Das Jahr 2018 auf dem Fichtelberg

temperaturverlauf 2018

Temperaturverlauf. Quelle: sklima.de

Dem letzten Jahr mit vollständiger Datenbasis möchten wir noch eine Auswertung widmen, denn 2018 war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Es war das Jahr einer ungewöhnlich langandauernden Hochdruckwetterlage, welche im Februar und März noch eisige Temperaturen, von April bis Oktober aber gefühlten Dauersommer brachte. So wurde im Dezember der in dieser Zeit entstandene Begriff „Heißzeit“ zum Wort des Jahres 2018 gekürt. Besonders in Erinnerung wird aber die langandauernde Dürre insbesondere im nördlichen und mittleren Teil Europas bleiben, die sich bis in den Spätherbst fortsetzte. Infolgedessen kam es zu zahlreichen Waldbränden und Ernteausfällen. Wegen der hohen Wassertemperaturen einiger Flüsse wurden Kraftwerke abgeschaltet oder gedrosselt und wegen niedriger Wasserstände wurde die Binnenschifffahrt teilweise eingestellt.

Ursache war eine blockierende Omegalage, die zu einem völligen Abreißen der Westwinddrift führte. Derartig langzeitstabile Wettersysteme gibt es sehr selten, können aber in Extremfällen bis zu einem Jahr anhalten. Kommt diese Wetterlage im Winter vor, so kann es zu extremer Kälte kommen. Ein sehr kaltes Beispiel ist zum Beispiel der Winter 1708/09. Selbst Länder mit in der Regel milden Wintern wie Portugal oder Italien waren betroffen und der Gardasee fror komplett zu. Auch in Portugal gefroren die Flüsse und Palmen versanken im Schnee. Missernten und nachfolgende Hungersnot sollen (je nach Quelle) bis zu 1 Million Todesopfer gefordert haben. Eine heiße Variante einer solchen Großwetterlage war zum Beispiel 1540, als es 11 Monate kaum Regen, dafür aber Extremhitze gab. Brunnen und Quellen versiegten und es gab kaum noch Trinkwasser. Der Pegel des Bodensees sank so weit ab, dass die Insel Lindau im Sommer 1540 mit dem Festland verbunden war. Neben einer verdorrten Ernte mit unbezahlbaren Preisen für Mehl und Brot gab es zahlreiche Brände, die nicht nur riesige Wälder zerstörten, sondern sich auch in den mit Fachwerkhäuschen eng bebauten Städten rasant ausbreiteten. Die Zahl der Opfer, welches diese Jahrtausenddürre forderte, lässt sich nicht abschätzen.

Ein direkter Vergleich zu den genannten Jahre ist aufgrund fehlender Messdaten nicht möglich, aber wenn solche Wetterlagen ausschließlich mit dem „menschgemachten Klimawandel“ erklärt werden, macht man es sich sicherlich zu einfach. Gerade deshalb wäre die Fortführung langer und homogener Klimareihen sehr wichtig!

Aber zurück zum Fichtelberg. Hier begann der Januar sehr stürmisch. Besonders Sturmtief FRIEDERIKE wird sicher lange in Erinnerung bleiben. FRIEDERIKE forderte acht Menschenleben, führte zu Millionenschäden und der Bahnfernverkehr wurde deutschlandweit eingestellt. Auf dem Fichtelberg gab es bei Windspitzen bis 174km/h zudem starken Schneesturm. Es war die vierthöchste Windspitze, die auf dem Gipfel jemals gemessen wurde (siehe Tabelle).

Ein Polarwirbelsplit sorgte Ende Februar mit eisigen Zustrom polarer Kaltluftmassen für eine Kältewelle, die sich bis in den März hinein fortsetzte. Mit -21,3°C wurde am 28. Februar auf dem Fichtelberg die kälteste Temperatur des Jahres gemessen.

Im April stellte sich nach einem Kaltstart und letztem Neuschnee zu Ostern die Wetterlage nachhaltig um und es gab erste Niederschlagsdefizite, an denen auch der in Rekordgeschwindigkeit schwindende Schnee nichts ändern konnte. Mit Temperaturabweichungen von 6,6°C und 4,4°C knackten sowohl der April als auch der Mai die 103-jährigen Monatsrekorde in der Fichtelberger Klimastatistik.

Nach diesen beiden Rekordmonaten folgten die drei viel zu warmen Sommermonate Juni, Juli und August. Zwar belegten sie als Einzelmonate keine Spitzenplätze mehr, aber in der Summe war der Sommer 2018 um 0,1°C wärmer als der bisherige Rekordsommer 2003. Allerdings wurden kaum Einzelrekorde geknackt. So lag das Temperaturmaximum von 26,7°C weit vom bisherigen Spitzenwert 30,8°C aus dem Jahre 1983 entfernt. Die 8 Sommertage kamen nicht an die 13 von 2015 heran und auch die 32 Bergsommertage reichten nicht zum Rekord. Betrachtet man aber den Halbjahres-„Sommer“ von April bis Oktober statistisch, so wird die Ungewöhnlichkeit dieser langen und sehr warmen Hochdruckwetterlage deutlich. Mit einem Halbjahresmittel von 11,8°C werden andere warme Sommer wie 2003, 1947 (je 10,3°C) oder 2015 deutlich in den Schatten gestellt. Mit 7 Sommertagen (Max > 25°C) lag 2018 zwar nicht an der Spitze – auf dem Gipfel wurde ja auch keine rekordverdächtige Hitze verzeichnet – aber die 43 Bergsommertage (Max > 20°C) belegten Platz 1 nach 2003 (42) und 1947 (41) und machen die lange Andauer der Wärme deutlich. Auch die Sonnenscheindauer knackte mit 326,1 Stunden das bisherige Spitzenjahr 2003.

Im November setzten sich Wärme und Trockenheit erst einmal fort. Nur wenige Tiefdrucksysteme schafften es zu uns. Insofern fällt auch die Monatsbilanz für den sonst oft trüben Monat zu warm, zu trocken und überdurchschnittlich sonnig aus. Allerdings änderte sich die Wetterlage zu Beginn der zweiten Monatshälfte und es zog mit schneidend-kaltem Ostwind, Reif und Nebelfrost ein Hauch Winter auf den Berg ein. Ab 19. November kam dann Schnee dazu und blieb, auch wenn die Schneedecke noch mehrfach durch kürzere Wärmeperioden vorübergehend schrumpfte.

Der Dezember wurde von zahlreichen Tiefdrucksystemen dominiert, welche im raschen Wechsel über Deutschland hinweg zogen. Damit wurde nicht nur die fast den gesamten Sommer andauernde Dürre beendet, sondern es gab immer mal wieder Schnee. Anfangs war der Fichtelberg – wie in den letzten Jahren so oft – eine kleine Winterinsel. So konnte am 15.12. bei optimalen Verhältnissen die Skisaison eröffnet werden! Zwar wurde die Schneedecke vom Weihnachtstauwetter stark gebeutelt, aber Schnee wie auch Skibetrieb hielten wacker durch. Und pünktlich zu Weihnachten gab es endlich neuen Schnee bis in die Täler.

jahresmitteltemperaturen

Jahresmitteltemperaturen. Quelle: sklima.de

Insgesamt verfehlte das Jahr 2018 mit einem Jahrestemperaturmittel von 5,2°C knapp den Rekord und reiht sich nach 2014 (5,3°C) auf Platz 2 ein. Mit einem Jahresniederschlag von 939,8mm wurden immerhin 84% des Solls erreicht. Damit gehört der Fichtelberg nicht wie Gesamtdeutschland zu den niederschlagsärmsten, sondern belegt in der 103-jährigen Fichtelbergreihe „nur“ Platz 15 der geringsten Jahresniederschlagsmengen. Das trockenste Jahr ist 1943 mit 746,1mm. Nimmt man die ab 1890 im Fichtelberghaus gemessenen Niederschlagssummen noch hinzu, findet man 1892 mit 719,4mm ein noch trockeneres Jahr. Damals – um und kurz nach der Jahrhundertwende (bis etwa 1920) gab es auch zahlreiche Jahre mit nur geringen Schneehöhen. Die Sonne schien 2018 mit 1903,5 Stunden 25,6% länger als normal. Damit belegt auch hier das Jahr 2018 keinen Spitzenplatz wie im deutschlandweiten Mittel, sondern nur Platz 3 nach 2003 (1968,9 Std.) und 1959 (1922,9 Std.). (Text: ch, Statistik; gf)

rr+sonne

Niederschlags- und Sonnenscheinverlauf. Quelle: sklima.de

Jahresstatistik:

Temperatur
Lufttemperatur 2m: 5,2°C (+2,3K)
Maximum 2m: 26,7°C am 23. August
Minimum 2m: -21,3°C am 28. Februar
Minimum 5cm: -22,9 am 28. Februar
Sommertage (Max ≥ 25°C): 8
Frosttage (Min < 0°C): 146
Eistage (Max < 0°C): 84 Kalte Tage (Min ≤ -10°C): 18 Eiskalte Tage (Max ≤ -10°C): 7 Bodenfrost: 154 Niederschlag Jahressumme: 939,8mm (84,1%) höchste Monatssumme: 234,2mm im Dezember Geringste Monatssumme: 20,8 im Februar höchste Tagessumme: 40,0mm am 23. Mai Anzahl der Tage mit >0mm: 200mm
Anzahl der Tage mit ≥5mm: 64
Anzahl der Tage mit ≥10mm: 31
Anzahl der Tage mit ≥20mm: 10
Anzahl der Tage mit Schneefall: 92
Anzahl der Tage mit Hagel: 2

Sonne
Jahressumme: 1903,5 Std. (125,6%)
Anzahl der Tage ohne Sonne: 74
Anzahl der trüben Tage: 153 (-52)
Anzahl der heiteren Tage: 28 (+7)

Verschiedenes
Maximale Windspitze: 174,2 km/h am 18. Januar
Maximale Schneehöhe: 113 cm am 24. Januar
Tage mit Gewitter: 38 (+10)
Tage mit Nebel: 245 (-45)
Tage mit Nebelmeer: 35
Tage mit Fernsicht ≥ 50km: 247
Tage mit Fernsicht ≥ 100km: 42
Tage mit Fernsicht ≥ 200km: 4

gesamtschneehöhe

Gesamtschneehöhe. Quelle: sklima.de

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Eine Antwort zu Das Jahr 2018 auf dem Fichtelberg

  1. meteocb schreibt:

    Auch auf dem Berg macht die Klimaerwärmung nicht Halt. Sehr gut zu sehen, wie die Mitteltemperatur immer weiter steigt.

    Liken

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