Sommerrückblick 2022 – Erzgebirge

Der Sommer 2022 war zu warm mit reichlich Sonne und Dürreperioden, die sich allerdings durch große Niederschlagsmengen an wenigen Tagen in der Statistik kaum noch wiederfinden.

Temperatur

Der Sommer 2022 war wieder sehr außergewöhnlich und geht zusammen mit 2019, 2018 und 2003 in die Liste der drei wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn ein. Auf dem Fichtelberg belegte er mit einem Monatsmittel von 14,0°C (zusammen mit 2018) sogar Platz 2 nach 2019. Es gab drei große Hitzeeinschübe, ansonsten verlief der Sommer meist recht angenehm. In Chemnitz und Marienberg wurden mit 36,2°C und 33,6°C neue Junirekorde aufgestellt, weitere Hitzerekorde wurden an den erzgebirgischen DWD-Stationen nicht registriert. Bei der Anzahl der Sommertage (≥ 25,0°C)) liegt der Sommer auf Platz 4, bei den Hitzetagen (≥ 30,0°C) nur auf Platz 7. Dennoch verdeutlicht auch 2022, dass die Temperaturtendenz der Sommermonate signifikant nach oben geht, wie in der nachfolgenden Grafik zu sehen ist.

Quelle: mtwetter.de

Kühnhaide

Es gibt einen Negativrekord zu vermelden! An unserer sibirischen Station Kühnhaide wurden noch nie so viele Bodenfrosttage registriert, wie in diesem Sommer. Der Haken – gemessen wird erst seit 2011, die Messreihe ist also erst 12 Jahre lang, dennoch sind 34 Bodenfrosttage mit einem Temperaturminimum von -5,8°C am 17.07. eine höchst beachtliche Zahl und die Ursache liegt wahrscheinlich in den vielen klaren Nächten mit nur geringer Luftfeuchte. 8 Frosttage sind ebenfalls erwähnenswert, wenn auch nicht rekordverdächtig. Hier fehlte die Kaltluftzufuhr aus dem Norden. Immerhin, so schreibt der Kühnhaider Wettermelder Peter Weiße, „die Blumen haben es dem Wetter gedankt, denn sie sind in diesem Sommer nicht erfroren. Lediglich am 28. Juli zur Hochsommerzeit wurden die Farne, Kartoffeln und empfindliche Blumen etwas gezwickt. Im August sind die “ berüchtigten“ Sommerendfröste ausgeblieben.“

Sonne

Die Sonne machte im Sommer reichlich Überstunden. Bei den ab 1951 erfassten Jahren mit Sonnenscheindauer belegte der Sommer 2022 in Chemnitz, Zinnwald und auf dem Fichtelberg nach 2003 Platz 2, und in Carlsfeld nach 2003 und 2019 Platz 3.

Niederschlag

Der Niederschlag war sehr unterschiedlich verteilt. Zwischen Carlsfeld und dem Fichtelberg fiel gerade einmal die Hälfte des Solls, rund um Aue wurden 90% erreicht. Das täuscht natürlich etwas, denn auch diese Gegend war ein Großteil des Sommers von Dürre geplagt. Die Niederschläge fielen an wenigen Tagen, so gab es zum Beispiel an unserer privaten Messstation in Schwarzenberg im August 3 Tage mit >50mm Niederschlag, was selbst für das Erzgebirge nicht alltäglich sein dürfte. Leider messen wir selbst erst seit 2013, so dass Vergleichswerte fehlen. Im benachbarten Raschau gab es 1953 schon einmal 3 Tage mit >50mm in einem Monat, nämlich vom 8.-10.07., was seinerzeit zu einem schweren Hochwasser, z.B. entlang der Großen Mittweida und später der Zwickauer Mulde führte. In diesem Sommer war es ganz anders, die Pegel der Flüsse stiegen deutlich an und nach nur 24 Stunden sanken diese wieder auf das Niveau vor dem Regen. Die Böden saugten nach erster Durchweichung den Niederschlag wohl wie ein Schwamm auf und gaben kaum etwas an die Flüsse ab.

Unvergessen bleiben in diesem Sommer auch die zahlreichen Waldbrände, allen voran der in der Sächsischen Schweiz, bei dem Einsatzkräfte einen Monat lang gegen die Brände und anschließenden Glutnester kämpften und vergebens auf großen Regen hofften.

Alles in allem war es sachsenweit der 8.trockenste Sommer seit 1881 und das Erzgebirge war eines der nassesten Gegenden Sachsens. Das war auch in der Vegetation bemerkbar, während anderswo schon alle Wiesen gelb und verdorrt waren, reichten die Schauer doch aus, um die Wiesen halbwegs grün zu halten.

Flora und Fauna

In der Pflanzenwelt ging es vor allem im Juni und Juli sehr rasant zu. Blumen blühten oft nur wenige Tage, bevor sie verblüht oder verdorrt waren. Bereits Mitte August waren Himbeeren, Brombeeren und Holunder reif,, die den phänologischen Frühherbst markieren. Zum Monatsende begann in den wärmeren Tälern mit den ersten Früchten der Rosskastanie und der Stiel-Eiche der phänologische Vollherbst. Bis auf den Fichtelberg hinauf leuchten die „Vugelbeerbaam“ im Rot der reifen Früchte und erste Bäume zeigen deutliche Lauffärbung. Wärme und Trockenheit haben die Phänologischen Jahreszeiten enorm beschleunigt, teilweise sind sie einen Monat ihrem Soll voraus. Während die Beeren eine sehr reiche Ernte abwarfen, gab es bei den Sommerkulturen wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben reichlich Einbußen. Auch gemähte Wiesen wuchsen nur zögerlich nach und brachten deutlich weniger Heu. Bei den Singvögeln gab es häufig nur eine Brut und auch bei den Großvögeln konnte weniger Nachwuchs großgezogen werden als in den letzten Jahren. Nach kurzer Erholung ist nun vor allem die Meisenpopulation wieder deutlich rückläufig.

Hoffen wir, dass der kommende Sommer normaler wird und der Niederschlag sich wieder mehr auf den gesamten Sommer verteilt. (ch)

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