Die Sache mit den Eisheiligen …

Uns erreichte eine Anfrage, wie das denn wirklich mit den Eisheiligen ist, da im Internet gerade wieder ein Artikel von 2018 kontrovers diskutiert wird, in dem diese regelrecht zerbröselt werden.

Die Namen der Eisheiligen sind ursprünglich Gedenktage an den Erzbischof von Vienne MAMERTUS (11. Mai), den Bischof von Tongeren SERVATIUS (13.) sowie die Märtyrer*innen PANKRATIUS (12.), BONIFATIUS (14.) und SOPHIA (15.). Diese Namenstage beziehen sich auf den Julianischen Kalender und würden sich aufgrund der Kalenderreform im Jahre 1582 eigentlich um 10 Tage nach hinten verschieben.

Wie die Verknüpfung mit den Bauernregeln schließlich zustande kam, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich war es Zufall, dass die mit ursprünglichem Datum in den Gregorianischen Kalender transferierten Gedenktage mit einer regelmäßig wiederkehrenden Singularität eines markanten Kaltlufteinbruchs zusammenfielen und die verehrten Heiligen deshalb den Beinamen Eisheilige (oder auch Gestrenge Herren oder Eismänner) verpasst bekamen. Die „kalte Sophie“ wurde erst später zu den Eisheiligen hinzugezählt.

Die Bauernregeln im Zusammenhang mit den Eisheiligen wurden wahrscheinlich in der kleinen Eiszeit aufgestellt, als die Winter noch strenger und langandauernder waren. Aber vor allem in Gebirgslagen haben sie sich bis heute tief in das kollektive Gedächtnis eingegraben und gerade hier im Erzgebirge halten viele daran fest und verlegen ihre Aussaat konsequent erst nach Abzug der kalten Sophie. Denn statistisch gesehen strömt nach anfänglich wärmeren Temperaturen zur Monatsmitte nochmals kalte Polarluft nach Mitteleuropa, die durchaus zu Nachtfrösten führen kann. Besonders in den Tallagen des Erzgebirges sind diese gefürchtet, da diese so manche Obstbaumblüte zunichtemachen können.

Die früheren Bauern hatten noch keine präzisen Wetterberichte oder gar Wetterapps, an denen sie sich mit ihren Arbeiten orientieren konnten. Sie mussten sich auf ihre eigenen Beobachtungen und analytischen Fähigkeiten verlassen, um nicht durch erfrorene Pflanzen ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Insofern wurde es von Generation zu Generation überliefert, für Auspflanzungen ins Freie die Eisheiligen abzuwarten, selbst wenn es vorher noch so warm ist. Aufgrund des wärmeren Klimas werden zwar deutschlandweit inzwischen die Nachtfröste im Mai immer seltener, dennoch gibt es die Kaltlufteinbrüche nach wie vor und werden statistisch gesehen sogar immer markanter. Das liegt zum einen daran, dass die erste Maidekade deutlich wärmer ist als früher, aber aufgrund der immer sauberer werdenden Luft bei trockener Polarluft klare Nächte auch immer mehr auskühlen.

Nachfolgend zwei Grafiken von Tagesmittel und Tagesminimum, wo man den über verschiedene Jahre gemittelten Kaltlufteinbruch deutlich sehen kann. Da dieser nicht regelmäßig auftritt und sich häufig auch zeitlich etwas verschiebt, ist es überraschend, dass sich die Kalte Sophie dennoch so klar herauskristallisiert.

Datenquelle: sklima.de, Grafiken ch

Betrachtet man die Eisheiligen also nicht im korrekten historischen Kontext, sondern ausschließlich als Bezeichnung einer meteorologischen Singularität, haben sie zumindest in einigen Regionen nach wie vor Bestand. Bei den meisten Erzgebirgern sind sie allgegenwärtig und wer erst Mitte Mai seine Blühpflanzen aussät, ist (wenn er nicht gerade in Kühnhaide wohnt, wo Frostnächte das ganze Jahr über auftreten können) auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Die letzten „eisheiligen“ Nachtfröste gab es zum Beispiel in Aue (Tallage) 2020 und 2019.

Auch in diesem Jahr wird zum Wochenende hin ein markanter Kaltlufteinbruch erwartet, der allerdings lediglich die derzeit sommerlichen Temperaturen normalisiert. Mit Nachtfrösten ist zum Glück nicht zu rechnen.

Mehr Infos zu den Eisheiligen mit weiteren interessanten Fakten gibt es beispielsweise unter eisheilige.info. (ch)

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Eine Antwort zu Die Sache mit den Eisheiligen …

  1. Ich pflanze die Zucchinis immer erst nach den Eisheiligen ins Freie, nachdem sie mir vor Jahren einmal Anfang Mai erfroren sind.

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