Sturm YULIA

Sturmtief YULIA am 23.02.2020 um 12.00 UTC. Quelle: Berliner Wetterkarte

Gestern überquerte uns Sturm YULIA mit zwei Sturmlinien. Die erste trat südlich der Luftmassengrenze mit starker Föhnunterstützung auf, die zweite kam kurz aber sehr heftig zusammen mit der abendlichen Kaltfront. Auf dem Fichtelberg wurde als höchste Windspitze 133 km/h registriert, aber auch im Flachland wurden vereinzelt die 100km/h erreicht (Lichtenhain/Mittelndorf: 102km/h, Oschatz: 100km/h). Die höchste Windgeschwindigkeit in Deutschland meldete mit 157 km/h der Brocken, auf der Schneekoppe wurden sogar 222 km/h registriert. Damit ist YULIA in die Liste der stärksten Stürme eingezogen.

Die Kaltfront rauschte am Abend mit heftigen Graupelschauern durch und kühlte im Laufe der Nacht die Temperaturen merklich ab, auf dem Fichtelberg von 4 auf -4 Grad und in Aue sank sie sogar um 10°C von 12 auf 2 Grad ab. Leider fiel anschließend nicht mehr wirklich viel Niederschlag, um die in den letzten beiden Tagen stark dezimierte Schneedecke auf dem Fichtelberg zu kompensieren. Schnee ist auf dem Kamm aufgrund der vom 28. Februar bis 8. März 2020 stattfindenden Juniorenweltmeisterschaft gerade enorm wichtig und wir drücken die Daumen, dass bis zum Wochenende noch Schnee hinzu kommt. Die Vorhersage ist diesbezüglich recht hoffnungsvoll …

Im Vorfeld von Sturm YULIA gab es übrigens sehr interessante und nicht alltägliche Wolkenformationen, die wohl zum einen durch den Kampf der Luftmassen, aber auch durch den Jetstream entstanden sein könnten, welcher derzeit genau uns hinweg verläuft (siehe hier). So wurden neben reichlichen Föhnwolken (lenticularis) auch die Wolkenunterarten intortus (verflochten), lacunosus (durchlöchert) und radiadus (strahlenförmig) sowie die Sonderformen asperitas (aufgewühlt), fluctus (Kelvin-Helmholtz-Wellen) und mammatus (beutelförmig) beobachtet. Nachfolgend die besten Fotos verschiedener Beobachter. (ch)

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelle Wetterinfos abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Sturm YULIA

  1. Forscher schreibt:

    Danke für die Analyse und die eindrucksvollen Bilder!
    Auch in Österreich geht YULIA als einer der stärkeren Stürme ein. Im Wiener Becken gab es verbreitet Windspitzen zwischen 100 und 120 km/h. Auf der Buchbergwarte (469m) im westlichen Wienerwald gab es mit 151 km/h einen neuen Stationsrekord. Der Feuerkogel hatte 173 km/h. Einsame Spitze war aber der Schneeberg (2076m) mit 250 km/h! Und da geht Gold an das deutsche ICON, das im Gitterpunkt für den Schneeberg 249 km/h gerechnet hatte. Warmsektor-Westwind ist prädestiniert für derartige Extremwinde (Leitplankeneffekt, Kuppeneffekt, gestauchte Isentropen). Auch die Gipfel in der Umgebung hatten verbreitet 160-190 km/h

    https://meteoerror.wordpress.com/2020/02/23/sturm-yulia-auf-petras-spuren/

    In den Niederungen waren es bis in die inneralpinen Tal- und Beckenlagen verbreitet 80-100 km/h, teilweise mit Rotorausbildung (Aflenzer Becken Südwest mit 48kt). Lediglich der Umstand, dass die Höhenkaltluft deutlich weiter nördlich vorbei ging (Gewitter über Polen) und die Kaltfront strömungsparallel den Norden Österreich überquerte, hat verhindert, dass der Höhenwind voll herabgemischt wurde, sonst hätte ich mir am Alpenostrand verbreitet 70kt vorstellen können. Aber wie Du vorher schon einmal schriebst, die heftigsten Orkanwinde sind auf Konvektion angewiesen, bzw. auf eine gewittrige Kaltfront. So war es ein schwerer Sturm mit einzelnen Orkanböen, aber kein Orkan der Sorte Kyrill/Emma.

    Gefällt 1 Person

  2. ch schreibt:

    Vielen Dank für die Infos aus Österreich! Die 250km/h vom Schneeberg werde ich auf jeden Fall mit in die Tabelle aufnehmen.

    Gefällt 1 Person

  3. franzzeiler schreibt:

    Vielen Dank für die Wolkenbilder und die Analysen.

    Ich habe mir – zwar weniger wissenschaftlich – auch meine Gedanken zu YULIA gemacht. Hätte herunten noch stärkere Böen erwartet.

    https://www.wettereck-triestingtal.at/2020/02/24/rueckblick-auf-sturmtief-yulia/

    Die enormen Windspitzen am Schneeberg sind nur möglich, da es sich hier um den frei stehenden östlichsten Zweitausender der Alpen handelt. Dass der Windmesser in Betrieb war, ist nur den milden Temperaturen des subtropischen Warmsektors geschuldet.
    In einen „normalen“ Winter ist das Anemometer auf der Sendeanlage in Raueis eingepackt.
    Foto vom Jänner 2019:

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s