Ungewöhnlich früher Herbststurm

Ungewöhnliche Wolkenformationen begleiten das ungewöhnliche Sturmtief KIRSTEN (ch)

Der Hochsommer endete in diesem Jahr passend zum Ende der Hundstage am 23. August. Seitdem herbstelt es mit deutlich kühleren Temperaturen und morgendlichen Nebelfeldern in einigen Hochtälern. In Kühnhaide gab es in der Nacht zu gestern leichten Frost mit Minima von -0,2°C in der Luft und -2,5°C am Erdboden.

Mit Tief KIRSTEN zog heute der erste Herbststurm über das Land und brachte Windspitzen bis 144km/h auf dem Brocken. Aber nicht nur auf den Bergen stürmte es, sondern auch im Flachland wurden Windspitzen um oder über 100km/h erreicht, z.B. Weinbiet (553m) mit 100,1km/h. Im Erzgebirge führte erwartungsgemäß der Fichtelberg mit 105,1km/h die Hitliste an, gefolgt von Chemnitz (79,6km/h) und Marienberg (71,6km/h).

Sicher sind die Windgeschwindigkeiten nicht mit denen der stärksten Winterstürme vergleichbar, aber dieses Tief war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Es ist nicht nur ein sehr frühes Sturmtief, sondern hat zudem eine ungewöhnliche Temperaturverteilung. Bei dieser so genannten Shapiro-Kayser-Zyklone wickelt sich eine Warmfront um das Zentrum des Tiefdruckgebiets, wodurch starke Fallwinde (Sting Jets) ausgelöst werden. Das kann örtlich und vor allem auch in tiefen Lagen zu stärkeren Windgeschwindigkeiten führen, als die Modelle vorhersagen. Die Shapiro-Keyser-Zyklone fand erst in den letzten fünf bis zehn Jahren zunehmend Beachtung in Europa und man vermutet, dass diese Zyklonenart mit dem vermehrten Auftreten südlicher Westlagen zugenommen hat. Prominenter Vertreter einer Shapiro-Keyser-Zyklone ist zum Beispiel Orkan Xavier am 5.10.2017.

Nach Medienberichten führte der Sturm zu zahlreiche Einschränkungen, so mussten viele Parks, Freibäder, Friedhöfe und Zoos geschlossen und zahlreiche Straßen und Bahnstrecken gesperrt werden. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld waren 2.800 Haushalte wegen beschädigter Oberleitungen ohne Strom. Auf der Autobahn 13 von Dresden nach Berlin gab es Sichtbehinderungen aufgrund eines Sandsturms. Vereinzelt wurden Menschen von herabfallenden Ästen und Bäumen verletzt. Da die Bäume im Gegensatz zu Winterstürmen derzeit noch voll belaubt sind und entsprechend große Angriffsflächen bieten, brechen Äste schon bei viel geringeren Windgeschwindigkeiten. (ch)

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Eine Antwort zu Ungewöhnlich früher Herbststurm

  1. Endlich Regen! Der Sommer kommt bestimmt noch mal zurück!

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