Haareis und Kammeis

Bei negativen Temperaturen kann der aufmerksame Beobachter in der Natur zwei Eisphänomene entdecken.

In Laubwäldern bilden sich an morschem und feuchtem Totholz manchmal Eiswolle. Diese wird bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt durch das Myzel winteraktiver Pilze ausgelöst, welche Gase produzieren, die wiederum das im Holz vorhandene leicht unterkühlte Wasser durch Kapillaren an die Oberfläche drückt. Dort gefriert es und wird durch nachdrängende, beim Austritt aus dem Holz ebenfalls gefrierende Flüssigkeit weitergeschoben. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet das Haareis nicht und kann mitunter sehr lang werden. In diesem Artikel beschreibt Reinhard Nitze die Beobachtungsmöglichkeiten für Haareis und untermalt diesen mit tollen Fotos.

Haareisansatz an Totholz der Buche. Fotos: Claudia Hinz

Aber auch an schneefreien feuchten Böden können Eisnadeln aus dem Boden wachsen. Die Strukturen des so genannten Kammeises sind etwas fester als das zarte Haareis. Kammeisnadeln wachsen senkrecht zur Erdoberfläche und können bis zu 30 cm lang werden. Die Nadeln sind dabei immer gebündelt und tragen häufig einen „Erdkrümelhut“ an ihrer Spitze. Als Zutaten für das Entstehen benötigt Kammeis unbewachsenen lockeren feinkörnigen Boden und feine wasserführende Poren im Untergrund. Die Lufttemperatur sollte deutlich unter 0°C liegen, der Boden aber noch nicht gefroren sein. Die ersten Frostnächte nach wärmeren Regenperioden sind also ideal, um nach Kammeis Ausschau zu halten. Dann friert zuerst das Wasser knapp unter der obersten Bodenschicht. Da sich Eis ausdehnt, wölbt es sich wenige Millimeter nach oben. Dadurch entsteht unter diesen klitzekleinen Eiskörnern ein geringer Unterdruck, der weiteres Wasser aus den feinen Poren im Boden saugt und somit für Nachschub sorgt. Irgendwann wird der Druck durch das Wachstum der Eisnadeln zu groß und ein kleiner Bodenkrümel wird mit dem Eis angehoben. Einmal an die frostige Luft gelangt, wächst das Kammeis ziemlich schnell und es entstehen die charakteristischen Nadeln, wie sie auf dem nachfolgendem Foto von Silvio Wandel, aufgenommen in Chemnitz, zu sehen ist.

kammeis silvio wandel

Kammeis in Chemnitz. Foto: Silvio Wandel

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