Schnee im Winter 2019/20

Fast 4 Monate lang konnte man auf dem Fichtelberg im letzten Winter Ski fahren. (ch)

Wir bekamen in unserem Blog die Anregung, doch mal die Schneesituation im letzten Winter auf dem Fichtelberg einzuordnen. Im Flachland war er vielerorts einer der schneeärmsten Winter überhaupt, an vielen Orten in Deutschland war er sogar komplett schneelos.

Auf dem Fichtelberg macht es nicht viel Sinn, den Winter im Korsett seiner drei Monate zu betrachten, denn oft werden die höchsten Schneehöhen erst im März oder April gemessen. Deshalb haben wir das jeweilige „Winterhalbjahr“ jeweils von Juli bis Juni ausgewertet. Da auf dem Fichtelberg dank Privatinitiative nach wie vor die Schneehöhe wie zu Anfangszeiten konventionell von verschiedenen Messpunkten gemittelt wird, ist die Schneedecke im gesamten Zeitraum vergleichbar. Kleinere Brüche gibt es lediglich durch den unterschiedlichen Gipfelbewuchs, jedoch sind diese Unterschiede nicht besonders auffällig und können deshalb vernachlässigt werden. Ausgewertet wurden alle Winter ab 1900. Allerdings sind einige Daten nicht vollständig vorhanden und können deshalb in der Auswertung nicht berücksichtigt werden. Vorhandene Extremwerte sind aber dennoch eingegangen.

Gefühlt war der Winter 2019/20 auch auf dem Fichtelberg sehr schneearm, es gab immer wieder Warmlufteinbrüche, die der weißen Pracht das Dasein schwer machten. Aber dieser Eindruck täuscht etwas und ist wahrscheinlich auch den Erinnerungen an den sehr schneereichen Winter im Jahr zuvor geschuldet, bei dem sogar die frisch automatisierten Messgeräte an der Wetterstation eingeschneit wurden. Denn ein Blick in die Statistik verrät, dass mit nur kurzen Unterbrechungen 4 Monate am Stück Schnee gelegen hat. Deshalb reiht sich zwar der Winter in die Top 10 der Schneeärmsten, aber eben nicht ganz am Ende ein.

Schneedeckensumme

Bei der Schneedeckensumme werden die täglich um 06 Uhr UTC ermittelten Messwerte aufaddiert. Das ergibt einen Gesamteindruck, wieviel Schnee überhaupt gelegen hat. Liegt diese auf dem Fichtelberg unter 5000, kann man den Winter als schneearm einstufen, eine Summe >15000 erhält man bei einem schneereichen Winter. Spitzenreiter ist der Winter 1966/67 mit einer Schneedeckensumme von 27322, gefolgt von 1969/70 (24261) und 1909/10 (23440).

Der Winter 2019/20 hatte eine Schneedeckensumme von 3474 und reiht sich damit auf Platz 10 ein. Die Reihe der schneeärmsten Winter führen hier die Winter 1918/19 (2119), 1998/99 (2323) und 1917/18 (2601) an. Vor ziemlich genau 100 Jahren war es also noch schneeärmer als jetzt!

Diagramm1

Maximum der Schneedecke

Das Maxima der Schneedecke ist sicher ein interessanter Wert und zeigt, wieviel Schnee auf dem Mittelgebirgsgipfel möglich ist, sagt aber nicht unbedingt etwas über den gesamten Winter aus. Denn viel Schnee ist meist ein Zeichen für Westwetterlagen, die dann oft im Winterverlauf auch wärmere Temperaturen bringen. Dennoch ist bei Wintern mit den größten Schneehöhen auch die Schneedeckensumme im Bereich „schneereich“, denn auf den Bergen häuft sich die Schneedecke im Laufe des Winters an und hat deshalb ihr Maximum für gewöhnlich erst im März oder April.

Die höchste Schneehöhe wurde am 24.03. und 29.03.1944 mit 3,35m gemessen. Die Schneedeckensumme betrug im Jahr 1943/44 immerhin 21326. Insgesamt wurde in 4 Wintern die 3 Meter-Marke überschritten. So gab es 1908/09 3,30m Schnee (25680), 1969/70 3,05 Meter (24261) und 1906/07 3,0 Meter (26614).

Im Winter 2019/20 wurden maximal 64cm gemessen. In der Rankingliste der schneeärmsten Winter liegt dieser zusammen mit 2015/16 auf Platz 6. Die geringste maximale Schneehöhe wurde 1918/19 mit 43cm gemessen.

Diagramm2

Tage mit Schneedecke

Als Drittes betrachten wir die Zahl der Tage mit Schneedecke (Gesamtbedeckung >50%).

Dieser Wert repräsentiert die Länge des Winters. In 8 Wintern lag an mehr als 200 Tagen Schnee! Spitzenreiter ist 1905/06 mit 216 Tagen, gefolgt von 1964/1965 (211 Tage) und 1974/75 (209 Tage).

2019/2020 gab es an 137 Tagen eine Schneedecke. Damit liegt die „Kürze“ des vergangenen Winters zusammen mit 2015/16 auf Platz 8. Die geringste Zeit mit einer Schneedecke wurde 1917/18 mit nur 85 Tagen registriert.

Schmilzt die Schneedecke und damit die Gesamtbedeckung unter 50% zusammen, dann sprechen wir von Schneeflecken und bei <10% von Schneeresten. Diese halten sich vor allem nach schneereichen Wintern im Schatten des Waldes manchmal bis in den Juni hinein. Die spätesten beobachteten Schneereste verschwanden im Jahr 1967 erst am 18. Juni. Die Reste dieses Winters 2019/20 sind momentan noch vorhanden und verschwinden wahrscheinlich am letzten Aprilwochenende.

Die Schneereste von den Beschneiungsanlagen fallen nicht in unsere Beobachtungskategorie, können aber den optischen Gesamteindruck verfälschen.

Hoffen wir, dass es bald wieder schneereichere Winter gibt. Schnee gehört einfach zum Fichtelberg dazu und macht (zumindest uns) glücklich 😉 (ch, gf)

Dieser Beitrag wurde unter Wetterrückblick abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Schnee im Winter 2019/20

  1. meteocb schreibt:

    Grandios, vielen Dank für die tolle Übersicht!

    Gefällt 1 Person

  2. Franz schreibt:

    Danke für interessante Beitrag. Im Winter 1910/11 war am Keilberg 307 cm gemessen. Fichtelberg war ohne Messung damals. Leider.

    Gefällt 2 Personen

    • ch schreibt:

      Lieber Franz, wo hast Du denn die historischen Daten vom Keilberg her? Vielleicht könnte man mal vergleichen und die Lücken zumindest provisorisch auffüllen?

      Liken

  3. ch schreibt:

    Ja, leider sind die Daten vor 1916 vom Fichtelberg sehr lückenhaft und nicht alle verwendbar, deshalb können sich die angegebenen Platzierungen noch um 1 oder 2 Plätze nach hinten verschieben. Ich wollte sie aber nicht ganz ignorieren.

    Liken

  4. NH schreibt:

    Auch von mir vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag. In vielen Wintern ist ist auch die 1000m und 800m Höhenmetergrenze sehr interessant. Oft liegt in milderen Witterungsabschnitten im Winter dort die Schneefallgrenze oder aber auch die Schneeakkumulationsgrenze.

    Liken

    • ch schreibt:

      Ja, da gebe ich Dir recht, in den letzten Jahren war der Fichtelberg oft eine kleine Winterinsel in der sonst grünen Landschaft. Ich bin gespannt, wie es die nächsten Winter weiter geht.

      Liken

  5. Matthias schreibt:

    Klasse Zusammenfassung die man wohl sicher vergeblich in der Presse (FP) finden wird da sie nicht die Aussagen der Klimaarlarmisten wie eines Herrn Falk Böttcher Agrarmeteorologe vom DWD Leipzig entspricht!
    Allenfalls kürzt man Grafiken zusammen,macht sie passend!

    Gefällt 1 Person

    • klimareihenfritze schreibt:

      Passt zu ihm und zu dem, was man vom DWD bisher so gesehen hat.
      Zitate Falk Böttcher 2009: „Na und, dann sind eben Lücken in den Messreihen?! Wir haben doch agrarmeteorologische Modelle. Automaten messen doch auch gut, auch auf Bergstationen. Nur Pingelfritzen wie Sie wollen alle Werte auf Zehntel-Genauigkeit …“

      Liken

  6. Heike schreibt:

    Vielen Dank für die interessante Auswertung. Der Fichtelberg ist dann wohl die einzige Station in ganz Deutschland, die über 100 Jahre lang gleichmäßig gemessene Schneehöhen auswerten kann. Ansonsten gibt es bei der Umstellung auf automatische Schneehöhenmessungen riesige Brüche. Bitte macht weiter, vielleicht wacht der DWD mal auf und erkennt, was er da alles zerstört hat.

    Gefällt 1 Person

    • klimareihenfritze schreibt:

      @Heike Der Fichtelberg ist bei weitem nicht die einzige deutsche Station mit über 100-jähriger homogener Schneehöhenmessreihe, nicht mal die einzige Gipfelstation. Richtig ist aber, dass gerade die Schneehöhen-Messreihen (auch die Bewölkungsreihen) vom Zeitpunkt der Automatisierung an durch den DWD entweder gar nicht mehr oder nur noch durch aufwendige Ersatzverfahren mit entsprechender Rechnerei fortgeschrieben werden können. Auch die Datenverfügbarkeitsquote sinkt bereits bei nur zeitweise bemannten Stationen spürbar und bei vollautomatisierten Stationen sehr deutlich ab, sodass für datenintensive Anwendungen fast alle Wetterparameter einer nachträglichen Kontrolle und ggf. Interpolation bedürfen

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s