer war nach 2003 und 2015 der drittwärmste seit Beginn unserer Aufzeichnungen 1781 mit einem Mittel von 17,7 Grad Celsius. Daran ist schon zu erkennen, dass es kein „Siebenschläfersommer“ war, denn der atlantische Einfluss war schwach ausgeprägt. Die Tiefdrucktätigkeit wurde durch relativ hohe Wassertemperaturen im Nordatlantik geschwächt, welche die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd verringerten. Stattdessen dominierten meridionale Strömungsmuster, welche die Entstehung der Hitzewellen begünstigten. Stationäre Wetterlagen führten daher zu mehr konvektiven Niederschlägen (Schauer und  Gewitter regional sehr unterschiedlich verteilt) und keinem flächendeckenden Dauerregen.

Während der Juni bei uns um 5,6grd. zu warm ausfiel, schafften Juli und August „nur“ 2,8 bzw. 2.4grd. Der Sommer auf dem Hohen Peißenberg konnte mit 26 Sommertagen (Maxima über 25 Grad Celsius)aufwarten, wovon 5 heiße Tage (Maxima über 30 Grad Celsius) waren. Das Sommermaximum der Lufttemperatur wurde am 24.7. mit 31,9 Grad Celsius gemessen. Am kältesten war es am 10.7. mit 7,6 Grad Celsius. Bemerkenswert war die extreme Hitzewelle vom 24.-26. Juli über Deutschland, bei der täglich 40 Grad Celsius überschritten wurden und dabei an einem Tag 15 Wetterstationen diese Überschreitung meldeten. Sehr trocken waren Juni und Juli mit nur 30 bzw. 66% der langjährigen Niederschlagserwartung. Der August dagegen konnte sein Soll sogar um 17% überschreiten. Bayern war das zweitniederschlagsreichste Bundesland im Sommer. Sehr sonnenscheinreich war der Juni mit 313 Stunden (sonnigster Juni seit Bestehen dieser Messreihe 1937). Der Juli bot einen leichten Überschuss (106%), während der August dem langjährigen Mittel entsprach. Jeder Sommermonat endete – deutschlandweit – mit einem deutlichen Überschuss an Wärme und Sonnenschein.

Anmerkung:

Denkt man an die waldbrandverursachende Trockenheit in Deutschland, welche naturgegeben ist, muss man unwillkürlich an Südamerika denken. Dort wird die „Axt“ absichtlich angelegt. Im Amazonasgebiet werden Brandrodungen für Rinderweiden und Soja-Äcker durchgeführt. Brasilien ist weltweit größter Rindfleischexporteur (2019 rund 2,2 Millionen Tonnen) und will – Klimawandel hin oder her – diese Flächen gewinnbringend bewirtschaften um den „Appetit der Welt“ (Bolsonaro)zu stillen. Dabei bedeckt der südamerikanische Regenwald 7% (noch) der Fläche der Erde und speichert ca. 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, welche als Kohlendioxidäquivalente in die Atmosphäre freigesetzt werden könnten und das Weltklima in großen Dimensionen massiv und unumkehrbar schädigen.


Juli

Auch der zweite Sommermonat war von Extremen geprägt – Rekordhitze und Dürre landesweit.

Der Juli begann gleich am ersten Tag mit dem Durchzug einer Kaltfront, begleitet von Gewittern und Hagel, womit die Hitzewelle der letzten Junidekade zunächst beendet wurde. Bis zum 6. war es moderat sommerlich, d.h. die Temperaturen blieben auf dem Hohen Peißenberg unter 30 Grad Celsius. Am 7. überquerte uns eine zweite Kaltfront, welche Nordseeluft heranführte, so dass die Tagesmaxima vom 7. bis 15. sogar unter 20 Grad Celsius verharrten.  Diese Kaltfront zog bis zum Mittelmeerraum nach Süden und löste über Norditalien, Griechenland, aber auch besonders an der nördlichen Adria, extrem kräftige Gewitter bislang nicht gekannten Ausmaßes aus. Auf Videos sah man Tornados, Wasserhosen und flüchtende Urlauber am Strand. Es wurden Hagelkörner mit einem Durchmesser von 15 cm gezeigt, welche bis zu 300 Gramm wogen! Deutschlands bislang größtes Hagelkorn wurde am 8. August 2013 bei Reutlingen gefunden und hatte einen Durchmesser von 14 cm. Ab dem 12. überquerte ein hochreichendes Tief Mitteleuropa von NW nach SE. Immerhin gab es deshalb mal 4 Tage lang über Deutschland Regen, Schauer und Gewitter – dennoch nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Ab der Monatsmitte geriet die kühle und feuchte Meeresluft unter Hochdruckeinfluss, die Temperaturen stiegen allmählich wieder an – ab dem 19. auf sommerliche Werte über 25 Grad Celsius. Dieser „Höhenflug“ steigerte sich bis zur zweiten, noch extremeren Hitzewelle dieses Sommers. Zwischen einem Tief an der irischen Westküste und einem Hoch über dem östlichen Mitteleuropa gelangte afrikanische Heißluft über Spanien mit einer Südwestströmung zu uns. Eine zusätzliche Erhitzung dieser Luftmasse erfolgte durch die ungehinderte Einstrahlung des wolkenlosen Himmels über den Landmassen. Verstärkend wirkte die Tageslänge des Juli (lange Sonnenscheindauer).

An der Station des DWD in Lingen wurde am 25. eine Rekordtemperatur von 42,6 Grad Celsius gemessen. Experten der privaten Konkurrenz zweifeln diesen Wert mangels Standortqualität jedoch an und begründen das mit zu viel Bewuchs des Messfeldes (Hitzestau), welcher den WMO-Kriterien wiedersprechen würde. Aus ihrer Sicht wäre es nicht hinnehmbar, dass man diesen Rekordwert nun womöglich über Jahre im In- und Ausland verwendet. Letzten Endes sind aber auch die Werte von 41,2 Grad Celsius, welche jeweils in Duisburg und Tönisvorst(beide NRW) gemessen wurden auch noch Rekordwerte. Eine Überschreitung der 40 Grad Celsius- Marke an 3 Tagen hintereinander an einigen deutschen Stationen hat es seit Messbeginn noch nie gegeben. Auf dem Hohen Peißenberg überstieg das Quecksilber vom 24. bis 26. die 30 Grad Celsius-Marke und das gab es auch seit Messbeginn 1781 noch nicht..

Ab dem 27. wurde diese Hitzewelle historischen Ausmaßes deutschlandweit beendet. Die damit verbundenen Gewitter verlagerten sich sehr langsam von West nach Ost, weshalb sich die Niederschlagsmengen auch sehr unterschiedlich verteilten. Auf dem Hohen Peißenberg fielen am 28.  36 Liter pro Quadratmeter Niederschlag in kurzer Zeit. Die Hitzewelle allerdings erreichte sogar Grönland ab dem 30. – das Wärmehoch hatte sich bis dahin zurückgezogen – und leitete damit eine global hochproblematische Entwicklung ein. Während das Grönlandeis bisher nur an den Rändern zeitweise taute, schmolzen bis 3. August (bei Temperaturen bis 20 Grad Celsius) täglich 10 Milliarden Tonnen Gletschereis ab, wie Schweizer Forscher mitteilten.

Insgesamt fiel der Juli mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,8 Grad Celsius um 2,8 grd. zu warm aus. Von den 10 Sommertagen war der 24. der heißeste  mit dem Monatsmaximum von 31,9 Grad Celsius. Die tiefste Temperatur betrug am 10.  7,6 Grad Celsius.

Messbarer Niederschlag fiel an 13 Tagen – insgesamt 106 Liter pro Quadratmeter, d.h. nur 66 % der langjährig zu erwartenden Niederschlagsmenge. Die Sonne schien 243 Stunden, was nahezu den Normalwerten entsprach. Die höchste Windspitze war am 7. eine Gewitterböe mit 26 m/s bzw. 94 k/h.

Die Auswirkungen der Juliwitterung auf Mensch und Natur waren sehr folgenreich. Unser Bundesland war das zweitniederschlagsreichste. Deutschlandweit gab es aber auch wieder Stationen, an denen nur 10 bis 20 % der langjährigen Juliniederschläge fielen, weshalb sich, besonders in den östlichen Bundesländern, die Dürre weiter verschärfte.  Der DWD spricht von „katastrophalen Ausmaßen“. Die Böden konnten sich dort noch nicht von der extremen Trockenheit aus 2018 heraus erholen. Das Helmholtzzentrum für Umweltforschung erarbeitet einen sog. „Dürremonitor“ für Deutschland und stellt dort den Feuchtezustand der Böden bis 1,8 Meter Tiefe, verglichen mit dem langjährigen Mittel, auf Farbkarten aktuell dar. Demnach herrscht „außergewöhnliche Dürre“ in großen Teilen Nord- und Ostdeutschlands. Die Pegelstände der Flüsse sanken wieder auf das Rekordniveau von 2018.

Auch der Wald ist nachhaltig, teilweise unumkehrbar, durch die Trockenheit geschädigt(Kiefern, Lärchen, Buchen). Dazu kommt der massive Schädlingsbefall durch den Borkenkäfer. Der Wald im allgemeinen gilt als Klimaschützer, da er allein in Deutschland die Atmosphäre um mehr als 120 Millionen Tonnen Kohlendioxid entlastet. Ein einzelner Baum kann im Durchschnitt 21 kg Kohlendioxid pro Jahr speichern. Hitze, Trockenheit und Schädlinge zerstörten seit einem Jahr allerdings bereits 110000 ha Wald.

Die extreme Hitzebelastung hat erhebliche gesundheitliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem des Menschen, besonders wenn tagelang 32 Grad Celsius überschritten werden. Dann steigt die Sterberate signifikant und statistisch nachweisbar an. Mit den Temperaturen erhöhen sich aber auch die bodennahen Ozonkonzentrationen. Ozon reizt die Schleimhäute der Augen und schränkt die Lungenfunktion ein. Eine Verringerung ist z.B. durch Senkung von Schadstoffen wie Stickoxiden im Verkehrssektor möglich.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Juni

Nach dem etwas unterkühlten Mai mit spätwinterlichen Zügen war dieser Juni der bisher wärmste seit Beginn flächendeckender Messungen.

Aus klimatologischer Sicht bleibt – den Mai betreffend – noch nachzutragen, dass ein einzelner zu kalter Monat keinerlei Abstriche am Klimawandel bedeutet. Nach zuvor deutschlandweit 13 zu warmen Monaten (Ausnahme Süddeutschland Januar 2019) war mal ein zu kalter statistisch überfällig. Im Mittel des letzten Jahrzehnts gab es meistens noch wenigstens 2 Monate im Jahr, welche mit einer negativen Temperaturabweichung auffielen. Auch dieser Mai hatte seine Rekordwerte, nur traten diese – wetterlagenbedingt – beispielsweise am Polarkreis, in Portugal und Israel auf und nicht bei uns.

Anfang Juni vollzog sich also pünktlich der Start in den meteorologischen Sommer. Er begann bei uns mit Hochdruckeinfluss, dann mit feuchtwarmer Südwestströmung und einzelnen Gewittertagen – heiß war es in anderen Teilen des Landes. Der erste Sommertag auf dem Hohen Peißenberg war in diesem Jahr der 3. Juni (Maxima über 25 Grad Celsius). Am Pfingstmontag (10.6.) wurde unsere Region von einer sogenannten Superzelle bzw. „Mesozyklone“ heimgesucht. Davon spricht man, wenn sich ein Gewittercluster längere Zeit hält, eine kilometerlange Ausdehnung vorweisen kann und sich die Windparameter mit der Höhe ändern. Die „Zutaten“ für die Entstehung waren optimal, denn ein Tief über West- und Mitteleuropa saugte aus Südosten feuchtwarme Luft an und von Westen strömte gleichzeitig kühle Atlantikluft heran. Treffen Winde aus unterschiedlichen Richtungen zusammen, entstehen in sehr feuchter Luft sehr schnell kräftige Gewitter. Im kilometerlangen Aufwindbereich werden Wassertröpfchen in große Höhen gewirbelt und gefrieren zu Eis. Sie fallen als Eiskörner herunter, heften sich an andere Regentropfen an und vergrößern sich. Dieses Auf und Ab kann sich mehrfach wiederholen, dann wachsen die Hagelkörner bis sie von den Aufwinden nicht mehr getragen werden können und schließlich ganz nach unten fallen. Diese Superzelle nun zog vom Allgäu kommend über den Ammersee (Dießen) und den Münchner Westen nach Nordosten. Der Hohe Peißenberg wurde, wie so oft, nur gestreift. Der Gewitterzelle war,  als Indikator sehr hoher Windgeschwindigkeiten, eine Böenwalze vorgelagert. Es wurden Hagelkörner bis zu einer Größe von 8 cm beobachtet, welche nicht nur Autoscheiben, Dachfenster und Hausfassaden zertrümmerten, sondern auch in Gärten große Verwüstungen anrichteten. Unter der Zelle war es minutenlang fast nachtdunkel.

In der 2. Dekade blieb es überwiegend sommerlich mit leichteren Schauern und Gewittern. An 4 Tagen blieben die Tagesmaxima unter 20 Grad Celsius.

In der 3. Dekade stellte sich eine extreme Hitzewelle ein, welche ganz Mittel-, Süd- und Westeuropa erfasste. Das westatlantische Tief lag weit südlich, so dass sehr heiße Saharaluft den Kontinent erreichte. Diese war naturgemäß massiv staubdurchsetzt, weshalb die Sichtweiten vom 25. bis 27. zeitweise auch bis 20 km zurückgehen konnten. Am 28. drehte der Wind vorübergehend auf nördliche Richtungen. Am 30. kam die Saharaluft nochmals zurück. Der letzte Tag des Monats trieb die Temperaturen landesweit oftmals bis 39 Grad Celsius hoch. Deutschlandweit wurde ein neuer Juni-Temperaturrekord aufgestellt. In Bernburg (Sachsen-Anhalt) wurden 39,6 Grad Celsius gemessen!

Auf dem Hohen Peißenberg wurde die höchste Junitemperatur am 26. mit 31,0 Grad Celsius gemessen (zum Vergleich: Taggenau vor 100 Jahren lagen die Tagestemperaturen nur zwischen 6,2 und 1,4 Grad Celsius). Aber auch wir können 2 tropische Nächte vorweisen, da die Minima am 26. und 30.  20 Grad Celsius nicht unterschritten.

Insgesamt war der Vormonat mit einem Mittel von 18,3 Grad Celsius um 5,6 grd. zu warm und damit der zweitwärmste Juni seit Beginn unserer Temperaturaufzeichnungen. Nur der Juni 2003 war um noch 1 grd. wärmer. Wir konnten 11 Sommertage und 2 heiße Tage (über 30 Grad Celsius) verzeichnen. Am kältesten war es am 6. und 7. mit jeweils 8,2 Grad Celsius.

Im Gegensatz zum Mai war der Juni sehr trocken. Es fielen 49,1 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. nur 30 % der langjährig zu erwartenden Summe. Messbarer Niederschlag fiel an nur 11 Tagen.

Die Junisonne schien 313 Stunden. Das entsprach 157 % des langjährigen Mittels. Es war somit der sonnigste Juni seit Bestehen dieser Messreihe 1937 auf dem Hohen Peißenberg. Ebenso deutschlandweit schien die Sonne über 300 Stunden und ist damit der sonnigste Juni seit Messbeginn 1881.

Im Mai und Juni trat das Phänomen der „stationären Wetterlagen“ auf. Diese sind eindeutig klimawandelbedingt. Dabei verlagern sich die Druckgebilde (Hoch und Tief) kaum bzw. wenig oder bilden sich an ähnlicher Stelle immer wieder neu aus. Eine Hauptursache ist die Störung der westlichen Luftströmung, welche normalerweise in unseren Breiten von Islandtief und Azorenhoch erzeugt wird. Dieser Mechanismus geht aber durch die immer schnellere Erwärmung der Arktis (auch Erhöhung der Meeresflächentemperatur) verloren. Die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd nehmen ab, weshalb der Luftmassenaustausch mehr meridional als zonal erfolgt. Die Folgen spürten wir bereits mit tagelangen Stauniederschlägen  im Januar bei Nordanströmung an die Alpen. So sind auch längeranhaltende Südströmungen mit Saharaheissluft denkbar, alles keine guten Aussichten für unser Klima.

Mindestens unseren freitags demonstrierenden Schülern ist das nicht egal, sie machen sich Sorgen um das Klima ihrer Zukunft.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Februar

Der Februar begann zunächst noch einmal sehr winterlich mit anhaltenden Schneefällen. So fielen an den ersten beiden Tagen des Monats 30 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. die Hälfte der langjährig in diesem Monat zu erwartenden Menge. Damit hatte sich auch die Schneehöhe am 4. bis auf 88 cm erhöht – dem Maximalwert des Monats. Es war die vierthöchste Schneehöhe eines Februarmonats seit dem Bestehen dieser Messreihe 1901. Nach einigen niederschlagsfreien Tagen unter Hochdruckeinfluss sorgten nun zum Dekadenende atlantische Tiefausläufer mit milder Subtropikluft nicht nur für Schnee, sondern am 9. und 10 auch für Regen. Die Temperatur stieg am 10. – erstmalig wieder seit Anfang Dezember – über die 10 Grad Celsius-Marke bis auf 12,3 Grad Celsius. Der Frühling hatte erste zarte Grüße gesandt. Stunden später jedoch beendete die Kaltfront eines Sturmtiefs aufkommende Frühlingsgefühle abrupt, jedoch nur für wenige Tage. Abends traten Sturmböen der Windstärke 12 gemäß der Beaufort-Skala auf, also in voller Orkanstärke. Die maximale Windspitze(zugleich die höchste des Monats) erreichte 31 m/s bzw. 112 km/h. Am 12. blieben die Temperaturen letztmalig in diesem Monat und Winter unter dem Nullpunkt(Eistag) und es schneite. Danach konnte sich der Frühling voll entfalten. Unter Hochdruckeinfluss erreichte uns nun Warmluft aus dem Nordwesten Afrikas, so dass die Temperaturen auf ungewöhnlich hohe Werte kletterten, zur Monatsmitte auf dem Hohen Peißenberg bis auf 14,7 Grad Celsius. Deutschlandweit wurden am 17. bereits mehrfach 20 Grad Celsius überschritten. Vom 13. bis 20. blieb es trocken und die Sonne konnte nun täglich schon verbreitet über 10 Stunden scheinen. An den wenigen schneefreien Stellen blühte auf dem Berg am 19. bereits der Huflattich. Die Luft war meistens sehr klar, so dass sich täglich ausgezeichnete Alpenblicke boten. Vom 16. bis 18. war es außergewöhnlich trocken, die Luftfeuchte blieb 50 Stunden durchgehend unterhalb 20 %! Rings um den Hohen Peißenberg waren die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht in der 2. Dekade sehr groß – die Spanne betrug etwa 20 Grad. Die Tagesamplitude auf den Bergen allgemein ist meist wesentlich geringer, weil die tagsüber erwärmte Fläche(Bergkuppe) kleiner ist und die in der Nacht abkühlende Luft abfließt, aber es hier auch durch oftmals stärkeren Wind gar nicht erst zur Abkühlung kommen kann. Auch sind während winterlicher Hochdruckperioden oft Temperaturinversionen dafür verantwortlich, dass die Temperatur mit der Höhe zunimmt(physikalisch bedingte Absinkinversion). So beträgt allgemein die durchschnittliche Tagesamplitude auf dem Hohen Peißenberg knapp 10 grd., auf dem noch viel steiler liegenden 3106 m hohen Sonnenblick in den Hohen Tauern nur 2 bis 3 grd.

Die 3. Dekade begann kurzfristig mit Tiefdruckeinfluss, jedoch stiegen die Tagesmaxima bei erneutem Hochdruckeinfluss kontinuierlich an, von 0,8 Grad Celsius am 23. bis auf 14,7 Grad Celsius am 28.und es blieb durchweg trocken. Das Februarende vor einem Jahr war ganz anders: Am 26. z.B. betrug das Tagesmaximum nur – 13,5 Grad Celsius, in diesem Jahr 11,3 Grad Celsius.

Insgesamt fiel der Februar mit einer Monatsmitteltemperatur von 3,6 Grad Celsius um 4,7 grd. zu warm aus. Es war der fünftwärmste Februar seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Die Monatsmaxima betrugen am 17. und 28. jeweils 14,7 Grad Celsius. Am kältesten war es am 5. mit minus 6,1 Grad Celsius. An 3 Tagen wurde der Nullpunkt nicht überschritten(Eistage). Frost trat an 14 Tagen auf. Der Februar war etwas zu trocken. Es fielen 53 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und damit 88 % der langjährig zu erwartenden Summe. Messbarer Niederschlag fiel an nur 10 Tagen. Deutschlandweit war der Februar aber viel trockener. In den meisten Landesteilen setzte sich die Entspannung beim Niederschlagsdefizit nicht fort(beispielsweise fielen in Thüringen und Sachsen-Anhalt weniger als 5 Liter pro Quadratmeter). So sind nicht überall die Folgen des vergangenen Dürresommers überwunden, die Wasserspeicher der Waldböden leer und der Borkenkäfer breitete sich auch weiter in den Wäldern aus. Eine Schneedecke auf dem Hohen Peißenberg lag während des gesamten Monats. Danach schmolz sie allmählich ab bis auf 23 cm am 28.

Die Februarsonne schien 173 Stunden, das entsprach 172 % des langjährigen Mittels. Es war der viertsonnigste Februar seit Bestehen dieser Messreihe 1937.

Winterrückblick

Der Winter 2018/19 war durchschnittlich um knapp 2 grd. zu warm. Die Temperaturspanne reichte von -10,2 Grad Celsius am 23. Januar bis 14,7 Grad Celsius am 17 und 28. Februar.

Der Dezember war überwiegend von atlantischen Luftmassen geprägt und fiel um 2 grd. zu warm aus. Zur Monatsmitte gab es die erste Dauerforstperiode des Winters von 5 Tagen. Ab dem 24. Dezember mittags bis zum Ende des meteorologischen Winters lag eine geschlossene Schneedecke – ein inzwischen selten gewordenes Ereignis.

Der Januar war um 1,4 grd. zu kalt und geprägt von extremen Stauniederschlägen an den Alpen, verursacht durch eine mehrtägig andauernde Nordwestströmung. Es entstand eine Unwettersituation, denn durch starken Wind hatte sich der Schnee meterhoch aufgetürmt, Straßen- und Schienenverkehr massiv behindert und ganze alpine Touristenregionen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Niederschlagssumme des Januar stellt einen nie dagewesenen Rekordwert dar(163 Liter pro Quadratmeter). Zudem war am 11. Januar unsere Schneedecke auf 105 cm angewachsen. So hoch lag der Schnee noch in keinem Januar seit dem Bestehen dieser Messreihe 1901.

Der Februar war reich an Sonnenschein mit zwei Frühlingshochs, dem Winter ging beizeiten die Puste aus, auch wenn die Schneedecke noch bis Monatsende hielt. Er war um 4,7 grd. zu warm(zum Vergleich: Februar 2018 war um 4 grd. zu kalt).

Insgesamt zählte der Winter 61 Frost- und 29 Eistage. Er war auf dem Hohen Peißenberg der niederschlagsreichste überhaupt mit insgesamt 320 Litern pro Quadratmeter. Der deutschlandweit niederschlagsreichste Ort war Ruhpolding mit 1003 Litern pro Quadratmeter, gefolgt von Balderschwang mit noch 848 Litern pro Quadratmeter. Den sonnenscheinarmen Monaten Dezember und Januar stand ein sonnenscheinreicher Februar gegenüber.

Erst kürzlich teilte die WMO mit, dass die letzten 4 Jahre weltweit seit Beginn der Klimaaufzeichnungen die wärmsten waren und 2016 speziell das bisher wärmste Jahr. Sehr wichtig ist die Aussage: „Der Temperaturanstieg ging Hand in Hand mit der Zunahme der Konzentration klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre“ – als schlagkräftiges Argument für den menschengemachten Klimawandel und mehr als nur ein Ausrufezeichen für die politischen Entscheidungsträger!

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Januar 2019

Der Januar zeigte sich deutschlandweit als „Bergwinter“, d.h. er fand im wesentlichen nördlich der Donau nur in den Mittelgebirgen statt. Bei uns im Alpenvorland und erst recht inneralpin sah es ganz anders aus. Bis zur Monatsmitte lag ein Hoch über dem Atlantik, während tiefer Luftdruck über Skandinavien, dem Baltikum und dem Europäischen Nordmeer zu finden war. Daraus resultierte eine andauernde Nordwest- bis Nordströmung, mit der mal erwärmte Nordseeluft, aber auch maritime Kaltluft aus der Arktis Deutschland erreichte. Im Flachland herrschte deutschlandweit nasskaltes Wetter mit Temperaturen über dem Nullpunkt, jedoch in Höhenlagen über 800 Metern regierte der Dauerfrost, so bis zum 12. auch auf dem Hohen Peißenberg. Durch die langandauernde nördliche Anströmung an die Alpen wurden die fast täglich durchziehenden Niederschlagsgebiete hier gestaut und der Schnee aus den Wolken gepresst. So schneite es im Anstau der Alpen und darin, aber auch bei uns im Vorland, ab dem 3. oft, vom 6. bis 14. anhaltend mit nur kurzen Unterbrechungen. So kamen Rekordsummen an Niederschlägen zusammen, z.B. in Reit im Winkl bis zur Monatsmitte 300 Liter pro Quadratmeter, in Ruhpolding sogar 437 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Teilen Ostdeutschlands wurde dieser Wert von Ruhpolding an einigen Stationen als Jahressumme im gesamten Jahr 2018 nicht erreicht! So kam es zu massiven Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr. Ganze alpine Touristenregionen schneiten ein. Besonders in Österreich wurden etliche Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Dazu wehte oft stürmischer Wind bis zur Windstärke 10 der Beaufort-Skala – auf dem Hohen Peißenberg war das am 8.der Fall – so dass der Schnee zusätzlich verweht wurde. Dächer mussten von den Schneemassen befreit werden. Es bestand tagelanger Katastrophenfall von Garmisch-Partenkirchen bis zum Berchtesgadener Land. Der DWD warnte auch vor den sogenannten „Leiterseilschwingungen“, da die reale Gefahr bestand, dass der viele Neuschnee(aber auch Nebelfrostablagerungen), der in kürzester Zeit fiel, die Stromleitungen belastet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bilden sich Eislasten, welche in Kombination mit Wind zu Stromausfällen führen kann, da dann die Elastizität der Stromleitungen gefährdet ist. Präventation hierfür gibt es keine. Dem Klimawandel werden länger anhaltende gleiche Wetterlagen zugeschrieben,

wie z. B. die monatelangen Süd/Südwestwetterlagen im letzten Jahr. Doch welche realen Folgen würden wohl monatelang anhaltende Nordlagen im Winter im Stau der Alpen haben?

Zur Monatsmitte erreichten uns wärmere Luftmassen. Am 16. wurde das Monatsmaximum von 5,9 Grad Celsius gemessen, der Niederschlag fiel vorübergehend als Regen, womit der Wassergehalt der Schneedecke wuchs und damit auch das Gewicht der ohnehin schneebelasteten Dächer. Nach der Monatsmitte führten Ostwinde kalte Festlandsluft nach Deutschland, so dass sich kurzzeitig fast überall Dauerfrost einstellte. Nun herrschte mal ruhiges Winterwetter, am 16. und 19. verschönt durch jeweils 8 Stunden Sonnenschein. Ein Hoch über Osteuropa verhinderte nun den atlantischen Einfluss auf unser Wetter. Die gefürchtete und bereits in einschlägigen Wettermodellen tatsächlich schon mal herbeigerechnete nordsibirische Kaltluft schaffte es im Januar jedoch nicht bis zu uns. Es waren Temperaturen von -12 bis -25 Grad Celsius vorgesehen. Stattdessen stieg das Quecksilber durch mildere Atlantikluft ab dem 26. wieder leicht über den Nullpunkt.

Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von -3,0 Grad Celsius um 1,4 grd. Zu kalt aus. Der letzte zu kalte Monat war der März 2018. Im Januar gab es auf dem Hohen Peißenberg 20 Eistage, also Tage, an denen der Nullpunkt nicht überschritten wurde. Frost trat an allen Tagen auf. Am kältesten war es am 23. mit -10,2 Grad Celsius. Bayern war im Januar kältestes Bundesland. Deutschlandweit wurde in Deutschneudorf(Erzgebirge) mit -18,6 Grad Celsius der Tiefstwert gemessen.

Auch die konventionell gemessene Monatssumme des Niederschlags von 163 Litern pro Quadratmeter(aut. 98 Liter pro Quadratmeter) stellt einen neuen Rekordwert dar, d.h. es fielen 268 % der langjährig zu erwartenden Menge. Noch in keinem Januar seit Bestehen unserer Messreihe 1781 wurde so viel Niederschlag gemessen. Allein in der 1. Dekade wurde der Monatsdurchschnittswert schon um das Doppelte übertroffen. Zweitniederschlagsreichster Januar war 1982 mit 136 Litern pro Quadratmeter. Bayern war zweitniederschlagsreichstes Bundesland.

Der Vormonat war der drittsonnenscheinärmste Januar seit 1937 – dem Bestehen dieser Messreihe. Die Sonne schien nur 56 Stunden und lag damit 39 % unter dem Durchschnittswert. Vom 1. bis 14. Januar schien sie nur 4 Stunden.

Am 2. und 14. traten Gewitter auf. Feuchte Luft und ein starker vertikaler Temperaturgradient bei aus Norden in etwa 5 km Höhe einfließender Höhenkaltluft machten das auch im Winter möglich.

Die höchste Windspitze betrug am 13. 29 m/s bzw. 104 km/h. Windstärke 6 im Mittel trat an 4 Tagen auf.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2018
Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2017
Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2016

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