Rotorwolken am 22.10.2018

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Rotierende Föhnwolken

Am Montag wurde das bis dato über Deutschland liegende Hoch WOLFGANG von der markanten Kaltfront des Skandinavientiefs RACHEL attackiert. Zuvor gab es am Fichtelberg nochmals sonniges bis 8°C warmes Wetter mit Nordföhn, der an den charakteristischen linsenförmigen Wolken erkennbar war. Föhn ist im Erzgebirge keine Seltenheit, aber was ich an diesen Morgen beobachtete, war außergewöhnlich.

Zum Sonnenaufgang bildeten sich zwischen Fichtel- und Keilberg ziemlich ortsfest einige sehr tiefe dünne linsenförmige Föhnwolken (Stratocumulus lenticularis). Kurze Zeit später begannen sie allerdings um eine horizontale Achse zu rotieren. Im weiteren Verlauf wurde das Wolkengebilde ziemlich zerrissen und erinnerte eher an frakturierte Cumuluswolken als an klassische Föhnwolken. Nachfolgender Zeitraffer zeigt in 16-facher Geschwindigkeit diese Entwicklung und die starke Rotation.

Leewelle1Die wahrscheinliche Erklärung ist, dass es sich hierbei um eine Rotorwolke gehandelt hat. Bei Föhn entstehen in der Luftströmung auf der dem Wind abgewandten Seite von Bergen (Lee) Schwerewellen. Auf den Wellenbergen entstehen oft die linsenförmigen Föhnwolken, unterhalb der Wellenkämme formieren sich walzenförmig rotierende turbulente Luftströmungen, die so genannten Rotoren. Diese stehenden Wirbel mit waagrechter Rotationsachse sind mit starken Turbulenzen durchsetzt und stellen vor allem für den Kleinflugverkehr eine große Gefahr dar. Die kräftigsten Rotoren entstehen häufig unterhalb der ersten Welle direkt am Leeabhang des Berges. Oft bleibt der Rotorbereich unsichtbar, nur wenn genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, bilden sich cumulusartige rotierende Wolken und machen den turbulenten Bereich sichtbar. (ch)

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2 Antworten zu Rotorwolken am 22.10.2018

  1. Sehr schön! Das habe ich in freier Natur noch nicht beobachtet. Die Berge bei uns sind einfach zu niedrig.

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  2. Pingback: Cloud Appreciation Society | Lenticular and Rotor Clouds Time-lapse

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