Abgesetzte Nebeltröpfchen

In der letzten Nacht bildete sich auf dem Fichtelberggipfel Nebel. Sind die Nebeltröpfchen ausreichend groß (wie zum Beispiel, wenn sich der Gipfel in einer Wolke befindet) und ist der Wind nicht ganz so stark, dann halten sie sich an der Oberfläche von Pflanzen. Im Volksmund wird dies als Nebeltraufe oder Nebeltau bezeichnet. Heute Morgen glänzten die Nebeltröpfchen in der sich durchkämpfenden Sonne auf unserer Wiese und vor allem an den haarigen und ährigen Pflanzen um die Wette, was einfach nur wunderschön aussah.

Der Nebelniederschlag, der sich an allen Oberflächen bildet, die mit dem Nebel in Berührung kommen, ist vor allem im waldreichen Gebirge für den Wasserhaushalt wichtig und wird deshalb an der Wetterwarte gesammelt und ausgemessen (siehe diesen Artikel). Zu den 11. Annaberger Klimatagen im Mai 2018 gab es auch einen Vortrag zu diesem Thema, der hier abgerufen werden kann. (ch)

Advertisements
Veröffentlicht unter Flora und Fauna, Wetterwissen | Kommentar hinterlassen

01.06.2018 – Automatisierung der Augenbeobachtung an der Wetterwarte Zugspitze (2963m)

Ab heute werden an der Wetterwarte Zugspitze die „Augenbeobachtungen automatisiert“ (Quelle). Immerhin wird die Zugspitze nun nicht wie die Wetterwarte Wendelstein geschlossen oder die Wetterwarten auf dem Feldberg im Schwarzwald und dem Großen Arber im Bayrischen Wald komplett verwaist, sondern über Nacht übernimmt weiterhin je ein Mitarbeiter Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit, Sensorikpflege, Filterwechsel  der Radioaktivitätsmessung und die konventionelle Messung und Eingabe des 24-stündigen Niederschlags und der Schneehöhe zum 06.00 UTC- Termin. Auch Führungen für Schüler und Studenten werden weiterhin durchgeführt.

Für uns ist der heutige Termin dennoch ein trauriger Anlass, auf die Geschichte der 118-jährigen höchsten Wetterwarte Deutschlands und die harte Arbeit der Beobachter zurückzublicken.

Als der Deutsche und Österreichische Alpenverein 1897 auf der Zugspitze ein Unterkunftshaus eröffnete, wurde auch erwogen, eine meteorologische Hochstation zu errichten. Von den regelmäßigen Wetterbeobachtungen und Messungen versprach man sich neue klimatologische Erkenntnisse und einen Vergleich zu den Ergebnissen des 1887 errichteten 3106m hohen Observatoriums auf dem Hohen Sonnblick (Hohe Tauern). Als das Königlich Bayerische Staatsministerium gemeinsam mit den Alpenvereinen die entsprechenden Mittel für den Bau zur Verfügung stellten, konnte 1898 mit der Planung begonnen werden. Nach nur zwei Jahren wurde die am Münchner Haus angebaute  Königlich Bayerische Meteorologische Hochstation Zugspitze am 19. Juli 1900 feierlich eingeweiht.

Wetterwarte und Zugspitzgipfel um 1900. Quelle: Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins, Jahrgang 1900

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wetterwarten weltweit | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Gewitter

Gewitter in Scheibenberg. Foto: André Baumann

Gestern gab es in einigen Teilen des Erzgebirges heftige Gewitter. Ursache war ist Konvergenzzone (Region mit zusammenströmenden Luftmassen), die von Tief WILMA über der Bretagne quer über Deutschland gelegen trockene kühle Luft im Norden von feuchter heißer Mittelmeerluft trennt. Diese verläuft in einem Streifen zwischen Weser und Elbe bis nach Thüringen und Sachsen, in dem es auch heute und in den nächsten Tagen immer wieder Gewitter geben wird.

Das gestrige Gewitter braute sich südlich des Erzgebirges zusammen und brachte auf dem Fichtelberg um 20.15 Uhr Hagel bis 8mm Durchmesser. Auf dem Gipfel fiel auch mit 14,3mm der meiste Niederschlag. Ein Gewitterarm erstreckte sich bis nach Aue, aber trotz bedrohlichen Aussehens und hoher Blitzdichte brachte er keine ergiebigen Regenmengen.

In Schwarzenberg hatten wir währenddessen den Grill angeworfen, denn als bekennender Gewitterschreck war ich mir sicher, dass es uns nicht erreichen würde. Insofern bewunderten wir mit Steak und Bier die herrliche Blitzkulisse im Süden …

Nachfolgend einige Fotos von Wolfgang Hinz und mir in Schwarzenberg, André Baumann in Oberscheibe und Wolfgang Weigert in Adorf.

Veröffentlicht unter Aktuelle Wetterinfos | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Wenn im Westen die rote Sonne im Tal versinkt …

Gestern zog im nördlichen Erzgebirge ein kleines Gewitter vorbei. Auf dem Fichtelberg ging knapp daneben die Sonne tiefrot unter. Aber wie kommt es zu solchen roten Sonnenuntergängen?

Bei tief stehender Sonne muss das Licht durch den flachen Einfallswinkel einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, bei dem die kurzwelligen Spektralfarben des Lichtes weggestreut werden. Je mehr Aerosole sich in der Atmosphäre befinden, desto mehr wird das Licht gefiltert, so dass nur noch das langwellige Rot übrig bleibt.

Allerdings ist das Sonnenlicht nicht selten bis zum Sonnenuntergang so hell, dass durch die Überstrahlung der Rotton nicht so wahrgenommen wird. Aber wenn sich wie gestern zusätzliche Partikel (Wolkenfetzen, Wassertröpfchen) zwischen Sonne und Beobachter befinden, wird das Sonnenlicht abgeschwächt und die rötliche Farbe besser sichtbar.

Im Übrigen erscheinen auch entfernte Blitze rot, wenn es im Gewitter oder auf dem langen Weg zum Beobachterauge regnet. (ch)

IMG_3388

Rote Gewitterblitze weit hinter Annaberg mit Pöhlberg. (ch)

Veröffentlicht unter Besondere Wetterphänomene und Atmosphärische Erscheinungen | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Die Schönheit nach dem Regen

Guten Morgen, da mir nach diesem herrlichen Sonnenaufgang vor Ergriffenheit die Worte fehlen, halte ich einfach mal die Klappe und lasse die Bilder sprechen … (ch)

Veröffentlicht unter Besondere Wetterphänomene und Atmosphärische Erscheinungen, Wetterwissen | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Regen!

IMG_8511

Nach der langen Trockenheit hat sich seit gestern zwischen den Hochs ein Höhentief eingequetscht, was kaum gezogen ist. Südlich einer Linie von Köln bis Dresden kam es zu teils kräftigen Schauern und Gewittern, die vor Ort viel Wasser gebracht haben. Besonders zwischen dem Egertal über das mittlere Erzgebirge bis nach Chemnitz gab es verbreitet Niederschlagsmengen zwischen 20 und 60 Liter pro Quadratmeter. Am schlimmsten hat es das Vogtland erwischt, wo in den letzten 12 Stunden in einem Streifen von Bad Brambach bis Plauen durch gewittrigen Starkregen 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter niedergingen, was vor allem entlang der Weißen Elster für massive Überschwemmungen sorgte. Wegen Straßen- und Kellerüberflutungen war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Hier einige Berichte und Fotostrecken zu diesem Unwetterereignis (123).

de_regen-de-310-1_2018_05_24_15_50_386_434

Kalibrierte 6-stündige Niederschlagssumme über dem Vogtlandkreis. Quelle: kachelmannwetter.com

Und wie geht es jetzt weiter? Die Schauer- und Gewittertätigkeit klingt über dem Erzgebirge ab verlagert sich weiter nach Süden. Ab morgen wird es trockner und mit jedem Tag wärmer. Zu Beginn nächster Woche könnte dann in den Tälern die 30°-Marke geknackt werden. Allerdings bleibt durch feuchtere Luftmassen das Gewitterrisiko relativ hoch. Das (für uns zumindest) langweilige tagelang wolkenlose Wetter (wo uns kaum was Informatives für den Blog einfällt) scheint also (zum Glück) erst einmal vorbei zu sein. (ch)

Veröffentlicht unter Aktuelle Wetterinfos | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Schwarmbeben im Vogtland

Vogtland

Seit 10. Mai 2018 werden im Vogtland umfangreiche Schwarmbeben registriert. Dabei gab es bereits bis 150 Erdbeben, die zum Teil bis ins Erzgebirge hinein gespürt wurden. Das bisher stärkste Beben fand mit einer Magnitude von 3,4 in der Nacht zu Montag nördlich von Luby in der Tschechischen Republik statt.

Die Epizentren der stärksten Beben liegen ungefähr alle auf einer Linie, die den Namen Mariánské Lázně Fault trägt und das Eger-Becken im Osten begrenzt. An dieser Störungszone wurden noch um das 9. Jahrhundert herum Erdbeben bis zur Stärke 7 nachgewiesen. Das letzte größere Beben hat es 1872 mit einer geschätzten Stärke von 5,5 gegeben. Die Schwarmbeben der heutigen Zeit setzen stattdessen über einen längeren Zeitraum viel Energie frei und machen ein schweres Erdbeben damit unwahrscheinlich.

Über die vermutlichen Ursachen der Schwarmbeben im Vogtland haben wir bereits in einem früheren Artikel informiert. Wie lange die Erde noch beben wird, lässt sich nicht sagen. Es kann mehrere Tage dauern, aber auch einige Monate. Wer eines dieser Erdbeben gespürt hat, kann auf der Seite von Juskis Erdbebennews seinen Bericht abgeben. (ch)

Update: Am 21.05.2018 gab es um 23.04 Uhr mit 4,2 (GFS) das bisher stärkste Erdbeben des derzeitigen Schwarms. Auf dem Fichtelberg war es deutlich als lautes Grollen zu hören und der Turm der Wetterwarte hat stark vibriert.

Veröffentlicht unter Geologie, Wetterwissen | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Das waren die Eisheiligen 2018

OWolfram

„Eisheiliger“ Gewitterschauer, aufgenommen am 16.05.2018 vom Spiegelwald.
Foto: Olaf Wolfram, http://www.digimakro.de

Wir haben länger nicht mehr über’s Wetter berichtet, weil es kaum etwas zu berichten gab. Während im Westen Deutschlands schwere Gewitter mit Hagel und sogar ein Tornado wüteten, bekam das Erzgebirge lediglich etwas vom sehnlichst erwarteten Niederschlag ab, was aber auch kaum mehr war, als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vom 9. zum 10. brachten kleine Gewitter im Raum Aue fast 30mm Wasser, in Eibenstock fielen in den letzten 2 Tagen 15mm, auf dem Fichtelberg gab es im gesamten Mai bisher 12,8mm und einige Orte gingen fast leer aus.

Und nun scheinen sich selbst die Eisheiligen fast unbemerkt vorübergeschlichen zu haben. Dabei gelangten zwischen dem osteuropäischen Tief VADJMA und dem britischen Hoch SVEN vorübergehend Wolken und kühle Luft nach Mitteleuropa. Doch während die Eisheiligen im letzten Jahr auf dem Kamm Frost und Schnee brachten, gab es in den letzten Tagen nur im erzgebirgischen Kältepol Kühnhaide mit einer nächtlichen Tiefsttemperatur von -1,4°C Frost. Ansonsten wurden die 5°C nur auf dem Fichtelberg unterschritten. Immerhin haben tagsüber auch einige die Jacken wieder herausgekramt, denn vor allem durch die vergangenen Wärmeperioden fühlten sich die 10-15°C etwas kühler an. Aber typische EISheilige???

Dem Namen etwas gerechter wurden sie in den Alpen, wo im Westen oberhalb 2000 und in den Berchtesgadener Alpen oberhalb 1500 Meter Schnee fiel und einige Gebiete herrlich anzuckerten. Nachfolgend einige Webcambilder von foto-webcam.eu für die Schneefans unter uns.

Die „große Kälte“ 😉 ist nun erst einmal wieder vorbei, denn in den kommenden Tagen setzt sich hoher Luftdruck durch und sorgt wahrscheinlich für den gesamten Rest des Monats für warme Mai-Tage. In diesem Sinne wünschen wir herrlich sonnige Pfingsten! (ch)

Veröffentlicht unter Aktuelle Wetterinfos | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

11. Annaberger Klimatage

Heute haben die 11. Annaberger Klimatage mit dem Schwerpunktthema „Mittelgebirge – Weißer Fleck im Klimawandel?“ begonnen. Dabei werden vor allem Ergebnisse neuer Projekte zu Analyse, Interpretation und Bewertung der regionalen Klimadaten vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung der durch den Klimawandel bedingten Risiken wie Starkregen, Trockenheit und Hitze. Auch die Vollautomatisation der Wetterwarte auf dem Fichtelberg wird sicherlich Thema sein.

Wer nicht dabei sein kann, hat hier die Möglichkeit, die Vorträge per Livestream zu verfolgen. Das Programm ist in diesem Flyer zu finden.

Veröffentlicht unter Museen, Ausstellungen und Veranstaltungen | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Glockenläuten auf dem Fichtelberg zum Nachtwächter- und Türmertreffen

Andrang

Andrang an der Friedensglocke

In der letzten Woche verweilten über 100 Nachtwächter und Türmer sowie deren Begleitpersonen aus Deutschland, Dänemark, Niederlande, Frankreich und aus weiteren Ländern zum 33. Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunfttreffen in Schwarzenberg. Sie besuchten Kirchen und Gastwirtschaften und schauten bei Hobbyeisenbahnern vorbei. Ein Programmpunkt war eine Bergandacht mit dem Schwarzenberger Türmer Gerd Schlesinger auf dem Fichtelberg mit Läuten der Friedensglocke. So viele Nachtwächter und Türmer mit Hüten und langen schwarzen Mänteln bekleidet und mit Hellebarde und Laterne in der Hand, sieht man selten. Dementsprechend groß war auch der Besucheransturm. (wh)

Veröffentlicht unter Museen, Ausstellungen und Veranstaltungen, Wetterwissen | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen