Fallstreifenloch über Oberwiesenthal

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Fallstreifenloch über dem Skihang in Oberwiesenthal. Foto: Gudrun Dahnke

Heute Mittag beobachtete Gudrun Dahnke in Oberwiesenthal ein seltsames Wolkengebilde – ein kreisförmiges Loch in einer dünnen Wolkenschicht mit diffusen Wolken in der Mitte. Auch auf der Keilberg-Webcam war diese Wolke zu sehen. Bei dieser Wolkenart handelt es sich um Fallstreifenlöcher (zu neudeutsch Hole Punch Clouds). Nach der Neufassung des Internationalen Wolkenatlas werden sie auch mit der Unterart Cavum beschrieben.

Bis ins letzte geklärt ist diese Wolkenform noch nicht. Normalerweise macht man Flugzeuge für solche Wolkenlöcher verantwortlich. Wenn sie beim Starten oder Landen durch eine dünne Wolkendecke fliegen, bewirken sie um sich herum eine Vereisung, die dann ein Abregnen innerhalb eines solchen Loches erzeugt. Aber in Oberwiesenthal starten bekanntlich keine Flugzeuge. Also könnte die Ursache vielleicht auch woanders liegen.

Also werfen wir einen Blick auf die Wetterlage. Das derzeit über Europa liegende kräftige Hoch FRAUKE lenkt milde und zum Teil extrem trockene Luft zu uns. Um das Hoch herum wanderte ein kleiner Kaltlufttropfen und brachte heute morgen von Osten her Wolken und vorübergehend feuchtere Luft ins Erzgebirge. Betrachtet man die heutigen Luftfeuchtewerte, sieht man die markanten Änderungen auf kleinsten Raum. So meldete der Fichtelberg um 06.00 Uhr nur 8%, während im ca. 30km entfernte Marienberg-Kühnhaide 95% Luftfeuchte gemessen wurde. Zwischen 07 und 08 Uhr stieg dann auch die Luftfeuchte auf dem Fichtelberg von 11 auf 73%, bevor sie bis zum Mittag wieder auf 30-40% absank.

Vielleicht sind aus einer höher liegenden markant feuchteren Luftschicht durch orografische Hebungsprozesse kleinräumig über dem Gebirge Eiskristalle auf die tiefere dünne Wolkenschicht gefallen (wie z.B. auf der Webcam zu sehen). Dann können sich die Wassertröpfchen der Wolken an die Eiskristalle anlagern und die Wolkenschicht löst sich an dieser Stelle auf. Die immer schwerer werdenden Eiskristalle fallen schließlich in der Mitte des entstandenen Lochs aus und verdunsten auf dem Weg nach unten. Für den Beobachter werden sie als so genannte Fallstreifen (Virga) sichtbar. Solche fotografierte Andrea Blume von Zschopau, die zudem ebenfalls die (bzw. eine) Hole Punch Cloud erwischte. (ch)

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7 Antworten zu Fallstreifenloch über Oberwiesenthal

  1. Jürgen Vollmer schreibt:

    Für mein Verständnis ist da ein logischer Bruch in der Argumentation: Dass in Oberwiesenthal keine Flugzeuge starten oder landen ist eine Binsenweisheit. Aber sie tun dies im gerade mal 80 Kilometer entfernten Dresden. Damit liegt die Erklärung einer klassischen Hole Punch Cloud sonnenklar auf der Hand, hervorgerufen von einem Flieger, der die auf eine Höhe von etwa 4 bis 5 Kilometer geschätzte Wolkenschicht im Steig- oder im Sinkflug durchstieß. Mit der strammen Ostnordostströmung ist die Punch Cloud dann natürlich ihrerseits weitergedriftet, sodass ihre Beobachtung wenig später über dem Erzgebirge absolut schlüssig und auch logisch erscheint.

    Dagegen halte ich die Theorie von aus offensichtlich wolkenfreiem Himmel von oben eingerieselten Eiskristallen für sehr weit hergeholt und wenig schlüssig (welcher Antrieb sollte sie denn ohne sichtbare Wolkenbildung zum Fallen bewegen?). In der Natur sind zwar nicht immer, aber doch recht häufig die einfachsten Lösungen die richtigen. 🙂

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  2. ch schreibt:

    Vielen Dank für Dein Kommentar. Ich habe leider noch nie eine Hole Punch Cloud am Fichtelberg gesehen und ausgerechnet heute, bei dieser markanten Schichtung unterschiedlich feuchter Luftmassen treten sie auf? Ich habe selbst oft erlebt, welche Dynamik die Hebungsprozesse am Gebirgskamm auslösen können. Warum also nicht das Ausrieseln feuchte-gesättigter Luft? Das hat man ja in tieferen Schichten recht oft und steht dann inmitten herrlichster Eisnebelhalos 😉

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  3. Ein eindrucksvolles Foto. Aber mit der Erklärung kann ich mich auch nicht anfreunden. Ich denke, ebenfalls, dass alles für einen durch ein Flugzeug hervorgerufenen Hole Punch spricht und möchte die Argumentation von Jürgen Vollmer ausdrücklich unterstreichen.

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  4. Noch eine kurze Ergänzung: Ich habe das Phänomen zweimal bei mir zu Hause beobachten können (https://hjschlichting.wordpress.com/2018/12/20/hole-punch-eine-aufgeschlitzte-wolke/), wo weit und breit kein Flughafen vorhanden ist.

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  5. Forscher schreibt:

    Die Form passt jedenfalls nicht zu Leewellen oder Rotoren, das sind die einzigen Möglichkeiten, mit denen Auf bzw Abwinde lokal verstärkt sein können. Speziell in dieser Höhe, vmtl 15000ft amsl und höher.

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