Wolkenbogen

Wolkenbogen, welcher charakteristisch den Strukturen der Wolken folgt. Foto: Wolfgang Weigert, Adorf

Am letzten Mittwoch beobachtete Wolfgang Weigert in Adorf/Vogtland einen weißen Bogen, den er nicht so richtig einordnen kann. Es gab weder Regen noch Nebel. Der Bogen entstand mit dem Wolkenaufzug einer nahenden Warmfrontokklusion. Bei dieser Frontenart gleitet Warmluft auf die vorhandene schwerere Kaltluft auf und dringt nur langsam bis zum Boden vor. Dadurch ist die Konvektion hinter der Okklusion gering und es entstehen nur zögerlich Wolken. Insofern war auch der Wolkenaufzug lange sehr dünn und durchscheinend und der weiße Bogen entstand genau in den Strukturen der Wolken.

Die Physik des Wolkenbogens ist ähnlich der des Nebelbogens. Er entsteht an sehr kleinen Wassertröpfchen von Wolken, die aber etwas etwas größer sein können als im Nebel. Während sich beim Nebelbogen bei einer Tröpfchengröße <0,05mm die Farben aller Wellenlängen vermischen und weißes Licht ergeben, sind beim Wolkenbogen oft noch blasse Farbansätze erkennbar.

Während die Physik hinter dem Wolkenbogen also klar ist, gibt es Schwierigkeiten bei der Definition. In überlieferten Beobachtungen ist er häufig nicht deutlich vom Nebelbogen abgegrenzt. Diese Abgrenzung ist natürlich oft nicht leicht, da Nebel ja letztendlich nichts anderes ist, als aufliegende Wolken. Von höheren Standorten aus ist die Unterscheidung noch schwieriger, denn wenn eine nahende Wolke den Berggipfel einhüllt, ist dort Nebel und ein eventueller Wolkenbogen wird zum Nebelbogen, obwohl sich außer der Perspektive nichts geändert hat.

Außerdem sollte man eine strickte Unterscheidung vornehmen zwischen dem fast immer beobachtbaren Wolkenbogen von oben, wenn ein Beobachter auf eine tiefere Wolkenschicht blickt, und den Wolkenbogen von unten, welcher ausgesprochen selten auftritt.

Wenn er aber auftritt, dann ist er nicht selten sehr großflächig zu sehen. In dieser Woche trat er zwischen dem 11. und 13. Januar zwischen Helgoland, Sachsen, im Grenzbereich zu Tschechien, dem Bayrischen Wald bis hin zum Schafberg im Salzkammergut auf einer Strecke von 810 Kilometern (!) auf (Quellen: AKM-Forum, persönliche Mitteilungen).

Wolkenbogenfragment auf der Panocloud-Webcam am Fichtelberg

Insofern erscheinen beim Wolkenbogen weitere Untersuchung sinnvoll, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen er auftritt und wieso er so selten ist. Deshalb sind wir für jeden Beobachtungsbericht von weiteren echten „oberen“ Wolkenbögen dankbar. (ch)

Dieser Beitrag wurde unter Besondere Wetterphänomene und Atmosphärische Erscheinungen, Besondere Wolken und Wolkenkunde veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wolkenbogen

  1. Eine sehr gute Erklärung, die mir das Problem der Unterscheidung von Nebel- und Wolkenbogen und die Probleme der Abgrenzung deutlich gemacht haben.

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