Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2018

Der Januar begann allgemein mit reger Tiefdrucktätigkeit, denn seit Weihnachten zogen Tiefdruckgebiete mit einer kräftigen Westströmung vom Atlantik über Skandinavien ostwärts. Milde Luft auf deren Südseite erreichte Deutschland in der 1. Dekade. Nach niederschlagsreichen und sehr stürmischen ersten Tagen des neuen Jahres(am 3. kam es in Franken zu Sturmschäden) gab es vom 6. bis 10. auch einige sehr freundliche Tage. Am 9. konnten wir einen neuen Tagesmaximarekord von 14,7 Grad Celsius messen, denn noch nie seit dem Bestehen unserer langjährigen Messreihe seit 1781 war es zu diesem Datum so warm. Es war zugleich der wärmste Tag des Monats. Die sehr milde Witterung der 1. Dekade – Niederschläge als Regen kombiniert mit Tauwetter – führten zu Hochwasser an Rhein und Mosel. Besonders in den Südalpen türmten sich die Schneemassen meterhoch (Zermatt), die Lawinengefahr war sehr hoch.

Zu Beginn der 2. Dekade floss von Osten mal etwas kältere Luft ein, so dass es einige Tage mit Dauerfrost(Maxima unter 0 Grad Celsius) auf dem Hohen Peißenberg gab. Unter Hochdruckeinfluss blieb es dabei aber sehr trüb und die Sonne zeigte sich nicht. Vom 11. bis 13. herrschte Dauernebel. Zur Monatsmitte setzte sich dann erneut das sehr turbulente Wetter fort. Beginnend mit einer West-, später Nordwestströmung, fiel am 16. und 17. Schnee. Ab dem 16. konnte sich erstmalig im Januar wieder eine geschlossene Schneedecke ausbilden. Am 17. lag sie 19 cm hoch.

Am 18. trat Sturmtief „Friederike“ auf den Plan. Der Orkan erreichte auf dem Hohen Peißenberg Spitzengeschwindigkeiten bis 35 m/s bzw. 126 km/h. Auf dem Brocken im Harz wehte er bis 203 km/h stark. Dieser Sturm führte über der Mitte und dem Norden Deutschlands erneut zur Einstellung des Bahnverkehrs und kostete 8 Menschen das Leben. Der Branchenverband GDV (Die deutschen Versicherer) teilte mit, dass dieser Sturm eine Milliarde Euro kostete. Damit war er nach „Kyrill“ (2007) der zweitschwerste Wintersturm der letzten 20 Jahre gemessen am Schadensvolumen. Allein vom 18. bis 22. fielen auf dem Hohen Peißenberg mehr Niederschläge als im gesamten Januar zu erwarten wäre. So konnte sich am 22. kurzzeitig eine 51 cm mächtige Schneedecke ausbilden. Danach – bis zum Monatsende – erreichte uns erneut mit westlicher bis südwestlicher Luftströmung subtropische Luft. Unsere Schneedecke schmolz dahin, Tauwetter und Lawinengefahr in den Alpen, sowie erneute Hochwasser in den Flussgebieten waren die Folge.
Der Januar 2018 war um 4,3 grd. zu warm und mit einer Mitteltemperatur von 2,7 Grad Celsius der fünftwärmste Januarmonat seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Deutschlandweit war es der sechstwärmste Januarmonat. Neue Wärmerekorde wurden im Norden und Westen aufgestellt. Am Rhein war es bis 16 Grad Celsius warm. In einigen Teilen von NRW blieb es sogar ganz frostfrei! . Bei uns stieg das Quecksilber an 8 Tagen des Monats über 10 Grad Celsius. Es gab aber auch 5 Eistage (Maxima unter 0 Grad Celsius). Am kältesten war es am 21. mit dem Monatsminimum von -4,3 Grad Celsius. An 15 Tagen trat insgesamt Frost auf.

Im Januar fielen 132 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 217 % der langjährig zu erwartenden Summe. Damit war es der drittniederschlagsreichste Januarmonat seit Bestehen dieser Messreihe (1879). Seit einschließlich Juli vergangenen Jahres waren alle Monate mehr oder weniger zu nass.
Mit Sonnenschein wurden wir im Januar auch nicht sehr verwöhnt, allerdings war der Hohe Peißenberg noch einer der sonnenscheinreichsten Orte – Bayern als Bundesland im deutschlandweiten Vergleich auch. Auf unserem Berg schien die Sonne 80 Stunden (86 % des langjährigen Mittels). An 8 Tagen zeigte sie sich nicht.

Eine Schneedecke lag vom 17. bis 28. Es wurden 21 Nebeltage beobachtet. Ein Kaltfrontgewitter trat am 19. auf.

Der Januar war sehr stürmisch. Windstärke 6 im Mittel wurde an immerhin 17 Tagen registriert. Die höchste Windspitze wurde am 3. mit 37 m/s bzw. 134 km/h gemessen – die volle Orkanstärke!

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2017
Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2016

 

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