Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2021

August

Der letzte Sommermonat dieses Jahres begann sehr unfreundlich, denn am 1. August wurden auf dem Hohen Peißenberg nur maximal 13,7 Grad Celsius gemessen und das bei Dauerregen und ohne Sonnenschein. Eine Kaltfront lag direkt über dem Alpenvorland. Tiefdruckeinfluss über Nord- und Mitteleuropa prägte die 1. Dekade. Feuchte und kühle Atlantikluft bestimmte unser Wetter. Täglich fielen Niederschläge und nur an 3 Tagen wurden 20 Grad Celsius überschritten.
Mit Winddrehung auf Südwest sowie vorübergehendem Hochdruckeinfluss blieb es in der 2. Dekade vom 11. bis 14. völlig trocken. Vom 11. bis 15. stiegen die Temperaturen über 25 Grad Celsius. Es sollten die einzigen Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius) in diesem Monat bleiben. Die Sonne schien bis zu 14 Stunden täglich. Ein richtiges Sommerhoch konnte sich allerdings nicht ausbilden. Zur Dekadenmitte änderte sich die Wetterlage erneut wieder. Nun war es ein Tief über Skandinavien, welches mit einer Nordwestströmung erneut kältere Luft zu uns führte. Das Auffrischen des Windes bewirkte schon einen sehr herbstlichen Eindruck, vor allem für deutsche Küstenurlauber an Nord- und Ostsee, welche nahe am Tief ihren Urlaub verbrachten. Dort wurden Windböen von 70 bis 95 km/h gemessen. Der Wetterwechsel am 16. war auf dem Hohen Peißenberg mit Gewitter und Hagel verbunden. Ein Zwischenhoch ließ die Temperaturen zum Dekadenwechsel über 20 Grad Celsius ansteigen. Dieses Zwischenhoch war ein Ableger des Azorenhochs. Seine Verweildauer betrug jedoch nur 2 Tage. Das war eigentlich recht ungewöhnlich, da sich in Siebenschläferjahren gerade ab Mitte August sehr oft eine längere Hochdruckperiode durchsetzt. Nicht ohne Grund finden größere Volksfeste in Bayern gerade zu dieser Zeit statt.
Anfangs der 3. Dekade etablierte sich ein Hoch nördlich von uns und erstreckte sich von England bis Nordskandinavien. Gleichzeitig entstand ein Tief an seiner Ostflanke. Dieses verharrte bis Monatsende an Ort und Stelle und führte von Norden und Nordosten subpolare Meeresluft zu uns. Das war keine gute Ausgangsposition für sommerliches Wetter. So konnten zahlreiche Kaltfronten Deutschland von Nord nach Süd überqueren. Ab dem 23. sanken die Tagesmaxima erneut wieder unter 20 Grad Celsius, feuchte und labile, d.h. zu Schauern und Gewittern neigende Kaltluft flutete unser Land. An den Alpen stauten sich die Niederschläge oftmals, der Hohe Peißenberg hüllte sich nahezu täglich in Nebel – der Sommer hatte sich schon vorzeitig verabschiedet. Niederschlagsverstärkende Prozesse durch das Aufeinandertreffen wärmerer Luft von Osteuropa auf die Kaltluft führten vom 28. bis 30. zu einer Verstärkung der Niederschläge. Am 30. fielen auf dem Hohen Peißenberg 33 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, im südlichen Alpenvorland noch mehr. Es kam zu zeitweiligen Überflutungen. Die 3. Augustdekade war außergewöhnlich kühl mit nur 11,6 Grad Celsius Durchschnittstemperatur! Ab dem 23. erreichten die Tagesmaxima keine 20 Grad Celsius mehr, vom 26. bis 31. lagen sie sogar nur noch zwischen 14 und 10 Grad Celsius.

Insgesamt entsprach die Monatsmitteltemperatur auf dem Hohen Peißenberg mit 14,5 Grad Celsius den langjährigen Durchschnittswerten. Auch deutschlandweit war das so. So kalt, bzw. so normal temperiert, war es zuletzt 2014. Es gab 5 Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius), allerdings auch 19 Tage, an denen das Maximum unter 20 Grad Celsius verharrte. Der wärmste Tag war der 14. mit genau 28 Grad Celsius. Am kältesten war es mit 7,0 Grad Celsius am 28.
Es fielen 195 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 120 % der langjährig zu erwartenden Summe. Nur an 7 Tagen blieb es völlig trocken. Am 10. und 16. wurde Hagel beobachtet. Deutschlandweit fielen 30 % mehr Niederschläge. Entsprechend dem Witterungsverlauf hatte die Sonne auch das Nachsehen und schaffte nur 162 Stunden zu scheinen (77 %). Die höchste Windspitze betrug am 5. 19 m/s bzw. 68 km/h.

Sommerrückblick

Der diesjährige Sommer verlief ganz anders als seine Vorgänger. Von der ganz großen Hitze, verbunden mit maximalen Sonnenschein, mussten wir uns verabschieden. Wir erlebten einen Rückfall in den typischen mitteleuropäischen Sommer, welcher sich ja durch wechselhaftes Wetter auszeichnet. Es zeigte sich dennoch zunehmendes Extremwetter, in Bezug auf örtliche Niederschlagsmengen (über 180 Hochwassertote in Dtl. im Juli), der Zunahme von markanten Hagelereignissen (auch Großhagel) und dem Auftreten von Tornados (16. August bei Emden F2-Tornado mit sehr großen Verwüstungen, u.a.).
Der subjektive Sommereindruck wurde eigentlich bereits im Mai dadurch geschmälert, dass dieser um 1,4 grd. zu kalt ausfiel und seinem Ruf als „Wonnemonat“ nicht gerecht wurde. Der Juni – als erster Sommermonat – fiel zwar um 4,2 grd. zu warm aus, hatte jedoch 13 Gewittertage und 4 Hageltage zu verbuchen. Besonders um den Hohen Peißenberg herum sowie generell in großen Teilen Bayerns fiel sehr starker Hagel, welcher zahlreiche Autodächer demolierte. Sturmböen knickten Bäume um. Allerdings fiel der Sommer wohl nur auf die 2Junidekade, denn diese blieb ausnahmslos trocken mit Temperaturen durchweg über 20 Grad Celsius sowie sehr viel Sonnenschein. Es war immerhin der achtwärmste Juni seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Der Juli war sehr unbeständig und nur mäßig warm bis warm. Es regnete nur an 7 Tagen nicht. Er war 0,7 grd. zu warm. Global war der Juli lt. US-Klimabehörde NOAA der wärmste Juli seit 1880. Die Durchschnittstemperatur lag um fast 1 grd. über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts. Der Juli brachte den Anrainerstaaten des Mittelmeers, Süditalien, Griechenland und der Türkei Temperaturen von 40 bis 45 Grad Celsius. Tagelang loderten großflächige Waldbrände in diesen Regionen. Juli und August waren beide niederschlagsreich. Im August gab es nur vom 11. bis 14. einen trockenen und sommerlich-warmen Abschnitt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Juni und Juli zu warm waren, der August temperaturnormal. Einen heißen Tag (Maxima über 30 Grad Celsius) gab es dieses Jahr auf dem Hohen Peißenberg nicht.
Niederschläge fielen 596 Liter pro Quadratmeter, d.h. der Sommer war um 27 % zu nass. Das war deutschlandweit ebenso, mit allerdings regional sehr großen Unterschieden.
Die Sommersonne schien 631 Stunden und entsprach so den Normalwerten. Dem sonnenscheinreichen Juni standen die etwas „unterbelichteten“ Monate Juli und August gegenüber.

IPCC – Bericht – Ergebnisse des Weltklimarates (Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen)

Klimaforscher aus aller Welt werten im 6-Jahres-Abstand die wissenschaftlichen Studien zum Klimawandel aus. Man kann es als Inventur bezeichnen. Diese fiel, kurz zusammengefasst, so aus:
Die Erde soll sich nun um 10 Jahre früher um 1,5 grd. erwärmen- verglichen mit dem vorindustriellen Zeitalter, d.h. also bereits etwa im Jahr 2030. Im Detail ergeben sich daraus für große Teile der Menschheit weitreichende Folgen. Unumkehrbar geworden sind die Gletscherschmelze weltweit und somit auch der Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 auf über einen Meter. Das würde vielen Völkern die Lebensgrundlagen entziehen. Weiterhin gäbe es in den Regionen mit Klimaerwärmung viel mehr Starkregenereignisse mit steigender Intensität. Der menschliche Einfluss hätte die Atmosphäre, Landflächen und Ozeane so aufgeheizt wie seit mindestens 2000 Jahren nicht mehr. Folgerichtig „war die Konzentration von Kohlendioxid 2019 in der Atmosphäre höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit mindestens zwei Millionen Jahren“. In dem Bericht wird der Mittelmeerraum als „Hotspot des Klimawandels“ bezeichnet – eine sehr düstere Prognose für die 500 Millionen Anrainer, welche mit verheerenden Hitzewellen, Dürren und Bränden rechnen müssen. Der dadurch zunehmende Wassermangel und weiter steigende Temperaturen auf weit über 40 Grad Celsius stellen eine tödliche Gefahr dar. Auch der Golfstrom hätte an Stabilität verloren. Er führt warmes Oberflächenwasser aus den Tropen Richtung Norden und mit einer Gegenströmung kaltes Tiefenwasser Richtung Süden. Seine Strömung ist so schwach wie nie zuvor in den vergangenen 1000 Jahren. Auf West- und Mitteleuropa hat er bekanntlich besonders in den Wintern einen mildernden Einfluss. Sein Zusammenbruch würde unser Klima entscheidend verändern. Ein Weiter so wie bisher könne es nicht geben. Die verwüsteten Landstriche über Teilen von Rheinland-Pfalz und NRW sind eine Warnung, denn mit solchen Jahrhunderthochwassern ist künftig öfter zu rechnen. Sie führen zu menschlichen Tragödien, vernichten Arbeitsplätze und führen zu extrem hohen Kosten. Dem kann man nur mit Klimaschutzmaßnahmen (vor allem CO2-Reduzierung) wirksam entgegentreten, angefangen in der kleinsten Gemeinde, besser Jeder bei sich selbst – das allerdings weltweit – und darin besteht die Schwierigkeit.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)



Juli

Das Schicksal dieses Sommers wurde Ende Juni und Anfang Juli bestimmt. Das Azorenhoch hatte sich weit nach Westen zurückgezogen, der Siebenschläfersommer begann. Ein stabiles Sommerhoch über Deutschland sollte sich nicht einstellen.
Zum Monatsbeginn lagen Hochdruckgebiete über Grönland und Nordeuropa, welche sich bis Nordwestrussland erstreckten, d.h. die Tiefs vom Atlantik mussten westlich und südlich über Deutschland vorbeiziehen. Die ersten Starkniederschläge des Monats fielen auf dem Hohen Peißenberg am 6. und zwar 24 stdg. 39 Liter pro Quadratmeter, d.h. 25% der langjährigen Monatssumme. Vom 8. bis 10. zog ein Tief sehr langsam von Österreich nach Norden und verursachte starke Regenfälle. Am 8. Juli fielen auf dem Hohen Peißenberg in Begleitung von mehrfachen Gewittern und starken Schauern 34 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Über weiten Teilen Deutschlands gab es auch Tagessummen bis zu 100 Litern pro Quadratmeter. So kam es in Franken zu ersten Hochwassern. Ganze Ortschaften wurden überflutet und von der Außenwelt abgeschnitten. Am schlimmsten erwischte es Neustadt/Aisch und Bad Windsheim , wo der Katastrophenfall ausgerufen wurde. Während der 1. Dekade gab es nur einen trockenen Tag auf dem Hohen Peißenberg. Es fielen 116 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und somit bereits 72% der langjährig zu erwartenden Regenmenge.
Während der 2. Dekade war Deutschland oft zweigeteilt in einen Westen und Süden mit Starkniederschlägen und einen trockeneren und wärmeren Osten. Es änderte sich nichts am unbeständigen Wetter, nur blieben 3 Tage trocken. Sehr viel schlimmer erwischte es die Menschen in Teilen von Rheinland-Pfalz und NRW mit einer Unwetterkatastrophe historischen Ausmaßes, welche über 180 Menschen das Leben kostete. Es kam zu großflächigen Überschwemmungen, Sturzfluten und Häusereinstürzen. Die Folgen sind bis heute noch nicht abschätzbar. Aber auch Belgien, die Niederlande und die Alpenländer waren von Dauerregen und Hagelschlägen schwer getroffen. In Deutschland gilt dieses Ereignis, gemessen an der Zahl der Todesopfer, als schwerste Naturkatastrophe seit der Sturmflut 1962. In diesen Gebieten Deutschlands gab es Tagesniederschlagssummen von bis zu 170 Litern pro Quadratmeter. Das Problem war auch, dass der Niederschlag auf bereits mit Feuchtigkeit gesättigte Böden fiel sowie auf Flusseinzugsgebiete. Zum Vergleich: Auf dem Hohen Peißenberg betrug die höchste Tagesniederschlagshöhe eines Julimonats bisher „nur“ 95 Liter pro Quadratmeter im Jahre 1910. Das Hauptkatastrophengebiet erstreckte sich in einem breiten Streifen vom Sauerland über das Bergische Land und die Eifel. Wie es dazu kam, wird im Anhang erläutert.
Vom 19. bis 21. herrschte Zwischenhocheinfluss. Auch zu Beginn der 3. Dekade blieb das Azorenhoch ortsfest. Nun übernahm ein ostatlantisches Tief über Südwestfrankreich die Regie und führte heiße Luft aus dem Südwesten Europas zu uns, vor allem aber auch Unwetter über die Alpen. Es kam verbreitet in Südbayern, aber auch bis in unseren Landkreis hinein, zu Unwettern und Verwüstungen durch umgestürzte Bäume, Hochwasser und abgedeckte Dächer sowie Hagelschäden. Besonders betroffen war der Südteil des Landkreises sowie der Ort Eglfing nördlich von Murnau. Sehr beeindruckend war eine Entwicklung am 28., denn da entstand nördlich von Rosenheim eine Superzelle- als Zusammenschluss mehrerer Gewitter mit extremer Heftigkeit- die Sturmböen und Niederschläge von seltener Stärke auf beeindruckender Zugbahn bis über Wien und die Hohe Tatra in der Slowakei auslöste. Sie legte demnach 700km zurück und hinterließ eine Schneise der Verwüstung, ausgehend vom Alpenvorland im Chiemgau.
Die Tiefdruckzone über Nordeuropa bestimmte also während der 3. Dekade durchgehend unser Wetter. In den Norden und ztw. die Mitte Deutschlands gelangte dabei neben viel Regen auch für die Jahreszeit recht kühle Luft. Süddeutschland war temperaturmäßig etwas begünstigt, so dass die Sonne an 5 Tagen meistens etwas über 10 Stunden schien und der 30. sogar ein Sommertag war.

Insgesamt war der Juli in diesem Jahr ein sehr unbeständiger und nur mäßig warm bis warmer Sommermonat. Eigentlich ein typischer mitteleuropäischer Sommer, rechnet man die 3. Junidekade mit dazu – mit allerdings viel Unwetterpotential. Auf dem Hohen Peißenberg fiel der Juli mit einer Monatsmitteltemperatur von 15,7 Grad Celsius um 0,7 grd. zu warm aus. Es gab 3 Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius). Wärmster Tag war der 6. mit 26,9 Grad Celsius. An 17 Tagen wurden 20 Grad Celsius jedoch nicht überschritten. Die tiefste Temperatur wurde am 1. mit 7,9 Grad Celsius gemessen. Deutschlandweit gab es viel weniger heiße Tage als in den Vorjahren. Das deutschlandweit höchste Maximum wurde mit 32,8 Grad Celsius am 6. in Rosenheim gemessen. Auf dem Hohen Peißenberg fielen 230 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. 144% der langjährig zu erwartenden Menge. Messbarer Niederschlag fiel an 23 Tagen. Hagel wurde im Juli nur an einem Tag (25.) beobachtet. Bayernweit fiel er in Begleitung von Sturmböen öfter. Gewitter traten an 11 Tagen auf. Bayern war zweitniederschlagsreichstes Bundesland. Die Sonne erreichte ihren langjährigen Durchschnittswert von 230 Stunden nicht und schien nur 198 Stunden, d.h. 14% weniger. An 8 Tagen schien sie höchstens eine Stunde. Die höchste Windspitze des Monats betrug am 30. 25m/s bzw. 90 km/h.

Unwetterkatastrophe über Teilen von Rheinland-Pfalz und NRW
Ausgangswetterlage war ein stationäres Hoch über dem Atlantik sowie Nordosteuropa sowie ein stationäres Tief über Mitteleuropa (ortsfeste Wetterlage). Zunächst steuerte das mitteleuropäische Tief sehr feuchte und warme Luft vom Mittelmeer nach Deutschland, was schon zu Starkregen und Hagel führte. Gleichzeitig wurde aber von Westen kühlere Atlantikluft herangeführt, was niederschlagsverstärkend wirkte. Später wurde – und das ist sehr selten – die warme bzw. heiße Mittelmeerluft, welche bis zur Nordsee vorstieß, zurück nach Süden geführt, wo sie über Benelux und Westdeutschland über die kühlere Luftmasse südwärts aufstieg. Diese Effekte und ein quasi steckengebliebenes Tief über Mitteleuropa führten durch sich verstärkenden Dauerregen zu der verheerenden Flutkatastrophe über großen Teilen Westdeutschlands. Dazu muss man den hohen Wassergehalt der Luftmasse betrachten, denn je wärmer die Luftmasse, desto mehr Wasserdampf kann gespeichert werden und zwar bei einer Erwärmung um 1 grd. genau 7% mehr! Das ist der Grund, weshalb Extremniederschläge mit zunehmender Klimaerwärmung immer wahrscheinlicher werden. Doch es ist noch schlimmer, denn neben diesem thermodynamischen Effekt gibt es auch noch einen dynamischen. Der Nordpol ist im Vergleich zu unseren Breiten dreimal so stark erwärmt worden. Das hat den „Jetstream“, also das erdballumspannende Starkwindband, in etwa 8km Höhe befindlich, geschwächt. Somit verlagern sich Hochs und Tiefs von West nach Ost zumindest zeitweise, aber immer öfter, langsamer oder werden sogar längere Zeit stationär wie im Juli. In den Folgejahren können durch das geschwächte Starkwindband aber auch Hochdruckgebiete über Mitteleuropa längere Zeit liegenbleiben und Dürre bzw. Trockenheit auslösen, wie in den letzten Jahren erlebt.
Eigentlich dürfte die Verwunderung über diese Unwetterkatastrophe gar nicht so groß ausfallen. Warnungen von Klimaforschern und Wissenschaftlern über derartige Extremwetterszenarien sind 30 Jahre alt. Sie wurden jedoch von politischer Seite fahrlässig ignoriert.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Juni

Der erste Sommermonat begann zunächst sehr freundlich und mit 3 trockenen Tagen. Die Sonne schien maximal und die Temperaturen stiegen endlich mal auf über 20 Grad Celsius – eine Wohltat nach dem zu kühlen und unbeständigen Maiwetter. Ab dem 4. wurde es erneut sehr unbeständig. Das Azorenhoch lag nordwestlich von uns. Deutschland lag an der wettertechnisch ungünstigen Südostseite unter Tiefdruckeinfluss. Daher kam es am 4. und 5. sowie vom 7. bis 10. täglich zu Gewittern. Es war schwül und unbeständig. Die Luftdruckgegensätze waren sehr schwach, so dass sich die Gewitter, wo sie lokal entstanden, nur sehr langsam verlagerten. Das führte in Bayern punktuell zu extremen Starkniederschlägen mit Tagessummen um 100 Liter pro Quadratmeter. Auf dem Hohen Peißenberg gab es am 5. eine Tagessumme von 32 Litern pro Quadratmeter. Die Nachttemperaturen bekamen einen deutlichen Schub nach oben. Im gesamten Mai lagen sie an 29 Tagen weit unter 10 Grad Celsius, ab dem 7. Juni dann fast täglich wesentlich darüber. Zu Beginn der 2. Dekade lag ein Hoch über Mitteleuropa, die Luft konnte sich von Tag zu Tag erwärmen. Vom 16. bis 19. stellten sich auch auf dem Hohen Peißenberg einige Sommertage ein (Maxima über 25 Grad Celsius). Deutschlandweit überschritten die Maxima verbreitet 30 Grad Celsius (heiße Tage). Ein Tief über Westeuropa schaufelte heiße Luft direkt nach Deutschland. Daher lagen die nächtlichen Tiefsttemperaturen vom 16. bis 19. auf dem Hohen Peißenberg auch nur zwischen 18 und 19 Grad Celsius. Zeitweise erreichte uns dabei auch wieder Luft aus der Sahara. Vom 11. bis 20. fiel kein messbarer Niederschlag auf dem Berg. Deutschland war gegen Ende der 2. Dekade die wärmste Region Europas. Am 21. überquerte uns eine Kaltfront. Es folgten vom 21 bis 24. vier Unwettertage in weiten Teilen Deutschlands. Hagel fiel auf dem Hohen Peißenberg am 21., 23. und 24. – hier allerdings ziemlich moderat. An diesen 4 Gewittertagen fielen 77 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – fast die Hälfte der langjährig zu erwartenden Monatssumme. Allerdings zogen die Unwetter, welche aus südwestlicher Richtung kamen, jeweils alle ganz knapp westlich am Hohen Peißenberg vorbei – und das auf „traditioneller“ Route. Sie entstehen dabei im südlichen Lechtal, ziehen westlich an uns vorbei und schlagen danach eine Rechtskurve über dem Ammersee ein, tangieren den Starnberger See und ziehen dann oft südlich an München vorbei weiter nach Osten. Die Gewitter am 22. zogen sogar unter Verstärkung weiter bis Passau und hinterließen eine Schneise der Verwüstung durch zentimeterdicke Hagelansammlungen. Rein optisch – mehrfach während der Dekade zu beobachten – waren an den furchteinflößenden dunklen Gewitterwolken jeweils hakenförmige Spitzen nach unten am Südrand der Gewitterzellen zu erkennen (wegen der „Hakennase“ und dem Herkunftsgebiet werden solche Gewitterkomplexe in Fachkreisen hier auch als „Lechtalerin“ bezeichnet). An jenem Punkt wird Warmluft angesaugt und eine Tornadabildung wäre hier am wahrscheinlichsten. Erreicht die „Hakennase“ als „Rüssel“ die Erdoberfläche, wäre Gefahr im Verzug, d.h. der Schadenseintritt ist sehr nahe und – je nach Zugbahn – auch nicht mehr aufzuhalten. Vereinigen sich diese Gewitter zu einer „Superzelle“, sind sie sehr langlebig – die Hagelkörner werden in der Wolke mehrfach in die Höhe geschleudert und wachsen heran zu großen Brocken. Der meiste Hagel entlud sich vom 21. bis 24. über Teilen Peitings – mit Korngrößen bis 2,5cm. Dort lag der Hagel längere Zeit zentimeterhoch. Auch gab es über Peiting während dieser 4 Tage Niederschlagssummen von 118 bis fas 150 Litern pro Quadratmeter. Deutschlandweit kam es in diesem Zeitraum verbreitet zu Orkanböen, Starkregen mit Überschwemmungen sowie weißen Hagellandschaften.
Ein Tornado in Südmähren über Tschechien zerstörte 7 Dörfer total. Mindestens 5 Menschen verloren ihr Leben, über 200 wurden verletzt und Tausende standen buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz. Derartige Tornados in Verbindung mit riesigen Gewitterclustern bzw. Superzellen wären in Deutschland ebenfalls fast überall möglich.
Am 25. und 26. gab es Zwischenhocheinfluss bei etwas moderateren Temperaturen um 20 Grad Celsius. Am 28.strömte erneut heiße Mittelmeerluft zu uns. Der 28. war wieder ein Sommertag. Das Potential für kräftige Gewitter stieg erneut. Am 29. nachmittags war es wieder soweit – ein kräftiges Gewitter entlud sich über dem Ort und auf dem Berg, Hagel fiel mit einem Durchmesser bis zu 3cm und das 10 Minuten lang! Schäden an Pflanzen und Glasflächen sowie Autos waren sichtbar. Diese Wetterlage war von einem Höhentief geprägt, welches mit feuchter Luft und hohen Temperaturen von Südwesten heranzog. Diese Gewitterlinie reichte von Köln bis Salzburg. In Landshut wurde dabei die Altstadt geflutet.
Die „Schafskälte“ fiel in diesem Jahr aus, nur der „Siebenschläfer“ nicht. Diese Sommerentscheidungsphase erstreckt sich vom 25. Juni bis 10. Juli und verläuft gegenwärtig sehr wechselhaft. Das Azorenhoch hat sich weit nach Westen zurückgezogen. Von Nordwesten treffen kühle Luftmassen auf sehr heiße aus dem Mittelmeerraum. Das passiert hauptsächlich über Mitteleuropa. Siebenschläferwetterlagen enden erst, wenn sich vom Azorenhoch Ableger bilden, welche nach Mitteleuropa ausgreifen oder wenn das ganze Hoch dahin zieht. Das ist derzeit nicht zu erkennen, weshalb das unbeständige Wetter zunächst weitergeht (Schaukelwetter).
Insgesamt fiel der Juni mit einer Monatsmitteltemperatur von 16,9 Grad Celsius um 4,2 grd. zu warm aus. Es war der achtwärmste Juni seit Bestehen unserer Messreihe 1781. Deutschlandweit war es der drittwärmste. Das liegt daran, dass zur Beurteilung kontinuierliche Aufzeichnungen hier erst seit 1881 vorliegen. Der Juni war von der Mitteltemperatur her doppelt so warm als der zu kühle Mai (Mittel 8,2 Grad Celsius). Es gab 5 Sommertage (Maxima über 25 Grad Celsius). Wärmster Tag war der 18. mit 27,8 Grad Celsius. Am kältesten war es am 1. mit 8,2 Grad Celsius. Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde mit 36,6 Grad Celsius in Berlin-Tempelhof und in Baruth gemessen (zum Glück noch weit entfernt von den fast 50 Grad Celsius in Kanada).
Die Niederschlagsverteilung im Juni war sehr unterschiedlich. Auf dem Hohen Peißenberg fielen 175 Liter pro Quadratmeter Niederschlag als Regen und Hagel. Das sind 105% der langjährig zu erwartenden Menge, d.h. ziemlich normale Verhältnisse. Das war jedoch punktuell, selbst in nächster Nähe, sehr unterschiedlich. An den bayerischen Alpen fielen etwa 250 Liter pro Quadratmeter. Spitzenreiter war St. Englmar im Bayerischen Wald mit 314 Litern pro Quadratmeter. Deutschlandweit fielen durchschnittlich 15% mehr Niederschläge, was der Natur sehr gut tat. Hagel wurde auf dem Hohen Peißenberg an 4 Tagen beobachtet. An 13 Tagen traten Gewitter auf, teilweise mehrere pro Tag. Der Juni war überall sehr sonnenscheinreich. Auf dem Hohen Peißenberg schien die Sonne 272 Stunden. Die positive Abweichung lag hier bei 36%, deutschlandweit bei 25%. Nur am 6. schien die Sonne auf dem Berg nicht, dafür jedoch an 14 Tagen länger als 10 Stunden. Die höchste Windspitze trat am 29. während des Hagelunwetters auf und betrug 24 m/s bzw. 86 km/h.

Besondere Temperaturverhältnisse auf dem Hohen Peißenberg

Viel ist während der Sommermonate von immer weiter steigenden Temperaturen und neuen Hitzerekorden zu lesen. Galten vor einigen Jahrzehnten Temperaturen über 35 Grad Celsius als seltene „Ausreisser“, haben sie heutzutage bereits die 40 Grad Celsius in Deutschland um einige Zehntel überschritten. Auf dem Hohen Peißenberg mit seiner längsten Temperaturmessreihe der Welt (seit 1781) betrug die bisherige Höchsttemperatur nur 33,8 Grad Celsius. Sie wurde bereits am 29. Juli 1947 gemessen. Tage mit über 30 Grad Celsius sind hier sehr selten, in den Monaten Mai und September gab es sie überhaupt noch nicht. Warum ist das so und weshalb wird es mit der Höhe kälter? Die Antwort gibt die Physik. In der Schule lernten wir die Definition, dass die absolute Temperatur ein Maß für die mittlere kinetische Energie seiner Teilchen ist, sowie der Luftdruck mit der Höhe abnimmt. Je höher der Luftdruck ist, desto schneller bewegen sich die Teilchen, d.h. eine schnellere Bewegung der Teilchen führt zu einer höheren Lufttemperatur. Im Umkehrschluss bedeutet das, je höher wir auf einen Berg steigen, umso mehr verringert sich die Teilchenbewegung, weshalb die Temperatur mit der Höhe abnimmt. Hinzu kommt ein unterschiedliches Temperaturverhalten von Ebene und Berg, welches außerdem eine abnehmende Jahresschwankung der Lufttemperatur mit der Höhe bewirkt, d.h. die Jahresamplitude der Monatsmitteltemperaturen ist auf dem Hohen Peißenberg im Mittel um knapp 2 grd. geringer als in Weilheim oder Peiting. Auch sind die Wintermonate im Mittel in den Tallagen kälter als auf dem Hohen Peißenberg, wo ja auch noch die Föhneinflüsse temperatursteigernd wirken. An den Talstationen ist der Einfluss eines erwärmten oder abgekühlten Erdbodens (Sonneneinstrahlung) größer als auf einem freien Gipfel. Der Hohe Peißenberg als Bergstation mit seiner exponierten Lage zeichnet sich nicht durch besonders große Winterkälte aus, sondern durch relativ niedrige Sommertemperaturen.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Mai

Die Hoffnungen waren groß, dass nach dem schon zu kalten April der Mai als „Wonnemonat“ seinem Namen alle Ehre macht. Jedoch legte der letzte Frühlingsmonat, der uns in den Sommer führt, einen ausgesprochenen „Kaltstart“ hin. Er begann unbeständig, kühl und wechselhaft. Wir wurden von Sturmtiefs und ihren Warm- und Kaltfronten beeinflusst.
Bis zum 7. fielen täglich Niederschläge. Die Rückseiten der Tiefdruckgebiete verursachten auch im Mai noch „Aprilwetter“. So kam es mit stürmischen Winden verbreitet zu Regen-, Schnee- und Graupelschauern. Am 7.- zur Mittagszeit – konnte sich sogar nochmals eine Schnee- und Graupeldecke auf dem Hohen Peißenberg ausbilden. Bei wenig Sonne lagen die Maxima meist unter 10 Grad Celsius.
Vom 8. bis 11. stellte sich eine vorübergehende und kurzfristige Wetterumstellung ein. Ein umfangreiches Tief über Großbritannien führte auf seiner Vorderseite mit einer Südströmung warme Luft aus Nordafrika nach Mitteleuropa. Damit verbunden waren vom 8. bis 10. drei sehr sonnige und vor allem auch trockene Tage. Die Temperaturen machten einen enormen Sprung nach oben. Wurde am 7. noch ein Maximum von nur 6,6 Grad Celsius gemessen (Minimum am 7. 0,2 Grad Celsius), so waren es am 10. 27,7 Grad Celsius. Es war der erste Sommertag (Maxima über 25 Grad Celsius) dieses Jahres und gleichzeitig sogar noch ein Tagesrekord, denn aus unserer Wetterstatistik geht hervor, dass es seit 1781 noch keinen so warmen 10. Mai gab. Die heiße nordafrikanische Luft führte deutschlandweit zu einigen Hitzetagen (Maxima über 30 Grad Celsius). Hamburg verbuchte sogar die erste Tropennacht dieses Jahres, da dort die nächtlichen Minima über 20 Grad Celsius verblieben.
Am 11., zu Beginn der 2. Dekade, überquerte uns erneut eine Kaltfront. So stieg das Quecksilber an diesem Tag auch nur bis 7 Grad Celsius an. In der gesamten 2. Dekade fielen täglich Niederschläge, auf dem Hohen Peißenberg erneut auch wieder mit Schnee und Graupel. Daher wehte der Wind meistens sehr stürmisch mit Windspitzen der Windstärken 6 bis 9 der Beaufort-Skala. Die Tagesmaxima bewegten sich in diesem Zeitraum nur zwischen 7 und 15 Grad Celsius.
Während der 3. Dekade hatten wir es zunächst mit einer blockierenden Wetterlage zu tun, denn ein Hoch über Russland führte praktisch zum Stau der vom Atlantik kommenden Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa. Daher war auch das Pfingstwetter kühl und windig, zeitweise fiel Regen. Aber selbst südlich der Alpen, bis zur Oberen Adria, war das Wetter nicht besser. Ab dem 28. erfolgte die Luftzufuhr aus östlichen Richtungen. Zu einer Erwärmung führte das in Süddeutschland jedoch noch nicht, dafür blieb es trocken. Am 31. schien die Sonne mit 15,2 Stunden bisher am längsten. Während dieser Dekade lagen die Maxima auf dem Hohen Peißenberg auch nur zwischen 11 und 15 Grad Celsius.
Insgesamt fiel der Mai auf dem Hohen Peißenberg mit einer Mitteltemperatur von 8,2 Grad Celsius um 1,4 grd. zu kalt aus. Der Mai 2019, vor 2 Jahren, war um noch 3 Zehntel kälter gewesen. Deutschlandweit war der diesjährige Mai der kälteste seit 2010. Die Mitteltemperatur aller 31 Maximumwerte des Mai betrug nur 12,0 Grad Celsius. Für diese Werte muss man in der Statistik allerdings genau 30 Jahre zurückschauen, um einen noch kälteren Wert zu erhalten. Am wärmsten war es am 10. mit 27,7 Grad Celsius. Der deutschlandweite Maximalwert betrug in Waghäusel-Kirrlach, einer Station bei Heidelberg, 31,3 Grad Celsius. Die niedrigste Temperatur im Mai betrug auf dem Hohen Peißenberg am 2. 0,0 Grad Celsius. Dass April UND Mai wie in diesem Jahr zu kalt ausfielen, war zuletzt 1991 der Fall – vielleicht ein Grund, weshalb uns der diesjährige Mai gefühlt noch kälter vorkam. Interessant ist die Tatsache, dass die Mitteltemperatur der 3. Februardekade (Jahreszeit Winter) von 9,0 Grad Celsius erst wieder – mit exakt demselben Wert – in der 3. Maidekade erreicht wurde, d.h. alle dazwischen liegenden Dekaden waren kälter. Bayern war im Mai kältestes Bundesland. Im Mai fielen 131 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – die Summe entsprach exakt dem langjährigen Durchschnitt. Deutschlandweit war der Mai etwas zu nass, mit regional sehr unterschiedlicher Verteilung. Auf dem Hohen Peißenberg ist die Jahresniederschlagssumme bisher ausgeglichen. An 6 Tagen fiel nochmals Schnee. Messbarer Niederschlag fiel an 21 Tagen. Im Mai schien die Sonne 182 Stunden (97%), nur 6 Stunden weniger, als es das langjährige Mittel anzeigt. Deutschlandweit war der Mai dagegen sonnenscheinarm – hier verfehlte die Sonnenscheindauer ihr Soll um 16 %. Der diesjährige Mai war besonders windig. In Böen stark, d.h. mehr als 12m/s (43km/h) wehte er an 23 Tagen und stürmisch, d.h. über 18m/s (65km/h) an 7 Tagen. Die höchste Windspitze betrug am 25. 25m/s (90km/h).

Wetterrückblick Frühling

Während der März noch um 1,4 grd. zu warm ausfiel, waren der April um 0,5 grd. und der Mai um 1,4 grd. zu kalt. Die Frühlingsdurchschnittstemperatur betrug 5,3 Grad Celsius. Während der letzten 30 Jahre waren nur 4 Frühlingsjahreszeiten zu kalt. Was wir heute als zu kalt beklagen, war in den Jahren vor 1980 noch der Normalzustand. Die höchste Frühlingstemperatur betrug am 10. Mai 27,7 Grad Celsius, die niedrigste am 6. April -7,1 Grad Celsius. Es gab 31 Frosttage, alle im März und April. Ein Blick in unsere Jahrhundertstatistik verrät, dass einem zu kühlen Frühling überdurchschnittlich oft ein zumindest gemäßigter, also fast nie zu heißer Sommer folgte. Die Niederschlagsbilanz fällt auf dem Hohen Peißenberg völlig ausgeglichen aus. Deutschlandweit war es nicht so trocken wie in den Vorjahren, hier erreichte der Frühling jedoch nur 93 % seines vieljährigen Durchschnittswertes. Deutschlandweit war es allerdings auch bereits zum 8. Mal in Folge ein zu trockener Frühling, für den Hohen Peißenberg gilt das nicht. Bei uns fielen insgesamt 260 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Die Niederschläge fielen oft bis in mittlere Lagen als Schnee. Die Alpen zeigten sich noch Ende Mai vom Hohen Peißenberg aus ungewöhnlich verschneit. Die Sonne schien im Frühling 552 Stunden, etwa 8% länger als im Durchschnitt. Eine Schneedecke lag an 23 Tagen im März und April.
Der phänologische Rückstand betrug zum Ende des Frühjahrs noch immer 10 bis 15 Tage. Entsprechend später zeigten sich auf dem Hohen Peißenberg die Blüten der Rosskastanie und zuvor die Blattentfaltungen von Lärche und Rotbuche.
Der April war deutschlandweit erneut ungewöhnlich trocken. Zum Glück irrten die Wettermodelle mit ihrer Prognose für einen deutlich zu trockenen Mai. Mit Stand Ende April drohte sich deutschlandweit die Wasser-situation erneut zuzuspitzen, da einige Flusspegel wieder auf Niedrigwasserniveau gesunken waren und die Waldbrandgefahr stieg – jedoch es kam anders. Die Lage entspannte sich, wenn auch noch nicht nachhaltig genug, besonders im Norden Bayerns.

Zu kaltes Frühjahr contra Klimawandel ?

Das Frühjahr fiel in Mitteleuropa zu kalt aus. Ein einzelner zu kalter Monat oder eine zu kalte Jahreszeit lassen jedoch keinerlei Rückschlüsse auf den Klimawandel zu. Das Wetter charakterisiert den kurzfristigen und lokalen Zustand der Atmosphäre an einem Ort. Beim Klima dagegen blickt man auf den durchschnittlichen Witterungsablauf von 30 bis 50 Jahren zurück. Der Klimawandel kann nur global betrachtet werden. So war der diesjährige April weltweit der zehntwärmste April seit Beginn der Aufzeichnungen. Die weltweite Erwärmung schreitet voran – der größte Teil der Erde erwärmte sich deutlich. Innerhalb dieses Szenarios ist lokal auf der Erde eine zu kalte Jahreszeit jederzeit möglich, wenn auch seltener. Zu berücksichtigen ist auch noch, dass der Klimawandel mit fortschreitender Erderwärmung Extreme jedweder Art befördern kann sowie Wetterlagen ändert.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


April

Der diesjährige April zeigte sich so ganz anders als seine Vorgänger der letzten Jahre. Der 1. April, Gründonnerstag, war bereits der wärmste Tag dieses 2. Frühlingsmonats mit einem Maximum von 21,4 Grad Celsius und erweckte bereits einen vorsommerlichen Eindruck. Wir profitierten noch vom Hochdruckeinfluss des Vormonats März und den aus Südwesteuropa eingeflossenen sehr warmen Luftmassen. Am 1. April abends überquerte uns eine Kaltfront mit Regen von Norden her. Ostern blieb weitgehend trocken, jedoch kühl. Auf dem Hohen Peißenberg zeigten sich am 3. schon wieder erste Schneeflocken. Das waren die Vorboten einer neuerlichen Kaltfront, welche uns in den Abendstunden des Ostermontag überquerte. So sanken mit der Nordströmung die Temperaturen auf dem Hohen Peißenberg wieder in den Frostbereich und die Niederschläge gingen in Schnee über. Die weiße Überraschung offenbarte sich dann am 6. morgens, denn da lag der Schnee 14 cm hoch. Die Temperaturen waren wieder auf Talfahrt. Nach den 21,4 Grad Celsius am 1. sanken sie bis zum 6. auf -7,1 Grad Celsius ab, eine Differenz von knapp 30grd. innerhalb von 6 Tagen. Am 6. und 7. konnte das Quecksilber 0 Grad Celsius nicht übersteigen. Es waren die letzten 2 Eistage dieses Frühjahrs. Sehr kalte arktische Polarluft hatte die Alpen erneut erreicht. Der 7. April war vom typischen „Aprilwetter“ geprägt, (s. nachfolgend erklärt), zahlreiche Schnee- und Graupelschauer traten auf. Danach folgte Zwischenhocheinfluss. Von Südwesten näherte sich ein neues Tief, auf dessen Vorderseite wieder mildere Luft zu uns gelangen konnte. Daher stiegen die Temperaturen vom 9. bis 11. auch wieder deutlich über 10 Grad Celsius an. Am 12. zog das Tief direkt nach Mitteleuropa. Auf dessen Rückseite gingen die Niederschläge wiederum in Schnee über und die nächste Abkühlung folgte. Nachdem die Schneedecke am 11. wieder vollkommen abgetaut war, lag vom 12. bis 15. erneut eine – mit einem Maximum von 8cm am 13. Allerdings wurde es nicht mehr ganz so kalt – die Maxima vom 12. bis 20. lagen zwischen 1 und 9 Grad Celsius. Nachts herrschte noch durchweg Frost bis zum 18. Vom 12. bis 15. fielen erneut Schnee- und Graupelschauer, welche aber nur sehr geringe Niederschlagshöhen erbrachten. Bis zum Dekadenende drehte die Strömung von Nordost auf Ost, womit die Tagesmaxima sich wieder der 10-Grad Celsius-Grenze näherten. Mit Winddrehung auf Nordwest blieb es weiterhin wechselhaft. Am 21. und 22. wurden Gewitter beobachtet. Ab dem 23. blieb es unter Hochdruckeinfluss trocken. Die Temperaturen stiegen auf dem Hohen Peißenberg bis auf 18 Grad Celsius an und – erstmalig in diesem launischen April – schien die Sonne vom 23. bis 25. maximal 12 bis 14 Stunden lang. Damit war der Süden Deutschlands jedoch ziemlich bevorteilt, denn im Rest des Landes blieb es kühler und wechselhafter. Am 29. wurde es von Süden her bewölkter und feuchter. Zum Monatsausklang am 30. – den „Klang“ konnte man wörtlich nehmen – erreichte uns am späten Nachmittag eine sogenannte Superzelle. Diese entstand über dem Allgäu aus einem Gewitter heraus. Rein optisch konnte man aus der Perspektive von Hohenpeißenberg bereits kurzfristig erahnen, was in den kommenden Minuten passierte. Zu sehen war eine riesige dunkle Wolke mit Rotationsbewegungen im oberen Bereich mit weißen Fallstreifen (Hagel) unterhalb, sowie einer Böenwalze. Es donnerte ununterbrochen. Es fiel Hagel, auch in einigen Nachbarorten, mit 8 bis 15mm Durchmesser. Vereinzelte Körner schafften es bis auf 30 mm. Kurzfristig waren die Landschaften weiß. Die Schäden hielten sich in Grenzen, da die meisten Bäume gerade noch so ihre Blüten geschlossen hatten und auch die Blätter noch nicht voll ausgebildet waren. Die Gewitterzelle verursachte in kurzer Zeit 12 Liter pro Quadratmeter an Niederschlag sowie Sturmböen bis 21 m/s (76km/h). Sie zog weiter über Bad Tölz und Rosenheim bis zum Chiemsee. Über dem Starnberger See fielen dabei örtlich bis 30 Liter pro Quadratmeter Niederschlag innerhalb einer Stunde.

„Aprilwetter“ kurz erklärt

Im April ist die Sonneneinstrahlung schon kräftig. Dadurch können sich die Landmassen bereits stark erwärmen bzw. aufheizen. Beim Wasser ist das allerdings nicht so schnell möglich. Dadurch kommt es zu teilweise großen horizontalen Temperaturunterschieden zwischen Wasserflächen und dem Festland. Die arktische Kaltluft, welche auf ihrem Weg nach Mitteleuropa über Schnee- und Landflächen gelangt, erwärmt sich in den unteren Luftschichten über den Meeresgebieten der Nordsee etwas und nimmt gleichzeitig viel Feuchtigkeit auf. Trifft sie auf das von der Sonne bereits kräftig erwärmte Festland, ist der Temperaturunterschied mit der Höhe sehr groß. Während also die Lufttemperaturen tagsüber am Boden im einstelligen Plusbereich liegen, sind es in 5km Höhe oft um -40 Grad Celsius. Den Gesetzen der Physik ist es zu verdanken, dass die Luft in Bodennähe wärmer und somit leichter ist als die Kaltluft darüber und aufsteigt. Sie kühlt sich in der immer kälter werdenden Luft mit der Höhe ab und der in ihr enthaltene Wasserdampf kondensiert. Es bilden sich dann die bekannten „Blumenkohlwolken“, aus denen die Schauer fallen. Oft erkennt man von Bergen weiße Fallstreifen, besonders beim Rundumblick vom Hohen Peißenberg aus. Allerdings werden sie, wenn sie von Norden kommen, häufig kurz vor dem Berg geteilt, d.h. meistens ziehen sie dann links und rechts vorbei.

April im Wandel?

Man muss bis zum Jahr 2001 zurückschauen, will man den letzten zu kalten April aufspüren, denn seitdem waren alle Aprilmonate zu warm und das teilweise erheblich (über 5 grd. zu warm waren 2007, 2011, 2018 und 2020). In den Aprilmonaten der letzten 20 Jahre konnte man eine Tendenz zu beständigen Hochdruckwetterlagen erkennen. Es wurde sonniger, trockener und wärmer. Das klassische „Aprilwetter“ mit dem beständig unbeständigen Wetter, d.h. den häufigen Regen-, Schnee- und Graupelschauern schien ausgestorben zu sein. Während man im Jahresverlauf bei der monatlichen Entwicklung der Niederschläge kaum einen Trend ausmachen kann, bildet der April eine Ausnahme, denn dieser ist deutschlandweit inzwischen der trockenste Monat des Jahres geworden. Sehr trocken waren die letzten 4 Aprilmonate 2018 – 2021 in ganz Deutschland. Während der letzten 10 Jahre fiel auf dem Hohen Peißenberg in den Aprilmonaten durchschnittlich ein Drittel weniger Niederschlag. Von den letzten 12 Aprilmonaten war nur einer (2017)zu nass, davon fiel in 5 Aprilmonaten weniger als die Hälfte der normalen Menge. Deutschlandweit war seit 2009 jeder April zu trocken! Auch wurden die Aprilmonate der letzten Jahrzehnte immer sonniger. Vergleicht man die Klimareferenzperioden der Jahre von 1961 – 1990 mit denen von 1991 – 2020 stellt man folgendes fest: Deutschlandweit nahm die Sonnenscheindauer in diesen Zeiträumen um 8 % zu. Auf dem Hohen Peißenberg betrug die Zunahme sogar 14 %!

Zusammenfassung April 2021

Insgesamt fiel der April mit einer Monatsmitteltemperatur von 4,6 Grad Celsius um 0,5 grd. zu kalt aus (s. „April im Wandel“). Interessant wird es, wenn man sich die Temperaturmittelwerte der Dekaden anschaut. So war weder eine März- noch eine Aprildekade (Frühlingsmonate) so warm wie die 3. Februardekade (Wintermonat). Die Maximumtemperatur des 22. Februar von 18,6 Grad Celsius wurde bis Ende April nur 3 Mal überschritten. Vermutlich hätte diese ohne die Trübung durch Saharastaub noch einige Grade höher gelegen. Deutschlandweit am wärmsten war es mit 25,9 Grad Celsius in Müllheim, südlich von Freiburg, am 1.April (Hoher Peißenberg zum selben Datum 21,4 Grad Celsius mit Maximum). Die kälteste Apriltemperatur wurde am 6. mit -7,1 Grad Celsius gemessen. Deutschlandweit am kältesten war es am 6. mit -13,6 Grad Celsius auf der Schwäbischen Alb in Meßstetten. Frosttage (in 2m über dem Erdboden gemessen) gab es im April 13. Ab dem 18. trat kein Frosttag mehr auf. In Bayern insgesamt war es der frostreichste April seit 1938. Eine Schneedecke lag an 7 Tagen, davon am höchsten mit 14cm am 6.
Niederschläge fielen nur 57 Liter pro Quadratmeter, d.h. 61 % der langjährig zu erwartenden Summe. Die Aprilsonne schien auf dem Hohen Peißenberg exakt 200 Stunden (128 %). Normal wären nur 156 Stunden gewesen. Die maximale Windspitze betrug am 5. 25 m/s bzw. 90 km/h.

Frostschäden im April

In den letzten Jahren traten Schäden an den Pflanzen und Blüten im Frühjahr häufig auf, da die Februar- und Märzmonate teilweise erheblich um einige Grade zu warm ausfielen. In diesem Jahr waren die letzten Märztage und der Aprilbeginn dafür verantwortlich, dass die Natur frühzeitig beinahe explodierte, wurden doch in dieser Zeit vereinzelt Tagesmaxima über 20 Grad Celsius gemessen. Die letzte Märzdekade auf dem Hohen Peißenberg war mit einem Mittel von 6,3 Grade Celsius auch viel wärmer als die beiden nachfolgenden Aprildekaden. Dadurch konnten sich im sogenannten Erstfrühling die Blüten der Forsythie und der Buschwindröschen am Hohen Peißenberg etwa 14 Tage früher entfalten als im langjährigen Mittel. Die frostigen Apriltage ließen die phänologische Entwicklung jedoch stagnieren und leicht unter das Normalmaß fallen. Es herrschte an den sehr kalten Tagen mit Dauerfrost naturgemäß Vegetationsruhe. Die Entwicklung einiger Pflanzen sowie die Laubentfaltung mancher Bäume sind jedoch nicht allein vom jahreszeitlichen Temperaturverhalten abhängig, sondern richten sich nach dem Sonnenstand und der Tageslänge aus. Im April ist der Zugewinn an Tageslicht am größten. Klimawandelbedingt blühen die Obstbäume eher. Die Spätfröste im Frühjahr sind jedoch eine Singularität im jährlichen Witterungsablauf, treten also mit ziemlicher Regelmäßigkeit auf. So ist und bleibt der Obstanbau trotz der Klimaerwärmung sehr anfällig für Spätfröste. In diesem Jahr drohen im Südwesten Deutschlands bei den Obstbäumen Ernteausfälle zwischen 40 und vereinzelt sogar 100 %. Alternativ behelfen sich manche Obst- und Weinbauern damit, indem sie kleine Feuer in ihren Plantagen entfachen. Noch aufwendiger ist das Besprühen der Blüten mit Wasser. Dann frieren die Blüten ein. Der entstehende „Eispanzer“ bewahrt die Blüten vor Frostschäden durch freiwerdende Kristallisationswärme. Auch in der Schweiz – im Wallis und am Genfer See – erfroren im April 70 bis 90 % der Obstblüten. Auch ein Drittel der jährlichen Weinproduktion fiel den Spätfrösten zum Opfer.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


März

Die ersten Tage des März machten dem meteorologischen Frühlingsanfang alle Ehre. Über Mitteleuropa lag ein Hochdruckgebiet, weshalb der erste Frühlingsmonat sogar etwas zu mild begann. Die Tagesmaxima lagen vom 2. bis 4. etwas über 10 Grad Celsius. Am 1. und 2. konnte die Sonne länger als 10 Stunden scheinen. Am 4. änderte das Hoch jedoch seine Lage und zog sich mit seinem Zentrum bis Island zurück. An seiner Ostseite konnte daher nun Polarluft nach Mitteleuropa vordringen. So sanken die Tagesmaxima von 12 Grad am 4. auf nur noch 2 Grad am 5. Mit der Kaltluft fiel auch wieder Schnee, so dass sich am 6., 8. und 10 erneut eine Schneedecke auf dem Hohen Peißenberg von 2 bis 6cm Höhe ausbilden konnte. Bis zur Mitte Deutschlands drang von Norden typisches Aprilwetter mit Regen-, Schnee- und Graupelschauern vor. Auch kurze Gewitter waren dabei. Ab dem 7. wurde es wieder milder. Über den Britischen Inseln bildete sich ein umfangreicher und kräftiger Tiefdruckkomplex heraus, aus dem ein Sturmtief entstand. Mit einer Westwetterlage wehte der Wind vom 11. bis 14. auf dem Hohen Peißenberg stürmisch. Die Windspitzen erreichten Windstärken von 9 bis 10 der Beaufortskala. Täglich fiel Regen. Nach der Sturmlage drehte der Wind auf Nordwest bis Nord – das war der Auftakt für den typischen Märzwinter. Ein Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln hielt atlantische Tiefdruckgebiete auf Abstand und blockierte somit den Zustrom wärmerer Luftmassen vom Atlantik. Mit Kaltfrontpassage am 13. ging der Regen in Schnee über. Ab dem 14. bildete sich eine geschlossene Schneedecke aus. Sie wuchs bis zum 18. auf 31cm. An den Alpen gab es infolge Nordstau 50 bis 80cm Schneezuwachs. Schneetreiben und Schneefegen am 15. und 16. unterstrichen das hochwinterliche Ambiente. Am 19. von 16 bis 17 Uhr wurde in Verbindung mit einem kräftigen Schneeschauer ein Wintergewitter beobachtet. Der 21. und 22. waren Tage ohne Sonnenschein, mit Schneefall, Nebel und Dauerfrost auf dem Berg. Nach diesem 9-tägigen Intermezzo des Spätwinters bildete sich am 23. ein Hoch über Mitteleuropa. Es brachte den Frühling – der Temperaturanstieg war nicht mehr aufzuhalten. Nur am 27. überquerte uns zwischendurch eine schwache Kaltfront mit lediglich 0,2mm Niederschlag. Ab dem 24. lagen die Tagesmaxima durchweg über 10 Grad Celsius. Die letzten 4 Märztage waren die schönsten. Die Sonne schien täglich 11 bis 12 Stunden. Der wärmste Tag war der 31. mit einem Tagesmaximum von 21,3 Grad Celsius. Ein Hochdruckgebiet lag über Italien und versorgte uns mit warmen Luftmassen aus Südwesteuropa. Im Westen Deutschlands wurden dabei knapp 26 Grad Celsius erreicht.
Insgesamt fiel der März mit einer Monatsmitteltemperatur von 3,0 Grad Celsius um 1,4 grd. zu warm aus. Er war gekennzeichnet durch ein häufiges Auf und Ab der Temperaturen, d.h. winterliche Phasen wechselten mit beinahe sommerlichen. Das zeigte sich besonders bei den Tageshöchsttemperaturen. Das tiefste Tagesmaximum betrug am 20. -3,5 Grad Celsius (Eistag), das höchste, 11 Tage später am 31., 21.3 Grad Celsius. Somit war der 31. auch der wärmste Märztag. Kältester Tag war der 20. mit -6,9 Grad Celsius. Eistage gab es insgesamt 5 (Maxima unter Nullpunkt). Frost trat insgesamt an 18 Tagen auf. Bayern war neben Sachsen kältestes Bundesland. Während es deutschlandweit mal wieder zu trocken war – es fielen 25% weniger Niederschläge als im Mittel – wurden auf dem Hohen Peißenberg mit 73 Litern pro Quadratmeter 13 % mehr Niederschläge gemessen. In den Chiemgauer Alpen fielen fas 200 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Der März war überall sonnenscheinreich. Im Südwesten Deutschlands schaffte es die Sonne auf fast 200 Stunden, aber auch der Hohe Peißenberg erreichte mit 170 Sonnenstunden (124%) eine Spitzenposition. Eine Schneedecke lag an 16 Tagen, dabei durchgehend vom 14.bis 26. mit dem Maximum von 31cm am 18. Die höchste Windspitze betrug am 13. 27 m/s bzw. 97 km/h (Windstärke 10 der Beaufort-Skala).

Kurz erklärt – der „Märzwinter“

Der Märzwinter stellt einen Singularitätsfall (häufig wiederkehrend) im Witterungsverlauf eines Jahres dar, wie es die oftmals leidvollen Eisheiligen, das Weihnachtstauwetter oder der beliebte Altweibersommer sind. Den Märzwinter kann es auch noch im April geben. Er setzt eine Luftzufuhr aus Norden oder Nordosten voraus. Dort sind die Luftmassen im Frühjahr noch so kalt, weil hier die Polarnacht erst mit dem Frühlingsanfang (21.3.) endet, weshalb sich die Luftmassen dort infolge nicht vorhandener oder im April geringfügiger Sonneneinstrahlung noch nicht wesentlich erwärmen können. Natürlich ist auch der Monat März der Klimaerwärmung unterworfen. So ist das vieljährige Temperaturmittel auf dem Hohen Peißenberg im 30-jährigen Mittel zwischen 1961 und 1990 von 1,6 Grad Celsius auf 3,0 Grad Celsius zwischen 1991 und 2020 angestiegen. Die Zahl der Tage mit Schneedecken sank in den beiden 30-Jährigen Zeiträumen von 691 auf 498 (um ein Drittel). Aber auch „Ausreisser“ nach unten sind heutzutage – wetterlagenbedingt – jederzeit möglich. Tagesmaxima im März von unter -10 Grad Celsius traten in den letzten Jahrzehnten kaum mehr auf. Herausragend war – rückschauend – eine Schneehöhe vom 10.-13.März 1931 von 145cm! In den letzten 10 Jahren gab es 3 Märzmonate mit einer Schneedecke leicht über 30cm. Insofern kommt dem vergangenen März keine Sonderstellung zu. Vielmehr waren es die ungewöhnlich warmen Februartage des vergangenen Winters, welche uns mit dem Gefühl eines zu kalten Märzmonats zurückließen.

Klimajahr 2020 – aktuelle Folgen

2020 war deutschlandweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (auf dem Hohen Peißenberg sogar das wärmste seit 1781). Anfang März lagen nun aktuelle Berechnungen vor, demzufolge 2020 auch weltweit das zweitwärmste Jahr war (2016 war weltweit wärmstes).
Durch die pandemiebedingte Ausbremsung der Wirtschaft und stark eingeschränkte Mobilität wurde errechnet, dass 2020 die Kohlendioxid-Emissionen weltweit etwa um 7% sanken. Allerdings ist dieser Rückgang so gering, dass er sich in der atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentration kaum nachweisen lässt. Damit setzt sich der Anstieg weltweit in der Atmosphäre ungebremst fort und die Erreichung der Ziele, welche im Pariser Klimaabkommen 2015 vereinbart wurden, rücken in weite Ferne. Auf der UN-Klimakonferenz verpflichteten sich 195 Staaten, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2grd. gegenüber den vorindustriellen Werten bis 2100 zu begrenzen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieg die globale Jahresmitteltemperatur bereits um 1,1 grd. (in Deutschland sogar um 1,6 grd.). Klimaforscher gehen bereits jetzt von einem Anstieg bis 2100 von 3 bis 4 grd. aus, d.h. die Einhaltung der Klimaziele wird immer fraglicher. Einige Staaten sind weiter als Deutschland. Dänemark und Großbritannien etwa senkten den Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2005 und 2018 um immerhin ein Drittel. Viele Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar. So gab es beispielsweise in Mitteleuropa seit 1766 keine so ausgeprägte Sommerdürre wie in den Jahren 2018/19 – 50% des Ackerlandes waren betroffen. Insbesondere Deutschland bekam das zu spüren. Auf Rhein und Elbe konnten die Binnenschiffe kaum oder überhaupt nicht fahren. Wegen diesen Verkehrseinschränkungen entstand ein wirtschaftlicher Schaden von hunderten Millionen Euro (Raffinerien und Chemiewerke mussten ihre Produktion reduzieren, Kohle und Atomkraftwerke mangels Kühlwasser ihre Leistung drosseln). Bis heute leiden die Wälder an den Folgen dieser Dürre. Weitere Gefahren sind längst Realität, verschärfen sich weiter bzw. nehmen zu:

  • Häufung von Wärme-Rekordjahren
  • mehr Hitze
  • mehr Starkregen und zugleich längere Trockenzeiten
  • Meeresspiegelanstiege auch an deutschen Küsten von Nord- und Ostsee
    2020 gab es markante Einzelereignisse weltweit. Fügt man sie zusammen, bestätigen auch diese den fortschreitenden Trend der Erderwärmung, z.B.
  • war es in Sibirien in den ersten 10 Monaten mehr als 5 grd. (!) wärmer als im Durchschnitt
  • wurde in Werchojansk am 20. Juni die bisher weltweit höchste Temperatur nördlich des Polarkreises mit 38 Grad Celsius gemessen
  • traten in der Sahel-Zone, Indien, Pakistan und China extrem viel Niederschläge auf (500% über dem langjährigen Mittel)
  • im Nordatlantik gab es 30 Stürme – doppelt so viele wie üblich
  • im September erreichte die arktische Meereseisfläche nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert – die MOSAIC-Arktisexpedition hatte Probleme, eine ausreichend große und stabile Eisscholle zu finden, um das Forschungsschiff „Polarstern“ zu verankern (dazu finden sich zahlreiche
    sehenswerte Filme auf YouTube – auch über die Forschungsarbeiten der Wissenschaftler)

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Februar

Der letzte Wintermonat begann zunächst unter atlantischem Einfluss sehr mild mit 8 frostfreien Tagen und Regen. Vom 4. bis 7. stiegen die Tagesmaxima auf 10 bis 12 Grad Celsius an. Es war sehr windig. Über dem Norden Deutschlands lag bereits eine Luftmassengrenze mit Dauerfrost und Schneefällen. Dort wurde mit nordöstlicher Luftströmung sehr kalte Luft herangeführt. Ein Hoch über Skandinavien stabilisierte diese Wetterlage. Gleichzeitig verstärkte sich über Süddeutschland die sehr milde Südwestströmung mit subtropischer Luft aus Nordafrika. Beide extrem unterschiedlich temperierte Luftmassen stießen nun über der Mitte Deutschlands zusammen. Infolge Hebung und großen Temperaturgegensätzen wurden sehr starke Schneefälle ausgelöst, auch Eisregen führte zu extremer Glätte. . So kamen über der Mitte Deutschlands 30 bis 50 cm Neuschnee zusammen, welcher, verbunden mit starken Winden, zu meterhohen Verwehungen führte. Vorsichtshalber wurde hier der Bahn- und Busverkehr eingestellt. Wir im Süden mussten zur gleichen Zeit am 6. mit Saharastaub Vorlieb nehmen. An diesem Tag konnte man einen bräunlich bis dunkelgelb gefärbten Himmel ohne Sonne sehen – es machte schon einen leicht apokalyptischen Eindruck. Wo es regnete, z.B. in Franken, waren die Saharastaubablagerungen auf Gegenständen sehr gut zu sehen. Ab dem 7. drang die Polarluft allmählich nach Süden vor, die Temperaturen sanken auf dem Hohen Peißenberg ab dem 8. mittags für 7 Tage in den Frostbereich ab. Ab dem 8. bildete sich eine Schneedecke, welche am 11. mit 20cm Höhe ihr Monatsmaximum erreichte. Die Tagesmaxima lagen vom 9. bis 14. unter dem Nullpunkt (Eistage). Am 11. wurde das niedrigste Tagesmaximum des Monats mit -10,2 Grad Celsius gemessen. Am 12. lebte der Wind kräftig auf, so dass sich z.B. um 10Uhr die -13 Grad Celsius wie -30 Grad Celsius „anfühlten“ gem. Windchill-Faktor. Nachts lagen während dieser Frostperiode die Minima vom 10. bis 14. unter -10 Grad Celsius. Die tiefste Februartemperatur wurde am 13. mit -14,9 Grad Celsius gemessen. Am 13./14. erlebten wir ein hochwinterliches Dauerfrostwochenende mit täglich maximalen Sonnenschein mit knapp 10 Stunden, denn das Hoch verlagerte sich nun in den Alpenraum, womit der hohe Luftdruck über Skandinavien abgebaut wurde. Auslöser für diese Entwicklung mit nachhaltigen Folgen waren kräftige Tiefs über dem Atlantik. Diese vertrieben die Kälte bis Osteuropa und induzierten gleichzeitig eine immer kräftiger werdende Südwestströmung, welche die Temperaturen in Deutschland nun fortan immer weiter in die Höhe trieben. Das Wochenende 20./21. war genauso sonnig wie das vorangegangene – die Sonne schien täglich etwa 10 Stunden – nur war es um 20 bis 25 grd. wärmer geworden! So wurden auf dem Hohen Peißenberg am 13.maximal nur -8,7 Grad Celsius gemessen, am 20. (eine Woche später) waren es +16,8 Grad Celsius.
Als historisch besonders rekordverdächtig gelten hier die Werte der Erzgebirgsstation in Kühnhaide. Hier wurde binnen 8 Tagen eine Temperaturdifferenz von 42,8 grd. gemessen (von -28,8 Grad Celsius auf +14,0 Grad Celsius).

Ab dem 22. wurde mit den südlichen Winden bis zum 26. erneut Saharastaub nach Bayern, großen Teilen Deutschlands sowie darüber hinaus, verfrachtet. Der Saharastaub legte eine äußerst beeindruckende Wegstrecke zurück. Entsprechend der Druckverteilung (Höhenströmung) gelangte er aus der Sahara über Spanien, West- und Mitteleuropa bis Nordskandinavien (!) und von dort zurück nach Afrika bis Ägypten über Osteuropa und die Türkei. Sie umrundete praktisch das kräftige Hochdruckgebiet mit Zentrum über dem Alpenraum. So lag die Sichtweite auf dem Hohen Peißenberg am 23. nur bei 30km, d.h. die Zugspitze war kaum erkennbar, obwohl entsprechend der trockenen Luft mit Feuchten nur um die 20% man normalerweise mühelos bis zum Großvenediger blicken kann. Auch wären die Temperaturen ohne Staubeintrag noch rekordverdächtiger ausgefallen, als sowieso schon, denn am 20., 22. und 25. wurden Tagesmaximarekorde aufgestellt (mit jeweils 16,8, 18,6 und 18,2 Grad Celsius). Solche warmen Februartage gab es seit Beginn der Aufzeichnungen 1781 noch nicht. Das Maximum am 22. mit 18,6 Grad Celsius war das dritthöchste Februarmaximum überhaupt. Auch war das Tagesmittel der Lufttemperatur am 25. mit 13,7 Grad Celsius das vierthöchste eines Februarmonats.

An einer privaten Wetterstation in Peißenberg wurden im Februar an 7 Tagen hintereinander mehr als 18 Grad Celsius gemessen. Eine Vielzahl solch warmer Tage in Folge im Februar gab es so noch nicht. Auf dem Hohen Peißenberg sind solche Serien kaum möglich, da die Berglage auf wechselnde Windrichtungen stets mit Temperaturschwankungen reagiert. Februartage mit mehr als 20 Grad Celsius treten natürlich nicht jedes Jahr auf. In den vergangenen 20 Jahren (2001 – 2020) war das deutschlandweit in 8 Jahren der Fall. Von 1981 – 2000 gab es nur 3 Jahre mit mehr als 20 Grad Celsius.
Am 22. waren die Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal um 07Uhr sehr groß. Während es auf dem Hohen Peißenberg +12 Grad Celsius waren, wurden in Peißenberg nur -1 Grad Celsius gemessen. Vom 20. bis 26. schien die Sonne täglich 9 bis 10,3 Stunden und verstärkte das Sommerfeeling. Die sehr warme Witterung zeigte sich auch überall an der Vegetation. Auf dem Hohen Peißenberg blühten im Februar bereits Hasel, Huflattich und die Kornelkirsche, sogar das Gras auf den Hängen färbte sich dunkelgrün (Dauergrünland).

Insgesamt war der Februar ein Monat extrem starker Kontraste. Hauptgrund war der Einbruch arktischer Kaltluft aus Nordosten mit Ausbildung einer tagelang stationären Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands (starke Schneefälle dort) und dem Einfließen extrem warmer subtropischer Luft aus Süden nur kurze Zeit danach. So war es während der rund 7-tägigen Kälteperiode deutschlandweit in Mühlhausen (Thüringen) am kältesten. Der deutschlandweite Wärmerekord im Februar wurde am 25. mit 22,0 Grad Celsius in Ohlsbach, gelegen am Rande des Schwarzwalds, aufgestellt. An einigen Messorten überstiegen die Maxima an 6 Tagen in Folge sogar 20 Grad Celsius. Auf dem Hohen Peißenberg betrug die Monatsmitteltemperatur 3,4 Grad Celsius, weshalb der Monat um 4,5 grd. zu warm ausfiel. Gerade so schaffte es der Februar sogar noch unter die TOP-10 der wärmsten Februarmonate überhaupt, da die Kälteperiode zwar kurz und heftig, die Zahl der extrem milden Tage jedoch sehr hoch war. Dauerfrost herrschte an 6 Tagen vom 9. bis 14. Frost insgesamt trat an 11 Tagen auf. An 22 Tagen lagen die Maxima über dem Nullpunkt, davon an 13 Tagen meist weit über 10 Grad Celsius. Wärmster Tag war der 22 mit 18,6 Grad Celsius, kältester Tag der 13. mit -14,9 Grad Celsius (binnen 9 Tagen 33,5 grd. Unterschied). Der Februar war zu trocken. Es fielen 45 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. nur 74% der langjährig zu erwartenden Summe. An 11 Tagen blieb es niederschlagsfrei. Deutschlandweit waren der äußerste Norden und Süden zu trocken, die Mitte erhielt am meisten Niederschläge. Im Mittel fielen in Deutschland etwa 8% weniger Niederschläge, als langjährig zu erwarten gewesen wäre. Die Februarsonne schien auf dem Hohen Peißenberg 149 Stunden, d.h. 48 Stunden länger als im Durchschnitt (148%). Es war der achtsonnigste Februar seit Bestehen dieser Messreihe 1937. Bayern war zweitsonnigstes Bundesland mit dem höchsten Sonnenanteil am Alpenrand (Föhneinfluss). Eine Schneedecke lag an 9 Tagen. Die höchste Windspitze betrug am 3. 29m/s bzw. 104 km/h (entsprechend Windstärke 11 der Beaufort-Skala).

Wie wird die Schneehöhe gemessen?

Endlich gab es im Februar, meist sogar flächendeckend, mal wieder ausreichend Schnee, vor allem im Flachland. Die traditionelle Messung erfolgte seit Jahrhunderten konventionell. Das wird auch heute teilweise so gemacht, an vielen deutschen ehrenamtlichen Stationen und auf dem Hohen Peißenberg. Dazu stapft der Wetterbeobachter mit einem Messstab durch das Gelände und führt mehrere Messungen durch, woraus er danach ein Mittel bestimmt, denn meistens verteilt der Wind den Schnee recht ungleichmäßig (Schneeverwehungen). Nur so lässt sich eine repräsentative Schneehöhe bestimmen. Wenn man das nicht will, misst man automatisch mittels Punktmessung (Laser), die unterschiedlichen Höhen der Schneedecke bleiben dabei unberücksichtigt und man riskiert durch den Einsatz eines neuen Messprinzips die Vergleichbarkeit mit früheren Daten, etwaige langjährige Messreihen sind dann wertlos. Diese Punktmessungen mittels Laser können allerdings an Fahrbahnrändern (Autobahnen usw.) verkehrstechnisch von hohem Nutzen sein und die Autobahnmeistereien signalgebend warnen. Zusätzlich gibt es auch nicht zu unterschätzende, messtechnisch bedingte Niederschlagsabweichungen bei Schneeniederschlägen an vollautomatisierten Wetterstationen. Viele deutsche Universitäten unterhalten Lehrstühle für Meteorologie, teils zur Wissensvermittlung, aber auch zu Forschungszwecken, um das Klima der Zukunft zu bestimmen. Damit stellen sie sich den Herausforderungen des Klimawandels. Für die Modellsimulationen sollten natürlich die aktuellen Eingangsgrößen stimmen, wenn man der Frage nachgeht, mit welchen Niederschlägen können wir bis 2050 oder 2100 rechnen, will man brauchbare Ergebnisse erzielen.

Wetterrückblick Winter

Auch dieser Winter war wieder ein zu warmer, jedoch deutschlandweit im Februar anderer, da der Schnee auch mal im Flachland gehäuft verteilt wurde. Mit einem Jahreszeitenmittel von 1,0 Grad Celsius fiel er auf dem Hohen Peißenberg um 2,3 grd. zu warm aus. Es war somit der 8. Winter in Folge, der zu warm ausfiel (deutschlandweit der zehnte). Der insgesamt kälteste Wintertag auf dem Hohen Peißenberg war der 13. Februar mit -14,9 Grad Celsius. Am wärmsten war es am 22. Februar mit 18,6 Grad Celsius.
Während Dezember und Februar zu warm ausfielen (um 2,4 bzw. 4,5grd.) war der Januar sogar um 0,7 grd. zu kalt und ein echter Wintermonat. Eine durchgehende Schneedecke lag vom 2. Weihnachtsfeiertag bis zum 30. Januar. An den Hängen des Hohen Peißenbergs wurde ausgiebig Wintersport betrieben. Am höchsten lag die Schneedecke am 18. Januar mit 51cm Höhe. Besonders schneereich war der Februar über der Mitte Deutschlands.
Die Niederschläge waren recht unterschiedlich verteilt, Dezember und Februar waren ein wenig zu trocken, der Januar viel zu nass. Insgesamt ist die Niederschlagsbilanz des Winters vollkommen ausgeglichen, die Summe entsprach den Normalwerten. Während Dezember und Januar bezüglich der Sonnenscheindauer etwas „unterbelichtet“ ausfielen (94 bzw. 84%), holte der Februar dieses Defizit mit 149 Std. Sonnenschein (148%) wieder auf. Nicht umsonst war Bayern im Winter das sonnenscheinreichste Bundesland. Auf dem Hohen Peißenberg schien sie 305 Stunden und somit 27 Stunden länger als normal.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Januar

Der Januar begann, ganz der Jahreszeit entsprechend, winterlich. Zwischen einem Hochdruckgebiet über Nordeuropa und einem Mittelmeertief erreichte uns mit östlicher Luftströmung kühle Luft. Der atlantische Einfluss war durch die Luftdruckverteilung ausgeschlossen, jedoch die sehr kalte Festlandsluft erreichte Deutschland nicht, es fehlte die Dynamik in der Wetterlage. Dennoch stellte sich ab dem 2. Dauerfrost auf dem Hohen Peißenberg ein und zur Dekadenmitte kam es von Südosten her zu leichten Schneefällen. Viel turbulenter ging es dagegen zur gleichen Zeit in Spanien zu. Dort kam es zu den stärksten Schneefällen seit 50 Jahren. Vom Europäischen Nordmeer drang Kaltluft mit einer Nord/Nordost-Strömung nach Südwesten vor und über Spanien entstand ein kräftiges Tiefdruckgebiet. So kam es zu dem seltenen Phänomen von Starkschneefällen über Madrid (Höhenlage 670m über dem Meeresspiegel) und den östlichen Teilen Spaniens. Über Schnee sanken die Temperaturen dort bis unter -20 Grad Celsius ab. Auf der Ostseite dieses kräftigen spanischen Tiefs wurde mit einer Südwestströmung aus Afrika warme Luft über das Mittelmeer bis Griechenland transportiert. Dort stiegen die Temperaturen auf sommerliche Werte von 25 bis 27 Grad Celsius an!
Die 2. Dekade zeigte sich sehr winterlich, denn ab dem 14. gelangte, erstmals in diesem Winter, Kaltluft aus Skandinavien nach ganz Deutschland. Verbreitet sanken die Temperaturen im gesamten Land in den Frostbereich. Im Osten Deutschlands sorgte eine Kaltfront von Norden her sogar verbreitet für Wintergewitter. Bis zum 18. war das Land großflächig mit einer Schneedecke überzogen. Hier in Süddeutschland sorgte ab dem 13. eine stationäre Luftmassengrenze für Dauerschneefälle, da wir auf deren kalter Seite lagen. Die Schneehöhe, welche auf dem Hohen Peißenberg bisher nur um die 10 cm hoch lag, erhöhte sich am 14. dadurch auf 34 cm (zwischen Werdenfelser Land und Allgäu wuchs sie auf 40 – 75 cm, in Balderschwang auf 120 cm). Durch nordwestliche Anströmung und Alpenstau kam es vom 16. – 18. erneut zu länger anhaltenden Schneefällen. Unsere Schneehöhe erreichte einen neuen Höhepunkt (zugleich maximale Schneehöhe dieses Monats) von 51 cm. Die sehr kalte arktische Polarluft war jetzt von Nordosten bis zur Oder vorangekommen. In Polen lagen die Tagesmaxima am 18. nur zwischen -10 und -14 Grad Celsius. Östlich und nordöstlich von Deutschland war ein größeres Kaltluftreservoir vorhanden, ein längerer Winterabschnitt hätte nun bei uns beginnen können – jedoch kam es anders. Eine sehr milde Südwestströmung hielt dagegen, war stärker und setzte sich durch. Mit der Winddrehung auf Süd/Südwest begann am 19. auf dem Hohen Peißenberg ein sehr kräftiger Föhnsturm mit Windspitzen bis 25 m/s, entsprechend Windstärke 10 der Beaufort-Skala. Damit endete nun auch eine 17-tägige Dauerfrostperiode. Letztmalig so lange durchgehenden Dauerfrost gab es im Februar 2012. Es folgten 3 Tage mit Föhn. Am 20. kletterte das Quecksilber auf 10 Grad Celsius, die Sonne schien 8 Stunden bei sehr trockener Luft mit Luftfeuchten nur um 17 %. Der vorübergehende Übergang vom Winter in den Frühling hatte sich vollzogen. In den westlichen Landesteilen sanken die Nachttemperaturen am 21. noch nicht mal unter 10 Grad Celsius. Nach einer Kaltfront am 22. sanken die Temperaturen vom 24. – 27. erneut in den Dauerfrostbereich. Der 24. war ein sehr sonniger Tag (8,3 Stunden Sonnenschein), jedoch herrschte durch den starken Wind sehr heftiges Schneetreiben. Der Schnee wurde meterhoch aufgewirbelt, Schneewehen bildeten sich. Unsere Schneehöhe war bis zum 25.auf 26 cm getaut. Nachfolgender Dauerschneefall ließ sie jedoch bis zum 26. wieder auf 35 cm anwachsen. Ab dem 28. stiegen die Temperaturen bis zum Monatsende wieder über den Gefrierpunkt. Sehr milde Luft mit Dauerregen in Verbindung mit der Schneeschmelze führte zu Hochwasser an vielen Bächen und Flüssen. Auch der Rhein war betroffen. Zum Monatsende hatte sich über Deutschland eine Luftmassengrenze gelegt bzw. Grenzwetterlage ausgebildet. Aus Südwesten strömte sehr milde Luft subtropischen Ursprungs aus Richtung Spanien nach Süddeutschland (nach dem Schnee dort wurden nun nahe Valencia 29,7 Grad Celsius gemessen). In Norddeutschland dagegen nistete sich der Winter ein. Während die Frühtemperaturen am 31. in Süddeutschland etwas über dem Nullpunkt lagen, waren sie entlang der Elbe und im Nordosten verbreitet auf -10 bis -15 Grad Celsius abgesunken. Selbst Hamburg, Helgoland und Norderney waren mit einer Schneedecke bedeckt- gleichzeitig war sie auf dem Hohen Peißenberg gerade abgetaut. Der Januar verabschiedete sich am Monatsletzten mit Dauernebel und Sprühregen. Auch im Februar wird sich der Winter über Norddeutschland – wo er sich zunächst etabliert – einen spannenden Kampf mit der Frühlingsluft über dem Süden liefern.
Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von -2,3 Grad Celsius um 0,7 grd. zu kalt aus. Dauerfrost (Eistage) herrschte an 21 Tagen. An 26 Tagen trat insgesamt Frost auf. Der wärmste Tag war der 21. mit 11,3 Grad Celsius. Am kältesten war es am 11. mit -11,9 Grad Celsius. Der Januar war ein echter Wintermonat. Das ist schon erwähnenswert, denn während der letzten 20 Jahre waren 13 Januarmonate zu warm. Das Winterfeeling beweist auch die Schneedecke, welche wir von Weihnachten her mit ins neue Jahr nehmen konnten. Erst am 30. war diese – bis auf kümmerliche Reste – abgetaut. Bayern war im Januar kältestes Bundesland. Die deutschlandweit kälteste Temperatur wurde mit -19,5 Grad Celsius in Oberstdorf am 11. gemessen. Dagegen am wärmsten war es in Emmendingen-Mundingen (nördlich von Freiburg) mit 15,6 Grad Celsius am 22. Niederschläge fielen 112 Liter pro Quadratmeter, d.h. fast das doppelte der langjährig zu erwartenden Menge (183%). Nur an 4 Tagen war es ganztägig trocken. Aber auch deutschlandweit fielen etwa 20 % mehr Niederschläge als üblich. Allerdings bildete das Schwarzwaldgebiet eine Ausnahme, denn dort fielen über 300 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Wegen der unbeständigen Witterung konnte die Sonne nirgends ihr Soll erreichen. Im landesweiten Durchschnitt schien sie nur 30 Stunden, bayernweit 40 Stunden und dank zeitweiligen Föhneinflusses auf dem Hohen Peißenberg immerhin sogar 77 Stunden (84%). Aber trotzdem schien die Sonne hier an 14 Tagen nicht. Der Wind wehte an 8 Tagen in Böen sehr stürmisch, am 12. orkanartig mit der höchsten Windspitze des Monats von 29 m/s bzw. 104 km/h, entsprechend der Windstärke 11 der Beaufort-Skala.

Wann wird der Winter am kältesten?

Die kälteste Luftmasse, welche uns erreichen kann, wird volkstümlich als Nordsibirische Kaltluft bezeichnet, von manchen Medien zur „Russlandpeitsche“ gehypt. In Fachkreisen nennen wir sie korrekt „kontinentale arktische Polarluft“. Sie gelangt aus den Gebieten Nordwestsibiriens sowie Nowaja Semlja zu uns und überströmt zuvor schneebedeckte Landflächen sowie meistens eisbedecktes Meer. Im Winter kann sie daher auf ihrem Weg nach Mitteleuropa nicht erwärmt werden. Besonders nachhaltig verursachte sie die drei strengen Winter 1940 – 1942. Vor allem war sie aber auch für den extrem kalten Februar 1956 verantwortlich – einen der kältesten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (so kalt, dass sogar der Rhein zugefroren war). Die arktische Kaltluft strömte aus Nordosten zwischen einem Skandinavienhoch und einem Tief über Südeuropa zu uns. Dieser Februar fiel mit einer Monatsmitteltemperatur von -12,4 Grad Celsius um 11,3 grd. zu kalt auf dem Hohen Peißenberg aus. Der kälteste Tag war dabei der 10. Februar. Das Maximum „kletterte“ nur auf -23,4 Grad Celsius; nachts sank es auf -28,3 Grad Celsius (in Wasserburg/Inn auf -35,1 Grad Celsius). Diese Luftmasse ist zwar in Mitteleuropa ein seltener „Gast“ geworden, auszuschließen ist ihr Besuch auch in Zeiten des Klimawandels jedoch nicht. In diesem Winter kam sie uns schon ziemlich nah, d.h. bis Polen heran. Auch auf der Modellagenda war ihr Erscheinen im Januar bereits einige Male bei uns vorgesehen, jedoch die Stärke und Übermacht atlantischer Tiefdruckgebiete verhinderten es bisher.

Aktuell – Globaler Klima-Risiko-Index

Die Umweltorganisation „Germanwatch“ veröffentlichte am 25. Januar ihren Globalen Klima-Risiko-Index. Dieser zeigt, wie stark die einzelnen Länder von Wetterextremen betroffen sind. Es geht dabei um die Auswirkungen auf die Menschen einerseits, aber auch um ökonomische Verluste. Grundlage für die Datenbasis bildet u.a. die Datenbank der renommierten Münchner Rückversicherung. Deutschland belegt dabei im Langfristvergleich der Jahre 2000 – 2019 den 18. Platz, also liegt ziemlich weit vorn. Österreich und die Schweiz belegen die Plätze 43 bzw. 45. Zu erinnern ist dabei an das Hitzejahr 2003 (3500 Menschen starben in Dtl. den Hitzetod durch Lungenversagen), den Orkan Kyrill 2007, weitere Hitzewellen und bundesweite Trockenheit 2018 und Folgejahre, sowie die „Jahrhundert“-Überflutungen an Elbe und Donau. Die zehn am meisten betroffenen Länder sind Puerto Rico, Myanmar, Haiti, Philippinen, Mosambik, Bahamas, Bangladesch, Pakistan, Thailand und Nepal. In diesem Zeitraum starben insgesamt 475000 Menschen an über 11000 Extremwetterereignissen. Als Hauptursache gelten Stürme, Überschwemmungen und Erdrutsche. Besonders tropische Wirbelstürme wurden zahlreicher; sie stiegen parallel mit der Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur markant an. Es sind überwiegend Entwicklungsländer stärker betroffen als Industrieländer, weshalb dort auch die existenziellen Bedrohungen durch Extremwetter wahrscheinlicher sind. Sie sind viel verwundbarer. Noch dazu ist ihr Beitrag zum Klimawandel im Gegensatz zu den großen Industrienationen zu vernachlässigen. Aber auch Deutschland ist nicht unverwundbar, stellt doch höchstwahrscheinlich zunehmende Trockenheit hierzulande ein großes Problem für die Zukunft dar.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2020
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