05./06. Juli 2020 Jahrhundertshow der Leuchtenden Nachtwolken

Leuchtende Nachtwolken über dem Fichtelberg, aufgenommen vom Wirbelstein. Foto: Kevin Förster

Jahrhundertshow – so nannten wir bereits im letzten Jahr ein ungewöhnlich ausgedehntes Display Leuchtender Nachtwolken (NLC) und waren uns sicher, so etwas in dieser Helligkeit nicht gleich wieder geboten zu kommen. Aber wir sollten uns geirrt haben.

Süd-NLC über dem Erzgebirge! (wh)

Die letzte Nacht übertraf alles, was wir in 25 Jahren kontinuierlicher NLC-Beobachtung je erlebt haben. Bereits um 21.50 Uhr waren die ersten Wolken zu sehen, und zwar vom Zenit bis 30° über dem Südhorizont! Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass wir hier im Erzgebirge einmal Süd-NLC sehen dürfen! Mit zunehmender Dunkelheit zogen sie sich in außergewöhnlicher Helligkeit nach Norden zurück und strahlten dort, bis kurz vor 23 Uhr die nahenden Wolken der Kaltfront alles bedeckten. Diese NLC waren sehr weit südlich zu sehen, selbst auf einer Webcam in Mazedonien auf dem 41. Breitengrad waren sie noch nachweisbar.

Zeitraffer von Kevin Förster

Wie in den letzten Artikeln bereits unschwer zu erkennen, sind Leuchtende Nachtwolken im Erzgebirge in diesem Jahr alles andere als selten. Die Mesopause, in welcher die Wolken auftreten, ist in diesem Jahr ungewöhnlich kalt und die notwendigen -140°C werden in einer ungewöhnlich dicken Schicht erreicht, die sich teilweise auf über 10km Schichtdicke (76-87km) erstreckten (In Lehrbüchern ist noch von 80-85km die Rede). Auf der Grafik der Mesosphären-Radarmessung des Leipnitz-Institus für Atmosphärenphysik Kühlungsborn [Link] musste bereits die Skala erweitert werden.

Hinzu kommt derzeit eine weitere astronomische Besonderheit: Ein Komet, der in den frühen Morgenstunden mit bloßem Auge sichtbar ist. Der Komet C/2020 F3 wurde am 27. März vom Near-Earth Object Wide-field Infrared Survey Explorer (NEOWISE) entdeckt und erhielt deshalb den Beinamen Neowise. Mit einer Helligkeit von derzeit 1.3mag ist er ebenso hell, wie Deneb im Sternbild Schwan, der zusammen mit mit Wega und Altair das Sommerdreieck bildet. Neowise ist derzeit zwischen 02.30 und 04.30 Uhr tief am Nordosthorizont mit Fernglas als Nebelfleck mit einem Schweif erkennbar. Zur besseren Auffindung kann man etwa 30° links der hellen Venus und wenig links vom hellen Stern Capella orientieren (→Auffindungskarte). Und wenn man Glück hat, erwischt man – so wie heute morgen Jarda Fous im böhmischen Podbořany – zusammen mit Leuchtenden Nachtwolken 🙂 (ch)

Komet Neowise zusammen mit Leuchtenden Nachtwolken heute Morgen von Podbořany in Richtung Erzgebirge. Foto: Jarda Fous

 

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