Wetterrückblick der Wetterwarte Hohenpeißenberg 2021

März

Die ersten Tage des März machten dem meteorologischen Frühlingsanfang alle Ehre. Über Mitteleuropa lag ein Hochdruckgebiet, weshalb der erste Frühlingsmonat sogar etwas zu mild begann. Die Tagesmaxima lagen vom 2. bis 4. etwas über 10 Grad Celsius. Am 1. und 2. konnte die Sonne länger als 10 Stunden scheinen. Am 4. änderte das Hoch jedoch seine Lage und zog sich mit seinem Zentrum bis Island zurück. An seiner Ostseite konnte daher nun Polarluft nach Mitteleuropa vordringen. So sanken die Tagesmaxima von 12 Grad am 4. auf nur noch 2 Grad am 5. Mit der Kaltluft fiel auch wieder Schnee, so dass sich am 6., 8. und 10 erneut eine Schneedecke auf dem Hohen Peißenberg von 2 bis 6cm Höhe ausbilden konnte. Bis zur Mitte Deutschlands drang von Norden typisches Aprilwetter mit Regen-, Schnee- und Graupelschauern vor. Auch kurze Gewitter waren dabei. Ab dem 7. wurde es wieder milder. Über den Britischen Inseln bildete sich ein umfangreicher und kräftiger Tiefdruckkomplex heraus, aus dem ein Sturmtief entstand. Mit einer Westwetterlage wehte der Wind vom 11. bis 14. auf dem Hohen Peißenberg stürmisch. Die Windspitzen erreichten Windstärken von 9 bis 10 der Beaufortskala. Täglich fiel Regen. Nach der Sturmlage drehte der Wind auf Nordwest bis Nord – das war der Auftakt für den typischen Märzwinter. Ein Hochdruckgebiet westlich der Britischen Inseln hielt atlantische Tiefdruckgebiete auf Abstand und blockierte somit den Zustrom wärmerer Luftmassen vom Atlantik. Mit Kaltfrontpassage am 13. ging der Regen in Schnee über. Ab dem 14. bildete sich eine geschlossene Schneedecke aus. Sie wuchs bis zum 18. auf 31cm. An den Alpen gab es infolge Nordstau 50 bis 80cm Schneezuwachs. Schneetreiben und Schneefegen am 15. und 16. unterstrichen das hochwinterliche Ambiente. Am 19. von 16 bis 17 Uhr wurde in Verbindung mit einem kräftigen Schneeschauer ein Wintergewitter beobachtet. Der 21. und 22. waren Tage ohne Sonnenschein, mit Schneefall, Nebel und Dauerfrost auf dem Berg. Nach diesem 9-tägigen Intermezzo des Spätwinters bildete sich am 23. ein Hoch über Mitteleuropa. Es brachte den Frühling – der Temperaturanstieg war nicht mehr aufzuhalten. Nur am 27. überquerte uns zwischendurch eine schwache Kaltfront mit lediglich 0,2mm Niederschlag. Ab dem 24. lagen die Tagesmaxima durchweg über 10 Grad Celsius. Die letzten 4 Märztage waren die schönsten. Die Sonne schien täglich 11 bis 12 Stunden. Der wärmste Tag war der 31. mit einem Tagesmaximum von 21,3 Grad Celsius. Ein Hochdruckgebiet lag über Italien und versorgte uns mit warmen Luftmassen aus Südwesteuropa. Im Westen Deutschlands wurden dabei knapp 26 Grad Celsius erreicht.
Insgesamt fiel der März mit einer Monatsmitteltemperatur von 3,0 Grad Celsius um 1,4 grd. zu warm aus. Er war gekennzeichnet durch ein häufiges Auf und Ab der Temperaturen, d.h. winterliche Phasen wechselten mit beinahe sommerlichen. Das zeigte sich besonders bei den Tageshöchsttemperaturen. Das tiefste Tagesmaximum betrug am 20. -3,5 Grad Celsius(Eistag), das höchste, 11 Tage später am 31., 21.3 Grad Celsius. Somit war der 31. auch der wärmste Märztag. Kältester Tag war der 20. mit -6,9 Grad Celsius. Eistage gab es insgesamt 5(Maxima unter Nullpunkt). Frost trat insgesamt an 18 Tagen auf. Bayern war neben Sachsen kältestes Bundesland. Während es deutschlandweit mal wieder zu trocken war – es fielen 25% weniger Niederschläge als im Mittel – wurden auf dem Hohen Peißenberg mit 73 Litern pro Quadratmeter 13 % mehr Niederschläge gemessen. In den Chiemgauer Alpen fielen fas 200 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Der März war überall sonnenscheinreich. Im Südwesten Deutschlands schaffte es die Sonne auf fast 200 Stunden, aber auch der Hohe Peißenberg erreichte mit 170 Sonnenstunden(124%) eine Spitzenposition. Eine Schneedecke lag an 16 Tagen, dabei durchgehend vom 14.bis 26. mit dem Maximum von 31cm am 18. Die höchste Windspitze betrug am 13. 27 m/s bzw. 97 km/h(Windstärke 10 der Beaufort-Skala).

Kurz erklärt – der „Märzwinter“

Der Märzwinter stellt einen Singularitätsfall(häufig wiederkehrend) im Witterungsverlauf eines Jahres dar, wie es die oftmals leidvollen Eisheiligen, das Weihnachtstauwetter oder der beliebte Altweibersommer sind. Den Märzwinter kann es auch noch im April geben. Er setzt eine Luftzufuhr aus Norden oder Nordosten voraus. Dort sind die Luftmassen im Frühjahr noch so kalt, weil hier die Polarnacht erst mit dem Frühlingsanfang(21.3.) endet, weshalb sich die Luftmassen dort infolge nicht vorhandener oder im April geringfügiger Sonneneinstrahlung noch nicht wesentlich erwärmen können. Natürlich ist auch der Monat März der Klimaerwärmung unterworfen. So ist das vieljährige Temperaturmittel auf dem Hohen Peißenberg im 30-jährigen Mittel zwischen 1961 und 1990 von 1,6 Grad Celsius auf 3,0 Grad Celsius zwischen 1991 und 2020 angestiegen. Die Zahl der Tage mit Schneedecken sank in den beiden 30-Jährigen Zeiträumen von 691 auf 498(um ein Drittel). Aber auch „Ausreisser“ nach unten sind heutzutage – wetterlagenbedingt – jederzeit möglich. Tagesmaxima im März von unter -10 Grad Celsius traten in den letzten Jahrzehnten kaum mehr auf. Herausragend war – rückschauend – eine Schneehöhe vom 10.-13.März 1931 von 145cm! In den letzten 10 Jahren gab es 3 Märzmonate mit einer Schneedecke leicht über 30cm. Insofern kommt dem vergangenen März keine Sonderstellung zu. Vielmehr waren es die ungewöhnlich warmen Februartage des vergangenen Winters, welche uns mit dem Gefühl eines zu kalten Märzmonats zurückließen.

Klimajahr 2020 – aktuelle Folgen

2020 war deutschlandweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen(auf dem Hohen Peißenberg sogar das wärmste seit 1781). Anfang März lagen nun aktuelle Berechnungen vor, demzufolge 2020 auch weltweit das zweitwärmste Jahr war(2016 war weltweit wärmstes).
Durch die pandemiebedingte Ausbremsung der Wirtschaft und stark eingeschränkte Mobilität wurde errechnet, dass 2020 die Kohlendioxid-Emissionen weltweit etwa um 7% sanken. Allerdings ist dieser Rückgang so gering, dass er sich in der atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentration kaum nachweisen lässt. Damit setzt sich der Anstieg weltweit in der Atmosphäre ungebremst fort und die Erreichung der Ziele, welche im Pariser Klimaabkommen 2015 vereinbart wurden, rücken in weite Ferne. Auf der UN-Klimakonferenz verpflichteten sich 195 Staaten, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2grd. gegenüber den vorindustriellen Werten bis 2100 zu begrenzen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieg die globale Jahresmitteltemperatur bereits um 1,1 grd.(in Deutschland sogar um 1,6 grd.). Klimaforscher gehen bereits jetzt von einem Anstieg bis 2100 von 3 bis 4 grd. aus, d.h. die Einhaltung der Klimaziele wird immer fraglicher. Einige Staaten sind weiter als Deutschland. Dänemark und Großbritannien etwa senkten den Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2005 und 2018 um immerhin ein Drittel. Viele Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar. So gab es beispielsweise in Mitteleuropa seit 1766 keine so ausgeprägte Sommerdürre wie in den Jahren 2018/19 – 50% des Ackerlandes waren betroffen. Insbesondere Deutschland bekam das zu spüren. Auf Rhein und Elbe konnten die Binnenschiffe kaum oder überhaupt nicht fahren. Wegen diesen Verkehrseinschränkungen entstand ein wirtschaftlicher Schaden von hunderten Millionen Euro(Raffinerien und Chemiewerke mussten ihre Produktion reduzieren, Kohle und Atomkraftwerke mangels Kühlwasser ihre Leistung drosseln). Bis heute leiden die Wälder an den Folgen dieser Dürre. Weitere Gefahren sind längst Realität, verschärfen sich weiter bzw. nehmen zu:

  • Häufung von Wärme-Rekordjahren
  • mehr Hitze
  • mehr Starkregen und zugleich längere Trockenzeiten
  • Meeresspiegelanstiege auch an deutschen Küsten von Nord- und Ostsee
    2020 gab es markante Einzelereignisse weltweit. Fügt man sie zusammen, bestätigen auch diese den fortschreitenden Trend der Erderwärmung, z.B.
  • war es in Sibirien in den ersten 10 Monaten mehr als 5 grd.(!) wärmer als im Durchschnitt
  • wurde in Werchojansk am 20. Juni die bisher weltweit höchste Temperatur nördlich des Polarkreises mit 38 Grad Celsius gemessen
  • traten in der Sahel-Zone, Indien, Pakistan und China extrem viel Niederschläge auf(500% über dem langjährigen Mittel)
  • im Nordatlantik gab es 30 Stürme – doppelt so viele wie üblich
  • im September erreichte die arktische Meereseisfläche nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert – die MOSAIC-Arktisexpedition hatte Probleme, eine ausreichend große und stabile Eisscholle zu finden, um das Forschungsschiff „Polarstern“ zu verankern(dazu finden sich zahlreiche
    sehenswerte Filme auf YouTube – auch über die Forschungsarbeiten der Wissenschaftler)

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Februar

Der letzte Wintermonat begann zunächst unter atlantischem Einfluss sehr mild mit 8 frostfreien Tagen und Regen. Vom 4. bis 7. stiegen die Tagesmaxima auf 10 bis 12 Grad Celsius an. Es war sehr windig. Über dem Norden Deutschlands lag bereits eine Luftmassengrenze mit Dauerfrost und Schneefällen. Dort wurde mit nordöstlicher Luftströmung sehr kalte Luft herangeführt. Ein Hoch über Skandinavien stabilisierte diese Wetterlage. Gleichzeitig verstärkte sich über Süddeutschland die sehr milde Südwestströmung mit subtropischer Luft aus Nordafrika. Beide extrem unterschiedlich temperierte Luftmassen stießen nun über der Mitte Deutschlands zusammen. Infolge Hebung und großen Temperaturgegensätzen wurden sehr starke Schneefälle ausgelöst, auch Eisregen führte zu extremer Glätte. . So kamen über der Mitte Deutschlands 30 bis 50 cm Neuschnee zusammen, welcher, verbunden mit starken Winden, zu meterhohen Verwehungen führte. Vorsichtshalber wurde hier der Bahn- und Busverkehr eingestellt. Wir im Süden mussten zur gleichen Zeit am 6. mit Saharastaub Vorlieb nehmen. An diesem Tag konnte man einen bräunlich bis dunkelgelb gefärbten Himmel ohne Sonne sehen – es machte schon einen leicht apokalyptischen Eindruck. Wo es regnete, z.B. in Franken, waren die Saharastaubablagerungen auf Gegenständen sehr gut zu sehen. Ab dem 7. drang die Polarluft allmählich nach Süden vor, die Temperaturen sanken auf dem Hohen Peißenberg ab dem 8. mittags für 7 Tage in den Frostbereich ab. Ab dem 8. bildete sich eine Schneedecke, welche am 11. mit 20cm Höhe ihr Monatsmaximum erreichte. Die Tagesmaxima lagen vom 9. bis 14. unter dem Nullpunkt (Eistage). Am 11. wurde das niedrigste Tagesmaximum des Monats mit -10,2 Grad Celsius gemessen. Am 12. lebte der Wind kräftig auf, so dass sich z.B. um 10Uhr die -13 Grad Celsius wie -30 Grad Celsius „anfühlten“ gem. Windchill-Faktor. Nachts lagen während dieser Frostperiode die Minima vom 10. bis 14. unter -10 Grad Celsius. Die tiefste Februartemperatur wurde am 13. mit -14,9 Grad Celsius gemessen. Am 13./14. erlebten wir ein hochwinterliches Dauerfrostwochenende mit täglich maximalen Sonnenschein mit knapp 10 Stunden, denn das Hoch verlagerte sich nun in den Alpenraum, womit der hohe Luftdruck über Skandinavien abgebaut wurde. Auslöser für diese Entwicklung mit nachhaltigen Folgen waren kräftige Tiefs über dem Atlantik. Diese vertrieben die Kälte bis Osteuropa und induzierten gleichzeitig eine immer kräftiger werdende Südwestströmung, welche die Temperaturen in Deutschland nun fortan immer weiter in die Höhe trieben. Das Wochenende 20./21. war genauso sonnig wie das vorangegangene – die Sonne schien täglich etwa 10 Stunden – nur war es um 20 bis 25 grd. wärmer geworden! So wurden auf dem Hohen Peißenberg am 13.maximal nur -8,7 Grad Celsius gemessen, am 20. (eine Woche später) waren es +16,8 Grad Celsius.
Als historisch besonders rekordverdächtig gelten hier die Werte der Erzgebirgsstation in Kühnhaide. Hier wurde binnen 8 Tagen eine Temperaturdifferenz von 42,8 grd. gemessen (von -28,8 Grad Celsius auf +14,0 Grad Celsius).

Ab dem 22. wurde mit den südlichen Winden bis zum 26. erneut Saharastaub nach Bayern, großen Teilen Deutschlands sowie darüber hinaus, verfrachtet. Der Saharastaub legte eine äußerst beeindruckende Wegstrecke zurück. Entsprechend der Druckverteilung (Höhenströmung) gelangte er aus der Sahara über Spanien, West- und Mitteleuropa bis Nordskandinavien(!) und von dort zurück nach Afrika bis Ägypten über Osteuropa und die Türkei. Sie umrundete praktisch das kräftige Hochdruckgebiet mit Zentrum über dem Alpenraum. So lag die Sichtweite auf dem Hohen Peißenberg am 23. nur bei 30km, d.h. die Zugspitze war kaum erkennbar, obwohl entsprechend der trockenen Luft mit Feuchten nur um die 20% man normalerweise mühelos bis zum Großvenediger blicken kann. Auch wären die Temperaturen ohne Staubeintrag noch rekordverdächtiger ausgefallen, als sowieso schon, denn am 20., 22. und 25. wurden Tagesmaximarekorde aufgestellt(mit jeweils 16,8, 18,6 und 18,2 Grad Celsius). Solche warmen Februartage gab es seit Beginn der Aufzeichnungen 1781 noch nicht. Das Maximum am 22. mit 18,6 Grad Celsius war das dritthöchste Februarmaximum überhaupt. Auch war das Tagesmittel der Lufttemperatur am 25. mit 13,7 Grad Celsius das vierthöchste eines Februarmonats.

An einer privaten Wetterstation in Peißenberg wurden im Februar an 7 Tagen hintereinander mehr als 18 Grad Celsius gemessen. Eine Vielzahl solch warmer Tage in Folge im Februar gab es so noch nicht. Auf dem Hohen Peißenberg sind solche Serien kaum möglich, da die Berglage auf wechselnde Windrichtungen stets mit Temperaturschwankungen reagiert. Februartage mit mehr als 20 Grad Celsius treten natürlich nicht jedes Jahr auf. In den vergangenen 20 Jahren(2001 – 2020) war das deutschlandweit in 8 Jahren der Fall. Von 1981 – 2000 gab es nur 3 Jahre mit mehr als 20 Grad Celsius.
Am 22. waren die Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal um 07Uhr sehr groß. Während es auf dem Hohen Peißenberg +12 Grad Celsius waren, wurden in Peißenberg nur -1 Grad Celsius gemessen. Vom 20. bis 26. schien die Sonne täglich 9 bis 10,3 Stunden und verstärkte das Sommerfeeling. Die sehr warme Witterung zeigte sich auch überall an der Vegetation. Auf dem Hohen Peißenberg blühten im Februar bereits Hasel, Huflattich und die Kornelkirsche, sogar das Gras auf den Hängen färbte sich dunkelgrün (Dauergrünland).

Insgesamt war der Februar ein Monat extrem starker Kontraste. Hauptgrund war der Einbruch arktischer Kaltluft aus Nordosten mit Ausbildung einer tagelang stationären Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands(starke Schneefälle dort) und dem Einfließen extrem warmer subtropischer Luft aus Süden nur kurze Zeit danach. So war es während der rund 7-tägigen Kälteperiode deutschlandweit in Mühlhausen (Thüringen) am kältesten. Der deutschlandweite Wärmerekord im Februar wurde am 25. mit 22,0 Grad Celsius in Ohlsbach, gelegen am Rande des Schwarzwalds, aufgestellt. An einigen Messorten überstiegen die Maxima an 6 Tagen in Folge sogar 20 Grad Celsius. Auf dem Hohen Peißenberg betrug die Monatsmitteltemperatur 3,4 Grad Celsius, weshalb der Monat um 4,5 grd. zu warm ausfiel. Gerade so schaffte es der Februar sogar noch unter die TOP-10 der wärmsten Februarmonate überhaupt, da die Kälteperiode zwar kurz und heftig, die Zahl der extrem milden Tage jedoch sehr hoch war. Dauerfrost herrschte an 6 Tagen vom 9. bis 14. Frost insgesamt trat an 11 Tagen auf. An 22 Tagen lagen die Maxima über dem Nullpunkt, davon an 13 Tagen meist weit über 10 Grad Celsius. Wärmster Tag war der 22 mit 18,6 Grad Celsius, kältester Tag der 13. mit -14,9 Grad Celsius(binnen 9 Tagen 33,5 grd. Unterschied). Der Februar war zu trocken. Es fielen 45 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, d.h. nur 74% der langjährig zu erwartenden Summe. An 11 Tagen blieb es niederschlagsfrei. Deutschlandweit waren der äußerste Norden und Süden zu trocken, die Mitte erhielt am meisten Niederschläge. Im Mittel fielen in Deutschland etwa 8% weniger Niederschläge, als langjährig zu erwarten gewesen wäre. Die Februarsonne schien auf dem Hohen Peißenberg 149 Stunden, d.h. 48 Stunden länger als im Durchschnitt(148%). Es war der achtsonnigste Februar seit Bestehen dieser Messreihe 1937. Bayern war zweitsonnigstes Bundesland mit dem höchsten Sonnenanteil am Alpenrand(Föhneinfluss). Eine Schneedecke lag an 9 Tagen. Die höchste Windspitze betrug am 3. 29m/s bzw. 104 km/h(entsprechend Windstärke 11 der Beaufort-Skala).

Wie wird die Schneehöhe gemessen?

Endlich gab es im Februar, meist sogar flächendeckend, mal wieder ausreichend Schnee, vor allem im Flachland. Die traditionelle Messung erfolgte seit Jahrhunderten konventionell. Das wird auch heute teilweise so gemacht, an vielen deutschen ehrenamtlichen Stationen und auf dem Hohen Peißenberg. Dazu stapft der Wetterbeobachter mit einem Messstab durch das Gelände und führt mehrere Messungen durch, woraus er danach ein Mittel bestimmt, denn meistens verteilt der Wind den Schnee recht ungleichmäßig(Schneeverwehungen). Nur so lässt sich eine repräsentative Schneehöhe bestimmen. Wenn man das nicht will, misst man automatisch mittels Punktmessung(Laser), die unterschiedlichen Höhen der Schneedecke bleiben dabei unberücksichtigt und man riskiert durch den Einsatz eines neuen Messprinzips die Vergleichbarkeit mit früheren Daten, etwaige langjährige Messreihen sind dann wertlos. Diese Punktmessungen mittels Laser können allerdings an Fahrbahnrändern(Autobahnen usw.) verkehrstechnisch von hohem Nutzen sein und die Autobahnmeistereien signalgebend warnen. Zusätzlich gibt es auch nicht zu unterschätzende, messtechnisch bedingte Niederschlagsabweichungen bei Schneeniederschlägen an vollautomatisierten Wetterstationen. Viele deutsche Universitäten unterhalten Lehrstühle für Meteorologie, teils zur Wissensvermittlung, aber auch zu Forschungszwecken, um das Klima der Zukunft zu bestimmen. Damit stellen sie sich den Herausforderungen des Klimawandels. Für die Modellsimulationen sollten natürlich die aktuellen Eingangsgrößen stimmen, wenn man der Frage nachgeht, mit welchen Niederschlägen können wir bis 2050 oder 2100 rechnen, will man brauchbare Ergebnisse erzielen.

Wetterrückblick Winter

Auch dieser Winter war wieder ein zu warmer, jedoch deutschlandweit im Februar anderer, da der Schnee auch mal im Flachland gehäuft verteilt wurde. Mit einem Jahreszeitenmittel von 1,0 Grad Celsius fiel er auf dem Hohen Peißenberg um 2,3 grd. zu warm aus. Es war somit der 8. Winter in Folge, der zu warm ausfiel(deutschlandweit der zehnte). Der insgesamt kälteste Wintertag auf dem Hohen Peißenberg war der 13. Februar mit -14,9 Grad Celsius. Am wärmsten war es am 22. Februar mit 18,6 Grad Celsius.
Während Dezember und Februar zu warm ausfielen(um 2,4 bzw. 4,5grd.) war der Januar sogar um 0,7 grd. zu kalt und ein echter Wintermonat. Eine durchgehende Schneedecke lag vom 2. Weihnachtsfeiertag bis zum 30. Januar. An den Hängen des Hohen Peißenbergs wurde ausgiebig Wintersport betrieben. Am höchsten lag die Schneedecke am 18. Januar mit 51cm Höhe. Besonders schneereich war der Februar über der Mitte Deutschlands.
Die Niederschläge waren recht unterschiedlich verteilt, Dezember und Februar waren ein wenig zu trocken, der Januar viel zu nass. Insgesamt ist die Niederschlagsbilanz des Winters vollkommen ausgeglichen, die Summe entsprach den Normalwerten. Während Dezember und Januar bezüglich der Sonnenscheindauer etwas „unterbelichtet“ ausfielen(94 bzw. 84%), holte der Februar dieses Defizit mit 149 Std. Sonnenschein(148%) wieder auf. Nicht umsonst war Bayern im Winter das sonnenscheinreichste Bundesland. Auf dem Hohen Peißenberg schien sie 305 Stunden und somit 27 Stunden länger als normal.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Januar

Der Januar begann, ganz der Jahreszeit entsprechend, winterlich. Zwischen einem Hochdruckgebiet über Nordeuropa und einem Mittelmeertief erreichte uns mit östlicher Luftströmung kühle Luft. Der atlantische Einfluss war durch die Luftdruckverteilung ausgeschlossen, jedoch die sehr kalte Festlandsluft erreichte Deutschland nicht, es fehlte die Dynamik in der Wetterlage. Dennoch stellte sich ab dem 2. Dauerfrost auf dem Hohen Peißenberg ein und zur Dekadenmitte kam es von Südosten her zu leichten Schneefällen. Viel turbulenter ging es dagegen zur gleichen Zeit in Spanien zu. Dort kam es zu den stärksten Schneefällen seit 50 Jahren. Vom Europäischen Nordmeer drang Kaltluft mit einer Nord/Nordost-Strömung nach Südwesten vor und über Spanien entstand ein kräftiges Tiefdruckgebiet. So kam es zu dem seltenen Phänomen von Starkschneefällen über Madrid(Höhenlage 670m über dem Meeresspiegel) und den östlichen Teilen Spaniens. Über Schnee sanken die Temperaturen dort bis unter -20 Grad Celsius ab. Auf der Ostseite dieses kräftigen spanischen Tiefs wurde mit einer Südwestströmung aus Afrika warme Luft über das Mittelmeer bis Griechenland transportiert. Dort stiegen die Temperaturen auf sommerliche Werte von 25 bis 27 Grad Celsius an!
Die 2. Dekade zeigte sich sehr winterlich, denn ab dem 14. gelangte, erstmals in diesem Winter, Kaltluft aus Skandinavien nach ganz Deutschland. Verbreitet sanken die Temperaturen im gesamten Land in den Frostbereich. Im Osten Deutschlands sorgte eine Kaltfront von Norden her sogar verbreitet für Wintergewitter. Bis zum 18. war das Land großflächig mit einer Schneedecke überzogen. Hier in Süddeutschland sorgte ab dem 13. eine stationäre Luftmassengrenze für Dauerschneefälle, da wir auf deren kalter Seite lagen. Die Schneehöhe, welche auf dem Hohen Peißenberg bisher nur um die 10 cm hoch lag, erhöhte sich am 14. dadurch auf 34 cm (zwischen Werdenfelser Land und Allgäu wuchs sie auf 40 – 75 cm, in Balderschwang auf 120 cm). Durch nordwestliche Anströmung und Alpenstau kam es vom 16. – 18. erneut zu länger anhaltenden Schneefällen. Unsere Schneehöhe erreichte einen neuen Höhepunkt (zugleich maximale Schneehöhe dieses Monats) von 51 cm. Die sehr kalte arktische Polarluft war jetzt von Nordosten bis zur Oder vorangekommen. In Polen lagen die Tagesmaxima am 18. nur zwischen -10 und -14 Grad Celsius. Östlich und nordöstlich von Deutschland war ein größeres Kaltluftreservoir vorhanden, ein längerer Winterabschnitt hätte nun bei uns beginnen können – jedoch kam es anders. Eine sehr milde Südwestströmung hielt dagegen, war stärker und setzte sich durch. Mit der Winddrehung auf Süd/Südwest begann am 19. auf dem Hohen Peißenberg ein sehr kräftiger Föhnsturm mit Windspitzen bis 25 m/s, entsprechend Windstärke 10 der Beaufort-Skala. Damit endete nun auch eine 17-tägige Dauerfrostperiode. Letztmalig so lange durchgehenden Dauerfrost gab es im Februar 2012. Es folgten 3 Tage mit Föhn. Am 20. kletterte das Quecksilber auf 10 Grad Celsius, die Sonne schien 8 Stunden bei sehr trockener Luft mit Luftfeuchten nur um 17 %. Der vorübergehende Übergang vom Winter in den Frühling hatte sich vollzogen. In den westlichen Landesteilen sanken die Nachttemperaturen am 21. noch nicht mal unter 10 Grad Celsius. Nach einer Kaltfront am 22. sanken die Temperaturen vom 24. – 27. erneut in den Dauerfrostbereich. Der 24. war ein sehr sonniger Tag (8,3 Stunden Sonnenschein), jedoch herrschte durch den starken Wind sehr heftiges Schneetreiben. Der Schnee wurde meterhoch aufgewirbelt, Schneewehen bildeten sich. Unsere Schneehöhe war bis zum 25.auf 26 cm getaut. Nachfolgender Dauerschneefall ließ sie jedoch bis zum 26. wieder auf 35 cm anwachsen. Ab dem 28. stiegen die Temperaturen bis zum Monatsende wieder über den Gefrierpunkt. Sehr milde Luft mit Dauerregen in Verbindung mit der Schneeschmelze führte zu Hochwasser an vielen Bächen und Flüssen. Auch der Rhein war betroffen. Zum Monatsende hatte sich über Deutschland eine Luftmassengrenze gelegt bzw. Grenzwetterlage ausgebildet. Aus Südwesten strömte sehr milde Luft subtropischen Ursprungs aus Richtung Spanien nach Süddeutschland (nach dem Schnee dort wurden nun nahe Valencia 29,7 Grad Celsius gemessen). In Norddeutschland dagegen nistete sich der Winter ein. Während die Frühtemperaturen am 31. in Süddeutschland etwas über dem Nullpunkt lagen, waren sie entlang der Elbe und im Nordosten verbreitet auf -10 bis -15 Grad Celsius abgesunken. Selbst Hamburg, Helgoland und Norderney waren mit einer Schneedecke bedeckt- gleichzeitig war sie auf dem Hohen Peißenberg gerade abgetaut. Der Januar verabschiedete sich am Monatsletzten mit Dauernebel und Sprühregen. Auch im Februar wird sich der Winter über Norddeutschland – wo er sich zunächst etabliert – einen spannenden Kampf mit der Frühlingsluft über dem Süden liefern.
Insgesamt fiel der Januar mit einer Monatsmitteltemperatur von -2,3 Grad Celsius um 0,7 grd. zu kalt aus. Dauerfrost (Eistage) herrschte an 21 Tagen. An 26 Tagen trat insgesamt Frost auf. Der wärmste Tag war der 21. mit 11,3 Grad Celsius. Am kältesten war es am 11. mit -11,9 Grad Celsius. Der Januar war ein echter Wintermonat. Das ist schon erwähnenswert, denn während der letzten 20 Jahre waren 13 Januarmonate zu warm. Das Winterfeeling beweist auch die Schneedecke, welche wir von Weihnachten her mit ins neue Jahr nehmen konnten. Erst am 30. war diese – bis auf kümmerliche Reste – abgetaut. Bayern war im Januar kältestes Bundesland. Die deutschlandweit kälteste Temperatur wurde mit -19,5 Grad Celsius in Oberstdorf am 11. gemessen. Dagegen am wärmsten war es in Emmendingen-Mundingen (nördlich von Freiburg) mit 15,6 Grad Celsius am 22. Niederschläge fielen 112 Liter pro Quadratmeter, d.h. fast das doppelte der langjährig zu erwartenden Menge (183%). Nur an 4 Tagen war es ganztägig trocken. Aber auch deutschlandweit fielen etwa 20 % mehr Niederschläge als üblich. Allerdings bildete das Schwarzwaldgebiet eine Ausnahme, denn dort fielen über 300 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Wegen der unbeständigen Witterung konnte die Sonne nirgends ihr Soll erreichen. Im landesweiten Durchschnitt schien sie nur 30 Stunden, bayernweit 40 Stunden und dank zeitweiligen Föhneinflusses auf dem Hohen Peißenberg immerhin sogar 77 Stunden (84%). Aber trotzdem schien die Sonne hier an 14 Tagen nicht. Der Wind wehte an 8 Tagen in Böen sehr stürmisch, am 12. orkanartig mit der höchsten Windspitze des Monats von 29 m/s bzw. 104 km/h, entsprechend der Windstärke 11 der Beaufort-Skala.

Wann wird der Winter am kältesten?

Die kälteste Luftmasse, welche uns erreichen kann, wird volkstümlich als Nordsibirische Kaltluft bezeichnet, von manchen Medien zur „Russlandpeitsche“ gehypt. In Fachkreisen nennen wir sie korrekt „kontinentale arktische Polarluft“. Sie gelangt aus den Gebieten Nordwestsibiriens sowie Nowaja Semlja zu uns und überströmt zuvor schneebedeckte Landflächen sowie meistens eisbedecktes Meer. Im Winter kann sie daher auf ihrem Weg nach Mitteleuropa nicht erwärmt werden. Besonders nachhaltig verursachte sie die drei strengen Winter 1940 – 1942. Vor allem war sie aber auch für den extrem kalten Februar 1956 verantwortlich – einen der kältesten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (so kalt, dass sogar der Rhein zugefroren war). Die arktische Kaltluft strömte aus Nordosten zwischen einem Skandinavienhoch und einem Tief über Südeuropa zu uns. Dieser Februar fiel mit einer Monatsmitteltemperatur von -12,4 Grad Celsius um 11,3 grd. zu kalt auf dem Hohen Peißenberg aus. Der kälteste Tag war dabei der 10. Februar. Das Maximum „kletterte“ nur auf -23,4 Grad Celsius; nachts sank es auf -28,3 Grad Celsius (in Wasserburg/Inn auf -35,1 Grad Celsius). Diese Luftmasse ist zwar in Mitteleuropa ein seltener „Gast“ geworden, auszuschließen ist ihr Besuch auch in Zeiten des Klimawandels jedoch nicht. In diesem Winter kam sie uns schon ziemlich nah, d.h. bis Polen heran. Auch auf der Modellagenda war ihr Erscheinen im Januar bereits einige Male bei uns vorgesehen, jedoch die Stärke und Übermacht atlantischer Tiefdruckgebiete verhinderten es bisher.

Aktuell – Globaler Klima-Risiko-Index

Die Umweltorganisation „Germanwatch“ veröffentlichte am 25. Januar ihren Globalen Klima-Risiko-Index. Dieser zeigt, wie stark die einzelnen Länder von Wetterextremen betroffen sind. Es geht dabei um die Auswirkungen auf die Menschen einerseits, aber auch um ökonomische Verluste. Grundlage für die Datenbasis bildet u.a. die Datenbank der renommierten Münchner Rückversicherung. Deutschland belegt dabei im Langfristvergleich der Jahre 2000 – 2019 den 18. Platz, also liegt ziemlich weit vorn. Österreich und die Schweiz belegen die Plätze 43 bzw. 45. Zu erinnern ist dabei an das Hitzejahr 2003 (3500 Menschen starben in Dtl. den Hitzetod durch Lungenversagen), den Orkan Kyrill 2007, weitere Hitzewellen und bundesweite Trockenheit 2018 und Folgejahre, sowie die „Jahrhundert“-Überflutungen an Elbe und Donau. Die zehn am meisten betroffenen Länder sind Puerto Rico, Myanmar, Haiti, Philippinen, Mosambik, Bahamas, Bangladesch, Pakistan, Thailand und Nepal. In diesem Zeitraum starben insgesamt 475000 Menschen an über 11000 Extremwetterereignissen. Als Hauptursache gelten Stürme, Überschwemmungen und Erdrutsche. Besonders tropische Wirbelstürme wurden zahlreicher; sie stiegen parallel mit der Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur markant an. Es sind überwiegend Entwicklungsländer stärker betroffen als Industrieländer, weshalb dort auch die existenziellen Bedrohungen durch Extremwetter wahrscheinlicher sind. Sie sind viel verwundbarer. Noch dazu ist ihr Beitrag zum Klimawandel im Gegensatz zu den großen Industrienationen zu vernachlässigen. Aber auch Deutschland ist nicht unverwundbar, stellt doch höchstwahrscheinlich zunehmende Trockenheit hierzulande ein großes Problem für die Zukunft dar.

Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter, Dipl.-Ing. (FA)


Monatsrückblicke Hohenpeißenberg 2020
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