Föhnstürmchen über dem Erzgebirge

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Gestern brachte eine straffe Südströmung auf dem Fichtelberg nicht nur warme 24°C, sondern auch Windspitzen bis 58km/h. Dazu linsenförmige und zum Teil mehrstöckige Föhnwolken (Lenticularis), wie man sie aus den Alpen kennt. Die Quellwolken, die sich schon am Morgen bildeten, hatten keine Chance, mächtig zu Gewitterwolken heranzuwachsen. Kaum waren sie im Niveau der Föhnwolken angelangt, wurden sie gedeckelt und fielen in sich zusammen. Insofern bildeten sich die Gewitter außerhalb des Föhnbereiches über Thüringen und Nordsachsen. Aber selbst der gestern Abend von Westen hereindriftende thüringische Gewitterrest wurde aufgelöst. Erst nachts durfte ein Gewitter passieren 🙂

Der Föhn ist ein warmer, trockener Fallwind, welcher auf der Luftströmung abgewandte Leeseite von größeren Gebirgen auftritt (Grafik). Ursprünglich wurde der Begriff ausschließlich für die warmen Winde im Alpenraum verwendet. Bei bestimmten Wetterlagen kommt es allerdings auch an den Rändern der deutschen Mittelgebirge zu Föhneffekten, wenn auch nicht in alpinen Größenordnungen. Das Erzgebirge macht davon keine Ausnahme. In seiner von Südwest nach Nordost gerichteten Lage sind es nicht nur West- oder Nordwestwetterlagen, die am Südrand des Erzgebirges föhnartige Fallwinde erzeugen. Auch auf der sächsischen Nordseite treten bei Südwest-, Süd- und Wüdostwetterlagen unter bestimmten Voraussetzungen Föhneffekte auf. Im Gegensatz zu den Alpen, die hoch und breit genug sind, um jegliche kälter temperierte Luftmassen zurückzuhalten, sind Föhneffekte im Erzgebirge regional sehr unterschiedlich. Es steigt von Norden her aus der sächsischen Tiefebene (ca. 150 Meter über NN) wie eine breite, schrägaufgerichtete Pultplatte sanft an, im Osterzgebirge auf etwa 900 Meter, im Westerzgebirge auf über 1000 Meter bis zum Fichtelberg (1215m) und Keilberg (1244m). Auf der Südseite fällt das Gebirge sehr steil ab (ca. 600-700m auf 4-5 km Luftlinie).

Der Föhneinfluss auf das Wettergeschehen ist deshalb regional sehr unterschiedlich und Temperaturunterschiede von über 10°C zwischen Ost- und Westerzgebirge sind deshalb keine Seltenheit. Zwei Föhnarten sind den in den Alpen dennoch recht ähnlich. Im Sommerhalbjahr sorgen Wetterlagen, die vom Mittelmeer her verstärkt Warmluft heranführen, an den Nordflanken des Erzgebirges für warmen Fallwind und Wolkenauflösung. Auch bei Südwestwetterlagen, wo von der Biskaya Wolkengebiete von, mit oder hinter Warmfronten herangeführt werden, sind regional vor allem bei südöstlicher Gebirgsausrichtung föhnige Wolkenauflösungserscheinungen zu beobachten. (ch)

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Eine Antwort zu Föhnstürmchen über dem Erzgebirge

  1. Manfred Kottke schreibt:

    Wieder toll! Danke!

    Gefällt 1 Person

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