Der Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld

Wie kam es eigentlich zum Wetterverein?

Wie wir alle wissen, macht die Digitalisierung vor nichts in dieser Welt halt, so auch nicht vor dem Wetter. Insofern war die Entscheidung des Deutschen Wetterdienstes wohl langfristig absehbar, die Gelernten und Erfahrenen der Wetterwarten, die ihren Beruf (der zumeist auch Berufung war) mit Leidenschaft ausführten, umzuschulen und anderweitig einzusetzen. Zumal die letzten Jahre gezeigt haben, dass diese Richtung trotz noch nicht restlos geklärter Probleme konsequent durchgesetzt wird.

Mal abgesehen von den Brüchen und Neuorientierungen, die es im Leben der Menschen gibt – mit all den Konsequenzen auch für deren Familien, ist das Sterben der meist in benachteiligten ländlichen Gebieten gelegenen Wetterwarten auch ein herber Verlust für die Region. Denn an den meisten Standorten wurde eben nicht nur „in die Wolken“ geguckt, die Beobachter waren oft gut in ihren Orten vernetzt und es wurden Führungen für Schulklassen, interessierten Gruppen oder Touristen angeboten. Tage der Offenen Tür und andere Veranstaltungen lockten regelmäßig wesentlich mehr Menschen „hinter dem Ofen“ hervor, als das je in einer Stadt möglich wäre. So leisteten die Wetterbeobachter neben ihrer wichtigen Arbeit auch immer einen großen Beitrag für die Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Wetterdienstes in der Fläche, konnten so manchen Irrtum über Wetter und Klima aufklären und waren für viele Schüler die erste Berührung mit diesem hochspannenden Thema.

Da nun aber auch das Aus der professionellen Wetterbeobachtung an der Wetterwarte Zinnwald beschlossen wurde, es aber seitens der Zinnwalder Beobachter und dem Netzwerk, das sie sich im Laufe der Zeit aufgebaut hatten noch so viele Ideen gab, noch so viele Möglichkeiten in der Luft lagen, musste eine gangbare Lösung gefunden werden. Und so wurde mit 17 Erstunterzeichnern der Wetterverein gegründet, der sich seitdem gut zehn Mal im Jahr trifft und oft wöchentlich in Kontakt steht, um die Arbeit im Verein voranzubringen. Übrigens sind die Vereinsmitglieder nicht – wie man meinen könnte – alles Wetterfreaks, nein, es sind auch viele Menschen dabei, die einfach etwas für die Region tun wollen. Nach einem Jahr endlich und vielen Mühen erfolgte dann auch die Eintragung als „gemeinnütziger eingetragener Verein“ beim Registergericht in Dresden.

Da Zinnwald meteorologisch ein besonderer Ort ist – schließlich wird hier der offizielle deutsche Niederschlagsrekord gehalten  – ist unsere Idee, das Thema „Wetter und Klima“ am Leben zu erhalten, einen großen Wetterlehrpfad rund um Zinnwald-Georgenfeld zu bauen und natürlich auch das Erbe der alten Wetterbeobachtung zu bewahren. Da dieses Projekt in dieser Form ziemlich einmalig ist, gibt es auch keine „Blaupause“, alles muss mit viel Mühe erkämpft werden, Dennoch denke ich, haben die festen Vereinsmitglieder und viele Helfer und Sympathisanten – schon eine Menge geleistet.

Etappen des Wetterlehrpfades

Jedes Jahr wird ein neuer Baustein des Wetterweges eingeweiht, nach Schneehöhen- und dem Skitagezaun sowie dem Niederschlagsröhrenprojekt – als Hinweis auf unseren Niederschlagsrekord – gibt es nun auch die Zinnwalder Sonnenuhr. Dazu veranstalten wir Vereinsausfahrten, bisher zum Beispiel zur INTERKLIM-Abschlussveranstaltung nach Usti nad Labem, einer Wanderung auf den Milesovka, einen Besuch bei Thomas Globig im MDR-Wetterstudio oder ins Wettermuseum nach Lindenberg. Im Rahmen des jeden letzten Freitag im Monat im Zinnwalder Hotel Lugsteinhof stattfindenden Wetterstammtisches laden wir immer wieder interessante Gäste mit guten Vorträgen rund um das Thema Wetter und Klima. Zudem ist der Wetterverein jährlich Partner des deutsch-tschechische Grenzbuchenfestes, bei dem sich die Menschen der Grenzorte Zinnwald-Georgenfeld und Cinovec treffen und gemeinsam feiern.

Das ist aber noch lang nicht alles, so arbeiten Vereinsmitglieder die Zinnwalder Klimareihen auf bzw. führen sie fort, so dass wir weiterhin den Monatsbericht für die Regionalzeitung schreiben können, ebenso werden tägliche Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt fortgeführt, sogar die Wettererscheinungen, die der Automat nicht erfassen kann, wie zum Beispiel Halos, Fernsichten, Böhmischer Nebel, Schneeverwehungen oder Gewitter werden beobachtet.  Und natürlich messen wir auch täglich die „nicht verwehte“ Schneehöhe in Zinnwald, und zwar nach der herkömmlichen Beobachtermethode. Diese ist bei Facebook (wetter-ev) oder bei Wetternetz-Sachsen.de zu erfahren. Mitunter ist der Unterschied zur Automatenmessung beträchtlich!

Ab Februar messen wir dann auch die Schneedichte (also die Schwere des Schnees) für den Deutschen Wetterdienst.

Nicht zu vergessen auch der Zinnwalder Wetterkalender, der jedes Jahr durch ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder mithilfe eines Hamburger Mediendesigners entsteht und in dieser Art schon einzigartig ist.

Da die Führungen auf der Wetterwarte aus versicherungstechnischen Gründen im Moment nicht angeboten werden können, ist in Zusammenarbeit mit dem Hotel Lugsteinhof und dem Tourist-Info-Büro der Stadt Altenberg die Zinnwalder Wetterwanderung entstanden, die rund um Zinnwald/Cinovec führt und sich langsam steigender Beliebtheit erfreut. Zum Wandern oder auch Pferdekutsche fahren ist die Gegend mit ihren teils beeindruckenden Aussichten und meist sanften Anstiegen geradezu ideal.

Wobei wir wieder beim Wetterwanderweg sind!

Inzwischen ist die Sichtweitentafel fertig gestellt worden, die – wenn denn der Schnee am alten Sichtstein weggetaut ist – installiert wird. Die Einweihung erfolgt am am 1.2.2019, 15:00 Uhr an der Zinnwalder Turnhalle mit Wintergrillen und einer Murmeltieraktion, denn – Achtung – am 2.2. ist Murmeltiertag! Und es heißt ja, wenn das Murmeltier an Lichtmess Mittag seinen Schatten sieht, dann dauert der Winter noch sechs Wochen.  (Übrigens, letztes Jahr hat es fast geklappt…) Wer Lust hat, kann auch beim Wettertipp mitmachen, diesmal wollen wir wissen, wie viele Sommertage es 2019 an der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld geben wird.

Weitere Informationen über den Wetterverein gibt es unter www.wetter-ev.de oder Wetterverein-Zinnwald-Georgenfeld auf facebook. Oder einfach mal beim Vereinsstammtisch im Hotel Lugsteinhof in Zinnwald-Georgenfeld vorbeigucken (→ Termine).

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3 Antworten zu Der Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld

  1. Eine tolle Idee. Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Umsetzung

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  2. Manni Magma schreibt:

    Eine kurzweilige und informative Wanderung, die ich 2018 mitgemacht habe. Sehr empfehlenswert.
    Danke an Norbert Märcz:

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  3. astrolady100 schreibt:

    Wie schön, dass es noch richtige Enthusiasten gibt! Respekt vor Eurem Engagement. Für Euren Wetterlehrpfad hätte ich auch einen tollen Link aus Österreich, wo es schon einen solchen gibt, der sehr interessant ist: http://www.wetterlehrpfad.at/

    Gruss von Anette

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