Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2017

Jahresrückblick 2017

Das Jahr 2017 gehörte mit einer Durchschnittstemperatur von 8,0 Grad Celsius zu den zehntwärmsten Jahren (alle nach 1989) seit 1781 – dem Beginn unserer Messreihe. Es war um 1,5 grd. zu warm. Die tiefste Temperatur wurde am 7. Januar mit -14,2 Grad Celsius gemessen. Am wärmsten war es am 1. August mit 29,9 Grad Celsius.

Auch 2017 war geprägt von Unbeständigkeit und Wetterextremen.

Der Januar war zunächst winterlich und zu kalt, doch während der letzten Dekade verabschiedete er sich dann bereits dauerhaft. Februar und März waren unwinterlich  und viel zu warm. Ein markantes Ereignis im Jahresablauf waren die Spätfröste der 2. Aprildekade, welche als Naturkatastrophe eingeordnet wurden. Deutschland wurde von hochreichender Polarluft aus Nordosten geradezu geflutet, so dass es gegen diese Luftfröste kaum wirksame Schutzmaßnahmen geben konnte. Die deutlich zu warmen Tage von Mitte Februar bis Mitte April ließen die Obstbäume voll erblühen. Bei Minima in der Luft bis -5 Grad Celsius kam es zu großen Schäden. Geschlossene Knospen halten z.B. eine Temperatur von -4 Grad Celsius nur eine halbe Stunde schadlos aus. Bei Vollblüte und -2,5 Grad Celsius gibt es nach 30 Minuten keine Fruchtbildung mehr. Der Sommer war zu warm (der viertwärmste seit 1781), jedoch sehr unbeständig. Rekordregenfälle gab es besonders über der Mitte Deutschlands. Auch der September war sehr wechselhaft und zu kalt. Erst der Oktober brachte den ersehnten „Altweibersommer“, zuvor die ersten Schneeflocken am 6. sowie zwei schwere Herbststürme.

2017 war zu nass. Es fielen 1364 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 113 % der langjährig zu erwartenden Summe.

Die Sonne schien 1874 Stunden und lag damit 3 % über dem Durchschnitt.

Die höchste Windspitze des Jahres, gemessen am 29. Oktober, lag mit 118 km/h im Orkanbereich der Windstärke 12.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Dezember 2017

Der Dezember wurde, als erster Wintermonat, seinem Namen oft gerecht, denn mit einer Durchschnittstemperatur von -0,5 Grad Celsius entsprach er exakt dem langjährigen Mittelwert. Die zurückliegenden Dezembermonate bis einschließlich 2011 waren dagegen mehr oder weniger zu warm ausgefallen.

Im Dezember setzte sich bis kurz vor Weihnachten überwiegend die Nordwest- bis Westströmung fort, wie wir sie auch schon im November hatten. So beeinflusste uns zumeist feuchte Meereskaltluft polaren Ursprungs. Die ersten beiden Dekaden waren sehr unbeständig. Bis zum 20. schwankten die Tagesmaxima zwischen -4,2 Grad Celsius und +10,4 Grad Celsius. Die fast täglichen Niederschläge fielen meist als Schnee, während der Wärmephasen auch kurzzeitig als Regen bei meist stürmischen Winden. Am 10. erreichte der Wind nahezu Orkanstärke. Damit ging ein Luftmassenwechsel einher, welcher tagsüber zu Glatteis auf dem Hohen Peißenberg führte, bedingt durch Regen und Sprühregen bei -2 Grad Celsius.

Der winterliche Eindruck wurde durch die anhaltend liegende Schneedecke verstärkt, denn seit dem 26.11. lag eine geschlossene Schneedecke, vom 15. bis 22. sogar zwischen 20 und 28 cm hoch. Zudem war es auch gerade an den Adventswochenenden recht winterlich. Nur am 26. und 27. Dezember lagen lediglich  noch einzelne Schneeflecken, denn traditionell drehte ausgerechnet kurz vor Weihnachten die Luftströmung auf Südwest. Milde atlantische Luftmassen ließen das Thermometer am 25. auf 11,4 Grad Celsius steigen. Südbayern geriet an den 3 Weihnachtsfeiertagen unter Hochdruckeinfluss. Es waren sehr sonnige Tage bei maximalem Sonnenschein, zumeist wolkenlos. Ansonsten war die 3. Dekade von einer sehr milden und stürmischen Westwetterlage geprägt. Auslöser dafür war die Kältewelle über Nordamerika. Dort stießen nämlich extrem kalte polare Luftmassen über Kanada weit nach Süden vor. Auf dem Nordatlantik trafen sie auf subtropische Luftmassen. Die dortigen starken Temperaturunterschiede bildeten kräftige Tiefs aus, die mit  der Frontalzone zu uns gelangten. Somit unterdrückten diese aber auch gleichzeitig Hochdruckentwicklungen über Osteuropa. Zu dieser Jahreszeit wären sie dann nämlich Produzenten von Kaltluft und Garanten dauerhaften Winterwetters auch bei uns gewesen.

Vom 28. bis zum 29. fielen in kurzer Zeit 23 cm Neuschnee, so dass die Schneedecke bis zum 30. auf 35 cm anwuchs. Es war zugleich der Tag mit der höchsten Schneedecke des Monats. Auslöser für dieses Wetterphänomen war das Vorhandensein sehr kalter Luft in etwa 5 km Höhe. Dort oben betrug die Temperatur -35 Grad Celsius. Die Luftdurchmischung mit der viel wärmeren Bodenluft war es, welche die kräftigen Schneefälle verursachte. Allerdings war diese Schneedecke durch Regen und hohe Temperaturen binnen eines Tages auf 4 cm zusammengeschmolzen. Der Silvestertag war  wegen eines kurzzeitigen Föhneinschubes sehr mild und sonnig.

Im temperaturnormalen Dezember schwankten die Temperaturen zwischen -8,4 Grad Celsius am 10. (Monatsminimum) und 11,4 Grad Celsius am 25.(Monatsmaximum). An 26 Tagen trat Frost auf. 13 Tage blieb das Quecksilber unter dem Nullpunkt(Eistage). Bayern war im Dezember kältestes Bundesland. Die niedrigste Temperatur landesweit wurde mit -16,2 Grad Celsius am 10. in Reit im Winkl gemessen.

Der Dezember war sehr nass. Es fielen 92 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und somit 140 % der langjährig zu erwartenden Summe. Nur an 6 Tagen blieb es trocken. Die letzten  6 Monate waren alle zu nass. Trotz den sonnenreichen Weihnachtsfeiertagen war der Dezember ein trüber Monat. Die Sonne schien nur 66 Stunden, d.h. 78 % der langjährig zu erwartenden Summe. An 15 Tagen sahen wir sie überhaupt nicht. Als Trost sei angemerkt, dass es im Westen Deutschlands Orte gab, an denen die Sonne den ganzen Monat weniger als 5 Stunden schien! Bayern war sonnenscheinreichstes Bundesland – besonders zwischen Allgäu und Starnberger See.

Nebel wurde an 24 Tagen beobachtet. Starker Wind im Mittel (Windstärke 6 und mehr) wurde an 15 Tagen gemessen, stürmischer Wind im Mittel (Windstärke 8) an 4 Tagen. Die stärkste Windböe mit 30 m/s bzw. 108 km/h am 14. bedeutete „orkanartigen Sturm“ entsprechend der Beaufort-Skala.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


 

November 2017

Der letzte Herbstmonat gestaltete sich sehr abwechslungsreich. Von den relativ milden Temperaturen des Oktober, welche aus überwiegend südwestlichen bis westlichen Winden resultierten, mussten wir uns verabschieden.

Mit Nordwestwinden erreichte uns am 5. eine Kaltfront. Sie führte Meeresluft polaren Ursprungs zu uns. Die Temperaturen stürzten bei uns auf dem Hohen Peißenberg von 12 Grad Celsius auf 0 Grad Celsius, die Niederschläge gingen in Schnee über und bildeten die erste zusammenhängende Schneedecke dieser Saison, welche 3 Tage erhalten blieb. Die Tagesmaxima blieben zunächst über dem Nullpunkt. Das änderte sich dann ab dem 13. Nach dem Durchzug einer weiteren Kaltfront blieben die Maxima 4 Tage im Frostbereich (Eistage). Am 12. und 13. fiel erneut Schnee, so dass sich wiederum eine Schneedecke ausbildete, welche bis zum 21. lag. Vom 14. bis 17. bestimmte eine Hochdruckbrücke unser Wetter. An diesen 4 Tagen blieb es trocken. Am 15. schien dazu 9 Stunden lang die Sonne – ein vorwinterlicher Traumtag! In den Niederungen hielt sich, jahreszeitlich bedingt, oftmals der Nebel. Auf dem Berg konnte man über das Nebelmeer hinweg den Blick bis zum 130km entfernten Großvenediger schweifen lassen.

Zum Ende der 2. Dekade setzte sich mit einer Nordwestlage erneut nasskaltes Wetter durch. Vom 22. bis 24. lag ein Hochdruckgebiet über Südeuropa. Eine Südwestströmung verwöhnte uns nochmals mit sehr hohen Temperaturen für diese Jahreszeit. Die eingeflossene Mittelmeerluft trieb die Temperaturen weit über 10 Grad Celsius. So war der wärmste Tag des Monats der 23. mit einem Maximum von 15,9 Grad Celsius. An einigen Orten Baden-Württembergs wurden sogar nochmals knapp 20 Grad Celsius erreicht. Danach stürzte die Temperatur mit einer erneuten Nordwestströmung wieder ab. Bei Frostwechseltagen bildete sich ab dem 26. erneut eine geschlossene Schneedecke aus, welche bis über den Monatswechsel hinaus erhalten blieb.

Insgesamt fiel der November mit einer Monatsmitteltemperatur von 2,4 Grad Celsius ziemlich normal aus. Die negative Temperaturabweichung betrug lediglich 0,2 grd. Der Vormonat war überwiegend nasskalt mit 3 Kaltlufteinbrüchen, welche Schneedeckenperioden zur Folge hatten. Der Gesamteindruck war aber auch teilweise frühwinterlich, denn es gab bereits 7 Eistage(Tage mit Maxima unter 0 Grad Celsius). An 17 Tagen trat Frost auf. Der kälteste Tag war der 15. mit dem Monatsminimum von -4,1 Grad Celsius. Eine Schneedecke lag an 17 Tagen – am höchsten mit 11cm am 14. Messbare Niederschläge fielen an ebenfalls 17 Tagen; an 13 Tagen mit Schnee. Insgesamt fielen 90 Liter pro Quadratmeter, d.h. der Monat war zu nass (125 % der langjährig zu erwartenden Summe). Nur 9 Tage blieben völlig trocken. Blickt man auf die Sonnenscheinbilanz des November kann man depressive Züge erkennen. An 15 Tagen sahen wir die Sonne überhaupt nicht. Insgesamt schien sie nur 57 Stunden, gerade einmal 61 % der langjährig zu erwartenden Summe. Dazu passend die Zahl der Nebeltage: 20. Der November war sehr windig. An 9 Tagen trat Windstärke 6 im Mittel auf. Die höchsten Windspitzen wurden am 12. und 21. mit 24 m/s bzw. 86 km/h registriert.

Herbstrückblick

Der Herbst auf dem Hohen Peißenberg fiel mit einer Mitteltemperatur von 7,7 Grad Celsius nahezu normal aus. Die positive Temperaturabweichung betrug 0,2 grd. Die höchste Herbsttemperatur wurde am 16. Oktober mit 22,3 Grad Celsius gemessen, der tiefste Wert am 15. November mit -4,1 Grad Celsius. Dabei war der September zu kalt und der Oktober zu warm, der November normal. Bayern war im Herbst das kälteste Bundesland mit der deutschlandweit tiefsten Herbsttemperatur in Oberstdorf mit -13,1 Grad Celsius am 15. November.

Der Herbst 2017 war überwiegend von Tiefdruckwetter geprägt und vor allem, besonders in der Mitte und dem Norden Deutschlands sehr stürmisch. Die 3 schweren Herbststürme am 13. September, 5. und 29. Oktober, welche auf noch reichlich belaubte Bäume trafen, führten zu schweren Schäden. 14 Tote forderten die Stürme, legten den Bahn- und Straßenverkehr in vielen Regionen komplett lahm. In den Wäldern kam es zu massiven Schäden (Bruchholz), an deren Beseitigung auch derzeit landesweit noch gearbeitet wird.

In positiver Erinnerung bleibt uns jedoch die 2. Oktoberdekade, weil uns da noch ein später und sehr schöner Altweibersommer überraschte, der so nur in Südbayern stattfand. Mit Niederschlägen wurden wir reichlich bedacht, besonders im September und November (Oktober normal). Insgesamt fielen 116 % der im Herbst im langjährigen Durchschnitt zu erwartenden Niederschläge. Die ersten Schneeflocken wurden am 6. Oktober gesichtet.

Besonders trübe Monate waren September und November. Daher schien die Sonne im Herbst 14 % weniger als im langjährigen Durchschnitt.

Der Start in den ersten Wintermonat begann in diesem Jahr mit Dauerfrost und Schneedecke auf dem Hohen Peißenberg sowie in weiten Südbayerns überhaupt.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Oktober 2017

Nach einem enttäuschenden zu kalten und zu nassen September fiel nun der Oktober mit einer Monatsmitteltemperatur von 9,9 Grad Celsius um 1,9 grd. zu warm aus. Er brachte uns den langersehnten „Altweibersommer“, allerdings auch zwei schwere Herbststürme.

Der Vormonat begann mit einer sehr wechselhaften und unbeständigen Dekade. Bis zum 10. fielen an 9 Tagen Niederschläge. Am 3. führte der Durchgang einer Kaltfront zu Dauerregen. Danach lag ein Tiefdruckkomplex, angefüllt mit Kaltluft, über Nordeuropa und ein relativ warmes Hoch über den Azoren. Als Folge dieser sehr großen Luftdruck- und Temperaturgegensätze konnte sich ein kräftiges Sturmtief entwickeln. Es zog sehr schnell mit dem Starkwindband (Jetstream) auf Mitteleuropa zu. Als Folge fielen am 5. nicht nur 20 Liter pro Quadratmeter Niederschlag bei uns auf dem Hohen Peißenberg(zugleich höchste Tagessumme des Monats), sondern der Wind legte sehr stark zu und erreichte in den Mittagsstunden seinen Höhepunkt. Die Windspitzen erreichten 27 m/s bzw. 97 km/h. Der Norden und die Mitte Deutschlands wurden besonders stark getroffen. Dort wehte der Sturm bis zu 120 km/h stark. Als Folge waren einige Menschenleben zu beklagen, sowie umstürzende Bäume, welche zu massiven Stromausfällen und Verkehrsbehinderungen führten. Der Bahnverkehr kam fast 2 Tage zum Erliegen. Rückseitig des Sturmtiefs floss kurzzeitig Kaltluft ein, so dass in den frühen Morgenstunden des 7. der erste Schneeschauer des Herbstes fiel.

In der 2. Dekade kam er dann doch noch – der „Altweibersommer“. Vom 12. bis 20. herrschte maximal möglicher Sonnenschein mit ca. 10 Stunden täglich. Am 15. und 16. war es sogar durchgehend vollkommen wolkenlos, ein seltenes Ereignis. Die Temperaturen lagen zwischen 16 und 22 Grad Celsius. Am 16. wurde das Monatsmaximum von 22,3 Grad Celsius gemessen. Der Wind wehte nur schwach in dieser Zeit, die Fernsichten waren extrem. Der „Altweibersommer“ fand so ausgeprägt nur in Süddeutschland statt, weiter nach Norden war es wolkiger und wechselhafter.

Herausragendes Ereignis des Monats war ein „verirrter“ Hurrikan, der auf sehr ungewöhnlicher Zugbahn die Azoren erreichte und später sogar Irland, nun jedoch als außertropischer Orkan mit dennoch schweren Sturmfolgen für die Infrastruktur des Landes. Noch nie war ein Ex-Hurrikan so weit nach Osten auf den Atlantik vorgestoßen. „Ophelia“ entwickelte sich ausnahmsweise relativ weit nördlich auf dem mittleren Atlantik. Kalte Luft in der Höhe und 1grd. wärmere Meerwassertemperatur als üblich begünstigten die Verstärkung zum Hurrikan. Wichtig zu wissen: Die klimawandelbedingte Zunahme der Treibhausgaskonzentration hat die im Erdsystem gespeicherte Wärme markant erhöht – der Großteil davon gelangt in die Ozeane (Wärmespeicher). „Ophelias“ starke Winde ließen in Portugal die Waldbrände wieder auflodern, welche durch monatelange Trockenheit entstanden und 40 Menschenleben forderte. Die kräftigen Südwinde dort stabilisierten unser mitteleuropäisches Hoch in der 2. Dekade und führten außerdem neben den Rauchpartikeln der Waldbrände auch noch Saharastaub bis Norddeutschland. Daher konnten auch wir in unserer Region zum Ende der 2. Dekade ungewöhnliche Farbspiele während der Sonnenauf- und untergänge sehen. Der Himmel zeigte sich glutrot bis bräunlich verfärbt.

In der 3. Dekade wurde es dann wieder unbeständiger. Nur am 25. und 26. war es nochmals knapp 20 Grad Celsius warm und sehr sonnig. Danach drehte der Wind auf Nordwest. Ein zweiter Herbststurm erreichte Deutschland am 29. und richtete erneut große Schäden an. Auf dem Hohen Peißenberg war er noch stärker als sein Vorgänger am 5. So betrug die höchste Windspitze am Morgen des 29. 32,8 m/s bzw. 118 km/h. Das entsprach Windstärke 12 der Beaufort-Skala, also voller Orkanstärke. Auf der Rückseite des Sturmtiefs wurde Kaltluft herangeführt, welche zu den ersten Nachtfrösten führte. So wurde am 30. die tiefste Temperatur des Monats mit -0,7 Grad Celsius gemessen. Nächtlicher Reif trat auch in den unteren Lagen auf.

Im um knapp 2grd. zu warmen Oktober fielen 71 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Das entsprach ziemlich genau der langjährig zu erwartenden Regenmenge. Vom 11. bis 20. fiel kein messbarer Niederschlag. Einen vergleichbar so langen trockenen Zeitraum hatten wir zuletzt Ende März. Im Oktober war an 2 Tagen Schneefall zu beobachten. Am 9. fiel ein Graupelschauer. Zu einem Gewitter kam es am 27. Die Sonne schien 171 Stunden (114% der langjährig zu erwartenden Summe). Das entsprach einem „Überangebot“ von 21 Stunden.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


September 2017

Der Übergang in den Herbst vollzog sich in diesem Jahr pünktlich und sehr markant.  Eine Kaltfront aus Nordwesten überquerte uns am letzten Augusttag. Mit Alpenstau und Höhentief über Mitteleuropa fielen vom 31.08. bis 02.09. – also innerhalb von 3 Tagen – 95 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. In Lindau am Bodensee waren es sogar 191 Liter pro Quadratmeter.  Das Tagesmaximum, welches vor der Kaltfrontpassage am 30. August noch hochsommerliche 28,5 Grad Celsius erreichte, verharrte 3 Tage später, am 2. September, bei 9,1 Grad Celsius.

Wie nachhaltig dieser Wetterwechsel war, zeigt, dass die 20 Grad Celsius-Marke im gesamten Monat September dann nur noch einmal überschritten wurde. Im viel zu warmen September 2016 gab es dagegen 14 Tage, an denen das Quecksilber 20 Grad Celsius überschritt.

Im ersten Herbstmonat prägten Tiefdruckgebiete unser Wetter, es war sehr wechselhaft und zu kühl,  Zwischenhochs nur von äußerst kurzer Dauer. Es herrschte eine Westwetterlage vor. Sie resultierte aus einem Azorenhoch bzw. hohem Luftdruck über dem Mittelmeer und Tiefdruckgebieten im Norden. So fielen bis zum 20. fast täglich Niederschläge, auch ein Gewitter am 17. war darunter, sowie ein Graupelschauer am 20. Nur am 8. blieb es völlig trocken.

Eingebettet in die Westwetterlage war ein Sturmtief zur Monatsmitte. Es zog über die Nordsee und beeinflusste auch das Wetter in Bayern. Vom 12. bis 15. erlebte der Hohe Peißenberg stürmische Tage. Verbreitet trat Windstärke 6 im Mittel auf. Die höchste Windspitze des Monats erreichte am 13.  25 m/s bzw. 90 km/h.

In der 3. Dekade stellte sich leichter Hochdruckeinfluss ein, jedoch reichte es nicht für einen „Altweibersommer“. Es blieb relativ kühl und wolkenreich bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius. Eine Ausnahme stellte der 30. dar. Das Thermometer überstieg für 2 Stunden 20 Grad Celsius. Daher wurde es auch der wärmste Tag des Monats mit einem Maximum von 20,9 Grad Celsius. Allerdings überquerte uns dann in den Abendstunden eine Kaltfront mit einem Hagelgewitter und kräftigen Niederschlägen. In kurzer Zeit fielen 24 Liter pro Quadratmeter Niederschlag.

Der Monat September war der erste Monat des Jahres mit einer negativen Temperaturabweichung. Bei einer Mitteltemperatur von 10,5 Grad Celsius war er um 1,5 grd. zu kalt. Zuletzt gab es vor 10 Jahren einen so kalten September. Der kälteste Tag war der 20. mit dem Monatsminimum von 4,1 Grad Celsius. Bayern war das kühlste Bundesland im September.

Niederschläge fielen reichlich. Nur 5 Tage blieben völlig trocken. Mit 129 Litern pro Quadratmeter wurden 120 % des Solls erreicht.

Gemessen an der astronomisch möglichen Sonnenscheindauer war der Vormonat der bisher sonnenscheinärmste  dieses Jahres. Die Sonne schien 135 Stunden, d.h.  76 % der langjährig zu erwartenden Summe.  An 4 Tagen schien sie gar nicht, an 18 Tagen weniger als 5 Stunden.

Nebel trat insgesamt an 8 Tagen auf. Gewitter wurden an 3 Tagen beobachtet.

Was bringt uns der Oktober? Gesichert sind schon einige schöne und milde Tage. Ein Blick zurück auf die letzten 10 Jahre zeigt: Außer 2016 bildete sich stets bereits eine erste Schneedecke auf dem Hohen Peißenberg, welche im Durschnitt 3 Tage erhalten blieb. Die ersten Schneeflocken wirbelten bereits in jedem Oktober.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


August 2017

Im August setzte sich das „Siebenschläferwetter“ fort. Es endete „planmäßig“ zum Ende der 2. Dekade. Die Unterschiede innerhalb unseres Landes waren sehr groß. Der Norden Deutschlands war oft nur mäßig warm, während es in Südbayern viele heiße Tage gab. So stieg das Quecksilber in Regensburg an 27 Tagen über 30 Grad Celsius.

Die ersten beiden Dekaden waren sehr unbeständig. Es wechselten heiße Tage mit kurzen kühleren Abschnitten. Die Wetterwechsel waren in vielen Regionen mit Unwettern verbunden. Gleich am 1. – es war der wärmste Augusttag mit einem Maximum von 29,9 Grad Celsius – kam es in den Abendstunden zu einem starken und blitzintensiven Gewitter, mit zwar nur vereinzelten, aber großen Hagelkörnern (Durchmesser 15mm). In Teilen des Landkreises bildete sich eine Hageldecke. Auf dem Hohen Peißenberg fielen innerhalb von 25 Minuten 34 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Auch am 8. beobachteten wir ein starkes Hagelgewitter. Die größte Katastrophe des Monats ereignete sich am 18. in Ostbayern um Passau herum. Dort kam es großflächig zu Zerstörungen an Häusern und Verwüstungen großer Waldflächen. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen. Landwirtschaftsminister Brunner war vor Ort und sprach von einem „historischen Ausmaß“ und „die Landschaft werde sich verändern.“ Um das Geschehene richtig zu verstehen genügt ein Blick in die Messdaten der Wetterwarte Fürstenzell. Hier wurde eine maximale Windspitze von 38 m/s bzw. 137 km/h gemessen. Ein Orkan wird bereits ab 117 km/h definiert. Allerdings – und das erklärt das Ausmaß der Zerstörungen – traten auch 10-Minuten-Mittel von 28 m/s bzw. 100 km/h auf.

Die heiße Mittelmeerluft bescherte uns auf dem Hohen Peißenberg tropische Nächte. So lagen in der Nacht vom 31.7. bis 1.8. die Temperaturen durchweg über 23 Grad Celsius. Am 1. August um 06 Uhr wurden 26,2 Grad Celsius gemessen. Tropennächte, also Nächte mit Minima über 20 Grad Celsius, gab es vielfach auch in größeren Städten. In Weilheim war die Nacht vom 4. zum 5.8. eine Tropennacht.

Bemerkenswert war der Kaltfrontdurchgang am 11. An diesem Tag wurden nur 10,7 Grad Celsius als Höchstwert erreicht. .Es hatte in den Alpen bis auf 1600 m herunter geschneit, so dass sich in Blickrichtung Allgäuer Alpen die Gipfel kurzzeitig in Weiß zeigten.

Die 3. Dekade war hochsommerlich und wenig unbeständig. Erst zum Monatswechsel erreichten uns mit einer Kaltfront aus Nordwesten kühle Luftmassen vom Nordpolarmeer, welche den meteorologischen Herbstanfang pünktlich einleiteten.

Insgesamt fiel der August mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,7 Grad Celsius um 3,1 grd. zu warm aus. Die Temperaturspanne erstreckte sich von 29,9 Grad Celsius am 1. bis 7,7 Grad Celsius am 10. und 11. Es wurden 12 Sommertage gezählt (Maxima über 25 Grad Celsius).

Messbare Niederschläge fielen im August an 14 Tagen. Die Monatssumme mit 170 Litern pro Quadratmetern lag um 8 % über dem langjährigen Durchschnitt. Von der Augustsonne wurden wir reichlich verwöhnt. Sie schien 244 Stunden (116 % der langjährig zu erwartenden Summe). Nur am 10. sahen wir sie nicht. An 15 Tagen schien sie länger als 10 Stunden.

An 11 Tagen traten Gewitter auf. Nebeltage gab es 12. Die höchste Windspitze war eine Gewitterböe und erreichte am 18. 25 m/s bzw. 90 km/h.

Sommerrückblick

Der Sommer 2017 war der viertwärmste mit einer Mitteltemperatur von 17,1 Grad Celsius seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Wärmer war nur der „Jahrhundertsommer“ 2003 sowie die Jahre 1807 und 2015. Die Temperaturspanne des Sommers reichte von 5,5 Grad Celsius am 7. Juni bis 29,9 Grad Celsius am 1. August. 30 Tage waren Sommertage. Dass es auch anders geht bewies uns das Jahr 1997 – als es im gesamten Jahr nicht einen einzigen Sommertag auf dem Hohen Peißenberg gab. Dennoch war es ein typischer „Siebenschläfersommer“, also sehr wechselhaft und feucht. Im Zeitraum vom 21.06. bis 20.08. waren nur 13 Tage völlig trocken.

Die Luftströmungen in Bayern kamen meist aus südlichen bis südwestlichen Richtungen. Die Frontalzone, welche polare Kaltluft und Luft aus gemäßigten Breiten trennt, griff aber auch häufig nach Süden bis zu den Alpen aus, womit oft Unwetter verbunden waren.

Der Sommer führte über der Mitte Deutschlands Ende Juni/Anfang Juli zu Rekordregenfällen. So fielen beispielsweise Ende Juni im Harz an wenigen Tagen 300 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. In Berlin-Tegel waren es innerhalb 24 Stunden (Tagessumme) am 29.6. 197 Liter pro Quadratmeter.

Niederschlagsmäßig war der Juni etwas zu trocken, Juli und August ein wenig zu nass. Insgesamt betrachtet war die Niederschlagsbilanz des Sommers ausgeglichen (103 %).
Bayern war im Sommer das sonnenscheinreichste Bundesland. Überdurchschnittlich schien sie auch auf unserer Wetterwarte (108%). An 34 Tagen traten Gewitter auf, d.h. im Durchschnitt jeden dritten Tag.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Juli 2017

Der Juli war ganz markant vom „Siebenschläferwetter“ geprägt. Zirkulationszentrum für weite Teile Europas war – und ist es bis jetzt – das Azorenhoch. Es sorgte für Luftströmungen aus West bis Nordwest, bildete aber auch kurzfristig mal eine Brücke bis Mitteleuropa – wovon wir in Süddeutschland profitierten – war allerdings auch maßgeblich am Entstehen eines Tiefs über Mitteleuropa (3. Julidekade) beteiligt. Zwischen dem Norden und Süden Deutschlands bestanden sehr häufig große Temperaturunterschiede, aber auch in der Niederschlagsverteilung. Der Norden, besonders die Mitte, waren verregnet – am wärmsten und trockensten war es im Süden.

Während der 1. Dekade lag eine Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands, unter welcher es zu Stürmen und kräftigen Gewittern kam. Wir im Süden und speziell auf dem Hohen Peißenberg lagen auf der warmen und sonnigen Seite und konnten daher vom 4. – 7. die einzigen 3 Tage des Monats genießen, an denen hintereinander mal kein Niederschlag fiel, die Temperaturen über 25 Grad Celsius lagen und die Sonne täglich 14 Stunden schien. Am 7. abends wurde ein kräftiges Gewitter beobachtet, wobei innerhalb von 2 Stunden 25 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fielen.  In der 2. Dekade sorgte zunächst am 11. und 12. ein kräftiges Sturmtief über den Niederlanden – was im Sommer sehr ungewöhnlich ist – für flächendeckend hohe Windgeschwindigkeiten.  So wurden bei uns auf dem Hohen Peißenberg am 12. nachmittags Windmittel bis zur Stärke 6 der Beaufort-Skala gemessen, in Böen bis zur Stärke 9. Danach blieb es weiter unbeständig bei nordwestlicher Höhenströmung.  Am 16. und 17. stellte sich Zwischenhocheinfluss ein, es blieb trocken und sehr sonnig. Danach sorgte eine Südwestströmung für einige Sommertage (Tagesmaxima über 25 Grad Celsius). Ab dem 23. hatten wir es mit dem Phänomen eines wieder sehr langsam ziehenden Atlantiktiefs zu tun. Wieder deshalb, weil bereits Ende Juni ein umfangreiches Tief über Mitteleuropa lag. Es führte am 29.6.  in Berlin zur Ausrufung des Ausnahmezustandes. Binnen 24 Stunden fielen dort so viel Niederschläge wie sonst im gesamten Juni. In der 3. Julidekade nun kam es zu tagelang anhaltenden Dauerregen von Vorpommern über die Mitte Deutschlands – mit Schwerpunkt Harz – bis zu den Alpen, dort dann abgeschwächter. Im Harzumfeld fielen binnen 48 Stunden verbreitet 100 bis 171 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Hochwasser war die Folge. Auf dem Hohen Peißenberg dagegen fielen unter dem Einfluss dieses Tiefs vom 24. – 26. vergleichsweise moderate 82 Liter pro Quadratmeter, jedoch immerhin die Hälfte der langjährig zu erwartenden Juli-Regenmenge. Zur Einordnung dieser langsam ziehenden Atlantiktiefs bzw. der Konstellation Tief über Mitteleuropa ist zu vermerken: Es tritt immer öfter auf und ist mit langanhaltenden Starkniederschlägen verbunden. Gleichzeitig herrschte aufgrund dieser Luftdruckverteilung über Südeuropa hoher Luftdruck, in diesem Jahr besonders stark ausgeprägt. In Spanien, Südfrankreich, Kroatien und italienischen Küstenregionen brannten die Wälder. Die Dürre in Italien hält seit dem Frühjahr an. Der Gardasee ist zu einem Drittel weniger gefüllt. Trinkwasserrationierungen, katastrophale Folgen für die Landwirtschaft und die Ausrufung des Notstands drohen. Allerdings spielt das Wetter nicht verrückt, sondern präsentiert uns lediglich die Folgen des menschgemachten Klimawandels, denn dieser macht es nicht nur wärmer (warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern), sondern verändert die Zirkulation in der Atmosphäre, weshalb die Extreme in alle Richtungen weiter zunehmen werden, wie trockene Sommer, extrem milde Winter, Starkregen oder Stürme. Zu diesem Thema ließ das renommierte Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Statement am 30.06.d.J. verlauten: „Der vom Menschen verursachte Klimawandel trägt dazu bei, dass sich Luftströmungen über Deutschland verändern und damit verbunden häufigere Extremwetterlagen begünstigt werden. Es ist leider so: Mit dem Ausstoß von Treibhausgasen gefährden wir die Stabilität unseres Klimas.“ Bereits 2015 gab das Institut bekannt: „Der Anstieg der globalen Mitteltemperatur weltweit wird von Treibhausgasen und dem Verbrennen von Kohle und Öl hervorgerufen“.  Dabei ist Deutschland eines der Länder, welches am meisten klimaschädliche Kohle verstromt. 6 der 10 schmutzigsten europäischen Stromproduzenten stehen in Deutschland. Das Institut „Kantar EMNID“ veröffentlichte am 1. August d.J. ein Umfrageergebnis, wonach die „größte Sorge der Deutschen“ der Klimawandel ist. 71% der Befragten äußerten sich so.

In der 3. Dekade wich das Azorenhoch zurück und eine subtropische Luftmasse brachte extreme Hitze in weite Teile unseres Landes, wobei es weiter unbeständig blieb. Schauer und Gewitter, teils mit Hagel, waren die Folge.

Insgesamt war der Juli also extrem wechselhaft. Bei 10 Sommertagen auf dem Hohen Peißenberg war es am 19. mit 28,5 Grad Celsius am wärmsten. Das Monatsminimum wurde am 25. mit 7,9 Grad Celsius gemessen. Ein sehr kühler Tag war ausnahmsweise der 26., an dem das Quecksilber bei Dauerregen nur auf 10,6 Grad Celsius stieg und der Niederschlag bis auf 2000m herab als Schnee fiel. Die Gipfel der Allgäuer Alpen zeigten sich in sattes Weiß getaucht.  Mit einer Monatsmitteltemperatur von 16,7 Grad Celsius fiel der Juli um 1,7 grd. zu warm aus. Niederschläge fielen 191 Liter pro Quadratmeter – 20% mehr über dem langjährigen Durchschnitt. Nur 7 Tage blieben völlig trocken. Deutschlandweit war es der nasseste Juli seit 1993. Die Sonne schien insgesamt 209 Stunden (91%) und lag damit etwas unter dem langjährigen Durchschnitt. Gewitter beobachteten wir an 10 Tagen, Nebel an 11 Tagen. Windstärke 6 im Mittel trat an 12 Tagen auf. Die höchste Windspitze betrug am 12. sowie am 21.  21 m/s bzw. 76 km/h.

Siebenschläferjahre bringen meistens ab Mitte August ein stabiles Hoch für längere Zeit. Mit Spannung warten wir darauf.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Juni 2017

Der erste Sommermonat des Jahres ist nun Vergangenheit und es ist an der Zeit, auf diesen Monat zurück zu blicken, denn den Namen Sommer hat dieser Monat verdient. Bis auf nur wenige Ausnahmen war der Monat durchweg zu warm. Diese wenigen Ausnahmen waren der 7. und 8. Juni bzw. der 29. und 30. Der Rest des Monats war so warm, dass er als 3. wärmster Juni seit 1781 in die Geschichte eingeht. Nur das Jahr 2003 bzw. 1822 waren noch wärmer.

Die Anzahl der so genannten Sommertage, das sind die Tage mit einer Maximumtemperatur von 25 Grad C oder mehr, drückt dies ganz gut aus: In diesem Juni 2017 hatten wir 8 solcher Tage, normal ist auf dem Hohen Peißenberg jedoch nur 1 Tag!

Beständiges Hochdruckwetter bescherte uns viele warme und vor allem auch trockene Tage, so dass der fehlende Niederschlag vielerorts zu Trockenheit und starke Waldbrandgefahr führte.

Nur am Anfang des Monats und vor allem am Ende fielen starke Niederschläge, häufig begleitet von Gewittern. Trotz der starken Regenfälle war der Monat in der Summe zu trocken. Im Gegensatz dazu bekamen wir durch das beständige Wetter die Sonne oft zu sehen, so dass die Sonnenscheindauer über den normalen Erwartungen eines Junis lag.

Hier nun ein kurzer Überblick über die wichtigsten Wetter-Parameter:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 16.9 °C lag der diesjährige Juni um 4.2°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 12.7 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 29.3 °C wurde am 22. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte 5.5 °C am 07. Juni. Es gab 8 Sommertage (Höchsttemperatur >= 25 °C) in diesem Monat.

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Die roten Bereiche markieren in dieser Grafik sehr gut die positive Temperaturabweichung im Vergleich zu den langjährigen Mitteltemperaturen.

Sonne
Die Sonne schien insgesamt 241.7 Stunden. Dies entspricht 121 % der normalen Erwartung von 199.4 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 137.9 mm. Das sind 83 % der normalen Erwartung von 166.1 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 28. Juni mit 19.9 mm.

Schneedecke
An keinem Tag wurde eine Schneedecke verzeichnet.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 23. mit 77.4 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 4 Tagen.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg.


Mai 2017

Schneefall, Frost und ein Sommertag – so sah er aus der Mai auf dem Hohen Peißenberg! Wir erlebten Winter und Sommer.

Nach der ungewöhnlich kalten letzten Aprilhälfte fiel gleich am 1. auf unserem Berg noch einmal Schnee, so dass sich abends eine 2 cm hohe Schneedecke ausbilden konnte. Auch am 9. fiel vormittags noch Schneeregen.

Zu Monatsbeginn hatten wir es mit hohem Luftdruck über Skandinavien und mit Tiefdruckeinfluss über Mitteleuropa zu tun, woraus sich eine östliche Luftströmung ergab. Danach lag ein Höhentief über Frankreich, so dass es sehr wechselhaft, kühl und sonnenscheinarm blieb und zu zahlreichen Schauern kam, am 4. zu einem Gewitter mit Hagelkörnern von 6mm Durchmesser.

Mit Beginn der 2. Dekade wurde es mit einer Südwestströmung, resultierend aus Atlantiktief und Hoch über Osteuropa, deutlich wärmer. Die Temperaturmaxima lagen nun endlich durchweg über 10 Grad Celsius. In schwüler Luft blieb es jedoch weiter sehr wechselhaft mit Schauern und Gewittern. Am 12., 14. und 15. fiel erneut Hagel. Ein Zwischenhoch vom 16. bis 18. brachte uns die ersten 3 trockenen und zusammenhängenden Frühlingstage mit Temperaturen über 20 Grad Celsius bei knapp 15 Stunden täglichen Sonnenschein.  Danach kam ein neues Atlantiktief mit kurzfristiger Abkühlung.  Ab dem 25. ging es mit den Temperaturen täglich weiter bergauf. Frühsommerliches Wetter stellte sich ein. Ab dem 27. lagen die Temperaturmaxima bis zum Monatsende dauerhaft über 20 Grad Celsius. Der 29. war der erste Sommertag und mit 26,3 Grad Celsius zugleich der wärmste Tag des Monats. Ein kräftiges Gewitter am 30. beendete den Frühsommer nicht, es blieb mild.

Insgesamt fiel der Mai mit einer Monatsmitteltemperatur von 12,3 Grad Celsius um 2,7 grd. zu warm aus. An 10 Tagen kletterte das Quecksilber über 20 Grad Celsius. Deutschlandweit wurden sogar schon heiße Tage (Temperaturen über 30 Grad Celsius) mit neuen Mai-Temperaturrekorden beobachtet. Am wärmsten war es am 29. in Bad Kreuznach bei Mainz mit 34,6 Grad Celsius. Der kälteste Tag auf dem Hohen Peißenberg war der 1. mit einem Tagesminimum von -0,1 Grad Celsius. Niederschlagsmäßig waren wir im Mai etwas überversorgt. Mit 153 Litern pro Quadratmetern fielen 115 % der langjährig zu erwartenden Summe. Damit können unsere Landwirte sehr gut leben, denn „Mai kühl und nass füllt dem Bauern Scheun und Fass“ oder „Nasser Mai bringt ein fruchtbar Jahr“ sagen die Bauernregeln. Bis jetzt waren alle Monate dieses Jahres etwas zu nass. An insgesamt 4 Maitagen fiel Hagel.

Dank der frühsommerlichen 3. Maidekade mit Hochdruckwetter können wir auf einen sonnenscheinreichen Monat zurückblicken. Die Sonne schien 226 Stunden, 38 Stunden (120 %) über den Durchschnitt. An 2 Tagen zeigte sich die Sonne nicht. Dagegen schien sie an 11 Tagen länger als 10 Stunden.

An 7 Tagen wurden Gewitter beobachtet, Nebel an 13 Tagen. Die höchste Windspitze betrug am 11. und 19. jeweils 19 m/s bzw. 68 km/h.

Frühlingsrückblick

Der Frühling 2017 fiel um 2,5 grd. zu warm aus. Die Temperaturspanne reichte von -5,0 Grad Celsius am 20. April bis 26,3 Grad Celsius am 29. Mai. Bemerkenswert war der extrem wechselhafte April mit sehr großen Temperatursprüngen, welche mit winterlichen Kaltlufteinbrüchen verbunden waren. Es stellten sich jene Winterwetterlagen ein (Hoch Fennoskandinavien), welche, hätten sie in der Kernzeit des Winters stattgefunden,  zu Temperaturen weit unter -20 Grad Celsius in Mitteleuropa geführt hätten und echte Belastungssituationen für – mindestens – Verkehr und Energiewirtschaft gewesen wären.

So wurde auf dem Hohen Peißenberg am 10. April ein Temperaturmaximum von 20 Grad Celsius gemessen. ( Tage später, am 18. und 19., lagen selbst die Temperaturmaxima unter dem Nullpunkt (Eistage). Da der März um 4,5 grd. zu warm war (drittwärmster März seit Beginn unserer Wetteraufzeichnungen), konnte man schon von einer Katastrophe mit Ansage für die Baumblüte ausgehen (14 Tage Vegetationsvorsprung).  3 Eistage im April bzw. 4 Tage mit negativem Tagesmittel stellten jedoch keineswegs einen Ausnahmefall in unserer langjährigen Temperaturreihe dar. Klimawandelbedingt treiben die Pflanzen aber immer eher aus und werden dann anfällig für die fast immer auftretenden Frühjahrsfröste . Und so kam es dann auch zu massiven Frostschäden bei der Obstbaumblüte im Alpenvorland, aber auch beim Raps. Auf dem Hohen Peißenberg erfroren selbst die Blätter der Birken und Maitriebe der Kiefern.  Baden-Württemberg stufte die Frostschäden als Naturkatastrophe ein und kann daher Betroffenen, wie beispielsweise Weinanbauern, Entschädigungen zahlen.

Der Frühling war reich an Niederschlägen. Es fielen 20 % mehr als im langjährigen Durchschnitt. Bayern war das niederschlagsreichste Bundesland.

Überdurchschnittlich sonnenscheinreich waren März und Mai. Die Sonne schien im Frühling insgesamt 15 % mehr, als es von den Normalwerten her zu erwarten gewesen wäre.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


April 2017

Beklagen über einen langweiligen und nicht abwechslungsreichen Monat April können wir uns nicht,  denn im Prinzip hatten wir alle Jahreszeiten versammelt.

Der April 2017 war schon ein seltsamer Monat, denn er war schon rekordverdächtig zweigeteilt. Die erste Monatshälfte konnte man schon fast als frühsommerlich bezeichnen. Es war warm, fast niederschlagsfrei und die Sonne schien ausreichend. Dementsprechend hoch war die Waldbrandgefahr einzuschätzen.

Wäre der Monat so weitergegangen, hätte es bestimmt einen von den Temperaturen gesehen rekordverdächtiger Monat gegeben. Wenn… ja wenn sich der Monat nicht überlegt hätte, den kaum vorhandenen Winter noch nachholen zu wollen. Und das tat er dann auch. Ab Monatsmitte fielen die Temperaturen, es setzten ausgiebige Niederschläge ein, die oft zu einer Schneedecke führten und die Sonne schien nur noch wenig. Vielerorts kam es zu gefährlichen Verkehrssituationen auf Grund von Schneeglätte und deutschlandweit beklagten viele Obstbauern hohe Verluste bei der Blüte der Bäume.

Betrachtet man jetzt nur die 2. Monatshälfte, so wäre auch diese rekordverdächtig,
denn das wäre dann wahrscheinlich einer der kältesten Aprile seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.

Mittelt man jedoch den gesamt Monat, so war er nur etwas zu warm, durch die vielen Niederschläge ab der 2. Monatshälfte war er zu nass und die Sonne schien
unterdurchschnittlich.

Hier nun eine Zusammenfassung der einzelnen Klimaelemente:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 5.4 °C lag der diesjährige April um 0.3°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 5.1 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 20.3 °C wurde am 09. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte -5 °C am 20. April. Es gab 3 Eistage (Höchsttemperatur < 0 °C) und 12 Frosttage (=Tiefsttemperatur < 0 °C.) in diesem Monat.

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Sonne
Die Sonne schien insgesamt 140.7 Stunden. Dies entspricht 90 % der normalen Erwartung von 156 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 119.8 mm. Das sind 130 % der normalen Erwartung von 92.5 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 27. April mit 16.1 mm.

Schneedecke
An 11 Tagen lag Schnee auf dem Hohenpeißenberg. Die höchste Gesamtschneehöhe von 28 cm wurde am 29. des Monats gemessen.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 17. mit 68.4 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 2 Tagen.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg


März 2017

Der erste Monat des Frühlings, der März, ist vorüber und es ist an der Zeit zurück zu blicken, auf einen Monat, der den Namen Frühling verdient hat, denn in vieler Hinsicht war dieser März überdurchschnittlich. Besonders zu nennen ist hier die Temperatur, denn dieser Monat war der 3. wärmste März auf dem Hohenpeißenberg seit Beginn der Aufzeichnungen von 1781. Wir erreichten mit 6.1 °C eine Mitteltemperatur, die sage und schreibe 4.5 °C über dem langjährigen Mittel lag. Nur der März 1957 und 1989 waren um 0.1 °C wärmer.

Überdurchschnittlich war auch der Niederschlag und die Sonnenscheindauer.

Nach etwas Schnee am Anfang des Monats wurde es zunächst recht warm und wir konnten am 5. des Monats eine Maximumtemperatur von 18 °C registrieren. Nach diesem kurzen Frühlingsintermezzo wurde es wieder kälter und es fielen in den folgenden 5 Tagen knapp ¾ des normalen Monatsniederschlages, an 2 Tagen konnte sich sogar wieder eine Schneedecke ausbilden, welche durch die folgende Erwärmung schnell wieder verschwand. Es folgte eine Trockenperiode, die ab der Mitte des Monats durch weitere Niederschläge beendet wurde. Ab dem 23. fiel dann kein Niederschlag mehr. Durch die höheren Temperaturen, am letzten Tag des Monats wurden 19.0 °C gemessen, trockneten die Böden aus, so dass der Waldbrandgefahrenindex  auf 3 anstieg.

Hier nun eine Zusammenfassung der einzelnen Klimaelemente:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 6.1 °C lag der diesjährige März um 4.5°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 1.6 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 19 °C wurde am 31. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte -2.8 °C am 13. März. Es gab 7 Frosttage (Tiefsttemperatur < 0 °C) in diesem Monat.

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Sonne
Die Sonne schien insgesamt 183.2 Stunden. Dies entspricht 134 % der normalen Erwartung von 137 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 73.2 mm. Das sind 114 % der normalen Erwartung von 64.3 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 09. März mit 20.3 mm.

Schneedecke
An 3 Tagen lag Schnee auf dem Hohenpeißenberg. Die höchste Gesamtschneehöhe von 11 cm wurde am 08. des Monats gemessen.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 18. mit 101.2 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 9 Tagen und stürmischer Wind (Windstärke 8) an einem Tag.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg


Februar 2017

Der letzte Wintermonat begann trocken und mild mit Tagestemperaturen zwischen 4 und 12 Grad Celsius. Das den Januar bestimmende Winterhoch hatte sich nach Osten zurückgezogen. Östlich der Elbe herrschte noch überwiegend Dauerfrost. Die atlantischen Tiefausläufer vermochten es nicht, dagegen anzukämpfen. Am 8. lag das Hoch über Skandinavien. Bei gleichzeitig tiefem Luftdruck über dem Mittelmeer gelangte nun mit einer Ostströmung die Kaltluft wieder zu uns zurück. Somit konnte sich vom 8. bis 10. nochmals Dauerfrost bei anhaltendem Nebel einstellen.

In der 2. Dekade führte eine Südwestwetterlage zu deutlicher Milderung. Vom 14. bis 16. lag ein Hoch direkt über uns. Es führte zu Temperaturen über 10 Grad Celsius bei maximalen Sonnenschein. Am 15. schien die Sonne 10 Stunden lang, was zuletzt, auch aus astronomischen Gründen, am 30. September des Vorjahres der Fall war. Am 17. überquerte uns eine Kaltfront, welche die Niederschläge von Regen in Schnee übergehen ließ und für die höchste Tagessumme des Monats von 18 Litern pro Quadratmeter führte. Am 18. lag der Schnee dann 15cm hoch.

Ab der 3. Dekade stellte sich eine stürmische Westwetterlage mit milder Atlantikluft und reichlichen Niederschlägen ein. Für turbulentes Wetter war durch kurze Kaltlufteinschübe gesorgt. So konnte das Tagesmaximum auf dem Hohen Peißenberg am 23. mit Föhnunterstützung auf 17,5 Grad Celsius steigen – die zugleich höchste Temperatur des Monats. Es war zugleich auch ein Temperaturrekord, denn seit Beginn unserer langjährigen Messreihe 1781 war noch kein 23. Februar so warm gewesen. Neue Wärmerekorde für Februar wurden auch in Rosenheim mit 21,5 Grad Celsius aufgestellt, Garmisch-Partenkirchen erreichte 20 Grad Celsius. Am 24. erreichte uns erneut eine Kaltfront mit Wintergewitter, Sturmböen und Graupelschauern. In ganz Deutschland traten orkanartige Böen auf. Auf dem Brocken gab es Windböen bis 158 km/h. Am 25. konnten wir morgens wieder eine Schneedecke von 5 cm messen. Das wechselhafte Wetter setzte sich bis zum Monatsende fort. Der 27. war mit 14 Grad Celsius sehr mild und sonnig. Am 28. setzte Dauerschneefall ein, so dass sich über den Monatswechsel erneut eine Schneedecke ausbilden konnte.

Insgesamt fiel der Februar mit einer Mitteltemperatur von 2,5 Grad Celsius um 3,6 grd. viel zu warm aus. Am kältesten war es am 10. mit -6,0 Grad Celsius. Es gab 4 Dauerfrosttage. An 17 Tagen trat generell Frost auf. Trotz fast durchweg trockenen Tagen bis zum 15. war die Niederschlagsbilanz insgesamt ausgeglichen. Es fielen 60 Liter pro Quadratmeter. Das entsprach exakt dem langjährigen Durchschnitt. Ebenso ausgeglichen war die Sonnenscheinbilanz. Die Sonne schien 106 Stunden (105 %). Die höchste Windspitze betrug am 22.  26m/s bzw. 94 km/h. Windstärke 6 im Mittel wurde an 8 Tagen gemessen.

Eine Schneedecke lag insgesamt an 10 Tagen.

Winter 2016/17

Im zurückliegenden Winter herrschten überwiegend Hochdruckwetterlagen vor, ab Mitte Februar eine lebhafte Westströmung mit fast täglichen Niederschlägen. Im Januar dagegen stellte sich eine längere Dauerfrostperiode von 17 Tagen ein. Vom 3. Januar bis 2. Februar lag auf dem Hohen Peißenberg eine geschlossene Schneedecke. In den Bergen war Wintersport möglich, auch viele Seen und Flüsse froren zu. Die Wintertemperaturen bewegten sich zwischen -14,2 Grad Celsius am 7. Januar und 17,5 Grad Celsius am 23. Februar. Bayern war im Winter kältestes Bundesland mit der deutschlandweit tiefsten Temperatur von -26,3 Grad Celsius am 7. Januar in Reit im Winkel, andererseits aber auch mit der höchsten von 21,5 Grad Celsius in Rosenheim und Simbach/Inn am 23.Februar.

Insgesamt war unser Winter auf dem Hohen Peißenberg um 1,4 grd. zu warm. Der Januar war ein echter Wintermonat und um 2 grd. zu kalt. Dezember und Februar dagegen fielen viel zu warm aus – um jeweils über 3 grd.  Der Winter war zu trocken. Es fielen insgesamt nur 77 % der langjährig zu erwartenden Winterniederschläge. Bayernweit waren das sogar nur 50 %.  Der Hohe Peißenberg erlebte den trockensten Dezember seit 1865.  Wegen der langanhaltenden Hochdruckwetterlagen und Föhneinschüben lag unsere Sonnenscheindauer 25 % über den Normalwerten. Bayern war das zweitsonnigste Bundesland.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Januar 2017

Der Januar war in Bayern von echtem Winterwetter geprägt. Die Monatsmitteltemperatur auf dem Hohen Peißenberg betrug -3,6 Grad Celsius. Damit war er exakt um 2 grd. zu kalt. Den letzten ähnlich zu kalten Januar erlebten wir 2010 (Monatsmitteltemperatur -4,6 Grad Celsius). Bayernweit war es verbreitet der kälteste Januar seit 30 Jahren. Auf dem Hohen Peißenberg verhinderten einige Föhntage diesen Rekord. Wir waren deutschlandweit das kälteste Bundesland, auch mit der Tiefsttemperatur von -26,3 Grad Celsius in Reit im Winkel

Nach einem zunächst sehr milden Monatsbeginn mit einem Maximum von 9 Grad Celsius am Neujahrstag, erreichte uns mit einer Nordwest-, später Nordströmung mit den Ausläufern eines Sturmtiefs polare Meeresluft. Dabei lagen die Temperaturen ab dem 3. nun auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt – ebenfalls bildete sich ab dem 3. eine geschlossene Schneedecke aus, welche uns den gesamten Monat über begleitete. Die Windspitzen, welche am 4. bis in den Orkanbereich (Windstärke 10 der Beaufort-Skala) reichten, führten zu Schneeverwehungen und verstärkten den hochwinterlichen Eindruck. Am 6. und 7. drehte die Strömung sogar kurzzeitig auf Nordost, so dass uns für kurze Zeit ein in den letzten Jahren äußerst selten gewordener „Gast“ erreichte, die Nordsibirische Polarluft. Sie ließ am 6. unser Tagesmaximum nur bis auf -9,8 Grad Celsius „steigen“ und nachts bis -14,2 Grad Celsius (zugleich Monatstiefstwert) absinken. Zuletzt so kalt war es bei uns auf dem Hohen Peißenberg im Februar 2012. Temperaturen unter -10 Grad Celsius hatten in den letzten Jahren Seltenheitswert. Am 12. und 13. tobte sich ein Sturmtief über dem Norden und der Mitte Deutschlands aus und brachte den Mittelgebirgen, wie Harz und Erzgebirge z.B., viel Schnee und Verkehrsbehinderungen. In Bayern ging es moderater zu mit vorübergehenden leichten Plusgraden vom 11. bis 13. Danach kam die eingeflossene Kaltluft zur Ruhe und kühlte wegen der Schneedecke, langen Nächten und trockener Luft bei kalter Ostströmung aus, weshalb es vom 14. bis 20. erneut zu einer Dauerfrostperiode kam.  Die Kaltluftproduktion am Boden stabilisierte das Hoch zusätzlich, so dass die Tiefdruckgebiete des Atlantik keine Chance bekamen, auf den Kontinent nachhaltig überzugreifen.  Ein gleichzeitig über Italien liegendes Tief ließ die Abruzzen unter 1 bis 2m Schnee versinken. Auswirkungen bei uns hatte es nur durch die Luftdruckunterschiede, welche bei uns für starken Wind sorgten, weshalb uns die Frosttemperaturen noch viel kälter vorkamen. Unter Berücksichtigung des „Windchill-Faktors“ (Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Temperatur) entsprachen die am 17. abends bei uns gemessenen -9 Grad Celsius bei Windstärke 6 (in Böen)einer gefühlten Temperatur von -30 Grad Celsius

Ab dem 20. gestaltete sich unser Wetter trotz Dauerhoch recht abwechslungsreich. So waren die Tage vom 20. bis 23. fast wolkenlos (Inversionslage – Berge klar, Tallagen Nebel) mit Plusgraden tagsüber. Danach folgten 3 Tage mit Dauernebel und tiefen Temperaturen um -10 Grad Celsius. Am 27. und 28. herrschte Föhn mit extremen Temperaturgegensätzen zwischen Berg und Tal. So wurden am 27.  08 Uhr auf dem Hohen Peißenberg +7 Grad Celsius gemessen, in Schongau -12 Grad Celsius und in Wielenbach -15 Grad Celsius, d.h. es bestand auf relativ kleinem Raum eine Temperaturdifferenz von 22 grd. Unterhalb der Inversion führten die fehlenden Austauschprozesse der Luft besonders in den Ballungszentren der Großstädte (Stuttgart, München), welche oftmals tagelang im Nebel verblieben, zu sehr hoher Feinstaubbelastung – einer unsichtbaren und oft unterschätzten großen Gefahr für die Gesundheit. Die giftigen Schadstoffe können bei Dauerbelastung, wenn sie eingeatmet werden und in die Blutbahn gelangen diese nicht wieder verlassen. Als Folge können nicht nur Atemwegserkrankungen ausgelöst werden, sondern sogar Krebs, Schlaganfälle und Infarkte. Diese Mikropartikel sind durch menschliches Zutun erzeugt (Industrieanlagen, Kfz., Kraftwerke). Lt. Umweltbundesamt gibt es seit 2005 Grenzwerte von 50 Mikrogramm/Kubikmeter, welche nicht öfter als 35 mal im Jahr überschritten werden dürfen

Zum Monatsende zog sich das Winterhoch langsam zurück, nicht ohne Chaos auf Ostbayerns Straßen zu hinterlassen. In den östlichen Regionen hielt sich die Frostluft besonders hartnäckig. Starker Regen führte auf den bis zu 50cm tief gefrorenen Böden zu Glatteis- bei uns auf dem Berg besonders zum Monatswechsel. Ab dem 26. lagen die Tagesmaxima im positiven Bereich. Der wärmste Tag des Monats war der 27. mit einem Höchstwert von 11,0 Grad Celsius. Im Januar fielen 77 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und somit 126% der langjährig zu erwartenden Summe. Seit einschließlich September 2016 waren die zurückliegenden Monate alle mehr oder weniger zu trocken ausgefallen. Allein am letzten Januartag fielen 24 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, zumeist als Regen. Nur 8 Januartage blieben völlig trocken.

Die Schneedecke lag am 17. und 18. mit durchschnittlich 30cm am höchsten.

Die Sonne schien 95 Stunden, was etwa dem langjährigen Durchschnitt entsprach. 14 Tage blieben allerdings ganz ohne Sonnenschein.

Die höchste Windspitze betrug am 4.  29 m/s bzw. 104 km/h.

Trotz Milderung besteht zu Frühlingsgefühlen noch kein Anlass, da das Kaltluftreservoir über Osteuropa noch sehr groß ist. Der Winter gibt sich noch nicht geschlagen.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2016

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