16./17.06.2020 – Leuchtende Nachtwolken in Zenitnähe

Sehr hohe Leuchtende Nachtwolken von Podbořany in Richtung Erzgebirge. Foto: Jarda Fous

Die diesjährige Saison begann besonders früh und im Erzgebirge am 6./7.06. mit einer ungewöhnlichen Südwest-Beobachtung der sonst im Norden gewohnten Leuchtenden Nachtwolken (NLC). Das versprach eine gute Saison zu werden.

Auch am 16.06. zeigte die Mesosphären-Radarmessung des Leipnitz-Institus für Atmosphärenphysik Kühlungsborn [Link] zahlreiche Echos, die das Auftreten von Leuchtenden Nachtwolken wahrscheinlich machen. Leider zeigten sich im Norden Wolken, die immer dichter zu werden schienen. Wir fuhren dennoch zu unserem erhöhten Beobachtungsstandort, um vielleicht ein paar Wolkenlücken zu erhaschen.

Kaum waren wir um 22.00 Uhr dort, zeigten sich im Westen bei einer Sonnentiefe von nur 5° verdächtige Strukturen in Zenitnähe. Anfangs zweifelten wir etwas daran, dass es wirklich NLC sind, zumal sich immer wieder Wolken davor schoben und einen Gesamtblick verhinderten. Aber je dunkler es wurde, desto heller wurden die NLC und desto mehr nahm ihre Höhe ab (da sie nicht mehr beschienen wurden). Später tauchte ein weiteres sehr großes Display im Norden auf, allerdings wurde auch das mit reichlich troposphärischen Gewölk getrübt.

Mehr Glück hatten Jarda Fous in Podbořany (Podersam), Heiko Ulbricht in Freital und Sabine Wächter in Dresden, die mit einem Fisheye-Objektiv die Wahnsinns-Ausdehnung des Displays festhalten konnte. Vielen Dank für die Aufnahmen! Die Beobachter im Norden hatten die Leuchtenden Nachtwolken sogar nahezu am gesamten Himmel. Einen wunderschönen Zeitraffer dazu konnte Maciej Libert in Bremerhaven erstellen. Zahlreiche weitere Beobachtungen sind im NLC-Forum des AKM e.V. zu finden.

Was ist nur mit den Leuchtenden Nachtwolken los? Findet man in älteren Büchern oft noch den Hinweis, dass sie südlich des 50. Breitenkreises nicht auftreten können, scheinen die Displays in den letzten Jahren immer größer und bis weit in den Süden sichtbar zu werden. Auch an diesem Tag wurden sie selbst von einigen (wegen Wolken leider nur wenigen) Alpen-Webcams festgehalten.

Forscher vermuten, dass der Klimawandel auch am Rand der Erdatmosphäre Auswirkungen hat. In etwa 80-85km Höhe führen Kohlendioxid, Methan und andere Gase im Gegensatz zur erdnahen Atmosphäre zur Abkühlung. 40-jährige Messungen des Leibniz-Institutes ergaben eine mittlere Abkühlung von 16°C. Zudem werden die Gase von der starken UV-Strahlung zersetzt. Der freigesetzte Wasserstoff verbindet sich mit Sauerstoff zu Wasser, was bei Temperaturen unter -130°C zu Eis gefriert. Welche langfristige Folge dies außer der Zunahme von NLC haben könnte, ist noch unbekannt.

Diskutiert werden zudem der Einfluss des Elfjahresrhythmus der Sonnenaktivität und die Rolle von Meteoritenstaub. Jeden Tag treten zahlreiche Meteoriten in die Erdatmosphäre ein. Sie zerfallen zu Staub und bilden Kerne für Eiskristalle, die letztlich für die Bildung der leuchtenden Nachtwolken verantwortlich sein könnten. (ch)

Dieser Beitrag wurde unter Besondere Wetterphänomene und Atmosphärische Erscheinungen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu 16./17.06.2020 – Leuchtende Nachtwolken in Zenitnähe

  1. Radelnder Uhu schreibt:

    Ein Traum ist das 🙂 Diese Gelegenheit habe ich leider leider verpasst…

    Gefällt 1 Person

  2. meteocb schreibt:

    Also wenn es um leuchtende Nachtwolken geht, seid ihr echt Spitze! So viele tolle Ansichten, da schaut man schon irgendwie neidisch zum Fichtelberg 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s