Tornados in Waschleithe und Grünhain?

Wolfram 080818

Lokale Gewitterzelle auf dem Weg in Richtung Waschleithe, aufgenommen vom 728m hohen Spiegelwald. Foto: Olaf Wolfram, digimakro.de

Mehrere Zeitungen berichteten, daß vorgestern am 8. August bei einem kleinen aber heftigen lokalen Gewitter gleich zwei Windhosen, also Tornados Waschleithe und Grünhain heimgesucht haben (123456). In Waschleithe fielen zahlreiche Bäume um, einer davon traf den Biergarten eines Restaurants, in dem sich zum Glück keine Leute aufhielten. In Grünhain stürzte ein Baum auf ein Zelt, in dem sich zwei Personen befanden. Diese kamen schwer verletzt ins Krankenhaus.

Aber war es wirklich ein Tornado, der zu diesen Schäden führte? Wie das Beispiel von Carlsfeld zeigt, hinterlässt ein Tornado eine Schneise, nämlich dort, wo der rotierende Rüssel den Boden berührt. Es wurde vor Ort aber weder ein Wolkenschlauch beobachtet, noch lässt sich eine charakteristische Tornadospur erkennen, so daß diese Variante doch recht unwahrscheinlich erscheint.

Die Zelle, die sich bei Eibenstock bildete, intensivierte sich über Aue und zog dann unter weiterer Verstärkung in Richtung Waschleithe und Grünhain. In Aue wurde 15,8mm Niederschlag gemessen, in Grünhain dürfte es nach dem Radarsummenbild noch etwas mehr gewesen sein. Die höchste Windgeschwindigkeit des Tages wurden in einer ähnlich lokalen Gewitterzelle in Selb mit 96km/h gemessen. Im Großraum Aue-Schwarzenberg befindet sich leider keine Windmessstelle. Aber derartige plötzlich auftretende Windgeschwindigkeiten können im Sommer viel größere Schäden anrichten, denn durch die Belaubung der Bäume ist die Angriffsfläche um ein Vielfaches größer als im Winter. Zudem hat die seit Monaten anhaltende Trockenheit den Bäumen stark zugesetzt. Die Kapillaren ziehen das gespeicherte Wasser aus dem Stamm, um die Baumkrone und vor allem Blätter und Früchte mit Wasser zu versorgen. Kommt an den Wurzeln kein Wasser nach, führt das langfristig zur Austrocknung und macht die Wurzeln, Baumstämme und Äste für Wind noch anfälliger. So stürzte zum Beispiel gestern Vormittag ohne jegliches Gewitter an der B97 zwischen Laußnitz und Ottendorf Okrilla ein mit Eicheln überladener Ast auf die Straße, durchbohrte die Frontscheibe und landete mitten in einem Wagen. Drei Personen wurden dadurch schwer verletzt.

Zurück zum Erzgebirge. Denkbar wäre auch eine Fallböe (Downburst) als Ursache der Schäden. Sie entsteht durch starke Abwinde, die wie ein Sack auf den Boden prallen und dort seitwärts ausweichen müssen. In diesem Bereich kommt es kleinräumig zu Sturmböen, die auch Orkanstärke erreichen können. Downbursts kommen häufiger vor, als Tornados und treten vor allem dann auf, wenn ein dichter Niederschlagsvorhang am Boden auszufließen scheint. Genau solch eine Situation zeigt das Foto, welches Olaf Wolfram von der Zelle gemacht hat, die kurz darauf nach Waschleithe weiterzog. Nachfolgend noch ein Video, aufgenommen von Bianca R. in Grünhain. (ch)

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