Mount Washington Observatorium (1917m), Appalachen, New Hampshire, USA

Titel

Der Berg Mount Washington erhebt sich im US-Bundesstaat New Hampshire, und gehört zur Presidential Range der White Mountains innerhalb der Appalachen. Mit 1917 Metern Höhe ist er die höchste Erhebung im Nordosten der USA und überragt das Umland um bis zu 1400 Höhenmeter.

Der Mount Washington zählt klimatisch zu den kargsten und windreichsten Gegenden der Erde. Zwar ist er, verglichen mit den Riesen der Rocky Mountains nicht besonders hoch, aber er liegt im Einflussbereich der Frontalzone, in der sich tropische und polare Luftmassen bevorzugt treffen. In Südostrichtung zur Küstenebene öffnet sich zudem das Mount Washington Valley und ermöglicht den Winden vom Atlantik ein ungehindertes Anströmen. Und so wie ein Felsblock einen ruhigen Fluss in eine tosende Stromschnelle verwandelt, so wirkt der Berg im Winter auf die ihn überfließenden Luftströme. Hier wurde, abgesehen von Tornados, am 12. April 1934 mit 372 km/h die bis 1996 weltweit höchste Windgeschwindigkeit gemessen. An über 100 Tagen im Jahr erreicht die Windgeschwindigkeit auf dem Gipfel mit über 120 km/h Hurrikanstärke. Dazu werden im Winter Temperaturen bis -40 °C und darunter registriert. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 56 km/h und die Durchschnittstemperatur von −2,7 °C erzeugen zudem extreme Windchill-Effekte.

Das charakteristische Winterwetter auf dem Mount Washington lässt sich mit dem der Polarregionen vergleichen, nur herrschen hier wesentlich höhere Windgeschwindigkeiten. Deshalb arbeiten immer wieder zukünftige Mitglieder der amerikanischen Antarktisstation zunächst einige Monate auf dem Mount Washington. Auch Bergsteiger trainieren hier für ihren Aufstieg auf den Mount Everest.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um auf dem Gipfel zu kommen. Von Mai bis Oktober ist die Mount Washington Auto Road geöffnet, eine privat betriebene, mautpflichtige Straße, die von Gorham auf der Ostseite des Berges über zwölf Kilometer mit durchschnittlich 12 % Steigung über 1441 Höhenmeter auf den Gipfel führt. Zudem fährt die Zahnradbahn Mount Washington Cog Railway von Marshfield bei Bretton Woods von April bis November mehrmals täglich auf den Gipfel und zurück. Mindestens 15 steile, lange Wanderwege, darunter der Appalachian Trail, führen ebenfalls auf den Gipfel des Mount Washington.

Seit 1932 gibt es auf dem Gipfel das meteorologische Observatorium Mount Washington. Es  ist eine private, gemeinnützige, ehrenamtliche Einrichtung mit dem Ziel, das Verständnis für natürliche Vorgänge, die das Wetter und Klima auf der Erde beeinflussen, zu erweitern. Um dieses Ziel zu erfüllen gibt es die Wetterstation auf dem Gipfel des Mount Washington, wo Wetter- und Klimabeobachtungen durchgeführt sowie Bildungsprogramme und die Geschichte der Mount Washington Region dargeboten werden.

Wetterbeobachtung

Die Wetterstation auf der Spitze des Mount Washington Observatorium ist das Herzstück der Einrichtung. Seit der Gründung wurde es rund um die Uhr von zwei Belegschaften abwechselnd überwacht, die jeweils für eine Woche auf der Bergspitze wohnen. Es werden stündliche Wetterbeobachtungen und Forschungsaufgaben durchgeführt und für Besucher informative Kurse abgehalten.

Wetterbeobachtungen werden dem Staatlichen Wetterdienst übermittelt, der diese dann für landesweite Vorhersagemodelle und regionale Berichte verwendet. Meteorologen erstellen spezielle Vorhersagen für die höheren Gipfel der White Mountains und für die Umgebung.

Mit detaillierten Klimadaten, die bis zur Gründung der Einrichtung zurück reichen, besitzt das Mount Washington Observatorium die längsten durchgehenden Klimaaufzeichnungen Nord Amerikas.

Zusätzlich zu den Wetterbeobachtungen hat das Observatorium eines der modernsten Einrichtungen, die als Maßstab für andere Forschungsstationen genommen wird, und arbeitet eng mit Universitäten, Regierungsbehörden und privaten Unternehmen zusammen. In jüngsten Projekten ging es um Nebelfrostveränderungen, Luftverschmutzung, die Auswirkung von Klimaveränderung in Höhenlagen, globale troposphärische Chemie und vieles mehr.

Da sich das Mount Washington Observatorium 1917 Meter über dem Meeresspiegel befindet und extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist, wird es auch als Testlabor für viele Hersteller benutzt.

Bildung

Als internationales Hilfsmittel für Wetter und Klimaaufklärung werden im Mount Washington Observatorium Seminare, Fernkurse, Tagungen und Fachkonferenzen abgehalten und auch Schulausflüge auf den Gipfel im Sommer und Winter durchgeführt.

Das Observatorium verwaltet zudem zwei einzigartige Wissenschaftsmuseen, das Wetterentdeckungscenter in der Innenstadt North Conway in New Hampshire und das Museum „Imposanter Mount Washington“ auf dem Gipfel des Mount Washington.

Geschichte

Das berüchtigte Wetter auf dem Mount Washington fasziniert sowohl Besucher als auch Wissenschaftler seit mehreren Jahrhunderten. 1870 begab sich eine Gruppe zielstrebiger Wissenschaftler auf Forschungsreise, um den Winter in den Bergen zu beobachten, in der Hoffnung, das Wissen über Wetterprognosen zu verbessern. Ein Scheitern war einkalkuliert, aber die kühne Gruppe zeigte Ausdauer und Beharrlichkeit und sammelte eine Fülle von Datenmaterial, welches weltweit bei Wissenschaftlern anerkannt wurde. Die Beobachtungen zogen die Aufmerksamkeit des Amerikanischen Meldedienstes auf sich, der ein Vorläufer des nationalen Wetterdiensts war. Sie waren auch der Anlass, eine dauerhafte Wetterstation auf dem Gipfel einzurichten, die dann bis 1892 aktiv war. Die Gipfelstation war eine der Allerersten auf der Welt und setzte damit ein Beispiel  für viele andere Länder.

40 Jahre später gründete eine begeisterte Gruppe von Zivilpersonen das Observatorium auf dem Mount Washington, um die Arbeit des Meldedienstes fortzuführen. Am 15. Oktober 1932 haben Bob Monahan, Sal Pagliuca, Alex MacKenzie, und Joe Dodge die Gipfelstation mit  bescheidenen finanziellen Zuschüssen und einer Handvoll von Sponsoren wieder errichtet. Das Leben auf der Bergspitze war alles andere als luxuriös. Ohne freie Tage und ohne Bezahlung, aber mit viel Ehrgeiz hat sich das Team die Aufgabe gesetzt, mehr Verständnis für Wetter, Klima und den Mount Washington zu erlangen.

Am 12. April 1934 machte sich ihre Entschlossenheit bezahlt, als das Observatorium mit  372 km/h die weltweit höchste Windgeschwindigkeit registrieren konnte. Damit erkannte man den Wert der Bergstation und der Mount Washington konnte sich als private, gemeinnützige Organisation etablieren, welche sich auf die Beobachtung und Erhaltung der Wetterdaten konzentriert, Wetter und Klimaforschungen ausführt und sich um das allgemeine Verständnis für den Berg und seine Umwelt kümmert.

Heute, mehr als 80 Jahre später, lebt der Forschergeist noch immer, der Drang zum Lernen ist noch lange nicht erloschen, und die Leidenschaft für Bildung ist stärker als je zuvor. Auch wenn sich die Leute und die Messtechnik verändert haben, wird die Arbeit der Gründer vergleichbar weitergeführt. Die dynamische und sich immer weiterentwickelnde Institution hat sich als nationale Quelle für Wetter- und Klimabeobachtungen unentbehrlich gemacht.

[übersetzt von Sarina Barth, vielen Dank!]

Wetterrekorde
– Höchste Temperatur: 22,2°C (August 1975)
– Tiefste Temperatur: -43,9°C (Januar 1934)
– Höchster Monatsniederschlag: 729,0 mm (Oktober 2005)
– Höchster Jahresniederschlag: 3305,6 mm (1969)
– Höchste Schneehöhe: 4,39 m (Februar 1969)
– Höchste Windspitze: 372 km/h (12.04.1934)

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