Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2018

März 2018

Der Monat März fiel mit einer Mitteltemperatur von 1,4 Grad Celsius um 0,2 grd. zu kalt aus. Damit war er um 1,3 grd. kälter als der zu milde Januar!

Der 1. März war, als meteorologischer Frühlingsanfang, der kälteste Tag des Monats. Das Tagesmittel betrug -12,1 Grad Celsius. Ein zuletzt so niedriges Tagesmittel an einem 1. März wurde zuletzt im Jahre 1929 errechnet. Insgesamt war es der viertkälteste Frühlingsanfang seit 1781, dem Beginn unserer langjährigen Temperaturmessreihe. Das Tagesminimum des Monats betrug am 1. -14,7 Grad Celsius.

Ab dem 3. gab es einen Wetterwechsel, eingeleitet mit milderer Atlantikluft. Eine Südwestströmung ließ das Quecksilber am 11. auf 15,1 Grad Celsius anteigen. Es war die höchste Temperatur des Monats. Allerdings verhinderten viele Wolken und die fast täglichen leichten Niederschläge den gesamten Monat über den Eindruck von Frühlingswetter, im Gegenteil, der Winter lag erneut auf der Lauer. Das Skandinavienhoch war wieder da. Eine erneut östliche Luftströmung drückte die Temperaturen vom 18. bis 21. wieder unter den Nullpunkt, auch eine Schneedecke konnte sich erneut ausbilden. So hatte die Märzsonne keine Chance, einen Beitrag zur Erwärmung zu leisten. Die arktischen Luftmassen wurden über schneebedeckte Gebiete des Kontinents unmittelbar und unerwärmt zu uns geführt.

Allerdings ging es deutschlandweit mit dem Märzwinter noch weitaus turbulenter zu als bei uns im Süden. Während der Kaltlufteinbrüche dieses Jahres trat im Norden, an Ostseeküste und Ostküste Schleswig-Holsteins, der „Lake-Effekt“ auf. Dieses Naturphänomen setzt voraus, dass kalte Winde über Seeflächen mit wärmeren Oberflächenwasser geführt werden. Mit den Nordostwinden bildeten sich „Schauerstraßen“, welche punktuell in kurzer Zeit zu hohen Schneedecken mit Verwehungen führten. So zuletzt geschehen zum Monatsbeginn mit bis zu 30 cm Schnee an einigen exponierten Küstenabschnitten. Wo kein Schnee im Norden lag, wurden mancherorts Staubstürme beobachtet. An Küsten der Insel Rügen vereiste die Gischt. Unter einer Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands wiederum fiel auch reichlich Schnee und lag 10 bis 18 cm hoch, was für Mitte März schon außergewöhnlich ist.

Ab dem 23. stiegen bei uns die Tagestemperaturen wieder über den Nullpunkt, am 25. und 30. sogar mal knapp über 10 Grad Celsius. Fast tägliche, jedoch leichte Niederschläge, fielen zumeist als Schnee. Ebenso das Osterfest war kühl und feucht, die „weißen Ostern“ waren jedoch den Höhenlagen über 1200 m vorbehalten und dem Norden Deutschlands, denn am Ostersonntag(1. April) lagen zwischen Schwerin und Rostock 11 bis 30 cm Schnee.

Insgesamt erlebten wir auf dem Hohen Peißenberg einen sehr wechselhaften Monat. Dafür symptomatisch war auch das stete Auf und Ab der Temperaturen, denn zwischen dem Minimum am 1. von -14,7 Grad Celsius und dem Maximum am 11. von 15,1 Grad Celsius mussten wir 30 grd. Temperaturdifferenz binnen 10 Tagen aushalten. An 6 Tagen blieb das Maximum unter 0 Grad Celsius(Eistage) und Frost trat an 15 Tagen auf.

Mit einer Monatsniederschlagssumme von 33 Litern pro Quadratmetern fielen nur etwa die Hälfte der langjährig zu erwartenden Niederschläge. Es blieben jedoch nur 7 Tage völlig trocken. Die Natur kann das nach einer Serie von zu feuchten Monaten von Juli 2017 bis einschließlich Januar 2018 gut verkraften.

Die Sonne schien nur 107 Stunden, d.h. 78 % des langjährigen Durchschnitts. Damit war es allerdings bereits der fünfte zu trübe Monat in Folge. Eine Schneedecke lag an 15 Tagen mit dem Maximum von 12 cm am Monatsersten.

Nebel wurde an 15 Tagen beobachtet. Der Wind wehte mit Windstärke 6 im Mittel an insgesamt 7 Tagen über den Gipfel. Die höchsten Windspitzen wurden am 13. mit 21 m/s bzw. 76 km/h gemessen.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Februar 2018

Im Februar ließ der Winter endlich einmal seine Muskeln spielen. Seit dem vorjährigen September war es überhaupt mal wieder ein zu kalter Monat. Mit einer Monatsmitteltemperatur von -5,1 Grad Celsius fiel der Februar exakt um 4 grd. zu kalt aus. Zuletzt waren die Februarmonate der Jahre 2012 und 2013 in ähnlicher Größenordnung zu kalt.

Der diesjährige Februar begann ziemlich nasskalt mit Frostwechseltagen, häufige Niederschläge fielen meist als Schnee.. Über Nord- und Osteuropa baute sich zunehmend hoher Luftdruck auf, welcher den Einfluss der maritimen Luftmassen des Atlantiks auf unser Wetter abschwächte, so dass wir von Sturmtiefs wie im Januar verschont blieben. Zur Monatsmitte gab es die wärmsten Tage des Monats, der letzte Tiefausläufer des Atlantiks im Februar erreichte uns am 15. Daher war der 16. auch der wärmste Tag des Monats auf dem Hohen Peißenberg mit einem Maximum von 5,3 Grad Celsius. In der 2. Monatshälfte verstärkte sich die Hochdruckzone weiter und erstreckte sich nun von Skandinavien bis zu den Britischen Inseln. Es floss trocken-kalte Festlandsluft nach Mitteleuropa. Nun berechneten die Wettermodelle für den Rest des Monats das systematische Vordringen arktischer und nordsibirischer Polarluft von Nordost. Selbst in Rom fielen 10 cm Schnee. Die Isobarendrängung des kräftigen Hochs führte zu starken und böigen Winden, welches die Temperaturen gefühlt noch viel niedriger erscheinen ließen. So sanken auch die Tagesmitteltemperaturen ab Monatsmitte kontinuierlich ab, von +1,1 Grad Celsius am 16. bis auf -14,9 Grad Celsius am 26. Zuvor wurde nur an 6 Tagen der Nullpunkt überschritten. Die Tagesmaxima sanken ab dem 25. unter -10 Grad Celsius. Am 26. wurde es nicht wärmer als -13,5 Grad Celsius(niedrigstes Temperaturmaximum des Monats). Die Tagesmaxima der Lufttemperatur lagen ab dem 18. durchweg im Frostbereich. Am 28. wurde das Monatsminimum von -17,3 Grad Celsius gemessen. Letztmalig ein so kalter Einzelwert wurde im Februar 2012 registriert. Auf der Zugspitze fiel die Temperatur am 27. auf -30,5 Grad Celsius. Für Ende Februar war es dort der niedrigste Wert seit 100 Jahren. Außerhalb dieses exponierten Ortes wurde der bundesweit tiefste Temperaturwert mit -20,3 Grad Celsius in Oberstdorf gemessen. Bayern war deutschlandweit kältestes Bundesland.

Seit dem Juni des Vorjahres war der Februar mal wieder ein zu trockener Monat. Es fielen 50 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 82 % der langjährig zu erwartenden Summe. Es fielen meist nur leichte Niederschläge, völlig niederschlagsfrei blieben dennoch nur 4 Tage. Entsprechend niedrig blieb auch die Schneedecke. Ab dem 4. lag sie zwar durchgehend, wuchs aber nur am 13. und 23. auf maximal 14 cm an.

Mit Sonnenschein wurden die Gebiete südlich der Donau (wegen Wolkenstau durch Nordostanströmung am Alpenrand) im Februar nicht verwöhnt. Bayern war zweitsonnenscheinärmstes Bundesland, allerdings – das macht den Kontrast deutlich – zählte der Februar deutschlandweit zu den fünf sonnigsten Monaten seit 1951! Auf dem Hohen Peißenberg schien die Sonne nur 58 Stunden, d.h. 57 % des langjährigen Durchschnitts. Vom 15. bis 24., also 10 Tage hintereinander, sahen wir sie überhaupt nicht. Während dieser Zeitspanne herrschte auf dem Hohen Peißenberg nahezu durchgehend Nebel. Das führte dazu, das die Nebelfrostablagerungen an den Bäumen am 25. bis zu 10 cm anwuchsen. Insgesamt wurden 17 sonnenscheinfreie Tage registriert.

Nebeltage wurden 22 beobachtet. Am 17. trat Glatteis auf. Windstärke 6 im Mittel wurde an nur einem Tag registriert (zum Vergleich: im Januar an 17 Tagen). Die höchste Windspitze betrug am 1. und 16. 16 m/s bzw. 58 km/h.

Der vergangene Februar zeigte uns also, dass es doch noch echte Wintermonate geben kann, trotz Klimawandel. Hätte sich ein so massives Kältehoch bereits im Dezember entwickelt(niedrigster Sonnenstand), wären die nachfolgenden Wintermonate mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sehr kalt geworden. Auch wenn es schon 62 Jahre her ist, zur Abschreckung mal die Daten vom Februar 1956: Monatsmittel -12,4 Grad Celsius, niedrigstes Tagesmittel -25,4 Grad Celsius, niedrigstes Tagesminima -28,3 Grad Celsius.

Winterrückblick

Wir können auf einen sehr abwechslungsreichen Winter zurückschauen. Er war insgesamt temperaturmäßig ziemlich ausgeglichen, der Dezember temperaturnormal, Januar 4,3 grd. zu warm, Februar 4,0 grd. zu kalt. Der wärmste Wintertag war der 9. Januar mit dem Maximum von 14,7 Grad Celsius, der kälteste mit -17,3 Grad Celsius der 28. Februar. Die Monate Dezember und Januar waren zu nass, der Februar zu trocken. Insgesamt fielen 274 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 146 % der langjährig zu erwartenden Winterniederschläge.

Der Winter zeigte sich recht trüb. Die Sonne schien 203 Stunden, d.h. nur 73 % des langjährigen Winterdurchschnitts.

Eine geschlossene Schneedecke lag im gesamten Dezember, vom 17.-28. Januar und ab 4. Februar. Am höchsten lag sie am 22. Januar mit 51 cm.

Besonders in Erinnerung bleiben der Warmlufteinbruch Ende Dezember mit Tauwetter, hoher Lawinengefahr inneralpin und Hochwasser an vielen Flüssen. Nicht zu vergessen ist ebenfalls die Serie von Orkantiefs im Januar mit deutschlandweit hohem Schadenpotential. An 2 Januartagen gab es bei uns Windspitzen der Windstärke 12(Beaufort-Skala) bis maximal 37 m/s bzw. 133 k/h.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Januar 2018

Der Januar begann allgemein mit reger Tiefdrucktätigkeit, denn seit Weihnachten zogen Tiefdruckgebiete mit einer kräftigen Westströmung vom Atlantik über Skandinavien ostwärts. Milde Luft auf deren Südseite erreichte Deutschland in der 1. Dekade. Nach niederschlagsreichen und sehr stürmischen ersten Tagen des neuen Jahres(am 3. kam es in Franken zu Sturmschäden) gab es vom 6. bis 10. auch einige sehr freundliche Tage. Am 9. konnten wir einen neuen Tagesmaximarekord von 14,7 Grad Celsius messen, denn noch nie seit dem Bestehen unserer langjährigen Messreihe seit 1781 war es zu diesem Datum so warm. Es war zugleich der wärmste Tag des Monats. Die sehr milde Witterung der 1. Dekade – Niederschläge als Regen kombiniert mit Tauwetter – führten zu Hochwasser an Rhein und Mosel. Besonders in den Südalpen türmten sich die Schneemassen meterhoch (Zermatt), die Lawinengefahr war sehr hoch.

Zu Beginn der 2. Dekade floss von Osten mal etwas kältere Luft ein, so dass es einige Tage mit Dauerfrost(Maxima unter 0 Grad Celsius) auf dem Hohen Peißenberg gab. Unter Hochdruckeinfluss blieb es dabei aber sehr trüb und die Sonne zeigte sich nicht. Vom 11. bis 13. herrschte Dauernebel. Zur Monatsmitte setzte sich dann erneut das sehr turbulente Wetter fort. Beginnend mit einer West-, später Nordwestströmung, fiel am 16. und 17. Schnee. Ab dem 16. konnte sich erstmalig im Januar wieder eine geschlossene Schneedecke ausbilden. Am 17. lag sie 19 cm hoch.

Am 18. trat Sturmtief „Friederike“ auf den Plan. Der Orkan erreichte auf dem Hohen Peißenberg Spitzengeschwindigkeiten bis 35 m/s bzw. 126 km/h. Auf dem Brocken im Harz wehte er bis 203 km/h stark. Dieser Sturm führte über der Mitte und dem Norden Deutschlands erneut zur Einstellung des Bahnverkehrs und kostete 8 Menschen das Leben. Der Branchenverband GDV (Die deutschen Versicherer) teilte mit, dass dieser Sturm eine Milliarde Euro kostete. Damit war er nach „Kyrill“ (2007) der zweitschwerste Wintersturm der letzten 20 Jahre gemessen am Schadensvolumen. Allein vom 18. bis 22. fielen auf dem Hohen Peißenberg mehr Niederschläge als im gesamten Januar zu erwarten wäre. So konnte sich am 22. kurzzeitig eine 51 cm mächtige Schneedecke ausbilden. Danach – bis zum Monatsende – erreichte uns erneut mit westlicher bis südwestlicher Luftströmung subtropische Luft. Unsere Schneedecke schmolz dahin, Tauwetter und Lawinengefahr in den Alpen, sowie erneute Hochwasser in den Flussgebieten waren die Folge.
Der Januar 2018 war um 4,3 grd. zu warm und mit einer Mitteltemperatur von 2,7 Grad Celsius der fünftwärmste Januarmonat seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Deutschlandweit war es der sechstwärmste Januarmonat. Neue Wärmerekorde wurden im Norden und Westen aufgestellt. Am Rhein war es bis 16 Grad Celsius warm. In einigen Teilen von NRW blieb es sogar ganz frostfrei! . Bei uns stieg das Quecksilber an 8 Tagen des Monats über 10 Grad Celsius. Es gab aber auch 5 Eistage (Maxima unter 0 Grad Celsius). Am kältesten war es am 21. mit dem Monatsminimum von -4,3 Grad Celsius. An 15 Tagen trat insgesamt Frost auf.

Im Januar fielen 132 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 217 % der langjährig zu erwartenden Summe. Damit war es der drittniederschlagsreichste Januarmonat seit Bestehen dieser Messreihe (1879). Seit einschließlich Juli vergangenen Jahres waren alle Monate mehr oder weniger zu nass.
Mit Sonnenschein wurden wir im Januar auch nicht sehr verwöhnt, allerdings war der Hohe Peißenberg noch einer der sonnenscheinreichsten Orte – Bayern als Bundesland im deutschlandweiten Vergleich auch. Auf unserem Berg schien die Sonne 80 Stunden (86 % des langjährigen Mittels). An 8 Tagen zeigte sie sich nicht.

Eine Schneedecke lag vom 17. bis 28. Es wurden 21 Nebeltage beobachtet. Ein Kaltfrontgewitter trat am 19. auf.

Der Januar war sehr stürmisch. Windstärke 6 im Mittel wurde an immerhin 17 Tagen registriert. Die höchste Windspitze wurde am 3. mit 37 m/s bzw. 134 km/h gemessen – die volle Orkanstärke!

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing.(FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2017
Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2016

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