Wetterwarte Brocken, 1142m, Harz, Deutschland

Die Wetterwarte Brocken im Winter. Foto: Rene Sosna

Der Brocken ist ein historischer Berg, denn westlich des Gipfels verlief die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Heute vor 30 Jahren wurde aufgrund tausender Demonstranten die Brockenmauer zum Sperrgebiet geöffnet und der Berg für die Menschen freigegeben. Seitdem hat sich sein Gesicht stark verändert. Die Mauer, die sowjetischen Soldaten sowie die Abhöranlagen der Sowjets und der Staatssicherheit der DDR sind verschwunden.

Heute gehört der Gipfel zum 2006 vereinten Nationalpark Harz (aus dem 1990 gegründeten NP Hochharz und dem 1914 entstandenen NP Harz), um die seltene Gebirgsflora und -fauna zu schützen. Auf dem Gipfel befinden sich heute das Brockenhotel sowie das Brockenhaus mit einem Besucherzentrum und einer Ausstellung zur Geschichte des Berges sowie der Brockengarten und der Bahnhof der Brockenbahn.

Und natürlich die Wetterwarte, welche im 30. Jahr des Mauerfalls zum Jahresende automatisiert werden soll, was wie beim Fichtelberg den Verzicht von Niederschlags- und Schneehöhenmessung bedeutet sowie aller Parameter, die das menschliche Auge bedürfen. Das Brockenwetter wird auf seelenlose Zahlen reduziert, denen die Schönheit von Wetter und Naturerscheinungen egal sind.

Marc Kinkeldey hat die Geschichte der Wetterwarte Brocken für uns aufgeschrieben, um den 184 Jahren, in denen enthusiastische Menschen das Wetter auf dem stürmischen Gipfel beobachteten und lebten, ein Denkmal zu setzen. Vielen Dank dafür! (ch)


Die Geschichte der Wetterwarte auf dem Brocken

Der Brocken, die höchste Erhebung Norddeutschlands, liegt in den Granitmassiven des Harzes. Mit seinen 1141 Metern Höhe überragt er seine Umgebung und stellt sich seit Jahrtausenden Wind und Wetter entgegen. Das Wetter ist rau…der Grund ganz einfach.

Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge in Deutschland und liegt am dichtesten an der Nordsee und dem Atlantik. Somit ist der Harz das erste nennenswerte Hindernis, wo sich Regenfronten stauen und abregnen. Ebenso treffen alle Stürme zuerst den Harz, ein Bollwerk mitten im norddeutschen Tiefland, und werden durch den abrupten Anstieg des Massivs enorm beschleunigt. Das führte zur Entwicklung einer besonderen Fauna und Flora sowie zu Wettererscheinungen, die dem Berg früh den Ruf einbrachten, Heimstatt von Geistern zu sein.

Schon in der Literatur des 15. Jahrhunderts ist der Brocken erwähnt. Hier wird er mit dem nordischen Namen „brok“ umschrieben, das soviel wie umwölkt oder benebelt bedeutet.

Johann Royer, ein Pflanzenforscher, der das Brockengebiet in der Mitte des 17. Jahrhunderts durchstreifte, schrieb in seinen Reiseberichten, dass „der Berg wegen seiner grausamen Höhe und Größe weit und breit gefürchtet sei“ und dass er aus der Ebene schon von weitem sichtbar wäre, aber wegen der Temperatur- und Schneeverhältnisse vor Juni nicht erstiegen werden könne.

Somit ist es aber auch nicht verwunderlich, dass die sich auf dem Brocken abspielenden großartigen Naturerscheinungen frühzeitig auch die Aufmerksamkeit der Gelehrten weckten.

So erklomm auch der berühmte Magdeburger Oberbürgermeister und Physiker Otto von Guericke den Berg, um zahlreiche barometrischen Höhenbestimmungen durchzuführen. Immer mehr rückte der Brocken in das naturwissenschaftliche Interesse und somit ließ der Graf Ernst zu Stolberg Wernigerode 1736 ein erstes einfaches Schutzhaus auf dem Gipfel errichten, welches heute als Wolkenhäuschen bekannt ist. Nun waren nicht nur Wanderer sondern auch die Gelehrten vor den Widrigkeiten des Brockenwetters geschützt. Die Gelehrten sprachen von farbenprächtigen Lichterscheinungen bei Sonnenauf- und Untergängen, von der extrem reinen Luft und davon, dass dort unbedingt eine Beobachtungsstation einzurichten wäre. Außerdem gäbe es eine interessante und unheimliche Erscheinung, in Form großer Schatten mit farbigen Bögen. Aus dem 18. Jahrhundert liegen viele solcher Beobachtungen vom Brocken vor und es tat sich um 1750 die heutzutage immer noch gebräuchliche Bezeichnung „Brockengespenst“ auf. Johannes Silberschlag war derjenige, welcher damals erstmals in der Literatur die Erscheinung auf dem Brocken beschrieb. Mit diesem Name ist unser Berg bereits früh in der meteorologischen Weltliteratur bekannt geworden! Das „Brockengespenst“ ist ein bei tiefem Sonnenstand durch Lichtbeugung gebildeter, farbiger Glorienschein, welcher den auf einer Wolke oder im dichten Brockennebel sichtbaren oft stark vergrößerten Schatten des Beobachters umgibt.

Historische Darstellung des Brockengespenstes auf dem namensgebenden Berg

Natürlich darf auch Johann Wolfgang von Goethe nicht vergessen werden, welcher im Dezember 1777 von Torfhaus aus mit dem Förster Degen den Gipfel bestieg. Damals herrschte Respekt vor so einer Unternehmung und für viele war es ein unverständliches Unterfangen diesen extremen, gefürchteten Berg auch noch im Winter zu besteigen. Goethe war noch zweimal oben und betrieb optisch meteorologische Studien, welche er für seine Farblehre verwendete. Der Genfer Naturforscher Deluc stellte wiederum Beobachtungen über die mächtigen Eisablagerungen an und veröffentlichte dies 1777 in einer englischen Fachzeitschrift.

Somit kam nun wirklich der Stein ins Rollen und es musste unbedingt eine Beobachtungsstation eingerichtet werden, um zumindest mehrer Monate hier oben verweilen und beobachten zu können.

Carl Friedrich von Oesfeld, Chef der trigonometrischen Abteilung des preußischen Generalstabes, führte 1820 einen Monat lang auf dem Brocken täglich von 6 Uhr früh bis 22 Uhr abends stündlich Luftdruckmessungen durch. Er war es auch der letztlich den Anstoß zu ständigen meteorologischen Beobachtungen auf dem Berg gab. Es musste ein zuverlässiger Mann gefunden werden, welcher täglich genaue Messungen durchführt. Er fand den damaligen Brockenwirt, welcher im 1800 erbauten Hotel auf dem Gipfel, die Wanderer beherbergte. Der Brockenwirt hieß Claus Eduard Nehse und er bat den Grafen von Wernigerode hier oben den Thermometerstand, den Wind und das Wetter und übrige sich ereignende Merkwürdigkeiten dokumentieren zu dürfen. Er begann 1836 damit und viele Gelehrte halfen ihm und besorgten Instrumente. Auch musste ein eigens für die Brockenverhältnisse hergerichtetes Barometer gebaut werden.

An vielen Stellen in der Literatur ist das raue Wetter des Berges erwähnt, wenn man aber Nehses Aufzeichnungen von 1840 liest, glaubt man das Wetter zu fühlen:
„…fürchterlich, nicht arg genug zu schildern, ist öfters das Wetter hier oben in den Wintermonaten, wirbelnde Schneemassen verdicken und verfinstern die Luft, nicht möglich ist es einen Schritt vor sich zu sehen und oft wird man bedroht zu ersticken. Bis auf den bloßen Leib dringt der Schnee durch die Kleidung, die oft noch durch den dieses böse Wetter stets begleitenden Sturm zerrissen oder vom Leib entrissen wird. Grässlich ist das Brausen und Heulen des Sturmes, alle nur mögliche Schauder erregenden Töne bringt er hervor, selbst seine eigene Stimme hört man nicht, nur kriechend kann man sich fortschleppen und wehedem, den solch Wetter hier überfällt und der nicht bald einen bergenden Ort findet, unrettbar ist er verloren“.

Nachdem am 27. Oktober 1847 in Berlin das Königlich Preußische Meteorologische Institut gegründet worden war, führte Nehse in dessen Auftrag die meteorologischen Beobachtungen auf dem Brocken durch. 1850 allerdings verließ Nehse den Berg und Brockenwirt Köhler trat die Nachfolge.

Das Brockenobservatorium

Drei Herren, Dr. Richard Aßmann (Entwicklung des Aßmannschen Aspirationspychrometer zur Luftfeuchtbestimmung), damals Leiter der Wetterwarte Magdeburg, Dr. Gustav Hellmann (Erfinder des heutigen Regenmessers) und Georg von Neumayer (Geophysiker und Polarforscher) ist es zu verdanken dass die Beobachtungen wieder aufgenommen wurden. Aßmann welcher häufig den Brocken bestieg und dort Untersuchungen des Raureifes, des Schnees sowie der Tropfengröße in Nebel und Regen durchführte, konnte schließlich wissenschaftliche Kreise für den Bau eines Bergobservatoriums interessieren. Durch diverse Spenden und Verkäufe von kleineren Broschüren „Winterbilder vom Brocken“ wurde Geld zur Anschaffung der Geräte gesammelt.

In kürzester Zeit entstand ein zweistöckiger Holzbau, welcher im September 1895 bezogen wurde und am 1. Oktober 1895 nahm ein Beobachter den Betrieb im 1. Brockenobservatorium auf.

Der turmförmige Bau schloss genau an der Nordfront des Brockenhotels an und bestand aus 3 Stockwerken. Im untersten befand sich das Wohnzimmer, darüber lag das Gelehrtenzimmer und im obersten das Beobachtungs- und Instrumentenzimmer. Eingeweiht wurde es allerdings erst im Frühjahr, genauer am 31. Mai 1896 bei schönstem Wetter und 80 geladenen Gästen.

Leider stellte sich bald nach der Eröffnung des Observatoriums heraus, dass beim Bau gespart wurde. Er war zu klein und undicht, sodass 1912 unter teilweiser Beibehaltung des alten Gebäudes daneben ein viel größerer Turm entstand. 1914 wurden dann alle noch im alten Bau befindlichen Messgeräte in den neuen Turm gebracht und nun stand viel mehr Platz für alle meteorologischen Dinge zur Verfügung. Interessant ist auch, dass bereits 1915 ein selbst schreibendes Windmessgerät installiert wurde. Es kam von der Firma Fuess, der so genannte Böenschreiber oder auch Staudruckanemometer (Vorlage aus Amerika). Es lieferte die ersten Windregistrierungen von einem Gipfel der deutschen Mittelgebirge!

Das neue Observatorium

Nun hatte auch die Reichspost den Berg entdeckt und wusste ihn zu nutzen. Im Jahre 1936 begann sie dicht neben dem Observatorium mit dem Bau eines 64m hohen massiven Fernsehsendeturmes. Dieses Bauvorhaben war mit dem Reichswetterdienst nicht abgesprochen und in Berlin erfuhr man erst kurz vor der Fertigstellung davon. Da nun durch diesen Turm, besonders auch die Windmessungen derart verfälscht wurden,  musste schnell ein neuer Standort gefunden werden. Einen unbeeinflussten Ort fand man ca. 200m entfernt in südöstlicher Richtung gelegen. Direkt am Botanischen Garten entstand nun 1938 der nächste Wetterturm. Am 20. April 1945 besetzen die Amerikaner den Gipfel und richteten sich gleich im beschädigten Fernsehturm und in der Wetterwarte ein, der Wetterbeobachter musste den Berg verlassen. Die Amerikaner hielten ihn bis zum 27. April 1947 besetzt und damit ruhten auch die Beobachtungen. Bevor jedoch die Amerikaner auf Drängen der Russen abzogen, demolierten sie den Wetterturm restlos. Alle Aufzeichnungen landeten in der Klärgrube und die Instrumente wurden zerstört. Sie schossen mit Panzerfäusten wild um sich und damit einige Löcher in den Turm und die Wetterwarte wurde in Mitleidenschaft gezogen.

 

Der Neubeginn der Wetterbeobachtung 1947

Nachdem nun zwei Jahre lang die Wetterbeobachtung auf dem Brocken stillgestanden hatte, kamen Kurt Glaß (Wetterbeobachter von der Schneekoppe im Riesengebirge) und Elfriede Neumann auf den Berg. Sie standen am 29. Juni 1947 vor der Ruine der Wetterwarte und des Hotels und Glaß beschrieb den Anblick folgendermaßen:

„ Allgemeiner erster Eindruck beim Betreten des Brockengipfels, dieser ist in einem Wort zusammengefasst, niederschmetternd!“

Nach umfänglichem Wiederaufbau bezogen sie die Station wieder und bereits am 27. September folgten die ersten Meldungen von Norddeutschlands höchsten Mittelgebirgsgipfel.

Durch die Zusammenlegung der fünf Landeswetterdienste in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands in den Meteorologischen Dienst der DDR, bekam der Brocken ab 1950 nun endlich einen dritten Bediensteten, was es für die beiden leichter machte. 1953 verließen Elfriede Neumann und Kurt Glaß den Brocken und Werner Weigel (vom Fichtelberg im Erzgebirge) übernahm als Stationsleiter die Wetterwarte. Im Jahre 1958 erhielt die Brockenwetterwarte eine Zentralheizung, ein gewaltiger Fortschritt, denn bis dahin wurden alle Zimmer mit Kachelöfen beheizt. Werner Weigel kümmerte sich in aufreibender Kleinarbeit um den Erhalt des Turmes und entwickelte neue Geräte um die Arbeit unter den klimatisch erschwerten Bedingungen zu erleichtern.

Bei dem rauen Klima verging aber auch leider kein Jahr, in dem nicht größere Reparaturen am Turm durchgeführt werden mussten. Auch das Dach sorgte bis 1969 für Probleme, erst als eine Kupfereindeckung angebracht wurde, drang kein Wasser mehr ein.

Das Jahr 1961 begann und noch ahnte niemand, welche Veränderungen sich auf Deutschland und den Brocken zu bewegten. Am 13. August, mit dem Mauerbau in Berlin, wurde der Brocken zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Das waren drastische Veränderungen für das Beobachterpersonal und auch für normale Besucher und Wanderer. Die Bediensteten durften nur noch mit beantragten Sonderausweisen auf den Berg. Halbjährlich gab es Überprüfungen durch die Volkspolizei und den Staatssicherheitsdienst und ohne sie gab es keine Verlängerung der Sondergenehmigung.

Nicht nur die Wetterbeobachtung stand für den Wetterbeobachter auf dem Tagesplan sondern diverse Außenmessungen mussten erledigt werden. Täglich wurden in den Wintermonaten Schneemessungen, nicht nur auf dem Berg (hier 40 Messungen rund um den Gipfel), sondern auch am kleinen Brocken, auf der Heinrichshöhe und auf dem Königsberg durchgeführt. Auf den beschriebenen Bergen und im Brockenbett standen Totalisatoren (große Gebirgsniederschlagsmesser), welche gelehrt worden um Luv und Lee zu erforschen und eine Niederschlagskarte erstellen zu können. Auch die Schneedichte (der Wassergehalt des Schnees) wurde aller 100 Höhenmeter bestimmt.

April 1970

Der Winter 1969/70 ging in die Geschichte der Wetterwarte ein, denn ein Winter, welcher nicht enden wollte sorgte im Oberharz für Rekordschneehöhen. Bereits im Januar wurde die ein Meter Marke auf dem Brocken deutlich übertroffen, im Februar die zwei Meter und im März die drei Meter Marke. Im April sorgten dann weiter kräftige Schneefälle für enorme Schneemengen.

In Schierke erreichte die mittlere Schneehöhe 160cm und auf dem Brocken wurde das Maximum am 14. und 15. April 1970 mit 380cm gemessen. Die Verwehungen auf der Brockenstraße am Osthang des Plateaus betrugen sechs Meter und zwei Tage wurden benötigt um die letzten 500 Meter der Brockenstraße zum Fernsehsender von den Schneemassen zu befreien! Anfang Mai lagen noch knapp drei Meter Schnee und Anfang Juni war immerhin noch eine 50cm stark durchbrochene Altschneedecke vorhanden. Wer dachte, solche Schneemassen gibt es nur in Gletschergebieten der Alpen wurde hier eines Besseren belehrt und wieder einmal zeigte, dass der Brocken vom extremen Klima nicht zu unterschätzen sei.

Die militärische Bedeutung des Berges wuchs immer weiter und somit wurde 1977 zur besseren Sicherung ein großer Metallgitterzaun um den Berg gezogen. Dieser Zaun wurde jedoch in den Wintermonaten von den Schneemassen und besonders auch den Eisablagerungen niedergedrückt oder zerstört. So entschloss man sich zum Bau der Brockenmauer, einer festen Betonmauer, welche aus 2318 Betonplatten bestand. Diese waren 1,2m breit und 3,6m hoch und wurden auf dem heutigen Rundwanderweg um den Gipfel gezogen. Allerdings dauerte es bis zum Jahre 1983 als die Mauer fertig war. Als zusätzlicher Schutz wurde an der Brockenstraße noch mal ein elektrischer Metallgitterzaun aufgebaut, damit niemand den Weg verlassen konnte. Damit war nun die Abschirmung des Brockenplateaus komplett.

1988 – Festung Brocken. Quelle: Bundesgrenzschutz

Immer strengere Auflagen ließen kaum noch Messungen außerhalb der Kuppe zu, wenn dann nur mit bewaffneter Begleitung und schließlich wurden die Messungen ganz eingestellt. Leider war dies das Ende von Niederschlags- und Schneemessungen im Gelände, die Reihe endete und bis heute wurde so etwas nie wieder aufgebaut.

Im Februar 1981 zog ein Orkantief über den Harz und führte zu enormen Schäden. Die Beobachter waren solch Stürme gewohnt, doch dieser setzte sich an die Spitze der langjährigen Brockenreihe. Der Orkan brauste mit 245 Stundenkilometern über das Plateau.

Der Mittelwind lag bei unvorstellbaren 180 Kilometer pro Stunde und dazu gesellte sich ein Schneesturm mit 20cm Neuschnee. Nur den dicken und mächtigen Eispanzern an den Gebäuden war es zu verdanken, dass keine Schäden auftraten. Allerdings kam es noch dicker, denn am 24. November 1984 stellte ein Orkan den 81er Wert in den Schatten.

Gegen 5 Uhr in der Frühe erreichten die Böen Windgeschwindigkeiten von 73 Meter pro Sekunde, was 263 Stundenkilometern entspricht. Der damalige Beobachter, Anton Lochmann, verkroch sich in den Keller, da das Dröhnen und Schwanken des Turmes nicht mehr auszuhalten war. An der Wetterwarte gab es keine großartigen Schäden, doch im Russenareal tobte der Orkan gewaltig. Gebäude wurden abgedeckt und die Dachteile flogen mehrere hundert Meter weit. Sogar ein komplettes Dach riss es mit Mauerwerksteilen weg und es landete auf dem Bahnhof.

Aufgrund der durch die Bevölkerung eingeleitete Wende dauerte es auch auf dem Brocken nicht mehr lange bis dieser wieder frei zugänglich war. Am 3. Dezember 1989 kam es durch eine friedliche Sternwanderung zum Gipfel zur Öffnung der Brockenkuppe und damit begann auch der Besucherstrom zur Wetterwarte.

Am 3. Oktober 1990 führte die Wiedervereinigung beider Staaten dazu, dass der Meteorologische Dienst der DDR mit in den Deutschen Wetterdienst überging, er wurde sozusagen geschluckt. Durch die Gründung Sachsen-Anhalts gehörte nun der Brocken zum Wetteramt in Leipzig, welches für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zuständig wurde.

1992 holte sich dann das Seewetteramt aus Hamburg den Berg und es kam zur Zusammenlegung von der Wetterwarte Braunlage in Niedersachsen und dem Brocken.

Bei der offiziellen Übergabe im Februar 1992 stirbt der damalige Leiter des Wetteramtes Leipzig, Frank Vogt, in den Diensträumen der Brockenwarte. An diesem Tage hatte Claudia Hinz (bis Ende 2018 auf der Wetterwarte Fichtelberg tätig) ihre ersten Dienste nach der Ausbildung, ein trauriger Beginn. Ein heftiger Schneesturm mit Orkanböen zwang den Amtsleiter zum Fußmarsch und ein Herzinfarkt war wohl die Folge.

1993 riss ein Orkan etwa 20 Quadratmeter Verschalung auf der Südseite ab und es drang bis zum Sommer 1995 ständig Wasser durch das Mauerwerk. Erst dann wurde die Verschalung erneuert.

Im Oktober 1995 wurde mit einer kleinen Feierstunde der 100. Geburtstag der Station begangen. Neben dem damaligen Präsidenten waren auch ehemalige Kollegen bei der Feierstunde anwesend. Die Veranstaltung ging durch die Medien und seit dem herrscht ein reger Besucherverkehr durch fachkundliche Führungen, welche der Beobachter nebenbei leistet.

Nachdem 1999 die Wetterstation in Braunlage vollautomatisiert wurde, ging die Wetterwarte Brocken nun wieder von Hamburg zurück nach Leipzig.

Im Laufe der Jahre wurde die Technik und Gerätschaft immer mehr modernisiert. Auch testeten diverse Firmen auf dem Dach der Station ihre neu entwickelten Geräte zwecks Vereisung und Tauglichkeit gerade für Bergstationen.

Der Juli 2002 brachte dem Brocken einen erneuten Rekord, diesmal in Sachen Niederschlag. Ein Mittelmeertief hatte enorm viel Energie und Feuchtigkeit im Gepäck und 154,5 Liter pro Quadratmeter in nur 24 Stunden prasselten auf dem Brocken nieder. Bis dahin unvorstellbar und Hochwasser, besonders im Ost- und Nordharz, führte zu schweren Schäden. Weiterhin in Erinnerung bleiben der schneereiche Winter 2005/2006 mit knapp drei Meter Schneehöhe und der Orkan KYRILL im Januar 2007, welcher mit 200 Sachen über den Berg hinwegfegte. 2007 war außerdem mit 2725 Litern das niederschlagsreichste Jahr seit Beginn der Messungen im Jahre 1895 auf dem Brocken. Im Januar 2018 jagt Orkan FRIEDERIKE mit 205 Stundenkilometer über den Gipfel.

2008 wird der Brocken eine von zwölf Klimareferenzstationen in Deutschland. Zusätzlich zu den wenigen automatischen Messungen werden weiterhin (parallel) konventionelle Messungen durchgeführt. Diese beinhalten die Temperatur, die Luftfeuchte, den Luftdruck und den Sonnenschein. Schneehöhe und Niederschlag können nur konventionell gemessen werden. Ende 2018 endet bereits schon wieder diese Reihe und der Brocken wird in eine automatische Klimareferenzstation überführt. Weiterhin müssen dennoch der Niederschlag und die Schneehöhe von Menschenhand ermittelt werden. In wenigen Wochen allerdings endet nun auch auf dem Brocken eine 184-jährige Messreihe.

Wetterhütten heute

Für die Wetterbeobachtung auf dem Brocken geeignetes Personal zu finden, war schon immer mit Schwierigkeiten verbunden. Viel Idealismus und Naturverbundenheit mussten die Beobachter mitbringen um bei den extremen Wetterbedingungen ihre Arbeit durchführen zu können. Häufig wechselten deshalb besonders früher die Beobachter. Somit sind bis heute rund 100 Beobachter in dem rauen Bergklima ihrer Arbeit nachgegangen. Hinzu kamen unzählige Besucher besonders nach der Wende ab 1990. In manchen Jahren schauten bis zu 2500 Interessierte sich die Arbeit der Wetterfrösche an. Häufig war die Presse in Form von Zeitungen, dem Radio oder der TV Anstalten vor Ort. Viele Telefonate mit Besuchern und Hotelbetreibern runden die ganze Sache ab. Ab Januar 2020 übernehmen Automaten die Aufgabe des Wetterbeobachters und das Telefon bzw. die Haustürglocke wird vergeblich bimmeln.

Marc Kinkeldey, 01. Dezember 2019

Klimatologische Mittel- und Extremwerte

Temperatur
– langjähriges Mittel Lufttemperatur: 2,9 Grad (1961 – 1990)
– absolutes Maximum Lufttemperatur: 29,7 Grad am 25.07.2019
– absolutes Minimum Lufttemperatur: -28,4 Grad am 01.02.1956
– höchstes Jahresmittel Lufttemperatur: 5,1 Grad im Jahr 2014
– tiefstes Jahresmittel Lufttemperatur: 0,5 Grad im Jahr 1855

Niederschlag
– mittlere Jahressumme Niederschlag: 1814,1 l/qm (1961 – 1990)
– 24 std. Niederschlagsmaximum: 154,5 l/qm am 17.07.2002
– höchste Monatssumme Niederschlag: 515,3 l/qm im Dezember 1974
– geringste Monatssumme Niederschlag: 5,0 l/qm im Oktober 1908
– höchste Jahressumme Niederschlag: 2725,0 l/qm im Jahr 2007
– geringste Jahressumme Niederschlag: 948,0 l/qm im Jahr 1953
– mittlere Jahressumme Niederschlag: 1814,1 l/qm (1961 – 1990)
– mittlere Anzahl der Tage mit Niederschlag  0,1mm: 271,0 pro Jahr (1981 – 2010)

Schnee
– größte Schneehöhe: 380 cm am 14./15.04.1970
– mittlere Anzahl der  Schneedeckentage: 178,0 pro Jahr (1961 – 1990)
– Maximum der Tage mit Schneedecke: 205 Tage im Jahr 1973

Wind
– absolute Windspitze: 73 m/s = 263 km/h am 24.11.1984
– höchstes 10min-Mittel: 50 m/s = 180 km/h am 03.02.1981
– Maximum der Orkantage: 26 Tage im Jahr 1990
– Maximum der Tage mit Bf. 8: 221 Tage im Jahr 1952
– Maximum der Tage mit Bf. 6: 341 Tage im Jahr 1951
– mittlere Anzahl der Tage mit Orkan: 11 Tage (1961 – 1990)
– mittlere Anzahl der Tage mit Bf. 8: 169 Tage (1961 – 1990)
– mittlere Anzahl der Tage mit Bf. 6: 307 Tage (1961 – 1990)
– Jahresmittelwind: 11,6 m/s = 42 km/h bzw. Bft 6

Verschiedenes
– Maximum der Eistage (Max <0,0°C): 136 Tage im Jahr 1905
– Maximum der Frosttage (Min <0,0°C): 214 Tage im Jahr 1905
– Maximum der Sommertage (Max e25,0°C): 5 Tage im Jahr 2003  (u.a. 12.08.03)

– mittlere Sonnenscheindauer: 1353,1 Std. pro Jahr (1961 – 1990)
– Maximum der Sonnenscheindauer: 2004,5 Std. im Jahr 1921

– mittlere Anzahl der Tage mit Gewitter: 38 pro Jahr (1961 – 1990)
– Maximum der Tage mit Gewitter: 55 Tage im Jahr 1967

– mittlere Anzahl der Nebeltage: 306,6 pro Jahr (1961 – 1990)
– Maximum der Tage mit Nebel: 330 Tage im Jahr 1958
– Minimum der relativen Luftfeuchte: 0 Prozent in den Jahren 1897, 1921, 1929, 1951, 1953

Sichtziele
– Thüringer Wald 110-140 km, Rhön mit Wasserkuppe 152 km
– Sauerland/ K. Asten 163 km, Vogelsberg/Hessen 173 km
– Maximum der horizontalen Sichtweite: ca. 230 km – Fichtelberg / Keilberg
(siehe auch die beiden Artikel: „Sensationelle Fernsicht vom Brocken zum Fichtelberg“ und „Erneut Erzgebirgsblick vom Brocken zum Fichtelberg„)

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6 Antworten zu Wetterwarte Brocken, 1142m, Harz, Deutschland

  1. Sehr interessanter Bericht und ausdruckstarke Bilder.

    Gefällt 2 Personen

  2. Silvio W. schreibt:

    Sehr interessanter Bericht, vielen Dank dafür! Wirklich unvorstellbar was „da oben“ wettermäßig so alles zu erleben ist!
    Im übrigen gibt es Hoffnung, das zumindest die Niederschlagsreihe weitergeführt wird, insofern das automatisiert möglich ist wird sich zeigen..Die Kachelmann GmbH hat dort letzte Woche einen automatischen Niederschlagsmesser in Betrieb genommen (identisch wie auf dem Fichtelberg) und er meldet auch schon erfolgreich!

    Gefällt 2 Personen

  3. klimareihenfritze schreibt:

    Sehr schöner Bericht!
    Folgende drei Textstellen müssen allerdings geändert bzw ergänzt werden:
    „Am 20. April besetzen die Amerikaner …“ –> Hinter dem Datum fehlt die Jahreszahl : 1945 !
    – tiefstes Jahresmittel Lufttemperatur: 1,3 Grad im Jahr 1922 –> UND im Jahr 1940
    – mittlere Anzahl der Nebeltage: richtig sind 306,6 pro Jahr (NICHT 06,6)

    Gefällt 1 Person

    • ch schreibt:

      Vielen Dank für die Korrekturen!

      LG Claudia

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      • klimareihenfritze schreibt:

        @ch Meine Korrektur bezog sich nur aufs 20.Jahrhundert, natürlich war 1855 wirklich noch kälter…. Wie übrigens in ganz Norddeutschland – weiter südlich, sprich in Bayern, Thüringen und Sachsen steht das Jahr 1864 an kältester Stelle. Leider sind die meisten historischen DWD-Temperaturreihen vor 1881 einfach weggeschnitten… zudem wurden die falschen Formeln zur Tages- und Monatsmittelbildung benutzt, obwohl in den Originalquellen die Messtermine stets angegeben sind (und durch Paul SCHREIBER schon 1883 erklärt, wie bei ihm üblich natürlich immer ganz ausführlich!)

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