Große Schäden durch Orkan Fabienne

Durchzug der Kaltfront von Sturmtief FABIENNE, aufgenommen vom Spiegelwald.      Fotos: Olaf Wolfram, digimakro.de

Letzte Nacht zog der Orkan FABIENNE mit einer markanten Kaltfront über Deutschland hinweg und brachte wie befürchtet große Schäden. Die größten Windspitzen gab es im Südwesten, auf dem 554 Meter hohen Rückenberg Weinbiet im Pfälzerwald wurde mit 159 km/h die deutschlandweit höchste Windspitze gemessen. Regional könnte es noch mehr gewesen sein. Vor allem ein Messwert vom Wendelstein wäre hier interessant, denn auf dem 1838 Meter hohen vorgelagerten Alpengipfel gab es nicht selten mit Abstand die höchste Windspitze (siehe auch Übersicht der Windstürme über Deutschland) und mit der Schließung dieser Station ist eine direkte Vergleichbarkeit solcher Sturmereignisse kaum noch möglich.

Im Erzgebirge gab es die höchste Windspitze wie erwartet mit 119 km/h auf dem Fichtelberg. Bei dem Kaltfrontdurchgang mit Gewitter und Graupelschauer sank die Temperatur markant von 12,9°C auf 0,5°C ab, die erhofften Schneeflocken blieben aber leider aus.

Im Flachland gab es ebenfalls gemessene Spitzenböen bis 106 km/h (Lichtentanne bei Zwickau), betrachtet man die großen Schäden, dürfte es aber auch hier regional weitaus mehr Wind gewesen sein. Vor allem rund um Stollberg wurden neben zahlreichen abgeknickten Ästen und umgerissenen Bäumen auch Dächer abgedeckt. Einige Gebäude sind einsturzgefährdet.  Es mussten Straßen und Bahnlinien gesperrt werden und in einigen Orten fiel der Strom aus. Über 150 Feuerwehren waren im Einsatz, u.a. um Gebäude vor umstürzenden Bäumen zu sichern und Straßen und Bahnstrecken frei zu räumen. Laut Medienberichte soll es in Stollberg auch einen Tornado gegeben haben, was aber aufgrund der großflächigen Schäden eher unwahrscheinlich ist. Wahrscheinlicher ist, dass es auf der markanten Gewitterlinie zu mehreren Downburst-Ereignissen gekommen ist (Erklärung hier).

Auch, wenn durch FABIENNE im Erzgebirge nicht die ganz großen Windgeschwindigkeiten früherer namhafter Orkane gemessen wurden, durch das frühe Auftreten und die zahlreichen Schäden reiht er sich auf jeden Fall in die Reihe der großen „Winter“-Stürme ein.

Natürlich soll auch der Niederschlag nicht unerwähnt bleiben, denn es war der erste flächendeckende Regen seit Monaten. Im Erzgebirge fielen bis 59,2mm (Talsperre Carlsfeld), was ein großer Segen für den arg gebeutelten Wasserhaushalt darstellt. Weitere Niederschlagssummen sind hier abrufbar.

Weitere Infos und Fotostrecken: MDR · Radio Erzgebirge · Wetteronline · Fotostrecke WO · Live-Ticker Kachelmannwetter

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3 Antworten zu Große Schäden durch Orkan Fabienne

  1. Forscher schreibt:

    In Österreich blieb er dagegen erheblich schwächer als erwartet. Windspitzen fast halbiert und verbreitet 60-80 statt 100-120. Und das trotz Gewitterbildung an der Kaltfront. Hab ich so noch nie erlebt. Normalerweise sind Gewitter mit Kaltfrontdurchgang bei einem Sturmtief ein Garant für schwere Böen und Impulstransport. Muss es mir noch genauer anschauen. Nachdem die Höhenwinde die erwartete Stärke hatten, muss es an der Durchmischung gelegen haben. Die Taupunkte waren vor der Front sehr hoch, die Luft sehr feucht. Das verringert den Faktor der Verdunstungskälte. Die Abkühlung war dadurch schwächer und weniger Kaltluftbildung. Als weitere Folge gab es vielfach keinen Hagel oder Graupel, was die Beschleunigung zusätzlich gefördert hätte. Ich werd mir das im Detail anschauen und dazu was bloggen.

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    • ch schreibt:

      Oh ja, da bin ich sehr gespannt. Ich hatte hier einen kurzen Graupelschauer, aber die Böe war für oben auch nicht die Welt. Das haben wir auch im Winter bei Ostströmung manchmal. Aber die hohen Windspitzen im Flachland sind erstaunlich.

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  2. meteocb schreibt:

    Der Fichtelberg & allgemein das Erzgebirge war ja grade noch so im Bereich der Kaltfront. Dementsprechend auch die höheren WIndspitzen. Der Kern des Tiefs FABIENNE lag dann doch etwas weiter nördlich als berechnet. So flächig hat es in diesen Jahr aber nur selten geregnet.

    Für Schneeflocken hat es ja dafür ein Tag nach FABIENNE gereicht 😀

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