Regenbogen ohne Sonne und Regen???

Regenbogenfuss auf dem Fichtelberg. Foto: Kerstin Franze

Heute Morgen gab es in fast ganz Deutschland Morgenrot und zwischen Dresden und dem Erzgebirge bis nach Böhmen hinein einen Regenbogen, scheinbar ohne Sonne und ohne Regen. Am schönsten war er in Annaberg, Schwarzenberg und Bad Schlema zu sehen. Viele haben sich gefragt, wie es dazu kommt? Denn ein Regenbogen benötigt ja Regentropfen, die das einfallende Sonnenlicht brechen und reflektieren.

Zu erst einmal zum Thema Sonne: Da die Wolken mit reichlich 3000 Metern höher waren, als der Beobachter, werden diese schon einige Minuten eher beschienen. Auf der Webcam Keilberg ist der Regenbogen ab 08.00 Uhr zu sehen, das sind 7 Minuten vor dem astronomischen Sonnenaufgang. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt noch 1,8° unter dem Horizont, das Licht der Sonne fällt aber bereits auf die höheren Wolken. Da man auf dem Berg etwas unter den mathematischen Horizont schauen kann und zudem oft zusätzliche Refraktionseffekte hat, welche die Sonne anheben, geht die Sonne oft schon einige Minuten vor der astronomischen Zeit auf. Insofern sind auf den Keilberger Webcambildern um 08.05 Uhr bereits diffus die Baumspitzen beschienen, so richtig hell aber erst um 08.10 Uhr.

Regenbogen auf den Webcambildern vom Keilberg. Quelle: ČHMÚ-Webcam Keilberg

Die meisten haben aber den Regenbogen in den Tälern beobachtet, da wird die Sonne ringsherum von Bergen oder Bäumen abgeschirmt und ist erst viel später sichtbar. Deshalb hat man oft den Anschein, dass die Sonne noch nicht aufgegangen ist, aber für die Wolken stand sie natürlich genau so hoch wie auf dem Fichtelberg.

Und der Regen? Es gab seit der Nacht einige leichte Schauer. Allerdings hat sich über die in den letzten beiden Tagen dominierende Kaltluft eine warme trockene Luftmasse geschoben. Die Messdaten der Radiosondenaufstiege aus der Nacht zeigen unterhalb des Wolkenniveaus eine Luftschicht mit Luftfeuchten von nur 2% (Lindenberg) an. Fällt also Regen in diese Luftschicht, dann verdunstet er darin und ist vom Boden aus nur noch als Fallstreifen erkennbar. Diese sind besonders schön auf dem Foto von Annett Keller, aufgenommen in Bad Schlema zu sehen.

Fallstreifen (Virga) in Bad Schlema. Foto: Annett Keller

Der Regenbogen heute Morgen entstand also direkt vor den Wolken und war zudem noch überwiegend rot, da durch den langen Lichtweg des flach in unsere Erdatmosphäre einstrahlenden Sonnenlichts die restlichen Farben herausgestreut werden. (ch)

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Riesengebirgssicht


Blick zum 200km entfernten Riesengebirge. Foto: Jarda Fous

In der letzten Nacht war es auf dem Fichtelberg sehr trocken und die Luftfeuchte sank mehrfach unter 10%. Die Luft war sehr klar und wie bereits die tage zuvor herrschte eine sehr gute Fernsicht. Jarda Fous fuhr zum Sonnenaufgang auf den Berg und konnte dort das über 200km entfernte Riesengebirge aufs Bild bannen. Es war durch Luftspiegelungseffekte verzerrt und die Berge nicht eindeutig zu erkennen. Auch der Gipfel des Milleschauer (Milešovka) war zeitweise nach oben verzerrt.

Verzerrter Milleschauer. Foto: Jarda Fous

Informationen zu Luftspiegelungen und den Sichtweiten vom Fichtelberg gibt es in dieser kostenlos downloadbaren Publikation: „Optische Erscheinungen und andere ungewöhnliche Wetterphänomene auf der Wetterwarte Fichtelberg“. (ch)

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Letzte Augenbeobachtung auf dem Brocken

Blick vom Brocken zum Fichtelberg, der durch Luftspiegelungseffekte verzerrt ist. Fotos: Marc Kinkeldey

Neben der Wetterwarte auf der Wasserkuppe wird heute auch die Wetterwarte Brocken automatisiert. Damit geht eine 184-jährige Ära zu Ende, auf denen Menschen Wetterdaten auf dem höchsten Harzgipfel erhoben. Ob Automaten die Klimareihe in dieser Qualität weiterführen können, bleibt abzuwarten. Auf dem Fichtelberg ist es nicht gelungen und bereits wenige Tage nach Abzug des Personals gab es aufgrund von Schneefall und Nebelfrost massive Datenausfälle. Auf die Messung von Schneehöhe und Niederschlag wurde gar komplett verzichtet.

Ein letztes Mal konnte am Sonntag der Brocken-Beobachter Marc Kinkeldey zum Abschied dem Fichtelberg zuwinken, der nach oben hin gespiegelt war. Ähnliche Luftspiegelungseffekte gab es am gleichen Tag auch vom Fichtelberg aus zu sehen, allerdings ist von da aus geblickt der Brocken im Winter nur schwer beobachtbar, da die Sonne zu weit entfernt untergeht und der Harz somit nicht beleuchtet ist. Bessere Bedingungen gibt es von der Beleuchtung her im Sommer, dann allerdings sind solche guten Sichtweiten sehr selten und oft nur kurzzeitig nach Kaltfrontdurchgängen möglich. Den besten Brockenblick hatte Gerd Franze am 1. Juli 2018.

Nun wird sich an den Wetterwarten niemand mehr für derartige Sichtweiten begeistern, sich an Wetterphänomenen erfreuen oder gar Abhandlungen und Auswertungen von derartigen Erscheinungen erstellen.

Wir können gut nachvollziehen, wie schwer es den Kollegen vom Brocken fällt, ihren geliebten Arbeitsplatz zu räumen, waren sie doch ebenso engagiert und immer für Besucher offen wie wir. Bis zu 2000 Interessenten besuchten jährlich die Brockenwetterwarte. Wir wünschen alles erdenklich Gute und hoffen, dass sie sich mit ihren neuen Tätigkeiten gut arrangieren können. Auch wenn erfahrungsgemäß ein Stück des Herzens immer auf dem Berg bleiben wird. (ch)

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Abendroter Abschied von 2019

Abendrot über dem Osterzgebirge, aufgenommen von der Opitzhöhe nordöstlich von Tharandt, der nordöstlichsten Erhebung des Erzgebirges. Foto: Heiko Ulbricht

Gestern gab es zum Abschied des Jahres 2019 ein wunderschönes Abendrot, was nicht nur im Erzgebirge verbreitet beobachtet wurde. Ursache waren ausgedehnte Altocumulus-Felder, die im Warmsektor eines kräftigen Tiefs entstanden. Nachfolgend zahlreiche Fotos, die uns von verschiedenen vom Anblick erfreuten Beobachtern erreichten.

Nach einem Warmstart ins neue Jahr mit Temperaturen bis 10°C am Donnerstag geht es zum Wochenende mit den Temperaturen steil bergab. Ob und wieviel Schnee dabei ist, bleibt abzuwarten, aber auf dem Fichtelberg könnten die Temperaturen weit in den zweistelligen Bereich sinken. Wir freuen uns über den erneuten Winteranlauf 🙂

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Großwetterlagen 2019 – Ein Vergleich

Von einer Großwetterlage spricht der Meteorologe, wenn er damit das Europäische Wetter über meist mehrere Tage ausdrücken will. Die GWL’s charakterisieren den Luftdruck und damit auch das Wetter in den jeweiligen Regionen. Unterteilt werden die insgesamt 29 Großwetterlagen in 4 zonale (Westwind), 7 gemische (Mischung aus zonal und meridional) und 18 meridionalen (Blockade des Westwindgürtels) Zirkulationsformen unterteilt. In meiner bis 1917 ausgearbeiteten Dresdner Reihe ergeben sich folgende
TOP 3: 1. Wz (westlage, zyklonal) Zonal
2. BM (Hochdruckbrücke Mitteleuropa) Gemischt
3. HM (Hoch Mitteleuropa) Gemischt

und folgende FLOP 3: 1. Na (Nordlage, antizyklonal) Meridional
2. Sz (Südlage, zyklonal) Meridional
3. Hfz (Hoch Fennoskandien, zyklonal) Meridional

Die Verteilung der 3 Strömungsmuster lag zwischen 1917 – 2019 bei 26 % zonal, 33 % gemischt und 40 % meridional.

In den 365 Tagen diesen Jahres zeichnet sich eine weitere Verschärfung des Trendes der letzten Jahrzente ab: An 43 % der Tage blockierten die Hoch’s und Tief’s den globalen Westwindgürtel über weite Teile Europas. Mit mittlerweile 42 % haben die gemischten GWL’s am meisten zugenommen. Die klassischen Westwindlagen gingen auf 15 % der Tage zurück.
Die TOP 3 von 2019: 1. Wz (westlage, zyklonal) Zonal
2. BM (Hochdruckbrücke Mitteleuropa) Gemischt
3. SWz (Südwestlage, zyklonal) Gemischt

Die FLOP 3 von 2019: 1. Ws (südliche Westlage) Zonal &
NEa (Nordostlage, antizyklonal) Meridional
3. NEz (Nordostlage, zyklonal) Meridional

Was bedeutet dies?

Zonale GWL sorgen für eine milde, nasse und meist windige Witterung, die häufig wechselt. Meridionale bilden große Trockengebiete und schmale Niederschlagsbänder mit Hochwassergefahr im Sommerhalbjahr. Je nach Windrichtung kann die Temperatur entweder deutlich nach unten oder oben abweichen. Die Witterung kann wochenlang stagnieren.

Die besonders warme und trockene Witterung von 2018/19 ist auf die Zunahme der gemischten und meridionalen Zirkulationsformen zurück zuführen. In Zukunft müssen wir uns darauf einstellen, dass das Wetter extremer wird (starker Temperaturwechsel, lange Trockenphasen bei zunehmendem Starkregenrisiko aber auch Phasen langer gleichbleibender Witteurng). Was nicht bedeuten muss, dass sich das Klima unterm Strich ändert. In 2019 verursachten die „Blockadehochs- und tiefs“ eine südliche Strömung. Die Temperaturen übertrafen fast das ganze Jahr die Norm. Die Druckgebiete können aber bei einer Verschiebung auch einen Wechsel der Windrichtung auf N verursachen. Dann kann es vor allem im Winter rekordverdächtig kalt werden. Lassen wir uns also überraschen und hoffen, dass das Wetter wieder spektakulärer wird – in Hinsicht auf alle Wetterelemente.

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Herrlich kalter Wintermorgen

Frostiger Sonnenaufgang heute Morgen (ch)

Heute war der kälteste Tag des bisherigen Winters. Auf dem Fichtelberg wurde am Morgen -9,9°C gemessen, in Kühnhaide sogar -12,9°C. Noch kälter war es mit -16°C im böhmischen Jelení (Hirschenstand).

Zurück zum Fichtelberg, wo der Tag mit herrlichem Sonnenaufgang begann. Der Schnee glitzerte im ersten Licht der Sonne, die Wetterwarte und das Fichtelberghaus wurden in tiefrotes Licht getaucht. Im Fichtelgebirge spiegelten sich einige Berge an der Oberseite der Inversion.

Da es oben recht bald voll wurde, fuhren wir über das Schwarzwassertal und Potůčky zurück und erfreuten uns an den winterlichen Aussichten und herrlichen Raureif, der vor allem im Bereich des Schwarzwassers an den Halmen und Bäumen haftete. Nachfolgend die besten Fotos von heute (ch, wh)

 

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Weiße Weihnachten auf dem Fichtelberg

(Eigener) Schneemann auf dem Fichtelberg (ch)

Inmitten des weiten grünen Landes erhebt sich zum Weihnachtsfeste eine kleine Winterinsel – der Fichtelberg. Die Menschen strömten an den Weihnachtstagen nach oben, um dieses kleine Weihnachtswunder erleben zu dürfen. Sie packten ihre Schlitten und Skier aus, bauten Schneemänner, neckten sich mit Schneebällen oder staunten nur einfach nur über das herrliche Weiß. Bei den Schneegrüßen an die Lieben in die frühlingshaften Ebenen kam nicht selten ein ungläubiges Nachfragen, ob denn die Bilder wirklich aktuell sind. Ja, sie sind es, der Fichtelberg meldete heute morgen 25cm Schnee und der Lift am Haupthang ist in Betrieb 🙂

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Weihnachtsgrüße

Die Wetterwarte kalt, verw(a/e)isst,
ja so begann das Jahr,
im Schnee versunken, schön vereist,
als grün das Flachland war.

So hoffen wir zur Weihnachtszeit
dass langsam alles weiß,
und dass es überall bald schneit,
wir innehalten, leis.

Vom Stress befreit regenerier’n,
die Sorgen mal vergessen,
dafür mit Freunden amüsier’n
und beim Familienessen.

Wir wünschen Euch zum Weihnachtsfest
mehr als Geschenke schenken
und bis zum letzten Jahresrest
mal an sich selbst zu denken.

Das Team der Fichtelbergseite wünscht Euch geruhsame Feiertage!

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Wetterjahr 2020

Wunderschöne Kelvin-Helmholtz-Wellen zieren den Titel des neuen Wetterjahr 2020.

Für das kommende Jahr haben die Autoren Bernd Eisert, Richard Heinrich und Gabriele Reich erneut einen abwechslungsreichen Wetter-Almanach veröffentlicht, der den Leser mit auf eine Reise in die Tiefen der Meteorologie nimmt und in leicht verständlicher Weise meteorologische, klimatologische, phänologische, ornithologische und historische Themen beleuchtet.

So wird im Monatsthema Januar (Leseprobe) der Wetterwarte Wasserkuppe auf der Rhön ein Denkmal gesetzt, die zusammen mit dem Brocken zum 1.01.2020 vollautomatisiert wird. In weiteren Themen werden Wetterrekorde (Februar), Kugelblitze (März), die grüne Farbe in Gewitterwolken (Juni) oder das Haareis an Totholz (November) beleuchtet.

Das Zodiakallicht, Gefrierkeime in den Wolken, Böenwalzen, Gewitter in der Arktis oder das Sturmzittern der Erde durch den Wellengang der Ozeane sind Themen der Rubrik Wetterwissen.

Natürlich werden auch wieder außergewöhnliche Wetter- und Unwetterereignisse der Vergangenheit beleuchtet, wie zum Beispiel die ungewöhnliche Hitze im Juli 2019, die Kältewelle im November 2010,  die intensiven Purpurlichter im Sommer und Herbst diesen Jahres oder die großen Waldbrände der Arktis.

Zudem gibt es jeweils auf den Monat bezogene Informationen zu Wetter, Natur, Gesundheit und zu typischen Wetterlagen. Abgerundet wird das Wetterjahr mit einem Serviceteil mit Klimatabellen, Informationen zu Pollenflug, UV-Index, Windstärken, Sonnenauf- und Untergangszeiten, Phänologischem Kalender und vielen mehr.

Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht oder sich selbst beschenken möchte, ist mit dem „Wetterjahr“ auf jeden Fall gut beraten. Ein Buch gibt es vielleicht auch wieder in unserem Adventskalender zu gewinnen … 😉 (ch)

Infos
Wetterjahr 2020: Wetter – Klima – Natur
von Bernd Eisert, Richard Heinrich, Gabriele Reich
Windturm Verlag 2019
ISBN 978-3-944139-07-4
UVP: 15,95 €

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Ski und Rodel möglich

Ski und Rodel möglich, aber Neuschnee wird dringend gebraucht! Foto: Wolfgang Hinz

Der Fichtelberg präsentierte sich heute mit letzten Schneeresten nur wenig weihnachtlich. Trotz dem Tauwetter hat am Donnerstag am Fichtelberg die Skisaison eröffnet, zumindest der Kunstschnee hat die Warmphase überdauert und Skifahren ist möglich. Heute war es zumindest nicht mehr so warm und Böhmischer Nebel hat dafür gesorgt, dass der Fichtelberg oft im Nebel war und die Temperaturen nur wenig über Null ansteigen konnten. Dennoch hoffen alle, dass Frau Holle endlich aktiv wird.

Und tatsächlich scheint noch vor Weihnachten zumindest oberhalb 1000 Meter der Winter zaghaft zurückkommen zu wollen. Bereits Morgen Abend wird ein Niederschlagsgebiet erwartet, welches dem Fichtelberg Schnee bringen könnte. Die Schnee-optimistischen Modelle sehen bis Heiligabend 20cm Neuschnee, die pessimistischen … ach lassen wir das und glauben einfach an ein weißes Weihnachtswunder auf Sachsens höchstem Gipfel … 🙂

Nachfolgend einige Fotos von heute mit dem Böhmischen Nebel am Erzgebirgskamm, einigen Haloerscheinungen und einem phantastischen Abendrot. (ch)

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