Erzgebirgsföhn

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Riesige Föhnwolke über dem Oswaldtal zwischen Schwarzenberg und Waschleithe, aufgenommen mit 8mm-Objektiv. Foto: Claudia Hinz

In diesem Beitrag haben wir bereits über Föhn, seiner Entstehung und der charakteristischen Wolkenformen geschrieben. Dem aufmerksamen Beobachter ist aber nicht entgangen, dass sich auch gestern Vormittag über dem südlichen Erzgebirge erst kleine, später riesige Föhnfische (Lenticularis) am Himmel tummelten.

Für die Alpen war Föhn vorhergesagt, der sonniges und trockenes Wetter bringen sollte. Über das restliche Land sollten Schauer und Gewitter ziehen. Und genau so ist es eingetroffen. Vor allem in der Schweiz fegte der Föhn mit Spitzengeschwindigkeiten bis 183 km/h (auf dem Gütsch bei Andermatt) über die Gipfel und nördlichen Föhntäler. Der Föhn machte sich vor allem bis weit nach Baden-Württemberg bemerkbar. Dort wurden mit 18°C auch die höchsten Temperaturen registriert. Grund für die kräftigen Südwinde war das Tiefdruckgebiet CORNELIUS mit seinem Zentrum bei den Britischen Inseln.

Im Gegensatz zu den Alpen, die hoch und breit genug sind, um jegliche kälter temperierte Luftmassen zurückzuhalten, sind Föhneffekte im Erzgebirge regional sehr unterschiedlich. Denn das Gebirge steigt von Norden her aus der sächsischen Tiefebene (ca. 150 Meter über NN) wie eine breite, schrägaufgerichtete Pultplatte sanft an, im Osterzgebirge auf etwa 900 Meter, im Westerzgebirge auf über 1000 Meter bis zum Fichtelberg (1215m) und Keilberg (1244m). Auf der Südseite fällt das Gebirge sehr steil ab (ca. 600-700m auf 4-5 km Luftlinie). Temperaturunterschiede von über 10°C zwischen Ost- und Westerzgebirge sind deshalb keine Seltenheit.

Zwei Föhnarten sind den in den Alpen dennoch recht ähnlich. Im Sommerhalbjahr sorgen Wetterlagen, die vom Mittelmeer her verstärkt Warmluft heranführen, an den Nordflanken des Erzgebirges für warmen Fallwind und Wolkenauflösung.

Auch bei Südwestwetterlagen, wo von der Biskaya Wolkengebiete von, mit oder hinter Warmfronten herangeführt werden, sind regional vor allem bei südöstlicher Gebirgsausrichtung föhnige Wolkenauflösungserscheinungen zu beobachten. Diese führt warme Luft aus dem Süden über die Nordhänge des Erzgebirges hinauf, die auf sächsischer Seite in die Täler fällt. Im Kammbereich bleibt es bei größeren Windstärken oft ganztägig kühl und nebelig, erst mit dem Überschreiten des Erzgebirgskamms lösen sich föhnbedingt die Wolken auf und es herrscht warmes und sonniges Wetter.

Genau so war es gestern. Über dem Erzgebirgskamm stand eine zerrupfte Wolkenmauer, die zumindest zeitweise für nebliges Wetter und Temperaturen von nur 4°C auf dem Fichtelberg und 5°C in Zinnwald sorgte. Zudem wehte ein mäßiger Südwind bis 59 km/h (Fichtelberg) und 54 km/h (Zinnwald). Im Vorland lösten sich die tiefen Wolken rasch auf und das Thermometer kletterte in den Föhntälern bis auf 14°C (private Station Schwarzenberg). Dazu bildeten sich herrliche Föhnwolken, die mein Wetterherz natürlich höher schlagen ließen. (ch)

 

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