2020 – Das Wetter in Olbernhau von Dirk Christoph

April

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Spricht man von einer legendären Frühjahrstrockenheit, speziell im April, ist dieser Begriff wahrlich nicht übertrieben. In den zurückliegenden 25 Jahren erfüllte der April in Olbernhau lediglich drei Mal das Monatssoll, das aus dem 30-jährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 zugrunde liegt. Und der diesjährige April machte erneut keine Ausnahme, im Gegenteil. Mit nur 9,6 Litern pro Quadratmeter belegt er nun nach 2007 (nur 0,9 Liter) den zweiten Platz der trockensten April’s seit immerhin 70 Jahren.

Doch der Monat bot noch mehr bemerkenswertes. Mit knapp minus 9 Grad war es am Morgen des 1. April so kalt wie es etwa nur aller zehn Jahre im April vorkommt. Es folgten außerdem zehn weitere Frostnächte. Bodenfrost, gemessen in fünf Zentimeter über der Erde, trat sogar in 23 Nächten auf. Somit ist es auch nicht ganz verwunderlich, daß es nach einer Tagestemperatur von 22 Grad am 12. April (Ostersonntag) zwei Tage später eine morgendliche kleine weiße Überraschung von einem Zentimeter Schnee geben konnte.

Den größten Höhepunkt stellte aber die Sonnenscheindauer dar. Ein konstantes Hoch über Nordosteuropa, das die klaren Nächten ermöglichte und somit die Auskühlung begünstigte, sorgte am Tag zumeist für ungehinderte Sonneneinstrahlung. Insgesamt 281 Sunden, deutlich mehr als das Doppelte des Monatsüblichen und somit neuer Rekord kamen dabei zusammen. Nur an einem Tag (3. April) gab es gar keinen Sonnenschein. Dafür schien die Sonne an 16 Tagen zwischen zehn und knapp 14 Stunden. Dies begünstigte, im Zusammenhang mit den hohen Tagestemperaturen und dem tagelang kräftigen Südost- beziehungsweise Nordostwind, die Bodenaustrocknung immens.


März

Nach dem Wärmerekord im Februar verlief Anfang März zunächst alles im jahreszeitlich üblichen Rahmen. Die Tagestemperaturen stiegen von Tag zu Tag etwas an und erreichten am 18. und 19. März mit 16 Grad ihren Höchstwert. Auch die Nachttemperaturen bewegten sich im weitgefaßten Bereich um den Gefrierpunkt. Windig und mit über 28 Liter pro Quadratmeter als der bisher niederschlagreichste Tag des Jahres präsentierte sich der 11. März. Vier Tage in Folge vom 16. bis 19. März nahm der Frühling Anlauf, wurde aber ausgerechnet ab dem kalendarischen Frühlingsbeginn am 20. März rigoros ausgebremst. Ein stabiles Rußlandhoch, etwas was es den gesamten zurückliegenden Winter nicht gegeben hatte, lenkte nun sehr kalte Luft polaren Ursprungs nach Mitteleuropa. Am Tage stiegen die Temperaturen nur dank der ungehinderten Sonneneinstrahlung leicht über den Gefrierpunkt. Bei eisigem Nordost-Wind fühlten die sich aber deutlich kälter an. Nachts wurde es mit bis zu minus neun Grad so kalt wie den gesamten Winter nicht. Und diese Kälte hatte Ausdauer. Mit insgesamt 15 Frostnächten gab es im März somit fünf mehr als im Februar. Die dritte Märzdekade schaffte es nach 201 3 auf Platz zwei der kältesten letzten Märzdekaden in den zurückliegenden vier Jahrzehnten. Durch diese kalte aber auch sehr trockene Luft hatte die Sonne tagelang uneingeschränktes Einstrahlungspotential. Insgesamt schien sie 165 Stunden und damit 182 Prozent vom Mittel. Schließlich gab es am Morgen des 30. mit einem Zentimeter und am 31. mit drei Zentimetern Schnee sogar noch einmal eine kleine weiße Überraschung. Kleine Reste von letzterem blieben im Schatten auf Grund der trockenen Luft sogar noch bis 3. April liegen.

Statistik

Monatsmittel-Temperatur: 3,5°C (0,7 Grad über dem Durchschnitt)
Temperatur-Minimum: -9,0°C (am 23. März)
Temperatur-Maximum: 16,4°C (am 18. März)
Frosttage: 15 (Tagesminimum <0°C)
Eistage: 0 (Tagesmaximum <0°C)
Sonnenstunden: 165 (182 % vom Durchschnitt)
Niederschlag: 61,7 l/m² (98 % vom Durchschnitt)
Tage mit messbarem Niederschlag: 14
Tageshöchstmenge: 28,1 l/m² (am 11. März)
Tage mit geschlossener Schneedecke: 2


Februar

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Am zweitwärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn in Olbernhau vor mehr als 40 Jahren hatte der Berichtsmonat maßgeblichen Anteil. Um beachtliche 4,4 Grad lag das Monatsmittel des Februar über dem langjährigen Mittel. Die seit Wochen nahezu ununterbrochen währende Westwetterlage ließ selbst in den mittleren Erzgebirgslagen keinen strengen Nachtfrost, geschweige denn Eistage, also Minusgrade am Tage zu. In der kältesten Nacht sank das Thermometer gerade einmal auf minus 2,9 Grad. 19 Nächte blieben sogar gänzlich frostfrei. Dafür gab es bereits sieben Tage mit zweistelligen positiven Temperaturen. Kurioserweise trat der höchste Wert am 17. Februar von 13,8 Grad frühmorgens gegen 3:30 Uhr auf. Trotz allem gab es im Februar den bisher meisten Schnee dieses Winters. Während zweier Phasen vom 5. bis 9. und vom 26. bis Monatsende lag an insgesamt neun Tagen eine geschlossene Schneedecke von zwei bis höchstens neun Zentimetern. Milde Temperaturen und Regen ließen das seltene Weiß schnell dahin schmelzen. Insgesamt fiel im vergangenen Monat mit 136 Litern pro Quadratmeter, das entspricht 231 Prozent, so viel Niederschlag wie zuletzt 1961 in Olbernhau in einem Februar. Das bestimmende Thema des Wetters im Februar war aber der Wind. Mangels eines blockierenden Hochs über Mitteleuropa zog ein Tief, mitunter auch Sturmtief, nach dem anderen über die Region. Der Höhepunkt dabei war Orkantief „Sabine“ am 10. Februar. Die eingeschlossene Kaltfront zog frühmorgens mit Blitz und Donner und einem Temperatursturz binnen weniger Minuten von 11 auf 2,5 Grad über die Region. Doch auch sonst zeigte sich der Monat von einer recht ungewöhnlich stürmischen Seite. An der Wetterstation in Marienberg wurden 27 Starkwindtage mit Böen der Stärke 6 registriert, fünf davon sogar mit der Stärke 8. Selbst im relativ geschützten Olbernhauer Tal gab es 13 Starkwindtage, das heißt Windstärke 6.

Statistik

Monatsmittel-Temperatur: 3,9°C (4,4 Grad über dem Durchschnitt)
Temperatur-Minimum: -2,9°C (am 6. Februar)
Temperatur-Maximum: 13,8°C (am 17. Februar)
Frosttage: 10 (Tagesminimum <0°C)
Eistage: 0 (Tagesmaximum <0°C)
Sonnenstunden: 49 (78 % vom Durchschnitt)
Niederschlag: 136,0 l/m² (231 % vom Durchschnitt)
Tage mit messbarem Niederschlag: 23 Tageshöchstmenge: 24,5 l/m² (am 4. Februar) Tage mit geschlossener Schneedecke: 9 Tage mit Gewitter: 2


Januar

Auch wenn in puncto Temperatur und Niederschlag keine neuen Rekorde aufgestellt wurden, war der Januar 2020 sicher kein guter Monat. Das sehen sicherlich vor allem diese Branchen so, die auf Schnee angewiesen sind und jene die nun schon seit Monaten auf dringend benötigtes Naß in ausreichender Menge von oben warten. So ein schneereicher und nasser Januar wie im vergangenen Jahr hätte da schon etwas geholfen, doch das Gegenteil war der Fall. Mit lediglich knapp 28 Litern pro Quadratmeter erreichte der aktuelle Januar nicht einmal die Hälfte des langjährig üblichen. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht das sogar nur einem Sechstel. An Schnee war bei einem durchschnittlichen Tagesniveau von 5,2 Grad ohnehin nicht zu denken. Selbst auf die für den Monat üblichen knackig kalten Nächte unter minus zehn Grad, also strenger Frost, wartete man vergebens. Die kälteste Nacht brachte nur minus 7,8 Grad. Doch auch das ungewöhnlich krasse Gegenteil war zu beobachten. Am 10. und 31. Januar zeigte das Thermometer frühmorgens schon Werte von 9 bzw. 11 Grad an, also Nachttemperaturen die üblicherweise in den Juni gehören. Bei Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt konnte sich am Morgen des 19. Januar doch einmal kurzeitig eine dünne Schneedecke von gerade einmal einem Zentimeter bilden. Zusammen mit dem Januar 1991 die geringste Ausbeute an Schnee seit 70 Jahren. Nach Schneeregenschauern am Abend des 28. Januar kam es am darauffolgenden Morgen bei Bodentemperaturen um minus 2 Grad zu gefährlicher überfrierender Nässe. Ohne große Wetterwirksamkeit, aber meteorologisch sicher bemerkenswert, ist der neue Luftdruckrekord am 20. Januar um 21:00 Uhr von 1048 Hektopascal.

Statistik

Monatsmittel-Temperatur: 1,9°C (3,6 Grad über dem Durchschnitt)
Temperatur-Minimum: -7,8°C (am 22. Januar)
Temperatur-Maximum: 11,4°C (am 31. Januar)
Frosttage: 19 (Tagesminimum <0°C)
Eistage: 0 (Tagesmaximum <0°C)
Tage mit strengem Frost: 0 (Tagesminimum <-10°C)
Sonnenstunden: 69 (164 % vom Durchschnitt)
Niederschlag: 27,7 l/m² (42 % vom Durchschnitt)
Tage mit messbarem Niederschlag: 12
Tageshöchstmenge: 8,8 l/m² (am 4. Januar)
Tage mit (vorübergehend) geschlossener Schneedecke: 1


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