Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2017

Juli 2017

Der Juli war ganz markant vom „Siebenschläferwetter“ geprägt. Zirkulationszentrum für weite Teile Europas war – und ist es bis jetzt – das Azorenhoch. Es sorgte für Luftströmungen aus West bis Nordwest, bildete aber auch kurzfristig mal eine Brücke bis Mitteleuropa – wovon wir in Süddeutschland profitierten – war allerdings auch maßgeblich am Entstehen eines Tiefs über Mitteleuropa (3. Julidekade) beteiligt. Zwischen dem Norden und Süden Deutschlands bestanden sehr häufig große Temperaturunterschiede, aber auch in der Niederschlagsverteilung. Der Norden, besonders die Mitte, waren verregnet – am wärmsten und trockensten war es im Süden.

Während der 1. Dekade lag eine Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands, unter welcher es zu Stürmen und kräftigen Gewittern kam. Wir im Süden und speziell auf dem Hohen Peißenberg lagen auf der warmen und sonnigen Seite und konnten daher vom 4. – 7. die einzigen 3 Tage des Monats genießen, an denen hintereinander mal kein Niederschlag fiel, die Temperaturen über 25 Grad Celsius lagen und die Sonne täglich 14 Stunden schien. Am 7. abends wurde ein kräftiges Gewitter beobachtet, wobei innerhalb von 2 Stunden 25 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fielen.  In der 2. Dekade sorgte zunächst am 11. und 12. ein kräftiges Sturmtief über den Niederlanden – was im Sommer sehr ungewöhnlich ist – für flächendeckend hohe Windgeschwindigkeiten.  So wurden bei uns auf dem Hohen Peißenberg am 12. nachmittags Windmittel bis zur Stärke 6 der Beaufort-Skala gemessen, in Böen bis zur Stärke 9. Danach blieb es weiter unbeständig bei nordwestlicher Höhenströmung.  Am 16. und 17. stellte sich Zwischenhocheinfluss ein, es blieb trocken und sehr sonnig. Danach sorgte eine Südwestströmung für einige Sommertage (Tagesmaxima über 25 Grad Celsius). Ab dem 23. hatten wir es mit dem Phänomen eines wieder sehr langsam ziehenden Atlantiktiefs zu tun. Wieder deshalb, weil bereits Ende Juni ein umfangreiches Tief über Mitteleuropa lag. Es führte am 29.6.  in Berlin zur Ausrufung des Ausnahmezustandes. Binnen 24 Stunden fielen dort so viel Niederschläge wie sonst im gesamten Juni. In der 3. Julidekade nun kam es zu tagelang anhaltenden Dauerregen von Vorpommern über die Mitte Deutschlands – mit Schwerpunkt Harz – bis zu den Alpen, dort dann abgeschwächter. Im Harzumfeld fielen binnen 48 Stunden verbreitet 100 bis 171 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Hochwasser war die Folge. Auf dem Hohen Peißenberg dagegen fielen unter dem Einfluss dieses Tiefs vom 24. – 26. vergleichsweise moderate 82 Liter pro Quadratmeter, jedoch immerhin die Hälfte der langjährig zu erwartenden Juli-Regenmenge. Zur Einordnung dieser langsam ziehenden Atlantiktiefs bzw. der Konstellation Tief über Mitteleuropa ist zu vermerken: Es tritt immer öfter auf und ist mit langanhaltenden Starkniederschlägen verbunden. Gleichzeitig herrschte aufgrund dieser Luftdruckverteilung über Südeuropa hoher Luftdruck, in diesem Jahr besonders stark ausgeprägt. In Spanien, Südfrankreich, Kroatien und italienischen Küstenregionen brannten die Wälder. Die Dürre in Italien hält seit dem Frühjahr an. Der Gardasee ist zu einem Drittel weniger gefüllt. Trinkwasserrationierungen, katastrophale Folgen für die Landwirtschaft und die Ausrufung des Notstands drohen. Allerdings spielt das Wetter nicht verrückt, sondern präsentiert uns lediglich die Folgen des menschgemachten Klimawandels, denn dieser macht es nicht nur wärmer (warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern), sondern verändert die Zirkulation in der Atmosphäre, weshalb die Extreme in alle Richtungen weiter zunehmen werden, wie trockene Sommer, extrem milde Winter, Starkregen oder Stürme. Zu diesem Thema ließ das renommierte Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Statement am 30.06.d.J. verlauten: „Der vom Menschen verursachte Klimawandel trägt dazu bei, dass sich Luftströmungen über Deutschland verändern und damit verbunden häufigere Extremwetterlagen begünstigt werden. Es ist leider so: Mit dem Ausstoß von Treibhausgasen gefährden wir die Stabilität unseres Klimas.“ Bereits 2015 gab das Institut bekannt: „Der Anstieg der globalen Mitteltemperatur weltweit wird von Treibhausgasen und dem Verbrennen von Kohle und Öl hervorgerufen“.  Dabei ist Deutschland eines der Länder, welches am meisten klimaschädliche Kohle verstromt. 6 der 10 schmutzigsten europäischen Stromproduzenten stehen in Deutschland. Das Institut „Kantar EMNID“ veröffentlichte am 1. August d.J. ein Umfrageergebnis, wonach die „größte Sorge der Deutschen“ der Klimawandel ist. 71% der Befragten äußerten sich so.

In der 3. Dekade wich das Azorenhoch zurück und eine subtropische Luftmasse brachte extreme Hitze in weite Teile unseres Landes, wobei es weiter unbeständig blieb. Schauer und Gewitter, teils mit Hagel, waren die Folge.

Insgesamt war der Juli also extrem wechselhaft. Bei 10 Sommertagen auf dem Hohen Peißenberg war es am 19. mit 28,5 Grad Celsius am wärmsten. Das Monatsminimum wurde am 25. mit 7,9 Grad Celsius gemessen. Ein sehr kühler Tag war ausnahmsweise der 26., an dem das Quecksilber bei Dauerregen nur auf 10,6 Grad Celsius stieg und der Niederschlag bis auf 2000m herab als Schnee fiel. Die Gipfel der Allgäuer Alpen zeigten sich in sattes Weiß getaucht.  Mit einer Monatsmitteltemperatur von 16,7 Grad Celsius fiel der Juli um 1,7 grd. zu warm aus. Niederschläge fielen 191 Liter pro Quadratmeter – 20% mehr über dem langjährigen Durchschnitt. Nur 7 Tage blieben völlig trocken. Deutschlandweit war es der nasseste Juli seit 1993. Die Sonne schien insgesamt 209 Stunden (91%) und lag damit etwas unter dem langjährigen Durchschnitt. Gewitter beobachteten wir an 10 Tagen, Nebel an 11 Tagen. Windstärke 6 im Mittel trat an 12 Tagen auf. Die höchste Windspitze betrug am 12. sowie am 21.  21 m/s bzw. 76 km/h.

Siebenschläferjahre bringen meistens ab Mitte August ein stabiles Hoch für längere Zeit. Mit Spannung warten wir darauf.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Juni 2017

Der erste Sommermonat des Jahres ist nun Vergangenheit und es ist an der Zeit, auf diesen Monat zurück zu blicken, denn den Namen Sommer hat dieser Monat verdient. Bis auf nur wenige Ausnahmen war der Monat durchweg zu warm. Diese wenigen Ausnahmen waren der 7. und 8. Juni bzw. der 29. und 30. Der Rest des Monats war so warm, dass er als 3. wärmster Juni seit 1781 in die Geschichte eingeht. Nur das Jahr 2003 bzw. 1822 waren noch wärmer.

Die Anzahl der so genannten Sommertage, das sind die Tage mit einer Maximumtemperatur von 25 Grad C oder mehr, drückt dies ganz gut aus: In diesem Juni 2017 hatten wir 8 solcher Tage, normal ist auf dem Hohen Peißenberg jedoch nur 1 Tag!

Beständiges Hochdruckwetter bescherte uns viele warme und vor allem auch trockene Tage, so dass der fehlende Niederschlag vielerorts zu Trockenheit und starke Waldbrandgefahr führte.

Nur am Anfang des Monats und vor allem am Ende fielen starke Niederschläge, häufig begleitet von Gewittern. Trotz der starken Regenfälle war der Monat in der Summe zu trocken. Im Gegensatz dazu bekamen wir durch das beständige Wetter die Sonne oft zu sehen, so dass die Sonnenscheindauer über den normalen Erwartungen eines Junis lag.

Hier nun ein kurzer Überblick über die wichtigsten Wetter-Parameter:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 16.9 °C lag der diesjährige Juni um 4.2°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 12.7 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 29.3 °C wurde am 22. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte 5.5 °C am 07. Juni. Es gab 8 Sommertage (Höchsttemperatur >= 25 °C) in diesem Monat.

image001
Die roten Bereiche markieren in dieser Grafik sehr gut die positive Temperaturabweichung im Vergleich zu den langjährigen Mitteltemperaturen.

Sonne
Die Sonne schien insgesamt 241.7 Stunden. Dies entspricht 121 % der normalen Erwartung von 199.4 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 137.9 mm. Das sind 83 % der normalen Erwartung von 166.1 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 28. Juni mit 19.9 mm.

Schneedecke
An keinem Tag wurde eine Schneedecke verzeichnet.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 23. mit 77.4 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 4 Tagen.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg.


Mai 2017

Schneefall, Frost und ein Sommertag – so sah er aus der Mai auf dem Hohen Peißenberg! Wir erlebten Winter und Sommer.

Nach der ungewöhnlich kalten letzten Aprilhälfte fiel gleich am 1. auf unserem Berg noch einmal Schnee, so dass sich abends eine 2 cm hohe Schneedecke ausbilden konnte. Auch am 9. fiel vormittags noch Schneeregen.

Zu Monatsbeginn hatten wir es mit hohem Luftdruck über Skandinavien und mit Tiefdruckeinfluss über Mitteleuropa zu tun, woraus sich eine östliche Luftströmung ergab. Danach lag ein Höhentief über Frankreich, so dass es sehr wechselhaft, kühl und sonnenscheinarm blieb und zu zahlreichen Schauern kam, am 4. zu einem Gewitter mit Hagelkörnern von 6mm Durchmesser.

Mit Beginn der 2. Dekade wurde es mit einer Südwestströmung, resultierend aus Atlantiktief und Hoch über Osteuropa, deutlich wärmer. Die Temperaturmaxima lagen nun endlich durchweg über 10 Grad Celsius. In schwüler Luft blieb es jedoch weiter sehr wechselhaft mit Schauern und Gewittern. Am 12., 14. und 15. fiel erneut Hagel. Ein Zwischenhoch vom 16. bis 18. brachte uns die ersten 3 trockenen und zusammenhängenden Frühlingstage mit Temperaturen über 20 Grad Celsius bei knapp 15 Stunden täglichen Sonnenschein.  Danach kam ein neues Atlantiktief mit kurzfristiger Abkühlung.  Ab dem 25. ging es mit den Temperaturen täglich weiter bergauf. Frühsommerliches Wetter stellte sich ein. Ab dem 27. lagen die Temperaturmaxima bis zum Monatsende dauerhaft über 20 Grad Celsius. Der 29. war der erste Sommertag und mit 26,3 Grad Celsius zugleich der wärmste Tag des Monats. Ein kräftiges Gewitter am 30. beendete den Frühsommer nicht, es blieb mild.

Insgesamt fiel der Mai mit einer Monatsmitteltemperatur von 12,3 Grad Celsius um 2,7 grd. zu warm aus. An 10 Tagen kletterte das Quecksilber über 20 Grad Celsius. Deutschlandweit wurden sogar schon heiße Tage (Temperaturen über 30 Grad Celsius) mit neuen Mai-Temperaturrekorden beobachtet. Am wärmsten war es am 29. in Bad Kreuznach bei Mainz mit 34,6 Grad Celsius. Der kälteste Tag auf dem Hohen Peißenberg war der 1. mit einem Tagesminimum von -0,1 Grad Celsius. Niederschlagsmäßig waren wir im Mai etwas überversorgt. Mit 153 Litern pro Quadratmetern fielen 115 % der langjährig zu erwartenden Summe. Damit können unsere Landwirte sehr gut leben, denn „Mai kühl und nass füllt dem Bauern Scheun und Fass“ oder „Nasser Mai bringt ein fruchtbar Jahr“ sagen die Bauernregeln. Bis jetzt waren alle Monate dieses Jahres etwas zu nass. An insgesamt 4 Maitagen fiel Hagel.

Dank der frühsommerlichen 3. Maidekade mit Hochdruckwetter können wir auf einen sonnenscheinreichen Monat zurückblicken. Die Sonne schien 226 Stunden, 38 Stunden (120 %) über den Durchschnitt. An 2 Tagen zeigte sich die Sonne nicht. Dagegen schien sie an 11 Tagen länger als 10 Stunden.

An 7 Tagen wurden Gewitter beobachtet, Nebel an 13 Tagen. Die höchste Windspitze betrug am 11. und 19. jeweils 19 m/s bzw. 68 km/h.

Frühlingsrückblick

Der Frühling 2017 fiel um 2,5 grd. zu warm aus. Die Temperaturspanne reichte von -5,0 Grad Celsius am 20. April bis 26,3 Grad Celsius am 29. Mai. Bemerkenswert war der extrem wechselhafte April mit sehr großen Temperatursprüngen, welche mit winterlichen Kaltlufteinbrüchen verbunden waren. Es stellten sich jene Winterwetterlagen ein (Hoch Fennoskandinavien), welche, hätten sie in der Kernzeit des Winters stattgefunden,  zu Temperaturen weit unter -20 Grad Celsius in Mitteleuropa geführt hätten und echte Belastungssituationen für – mindestens – Verkehr und Energiewirtschaft gewesen wären.

So wurde auf dem Hohen Peißenberg am 10. April ein Temperaturmaximum von 20 Grad Celsius gemessen. ( Tage später, am 18. und 19., lagen selbst die Temperaturmaxima unter dem Nullpunkt (Eistage). Da der März um 4,5 grd. zu warm war (drittwärmster März seit Beginn unserer Wetteraufzeichnungen), konnte man schon von einer Katastrophe mit Ansage für die Baumblüte ausgehen (14 Tage Vegetationsvorsprung).  3 Eistage im April bzw. 4 Tage mit negativem Tagesmittel stellten jedoch keineswegs einen Ausnahmefall in unserer langjährigen Temperaturreihe dar. Klimawandelbedingt treiben die Pflanzen aber immer eher aus und werden dann anfällig für die fast immer auftretenden Frühjahrsfröste . Und so kam es dann auch zu massiven Frostschäden bei der Obstbaumblüte im Alpenvorland, aber auch beim Raps. Auf dem Hohen Peißenberg erfroren selbst die Blätter der Birken und Maitriebe der Kiefern.  Baden-Württemberg stufte die Frostschäden als Naturkatastrophe ein und kann daher Betroffenen, wie beispielsweise Weinanbauern, Entschädigungen zahlen.

Der Frühling war reich an Niederschlägen. Es fielen 20 % mehr als im langjährigen Durchschnitt. Bayern war das niederschlagsreichste Bundesland.

Überdurchschnittlich sonnenscheinreich waren März und Mai. Die Sonne schien im Frühling insgesamt 15 % mehr, als es von den Normalwerten her zu erwarten gewesen wäre.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


April 2017

Beklagen über einen langweiligen und nicht abwechslungsreichen Monat April können wir uns nicht,  denn im Prinzip hatten wir alle Jahreszeiten versammelt.

Der April 2017 war schon ein seltsamer Monat, denn er war schon rekordverdächtig zweigeteilt. Die erste Monatshälfte konnte man schon fast als frühsommerlich bezeichnen. Es war warm, fast niederschlagsfrei und die Sonne schien ausreichend. Dementsprechend hoch war die Waldbrandgefahr einzuschätzen.

Wäre der Monat so weitergegangen, hätte es bestimmt einen von den Temperaturen gesehen rekordverdächtiger Monat gegeben. Wenn… ja wenn sich der Monat nicht überlegt hätte, den kaum vorhandenen Winter noch nachholen zu wollen. Und das tat er dann auch. Ab Monatsmitte fielen die Temperaturen, es setzten ausgiebige Niederschläge ein, die oft zu einer Schneedecke führten und die Sonne schien nur noch wenig. Vielerorts kam es zu gefährlichen Verkehrssituationen auf Grund von Schneeglätte und deutschlandweit beklagten viele Obstbauern hohe Verluste bei der Blüte der Bäume.

Betrachtet man jetzt nur die 2. Monatshälfte, so wäre auch diese rekordverdächtig,
denn das wäre dann wahrscheinlich einer der kältesten Aprile seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.

Mittelt man jedoch den gesamt Monat, so war er nur etwas zu warm, durch die vielen Niederschläge ab der 2. Monatshälfte war er zu nass und die Sonne schien
unterdurchschnittlich.

Hier nun eine Zusammenfassung der einzelnen Klimaelemente:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 5.4 °C lag der diesjährige April um 0.3°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 5.1 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 20.3 °C wurde am 09. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte -5 °C am 20. April. Es gab 3 Eistage (Höchsttemperatur < 0 °C) und 12 Frosttage (=Tiefsttemperatur < 0 °C.) in diesem Monat.

0417hp

Sonne
Die Sonne schien insgesamt 140.7 Stunden. Dies entspricht 90 % der normalen Erwartung von 156 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 119.8 mm. Das sind 130 % der normalen Erwartung von 92.5 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 27. April mit 16.1 mm.

Schneedecke
An 11 Tagen lag Schnee auf dem Hohenpeißenberg. Die höchste Gesamtschneehöhe von 28 cm wurde am 29. des Monats gemessen.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 17. mit 68.4 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 2 Tagen.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg


März 2017

Der erste Monat des Frühlings, der März, ist vorüber und es ist an der Zeit zurück zu blicken, auf einen Monat, der den Namen Frühling verdient hat, denn in vieler Hinsicht war dieser März überdurchschnittlich. Besonders zu nennen ist hier die Temperatur, denn dieser Monat war der 3. wärmste März auf dem Hohenpeißenberg seit Beginn der Aufzeichnungen von 1781. Wir erreichten mit 6.1 °C eine Mitteltemperatur, die sage und schreibe 4.5 °C über dem langjährigen Mittel lag. Nur der März 1957 und 1989 waren um 0.1 °C wärmer.

Überdurchschnittlich war auch der Niederschlag und die Sonnenscheindauer.

Nach etwas Schnee am Anfang des Monats wurde es zunächst recht warm und wir konnten am 5. des Monats eine Maximumtemperatur von 18 °C registrieren. Nach diesem kurzen Frühlingsintermezzo wurde es wieder kälter und es fielen in den folgenden 5 Tagen knapp ¾ des normalen Monatsniederschlages, an 2 Tagen konnte sich sogar wieder eine Schneedecke ausbilden, welche durch die folgende Erwärmung schnell wieder verschwand. Es folgte eine Trockenperiode, die ab der Mitte des Monats durch weitere Niederschläge beendet wurde. Ab dem 23. fiel dann kein Niederschlag mehr. Durch die höheren Temperaturen, am letzten Tag des Monats wurden 19.0 °C gemessen, trockneten die Böden aus, so dass der Waldbrandgefahrenindex  auf 3 anstieg.

Hier nun eine Zusammenfassung der einzelnen Klimaelemente:

Temperaturen
Mit einer Monatsmitteltemperatur von 6.1 °C lag der diesjährige März um 4.5°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 1.6 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 19 °C wurde am 31. des Monats gemessen, die Monatstiefsttemperatur erreichte -2.8 °C am 13. März. Es gab 7 Frosttage (Tiefsttemperatur < 0 °C) in diesem Monat.

ATT00002

Sonne
Die Sonne schien insgesamt 183.2 Stunden. Dies entspricht 134 % der normalen Erwartung von 137 Stunden.

Niederschlag
Der Monatsniederschlag lag bei 73.2 mm. Das sind 114 % der normalen Erwartung von 64.3 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 09. März mit 20.3 mm.

Schneedecke
An 3 Tagen lag Schnee auf dem Hohenpeißenberg. Die höchste Gesamtschneehöhe von 11 cm wurde am 08. des Monats gemessen.

Höchste Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 18. mit 101.2 km/h gemessen. Starker Wind (Windstärke 6) wehte an 9 Tagen und stürmischer Wind (Windstärke 8) an einem Tag.

Stefan Schwarzer, Wetterwarte Hohenpeißenberg


Februar 2017

Der letzte Wintermonat begann trocken und mild mit Tagestemperaturen zwischen 4 und 12 Grad Celsius. Das den Januar bestimmende Winterhoch hatte sich nach Osten zurückgezogen. Östlich der Elbe herrschte noch überwiegend Dauerfrost. Die atlantischen Tiefausläufer vermochten es nicht, dagegen anzukämpfen. Am 8. lag das Hoch über Skandinavien. Bei gleichzeitig tiefem Luftdruck über dem Mittelmeer gelangte nun mit einer Ostströmung die Kaltluft wieder zu uns zurück. Somit konnte sich vom 8. bis 10. nochmals Dauerfrost bei anhaltendem Nebel einstellen.

In der 2. Dekade führte eine Südwestwetterlage zu deutlicher Milderung. Vom 14. bis 16. lag ein Hoch direkt über uns. Es führte zu Temperaturen über 10 Grad Celsius bei maximalen Sonnenschein. Am 15. schien die Sonne 10 Stunden lang, was zuletzt, auch aus astronomischen Gründen, am 30. September des Vorjahres der Fall war. Am 17. überquerte uns eine Kaltfront, welche die Niederschläge von Regen in Schnee übergehen ließ und für die höchste Tagessumme des Monats von 18 Litern pro Quadratmeter führte. Am 18. lag der Schnee dann 15cm hoch.

Ab der 3. Dekade stellte sich eine stürmische Westwetterlage mit milder Atlantikluft und reichlichen Niederschlägen ein. Für turbulentes Wetter war durch kurze Kaltlufteinschübe gesorgt. So konnte das Tagesmaximum auf dem Hohen Peißenberg am 23. mit Föhnunterstützung auf 17,5 Grad Celsius steigen – die zugleich höchste Temperatur des Monats. Es war zugleich auch ein Temperaturrekord, denn seit Beginn unserer langjährigen Messreihe 1781 war noch kein 23. Februar so warm gewesen. Neue Wärmerekorde für Februar wurden auch in Rosenheim mit 21,5 Grad Celsius aufgestellt, Garmisch-Partenkirchen erreichte 20 Grad Celsius. Am 24. erreichte uns erneut eine Kaltfront mit Wintergewitter, Sturmböen und Graupelschauern. In ganz Deutschland traten orkanartige Böen auf. Auf dem Brocken gab es Windböen bis 158 km/h. Am 25. konnten wir morgens wieder eine Schneedecke von 5 cm messen. Das wechselhafte Wetter setzte sich bis zum Monatsende fort. Der 27. war mit 14 Grad Celsius sehr mild und sonnig. Am 28. setzte Dauerschneefall ein, so dass sich über den Monatswechsel erneut eine Schneedecke ausbilden konnte.

Insgesamt fiel der Februar mit einer Mitteltemperatur von 2,5 Grad Celsius um 3,6 grd. viel zu warm aus. Am kältesten war es am 10. mit -6,0 Grad Celsius. Es gab 4 Dauerfrosttage. An 17 Tagen trat generell Frost auf. Trotz fast durchweg trockenen Tagen bis zum 15. war die Niederschlagsbilanz insgesamt ausgeglichen. Es fielen 60 Liter pro Quadratmeter. Das entsprach exakt dem langjährigen Durchschnitt. Ebenso ausgeglichen war die Sonnenscheinbilanz. Die Sonne schien 106 Stunden (105 %). Die höchste Windspitze betrug am 22.  26m/s bzw. 94 km/h. Windstärke 6 im Mittel wurde an 8 Tagen gemessen.

Eine Schneedecke lag insgesamt an 10 Tagen.

Winter 2016/17

Im zurückliegenden Winter herrschten überwiegend Hochdruckwetterlagen vor, ab Mitte Februar eine lebhafte Westströmung mit fast täglichen Niederschlägen. Im Januar dagegen stellte sich eine längere Dauerfrostperiode von 17 Tagen ein. Vom 3. Januar bis 2. Februar lag auf dem Hohen Peißenberg eine geschlossene Schneedecke. In den Bergen war Wintersport möglich, auch viele Seen und Flüsse froren zu. Die Wintertemperaturen bewegten sich zwischen -14,2 Grad Celsius am 7. Januar und 17,5 Grad Celsius am 23. Februar. Bayern war im Winter kältestes Bundesland mit der deutschlandweit tiefsten Temperatur von -26,3 Grad Celsius am 7. Januar in Reit im Winkel, andererseits aber auch mit der höchsten von 21,5 Grad Celsius in Rosenheim und Simbach/Inn am 23.Februar.

Insgesamt war unser Winter auf dem Hohen Peißenberg um 1,4 grd. zu warm. Der Januar war ein echter Wintermonat und um 2 grd. zu kalt. Dezember und Februar dagegen fielen viel zu warm aus – um jeweils über 3 grd.  Der Winter war zu trocken. Es fielen insgesamt nur 77 % der langjährig zu erwartenden Winterniederschläge. Bayernweit waren das sogar nur 50 %.  Der Hohe Peißenberg erlebte den trockensten Dezember seit 1865.  Wegen der langanhaltenden Hochdruckwetterlagen und Föhneinschüben lag unsere Sonnenscheindauer 25 % über den Normalwerten. Bayern war das zweitsonnigste Bundesland.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Januar 2017

Der Januar war in Bayern von echtem Winterwetter geprägt. Die Monatsmitteltemperatur auf dem Hohen Peißenberg betrug -3,6 Grad Celsius. Damit war er exakt um 2 grd. zu kalt. Den letzten ähnlich zu kalten Januar erlebten wir 2010 (Monatsmitteltemperatur -4,6 Grad Celsius). Bayernweit war es verbreitet der kälteste Januar seit 30 Jahren. Auf dem Hohen Peißenberg verhinderten einige Föhntage diesen Rekord. Wir waren deutschlandweit das kälteste Bundesland, auch mit der Tiefsttemperatur von -26,3 Grad Celsius in Reit im Winkel

Nach einem zunächst sehr milden Monatsbeginn mit einem Maximum von 9 Grad Celsius am Neujahrstag, erreichte uns mit einer Nordwest-, später Nordströmung mit den Ausläufern eines Sturmtiefs polare Meeresluft. Dabei lagen die Temperaturen ab dem 3. nun auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt – ebenfalls bildete sich ab dem 3. eine geschlossene Schneedecke aus, welche uns den gesamten Monat über begleitete. Die Windspitzen, welche am 4. bis in den Orkanbereich (Windstärke 10 der Beaufort-Skala) reichten, führten zu Schneeverwehungen und verstärkten den hochwinterlichen Eindruck. Am 6. und 7. drehte die Strömung sogar kurzzeitig auf Nordost, so dass uns für kurze Zeit ein in den letzten Jahren äußerst selten gewordener „Gast“ erreichte, die Nordsibirische Polarluft. Sie ließ am 6. unser Tagesmaximum nur bis auf -9,8 Grad Celsius „steigen“ und nachts bis -14,2 Grad Celsius (zugleich Monatstiefstwert) absinken. Zuletzt so kalt war es bei uns auf dem Hohen Peißenberg im Februar 2012. Temperaturen unter -10 Grad Celsius hatten in den letzten Jahren Seltenheitswert. Am 12. und 13. tobte sich ein Sturmtief über dem Norden und der Mitte Deutschlands aus und brachte den Mittelgebirgen, wie Harz und Erzgebirge z.B., viel Schnee und Verkehrsbehinderungen. In Bayern ging es moderater zu mit vorübergehenden leichten Plusgraden vom 11. bis 13. Danach kam die eingeflossene Kaltluft zur Ruhe und kühlte wegen der Schneedecke, langen Nächten und trockener Luft bei kalter Ostströmung aus, weshalb es vom 14. bis 20. erneut zu einer Dauerfrostperiode kam.  Die Kaltluftproduktion am Boden stabilisierte das Hoch zusätzlich, so dass die Tiefdruckgebiete des Atlantik keine Chance bekamen, auf den Kontinent nachhaltig überzugreifen.  Ein gleichzeitig über Italien liegendes Tief ließ die Abruzzen unter 1 bis 2m Schnee versinken. Auswirkungen bei uns hatte es nur durch die Luftdruckunterschiede, welche bei uns für starken Wind sorgten, weshalb uns die Frosttemperaturen noch viel kälter vorkamen. Unter Berücksichtigung des „Windchill-Faktors“ (Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Temperatur) entsprachen die am 17. abends bei uns gemessenen -9 Grad Celsius bei Windstärke 6 (in Böen)einer gefühlten Temperatur von -30 Grad Celsius

Ab dem 20. gestaltete sich unser Wetter trotz Dauerhoch recht abwechslungsreich. So waren die Tage vom 20. bis 23. fast wolkenlos (Inversionslage – Berge klar, Tallagen Nebel) mit Plusgraden tagsüber. Danach folgten 3 Tage mit Dauernebel und tiefen Temperaturen um -10 Grad Celsius. Am 27. und 28. herrschte Föhn mit extremen Temperaturgegensätzen zwischen Berg und Tal. So wurden am 27.  08 Uhr auf dem Hohen Peißenberg +7 Grad Celsius gemessen, in Schongau -12 Grad Celsius und in Wielenbach -15 Grad Celsius, d.h. es bestand auf relativ kleinem Raum eine Temperaturdifferenz von 22 grd. Unterhalb der Inversion führten die fehlenden Austauschprozesse der Luft besonders in den Ballungszentren der Großstädte (Stuttgart, München), welche oftmals tagelang im Nebel verblieben, zu sehr hoher Feinstaubbelastung – einer unsichtbaren und oft unterschätzten großen Gefahr für die Gesundheit. Die giftigen Schadstoffe können bei Dauerbelastung, wenn sie eingeatmet werden und in die Blutbahn gelangen diese nicht wieder verlassen. Als Folge können nicht nur Atemwegserkrankungen ausgelöst werden, sondern sogar Krebs, Schlaganfälle und Infarkte. Diese Mikropartikel sind durch menschliches Zutun erzeugt (Industrieanlagen, Kfz., Kraftwerke). Lt. Umweltbundesamt gibt es seit 2005 Grenzwerte von 50 Mikrogramm/Kubikmeter, welche nicht öfter als 35 mal im Jahr überschritten werden dürfen

Zum Monatsende zog sich das Winterhoch langsam zurück, nicht ohne Chaos auf Ostbayerns Straßen zu hinterlassen. In den östlichen Regionen hielt sich die Frostluft besonders hartnäckig. Starker Regen führte auf den bis zu 50cm tief gefrorenen Böden zu Glatteis- bei uns auf dem Berg besonders zum Monatswechsel. Ab dem 26. lagen die Tagesmaxima im positiven Bereich. Der wärmste Tag des Monats war der 27. mit einem Höchstwert von 11,0 Grad Celsius. Im Januar fielen 77 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und somit 126% der langjährig zu erwartenden Summe. Seit einschließlich September 2016 waren die zurückliegenden Monate alle mehr oder weniger zu trocken ausgefallen. Allein am letzten Januartag fielen 24 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, zumeist als Regen. Nur 8 Januartage blieben völlig trocken.

Die Schneedecke lag am 17. und 18. mit durchschnittlich 30cm am höchsten.

Die Sonne schien 95 Stunden, was etwa dem langjährigen Durchschnitt entsprach. 14 Tage blieben allerdings ganz ohne Sonnenschein.

Die höchste Windspitze betrug am 4.  29 m/s bzw. 104 km/h.

Trotz Milderung besteht zu Frühlingsgefühlen noch kein Anlass, da das Kaltluftreservoir über Osteuropa noch sehr groß ist. Der Winter gibt sich noch nicht geschlagen.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2016