Pressemitteilung der Grünen vom 05.01.2016

wewa100 Jahre Wetterwarte auf dem Fichtelberg: GRÜNE kritisieren Rotstiftpolitik beim Deutschen Wetterdienst: Wetterwarte-Personal nicht durch Automaten ersetzbar

Anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Wetterwarte auf dem Fichtelberg kritisieren die erzgebirgischen GRÜNEN, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) beabsichtigt, ab 2019 auf dem höchsten Gipfel Sachsens die manuelle Datenerfassung sowie die sogenannte Augenbeobachtung völlig einzustellen. Ab diesem Zeitpunkt sollen nur noch mittels eines automatisierten Messfeldes – ohne jegliches Personal – Wetterdaten ermittelt werden.

Aufgrund von Einsparungsvorgaben aus dem Bundesverkehrsministerium, unter dessen Dach sich der DWD befindet, sieht sich letzterer gezwungen, bundesweit immer mehr solcher Wetterstationen zu schließen bzw. auf Automatikbetrieb umzustellen.

Auf dem Fichtelberg begann man bereits um 1890 mit Wetteraufzeichnungen, damals noch in Regie des Fichtelberghaus-Wirtes. 1915 dann baute das Königliche Meteorologische Landesinstitut – trotz des Ersten Weltkrieges – die jetzige Wetterwarte, welche am 1. Januar 1916 eingeweiht werden konnte und deren Meteorologen nun seit genau 100 Jahren regelmäßig Wetter beobachten und Messdaten erfassen. Somit entstand während der hundertjährigen Geschichte dieser Wetterbeobachtungseinrichtung eine lückenlose Messreihe, die selbst in den Wirren zweier Weltkriege fortgeführt werden konnte.

Erst im Jahre 2009 etablierte der Deutsche Wetterdienst ein deutschlandweites Netz von insgesamt zwölf Klimareferenzstationen, die auch in den kommenden 100 Jahren mit einheitlicher Messtechnik und gut ausgebildeten Wetterbeobachtern die Klimaveränderungen erfassen sollten. Noch vor reichlich fünf Jahren vertrat der DWD die Ansicht, dass man „langfristig auf die Beobachtung des Wetters durch den Menschen setzt“ und auch „in den kommenden hundert Jahren gut ausgebildete Wetterbeobachter die Qualität der klimatologischen Beobachtungsreihen selbst bei einem notwendigen Wechsel der Messtechnik sicherstellen sollen.“ Doch offenbar war man im Bundesverkehrsministerium anderer Meinung, so dass bereits im Dezember 2014 die Wetterwarte auf dem Fichtelberg ihren Status als Klimareferenzstation wieder verlor.

„Die automatisierten Wetterstationen sind zwar in der Lage, Temperatur, Feuchte, Wind, Niederschlag und Luftdruck zu erfassen, aber weitere wichtige visuelle Parameter wie Bewölkungsverhältnisse, Wetterzustand, Sichtweite oder Erdbodenzustand sowie Angaben zu Schneehöhen stehen meist nicht bzw. nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Auch ein flächendeckendes Hagel- und Gewitterbeobachtungsnetz ist durch den fortschreitenden Einsatz der Automatisierungstechnik leider nicht mehr gegeben. Unseres Erachtens kann und sollte der Deutsche Wetterdienst nicht auf Augenbeobachtungen verzichten, da es auch zu witterungsbedingten Datenausfällen und fehlerhaften Messwerten durch Verschmutzungen der Gerätschaften kommen kann. Was passiert außerdem, falls es zu Strom- oder Funkausfällen kommt oder Eis- Schnee und Reifablagerungen die Sensoren beeinflussen?

Gerade im Zeitalter des Klimawandels mit seinen zunehmenden, spontanen Extremwetterereignissen halten wir qualifizierte Mitarbeiter in der Wetterwarte für unverzichtbar. Schade, dass auch hier der Rotstift regiert. Wir hoffen, dass die Entscheidung noch einmal überdacht und letztlich revidiert wird. Wir GRÜNEN fordern, dass die Wetterwarte auf dem Fichtelberg künftig wieder als Klimareferenzstation fungiert“, so Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der GRÜNEN.

Zudem werfen die erzgebirgischen GRÜNEN die Frage auf, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude der Wetterwarte geschieht, da für die vollautomatische Datenerfassung nur noch ein Messfeld und kein festes Domizil mehr benötigt wird.

Zu hinterfragen ist zudem die Auskunft des Offenbacher Dienstes, dass im Zuge der Automatisierungswelle die Mitarbeiter an anderer Stelle dringend benötigt werden. Auch der Deutsche Wetterdienst braucht motivierte Mitarbeiter, die nicht durch ständige Versetzungen – oftmals in andere Bundesländer – aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden“, gibt Kahl weiter zu bedenken.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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