18./19.06.2021 – Saison der Leuchtenden Nachtwolken im Erzgebirge begonnen

Gesamtansicht der Leuchtende Nachtwolken von Schwarzenberg in Richtung Spiegelwald (wh)

Bereits Ende Mai konnten in Deutschland die ersten Nächte mit Leuchtenden Nachtwolken (Noctilucent clouds=NLC) dokumentiert werden (siehe AKM-Forum). Aber das Erzgebirge wurde bisher immer ausgespart. Entweder reichten durch die bisher vorherrschenden Nordwinde in der Mesopause die NLC nicht bis zu unserem 50. Breitengrad oder, wenn sie es doch mal taten, war das Erzgebirge bewölkt.

Aber gestern war es endlich so weit. Um 22.45 Uhr waren die ersten Leuchtenden Nachtwolken am West- bis Nordhimmel erkennbar. Anfangs erreichten sie eine Höhe von 15 Grad, zogen sich aber schnell zum Horizont zurück und verblassten gegen 23.45 Uhr. Wahrscheinlich waren sie noch länger zu sehen, aber freier Horizontblick ist hier im Gebirge ziemlich rar.

Diese silbrig schimmernden feinstrukturierten Wolkenstrukturen entstehen Ende Mai bis Anfang August in der Mesopause in einer Höhe von 80-85 km. Sie sind in der nautischen Dämmerung bei Sonnentiefen zwischen 6 und 16° am Nordwest- bis Nordosthorizont zu sehen. Bei uns (50. Breitengrad) entspricht das einem Zeitfenster von etwa 22.30 bis 24.00 Uhr abends und 02.30 bis 04.00 Uhr am Morgen. In dieser Zeit werden die Wolken aufgrund ihrer großen Höhe noch direkt angeleuchtet, während tiefe Wolken längst im Schatten liegen.

Damit sich in solchen Höhen bei der sehr geringen Wasserdampf-Konzentrationen überhaupt Eiswolken bilden können, bedarf es sehr tiefe Temperaturen unter minus 140°C. Aufgrund der interhemisphärischen Zirkulation treten diese Temperaturen in den nördlichen Breiten nur zwischen Juni und August auf. Zudem sorgen im Sommer höhere Winde dafür, dass die Eisteilchen über größere Entfernungen transportiert werden. Die Lebensdauer einzelner Eispartikel dürfte in der Größenordnung einiger Stunden liegen. bis sie z.B. durch Absinken und Südwärtsverlagerung wieder sublimieren. Deshalb verändern sich die feinen Strukturen der Leuchtenden Nachtwolken ziemlich stark.

Im Norden sind Leuchtende Nachtwolken in den Sommermonaten fast in jeder zweiten Nacht zu sehen, nach Süden hin nimmt die Häufigkeit jedoch stark ab. Im Erzgebirge kann man sie meist nicht häufiger als 5 Mal, im Süden sogar nur einmal pro Saison beobachten.

Bis zum Saisonende gibt es also noch Möglichkeiten, dieses herrliche Naturschauspiel in klaren Nächten zu verfolgen. Über die Warnliste des Arbeitskreises Meteore e.V. kann man sich über ein Auftreten informieren lassen, ebenso wird im NLC-Forum über Beobachtungsmöglichkeiten diskutiert sowie Sichtungen präsentiert und ausgewertet. (ch)

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