Kugelblitze im Erzgebirge: Auswertung der Freie Presse-Umfragen 2018-19

Auswertung und Text: Alexander Keul (Aufruf: Beate Kindt-Matuschek, Freie Presse; Fallrecherche Claudia Hinz)

Historischer Exkurs

Die Recherche zur vorliegenden Arbeit stieß auf die erste wissenschaftliche Befassung mit Kugelblitzen im Erzgebirge in Gestalt von Wilhelm August Eberhard Lampadius (1772-1842, siehe Wikipedia), Schüler von Georg Christoph Lichtenberg und ab 1793 Hüttentechniker, Chemiker und Agronom an der Bergakademie Freiberg. Dieser erzeugte nicht nur Leuchtgas und erfand dazu die Gaslaterne, sondern unterschied in seinem „Systematischen Grundriß der Atmosphärologie“ (Freiberg 1806) „Gewitterfeuerkugeln“ aus einen von drei Typen von Feuerkugeln, den er unter §143 auf Seite 89-90 so charakterisiert: „Es zeichnet sich vorzüglich durch seine etwas langsamere Bewegung, so wie durch stärkere Anhäufung einer größeren Masse von dem Blitz selbst aus, und folgt auch gewöhnlich erst sogleich nach dem Blitz…Nur bey sehr heftigen Gewittern zeigt sich dieses Meteor. Ich habe es selbst mehreremale bey solchen Gewittern im Freyen beobachtet.“ Lampadius versuchte das Phänomen durch elektrische Zerlegung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff und dessen Zündung als Knallgas zu erklären. Mit seinem Beitrag vor 213 Jahren war er wohl der erste Wissenschaftler, der Kugelblitze im Erzgebirge beschrieb.

Allgemeine Blitzstatistik versus Kugelblitze

Kugelblitze entstehen häufig aus nahen Blitzschlägen (Wolke-Erde-Blitze, kurz Erdblitze). Für ihr Auftreten ist daher die allgemeine Blitzstatistik, erstellt aus den Registrierungen der Blitzmessnetze (in Deutschland BLIDS von Siemens) interessant. Beim Studium der BLIDS-Deutschlandstatistik ist aber zu beachten, dass die regionalen Jahreswerte stark schwanken. Spiegel Online (4.1.2017) zitierte die BLIDS-Statistik für Wolke-Erde-Blitze der Landkreise für die Jahre 1999 bis 2015, also 16 Jahre, wonach Norddeutschland deutlich blitzärmer war als Süddeutschland (siehe Abbildung 3). Maxima lagen am bayerischen Alpenrand, im Erzgebirge und in Baden Württemberg. Garmisch-Partenkirchen führte mit 4,5 Blitzen pro qkm vor dem Erzgebirgskreis und dem Berchtesgadener Land (jeweils 4,0 Blitze pro qkm) und vor Zollernalbkreis, Tübingen und Bad Tölz (je 3,9 Blitze pro qkm). Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lag mit 3,5 Blitzen pro qkm auch mit im Spitzenfeld.

Abbildung 3: Ausschnitt Süd der BLIDS Landkreisstatistik zu Wolke-Erde-Blitzschlägen 1999-2015, zitiert aus Spiegel Online 7.1.2014. Skala hell (0,6 Blitze pro qkm) bis dunkel (4,5 Blitze pro qkm)

Die Wetterwarte Fichtelberg verzeichnete durchschnittlich 23 Gewittertage pro Jahr. Bei solchen Werten erschien uns die bekannte Fallzahl für Kugelblitze im Erzgebirge sehr gering: Der eifrigste deutsche Sammler Karl-Heinz Hentschel notierte unter seinen 200 Fällen nur einen, auch Axel D. Wittmann und Kristian Schlegel in ihrer 61-Fall-Datei nur einen, Alexander Keul fand unter 132 deutschen Fällen nur vier. Dokumentiert waren auch der Kugelblitz am Fichtelberg 1965, das Video der Geschwister Fuchs aus Zwönitz (siehe Abb.1), eine weitere lokale Beobachtung 2003 sowie der Fall Schwarzenberg 2018.

Kugelblitz-Umfragen 2018 und 2019

Auf einen Aufruf in der Freien Presse, Ausgabe Aue/Schwarzenberg am 27. November, wiederholt in anderen Lokalausgaben, meldeten sich bis Ende 2018 dreizehn Erzgebirger und berichteten über insgesamt 17 Beobachtungen. Eine Zusammenfassung der ersten Berichte mit einem zweiten Aufruf in der Freien Presse Schwarzenberg am 29. März 2019, am 2. April übernommen vom Internetportal Grenzwissenschaft aktuell, erbrachte weitere 11 Meldungen. Zusätzlich wurden Fälle aus der Lausitz, Oberfranken und Berlin gemeldet, die hier nicht mit ausgewertet sind. Die 28 neu gemeldeten Beobachtungen wurden zusammen mit den 14 historischen Fällen aus den Fallarchiven Hentschel, Rümmler, Wittmann-Schlegel und Keul, also als Fallgruppe von 42 Erzgebirger Meldungen, statistisch ausgewertet.

Claudia Hinz und Alexander Keul bedanken sich herzlich bei allen Beobachtern, die sich gemeldet haben, und ersuchen auch weiterhin um Augenzeugenberichte an die eigens dafür eingerichtete eMail-Adresse kugelblitz@email.de.

Auswertung der Falldaten

Geografisch-naturräumlich wurden alle Kugelblitzfälle in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands (Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg) Nr.42 Erzgebirge und Nr.45 Erzgebirgsvorland erfasst, geocodiert und ausgewertet. Dabei wurden alle uns bekannten 42 Fälle bearbeitet, auch solche mit unvollständigem Primärdatensatz.

Abbildung 4: Fallverteilung der 42 bekannten Kugelblitzfälle im Bereich Erzgebirge.

25 Mittl Blitzdichte SN 99-12

Abbildung 5: Mittlere jährliche Blitzdichte in Sachsen im Zeitraum 1999-2012. Quelle: LfUlG Sachsen

Bevölkerungsdichte, www.demokratie-sachsen.de

Abbildung 6: Bevölkerungsdichte in den sächsischen Gemeinden im Jahr 2015. Quelle: Sächsische Staatskanzlei, Ref. 32

Die geografische Verteilung der 42 Kugelblitzfälle (Abbildung 4) reicht west-östlich von Schneeberg bis Freital, nord-südlich von Roßwein bis Oberwiesenthal. Auffällig ist dabei, dass die räumliche Verteilung nicht der aktuellen Blitzhäufigkeit folgt (Abbildung 5), sondern sich über die Berichtsjahre Richtung Südwesten verdichtet. Auch die aktuelle Bevölkerungsdichte (Abbildung 6) erklärt diese Fallverteilung nicht.

Abbildung 7

In Abbildung 7 erstrecken sich die 42 Beobachtungen von den dreißiger Jahren bis 2018, wobei die fünfziger und sechziger Jahre mit neun und acht Fällen relativ am aktivsten waren.

Abbildung 8

Laut Abbildung 8 traten 30 – vor allem im Sommer – während oder kurz vor Gewittern auf, aber nur zwölf erwähnten einen nahen Blitzschlag.

Abbildung 9

In Abbildung 9 lautet die typische Beschreibung „Feuerkugel“, wobei auch Funken („Wunderkerze“) und Schweif vorkamen. Sieben erschienen feurig-glühend, 13 gelb(orange), sechs weiß/silbern, vier bläulich/silbern, zwei vielfarbig, einer lila/rot.

Abbildung 10

In Abbildung 10 reichen die geschätzten Größen von 6,7 cm („Tennisball“) bis 4 Meter. Die häufigsten Schätzungen lagen mit je sechs im Bereich 5 bis 10 cm und 15 bis 25 cm. Es gab aber auch Nennungen im Bereich 1 m und sogar bis 4 m Durchmesser.

Abbildung 11

In Abbildung 11 werden als Lebensdauer der Kugelblitze dreizehnmal „wenige Sekunden“ angegeben. Häufigster Bereich ist mit acht Nennungen jener von 1 bis 6 Sekunden. Vier dauerten 30 sec bis zu einer Minute, zwei lebten noch länger. Sieben verschwanden mit einem Endknall, bei einem war der Knall zu Beginn, acht wurden ausdrücklich als geräuschlos beschrieben. Zweimal trat Rauschen/Zischen auf, einmal Knistern.

Abbildung 12

Spannend war laut Abbildung 12 ihre Bewegung: Sechs hüpften („Gummiball“), sieben rollten Hänge/Straßen herab, sieben fielen vom Himmel, sieben folgten elektrischen Leitungen, fünf irregulär/ zickzack, vier horizontal, zwei in aufsteigender Bahn, zwei stationär. Vier wurden kleiner/schwächer, sechs zersprangen/zerplatzten, sieben verschwanden plötzlich/verglühten/ verloschen. Während zwanzigmal keine Spuren auftraten, gab es sieben Schäden an elektrischen Geräten/Leitung, vier Boden-/Baumspuren, einmal Spuren im Ruß und viermal Verletzungen/ Beeinträchtigungen (Verbrennungen, elektrischer Schlag, Ohnmacht).

Vergleich Erzgebirge – Deutschland und Korrelationen

Im Vergleich zur veröffentlichten deutschen Statistik (Keul et al. 2006; Hentschel 200 Fälle, Keul 132) fällt der Erzgebirger Kugelblitz teilweise „aus dem Rahmen“: So sind die sonst häufigen „Besuche in Gebäuden“ (Hentschel 38%, Keul 33%) seltener (Erzgebirge nur sechs, 14%), ebenso der Endknall (Hentschel 30%, Keul 51%, Erzgebirge 17%), wobei Spuren (Hentschel 27%, Keul 26%, Erzgebirge 33%) etwa gleichhäufig waren. Mit immerhin vier verletzten/beeinträchtigten Beobachterinnen wirken die heimischen Objekte gefährlicher als im Bundesdurchschnitt (kein solcher Fall). Zeitdauer (Hentschel Median 4 sec, Keul 5 sec, Erzgebirge 5 sec), Größen (Hentschel Median 25 cm, Keul 30 cm, Erzgebirge 26 cm) und Farben (Farbbereich feurig-rot-orange-gelb Hentschel 59%, Keul 75%, Erzgebirge 50%) sind ähnlich. Etwas abweichend die Bewegung: Horizontal seltener (Hentschel 55%, Keul 50%, Erzgebirge 10%), vertikal hinunter oder bergab mit der Schwerkraft häufiger (Hentschel 27%, Keul 25%, Erzgebirge 33%), ähnliche Werte bei komplex (Hentschel 9%, Keul 13%, Erzgebirge 12%) oder stationär (Hentschel 8%, Keul 11%, Erzgebirge 5%). Etwas mehr Objekte hüpften (Hentschel 20%, Keul 8%, Erzgebirge 29%). Auch wenn man die Statistik wegen unvollständiger älterer Fälle nicht überinterpretieren sollte, lassen die lokalen Berichte doch manche Eigenheit erkennen.

Nach einer Faustregel kann man in den Sozialwissenschaften ab N=30 Korrelationen rechnen. Mit N=42 ist die Erzgebirgsdatei zwar ansehnlich, allerdings bleiben ältere, nicht von uns per Fragebogen nachrecherchierbare Fälle lückenhaft. Trotzdem wurden mit dem Programmpaket IBM SPSS Statistics Version 22 nichtparametrische Korrelationen versucht. Dafür geeignete Variablen waren die Seehöhe der Beobachtungen, die geschätzte Größe und die geschätzte Dauer der Kugelblitze. Definierte Seehöhen hatten 33 Fälle, wobei der Range zwischen 204 und 1.214 m lag. Nur 13 Fälle lieferten Distanzschätzungen mit einem Range von 1 m bis 3 km und einem Median von 15 m. Größenschätzungen hatten 28 Fälle, mit einem Range von 5 cm bis 4 m sowie einem (gegen Ausreißer unempfindlichen) Median von 26 cm. Nur 19 Fälle hatten auswertbare Zeitschätzungen, mit einer Spannweite von 1 bis 75 Sekunden und einem Median von 5 Sekunden. Die nichtparametrischen Korrelationen (Kendalls Tau) waren für Seehöhe und Dauer mit τ = -0,119; p=0.483 nicht signifikant, für Seehöhe und Größe mit τ = 0,184; p=0.177, für Größe und Objektdistanz mit τ = -0,024; p=0.927 sowie für Dauer und Objektdistanz mit τ = 0,145; p=0.596 ebenfalls nicht, jedoch für Größe und Dauer mit τ = 0,371; p= 0,058 knapp nicht signifikant (Grenze p=0,05), was an der kleinen Fallzahl (15) liegen kann. Korrelationen (Keul et al. 2006) in den zwei deutschen Datenbanken Hentschel und Keul fanden signifikante Zusammenhänge (Hentschel τ = 0,274, p<0,01; Keul τ = 0,242, p<0,01) für Objektdistanz und Größe. Deutschlandweit waren beide Größe-Dauer-Korrelationen (Hentschel τ = 0,070, p=0,268; Keul τ = 0,124, p=0,104) nicht signifikant.

Ausschnitte aus den Fallberichten

Frau H., 1945 mit ihrer Mutter beim Kartoffelharken oberhalb von Blumenau im Flöhatal: „Es war schwül, hat geregnet und in der Ferne gewittert. Da flog ein Flugzeug über uns hinweg und eine Feuerkugel kam herunter, die traf die Mutter am Fuß, worauf diese schrie. Der Arzt stellte dann starke Verbrennungen fest.“

Frau L. war im Sommer 1949 in Naundorf bei Roßwein mit ihrer Mutter einkaufen. Bei einem heftigen Gewitter stellten sie sich in einem Bauernhof unter. Im Hof 15 Meter entfernt befand sich ein Apfelbaum. „An der Gabelung der Äste sah ich mit einem Mal [nach Donnerschlägen] einen roten Feuerball, der wie eine Kugel den Stamm herab rollte, weiter schräg über den Hof in Richtung eines Gänsegatters. Er hatte wohl die Größe eines Handballs. .. wir rannten alle schreiend ins Haus.“ Als sie später nachsahen, stellten sich die Gänse noch immer tot.

Herr N. sah Anfang der 50er Jahre auf dem Brückenberg in Schwarzenberg bei einem schweren Gewitter folgendes: „Plötzlich sah man eine bunte schillernde Kugel wie eine Seifenblase, nur etwas größer wie ein Kinderball. Diese Kugel schwebte zwischen den Gärten in niedriger Höhe, mehrmals die Richtung ändernd, manchmal auch schaukelnd am Ort. Bis sie nach einer kurzen Zeit und mehreren Richtungsänderungen zerplatzte wie eine Seifenblase.“

Werkzeugmacher und Lieferfahrer Sch. aus Schwarzenberg begegnete dem Kugelblitz sogar dreimal, 1957, 1958/59 und 1963: „Am Sender Katzenstein nordöstlich von Aue fuhr ich im dichten Nebel, als ich einen lauten Knall hörte. Über die gepflasterte Straße kam ein Feuerball auf mich zu, der sich 5 Meter vor dem Lkw auflöste. Später hatte ich am Rand von Beierfeld vom Lkw Blech abgeladen, als auf unserer Straße eine 1,5 Meter große glühende Kugel herunterkam. Sie wurde rasch schwächer und löste sich geräuschlos auf, hinterließ einen verbrannten Geruch. Und schließlich ist ein Kugelblitz in die Esse der alten Schmiede an der Talsperre Rauschenbach gefahren, hat alles verrußt und an der Decke Abdrücke wie von einem Gummiball hinterlassen. Er ist dann zur Tür hinaus, die Schnittgerinne entlang und hat sich aufgelöst.“

Herr F. aus Neuhausen brachte 1963 seine Oma bei Gewittergrollen nach Hause: „Wir waren gerade auf dem Fußsteig angekommen, da rollte ein Feuerball mit etwa ein dreiviertel Meter Durchmesser an der rechten Seite der Straße im Schnittgerinne den Berg herunter, hinter sich einen kleinen Feuerschweif. Er wurde zusehends kleiner und hatte sich in Höhe der Kirche völlig aufgelöst.“

Ähnliches widerfuhr Frau R. in Grünstädtel bei Schwarzenberg 1964/65 und 1971 im Zug bei Rittersgrün im Pöhlwassertal: „Ich wollte vom Einkaufen schnell heim, es war ein schweres Gewitter im Anmarsch, da sah ich auf dem (Crandorfer) Berg eine riesige helle Kugel stehen. Später erzählten Nachbarn, dass sie den Berg heruntergerollt und im Flüsschen Mittweida verschwunden ist. Jahre später sah ich bei Gewitter vom Zug zwischen Ober und Unter Rittersgrün, wie vom Sonnenberg eine Kugel heruntergerollt bzw. im Zickzack gesprungen ist. Mein Mann beobachtete, wie sie über die Bahnschienen hinweg in das Pöhlwasser sprang und dort verlosch.“

Auch der Schwarzenberg-Fall 2018 ereignete sich an der Mittweida. In der Freien Presse vom 31. Dezember schilderte Frau Fretsch ihre nächtliche Beobachtung in Aue, wo 2011 eine Kugel von der Mulde hochkam und dann die Straße zickzack, rechts und links an die Randsteine anstoßend, 80 Meter lang entlang rollte.

Die Beobachterin Helga Gäbler bemerkte am 10.Mai 1965 morgens beim Frühstück auf der Wetterwarte Fichtelberg außerhalb eine leuchtende Kugel auf einem Antennenkabel: „Bevor wir uns noch ganz klar über diese Erscheinung waren, verschwand sie in der Luke des angebauten Schuppens. Während wir noch auf diese Stelle starrten, gab es in der Ecke unseres Zimmers einen eigenartigen Knall, mehr ein ‚Platsch‘. Horst fing sich als erster. ‚Das war ein Kugelblitz, doch die sollte es ja eigentlich gar nicht geben!“

Frau Sch. und ihr Mann kamen im Sommer 1968 nachmittags von einem Besuch und waren auf der Landstraße zwischen Kreischa und Possendorf unterwegs, „die eine Stromleitung querte. Es gewitterte. Plötzlich sahen wir einen kleinen Kugelblitz auf der Leitung entlanghüpfen. Wir trauten uns nicht hindurchzugehen. Dann verschwand er vermutlich am Holzpfosten der Leitung.“ Das Objekt war groß wie ein Tischtennisball und hellgelb/weiß.

1968 wurden Kugelblitze vor und nach den Truppenbewegungen in Richtung ČSSR gesehen, von Frau S. nachmittags vom Auto an der Straßenkreuzung in Schneeberg: „Von links nach rechts flog ein fester runder Ball ganz schnell knapp über dem Boden über die Straße“ und dann morgens von Herrn S. in Gornsdorf: „Auf der Auersbacher Straße schlug er auf dem Asphalt auf, fuhr als relativ großer Ball zirka 20 Meter in die Höhe und schlug als Sinuskurve, jeweils kleiner werdend, vier- bis fünfmal weiter auf, bis er sich mit einem sehr hellen Schein und Knall verabschiedete.“

Frau P. war im August 1974 in Cranzahl im Sehmatal zu Mittag bei Gewitter in der Küche beim Geschirrspülen. „Plötzlich stand in der Tür zum Kinderzimmer ein gleißend heller, goldgelber ‚Feuerball‘. Beim Wegrennen berührte sie diesen mit einem Arm. Dieser schmerzte in der Folgezeit und war geschwollen. .. Im Zählerraum des Hauses waren Sicherungen zerbrochen bzw. verrußt.“ Das Brennen im linken Arm hielt etwa zwei Wochen an.

Schockiert wurde Gudrun Steinbacher 1988/89 in Amtsberg am Wäscheplatz der alten Hausschuhfabrik: „Eine Kugel, kompakt mit einer Art Aura, kam vom Schornstein der Fabrik zum Garagentor und sprang anschließend wie ein Flummiball über den Platz, bis sie ähnlich wie eine Wunderkerze geräuschlos detoniert ist. Seither habe ich Angst vor Gewittern.“

Fräulein R. berichtete schriftlich an Klaus Rümmler: Im September 1996 sass sie in der Plattenbau-Wohnung am Westrand von Freiberg/Sachsen bei einem leichten Gewitter auf dem Bett. „Plötzlich erschien unmittelbar vor dem Fenster außerhalb des Zimmers eine etwa 30 cm große, bläulich leuchtende Kugel und senkte sich auf das Fensterbrett herab. Dort zerplatzte die Kugel nach wenigen Sekunden mit lautem Knall.“ Bei Nachschau wurde auf dem Kunststoff-Fensterbrett eine Einbeulung mit dunklem verschmorten Rand gefunden. In der Wohnung gingen der Videorecorder, ein Stereogerät und die Sicherungen kaputt.

Im Vergleich dazu ein auf Video dokumentierter Fall aus dem Erzgebirge (Keul, 2004): Am 19.April 2003 nahmen die Geschwister Sabine und Thomas Fuchs aus Zwönitz mit einer Webcam einige Minuten die Gewitterstimmung durchs Fenster auf und gingen dabei aus dem Zimmer. Beim Abspielen des avi-Videos entdeckten sie ein gelboranges Objekt, das während zwei Sekunden hinter dem Flachdach des Plattenbaus vis-a-vis erschien, zwei Lichtausbrüche zeigte, eine wellige Bahn aufwärts beschrieb und verschwand. Das 332 KB große avi-File wurde von zwei Salzburger Videospezialisten der Fachhochschule Urstein analysiert, die darauf keine Fälschungsindizien fanden. Thomas Fuchs stellte eine Überblendung aller Videoframes her (siehe Foto zu Beginn dieses Berichts). Aussetzer in der Objektbahn entstanden durch verlorene Frames bei der Videokompression, sind also programmbedingt.

Literaturangaben

Keul, A.G., Hentschel, K.H. & Stummer, O. (2006). German Ball Lightning Data Bank Results. In Dijkhuis, G.C. (Ed). Proceedings 9th International Symposium on Ball Lightning ISBL-06, 16-19 August 2006, Eindhoven, The Netherlands.

Keul, A.G. (2004). A possible ball lightning webcam record from Zwoenitz, Germany. The Journal of Meteorology, 29, 168-173.

Lampadius, W.A.E. (1806). Systematischer Grundriß der Atmosphärologie (Digitalisat). Freiberg, Craz & Gerlach.

Spiegel Online (4.1.2017). Globale Statistik – Wo es am häufigsten blitzt. Zugänglich unter https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/blitz-statistik-die-weltweiten-gewitter-hotspots-a-1128559.html [Zugriff am 20.7.2019].

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