Fichtelbergwetter im Januar und Februar 2021

Der Januar und die ersten beiden Februardekaden waren auf dem Fichtelberg sehr winterlich und sorgten endlich wieder für eine durchgehende bis über einen Meter hohe Schneedecke.

Im Januar versuchten immer wieder Tiefdrucksystemen nach Deutschland vorzudringen und neben längeren trockenen Phasen sorgten sie auch für kräftigen und teils ergiebigen Niederschlag. Auf dem Fichtelberg fielen diese mit 180% des Normalwertes reichlich und fast durchgehend als Schnee.

Die Temperatur war ausgeglichen. Allerdings wurde an allen Tagen zumindest kurzzeitig Nebel registriert. Überdurchschnittlich viele trübe Tage sorgten dafür, dass die Sonne gerade einmal die Hälfte ihres Solls erfüllte.

Aber wenn die Sonne einmal schien, präsentierte sich der Fichtelberg als (für Viele leider nicht erreichbarer) Wintertraum (123) mit vielen herrlichen Sonnenauf- und Untergängen und Eisnebelhalos (123).

Der Februar war einer der spannendsten Wettermonate der letzten Jahre. Er brachte nicht nur Hochwinter und Vorfrühling, sondern überraschte mit einer außergewöhnlichen Temperaturspanne von fast 40°C (Aue: 39,6°C) und extremen Temperaturwerten, was an zahlreichen Messstationen und auch auf dem Fichtelberg zu neuen Temperaturrekorden führte.

Die erste Dekade stand ganz im Zeichen einer teils markanten Grenzwetterlage, die sehr milde Luftmassen über dem Süden von Dauerfrost über dem Norden trennte. Das Erzgebirge lag anfangs im Warmluftbereich, die Plusgrade erreichten auch den Fichtelberg und ließen die Schneedecke von 102cm auf 82cm schrumpfen.

Im weiteren Verlauf sorgte ein sogenannter Arctic Outbreak für eine hochwinterliche Wetterlage. Der Polarwirbel hatte sich gespalten und war durch den weit in den Süden fragmentierten Jetstream instabil geworden. Dadurch konnten Kältezungen bis weit in südliche Breiten vordringen und sorgten unter anderem in den USA für eine arktische Kältewelle mit Ausfällen der Strom- und Wasserversorgung. Im russischen Hoch mit einem Kerndruck von 1065,7 hPa wurden in Ojmjakon und Werchojansk an 10 Tage Höchstwerte unter -50°C mit einer Tiefsttemperatur von -55,4°C gemessen, was selbst für sibirisches Kontinentalklima nicht alltäglich ist. Auch Deutschland wurde zum Ende der ersten Dekade in Schnee gehüllt und anschließend tiefgefroren. Ein Schneetief mit Schneemengen bis 40cm und örtlich stundenlangem Glatteisregen stürzte so manche Großstadt in ein wahres Winterchaos (welches auch ich in Chemnitz erleben durfte).

Im Erzgebirge gab es an der Grenzlage in tieferen Lagen seltene Eiskörner, diese aber über mehrere Stunden hinweg. Der Fichtelberg erfreute sich in den Folgetagen endlich wieder an Neuschnee und am 12.02. wurde die maximale Schneedecke von 107cm erreicht. Bei zunehmendem nächtlichen Aufklaren wurden vor allem die Nächte sehr kalt. Der Fichtelberg erreichte sein Monatsminimum mit -17,7°C in der Nacht zum 09.02..

Am 14. und 15. wurden im Erzgebirge mit Temperaturen bis -33°C die in diesem Winter kältesten Temperaturen Deutschlands und Tschechiens registriert. Ganz anders auf dem Fichtelberg, da bildete sich eine Inversion aus und mit „nur“ -10°C gehörte er zu den „wärmsten“ Orten des Erzgebirges.

Ganz anders eine Woche später, als eine straffe Südströmung einen regelrechten Frühlingsausbruch brachte. So wurde nicht nur mit 12,9°C am 21.02. um 0,1°C das absolute Februarmaximum geknackt, sondern vom 23.-25.02. wurde täglich das bisher höchste Tagesmittel von 8,2°C vom 3.02.2002 überboten. Die Liste der höchsten Februar-Tagesmittel wird nun mit 9,1°C vom 24.02.2021 angeführt. Ursache für die größte Februarwärme auf dem Fichtelberg seit 1890 waren neben der eingeflossenen Warmluft auch gleichzeitige Föhn- und Inversioneffekte über dem Böhmischen Nebel, der gleichzeitig im Osterzgebirge letzte Fröste brachte.

In der Gesamtstatistik war der Februar 2,3K zu warm mit leicht unterdurchschnittlichem Niederschlag (87%) und mit 140% reichlich Sonnenschein.

Der Monat verabschiedete sich auf dem Fichtelberg mit einem kurzen Zwischenwinter und einem herrlichen Sonnenaufgang über Böhmischen Nebel.

Zwei außergewöhnlich starke Saharastaubeinschübe sind ebenfalls auf die ungewöhnliche Lage des Jetstream zurückzuführen. Er verlief von Nordafrika über Südwesteuropa bis nach Skandinavien und konnte dadurch Saharastaub in der Höhe auch bis nach Nordeuropa transportieren. Der erste Sandtransport erreichte uns im Warmluftsektor der ersten Februardekade und ging dann ab 9.02. zusammen mit dem Schnee als medien-gehypter Blutschnee zu Boden (12). Der zweite Saharagruß kam zusammen mit dem Frühling in der dritten Monatsdekade und sorgte vor allem für starken Sichtrückgang und teilweiser Wolkenbildung (12).

Große Eisnebelhalos, wie bei der Kälte von vielen erwartet, gab es aufgrund des fehlenden Böhmischen Nebels nicht, stattdessen mehrere Tage mich Lichtsäulen und das nicht nur auf dem Fichtelberg (12). (ch)

Statistik Januar 2021

Temperatur:
Monatsmittel: -5,4°C (-0,3K)
Maximum: 2,0°C am 22. Januar
Minimum: -12,5°C am 16. Januar
Frosttage (Tiefsttemperatur <0,0°C): 30
Eistage (Höchsttemperatur <0,0°C): 28
Kalte Tage (Tiefsttemperatur <10,0°C): 4
Eiskalte Tage (Höchsttemperatur <10,0°C): 0

Sonne:
Monatssumme: 31,9 Stunden (50,0%)

Niederschlag (privat gemessen):
Monatssumme: 155,5 mm (178,1%)
Maximale Tagessumme: 21,2 mm am 29. Januar

Schnee:
Maximale Schneehöhe: 108cm am 30. Januar
Tage mit Schneedecke: 31

Wind:
Höchste Windgeschwindigkeit: 105,8 km/h am 29. Januar
Tage mit Starkem Wind (Windstärke 6): 26
Tage mit Stürmischen Wind (Windstärke 8): 9
Tage mit Orkan (Windstärke 12): 0

Sonstiges:
Anzahl der trüben Tage: 28 (+7)
Anzahl der heiteren Tage: 0 (-1)
Tage mit Nebel (Sicht <1km): 31 (+4)
Tage mit Gewitter: 0 (0)


Statistik – Februar 2021

Temperatur:
Monatsmittel: -2,5°C (+2,3K)
Maximum: 12,9°C am 21. Februar
Minimum: -17,7 am 9. Februar
Frosttage (Tiefsttemperatur <0,0°C): 22
Eistage (Höchsttemperatur <0,0°C): 11
Kalte Tage (Tiefsttemperatur <10,0°C): 8
Eiskalte Tage (Höchsttemperatur <10,0°C): 3

Sonne:
Monatssumme: 105,6 Stunden (137,7%)

Niederschlag (privat gemessen):
Monatssumme: 69,1 mm (86,9%)
Maximale Tagessumme: 15,5 mm am 3. Februar

Schnee:
Maximale Schneehöhe: 107cm am 12. Februar
Tage mit Schneedecke: 28

Wind:
Höchste Windgeschwindigkeit: 104,8 km/h am 4. Februar
Tage mit Starkem Wind (Windstärke 6): 20
Tage mit Stürmischen Wind (Windstärke 8): 7
Tage mit Orkan (Windstärke 12): 0

Sonstiges:
Anzahl der trüben Tage: 18 (-1)
Anzahl der heiteren Tage: 5 (+3)
Tage mit Nebel (Sicht <1km): 22 (-3)
Tage mit Gewitter: 0 (0)


Wetterrückblick Olbernhau von Dirk Christoph

Wetterrückblick des Observatoriums Hoher Peißenberg in den bayrischen Voralpen

Dieser Beitrag wurde unter Wetterrückblick abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s