Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2021

Januar

Der Januar begann, ganz der Jahreszeit entsprechend, winterlich. Zwischen einem Hochdruckgebiet über Nordeuropa und einem Mittelmeertief erreichte uns mit östlicher Luftströmung kühle Luft. Der atlantische Einfluss war durch die Luftdruckverteilung ausgeschlossen, jedoch die sehr kalte Festlandsluft erreichte Deutschland nicht, es fehlte die Dynamik in der Wetterlage. Dennoch stellte sich ab dem 2. Dauerfrost auf dem Hohen Peißenberg ein und zur Dekadenmitte kam es von Südosten her zu leichten Schneefällen. Viel turbulenter ging es dagegen zur gleichen Zeit in Spanien zu. Dort kam es zu den stärksten Schneefällen seit 50 Jahren. Vom Europäischen Nordmeer drang Kaltluft mit einer Nord/Nordost-Strömung nach Südwesten vor und über Spanien entstand ein kräftiges Tiefdruckgebiet. So kam es zu dem seltenen Phänomen von Starkschneefällen über Madrid(Höhenlage 670m über dem Meeresspiegel) und den östlichen Teilen Spaniens. Über Schnee sanken die Temperaturen dort bis unter -20 Grad Celsius ab. Auf der Ostseite dieses kräftigen spanischen Tiefs wurde mit einer Südwestströmung aus Afrika warme Luft über das Mittelmeer bis Griechenland transportiert. Dort stiegen die Temperaturen auf sommerliche Werte von 25 bis 27 Grad Celsius an!
Die 2. Dekade zeigte sich sehr winterlich, denn ab dem 14. gelangte, erstmals in diesem Winter, Kaltluft aus Skandinavien nach ganz Deutschland. Verbreitet sanken die Temperaturen im gesamten Land in den Frostbereich. Im Osten Deutschlands sorgte eine Kaltfront von Norden her sogar verbreitet für Wintergewitter. Bis zum 18. war das Land großflächig mit einer Schneedecke überzogen. Hier in Süddeutschland sorgte ab dem 13. eine stationäre Luftmassengrenze für Dauerschneefälle, da wir auf deren kalter Seite lagen. Die Schneehöhe, welche auf dem Hohen Peißenberg bisher nur um die 10 cm hoch lag, erhöhte sich am 14. dadurch auf 34 cm (zwischen Werdenfelser Land und Allgäu wuchs sie auf 40 – 75 cm, in Balderschwang auf 120 cm). Durch nordwestliche Anströmung und Alpenstau kam es vom 16. – 18. erneut zu länger anhaltenden Schneefällen. Unsere Schneehöhe erreichte einen neuen Höhepunkt (zugleich maximale Schneehöhe dieses Monats) von 51 cm. Die sehr kalte arktische Polarluft war jetzt von Nordosten bis zur Oder vorangekommen. In Polen lagen die Tagesmaxima am 18. nur zwischen -10 und -14 Grad Celsius. Östlich und nordöstlich von Deutschland war ein größeres Kaltluftreservoir vorhanden, ein längerer Winterabschnitt hätte nun bei uns beginnen können – jedoch kam es anders. Eine sehr milde Südwestströmung hielt dagegen, war stärker und setzte sich durch. Mit der Winddrehung auf Süd/Südwest begann am 19. auf dem Hohen Peißenberg ein sehr kräftiger Föhnsturm mit Windspitzen bis 25 m/s, entsprechend Windstärke 10 der Beaufort-Skala. Damit endete nun auch eine 17-tägige Dauerfrostperiode. Letztmalig so lange durchgehenden Dauerfrost gab es im Februar 2012. Es folgten 3 Tage mit Föhn. Am 20. kletterte das Quecksilber auf 10 Grad Celsius, die Sonne schien 8 Stunden bei sehr trockener Luft mit Luftfeuchten nur um 17 %. Der vorübergehende Übergang vom Winter in den Frühling hatte sich vollzogen. In den westlichen Landesteilen sanken die Nachttemperaturen am 21. noch nicht mal unter 10 Grad Celsius. Nach einer Kaltfront am 22. sanken die Temperaturen vom 24. – 27. erneut in den Dauerfrostbereich. Der 24. war ein sehr sonniger Tag (8,3 Stunden Sonnenschein), jedoch herrschte durch den starken Wind sehr heftiges Schneetreiben. Der Schnee wurde meterhoch aufgewirbelt, Schneewehen bildeten sich. Unsere Schneehöhe war bis zum 25.auf 26 cm getaut. Nachfolgender Dauerschneefall ließ sie jedoch bis zum 26. wieder auf 35 cm anwachsen. Ab dem 28. stiegen die Temperaturen bis zum Monatsende wieder über den Gefrierpunkt. Sehr milde Luft mit Dauerregen in Verbindung mit der Schneeschmelze führte zu Hochwasser an vielen Bächen und Flüssen. Auch der Rhein war betroffen. Zum Monatsende hatte sich über Deutschland eine Luftmassengrenze gelegt bzw. Grenzwetterlage ausgebildet. Aus Südwesten strömte sehr milde Luft subtropischen Ursprungs aus Richtung Spanien nach Süddeutschland (nach dem Schnee dort wurden nun nahe Valencia 29,7 Grad Celsius gemessen). In Norddeutschland dagegen nistete sich der Winter ein. Während die Frühtemperaturen am 31. in Süddeutschland etwas über dem Nullpunkt lagen, waren sie entlang der Elbe und im Nordosten verbreitet auf -10 bis -15 Grad Celsius abgesunken. Selbst Hamburg, Helgoland und Norderney waren mit einer Schneedecke bedeckt- gleichzeitig war sie auf dem Hohen Peißenberg gerade abgetaut. Der Januar verabschiedete sich am Monatsletzten mit Dauernebel und Sprühregen. Auch im Februar wird sich der Winter über Norddeutschland – wo er sich zunächst etabliert – einen spannenden Kampf mit der Frühlingsluft über dem Süden liefern.
Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von -2,3 Grad Celsius um 0,7 grd. zu kalt aus. Dauerfrost (Eistage) herrschte an 21 Tagen. An 26 Tagen trat insgesamt Frost auf. Der wärmste Tag war der 21. mit 11,3 Grad Celsius. Am kältesten war es am 11. mit -11,9 Grad Celsius. Der Januar war ein echter Wintermonat. Das ist schon erwähnenswert, denn während der letzten 20 Jahre waren 13 Januarmonate zu warm. Das Winterfeeling beweist auch die Schneedecke, welche wir von Weihnachten her mit ins neue Jahr nehmen konnten. Erst am 30. war diese – bis auf kümmerliche Reste – abgetaut. Bayern war im Januar kältestes Bundesland. Die deutschlandweit kälteste Temperatur wurde mit -19,5 Grad Celsius in Oberstdorf am 11. gemessen. Dagegen am wärmsten war es in Emmendingen-Mundingen (nördlich von Freiburg) mit 15,6 Grad Celsius am 22. Niederschläge fielen 112 Liter pro Quadratmeter, d.h. fast das doppelte der langjährig zu erwartenden Menge (183%). Nur an 4 Tagen war es ganztägig trocken. Aber auch deutschlandweit fielen etwa 20 % mehr Niederschläge als üblich. Allerdings bildete das Schwarzwaldgebiet eine Ausnahme, denn dort fielen über 300 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Wegen der unbeständigen Witterung konnte die Sonne nirgends ihr Soll erreichen. Im landesweiten Durchschnitt schien sie nur 30 Stunden, bayernweit 40 Stunden und dank zeitweiligen Föhneinflusses auf dem Hohen Peißenberg immerhin sogar 77 Stunden (84%). Aber trotzdem schien die Sonne hier an 14 Tagen nicht. Der Wind wehte an 8 Tagen in Böen sehr stürmisch, am 12. orkanartig mit der höchsten Windspitze des Monats von 29 m/s bzw. 104 km/h, entsprechend der Windstärke 11 der Beaufort-Skala.

Wann wird der Winter am kältesten?

Die kälteste Luftmasse, welche uns erreichen kann, wird volkstümlich als Nordsibirische Kaltluft bezeichnet, von manchen Medien zur „Russlandpeitsche“ gehypt. In Fachkreisen nennen wir sie korrekt „kontinentale arktische Polarluft“. Sie gelangt aus den Gebieten Nordwestsibiriens sowie Nowaja Semlja zu uns und überströmt zuvor schneebedeckte Landflächen sowie meistens eisbedecktes Meer. Im Winter kann sie daher auf ihrem Weg nach Mitteleuropa nicht erwärmt werden. Besonders nachhaltig verursachte sie die drei strengen Winter 1940 – 1942. Vor allem war sie aber auch für den extrem kalten Februar 1956 verantwortlich – einen der kältesten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (so kalt, dass sogar der Rhein zugefroren war). Die arktische Kaltluft strömte aus Nordosten zwischen einem Skandinavienhoch und einem Tief über Südeuropa zu uns. Dieser Februar fiel mit einer Monatsmitteltemperatur von -12,4 Grad Celsius um 11,3 grd. zu kalt auf dem Hohen Peißenberg aus. Der kälteste Tag war dabei der 10. Februar. Das Maximum „kletterte“ nur auf -23,4 Grad Celsius; nachts sank es auf -28,3 Grad Celsius (in Wasserburg/Inn auf -35,1 Grad Celsius). Diese Luftmasse ist zwar in Mitteleuropa ein seltener „Gast“ geworden, auszuschließen ist ihr Besuch auch in Zeiten des Klimawandels jedoch nicht. In diesem Winter kam sie uns schon ziemlich nah, d.h. bis Polen heran. Auch auf der Modellagenda war ihr Erscheinen im Januar bereits einige Male bei uns vorgesehen, jedoch die Stärke und Übermacht atlantischer Tiefdruckgebiete verhinderten es bisher.

Aktuell – Globaler Klima-Risiko-Index

Die Umweltorganisation „Germanwatch“ veröffentlichte am 25. Januar ihren Globalen Klima-Risiko-Index. Dieser zeigt, wie stark die einzelnen Länder von Wetterextremen betroffen sind. Es geht dabei um die Auswirkungen auf die Menschen einerseits, aber auch um ökonomische Verluste. Grundlage für die Datenbasis bildet u.a. die Datenbank der renommierten Münchner Rückversicherung. Deutschland belegt dabei im Langfristvergleich der Jahre 2000 – 2019 den 18. Platz, also liegt ziemlich weit vorn. Österreich und die Schweiz belegen die Plätze 43 bzw. 45. Zu erinnern ist dabei an das Hitzejahr 2003 (3500 Menschen starben in Dtl. den Hitzetod durch Lungenversagen), den Orkan Kyrill 2007, weitere Hitzewellen und bundesweite Trockenheit 2018 und Folgejahre, sowie die „Jahrhundert“-Überflutungen an Elbe und Donau. Die zehn am meisten betroffenen Länder sind Puerto Rico, Myanmar, Haiti, Philippinen, Mosambik, Bahamas, Bangladesch, Pakistan, Thailand und Nepal. In diesem Zeitraum starben insgesamt 475000 Menschen an über 11000 Extremwetterereignissen. Als Hauptursache gelten Stürme, Überschwemmungen und Erdrutsche. Besonders tropische Wirbelstürme wurden zahlreicher; sie stiegen parallel mit der Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur markant an. Es sind überwiegend Entwicklungsländer stärker betroffen als Industrieländer, weshalb dort auch die existenziellen Bedrohungen durch Extremwetter wahrscheinlicher sind. Sie sind viel verwundbarer. Noch dazu ist ihr Beitrag zum Klimawandel im Gegensatz zu den großen Industrienationen zu vernachlässigen. Aber auch Deutschland ist nicht unverwundbar, stellt doch höchstwahrscheinlich zunehmende Trockenheit hierzulande ein großes Problem für die Zukunft dar.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


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