Letzte Augenbeobachtung auf dem Brocken

Blick vom Brocken zum Fichtelberg, der durch Luftspiegelungseffekte verzerrt ist. Fotos: Marc Kinkeldey

Neben der Wetterwarte auf der Wasserkuppe wird heute auch die Wetterwarte Brocken automatisiert. Damit geht eine 184-jährige Ära zu Ende, auf denen Menschen Wetterdaten auf dem höchsten Harzgipfel erhoben. Ob Automaten die Klimareihe in dieser Qualität weiterführen können, bleibt abzuwarten. Auf dem Fichtelberg ist es nicht gelungen und bereits wenige Tage nach Abzug des Personals gab es aufgrund von Schneefall und Nebelfrost massive Datenausfälle. Auf die Messung von Schneehöhe und Niederschlag wurde gar komplett verzichtet.

Ein letztes Mal konnte am Sonntag der Brocken-Beobachter Marc Kinkeldey zum Abschied dem Fichtelberg zuwinken, der nach oben hin gespiegelt war. Ähnliche Luftspiegelungseffekte gab es am gleichen Tag auch vom Fichtelberg aus zu sehen, allerdings ist von da aus geblickt der Brocken im Winter nur schwer beobachtbar, da die Sonne zu weit entfernt untergeht und der Harz somit nicht beleuchtet ist. Bessere Bedingungen gibt es von der Beleuchtung her im Sommer, dann allerdings sind solche guten Sichtweiten sehr selten und oft nur kurzzeitig nach Kaltfrontdurchgängen möglich. Den besten Brockenblick hatte Gerd Franze am 1. Juli 2018.

Nun wird sich an den Wetterwarten niemand mehr für derartige Sichtweiten begeistern, sich an Wetterphänomenen erfreuen oder gar Abhandlungen und Auswertungen von derartigen Erscheinungen erstellen.

Wir können gut nachvollziehen, wie schwer es den Kollegen vom Brocken fällt, ihren geliebten Arbeitsplatz zu räumen, waren sie doch ebenso engagiert und immer für Besucher offen wie wir. Bis zu 2000 Interessenten besuchten jährlich die Brockenwetterwarte. Wir wünschen alles erdenklich Gute und hoffen, dass sie sich mit ihren neuen Tätigkeiten gut arrangieren können. Auch wenn erfahrungsgemäß ein Stück des Herzens immer auf dem Berg bleiben wird. (ch)

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3 Antworten zu Letzte Augenbeobachtung auf dem Brocken

  1. Roland schreibt:

    Ein schöner aber auch sehr trauriger Bericht 😦 Allen Mitarbeitern alles Gute, Gruß in die Berge von Roland 🙂

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  2. Anette Aslan schreibt:

    Schon kurios, dass man sich auf menschengemachte Messwerte verlassen konnte, auf menschengemachtes Klima aber nicht. Mit welchen unsicheren Referenzen wird nun der Klimawandel bewertet? Jetzt, wo es wirklich ernst wird und verlässliche Daten von höchster Relevanz sind, werden diese dank Automatisation unzuverlässig. Das soll einer verstehen!
    Traurige Grüsse von Anette

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  3. ch schreibt:

    Liebe Anette, Du hast das Paradoxum mit wenigen Worten zusammengefasst. Wenn es selbst die Mitarbeiter nicht mehr verstehen, wer dann?

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