Das Wetter im Osterzgebirge im April 2020

Zinnwald

Was für ein April! Sonne, Dürre, Wärme – und doch begann der Monat mit deutlichem Frost aber sonnig. Wintersport wurde jedoch auch auf dem Kamm bald unmöglich. Nur am­ 03./04. trübte es sich ein. Der Wind erreichte im Gebirge stürmischen Charakter.
Danach begann schon der Frühsommer. Eine Südlage lies die Temperaturen auf > 20 °C steigen und mit 16 °C erreichte Zinnwald neue Tageshöchstrekorde. Die Luft war zudem sehr trocken mit Werten um 18 % in den Mittagsstunden – selbst im Erzgebirge 21 %. Bis zum ersten Regen mussten wir bis zum 12./13. warten. In Bannewitz war der 13. auch der einzige Regentag.
Einzig am 14. lag die Temperatur nochmal merklich unter dem Klimamittel. An diesem Tag konnte Zinnwald 1 cm Schneehöhe vorweisen.
Anschließend wurden bis zum 23. aufgrund von „Hoch Odilo“ viele Sonnenstunden gemessen. Die Sichtweite stieg erneut auf große Entfernungen. Der böhmische Wind strömte intensiver und kündigte den Wetterwechsel an. Der Flieder blühte deutlich zu früh.
Tief Xenia“ läutete das Aprilwetter ein, dass sich bis in den Mai hinein erstreckte. Niederschlag fiel jedoch in zu geringen Mengen.
Auf der Vorderseite des nächsten Tiefs erreichte uns nochmals afrikanische Luft. Dabei maßen alle Flachlandstationen einen Sommertag und Zinnwald 18 °C.

Anders als zum Monatsbeginn erwartet stieg die Monatsmitteltemperatur auf 7,1 °C (Zinnwald) bis 11,3 °C (Köttewitz) und damit war der Monat etwa 2 K/°C zu warm gegenüber dem langjährigen Mittel. Einzig in Zinnwald wich die Temperatur um 4 °C von der Norm ab (Inversionswetterlagen!). Dort sank die Temperatur nur magere 6 x auf unter 0 °C. Die meisten Frosttage zeichnete Dohna (7) und die wenigsten Köttewitz (4) auf. Die Tieflandstationen erreichten 1 Sommertag – ein gewöhnlicher Wert. Viel spektakulärer sind die nächsten 2 Parameter: Niederschlag und Sonnenschein. An nur 1 Tag in Bannewitz bis 5 Tagen in Zinnwald war Niederschlag messbar. Die Niederschlagssummen von 2 – 10 Liter pro Quadratmeter bedeutet ein Defizit von 85 – 95 %. In Dresden war bis jetzt nur der 2007-er April trockener. Um 270 h (200 %) lang schien die Sonne – ein sommerlicher Wert. Noch nie war ein April sonniger. Dementsprechend gering fiel der Bedeckungsgrad aus. Nur 39 % des Himmels waren durchschnittlich bedeckt. Zu erklären ist die Aprilwitterung durch oft dominante Hochdruckgebiete über Nord- und Mitteleuropa. Der mittlere Luftdruck von 1018,4 hPa (+ 3,6 hPa) bestätigt das. Außerdem wich die Luftfeuchte stark nach unten ab. Selbst auf dem Erzgebirgskamm wurde die max. Luftsättigung nur zu 57 % erreicht, im Tiefland sind 70 % der Durchschnitt. Die Sicht war so gut, dass nirgends Nebel, dafür an über 15 Tagen Fernsicht beobachtet wurde. Der Wind wehte nur im Obererzgebirge intensiver als üblich. An 17 Tagen erreichte er Windstärke 6. An den tieferen Stationen nicht einmal 5x. Die stärkste Böe erreichte am 05. 70 km/h (Bft 8). Kein Standort beobachtete Gewitter. Die potentielle Verdunstung stieg auf knapp 100 mm. Der Boden trocknete bis zum Ende des Monats auf 25 cm extrem aus. Zudem konnte der Winterniederschlag im tieferen Boden nicht zu einer Entspannung der seit 2018 dauernden Dürre führen.

Ihr Sebastian Wetzel und Norbert Märcz, Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.

Das Wetter im Vergleich:

 

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