Das Wetter im Osterzgebirge im August 2022

Wie sehr Statistiken lügen: Dafür war dieser August das glänzendste Beispiel. Anfangs blieb die hochsommerliche Witterung – bestehend aus Hochdruckbrücken über Mitteleuropa – beständig. Trotz zunehmender Schwüle schien die Sonne fast ungehindert bis zum Boden, welcher mittlerweile bis unter 50 cm extreme Trockenheit (> 2 bar) aufwies. Daran änderte auch ein leichter Schauer am 01. nichts, welcher im Raum Köttewitz ausblieb. Der monatliche Temperaturhöhepunkt war am 04. erreicht mit 28,8 °C (Zinnwald-Georgenfeld) bis 37,6 °C (Dohna). Tags darauf erreichte das Gebiet um Weißeritz und Müglitz eine kleine Gewitterzelle mit 2 bis 6 mm. Zur Monatsmitte verschob sich eine erneut entstandene Hochdruckbrücke Richtung Nordosteuropa. An der hydrologischen Situation änderte dies wenig, blieben die Temperaturen jedoch im gewöhnlichen Bereich. Am 13. schatte uns eine kleine Störlinie ab und leitete damit die letzte heiße Phase diesen Jahres ein. Vom 15. – 20. fielen wir unter den Einfluss einer Troglage, welche im Nachbarland für lokale Hochwasser sorgte. In unserer Sphäre tobten sich am Abend des 15. mehrere Gewitter aus. Die Tagesniederschläge: Bannewitz 0,1 mm, Dohna 0,4 mm, Zinnwald 3,1 mm und Köttewitz (nur 3 km entfernt von Dohna) 13,7 mm. In der Sächsischen Schweiz wurden schwere Gewitter mit Hagel beobachtet und teils > 40 mm, das entspricht Liter pro Quadratmeter, gemessen. Am 17. maß Dohna ein Tagesmaximum von 35,1 °C und Zinnwald einen Sommertag. Am 19. erfasste uns „Vb-Tief Karin“. Ergiebiger Regen mit mehr als 100 l/m2 lösten lokale, mäßige Hochwasser im Raum Prag, Pilsen, sowie dem Alpenvorland aus. Das Bollwerk Zinnwald registrierte am 20. 60,2 mm, die „Flachlandstationen“ 1/3 bis 1/2. Die Schwarze Elster erreichte Alarmstufe 1. Trocken blieb es auch danach nicht, jedoch regnete es nur gelegentlich und im einstelligen Literbereich. Die Fließgewässer erreichten schnell wieder Pegelstände, welche nur leicht über den Vorwochen lag. Der Oberboden war nun gesättigt. Eine Pattsituation zwischen einem Tief über Mittel-/Südosteuropa und einem Hoch über Finnland ließen die Atmosphäre fast auf der Stelle stehen. In der Folge wurde es sehr schwül und die Sonne zeigte sich ganz oder gar nicht. Am Mittag des 26. entstanden im Süden mehrere Gewitter mit Regen und wanderten nur zögerlich Richtung Brandenburg. In der Folge setzte Dauerregen ein, der bis zum Nachmittag des 27. andauerte. In Dohna wurden an den beiden Tagen 54,5 mm gesammelt, in Köttewitz 37,0 mm, in Zinnwald 35,4 mm und in Bannewitz 27,3 mm. Mit stark wechselnder Bewölkung, jedoch trocken und angenehmer Temperatur endete der Monat. Die Böden waren nun bis min. -50 cm nahezu gesättigt und binnen von Tagen schoss die Natur aus den Böden und nahm grüne Farbe an.

Der August, mit einer Durchschnittstemperatur von 16,7 °C (Zinnwald-Georgenfeld) bis 21,0 °C (Köttewitz), wich um + 2 °C/K vom 30-jährigen Mittel ab und war bereits der 7. zu warme Monat in diesen Jahr. Der Sommer 2022 stellt den 4. wärmsten seit Beobachtungsbeginn dar. Mit 4 Stück an der Zahl wurden am Flughafen Dresden nicht nur überdurchschnittlich viel Tropennächte (Tiefsttemperatur von 20 – 8 Uhr ≥ 20,0 °C) gemessen, sondern zum Ersten Mal 5 Jahre in Folge. Mit 38,2 °C wurde im Juni ein neuer Rekord der Höchsttemperatur an diesem Standort gemessen. Auch wenn die folgenden Zahlen anderes darstellen, so regnete es im Landkreis SOE sehr inhomogen. In Zinnwald-Georgenfeld: 122,7 mm (108 %), Zinnwald (Landmarkt) 99,4 mm, Dohna 97,6 mm (118 %), Köttewitz (120 %) und Bannewitz-Wilmsdorf 91,9 mm (99 %). Die Niederschläge fielen auf 9 Tage bzw. 14 an der DWD-Bergwetterstation. Für gewöhnlich sind es im Flachland 13 und 15 auf dem Erzgebirgskamm. Und wie sehr die Statistik lügt, zeigt sich an der Tatsache, dass wir eine der schwersten Dürren und Waldbrände leiden mussten und aufgrund 2-er Einzelereignisse der Monat gar noch zu nass war. Alle anderen Niederschläge im August zusammen haben keine Verbesserung des Wasserhaushaltes erreicht. Und so machen 2 abgeschwächte „Hochwassertiefs“ auch noch die Sommerstatistik kaputt. Lange Zeit nahmen wir Kurs auf den trockensten Sommer. Am Ende reichte es nur für einem Platz im Mittelfeld. Natürlich möchte niemand eine solch trockene Jahreszeit. Aber wenn es schon so außergewöhnlich, langanhaltend trocken ist, sehnt sich der Wetterbeobachter natürlich nach einen neuen Rekord. Synoptisch gesehen langweilte einen der August, gab es doch nur 2-3 Gewittertage. Die Sonne schien verteilt auf 28-29 Tage zwischen 210 h (101 %) in Zinnwald und 237 h (106 %) in Dresden. In Dohna wurde der Papierstreifen des Campbell-Stokes an 223 h (102 %) eingebrannt. Mit knapp 800 Sonnenstunden im Elbtal wurden bisher nur 6 sonnigere Sommer notiert. Mit nur 6 Gewittertagen war es für den Dresdner Norden der magerste seit 1946. Dadurch wurden auch keine Sturmböen aufgezeichnet.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

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Über sw

Gebürtiger Dresdner, seit der Kindheit Wetterbeobachter, seit 2011 Erfahrung beim DWD, seit 2012 professionelle Wetteraufzeichnung auf hauseigenem Grundstück, 2014 Gründungsmitglied Wettererein Zinnwald-Georgenfeld, seit 2010 Auswertung weltweiter Klimadaten und Erstellung Weltklimaatlas.
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