Rückblick auf Gewitterwoche

Gewitterwolken türmen sich über dem Keilberg (ch)

Mit dem aktuell dominierenden Hoch AFRA geht eine unwetterreiche Woche zu Ende. Während es deutschlandweit, vor allem aber im Süden zu Starkregen und Schäden durch Hagelschlag kam, blieben die Gewitter im Erzgebirge recht zahm. Die größten Niederschlagsmengen fielen hier am Kamm, wo in der Wochensumme bis fast 90mm herunterkamen (Oberwiesenthal: 87,4mm, Fichtelberg: 82,9mm).

Am schlimmsten wurden aber Österreich, Tschechien und Polen getroffen. Auf der Vorderseite des Troges stellte sich eine explosive Lage mit hohen Scherungswerten ein und es entstanden zahlreiche Gewitterkomplexe und Superzellen.

Millionenschäden entstanden beispielsweise in Salzburg und Oberösterreich durch großkörnigen Hagel bis 8cm und Überflutungen an Häusern, Fahrzeugen und in der Landwirtschaft. Im nördlichen Flachgau musste der Winterdienst anrücken, um die Straßen von einer zentimeterdicken Hageldecke zu befreien (Fotos und Videos: 12).

Unfassbar schlimm wurden auch zwei tschechische Orte nahe des Dreiländerecks CZ-A-SK getroffen. An einer Superzelle bildete sich am Abend ein verheerender Tornado, der mehrere Kilometer von Hrusky über Lužice bis Hodonin zog. Er hinterließ dabei extreme Zerstörungen, selbst massive Betonhäuser stürzten ein. Leider sind über 200 Verletzte und mindestens fünf Todesopfer zu beklagen. (Fotos und Videos: 1234)

Der tschechische Wetterdienst stuft den Tornado nach der Fujita-Slala der Schadensklassifikation von Tornados als F3 bis F4 ein. Er ist damit der stärkste, der in Tschechien verzeichnet worden ist.

Auch hierzulande sind schon derart starke Tornados aufgetreten, wie zum Beispiel 2015 in Bützow. Nach Recherchen von Thomas Sävert gab es in Deutschland sogar schon Tornados der stärksten Kategorie 5. So ereignete sich im Jahr 1764 in Mecklenburg ein Tornado, der sogar Stümpfe zuvor abgesägter Bäume aus dem Boden riss. Ein weiterer F5-Tornado soll sich im Jahr 1800 bei Hainichen in Sachsen zugetragen haben.

Aber zurück zum Erzgebirge, denn auch da hat es rotiert. In Wolkenstein beobachtete Andreas Mendt eine Trichterwolke (Funnelcloud) und konnte sie per Handy aufnehmen. Vielen Dank für das Foto!

Im Gegensatz zum Tornado, der meist durch aufgewirbelten Staub sichtbar wird, markiert hier ein durch Kondensation entstehender Wolkenschlauch eine rotierende Luftsäule. Die Luftverwirbelung kann sich auch unterhalb des sichtbaren Teils fortsetzen. Aber nur, wenn diese den Erdboden berührt und für Schäden sorgt, handelt es sich um einen Tornado, was in Wolkenstein zum Glück nicht der Fall war.

Solche Trichterwolken treten meist im Aufwindbereich von Schauer- und Gewitterwolken auf und erzeugen bei Bodenkontakt meist schwache Tornados. (ch)

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Eine Antwort zu Rückblick auf Gewitterwoche

  1. Das obere Foto ist gruselig schön.

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