Saharastaub statt Katastrophe

Die Presse hat sich an Schlagzeilen mal wieder selbst übertroffen

Seit einer Woche hat uns die Presse mit sich überschlagenden Meldungen auf ein Katastrophenwochenende vorbereitet.

Das Tief TRISTAN zog letzte Nacht vom südlichen Mitteleuropa zu uns herein und prallte dort auf die sehr kalte Festlandsluft des über dem Nordmeer und Skandinavien liegenden Hoch GISELA. Allerdings wurde durch eine straffe Südströmung auch reichlich Saharastaub aus Nordwestafrika in etwa 5km Höhe nach Süddeutschland getragen. Man konnte dies auf den Alpenwebcams verfolgen und erlebte eine Stimmung wie auf dem Mars (z.B. 123). An den Sandkörnern kondensierte Wasserdampf, so dass sich (unvorhergesagt) Wolken bilden konnten und es zudem außerordentlich (gelblich) trüb war.

Durch die stark gefilterte Sonne stiegen die Temperaturen nicht so stark an, wie berechnet. Das hatte zur Folge, dass sich die Luftmassengrenze weniger markant und etwas diffuser weiter im Süden ausbildete. Die größten Schneehöhen gab es in einem Streifen vom Niederrhein über das Sauerland und Thüringen bis nach Leipzig, wobei der starke Wind auf freien Flächen für Schneetreiben mit eingeschränkten Sichtweiten sorgte. Die höchste Neuschneemenge wurde mit 32cm an der Stationen Weißensee-Ottenhausen in Thüringen gemessen. Sonst fielen in diesem Streifen zwischen 2 und 25 Zentimeter.

Ich habe einige Flachländer in den entsprechenden Gebieten gefragt, alle empfanden dies als ganz normalen Wintereinbruch, der Winterdienst funktionierte, aber es gab vor allem beim Nahverkehr einige Einschränkungen (ebenfalls normal), wohl aber auch, weil die Technik gar nicht mehr auf Winter eingestellt ist.

Sehr viel schlimmer waren die Menschen in Hessen und Ostthüringen dran, die den Eisregen abbekommen haben. Dort regnete es teilweise über Stunden, der Winterdienst kapitulierte und eine dickte Eisschicht legte das Leben quasi lahm.

Das Erzgebirge kam mal wieder mit blauem Auge davon. In den Vorhersagen lag es schon mehrfach außen vor, aber ab und zu auch im Gebiet mit Eisregen. Aber in der Nacht zog der Saharastaub von Südbayern auch zu uns und deckelte in der Höhe die Temperaturen, so dass die tieferen Lagen statt Eisregen Eiskörner bekamen. Diese entstehen, wenn Regentropfen oder geschmolzene Schneeflocken durch eine kalte Luftschicht fallen und dabei (wieder) gefrieren. Am Erzgebirgskamm schneite es, die höchste Neuschneemenge fiel mit 14cm in Deutschneudorf-Brüderwiese. Auf dem Fichtelberg stieg mit nur 4cm Neuschnee die Schneehöhe auf 90cm.

Verteilung des Saharastaub.

Interessant waren die intensiven Ablagerungen von Saharasand im Schnee, welche die Presse gern als Blutschnee betitelt. Im Erzgebirge sind diese sehr selten, da eine straffe Südströmung gewöhnlich Warmluft mit sich bringt, die eher für Regen als für Schnee sorgt. Aber in den Alpen gibt es in fast jedem Winter Staubablagerungen. Das letzte derart intensive Ereignis gab es am 21.02.2004.

Nachfolgend einige eindrucksvolle Fotos von Matthias Barth in Dresden und Carsten Kundt in Thüringen.

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2 Antworten zu Saharastaub statt Katastrophe

  1. Matthias schreibt:

    Auch im Erzgebirge war der Schnee sichbar gelblich eingefärbt.
    Grüße aus Zwönitz

    Gefällt 1 Person

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