Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2022

August

Im August setzte sich der meist von hohem Luftdruck geprägte Sommer in Deutschland, sowie dem größten Teil ganz Europas, fort. Hitze und Dürre, sowie keinerlei großflächige Niederschläge, waren wetterbestimmend. Südbayern sowie der Alpenrand kamen dabei relativ gut weg, denn unsere Landschaften blieben noch Grün-dominiert, während nördlich der Donau und besonders in Teilen Frankens steppenartige Landschaften zu sehen waren bzw. immer noch sind.
So begann auch der 3. Sommermonat wieder mit einer Hitzewelle. Höhepunkt dieser war auf dem Hohen Peißenberg der 4. August, an dem mit 30,5 Grad Celsius erneut ein heißer Tag auftrat. Die Nacht war eine Tropennacht, denn es „kühlte“ nur auf 20,1 Grad Celsius ab. Das Tagesmittel mit 25,6 Grad Celsius lag im Hitzebereich – von daher war es der bisher wärmste 4. August seit Aufzeichnungsbeginn 1781. Eine Kaltfront mit Gewittern beendete diesen heißen Tag. Am 6. und 7. lagen die Maxima dann nur bei 17 Grad Celsius. Vom 30 Juli bis 17. August waren es die trockensten 3 Sommerwochen hintereinander auf dem Hohen Peißenberg. In diesem Zeitraum fielen nur 12 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
Während der 2. Dekade erstreckte sich das Azorenhoch bis über die Britischen Inseln nach Nordrussland. Über nahezu ganz Europa gab es keine Niederschläge. Auf dem Hohen Peißenberg wurden vom 14. bis 17. wieder Sommertage registriert. Zum Dekadenende, ab dem 18., gerieten Teile Mittel- und Südeuropas unter 3-tägigen Tiefdruckeinfluss. Zunächst zog ein Höhentief von Spanien ins westliche Mittelmeer. Das bis zu 30 Grad Celsius warme Oberflächenwasser war ein guter Lieferant von feuchter Luft. Diese Energie stärkte die Gewitter, welche mit sehr hohem Schadenpotential über Norditalien bis in den Süden Österreichs zogen. Aber auch Süddeutschland, speziell Weilheim, wurde vom Starkregen kurzzeitig, aber heftig, erfasst. Sogenannte Superzellen (verclusterte Gewitter) sorgten für Extremwetter (z.B. Stürme in Korsika mit Spitzen über 200 km/h, Hagel in San Marino mit bis zu 12cm Durchmesser, eine 24-stdg. Tagesniederschlagssumme in Bregenz mit 217 Liter pro Quadratmeter). Das aufgeheizte Mittelmeer kann auch noch bis weit in den Herbst hinein für sintflutartigen Regen sowie Hochwasser in Mitteleuropa sorgen, wenn nämlich Tiefs von Süden her sich über dem warmen Mittelmeer mit Feuchtigkeit vollsaugen und über die Alpen gelangen. Vom 18.bis 20. kam es auch von Südbayern bis Sachsen vorübergehend zu stärkeren Niederschlägen, wenn auch nur punktuell. Die Waldbrandgefahr wurde hier teilweise verringert. Auf dem Hohen Peißenberg fielen in diesem Zeitraum 44 Liter pro Quadratmeter Niederschlag.
Die 3. Dekade begann erneut mit Hochdruckeinfluss, d.h. mit 5 trockenen Tagen und einem angenehmen Temperaturniveau von tagsüber etwas über 20 Grad Celsius. Vom 26. bis 28. lag ein Tief über Ostdeutschland und Polen. Es führte dort, aber auch in unserer Region, zu vereinzelten Unwettern durch Starkregenfälle in kürzester Zeit. Auf dem Hohen Peißenberg fielen am 28. 32 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Am 29. und 30. gelangte kühlere Luft vom Norden zu uns. Am 31. lag Süddeutschland im Bereich einer Tiefdruckrinne, weshalb es bei uns zu Dauerregen kam. So fielen am Monatsletzten auf dem Hohen Peißenberg – einem Tag ohne Sonnenschein – 18 Liter pro Quadratmeter Niederschlag.

Insgesamt fiel der August mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,8 Grad Celsius um 3,2 grd. zu warm aus (verwendetes Mittel von 1961 – 1990), deutschlandweit um 3,8 grd. Am wärmsten war es am 4. mit 30,5 Grad Celsius (einzigster heißer Tag), kältester Tag war der 31. mit 11,4 Grad Celsius. 9 Tage waren Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius). Der Dauersommer setzte sich also auch im gesamten August fort. Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde mit 39,6 Grad Celsius am 4. in Bad Kreuznach – 30 km von Mainz entfernt gemessen. In der Rhein -Main -Region war sogar jeder Augusttag ein Sommertag! Niederschläge fielen auf dem Hohen Peißenberg 114 Liter pro Quadratmeter, d.h. 73 % der langjährig zu erwartenden Summe an insgesamt 12 Tagen. Deutschlandweit waren es zwar auch 65 %, aber es ist eben nur ein Durchschnittswert. In den westlichen Regionen und Teilen Frankens fielen teilweise nur 5 Liter pro Quadratmeter im gesamten Monat, im Allgäu dagegen über 200 Liter pro Quadratmeter. Die Sonne schien an 29 Tagen 284 Stunden (135 %). Bisher schien die Sonne jeden Monat dieses Jahres zu viel. Deutschlandweit war es der zweitsonnigste August seit Messbeginn, auf dem Hohen Peißenberg der viertsonnigste seit 1937. Gewitter wurden an 4 Tagen beobachtet. Es war ein schwachwindiger Monat mit der höchsten Windspitze am 15. mit 17 m/s bzw. 61 km/h.

Dürre und Hitze in Europa

EU-Experten schätzen die Dürre mit Stand Mitte August als die schlimmste der letzten 500 Jahre ein. Fast die Hälfte Europas war bzw. ist noch von Dürre bedroht. Sie wirkt sich nicht nur auf die Ernten aus, sondern hat auch starke Beeinträchtigungen für den Energiesektor zur Folge, speziell für die Kühlsysteme der Kraftwerke. Einige mussten in ihrer Leistung gedrosselt werden wegen leerer Flüsse und/oder zu hohen Temperaturen. Flusswasser wird zur Kühlung benutzt und anschließend wieder in den Fluss geleitet. Ist die Wassertemperatur zu hoch, würde das Ökosystem Schaden erleiden. Auf Flüssen, besonders dem Rhein, wird auch ein Großteil der Kohle verschifft. Im August befand sich 30 bis 60 % weniger Wasser in Europas Flüssen, weshalb die Stromproduktion in Gefahr geriet.
In vielen Regionen wurden die Böden seit 2018 immer trockener. Europa war in diesem Sommer vom atlantischen Einfluss abgeschnitten, Hochdruckgebiete beherrschten den Kontinent. Die täglich maximale Sonneneinstrahlung und ausbleibende Niederschläge konnten Europa austrocknen!

Fakten dieses Sommers:

  • die Iberische Halbinsel ist derzeit so trocken wie zuletzt im 1. Jahrhundert
  • in Portugal wurden im Juli Temperaturen bis 45 Grad Celsius gemessen
  • in Spanien sanken die Wasserreserven des Landes auf 40 % – dem niedrigsten jemals erreichten Stand
  • im Mittelmeer wurden Wassertemperaturen bis 30 Grad Celsius gemessen
  • in Frankreich mussten zeitweise über 100 Gemeinden per LKW mit Trinkwasser versorgt sowie Kraftwerke abgeschaltet werden, 73000 Menschen wurden infolge verschiedener Brände evakuiert
  • in Italien herrschte bis Mitte August das trockenste und heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen
  • die Niederlande riefen im August den Zustand nationaler Wasserknappheit aus
  • in Skandinavien wurden nördlich des Polarkreises 32 Grad Celsius gemessen, die Temperatur in der norwegischen Arktis lag fast 20 grd über dem Normalwert
  • in England war der Juli der trockenste der Aufzeichnungen, auch wurden in diesem Monat erstmalig in der Geschichte dort über 40 Grad Celsius gemessen
  • der Juli 2022 war weltweit einer der 3 heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen
  • im August kam es europaweit zu historisch tiefen Wasserständen, in Deutschland z.B. am Bodensee und Rhein

Sommerrückblick

Blickt man auf diesen Sommer zurück, kann man ihn nicht nur in Zahlen fassen. Er war landesweit geprägt durch historische Trockenheit im Westen Deutschlands und Teilen der Mitte. Überall trat in Flüssen und Seen Niedrigwasser auf. Ganze Flussläufe trockneten aus. Die Grundwasserstände fielen landesweit auf Rekordwerte durch fehlende Niederschläge, aber auch durch steigende Verdunstung infolge höherer Temperaturen bei ungewöhnlich viel Sonnenschein. Es kam zu Rekordwaldbränden in Bezug auf Anzahl und Fläche, Trinkwasser wurde knapper. Dennoch gab es aber auch punktuell Starkregenfälle mit Überflutungen. Bayern blieb von alledem ziemlich verschont. Auf dem Hohen Peißenberg war dieser Sommer der drittwärmste in unserer Messgeschichte seit 1781. Die Durchschnittstemperatur betrug 17,7 Grad Celsius. Wärmster Sommer bisher war 2003 mit 19,1 Grad Celsius und zweitwärmster 2015 mit 17,8 Grad Celsius. Deutschlandweit war es der viertwärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am 20. Juli mit 40,1 Grad Celsius in Hamburg gemessen. Auf dem Hohen Peißenberg betrug die höchste Sommertemperatur auch am 20. Juli 32,2 Grad Celsius. Es gab 24 Sommertage sowie 4 heiße Tage. Alle 3 Sommermonate waren über 3 grd. zu warm, der Juni sogar um 4,5 grd. Kältester Sommertag war der 10. Juni mit 8,2 Grad Celsius. Zwar war jeder Sommermonat auch auf dem Hohen Peißenberg zu trocken, gravierende Auswirkungen auf die Natur gab es dabei jedoch nicht. Es fielen insgesamt 355 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, entsprechend 73 % der im Sommer langjährig zu erwartenden Regensumme. Unmittelbar am Alpenrand fielen 500 Liter pro Quadratmeter. Bayern war vergleichsweise nassestes Bundesland, wenngleich Unterfranken extrem trocken blieb. Bad Kissingen bekam den ganzen Sommer über nur 30 Liter pro Quadratmeter Niederschlag ab.
An 23 Tagen des Sommers wurden Gewitter beobachtet. Die Sonne schien insgesamt 843 Stunden. Damit war es der drittsonnigste Sommer seit 1937 – dem Bestehen dieser Messreihe auf dem Hohen Peißenberg. 2003 war der bisher sonnenscheinreichste Sommer mit 863 Stunden. Während des gesamten Sommers gab es nur 2 Tage ohne Sonnenschein! Deutschland erlebte 2022 den sonnigsten Sommer überhaupt – mit durchschnittlich 820 Stunden Sonnenschein.
Mit diesem Sommer setzte sich der Trend dieser immer extremer werdenden Jahreszeit fort, welche durch häufige Hitzewellen mit Temperaturen über 35 Grad Celsius gekennzeichnet ist sowie immer längeren Trockenphasen. Der vorige Sommer 2021 war zwar weniger heiß, aber von Extremwetter anderer Art geprägt, wie gebietsweise sehr hohen Regenmengen mit Überschwemmungen (Ahrtal mit 134 Flutopfern), mehr Hagel und Tornados.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Juli

In diesem Sommer konnte man sich nicht auf die „Siebenschläferregel“ verlassen. Es regnete am 27. Juni sowie an 10 Tagen der letzten Junidekade. Während der 1. Julidekade fiel an 8 Tagen Regen, wenn auch nur von leichter Intensität. Ab der 2. Julidekade lief der Sommer in bisher nicht gekannte „Hochform“ auf und das nicht nur in Deutschland. Fakt ist, dass dabei das Azorenhoch für das Wetter in Mitteleuropa von entscheidender Bedeutung ist und das im Zusammenspiel mit dem Islandtief. Diese Konstellation ist der „Spielverderber“ im Winter, bewirkt sie doch, dass dann milde Meeresluft nach Mitteleuropa geführt wird und verhindert kontinental geprägte kalte Winter. Leider hat es in den letzten Jahren zunehmend an Fläche gewonnen und das wird mehr und mehr zum Problem für Europa. Wissenschaftler führen diese Tatsache eindeutig auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Von der Position dieser Druckgebilde hängt es ab, ob uns atlantische Tiefdruckgebiete den notwendigen Regen bringen können oder trockene und immer heißere Luftmassen im Sommer vorherrschen. Ein stark ausgeprägtes Azorenhoch, welches sich weit nach Mitteleuropa erstreckt, lässt keine dringend benötigten Niederschläge zu, da es Tiefausläufern den Weg blockiert. So war es oft im letzten Winter. Spanien, Portugal und Italien wurden kaum mit Wasser versorgt. Der Winter – meist auch das Frühjahr – waren besonders südlich des Alpenhauptkamms schneearm. Sehr warme bzw. heiße Mai-, Juni- und Julimonate forcierten die Gletscherschmelze, ließen große Flüsse wie den Po nahezu austrocknen. Trockenheit und Waldbrände in Mittel-, West- und besonders Südeuropa, d.h. von Südskandinavien bis zum Mittelmeer sowie von der Atlantikküste bis zum Schwarzen Meer bestimmten im Verlauf dieses Sommers leider mehr und mehr das Bild. Wissenschaftler fanden heraus, dass die Flächenzunahme des Azorenhochs weit über natürliche Klimaschwankungen hinaus reicht und sehen als Ursache den Anstieg der atmosphärischen Treibhausgas-Konzentrationen. Seit 1850 wuchs die Fläche des Azorenhochs allmählich, aber systematisch an. In den letzten 25 Jahren wuchs die Ausdehnung stärker und schneller. In durchschnittlich 6,4 von 10 Wintern war das Azorenhoch vergrößert und damit die Wahrscheinlichkeit von Niederschlägen automatisch verkleinert. Immer seltener werden somit regenreiche Winter. Sommerdürren häufen sich mit weitreichenden Folgen für Natur und Menschen.
Die 1. Julidekade zeigte sich sehr durchwachsen. Am 4. war einer der wenigen ergiebigen Regentage. Im Zusammenhang mit Gewittern fielen binnen 24 Stunden immerhin 29 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – eine gute Hypothek für den Juli. Es blieb nur an 2 Tagen völlig trocken. Die Tagesmaxima lagen zwischen 15 und 27 Grad Celsius durch Luftzufuhr aus nördlichen Richtungen an einigen Tagen.

Anders die 2. Dekade. Das Hoch von den Britischen Inseln dehnte sich nun nach Mitteleuropa aus. Die Temperaturen stiegen wieder in den sommerlichen Bereich bis zu 29 Grad Celsius am 14. Mit dem Abzug des Hochs nach Süden gelangte nur der Norden Deutschlands in etwas kühlere Luft, ein neues Hoch von den Britischen Inseln folgte. Die absinkenden Luftmassen (durch hohen Luftdruck) ließen kaum Niederschläge zu, nur am 14. und 20. regnete es leicht. Aus südwestlichen Richtungen, vom europäischen Hitzepol Spanien und Portugal, erreichte uns heiße Luft. Es baute sich eine Hitzewelle auf von durchaus historischen Ausmaßen. Natürlich gab es sommerliche Hitzewellen schon immer, jedoch extreme Hitzeereignisse in Europa traten und treten häufiger und intensiver auf (trocken-heiße Sommer 2018, 2019 und 2020). Diese haben über Europa drei- bis viermal schneller zugenommen als in den übrigen mittleren nördlichen Breitengraden (USA und Kanada). Dafür verantwortlich sind Änderungen der atmosphärischen Zirkulation (Jetstream in 5 bis 10 km Höhe) wie Untersuchungen des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigen.

Von historischen Ausmaßen am 19.und 20. Juli kann man sprechen, da nicht nur einzelne Wetterstationen Temperaturrekorde erzielten, sondern auch ganze Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein (Bundeslandrekorde) mit 39,4 Grad Celsius Boizenburg (M-V) sowie Grambek (S-H) mit 39,1 Grad Celsius. In Hamburg wurden am 20. 40,1 Grad Celsius gemessen, was insofern bemerkenswert ist, als dass der vorige Rekord um 3 grd. niedriger lag, überhaupt so weit im Norden stattfand und außerdem der deutschlandweite Julihöchstwert war.

Aber auch auf dem Hohen Peißenberg war der 20. Juli klimatologisch betrachtet ein bedeutsamer Tag. Mit 32,2 Grad Celsius war es ein Tagesrekord (wärmster bzw. heißester 20. Juli seit 1781). Es wurde die siebentwärmste Temperatur überhaupt gemessen – die bisher höchste betrug 33,8 Grad Celsius am 29.7.1947. Das Tagestemperaturmittel am 20. betrug 25,0 Grad Celsius.

Die nächste Hitzewelle erreichte uns in der 3. Dekade. Die heiße Luft aus Südeuropa ließ auf dem Hohen Peißenberg am 25. erneut einen „heißen“ Tag zu. Mit einem Tagesmaximum von 30,9 Grad Celsius gab es wieder einen neuen Tagesrekord für dieses Datum. Danach überquerte uns in der Nacht eine Kaltfront. In Verbindung mit kräftigen Gewittern fielen 42 Liter pro Quadratmeter Niederschlag! Auch Wielenbach und Oberstdorf hatten ganz ähnliche Werte, was deutschlandweit – mit sehr großem Abstand – die höchsten Tagessummen waren. Danach herrschten auf dem Hohen Peißenberg angenehme und moderate Temperaturen bis zum Monatsende zwischen 19 und 24 Grad Celsius.

Insgesamt fiel der Juli mit einer Mitteltemperatur von 18,1 Grad Celsius um 3,1 grd. zu warm aus (verwendetes Mittel von 1961 – 1990). Am wärmsten war es am 20. mit 32,2 Grad Celsius, kältester Tag war der 8. mit 8,9 Grad Celsius. 9 Tage waren Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius) und 2 Tage heiße Tage (Maxima über 30 Grad Celsius).
Niederschläge fielen 102 Liter pro Quadratmeter an insgesamt 15 Tagen und somit immerhin noch 64 % der langjährig zu erwartenden Summe. Deutschlandweit waren es im Schnitt nur 35 Liter pro Quadratmeter, d.h. weniger als die Hälfte des Monatsniederschlags der Referenzperiode 1961 – 1990. Dabei gab es auch Orte mit weniger als 5 Liter pro Quadratmeter. An der Mosel blieben einige Orte ganz ohne Juliniederschlag! Auf dem Hohen Peißenberg fielen seit dem 1. Januar insgesamt 81 % der im Durchschnitt bis zum 30. Juli zu erwartenden Niederschläge. Ein Defizit von 19 % bis jetzt also.
Die Sonne schien an allen Julitagen mehr oder weniger, an 16 Tagen über 10 Stunden und insgesamt 290 Stunden (126 %). Seit einschließlich Januar waren bisher alle Monate von viel zu viel Sonnenschein geprägt – zwischen 122 und 188 % !
An 10 Tagen wurden Gewitter beobachtet. Hagel fiel keiner. Die höchsten Windspitzen betrugen am 25. und 28. jeweils 16 m/s bzw. 58 km/h.

Sommer 2022 = Dürre + Brände + Hitze

Von einem schönen Sommer wünscht man sich eigentlich viel Sonnenschein und Wärme. Doch gibt es davon viel zu viel, wird es problematisch. Allein in Deutschland besteht seit März ein erhebliches Niederschlagsdefizit, was sich schon in den Vorjahren anhäufte. Das betrifft die meisten Teile Europas. Die Böden in Deutschland sind, schaut man auf den Helmholtz-Monitor, auf ca. 50% der Fläche bis 1,8 m Tiefe, extrem ausgetrocknet (außergewöhnliche Dürre). Gelegentliche Schauer und Gewitter allein können das Dürreproblem nicht mehr lösen, nur tagelanger Dauerregen, der aber nicht in Sicht ist, wäre die Lösung. Neben den fehlenden Niederschlägen führt der hochdruckwetterlagenbedingte „ewige“ Sonnenschein mit bis zu 15 Stunden täglich zusätzlich zur Austrocknung der Böden – das nicht erst seit diesem Jahr. Berechnungen des DWD zeigen, dass die mittlere jährliche Sonnenscheindauer im Flächenmittel über Deutschland in den 30 – Jahreszeiträumen von 1961 – 1990 verglichen mit 1991 – 2020 um 8 % zunahm und das mit besonders starkem Anstieg in den letzten 10 Jahren. Die Austrocknung der Böden führt nahezu europaweit zu Ernteeinbußen, sinkenden Grundwasserständen und der Flusspegel, sowie Wasserknappheit. Wassertemperaturen über 25 Grad Celsius bringen die Seen zum „Kippen“ – selbst im Mittelmeer werden derzeit 26 bis 29 Grad Celsius gemessen.
In Europa kam und kommt es weiterhin zu Bränden. Im Nationalpark Sächsisch-Böhmische Schweiz brach der großflächigste Brand in der Geschichte Sachsens aus. Auf tschechischem Gebiet mussten Talsperren geöffnet werden, nur um den Elbpegel zu erhöhen, damit Löschhubschrauber überhaupt Elbwasser aufnehmen konnten. Noch nie gab es in den 27 EU-Ländern jahreszeitenmäßig so früh und vor allem flächenmäßig so viele Feuer wie in diesem Jahr.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Juni

Der erste Sommermonat begann zunächst recht unbeständig. Ein Tief über Südskandinavien lenkte mit westlicher Strömung feuchte atlantische Luftmassen zu uns. Das führte zu kräftigen Niederschlägen am Alpenrand und in einigen Teilen Deutschlands.

Durch feuchtwarme Luft aus Südwesten kam es am Pfingstsonntag (5.6.) auf dem Hohen Peißenberg ab mittags zu Gewittern mit nachfolgendem Dauerregen. So fielen an diesem Tag 24-stündig 36 Liter pro Quadratmeter Regen.

Die erste Junidekade war reich an Niederschlägen. Es fiel mit 85 Litern pro Quadratmeter Regen bereits die  Hälfte der im Juni zu erwartenden Niederschläge. Örtlich fielen in Süddeutschland sogar auch bis zu 160 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Der Nordosten Deutschlands bekam zur gleichen Zeit nur 0,2 bis 5 Liter pro Quadratmeter ab. Dazu war es nur mäßig warm, denn an 6 Tagen konnte das Quecksilber auf dem Hohen Peißenberg 20 Grad Celsius nicht überschreiten. Am kältesten war es am 9. mit einem Tagesmaximum von nur 12 Grad Celsius.

Ab der 2. Dekade streckte ein Ausläufer des Azorenhochs seine Fühler bis nach Deutschland aus. Durch kräftige Erwärmung war der 12. unser erster Sommertag (Maximum über 25 Grad Celsius). In der Nacht zum 13. folgte eine Kaltfront von Nordwesten mit Gewittern, so dass die Temperaturen am 13. und 14. nur um die 20 Grad Celsius lagen. Danach stiegen die Temperaturen wieder kontinuierlich an. Ab dem 18. lag ein Tief über Spanien und Portugal. Auf seiner Ostseite wurde sehr heiße Luft aus Nordafrika nach Frankreich geführt. Diese südwestliche Strömung erreichte auch Deutschland. So lagen die Temperaturen am 18. und 19. verbreitet zwischen 31 und 37 Grad Celsius. Auch auf dem Hohen Peißenberg war der 19. ein Rekordtag. Dass es ein heißer Tag war (Maximum über 30 Grad Celsius) ist so ungewöhnlich nicht, kommt aber dennoch auf dem Gipfel relativ selten vor. Jedoch das Temperaturmittel des Tages betrug 26,4 Grad Celsius und war damit das zweitwärmste eines Junimonats seit Beginn der Aufzeichnungen 1781(wärmstes wurde am 26.6.2019 mit 27,0 Grad Celsius gemessen). Zusätzlich verzeichneten wir noch eine Tropennacht, da die nächtliche Minimumtemperatur über 20 Grad Celsius lag – denn es wurde nur 21,7 Grad Celsius „kalt“ – ein gleichfalls sehr seltenes Ereignis! Die 2. Junidekade war sehr warm mit 4 Sommertagen, dazu mit 126 Stunden sehr reich an Sonnenschein (75% der durchschnittlich zu erwartenden Sonnenscheindauer des gesamten Juni) und entsprechend auch sehr trocken mit nur 2 Niederschlagstagen.

Die 3. Dekade zeigte sich wieder sehr durchwachsen. An 9 Tagen fielen auf dem Hohen Peißenberg Niederschläge, welche an 5 Tagen von Gewittern begleitet wurden. Hagel fiel am 23. Die täglichen Maxima lagen zwischen 20 und 26 Grad Celsius. Es war deutschlandweit gewittrig, auch mit lokalen Unwettern, dazu sommerlich warm bis heiß.  Unwetter traten auch in Bayern auf. Bei Rosenheim und Bayrischzell fiel am 27. Hagel mit Durchmesser bis 7cm, welcher aufgrund dieser Größe Dachfenster und Autoscheiben durchschlagen konnte.  Bestimmend war oftmals Mittelmeerluft. Ein Tief bei den Britischen Inseln und ein Hoch über Osteuropa steuerte diese aus südlichen Richtungen zu uns. Der Osten Deutschlands blieb längere Zeit unter Hochdruckeinfluss. Die dort liegende trockene Festlandsluft konnte sich sehr stark aufheizen.

Insgesamt war der Juni auf dem Hohen Peißenberg mit einer Monatsmitteltemperatur von 17,2 Grad Celsius um 4,5 grd. zu warm und somit der viertwärmste Juni seit Aufzeichnungsbeginn 1781. Spitzenreiter war unangefochten bisher 2003 mit 19,3 Grad Celsius. Der letzte zu kalte Juni war 2001. Er war um 0,4 grd. zu kalt. In den letzten 20 Jahren waren alle Junimonate um durchschnittlich 2,5 grd. zu warm – mit stark steigender Tendenz. Deutschlandweit am heißesten war es in Dresden und Cottbus mit jeweils 39,2 Grad Celsius, was zugleich neue Junirekorde für Sachsen und Brandenburg darstellen. Das Monatsminimum auf dem Hohen Peißenberg betrug 8,2 Grad Celsius am 10. Es gab insgesamt 6 Sommertage sowie einen heißen Tag. Das Niederschlagssoll für Juni wurde auf dem Hohen Peißenberg nicht ganz erreicht. Es fielen 139 Liter Niederschlag pro Quadratmeter an insgesamt 19 Tagen und somit nur 83% der langjährig zu erwartenden Menge (deutschlandweit 80 %). Damit können wir vergleichsweise aber sehr zufrieden sein. Im ersten Halbjahr dieses Jahres fielen 86% der langjährig zu erwartenden Niederschläge.  Bayern war zweitnassestes Bundesland. Im Osten Deutschlands ging die Trockenheit weiter. Vor allem in einem Streifen von Mecklenburg-Vorpommern über Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen bis Franken fielen gebietsweise nur 10 Liter pro Quadratmeter. Die Folgen waren und sind Wald- und Flurbrände sowie weiter sinkende Wasserstände der Gewässer.  Die Böden trockneten hier bis mindestens 1,8 m Tiefe weiter aus. Die Junisonne schien auf dem Hohen Peißenberg 269 Stunden wieder weit über den „Plan“ hinaus (135%). Das war auch deutschlandweit ganz ähnlich. Auf dem Hohen Peißenberg gab es keinen Tag ohne Sonnenschein, was auch sehr selten vorkommt. An 13 Tagen schien die Sonne länger als 10 Stunden. An 9 Tagen wurden Gewitter beobachtet. An einem Tag fiel Hagel. Die höchste Windspitze betrug am 16.   22m/s bzw. 79 km/h..

Auf den Spuren des Klimawandels…

Der Klimawandel schreitet rasant und viel schneller als vor wenigen Jahren noch gedacht bzw. vorausberechnet, voran. Man sieht es in Teilen Deutschlands besonders drastisch, denn unser Land wird seit 1980 in Mitteleuropa am stärksten von Extremwetterereignissen getroffen.

Brandenburg – schon als „Sahelzone“ Deutschlands bezeichnet – mit sandigen Böden und Kiefernwäldern ausgestattet, verzeichnet seit 5 Jahren kontinuierlich sinkende Grundwasserspiegel. Brandenburg und Berlin erlebten in diesem Jahr das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Innerhalb von 3 Monaten fielen dort gerade einmal 60 Liter pro Quadratmeter Niederschlag.

In Norditalien fielen in den Wintermonaten bereits nur 20 bis 40% der normalen Winterniederschläge. Seitdem blieb es dort monatelang trocken, mit den Folgen ausgetrockneter Flüsse. Der Po führt so wenig Wasser wie seit 70 Jahren nicht. Die dramatischen Folgen sind Limitierungen des Trinkwassers, Kraftwerke müssen vom Netz, Ernten vertrocknen, die gesamte Vegetation leidet unter der Dürre.

Österreich wurde am 28. und 29.6. von extremen Niederschlägen in kurzer Zeit heimgesucht, besonders in Kärnten. Innerhalb von 3 bis 4 Stunden fielen bis zu 118 Liter pro Quadratmeter Niederschlag mit der Folge von Erdrutschen, Muren und Überschwemmungen.

Die Gletscherschmelze in den Alpen schreitet in diesem Jahr besonders schnell – und womöglich unumkehrbar – voran. Es fehlten die Winterniederschläge und Kaltlufteinbrüche in hohen Lagen, die Sommerschnee bringen könnten, blieben aus. Häufiger Saharastaub beschleunigte die Schmelzprozesse durch verringertes Reflexionsvermögen (Albedo). Nicht zu vergessen ist, dass Gletscher auch immer Wasserspeicher sind (waren?) für Landwirtschaft und Wasserkraft. Der Sonnblick (Österreich) mit seinem Bergobservatorium maß am 30. Juni eine Schneedecke von nur 39cm. Die bisher geringste eines Junis betrug 120cm (1942). Im Durchschnitt liegen dort Ende Juni 307cm!

Die Erwärmung der Arktis schreitet viel schneller als erwartet voran. Dort läuft eine internationale Forschungskampagne. Die Temperaturen stiegen dort in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark an als auf anderen Erdteilen und zwar um 2 bis 3grd. innerhalb der letzten 50 Jahre. Forscher registrierten so ungewöhnliche Ereignisse wie Starkregen über dem Meereis und entdeckten Wolken, welche Höhen wie in den Tropen erreichten. Noch ist ungeklärt, warum das so ist. Auch unser Wetter in den mittleren Breiten kann vom Temperaturanstieg der Arktis betroffen sein bzw. werden.

Ganz aktuell ist der Gletschersturz am Marmolata-Gipfel in Norditalien mit einigen Toten. Zur Unglückszeit wurden dort Rekordtemperaturen von +10 Grad Celsius gemessen. Diese bringen Schnee, Gletscher und Permafrostböden zum Schmelzen und können Bergstürze auslösen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat errechnet, dass keine neuen Kohlebergwerke bzw. Öl- und Gasfelder mehr erschlossen werden dürfen, wenn die Erderhitzung auf 1,5grd. begrenzt werden soll („1,5-Grad-Ziel ist das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, gerechnet vom Beginn der Industrialisierung bis zum Jahr 2100. Als vorindustriell wird der Mittelwert der Jahre 1850 bis 1900 verwendet“ lt. Wikipedia). Dennoch will man wieder mehr Kohlekraftwerke in Betrieb nehmen, was eine Hiobsbotschaft fürs Klima wäre. Auch soll Erdgasförderung durch Fracking aktuell auf den Prüfstand, obwohl als Klimakiller bekannt, mit Freisetzung von Methan, was ein zusätzliches Treibhausgas ist (20-fache Klimaschädlichkeit von Kohlendioxid).

Die dringend notwendigen Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels werden aktuell zusätzlich durch exorbitant steigende Verteidigungsausgaben konterkariert, da die finanziellen Mittel umgeschichtet werden und somit dem Kampf gegen den Klimawandel nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen können.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Mai und Frühjahr 2022

Übersicht

Der Frühling 2022 war ein wenig zweigeteilt, denn gerade in der ersten Hälfte der Jahreszeit bestimmten beständige Wetterlagen mit einem Hochdruckgebiet über Mitteleuropa das Wettergeschehen. Was auf dem ersten Eindruck nach schönem Wetter klingt, hatte den großen Nachteil, dass gerade im März und zu großen Teilen auch im April der Niederschlag ausblieb. Hätten wir nicht am letzten Tag des März noch den stärkeren Niederschlag bekommen, so wäre es der trockenste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Nichts desto Trotz fielen gerade einmal 18 % des zu erwartenden Niederschlags. Dagegen schien die Sonne überdurchschnittlich, nämlich 188 %, also fast doppelt so lange wie man annehmen dürfte, auch war es, abgesehen von einem kurzen Kälteeinbruch im ersten Monatsdrittel, im Schnitt um über 3 Grad zu warm. So war es nicht verwunderlich, dass die Böden, die Wälder und auch Grasflächen extrem trocken waren und es bereits im März zu einigen Wald- und Flächenbränden wie in Weilheim, Peißenberg aber auch zum größeren Waldbrand am 12.03. bei Pinswang im Außerfern kam. Der April begann mit einem kurzen Kälteeinbruch, der auf dem Hohenpeißenberg auch eine Schneedecke brachte, machte dann weiter mit für die Jahreszeit normale Temperaturen. Dabei fiel der letzte Schnee der vergangenen Saison am 9.April, kurz bevor um die Mitte des Monats herum die wärmsten Werte des gesamten Monats registriert wurden, immerhin stiegen die Temperaturen auf 20 Grad. Der Rest des Monats war eher normal, abgesehen von der dann wieder herrschenden Trockenheit. Insgesamt war der Monat April mit 0.6 Grad etwas zu warm, allerdings fielen nur 75 % des normal zu erwartenden Niederschlags. Der letzte Frühlingsmonat war dagegen wieder viel zu warm, fast den ganzen Monat herrschten warme Temperaturen, am 20. wurden auf dem Hohenpeißenberg die maximalen Werte mit 29 Grad gemessen, der höchste Wert, der jemals im Mai hier auf dem Berg aufgezeichnet wurde, anderen Ortes stieg das Quecksilber sogar auf über 30 Grad. Die Durchschnittstemperatur im Mai lag am Hohenpeißenberg bei 13.2 Grad, das sind 3.6 Grad mehr als im langjährigen Temperaturmittel. Durch die hohen Temperaturen stieg das Unwetterpotential an, so dass es wieder zu einzelnen Unwettern im Landkreis bzw. im Nachbarlandkreis kam. Hervorzuheben ist hier natürlich das schwere Unwetter bei Saulgrub und Bad Bayersoien am 05.05., bei dem 108 mm Niederschlag innerhalb von etwas mehr als 2 Stunden gefallen sind. Dagegen waren die 43 mm Regen, die hier Oben am Berg an dem Tag gefallen sind, eher schon wenig. Insgesamt war der Monat Mai mit 122 % des normalen Niederschlags zu feucht, jedoch muss man erwähnen, dass die Wassermengen durch Starkregenereignisse, besonders nach langen Trockenperioden, der Natur oft nicht zu Gute kommen und meist bevor sie in den Boden einsinken können, oberflächlich abfließen und über Bäche und Flüsse abgeführt werden, wobei es dabei oft zu Ausuferungen kommt. Zum Schluss muss man leider feststellen, dass der Niederschlagsüberschuss des Mais bei Weitem nicht ausgereicht hat, um die Niederschlagsdefizite des März und April auszugleichen. Insgesamt sind mit 245 mm Niederschlag nur 85 % des normalen Niederschlags gefallen. Die mittlere Temperatur des Frühlings lag bei 7.9 Grad, was 2.5 Grad zu warm ist und die Sonne schien 682 Stunden, was 142 % der zu erwartenden Sonnenscheindauer entspricht. Im Folgenden gibt es hier noch den genaueren Rückblick auf den Mai:

Temperaturen

Mit einer Monatsmitteltemperatur von 13.2 °C lag der diesjährige Mai um 3.6°C über der langjährigen Mitteltemperatur von 9.6 °C. Die Monatshöchsttemperatur von 29.0 °C wurde am 20. des Monats gemessen (dies war die wärmste Temperatur in einem Mai seit Beginn der Aufzeichnungen), die Monatstiefsttemperatur erreichte 4.1 °C am 01. Mai. Es gab 2 Sommertage (Höchsttemperatur >= 25 °C) in diesem Monat.

Niederschlag

Der Monatsniederschlag lag bei 162.9 mm. Das sind 123 % der normalen Erwartung von 132.5 mm. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 05. Mai mit 42.8 mm.

Sonne

Die Sonne schien insgesamt 229.7 Stunden. Dies entspricht 122 % der normalen Erwartung von 187.7 Stunden.

Schnee

An keinem Tag wurde eine Schneedecke verzeichnet.

Wind

Die höchste Windgeschwindigkeit des Monats wurde am 23. mit 68.4 km/h gemessen. Es gab weder starken noch stürmischen Wind (Windstärke 6 bzw. 8).


April

Nach Schneedeckenflaute im März – es lag nur an 3 Tagen eine Schneedecke von 3 bis 5cm Höhe – legte der April noch einmal kräftig nach. In der ersten Dekade zeigte sich der zweite Frühlingsmonat nochmals an 6 Tagen in kräftigem Weiß. Die Schneedecke erreichte am 3. eine Höhe von 19 cm. Ein Hoch über den Britischen Inseln sorgte an seiner Ostflanke für Kaltluft aus Skandinavien. Im Norden gab es Orte mit Schneehöhen bis 10 cm Höhe, welche den ganzen Winter über keinen Schnee gesehen hatten. Überhaupt stellten sich im März und April Winterwetterlagen ein, welche, wären sie im Winter aufgetreten, für sehr tiefe Temperaturen gesorgt hätten. Das war in den letzten Jahren öfter der Fall. Auf dem Hohen Peißenberg gab es am 2. und 3. nochmals 2 Eistage mit Maxima von nur -3 Grad Celsius. Deutschlandweit traten während der 1. Aprildekade sogar Negativrekorde der Lufttemperaturen auf, welche bis -10 Grad Celsius absanken. Ab dem 6. drehte die Luftströmung auf westliche Richtungen. Einige Tiefdruckgebiete brachten ein wenig des dringend benötigten Regens mit milderer Luft. Stärkere Niederschläge, auch von längerer Andauer, traten im Südwesten Deutschlands (Schwarzwald) sowie über der Mitte auf. Dazu erreichte der Wind in Böen volle Orkanstärke, d.h. Windstärke 12 der Beaufort-Skala. In der milderen Luft stiegen die Tagesmaxima vom 6. bis 8. wieder über 10 Grad Celsius. Die Mitteltemperatur der 1. Aprildekade von nur 1,8 Grad Celsius hatten wir exakt auch in der 1. Februardekade. Noch wärmer sogar war die 1. Januardekade (im Hochwinters) mit 2,2 Grad Celsius. Während der 2. Dekade gab es vom 12. bis15. vier sehr schöne und warme Frühlingstage. Mit südlicher Strömung und Sonnenschein von 10 bis 13 Stunden täglich stiegen die Temperaturen bis fast 20 Grad Celsius an. Allerdings ging die Neigung zu stärkeren Niederschlägen zurück, denn in der 2. Dekade fielen nur 8 Liter pro Quadratmeter Regen, nach 39 Litern pro Quadratmeter während der 1. Dekade. Die Sonne schien in dieser Dekade 98 Stunden – allein schon 63 % der langjährig zu erwartenden Monatssumme. Zu Beginn der 3. Dekade drehten sich die üblichen Luftdruckverteilungen komplett um, aus dem Islandtief wurde ein Islandhoch, aus dem Azorenhoch ein Azorentief. Die Kaltluft kam daher aus nordöstlicher Richtung. Dementsprechend war Deutschland wieder zweigeteilt in einen kühlen und trockenen Osten mit Tagesmaxima um 10 Grad Celsius und einen milderen, feuchteren Westen mit bis zu 20 Grad Celsius. Der Hohe Peißenberg lag auf der kühleren Seite mit Tagesmaxima zunächst nur knapp über 10 Grad Celsius. Am 24. und 25. kam es zu einzelnen Schauern. Am 26. überquerte uns ein Höhentief von West nach Ost. Zunächst lagen die Frühtemperaturen noch bei 6 Grad Celsius, sanken aber bis mittags auf 1 Grad Celsius und folgerichtig gingen die begehrten Niederschläge in Schneefall über, was wohl die letzten Grüße des Winters waren. Es ist die Eigenart eines Höhentiefs, dass es in Höhen über 5 km über dem Boden ausgeprägt ist. Auch ist es auf der Bodenwetterkarte nicht erkennbar. Im Höhentief befindet sich Kaltluft, die im Zentrum absinkt. Mit diesen vertikalen Umlagerungen sind oftmals auch kräftige Schauer verbunden, welche uns aber in diesem Fall nicht erreichten. Nun folgten am 28. und 29. unter Hochdruckeinfluss wieder zwei trockene, kühle und sonnenscheinreiche Tage. Morgens kam es im Umland des Hohen Peißenbergs verbreitet zu Bodenfrösten. Am 30. überquerte uns ein Niederschlagsgebiet. Es konnte die Niederschlagsbilanz jedoch nur ein wenig verbessern, den es kamen nur 5 Liter pro Quadratmeter hinzu. Auf dem Hohen Peißenberg herrschte phänologisch betrachtet zum Monatsende noch der sogenannte Erstfrühling. Ab Mitte April gab es durch die kühleren Temperaturen sogar einen leichten phänologischen Rückstand, was wir an der noch ausstehenden vollständigen Blattentfaltung der Rotbuche hier oben beobachten konnten. In den Tallagen rund um den Berg hielt dagegen der Vollfrühling bereits Einzug. Die Apfelblüte gilt hierfür als Merkmal.

Insgesamt war der April auf dem Hohen Peißenberg mit einer Monatsmitteltemperatur von 5,7 Grad Celsius um 0,6 grd. zu warm (verwendetes langjähriges Mittel von 1961 – 1990), nachdem der April 2021 um 0,5 grd. zu kalt ausgefallen war. Davor waren von 2020 bis 2002 sämtliche Aprilmonate zu warm. Auch fielen die wärmsten Aprilmonate seit Beginn offizieller Aufzeichnungen alle in den Zeitraum der letzten 20 Jahre. In den letzten 30 Jahren wurde der April um 1,6 grd. wärmer, mehr als jeder andere Monat. Somit gehört der April zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Monaten. In diesem April war die Schwankungsbreite der Temperatur – wie so oft in der Übergangszeit vom Winter in den Sommer – besonders groß. Am kältesten war es deutschlandweit in Meßstetten (Schwäbische Alb) mit -14,6 Grad Celsius am 4. Die höchste Temperatur – es war bereits ein Sommertag – wurde in Wolfach (Schwarzwald) am 13. mit 26,0 Grad Celsius gemessen. Unser Maximum auf dem Hohen Peißenberg betrug 19,9 Grad Celsius am 14. Am kältesten war es mit -6,5 Grad Celsius am 4. (am Erdboden waren es in der klaren Nacht und über der Schneedecke sogar nur -15,4 Grad Celsius). Die Niederschlagsverteilung war im April deutschlandweit sehr unterschiedlich. Am trockensten war es, wie fast immer, im Norden und Osten – allerdings dieses Mal auch am Alpenrand, wenn auch lange nicht so drastisch. Auf dem Hohen Peißenberg fielen 69 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und somit nur 74 % der langjährig zu erwartenden Summe (Vormonat März nur 20 %). Deutschlandweit war es inzwischen bereits der 14. zu trockene April in Folge! Auf dem Hohen Peißenberg war es der 5. hintereinander. Von den letzten 13 Aprilmonaten war nur einer (2017) zu nass, alle anderen teilweise erheblich zu trocken. Die Sonne schien 195 Stunden und lag damit 25 % über dem langjährigen Durchschnittswert. Überhaupt hatten die ersten 4 Monate dieses Jahres einen erstaunlichen „Sonnenüberschuss“ aufzuweisen. Anstatt 486 Stunden (Durchschnittswert), schaffte sie es auf 710 Stunden (146 %). In diesem Monat wurde der Hohe Peißenberg sonnenscheinmäßig von den Küstengebieten übertroffen. Eine Schneedecke lag während der 1. Dekade noch an 6 Tagen. Die maximale Windspitze von 34 m/s bzw. 122 km/h am 9. lag im vollen Orkanbereich, d.h. Windstärke 12 der Beaufort-Skala.

Trockenheit in Bayern

Im März fielen in Bayern im Flächendurchschnitt nur 32 % der langjährig zu erwartenden Niederschläge. Besonders trocken war es dabei im südlichen Alpenvorland vom Allgäu bis Berchtesgaden. Ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Institutes zeigte, dass in Bodentiefen des Oberbodens (bis 25 cm Tiefe) in diesen Gebieten gebietsweise bis kurz vor Monatsende April „extreme bis außergewöhnliche“ Dürre bestand, zum Monatsanfang Mai aber noch immer verbreitet „schwere bis moderate“ Dürre. Schaut man sich den Gesamtboden (bis 180 cm Tiefe) an, erkennt man auf der Deutschlandkarte, dass sich im Osten Deutschlands in diesen Bodentiefen noch immer die „außergewöhnliche Dürre“ halten konnte. Dort war es während der letzten 2 Jahre auch besonders trocken. Allerdings wurde hier der Oberboden bis 25 cm in den letzten Monaten sehr gut durchfeuchtet. Neu ist nun, dass die extreme Dürre in Südbayern gebietsweise nun auch den Gesamtboden bis 180 cm Tiefe erfasst hat, da im Frühjahr der Nachschub von oben fehlte. Die bisher gefallenen Niederschläge kamen den Pflanzen zwar zugute, durchfeuchteten die Böden jedoch kaum. Hilfreich wäre tagelanger Dauerregen in der jetzigen Situation, jedoch fallen derzeit nur punktuell Schauer. Das Landesamt für Umwelt teilte mit, dass 63 % aller bayerischen Messstellen, welche das oberflächennahe Grundwasser kontrollieren, derzeit niedrige oder sehr niedrige Wasserstände aufweisen, die Wasserversorgung aber dennoch gesichert ist.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


März

Die unbeständige und meist stürmische Westwetterlage des Februar wurde kurz vor Märzbeginn beendet. Sie beherrschte fast den gesamten Winter. Nun bestimmten Hochdruckgebiete über Mittel- und Osteuropa unser Wetter und entfalteten eine mächtige und langanhaltende Blockadewirkung gegenüber den atlantischen Tiefdruckgebieten. Während der 1. Märzdekade blieb es daher völlig trocken. Die Tagesmaxima blieben aber noch weit unter 10 Grad Celsius und in allen Nächten trat Frost auf. Der 7. war sogar noch ein Eistag, denn das Tagesmaximum erreichte nur -0,9 Grad Celsius. Die tiefste Temperatur wurde am 8. mit -7,9 Grad Celsius gemessen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die tiefste Wintertemperatur von – 7,8 Grad Celsius nun im ersten Frühlingsmonat noch um ein Zehntel unterschritten wurde. So kühl wie die erste Märzdekade war während des Winters nur noch die erste Dezemberdekade. Von einer geschlossenen Schneedecke mussten wir uns am 3. bereits verabschieden. Bis zum 14. waren dann auch die letzten weißen Reste des Winters verschwunden.
Die kalte kontinentale Luftmasse wurde während der 2. Dekade zunächst im Südwesten Deutschlands durch eine Südströmung verdrängt. Im Rest des Landes ging es mit den Temperaturen nur allmählich bergauf. Auf dem Hohen Peißenberg wurden nun 10 Grad Celsius an 4 Tagen überschritten. Nachtfrost trat nur noch in 2 Nächten auf. Allerdings wehte tagsüber oft ein böiger Wind aus östlichen Richtungen, so dass es gefühlt noch kälter war. Am 15. stellte sich wieder einmal, nur dieses Mal sehr massiv, ein ferner „Gast“ aus Afrika ein: Saharastaub. Ein Tief lag westlich der Straße von Gibraltar – einer Meerenge, welche das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet und eine Breite von 14 bis 44 km aufweist. Es führte den Saharastaub mit einer süd- südwestlichen Strömung nach West- und Mitteleuropa. Ab dem 15. wurde Südbayern davon erfasst, mittags der Hohe Peißenberg. Zunächst, ab 1430Uhr, erschien der westliche Horizont in rötlichen Farben. Sie wurden zusehends dunkler. Am dunkelsten war es gegen 1530Uhr. Nun kamen noch Brauntöne hinzu. Viel hätte nicht gefehlt und die Straßenlampen wären um diese Zeit bereits angegangen. Die Staubtrübung der Atmosphäre hielt abgeschwächt dann noch weitere 3 Tage an. Die Sonne war am 15 und 17. nicht zu sehen, am 16.nur für 36 Minuten. Die Staubpartikel wirkten als Kondensationskeime und trugen zusätzlich zur großflächigen Wolkenbildung bei. Dadurch wurde die Sonneneinstrahlung verhindert bzw. sehr stark eingeschränkt. Oftmals war nur eine milchige Scheibe von der Sonne zu sehen. Der Saharastaub gelangte mit den sehr geringen Niederschlägen durch abgeschwächte Tiefausläufer auf alle Flächen und Gegenstände und sorgte für rotbraune Farbtöne. Am 15. fiel nach 16 trockenen Tagen mal wieder Niederschlag, jedoch nur 1 Liter pro Quadratmeter. Zum Dekadenende lag ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet über der Ostsee und Südskandinavien. Tiefausläufer blieben chanchenlos, da der großflächige Einfluss sich über ganz Europa erstreckte. Das Hoch hatte einen bemerkenswert hohen Kerndruck von bis zu 1053 hPa. Damit wurden Rekordluftdruckwerte gemessen. Entsprechend stark war dann auch die Isobarendichte (Linien gleichen Luftdrucks) und somit der Wind, der in Böen jeweils tagsüber stark auffrischte mit bis zu 17 m/s (Windstärken 7 bis 8 der Beaufort-Skala). Die gefühlten Temperaturen lagen dabei zeitweise nur wenig über dem Nullpunkt, womit der Frühlingseindruck trotz Sonnenschein etwas geschmälert wurde.
Während der 3. Dekade bis zum 29. herrschte völlig ungetrübtes Frühlingswetter. Dafür sorgten nun Temperaturmaxima von 11 bis 18 Grad Celsius, schwacher Wind sowie völlig wolkenloser Himmel bei 10 bis 12 Stunden Sonnenschein täglich. Das Hochdruckwetter hatte den gesamten März ungewöhnlich lange dominiert und für extreme Trockenheit vor allem in Südbayern gesorgt. Speziell auf dem Hohen Peißenberg war die Luft während der 3. Dekade so trocken, dass sich die relativen Luftfeuchten tags UND nachts nur noch zwischen 28 und 40 % bewegten. So konnte sich in den Nächten auch kein Tau mehr bilden. Am 29. zogen Wolken auf und leiteten eine grundlegende Wetterumstellung ein. Zwischen einem Hoch über Grönland sowie einem Tief über Nordosteuropa etablierte sich eine Nordströmung, mit der sich arktische Polarluft südwärts Richtung Mitteleuropa vorarbeitete – mit ihr verbunden die Wiederkehr des Winters. So blieben die letzten beiden Märztage ohne Sonne bei aufkommenden leichten Niederschlägen sowie Temperaturen unter 10 Grad Celsius. In der Nacht zum 1. April verstärkte sich der Regen und ging in Schnee über.

Insgesamt fiel der März mit einer Monatsmitteltemperatur von 4,8 Grad Celsius um 3,2 grd. zu warm aus (verwendetes langjähriges Mittel von 1961 – 1990). Es wurde von Dekade zu Dekade wärmer. War die erste noch frostig mit durchschnittlich -0,6 Grad Celsius, so ging es danach in der 2. Dekade auf 5,7 Grad Celsius hoch und in der 3. Dekade wurden 9,0 Grad Celsius Durchschnittstemperatur erreicht. Am wärmsten war es am 28. mit 17,9 Grad Celsius. Der kälteste Wert wurde am 8. mit -7,9 Grad Celsius gemessen. Kein Zufall, dass er kälter als der tiefste Winterwert war. Es ist der Tendenz zu immer öfteren Kälterückfällen im Frühjahr und zunehmend milderen, weil atlantisch geprägten Wintern, zu verdanken. Frost trat an insgesamt 12 Tagen auf. Deutschlandweit am wärmsten war es mit 23,0 Grad Celsius (28.3.) in Regensburg und in Reit im Winkel mit -11,2 Grad Celsius (1.3.) am kältesten.
Wären am Monatsletzten nicht noch 11 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gefallen, dann hätte der diesjährige März einen Trockenheitsrekord aufgestellt. Es fielen insgesamt 12,8 Liter pro Quadratmeter – damit nur 20 % der langjährig zu erwartenden Summe. Der letzte so trockene März war 1972. Damals fielen nur 10,4 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Eine Serie noch trockenerer Märzmonate gab es von 1807 bis 1850. In diesem Jahr bestätigt sich die Tendenz zu immer trockeneren Märzmonaten erneut, denn vergleicht man die Niederschlagssummen der Dekade 2001 bis 2010 mit der darauf folgenden 2011 bis 2020 stellt man einen Rückgang der Niederschlagssummen um 20 % fest. Auch deutschlandweit war der März durchweg viel zu trocken – es fielen nur 35 % des Solls der Referenzperiode 1961 bis 1950. Im Nordosten, speziell in Bergen auf der Insel Rügen, fiel im März nicht ein Tropfen Niederschlag.

Den absoluten Rekord stellte die Sonne im März auf, denn auf dem Hohen Peißenberg war es der sonnigste seit Bestehen unserer Messreihe 1937. Sie schaffte 258 Stunden und verwies damit den bisher sonnigsten März 1953 mit 244 Stunden auf den zweiten Platz. Auch hier bestätigte sich die Tendenz zu immer sonnigeren Märzmonaten. An 19 Märztagen schien die Sonne länger als 10 Stunden. An 4 Tagen schien sie nicht, wobei am 15. und 17. ursächlich der Saharastaub verantwortlich war. Aber auch im bayerischen Landesdurchschnitt stellte die Sonne mit durchschnittlich 245 Stunden einen neuen Rekordwert auf. Deutschlandweit war es der sonnigste März seit Aufzeichnungsbeginn 1951.
Die höchsten Windspitzen traten am 14. und 15. auf und erreichten 17 m/s bzw. 61 km/h.
Phänologisch sind wir auf dem Hohen Peißenberg am 26. März in die Phase des Vorfrühlings gestartet, denn ab diesem Tag blühte die Forsythie, welche dafür als Indikator gilt. Durch den milden Winter bestand bis zu diesem Zeitpunkt ein Vorlauf bzw. eine Verfrühung von 14 Tagen.

Trockenheit in Deutschland und Bayern

In den letzten 20 Jahren hat Deutschland so viel Grundwasser verloren, wie der Bodensee Wasser enthält. Klimawandelbedingt höhere Temperaturen führen allein schon zu mehr Verdunstung. Zunehmender Starkregen, der in immer kürzerer Zeit intensiver fällt, lässt das Wasser oft nur oberirdisch abfließen, womit es dem Grundwasser nicht zugute kommen kann.
Bereits vor Mitte März bestand erhöhte Waldbrandgefahr in ganz Bayern (durchweg Waldbrandgefahrenindex der Stufen 3 und 4 der fünfteiligen Gefährdungsskala). Ein Blick auf den Dürremonitor Deutschland des Helmholtz-Institutes kurz vor Monatsende zeigte, dass deutschlandweit nur in Südbayern die Oberböden, d.h. bis 25cm Tiefe, von „schwerer bis extremer Dürre“ betroffen waren. Die ungewöhnlich lange Hochdruckperiode hatte bereits bis zur Monatsmitte in Bayern zu ungewöhnlich langen Trockenperioden geführt. So gab es bis zu diesem Zeitpunkt in vielen bayerischen Städten (Würzburg, Bamberg, Nürnberg, Regensburg, Augsburg, München und Passau) zu dieser Jahreszeit ungewöhnlich lange Trockenperioden von bis zu 17 Tagen. Diese wurden zur Monatsmitte lediglich von einzelnen Tagen mit nur sehr geringen Niederschlägen unterbrochen. Eine Entspannung trat mit dem Monatswechsel zum April hin ein.

Wo ist der „Märzwinter“ geblieben?

Wenn wir vom „Märzwinter“ reden, denkt man an Frost und Schnee im ersten Frühlingsmonat. In solchen Fällen hatte sich dann oftmals eine hochwinterliche Wetterlage vom Februar in den ersten Frühlingsmonat hinein gerettet oder aber sich plötzlich nach den ersten warmen Frühlingstagen eine kalte Nordströmung eingestellt. Der Blick in unsere Statistik zeigt für die letzten 20 Jahre eine kräftige Erwärmung der Märzmonate. In den 50-Jahres-Mitteln von 1901 – 1950 sowie 1951 – 2000 hatte sich temperaturmäßig kaum etwas verändert, denn sie lagen bei 1,8 und 1,9 Grad Celsius. Von 2001 – 2020 kam jedoch der große Sprung auf 3,2 Grad Celsius. Dennoch sind auch heutzutage, wenn auch seltener, im März noch immer einzelne sehr kalte Tage möglich, wie zuletzt am 1. März 2018 mit einem Minimum von -14,7 Grad Celsius oder am 8. März 2010 mit -12,8 Grad Celsius.
Konzentriert sich der „Märzwinter“ auf die Schneedecke? Von 1901 – 1950 lag im Durchschnitt an 17 Märztagen eine Schneedecke, von 1951 – 2000 an 22 Tagen und von 2001 – 2020 an 16 Tagen, d.h. von 1901 – 1950 und 2001 – 2020 gab es keine bzw. kaum Unterschiede! Betrachtet man jedoch die einzelnen Märztage dieser Zeitabschnitte sieht man, dass die Schneehöhen zwar abnahmen, einzelne Extremereignisse aber noch bis heute möglich sind. Schneehöhen im März mit über 80cm Höhe gab es 1924, 1931, 1971 und 1988, aber auch noch 2006 mit 92 cm .

Aktuelle Klimanachrichten

„klimafakten.de“ hat sich mit der Frage beschäftigt, wie das europäische Klima im Jahr 2050 aussieht. Dazu wurden neueste Klimamodelle von Forschungsinstitutionen aus 10 europäischen Ländern im Rahmen des „European Climate Prediction Projekt“ (EUCP) gerechnet.
Daraus geht hervor, dass sich Kontinentaleuropa besonders stark erwärmen wird. In Südeuropa soll es in den Sommern heiß bis sehr heiß werden und die Böden sollen austrocknen. In Europa werden Hitzeperioden wie 2003 bis zum Jahr 2050 immer häufiger auftreten. Sie werden länger andauern und von Starkregenereignissen unterbrochen. In immer kürzeren Zeiträumen der Sommermonate soll mehr Niederschlag fallen. Auch in Norddeutschland sind Hitzeperioden mit Maxima über 35 Grad Celsius zu erwarten. Der Klimawandel wird sich in den Bergen schneller auswirken, weshalb man bald unterhalb 1500m keinen Wintersport mehr betreiben kann. Während es in Nordeuropa im Winter mehr regnen soll, fällt bedeutend weniger im Süden, so „klimafakten.de“. Zwar treten aktuell in Kriegszeiten Klimafragen in den Hintergrund, jedoch sollte die Klimathematik auf der Tagesordnung bleiben.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Februar

Der letzte Wintermonat begann sehr wechselhaft. Über Westeuropa und dem Nordatlantik lag ein Hoch, der tiefe Luftdruck konzentrierte sich über dem Nordmeer und Skandinavien. Daraus resultierte eine kräftige nordwestliche Höhenströmung – meist ein Garant für unbeständiges Wetter. Sehr winterlich wurde es im höheren Bergland (am meisten in den Staulagen), im mittleren Bergland teils/teils und im Flachland gab es vom Winter keine Spur.
Auf dem Hohen Peißenberg war der Monatserste ein Eistag (Maximum unter 0 Grad Celsius, wenn auch sehr knapp). Es schneite den ganzen Tag. Starke Winde führten zu heftigen Schneetreiben. Die Schneedecke wuchs bis zum 2. morgens auf 22cm – so hätte es weitergehen können, doch es sollte schon die höchste Schneedecke des Monats bleiben, denn bereits am 2. ging der Schnee wieder in die Mischphase über. Es kam zu Regen-, Schnee- und Graupelschauern, sogar ein Donner war zu hören. Nun folgten Warm- und Kaltfronten im steten Wechsel mit Regen und Schnee. Es war mal mehr, mal weniger zu mild und vor allem sehr stürmisch. Windspitzen über 20m/s, d.h. Windstärke 9 der Beaufort-Skala, wurden während der 1. Dekade an 6 Tagen erreicht und sogar überschritten. Die Windspitze am 6 mit 32 m/s markierte die volle Orkanstärke, Windstärke 12! Ein nächtliches Gewitter bei Kaltfrontdurchgang trat in den Morgenstunden des 7. auf. Eine kleine Verschnaufpause von Sturm und Regen gab es am 9. und 10., denn mit Winddrehung auf Südwest folgten zwei trockene Tage mit Sonnenschein von fast 10 Stunden. Die Tagesmaxima stiegen auf 11 Grad Celsius an. Der Schnee schmolz während der 1. Dekade von 22 cm bis auf 9 cm bis Dekadenende. Am 11. überquerte uns eine Kaltfront, danach folgten erneut drei sehr sonnige Tage und die Temperaturen trieb es alsbald noch weiter nach oben auf fast 13 Grad Celsius am 14. Es war die Ruhe bzw. das Zwischenhoch vor dem nächsten Sturm bzw. Stürmen.
Was braute sich da zusammen? In der Westströmung hatte sich in der oberen Troposphäre (10 km Höhe) ein Starkwindband, welches man „Jet-Stream“ nennt, ausgebildet. Ursächlich für die Entwicklung dieser gefährlichen Wetterlage waren große Temperaturgegensätze über dem Nordatlantik. Die Atmosphäre gleicht diese mit Luftmassenbewegungen bzw. Wind oder Sturm aus entsprechend der Spanne des Temperaturgradienten. Dieses Starkwindband verlagerte sich mit 300 km/h Richtung Mitteleuropa mit 3 Orkantiefs im „Gepäck“. Eine extrem seltene Konstellation! Die höchste Windspitze wurde dabei am 17. auf dem Brocken mit 150 km/h gemessen. Auf dem Hohen Peißenberg betrug sie 130 km/h bzw. 36 m/s, d.h. erneut volle Orkanstärke. Sturmtief Nummer 2 suchte vom 18. bis 19. große Teile West- und Mitteleuropas heim. In Südengland sowie Nordfrankreich traten über mehrere Stunden hinweg im Binnenland (!) Orkanböen bis 140 km/h auf. In Norddeutschland war es ähnlich. Sturmtief Nummer 3 folgte kurz danach. Vom Norden Deutschlands bis zur Mitte wurde der Bahnverkehr tagelang nachhaltig gestört bzw. eingestellt. Viele umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Schienenwege. Auf dem Hohen Peißenberg kam es am 20. und 21. „nur“ zu orkanartigen Böen, d.h. Windstärke 11 (28 bzw. 29 m/s). Während der 2. Dekade war es sehr wechselhaft mit Schnee- und Regenfällen ganz im Rhythmus der Frontpassagen. Die Tagesmaxima lagen zwischen 2 und 13 Grad Celsius.
Eine Kaltfront aus Nordwesten überquerte uns am 25. und führte kalte, maritime Polarluft zu uns. So wurde es auf dem Hohen Peißenberg, jedoch besonders im höheren Alpenvorland wieder etwas winterlicher. Die Tagesmaxima sanken von 11 Grad Celsius am 24. auf -0,1 Grad Celsius am 26. Es bildete sich wieder eine Schneedecke von 6 cm aus. An den letzten beiden Tagen des Monats stellte sich nach den stürmischen Tagen ruhiger Hochdruckeinfluss ein. Meist war es wolkenlos. Die Nachttemperaturen sanken bis – 5 Grad Celsius ab und lagen tagsüber nur noch bei 0 Grad Celsius. Die Sonne schien bis zu 11 Stunden.

Insgesamt fiel der Februar mit einer Monatsmitteltemperatur von 1,9 Grad Celsius um 3,0 grd. zu warm aus (verwendetes langjähriges Mittel von 1961 – 1990). Seit dem Bestehen unser langjährigen Messreihe 1781 waren 25 Februarmonate noch wärmer bzw. genau so warm. In der deutschlandweiten Messreihe, welche erst seit 1881 besteht, war es der sechstwärmste Februar. Deutschlandweit am wärmsten war es mit 17,3 Grad Celsius in Metzingen bei Stuttgart, während die tiefste Temperatur in Reit im Winkel mit -13,7 Grad Celsius gemessen wurde.
Bei uns war es am 18 mit 12,9 Grad Celsius am wärmsten. An 5 Tagen kletterte das Quecksilber bereits über 10 Grad Celsius. An 2 Tagen blieb es nur wenige Zehntel unter dem Nullpunkt (Eistage). Frost trat an 21 Tagen auf. Am kältesten war es (nur) mit -5,1 Grad Celsius am 27.
Die Niederschläge auf dem Hohen Peißenberg hielten sich exakt an das langjährige Mittel. Es fielen 60 Liter pro Quadratmeter. Allerdings blieb es nur an 7 Tagen völlig trocken. Deutschlandweit fiel etwa zwei Drittel mehr als im langjährigen Mittel, vor allem im Norden sogar das 2 bis 3-fache, kein Wunder, lagen diese Regionen doch mehrfach unmittelbar unter den zahlreichen Tiefausläufern. Folglich war Bayern auch das trockenste Bundesland. Eine meist recht dünne Schneedecke lag an 21 Tagen, am höchsten mit 22cm am 2.
Die Sonne schien 136 Stunden (135%) – bayernweit schien sie meist 100 Stunden lang und natürlich, wie so oft, am Alpenrand am längsten. Dagegen schien die Sonne deutschlandweit nur 85 Stunden und dabei sogar noch 10 Stunden länger als üblich. Die höchste Windspitze wurde am 17. mit 36 m/s bzw. 130 km/h gemessen.

Wetterrückblick Winter

Der Winter war mit einer Mitteltemperatur von 1,2 Grad Celsius um 2,5 grd. zu warm. Er war maritim geprägt, denn überwiegend führten Wetterlagen aus westlichen Richtungen milde Luft mit Tiefs- besonders im Februar Sturmtiefs- zu uns. Kaltluft aus nördlichen Breiten hatte nur im Nordosten und Osten sehr kurzzeitig – lediglich beinahe stundenweise – eine Chance. Es war der neunte zu warme Winter in Folge (deutschlandweit der elfte). Er gehörte bei uns zu den zwölftwärmsten Wintern überhaupt. Seine Temperaturspanne bewegte sich zwischen 14,9 Grad Celsius am 2. Januar und – 7,8 Grad Celsius am 22. Dezember. Eistage gab es 18 und Frosttage 65. Eine Schneedecke lag an 70 Tagen, dabei am 10. Dezember mit 25 cm am höchsten. Es zeigt sich auch hier wieder eine klare Tendenz des Klimawandels. Die Winter werden immer schneeärmer, auch ist die Zahl der Frost- und Eistage beständig rückläufig.
Die Niederschlagsbilanz des Winters ist sehr ausgeglichen. Es fielen 191 Liter pro Quadratmeter Niederschlag an insgesamt 54 Tagen (messbarer Niederschlag).
Die Sonne schien 343 Stunden, d.h. 23 % länger als normal. Daher war es der elftsonnigste Winter seit Bestehen dieser Messreihe 1937. In Bezug auf die Sonnenscheindauer wird der Hohe Peißenberg meist nur von der Zugspitze übertroffen. An 15 Tagen schien keine Sonne. Die höchste Windspitze des Winters betrug am 17. Februar 36 m/s bzw. 130 km/h.
Bayern präsentierte sich im Winter als kälteste Region Deutschlands und war zweitsonnenscheinreichstes Bundesland nach Baden-Württemberg.

Entwicklung des Winters als Jahreszeit

Mit der Jahreszeit Winter wird bekanntlich der Zeitabschnitt vom 1. Dezember bis zum Monatsletzten des Februar meteorologisch bezeichnet. Dazu liegen uns auf dem Hohen Peißenberg Temperaturdaten seit 1781 vor, welche nach 242 Jahren eine sehr hohe Aussagekraft haben. So lassen sich sehr gut Tendenzen und langjährige Trends erkennen. So betrugen zwischen 1801 und 1850 sowie zwischen 1901 und 1950 die Wintermitteltemperaturen der beiden 50-jährigen Zeiträume -1,5 bzw. -1,4 Grad Celsius. Zwischen 1851 und 1900 lag eine kältere Periode mit einer Mitteltemperatur von -2,1 Grad Celsius. Zwischen 1951 und 2000 stieg das Mittel auf -0,9 Grad Celsius. Innerhalb dieses Zeitraums wurde es zu Beginn der 70er Jahre markant wärmer, denn bis dahin lagen die siebzehn Zehn-Jahres-Mittel, bis auf eine Ausnahme, alle unter – 1 Grad Celsius. Seit 1971 jedoch lagen die folgenden fünf Zehn-Jahres-Mittel dauerhaft über -1 Grad Celsius, von 2001 bis 2020 nur noch bei 0 Grad Celsius mit ganz klarer Tendenz nach oben.
Man kann diese Veränderungen auch ohne Rechnereien bewerten: Bis zum Ende der sechziger Jahre dieses Jahrhunderts gab es generell nur 2 Winter pro Jahresdekade mit positivem Temperaturmittel, ab 1991 war das bereits 4 bis 5 mal pro Dekade der Fall. Winter mit einem Temperaturmittel über + 1 Grad Celsius traten bis Ende der siebziger Jahre nur aller 30 Jahre auf, danach jedoch meist 3 mal pro Dekade. Einen Winter mit einem Temperaturmittel über 2 Grad Celsius gab es erstmals im Jahr 2007 (+ 2,6 Grad Celsius), während der letzten Dekade von 2011 bis 2020 war das schon 3 mal der Fall. Hier überstieg das Wintermittel bereits sogar 3 Grad Celsius (2016 und 2020). Der Trend zeigt eine stetige Zunahme der Erwärmung sehr eindeutig an.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Januar

Der zweite Wintermonat Januar begann so extrem mild, wie der Dezember endete. Man kann sogar sagen, der Jahreswechsel vom 30. Dezember bis 2. Januar gehörte zu den wärmsten der Wettergeschichte. An diesen 4 Tagen war es im Mittel um bis zu 13 grd. zu warm. Die Maxima bewegten sich zwischen 11,3 und 14,9 Grad Celsius und entsprachen damit etwa dem Temperaturniveau einer 3. Aprildekade. Eine sehr milde Südwestströmung führte zu diesen Rekordwerten. In den Tallagen rund um den Hohen Peißenberg wurde die phänologische Winterruhe nachhaltig gestört. Vom 24.12. bis 4.1. lagen dort die Tagesmittel über 5 Grad Celsius. Eine tagelange Überschreitung dieses Schwellenwertes bedeutet erfahrungs- und definitionsgemäß ein vorläufiges Ende der Winterruhe. Der Vegetationsschub wurde an der Haselblüte in Peißenberg und Peiting bereits um den Jahreswechsel herum beobachtet. Die Haselblüte gilt als Indikator für den Vorfrühling. Dieser extrem warme Witterungsabschnitt wurde mit dem Eindringen polarer Kaltluft ab dem 5. wieder auf jahreszeitliches Normalmaß heruntergefahren, denn bis zum 12. stellten sich auf dem Hohen Peißenberg wieder Frostwechseltage, aber auch Eistage (Maxima unter 0 Grad Celsius) im leichten Frostbereich ein. Es war sehr wechselhaft mit täglichen Schneefällen, sowie Schnee- und Graupelschauern. Ab dem 5. bildete sich auch wieder eine Schneedecke, welche sich bis zum Monatsende halten konnte. Trotz nur leichten Frostes und einer relativ niedrigen Schneehöhe präsentierte sich der Hohe Peißenberg in Verbindung mit Nebel- und Reifablagerungen an den Bäumen im Januar meistens ziemlich winterlich. Zu stärkeren Niederschlägen während der 1. Dekade mit bis zu 80 Litern pro Quadratmeter kam es über der Mitte Deutschlands mit vorübergehender Schneedecke sogar in den westlichen Landesteilen. Auf dem Hohen Peißenberg fielen in diesem Zeitraum nur 20 Liter pro Quadratmeter. Zu dieser Zeit lagen in den deutschen Mittelgebirgen bis zu 40cm Schnee, in den Alpen bis 1 Meter. Ab dem 12. zog ein atlantisches Hochdruckgebiet nach Deutschland. Sehr milde Meeresluft wurde um das Hoch herumgeführt mit einer südwestlichen Strömung bis in den Nordostatlantik. Von dort erreichte sie auch Mitteleuropa. Das bedeutete für den Hohen Peißenberg vom 12. bis 19. vielfach mal wieder sehr schönes Bergwetter mit Fernsichten sowie Nebel in den Tallagen (Nebelmeer). Vom 13. bis 15. sowie am 19. schien die Sonne maximal täglich bis zu knapp 9 Stunden mit Tagesmaxima bis 9 Grad Celsius (am 14.). Nur der 18. blieb trüb und ohne Sonnenschein. Vom 20. bis 23. endete das Hochdruckwetter kurzzeitig, denn mit einer Nordwestströmung überquerte uns am 20. eine Kaltfront mit kräftigen Schneeschauern. In Tutzing wurde dabei sogar ein Gewitter beobachtet. Vom 21. bis 23. herrschte Dauerfrost, wobei es am Wochenende 22. und 23. fast durchgehend schneite. Das Berchtesgadener Land sowie die Ostalpen bekamen dabei besonders viel Schnee ab. Die kalte skandinavische Kaltluft an der Ostflanke des Hochs über England stieß weit nach Süden vor, über Polen bis Griechenland. Athen wurde mit viel Schnee versorgt. Die Luft, welche Deutschland erreichte, wurde jedoch zuvor in den untersten Luftschichten über dem Atlantik erwärmt, weshalb es bei uns recht mild blieb. Ab dem 24. – unter Hochdruckeinfluss- konnte der Hohe Peißenberg seine privilegierte Lage nicht nur in Bayern, sondern sogar in fast ganz Deutschland ausspielen. Wie so oft schon in diesem Winter herrschte landesweit trübes und nasskaltes Wetter, während es fast punktuell vom 24. bis 27. auf dem Hohen Peißenberg wolkenlos war. Die Temperaturen stiegen tagsüber bis 8 Grad Celsius an, nachts stellten sich leichte Fröste ein. Allerdings schmolz die Schneedecke kaum… ….Schnee schmilzt generell bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt und in feuchter Luft relativ schnell. Eine zusätzliche Beschleunigung setzt ein, wenn noch Regen und Wind dazu kommen. Entscheidend für die Schneeschmelze ist aber nicht nur die Temperatur. In extrem trockener Luft (oftmals 30% Luftfeuchte und weniger)sublimiert der Schnee, d.h. er geht vom festen in den gasförmigen Zustand über, ohne sich zu verflüssigen, d.h. Eis wird zu Dampf, wobei in diesem Fall die Abtaurate des Schnees sehr gering ist. Im Januar war die Schneedecke sehr kompakt und nahezu begehbar, auch Regen fiel in den Schnee, welcher nachts an der Schneeoberfläche anfror. So wurde die Schneedecke beinahe konserviert….. Ab dem 28. stellte sich eine zunehmend zyklonale, d.h. durch Tiefdruckeinfluss geprägte Nordwestströmung ein. Über den Britischen Inseln lag ein Hoch bei gleichzeitig tiefem Luftdruck über Skandinavien. Die herangeführten Niederschlagsgebiete wurden an den Alpen gestaut und erhöhten dort die Schneehöhen. Auf dem Hohen Peißenberg fielen so am 31. 13 Liter pro Quadratmeter Niederschlag als Schnee – die höchste Tagessumme des Monats. Mehrere Orkantiefs tangierten Deutschland bis zum Monatsende. Im Norden Deutschlands wehte der Sturm bis zu 127 km/h stark, auch für die Mitte reichte es noch für 100 km/h. Entsprechend kam es auch zu erheblichen Sturmschäden. Auf dem Hohen Peißenberg wurde am 31. eine Windspitze von 31 m/s bzw. 112 km/h gemessen (Windstärke 11 der Beaufort-Skala).

Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von 0,5 Grad Celsius um 2,1 grd. zu warm aus (verwendetes langjähriges Mittel von 1961 – 1990). Eine ähnlich hohe Temperaturabweichung gab es auch im Dezember. Der wärmste Tag war der 2. mit einem Maximum von 14,9 Grad Celsius. Am kältesten war es am 12. Das Minimum betrug -7,7 Grad Celsius. Frosttage gab es 25. An 9 Tagen herrschte Dauerfrost (Eistage). Deutschlandweit war der Januar um 3,1 grd. (Vergleich 1961 -1990) zu warm. Wärmster Ort war Rheinfelden in Baden Württemberg mit 18,2 Grad Celsius am 4. Die tiefste Januartemperatur wurde am 12. mit -17,3 Grad Celsius in Oberstdorf gemessen. Niederschläge fielen 55 Liter pro Quadratmeter, d.h. 90% der langjährig zu erwartenden Summe. Messbare Niederschläge fielen insgesamt an 16 Tagen Die Sonne auf dem Hohen Peißenberg schien 121 Stunden (131%) und lag damit weit über dem langjährigen Mittelwert. An 8 Januartagen schien sie maximal aus einem nahezu wolkenlosen Himmel jeweils 8,6 bis 9,1 Stunden entsprechend den astronomischen Möglichkeiten (Tageslänge).An 5 Tagen schien sie nicht. Nur die südlichen Mittelgebirge und die Alpen wurden mit über 100 Sonnenscheinstunden verwöhnt, meist bedingt durch Inversionswetterlagen. Deutschlandwert entsprach die Sonnenscheindauer nur den Normalwerten. Fast unvorstellbar für Berglandbewohner ist die Tatsache, dass es auch Regionen mit weniger als 20 Stunden Sonnenschein in Deutschland gab (Landesmitte). Eine Schneedecke lag an 27 Tagen, seit dem 5. ununterbrochen. Die maximale Höhe betrug am 28. 16cm. Die höchste Windspitze wurde am 31. mit 31 m/s bzw. 112 km/h gemessen (Windstärke 11 der Beaufort-Skala).

Weiße Winter – Schnee von gestern ?

Eine Auswertung der Anzahl der Tage auf dem Hohen Peißenberg, an denen eine Schneedecke lag, brachte folgende Ergebnisse: Im 50-jährigen Zeitraum von 1901 – 1950 lag im Durchschnitt an 105 Tagen im Jahr eine Schneedecke (50-jähriges Mittel). Im nachfolgenden 50-Jahres-Zeitraum 1951 – 2000 war das an 121 Tagen der Fall, d.h. eine Zunahme. Von 2001 bis 2020 lag durchschnittlich an 101 Tagen eine Schneedecke. Betrachtet man jedoch 10 jährige Zeitintervalle, gab es lediglich in den letzten 10 Jahren einen leichten Rückgang. Schneehöhen über 50cm wurden von 1901 – 1950 etwa 4 bis 5 mal pro Jahrzehnt gemessen. Von 1951 – 2000 war das sogar 5 bis 6 mal pro Jahrzehnt der Fall. Das gleiche, also 5 bis 6 mal pro Jahrzehnt, galt auch für den Zeitraum von 2001 bis 2020. Die Schneeverhältnisse auf dem Hohen Peißenberg haben also im Verlauf der 120-jährigen Messreihe bisher kaum Veränderungen erfahren.

Sonnenscheindauer – Trend der Jahreszeiten ?

Beim Vergleich der 30-jährigen Mittelwerte der Sonnenscheindauer (1981 – 2010) mit denen der letzten Dekade (2011 – 2020) haben sich folgende Veränderungen ergeben: In den Monaten März und April erhöhten sich die Sonnenscheinstunden markant. Im März schien die Sonne durchschnittlich 29 Std. länger, im April 24 Stunden. Nicht zufällig waren von 2011 – 2020 auch 8 Aprilmonate deutlich zu trocken. Bei gleichzeitig ebenfalls markant gestiegenen Temperaturmittelwerten wurden die Böden immer trockener. Würde dahinter ein Trend stecken, was wegen der relativ kurzen Vergleichsperiode noch nicht aussagekräftig genug sein kann, bekäme die Landwirtschaft ein Problem. Eine gewisse Entwarnung kommt vom GERICS-Climate Service Center, einer Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon (Schleswig-Holstein), welches für unseren Landkreis Weilheim-Schongau für die nächsten Jahrzehnte keine wesentlichen Änderungen der Jahresniederschlagssummen vorausberechnete – allerdings eben Jahresdurchschnitte und nicht für die einzelnen Jahreszeiten. Diesem primären Maximum der Frühjahrsmonate stehen sekundäre gegenüber – nämlich die der Monate Juni, August, September, November und Dezember, wo die Sonne etwa 13 Stunden mehr schien, was jedoch für die Landwirtschaft, die Sommermonate ausgenommen, weniger bedeutsam ist. Am wichtigsten sind die Wachstumsmonate des Frühjahrs. Im Januar schien die Sonne im Vergleichszeitraum dagegen 21 Stunden weniger, was dem zunehmenden Tiefdruckeinflüssen des Atlantiks geschuldet sein dürfte.

Aktuelle Klimanachrichten

Die letzten 7 Jahre waren lt. Klimawandeldienst der EU weltweit die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. 2021 gehörte wie 2015 und 2018 unter diesen heißesten Jahren zu den weniger heißen. Rekordhalter war 2016, In Europa wurde 2021 der wärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn registriert – knapp vor dem Sommer von 2010 und 2018. In Sizilien wurde 2021 eine Rekordtemperatur von 48,8 Grad Celsius gemessen. 2021 gab es ungewöhnlich lange Dürrephasen in Südeuropa und Nordamerika. Große Flächenbrände brachen in Sibirien und Nordamerika aus. Zu extremen Regenfällen kam es in Westeuropa sowie China.

Unwetter verursachen extreme Schäden

Lt. EU-Umweltagentur verursachten extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Stürme zwischen 1980 und 2020 in den 27 EU-Ländern (inkl. Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein und Türkei) Schäden in Höhe von 450 – 520 Milliarden (!) Euro. Die höchsten Schäden davon gab es in Deutschland (110 Milliarden), gefolgt von Frankreich und Italien. Die Zahl der Todesfälle durch Wetterextreme lag in diesem Zeitraum bei 85000 – 145000 (davon mehr als 85% durch Hitzewellen, vor allem 2003).

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2021
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