Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2017

März 2017

Der erste Monat des Frühlings, der März, ist vorüber und es ist an der Zeit zurück zu blicken, auf einen Monat, der den Namen Frühling verdient hat, denn in vieler Hinsicht war dieser März überdurchschnittlich. Besonders zu nennen ist hier die Temperatur, denn dieser Monat war der 3. wärmste März auf dem Hohenpeißenberg seit Beginn der Aufzeichnungen von 1781. Wir erreichten mit 6.1 °C eine Mitteltemperatur, die sage und schreibe 4.5 °C über dem langjährigen Mittel lag. Nur der März 1957 und 1989 waren um 0.1 °C wärmer.

Überdurchschnittlich war auch der Niederschlag und die Sonnenscheindauer.

Nach etwas Schnee am Anfang des Monats wurde es zunächst recht warm und wir konnten am 5. des Monats eine Maximumtemperatur von 18 °C registrieren. Nach diesem kurzen Frühlingsintermezzo wurde es wieder kälter und es fielen in den folgenden 5 Tagen knapp ¾ des normalen Monatsniederschlages, an 2 Tagen konnte sich sogar wieder eine Schneedecke ausbilden, welche durch die folgende Erwärmung schnell wieder verschwand. Es folgte eine Trockenperiode, die ab der Mitte des Monats durch weitere Niederschläge beendet wurde. Ab dem 23. fiel dann kein Niederschlag mehr. Durch die höheren Temperaturen, am letzten Tag des Monats wurden 19.0 °C gemessen, trockneten die Böden aus, so dass der Waldbrandgefahrenindex  auf 3 anstieg.

Hier nun eine Zusammenfassung der einzelnen Klimaelemente:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 6.1 °C lag der diesjährige März um 4.5°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 1.6 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 19 °C wurde am 31. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte -2.8 °C am 13. März.
Es gab 7 Frosttage (Tiefsttemperatur < 0 °C) in diesem Monat.

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Sonne
Die Sonne schien insgesamt 183.2 Stunden. Dies entspricht 134 % der normalen Erwartung von 137 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 73.2 mm. Das sind 114 % der normalen Erwartung von 64.3 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 09. März mit 20.3 mm.

Schneedecke
An 3 Tagen lag Schnee auf dem Hohenpeißenberg. Die höchste Gesamtschneehöhe von 11 cm wurde am 08. des Monats gemessen.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 18. mit 101.2 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 9 Tagen und stürmischer Wind (Windstärke 8) an einem Tag.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg


Februar 2017

Der letzte Wintermonat begann trocken und mild mit Tagestemperaturen zwischen 4 und 12 Grad Celsius. Das den Januar bestimmende Winterhoch hatte sich nach Osten zurückgezogen. Östlich der Elbe herrschte noch überwiegend Dauerfrost. Die atlantischen Tiefausläufer vermochten es nicht, dagegen anzukämpfen. Am 8. lag das Hoch über Skandinavien. Bei gleichzeitig tiefem Luftdruck über dem Mittelmeer gelangte nun mit einer Ostströmung die Kaltluft wieder zu uns zurück. Somit konnte sich vom 8. bis 10. nochmals Dauerfrost bei anhaltendem Nebel einstellen.

In der 2. Dekade führte eine Südwestwetterlage zu deutlicher Milderung. Vom 14. bis 16. lag ein Hoch direkt über uns. Es führte zu Temperaturen über 10 Grad Celsius bei maximalen Sonnenschein. Am 15. schien die Sonne 10 Stunden lang, was zuletzt, auch aus astronomischen Gründen, am 30. September des Vorjahres der Fall war. Am 17. überquerte uns eine Kaltfront, welche die Niederschläge von Regen in Schnee übergehen ließ und für die höchste Tagessumme des Monats von 18 Litern pro Quadratmeter führte. Am 18. lag der Schnee dann 15cm hoch.

Ab der 3. Dekade stellte sich eine stürmische Westwetterlage mit milder Atlantikluft und reichlichen Niederschlägen ein. Für turbulentes Wetter war durch kurze Kaltlufteinschübe gesorgt. So konnte das Tagesmaximum auf dem Hohen Peißenberg am 23. mit Föhnunterstützung auf 17,5 Grad Celsius steigen – die zugleich höchste Temperatur des Monats. Es war zugleich auch ein Temperaturrekord, denn seit Beginn unserer langjährigen Messreihe 1781 war noch kein 23. Februar so warm gewesen. Neue Wärmerekorde für Februar wurden auch in Rosenheim mit 21,5 Grad Celsius aufgestellt, Garmisch-Partenkirchen erreichte 20 Grad Celsius. Am 24. erreichte uns erneut eine Kaltfront mit Wintergewitter, Sturmböen und Graupelschauern. In ganz Deutschland traten orkanartige Böen auf. Auf dem Brocken gab es Windböen bis 158 km/h. Am 25. konnten wir morgens wieder eine Schneedecke von 5 cm messen. Das wechselhafte Wetter setzte sich bis zum Monatsende fort. Der 27. war mit 14 Grad Celsius sehr mild und sonnig. Am 28. setzte Dauerschneefall ein, so dass sich über den Monatswechsel erneut eine Schneedecke ausbilden konnte.

Insgesamt fiel der Februar mit einer Mitteltemperatur von 2,5 Grad Celsius um 3,6 grd. viel zu warm aus. Am kältesten war es am 10. mit -6,0 Grad Celsius. Es gab 4 Dauerfrosttage. An 17 Tagen trat generell Frost auf. Trotz fast durchweg trockenen Tagen bis zum 15. war die Niederschlagsbilanz insgesamt ausgeglichen. Es fielen 60 Liter pro Quadratmeter. Das entsprach exakt dem langjährigen Durchschnitt. Ebenso ausgeglichen war die Sonnenscheinbilanz. Die Sonne schien 106 Stunden (105 %). Die höchste Windspitze betrug am 22.  26m/s bzw. 94 km/h. Windstärke 6 im Mittel wurde an 8 Tagen gemessen.

Eine Schneedecke lag insgesamt an 10 Tagen.

Winter 2016/17

Im zurückliegenden Winter herrschten überwiegend Hochdruckwetterlagen vor, ab Mitte Februar eine lebhafte Westströmung mit fast täglichen Niederschlägen. Im Januar dagegen stellte sich eine längere Dauerfrostperiode von 17 Tagen ein. Vom 3. Januar bis 2. Februar lag auf dem Hohen Peißenberg eine geschlossene Schneedecke. In den Bergen war Wintersport möglich, auch viele Seen und Flüsse froren zu. Die Wintertemperaturen bewegten sich zwischen -14,2 Grad Celsius am 7. Januar und 17,5 Grad Celsius am 23. Februar. Bayern war im Winter kältestes Bundesland mit der deutschlandweit tiefsten Temperatur von -26,3 Grad Celsius am 7. Januar in Reit im Winkel, andererseits aber auch mit der höchsten von 21,5 Grad Celsius in Rosenheim und Simbach/Inn am 23.Februar.

Insgesamt war unser Winter auf dem Hohen Peißenberg um 1,4 grd. zu warm. Der Januar war ein echter Wintermonat und um 2 grd. zu kalt. Dezember und Februar dagegen fielen viel zu warm aus – um jeweils über 3 grd.  Der Winter war zu trocken. Es fielen insgesamt nur 77 % der langjährig zu erwartenden Winterniederschläge. Bayernweit waren das sogar nur 50 %.  Der Hohe Peißenberg erlebte den trockensten Dezember seit 1865.  Wegen der langanhaltenden Hochdruckwetterlagen und Föhneinschüben lag unsere Sonnenscheindauer 25 % über den Normalwerten. Bayern war das zweitsonnigste Bundesland.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Januar 2017

Der Januar war in Bayern von echtem Winterwetter geprägt. Die Monatsmitteltemperatur auf dem Hohen Peißenberg betrug -3,6 Grad Celsius. Damit war er exakt um 2 grd. zu kalt. Den letzten ähnlich zu kalten Januar erlebten wir 2010 (Monatsmitteltemperatur -4,6 Grad Celsius). Bayernweit war es verbreitet der kälteste Januar seit 30 Jahren. Auf dem Hohen Peißenberg verhinderten einige Föhntage diesen Rekord. Wir waren deutschlandweit das kälteste Bundesland, auch mit der Tiefsttemperatur von -26,3 Grad Celsius in Reit im Winkel.

Nach einem zunächst sehr milden Monatsbeginn mit einem Maximum von 9 Grad Celsius am Neujahrstag, erreichte uns mit einer Nordwest-, später Nordströmung mit den Ausläufern eines Sturmtiefs polare Meeresluft. Dabei lagen die Temperaturen ab dem 3. nun auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt – ebenfalls bildete sich ab dem 3. eine geschlossene Schneedecke aus, welche uns den gesamten Monat über begleitete. Die Windspitzen, welche am 4. bis in den Orkanbereich (Windstärke 10 der Beaufort-Skala) reichten, führten zu Schneeverwehungen und verstärkten den hochwinterlichen Eindruck. Am 6. und 7. drehte die Strömung sogar kurzzeitig auf Nordost, so dass uns für kurze Zeit ein in den letzten Jahren äußerst selten gewordener „Gast“ erreichte, die Nordsibirische Polarluft. Sie ließ am 6. unser Tagesmaximum nur bis auf -9,8 Grad Celsius „steigen“ und nachts bis -14,2 Grad Celsius (zugleich Monatstiefstwert) absinken. Zuletzt so kalt war es bei uns auf dem Hohen Peißenberg im Februar 2012. Temperaturen unter -10 Grad Celsius hatten in den letzten Jahren Seltenheitswert. Am 12. und 13. tobte sich ein Sturmtief über dem Norden und der Mitte Deutschlands aus und brachte den Mittelgebirgen, wie Harz und Erzgebirge z.B., viel Schnee und Verkehrsbehinderungen. In Bayern ging es moderater zu mit vorübergehenden leichten Plusgraden vom 11. bis 13. Danach kam die eingeflossene Kaltluft zur Ruhe und kühlte wegen der Schneedecke, langen Nächten und trockener Luft bei kalter Ostströmung aus, weshalb es vom 14. bis 20. erneut zu einer Dauerfrostperiode kam.  Die Kaltluftproduktion am Boden stabilisierte das Hoch zusätzlich, so dass die Tiefdruckgebiete des Atlantik keine Chance bekamen, auf den Kontinent nachhaltig überzugreifen.  Ein gleichzeitig über Italien liegendes Tief ließ die Abruzzen unter 1 bis 2m Schnee versinken. Auswirkungen bei uns hatte es nur durch die Luftdruckunterschiede, welche bei uns für starken Wind sorgten, weshalb uns die Frosttemperaturen noch viel kälter vorkamen. Unter Berücksichtigung des „Windchill-Faktors“ (Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Temperatur) entsprachen die am 17. abends bei uns gemessenen -9 Grad Celsius bei Windstärke 6 (in Böen)einer gefühlten Temperatur von -30 Grad Celsius!

Ab dem 20. gestaltete sich unser Wetter trotz Dauerhoch recht abwechslungsreich. So waren die Tage vom 20. bis 23. fast wolkenlos (Inversionslage – Berge klar, Tallagen Nebel) mit Plusgraden tagsüber. Danach folgten 3 Tage mit Dauernebel und tiefen Temperaturen um -10 Grad Celsius. Am 27. und 28. herrschte Föhn mit extremen Temperaturgegensätzen zwischen Berg und Tal. So wurden am 27.  08 Uhr auf dem Hohen Peißenberg +7 Grad Celsius gemessen, in Schongau -12 Grad Celsius und in Wielenbach -15 Grad Celsius, d.h. es bestand auf relativ kleinem Raum eine Temperaturdifferenz von 22 grd. Unterhalb der Inversion führten die fehlenden Austauschprozesse der Luft besonders in den Ballungszentren der Großstädte (Stuttgart, München), welche oftmals tagelang im Nebel verblieben, zu sehr hoher Feinstaubbelastung – einer unsichtbaren und oft unterschätzten großen Gefahr für die Gesundheit. Die giftigen Schadstoffe können bei Dauerbelastung, wenn sie eingeatmet werden und in die Blutbahn gelangen diese nicht wieder verlassen. Als Folge können nicht nur Atemwegserkrankungen ausgelöst werden, sondern sogar Krebs, Schlaganfälle und Infarkte. Diese Mikropartikel sind durch menschliches Zutun erzeugt (Industrieanlagen, Kfz., Kraftwerke). Lt. Umweltbundesamt gibt es seit 2005 Grenzwerte von 50 Mikrogramm/Kubikmeter, welche nicht öfter als 35 mal im Jahr überschritten werden dürfen.

Zum Monatsende zog sich das Winterhoch langsam zurück, nicht ohne Chaos auf Ostbayerns Straßen zu hinterlassen. In den östlichen Regionen hielt sich die Frostluft besonders hartnäckig. Starker Regen führte auf den bis zu 50cm tief gefrorenen Böden zu Glatteis- bei uns auf dem Berg besonders zum Monatswechsel. Ab dem 26. lagen die Tagesmaxima im positiven Bereich. Der wärmste Tag des Monats war der 27. mit einem Höchstwert von 11,0 Grad Celsius. Im Januar fielen 77 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und somit 126% der langjährig zu erwartenden Summe. Seit einschließlich September 2016 waren die zurückliegenden Monate alle mehr oder weniger zu trocken ausgefallen. Allein am letzten Januartag fielen 24 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, zumeist als Regen. Nur 8 Januartage blieben völlig trocken.

Die Schneedecke lag am 17. und 18. mit durchschnittlich 30cm am höchsten.

Die Sonne schien 95 Stunden, was etwa dem langjährigen Durchschnitt entsprach. 14 Tage blieben allerdings ganz ohne Sonnenschein.

Die höchste Windspitze betrug am 4.  29 m/s bzw. 104 km/h.

Trotz Milderung besteht zu Frühlingsgefühlen noch kein Anlass, da das Kaltluftreservoir über Osteuropa noch sehr groß ist. Der Winter gibt sich noch nicht geschlagen.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2016