Der heißeste Tag des Jahres

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Selbst Kamele suchen in diesem Sommer schattige Fleckchen. Foto: Reinhard Nitze

Die derzeitige Hitzewelle hat gestern (hoffentlich) ihren Höhepunkt erreicht. Deutschlandweit wurde mit 39,5°C die höchste Temperatur an der automatischen Messstation des DWD in Bernburg/Saale-Strenzfeld in Sachsen-Anhalt gemessen. Durch eine leichte und geschützte sowie nach Süden offene Hanglage ist diese Station oft wärmer als die Umgebung und schafft es regelmäßig in die Temperatur-Hitlisten.

In Sachsen war Klitzschen bei Torgau mit 37,8°C am heißesten. Lichtenhain-Mittelndorf (Sächsische Schweiz) und Treuen (Vogtland) stellten mit 35,5°C bzw. 35,3°C ihre bisherigen Juli-Rekorde ein.

Im Erzgebirge lag von den offiziellen Stationen Aue mit 34,4°C vorn. An unserer privaten Wetterstation im Oswaldtal in Schwarzenberg wurden aber am 13. heißen Tag in Folge (Maximum >30°C) gestern mit 37,0°C eine noch höhere Temperatur in einer Wetterhütte gemessen.

Ein Ende des nun schon seit April andauernden ungewöhnlich trockenen Sommerwetters ist nicht in Sicht. Zwar sollen die Temperaturen ab dem Wochenende etwas erträglicher werden, aber  die Großwetterlage will und will nicht weichen. Obwohl das die erste richtige Hitzewelle in diesem Jahr war (siehe dazu auch diese Grafik des DWD) und es auf dem Fichtelberg erst zwei Sommertage gab (Im Vergleich 2015: 13), ist mit dem Juli der nun schon 4. deutlich zu warme und verbreitet viel zu trockener Monat zu Ende gegangen.

Derartig stabile Wettersysteme gibt es sehr selten, können aber in Extremfällen bis zu einem Jahr anhalten. Kommt diese Wetterlage im Winter vor, so kann es zu extremer Kälte kommen. Ein sehr kaltes Beispiel ist zum Beispiel der Winter 1708/09. Selbst Länder mit in der Regel milden Wintern wie Portugal oder Italien waren betroffen und der Gardasee fror komplett zu. Auch in Portugal gefroren die Flüsse und Palmen versanken im Schnee. Missernten und nachfolgende Hungersnot sollen (je nach Quelle) bis zu 1 Million Todesopfer gefordert haben.

Eine heiße Variante einer solchen Großwetterlage war zum Beispiel 1540, als es 11 Monate kaum Regen, dafür aber Extremhitze gab. Brunnen und Quellen versiegten und es gab kaum noch Trinkwasser. Der Pegel des Bodensees sank so weit ab, dass die Insel Lindau im Sommer 1540 mit dem Festland verbunden war. Neben einer verdorrten Ernte mit unbezahlbaren Preisen für Mehl und Brot gab es zahlreiche Brände, die nicht nur riesige Wälder zerstörten, sondern sich auch in den mit Fachwerkhäuschen eng bebauten Städten rasant ausbreiteten. Die Zahl der Opfer, welches diese Jahrtausenddürre forderte, lässt sich nicht abschätzen.

Hoffen wir, dass wir nicht ganz so lange auf Regen verzichten müssen, denn die Natur ist schon jetzt im Dauerstress. Die Vögel fliegen viel kleiner aus, als in normalen Jahren, die Vogelbeeren sind an den Bäumen, die es geschafft haben, bereits seit Mitte Juli rot oder für immer verdorrt und viele Bäume sehen aus wie im Spätherbst (siehe Fotos im Anschluss). Lediglich kleine vom Gewitter betroffene Regionen des Erzgebirges konnten kurzzeitig aufatmen, so gab es letzten Freitag in Forchheim ein Gewitter, welches 34,2mm Niederschlag, darunter auch kleinkörnigen Hagel brachte. Der Fichtelberg und die umliegende Umgebung bekamen gestern einen Gewitterguss mit 22,8mm ab. Auch in den Folgetagen sind Hitzegewitter möglich, allerdings bleiben die Niederschlagsspenden wohl weiterhin örtlich sehr begrenzt. Und eine Änderung ist nicht in Sicht … (ch)

 

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4 Antworten zu Der heißeste Tag des Jahres

  1. Gefühlt ist bei uns der Hitzerekord 🙂

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  2. ch schreibt:

    Bei solch einem Wetter ist man für jeden Dienst auf dem Berg bei angenehmen Temperaturen äußerst dankbar 🙂

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  3. astrolady100 schreibt:

    Zieht bei Euch wirklich der Herbst ein oder werfen die Bäume vor lauter Hitze die Blätter ab? Tröstlich zu sehen, dass es auch noch Hoffnung auf ein Ende der Hitze gibt.
    lg
    astrolady

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  4. ch schreibt:

    Die Trockenheit ist sicher mit verantwortlich, aber die Blätter werden gelb und noch nicht vertrocknet. Sieht also zumindest am Gipfel eher nach Herbst aus.

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