Mit der Fichtelbergbahn durchs obere Erzgebirge

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120 Jahre wird die Fichtelbergbahn, die fahrplanmäßig zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal verkehrt. Eine Fahrt bietet nicht nur herrliche Ausblicke in das obere Erzgebirge, sondern auch eine Zeitreise in eine Epoche vor der Automatisierung, als man noch auf das Wissen, das Können und die Erfahrung von Menschen setzte.

Ursprünglich verband die 1872 eröffnete Bahnstrecke die Grenzorte Annaberg und Weipert sowie Weipert mit Komotau. Allerdings sollte langfristig auch Oberwiesenthal an die Strecke angebunden werden. Am 19. Juli 1897 wurde feierlich die heutige Strecke von Cranzahl über das Sehmatal nach Oberwiesenthal eingeweiht. Im ersten Weltkrieg kam es wegen Kohlemangel zu Einschränkungen, aber anschließend boomte der Personenverkehr. Hinzu kam der Transport der Baustoffe für die Fichtelbergschwebebahn.

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Bahnhof Oberwiesenthal, Quelle: Wikipedia

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs musste die Schmalspurbahn einen großen Verkehrsrückgang hinnehmen, denn der Ausflugsverkehr brach fast völlig zusammen. Mit zunehmender Kriegsdauer wurde der Fahrplan immer mehr ausgedünnt, bevor man im April 1945 den Zugverkehr gänzlich einstellte. Erst im Juni 1945 wurde der Verkehr auf der Strecke, die sich in unmittelbarer Nähe des 1945 unbesetzt gebliebenen Gebiets in der Sowjetischen Besatzungszone befand (Freie Republik Schwarzenberg), wieder aufgenommen.

Ab 1947 nahm der Personenverkehr wieder zu, nicht zuletzt auch durch den Uranabbau im Revier Bärenstein-Niederschlag, wo bis zu 3000 Bergleute beschäftigt waren und im Berufsverkehr befördert werden mussten. Auch der zunehmende Wintersport im Fichtelberggebiet sorgte für eine gute Ausnutzung. Und wenn z. B. wegen Bauarbeiten die Straßen im Pöhlbachtal (1973) oder im Sehmatal (1990) unpassierbar waren, dann kam man nur mit der Bahn zum Fichtelberg. Zudem war sie beim Neubau des 1963 abgebrannten Fichtelberghauses das wichtigste Transportmittel.

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Neben dem Tourismus hat der Gütertransport bedeutend zum Verbleib der Bahn beigetragen. Ansichtskarte 1979

Nach 1990 verlor die Bahn ihre Bedeutung als wichtiger Zubringer in die am höchsten gelegene Stadt Deutschlands. Nach 1994 orientierte sich der nunmehrige Eigentümer Deutsche Bahn AG auf eine baldige Stilllegung oder Privatisierung. Am 1. Juni 1998 übernahm die neu gegründete BVO Bahn GmbH, seit 2007 Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG), die Strecke von der Deutschen Bahn AG. Im Rahmen der Übernahme bekam die Bahn den neuen werbewirksamen Namen Fichtelbergbahn, welcher schon nach kurzer Zeit an der Seitenwand sämtlicher Reisezugwagen angebracht wurde. Dem neuen Betreiber gelang es innerhalb kürzester Zeit, die Bahn überregional bekannt zu machen und ein neues touristisch orientiertes Betriebskonzept umzusetzen. Derzeit nutzen mehr als 200.000 Fahrgäste jährlich die Fichtelbergbahn.

Die Fahrt beginnt in Cranzahl. Doch bevor es losgeht, werden die Kohlen in der Lok aufgefüllt und der Heizer bringt sie im Kessel zum Glühen. Die Signalanlagen und die Weichenstellung werden von Hand bedient. Dies geschieht nicht nur, um alte Zeiten aufleben zu lassen, sondern an den exponierten Punkten vieler Bergschmalspurbahnen (u.a. auch Brocken), kann man so bei Vereisungen gezielt konventionell gegensteuern.

Neben geschlossenen Waggons haben einige Züge auch offene Aussichtswagen, die bei schönem Wetter besonders beliebt sind. Danach schlängelt sich der Dampfzug leicht ansteigend durch das Sehmatal bis nach Neudorf. Anschließend geht es stetig und steil bergauf und der Heizer hat nun kräftig zu tun, denn nur mit Volldampf erreicht der Zug über das Pöhlbachtal und ausgedehnte Waldgebiete Oberwiesenthal. Insgesamt beträgt die Distanz 17,1 Kilometer, dafür benötigen die Dampfzüge der Fichtelbergbahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h rund 60 erlebnisreiche Minuten.

Am 12. und 13. August feiert die Fichtelbergbahn ihren 120. Geburtstag mit einem umfangreichen Programm, welches sich hauptsächlich auf die Bahnhöfe Cranzahl und Oberwiesenthal verteilt. Umfangreiche Informationen über das Festprogramm gibt es auf der Seite der Fichtelbergbahn.

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