Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2019

Januar 2019

Der Januar zeigte sich deutschlandweit als „Bergwinter“, d.h. er fand im wesentlichen nördlich der Donau nur in den Mittelgebirgen statt. Bei uns im Alpenvorland und erst recht inneralpin sah es ganz anders aus. Bis zur Monatsmitte lag ein Hoch über dem Atlantik, während tiefer Luftdruck über Skandinavien, dem Baltikum und dem Europäischen Nordmeer zu finden war. Daraus resultierte eine andauernde Nordwest- bis Nordströmung, mit der mal erwärmte Nordseeluft, aber auch maritime Kaltluft aus der Arktis Deutschland erreichte. Im Flachland herrschte deutschlandweit nasskaltes Wetter mit Temperaturen über dem Nullpunkt, jedoch in Höhenlagen über 800 Metern regierte der Dauerfrost, so bis zum 12. auch auf dem Hohen Peißenberg. Durch die langandauernde nördliche Anströmung an die Alpen wurden die fast täglich durchziehenden Niederschlagsgebiete hier gestaut und der Schnee aus den Wolken gepresst. So schneite es im Anstau der Alpen und darin, aber auch bei uns im Vorland, ab dem 3. oft, vom 6. bis 14. anhaltend mit nur kurzen Unterbrechungen. So kamen Rekordsummen an Niederschlägen zusammen, z.B. in Reit im Winkl bis zur Monatsmitte 300 Liter pro Quadratmeter, in Ruhpolding sogar 437 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Teilen Ostdeutschlands wurde dieser Wert von Ruhpolding an einigen Stationen als Jahressumme im gesamten Jahr 2018 nicht erreicht! So kam es zu massiven Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr. Ganze alpine Touristenregionen schneiten ein. Besonders in Österreich wurden etliche Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Dazu wehte oft stürmischer Wind bis zur Windstärke 10 der Beaufort-Skala – auf dem Hohen Peißenberg war das am 8.der Fall – so dass der Schnee zusätzlich verweht wurde. Dächer mussten von den Schneemassen befreit werden. Es bestand tagelanger Katastrophenfall von Garmisch-Partenkirchen bis zum Berchtesgadener Land. Der DWD warnte auch vor den sogenannten „Leiterseilschwingungen“, da die reale Gefahr bestand, dass der viele Neuschnee(aber auch Nebelfrostablagerungen), der in kürzester Zeit fiel, die Stromleitungen belastet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bilden sich Eislasten, welche in Kombination mit Wind zu Stromausfällen führen kann, da dann die Elastizität der Stromleitungen gefährdet ist. Präventation hierfür gibt es keine. Dem Klimawandel werden länger anhaltende gleiche Wetterlagen zugeschrieben,

wie z. B. die monatelangen Süd/Südwestwetterlagen im letzten Jahr. Doch welche realen Folgen würden wohl monatelang anhaltende Nordlagen im Winter im Stau der Alpen haben?

Zur Monatsmitte erreichten uns wärmere Luftmassen. Am 16. wurde das Monatsmaximum von 5,9 Grad Celsius gemessen, der Niederschlag fiel vorübergehend als Regen, womit der Wassergehalt der Schneedecke wuchs und damit auch das Gewicht der ohnehin schneebelasteten Dächer. Nach der Monatsmitte führten Ostwinde kalte Festlandsluft nach Deutschland, so dass sich kurzzeitig fast überall Dauerfrost einstellte. Nun herrschte mal ruhiges Winterwetter, am 16. und 19. verschönt durch jeweils 8 Stunden Sonnenschein. Ein Hoch über Osteuropa verhinderte nun den atlantischen Einfluss auf unser Wetter. Die gefürchtete und bereits in einschlägigen Wettermodellen tatsächlich schon mal herbeigerechnete nordsibirische Kaltluft schaffte es im Januar jedoch nicht bis zu uns. Es waren Temperaturen von -12 bis -25 Grad Celsius vorgesehen. Stattdessen stieg das Quecksilber durch mildere Atlantikluft ab dem 26. wieder leicht über den Nullpunkt.

Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von -3,0 Grad Celsius um 1,4 grd. Zu kalt aus. Der letzte zu kalte Monat war der März 2018. Im Januar gab es auf dem Hohen Peißenberg 20 Eistage, also Tage, an denen der Nullpunkt nicht überschritten wurde. Frost trat an allen Tagen auf. Am kältesten war es am 23. mit -10,2 Grad Celsius. Bayern war im Januar kältestes Bundesland. Deutschlandweit wurde in Deutschneudorf(Erzgebirge) mit -18,6 Grad Celsius der Tiefstwert gemessen.

Auch die konventionell gemessene Monatssumme des Niederschlags von 163 Litern pro Quadratmeter(aut. 98 Liter pro Quadratmeter) stellt einen neuen Rekordwert dar, d.h. es fielen 268 % der langjährig zu erwartenden Menge. Noch in keinem Januar seit Bestehen unserer Messreihe 1781 wurde so viel Niederschlag gemessen. Allein in der 1. Dekade wurde der Monatsdurchschnittswert schon um das Doppelte übertroffen. Zweitniederschlagsreichster Januar war 1982 mit 136 Litern pro Quadratmeter. Bayern war zweitniederschlagsreichstes Bundesland.

Der Vormonat war der drittsonnenscheinärmste Januar seit 1937 – dem Bestehen dieser Messreihe. Die Sonne schien nur 56 Stunden und lag damit 39 % unter dem Durchschnittswert. Vom 1. bis 14. Januar schien sie nur 4 Stunden.

Am 2. und 14. traten Gewitter auf. Feuchte Luft und ein starker vertikaler Temperaturgradient bei aus Norden in etwa 5 km Höhe einfließender Höhenkaltluft machten das auch im Winter möglich.

Die höchste Windspitze betrug am 13. 29 m/s bzw. 104 km/h. Windstärke 6 im Mittel trat an 4 Tagen auf.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


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