Pressemitteilung der GRÜNEN vom 16.07.2015

GRÜNE kritisieren Rotstiftpolitik beim Deutschen Wetterdienst – Wetterwarte-Personal auf dem Fichtelberg nicht durch Automaten ersetzbar

Die erzgebirgischen GRÜNEN beklagen, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) nun auch auf dem Fichtelberg die manuelle Datenerfassung sowie die sog. Augenbeobachtung einstellen will und ab 2019 auf dem höchsten Gipfel Sachsens nur noch personallos mittels eines automatisierten Messfeldes agieren wird.

Aufgrund von Einsparungsvorgaben aus dem Bundesverkehrsministerium, unter dessen Dach sich der DWD befindet, sieht sich jener gezwungen, bundesweit immer mehr solcher Wetterstationen zu schließen bzw. auf Automatikbetrieb umzustellen.

Auf dem Fichtelberg begann man bereits um 1890 mit Wetteraufzeichnungen, damals noch in Regie des Fichtelberghaus-Wirtes. 1915 dann baute das Königliche Meteorologische Landesinstitut – trotz Weltkrieg – die jetzige Wetterwarte, welche am 1. Januar 1916 eingeweiht werden konnte und deren Meteorologen nun seit 100 Jahren regelmäßig Wetter beobachten und Messdaten erfassen.

Erst im Jahre 2009 etablierte der Deutsche Wetterdienst ein deutschlandweites Netz von insgesamt zwölf Klimareferenzstationen, die auch in den kommenden 100 Jahren mit einheitlicher Messtechnik und gut ausgebildeten Wetterbeobachtern die Klimaveränderungen erfassen sollen. Bedingt durch die lange Zeitreihe erfüllte auch die Wetterwarte auf dem Fichtelberg ein wesentliches Kriterium für den Status einer solchen Station.

„Die automatisierten Wetterstationen sind zwar in der Lage, Temperatur, Feuchte, Wind, Niederschlag und Luftdruck zu erfassen, aber weitere wichtige, visuelle Parameter wie Bewölkungsverhältnisse, Wetterzustand, Sichtweite oder Erdbodenzustand sowie Angaben zu Schneehöhen stehen meist nicht bzw. nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Auch ein flächendeckendes Hagel- und Gewitterbeobachtungsnetz ist durch den fortschreitenden Einsatz der Automatisierungstechnik leider nicht mehr gegeben. Unseres Erachtens kann und sollte der Deutsche Wetterdienst nicht auf Augenbeobachtungen verzichten, da es auch zu witterungsbedingten Datenausfällen und fehlerhaften Messwerten durch Verschmutzungen der Gerätschaften kommen kann. Was passiert außerdem, falls es zu Strom- oder Funkausfällen kommt oder Eis- Schnee und Reifablagerungen die Sensoren beeinflussen?

Gerade im Zeitalter des Klimawandels mit seinen zunehmenden, spontanen Extremwetterereignissen halten wir qualifizierte Mitarbeiter in der Wetterwarte für unverzichtbar. Schade, dass auch hier der Rotstift regiert“, so Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der GRÜNEN.

Zudem werfen die erzgebirgischen GRÜNEN die Frage auf, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude der Wetterwarte geschieht, da für die vollautomatische Datenerfassung nur noch ein Messfeld und kein festes Domizil mehr benötigt wird.

„Zu hinterfragen ist auch die Auskunft des Offenbacher Dienstes, dass im Zuge der Automatisierungswelle die Mitarbeiter an anderer Stelle dringend benötigt werden. Auch der Deutsche Wetterdienst braucht motivierte Mitarbeiter, die nicht durch beständige Versetzungen – oftmals noch in andere Bundesländer – aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden“, gibt Kahl weiter zu bedenken.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Kreisverband Erzgebirge
– Kreisgeschäftsstelle –
Markt 14
08340 Schwarzenberg

info@gruene-erzgebirge.de
http://www.gruene-erzgebirge.de

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