Sommersonnenwende auf der Insel Bornholm

Nachträgliche Urlaubsgrüße gibt es diesmal aus Bornholm. Die Insel gehört zu Dänemark, liegt aber ca. 50 km südöstlich vor der Südküste von Schweden, mitten in der Ostsee. Dadurch hat die Insel ein ausgeprägtes Seeklima aufzuweisen.

Sommer: Dieser setzt erst Mitte Juni ein und dauert bis in den September. Er ist relativ kühl, mit Tageshöchsttemperaturen von 20 bis 25°C, im Inneren der Insel sind durchaus auch 30°C möglich. Es fällt wenig Niederschlag, durchschnittlich nur 55 Liter pro m² im Monat, an etwa 10 Tagen. (zum Vergleich: In unserer Gegend fallen 70 bis 90 Liter pro m²). Es scheint recht häufig die Sonne, auch durch die sommerliche Tageslänge von über 17 Stunden bedingt, sind durchschnittlich 230 Sonnenstunden im Monat zu erwarten. 

Winter: Beginnt durch die noch warme Ostsee erst spät im Dezember und dauert bis Mitte März. Mildes Null-Grad Wetter mit häufigen Niederschlägen und wenig Sonne ist typisch. An den Küsten tritt meist nur leichter Frost auf. Deswegen pflanzen viele Bornholmer dort in ihren Gärten mediterrane Gewächse (Feigen und Maulbeerbäume mit reifen Früchten im Sommer sind keine Seltenheit). Im Inselinneren können bei Vorhandensein einer Schneedecke und Ausstrahlung aber auch strenge Fröste auftreten. Durch den Lake Effekt über der „warmen“ Ostsee sind starke, schauerartige Schneefälle in kalten Wintern nicht ausgeschlossen. Eine der schlimmsten Katastrophen hat sich dadurch über Weihnachten 2010 ereignet. Mehrere Tage anhaltende Schneefälle haben auf der Insel über 1 Meter Schnee abgeladen und bei zusätzlich starken Wind 6 Meter hohe Verwehungen aufgetürmt. Tagelang waren große Teile der Insel nicht passierbar und viele Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Landschaft auf Bornholm ist sehr reizvoll, lieblich und abwechslungsreich zugleich. Für Fahrradtouren und zum Rucksackwandern (Boofplätze sind überall zu finden) ist die Insel bestens geeignet. An der Südküste sind schöne Sandstrände und es gibt eine riesige Wanderdüne zu bestaunen. Die Ostseite ist felsig mit kleineren Schären, die ins Meer ragen. Auch die vorgelagerte Inselgruppe Christiansø (Erbseninseln) ist einen Tagesausflug wert. Der Norden und Westen von Bornholm hat ausgeprägte Steilküsten aufzuweisen. Im Inselinneren ist der Südteil flach mit vielen Feldern, die Mitte und der Norden eiszeitlich geprägt mit Hügeln, Tälern, Seen, Mooren und Wäldern.

Durch die nördliche Lage der Insel, mit einer geografischen Breite von 55 Grad und 8 Minuten und einer minimalen Sonnentiefe von nur minus 10 Grad unter dem Horizont wird es um den 20. Juni herum in den sehr kurzen Nächten nicht ganz dunkel. Selbst über Mitternacht bleibt im Norden ein heller Schein von der untergegangenen Sonne. Das Restlicht, die Dämmerung ist in klaren Nächten so, dass man sich problemlos in der Landschaft orientieren kann. Gegenstände, Bäume, Wege, Steine… sind noch deutlich zu erkennen.

Leuchtende Nachtwolken: Etwa um 22 Uhr (alle Zeitangaben in MESZ) beginnt das Abendrot, welches zum Teil atemberaubend schön ist. Bis ca. 23:30 Uhr zieht es sich zum Nordhimmel zurück und wird schwächer. Dann beginnt die Zeit der leuchtenden Nachtwolken, die sich erst als schwacher silbriger Hauch dazugesellen. Diese verstärken sich später zu einem hell leuchtenden Schleier, der alle paar Minuten sein Aussehen verändert. Um 00:30 Uhr erreichen die leuchtenden Nachtwolken ihr erstes Maximum und reichen bis auf eine Höhe von ca. 50 Grad über den Horizont. Kurz vor und kurz nach Mitternacht (01 Uhr MESZ) werden sie für eine halbe Stunde etwas schwächer um sich dann gegen 01:30 Uhr noch einmal auf ein zweites Maximum zu steigern. Nach 02:30 Uhr, in der rasch aufkommenden Morgendämmerung verblassen die Nachtwolken.

Luftspiegelungen: Ein zweites Phänomen, welches man ebenfalls im Juni erleben kann, sind Luftspiegelungen über dem Meer. Die Wassertemperaturen liegen auf der offenen See bei 10 bis 11 °C. Das Festland auf der Insel erwärmt sich aber bei Sonne in den Nachmittagsstunden durchaus schon mal auf 25 °C. Es kommt selten vor, aber bei absoluter Windstille, also ohne Durchmischung schiebt sich dann die warme Luft auf die dünne Kaltlufthaut über dem Meer, was zu einer stark ausgeprägten Inversion in 4 bis 6 Meter Höhe über dem fast spiegelglatten Wasser führt. Befindet sich das Beobachterauge an der Grenze von der kalten zur warmen Luftschicht, sieht es über der Ostsee starke Verzerrungen und Luftspiegelungen an Booten oder an der Inselgruppe Christiansø, sowie deren Gebäuden. Es entstehen Gebilde mit überdimensionalen Türmen und Masten, die eigentlich die Schornsteine auf den Häusern sind, kleine Boote sehen aus wie Flugzeugträger oder die in 20 km Entfernung vorgelagerten Inseln wachsen zu Tafelbergen heran. Bewegt man sich nun im Bereich der Inversionsgrenze einen halben Meter nach oben oder unten verändern sich die Luftspiegelungen zu neuen imposanten Gebilden oder sind auf einmal spurlos von der Bildfläche verschwunden – absolut beeindruckend.😊  (mb)

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