Hohenpeißenberg – Die Älteste Bergwetterwarte der Welt

Hoher Peissenberg-DWD, HP

Blick über das Messfeld zum Observatorium Hohenpeißenberg. Foto: HP/DWD

Auf einem 977 Meter hohen Berg im Pfaffenwinkel, etwa etwa 20 Kilometer vom Alpenrand entfernt und 60 Kilometer südwestlich von München liegt die Wetterwarte Hohenpeißenberg. Mit einer 237-jährigen Klimareihe ist diese die älteste Bergwetterwarte der Welt und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Beobachtungsraum um 1897. Quelle: Wikipedia

Das Observatorium Hohenpeißenberg wurde 1781 als Station der Societas Meteorologica Palatina gegründet. Damit wurde der Grundstein gelegt, dass das Observatorium heute die älteste Bergwetterwarte der Welt ist, da die meteorologischen Beobachtungen nahezu lückenlos durchgeführt wurden. Die Wetterwarte war eine Außenstelle des Klosters Rottenbuch. Die Societas wurde vom Mannheimer Abt Hemmer geführt und umfasste damals 39 Stationen, welche in ganz Europa, aber auch in Grönland und Nordamerika, zu finden waren. Parallel dazu wurde die Station Hohenpeißenberg als eine Station der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ins Leben gerufen.

Bis zur Säkularisation des Klosters Rottenbuch im Jahre 1803 war das Observatorium mit Augustiner-Chorherren(Mönche) besetzt. Nach der Säkularisation übernahm die Bayerische Akademie der Wissenschaften das Observatorium vollständig, da nun keine klösterlichen Mittel mehr zur Verfügung standen. So war eine Hürde für den Weiterbestand genommen.

In der Folgezeit fungierten zumeist Lehrer und Pfarrer als Wetterbeobachter. An einen der ersten Wetterbeobachter, Albin Schwaiger, erinnert noch heute der nach ihm benannte Weg in unserer DWD-Postanschrift.

Schon vor über 200 Jahren wurden Messungen zur atmosphärischen Elektrizität, magnetische Messungen, ja selbst barometrische Höhenbestimmungen einiger Orte hier vorgenommen. Ab 1936 erfolgte eine wesentliche Aufgabenerweiterung. Es wurden hauptamtliche Wetterbeobachter eingesetzt, ztw. auch zur Flugsicherung. Vor und während des 2. Weltkrieges wurde weiter Forschung betrieben, auch militärische von Amerikanern. 1952 übernahm der Deutsche Wetterdienst (DWD). Der Hohe Peißenberg wurde weiter als Stätte für Wissenschaft und Technik ausgebaut, für Ozon- und Atmosphärenforschung. Inzwischen zählt der Berg über 60 Mitarbeiter, die Gründer waren aber die Wetterbeobachter.

Die Einzigartigkeit und Lage der ältesten Bergwetterwarte der Welt beschrieb unser ehemaliger Präsident, Wolfgang Kusch, vortrefflich im Vorwort einer Festschrift zum 225-jährigen Jubiläum unserer Beobachtungsreihe:
„… Es ist die einzige Station aus dem berühmt gewordenen Netz der Societas Meteorologica Palatina, an der nahezu unterbrechungsfrei meteorologische Messungen vorgenommen wurden. Dabei zeichnet sich der Hohe Peißenberg durch seine freie Lage und durch die nahezu unverändert gebliebene Bebauung gegenüber anderen langen Reihen von Städten dadurch aus, dass die meteorologische Reihe von Hohenpeißenberg homogen ist und nicht durch Zunahme der Bebauung in der nahen Umgebung durch Wärmeinseleffekte gestört ist. Bei allen Untersuchungen zum Klimawandel wird auf derartige Datensätze zurückgegriffen, um natürliche Klimaschwankungen zu erkennen und von dem anthropogenen Einfluss auf das Klima zu trennen. Dabei ist die Lage der Station auf dem den Alpen vorgelagerten, fast 1000m hohen Inselberg meteorologisch bedeutsam, da die Station nachts aus der bodennahen Kaltluft herausragt und somit frei von kleinräumigen Effekten ist.“

Lage der Wetterwarte im Vorland der Alpen. Foto: Siegmar Lorenz

Die Wetterwarte Hohenpeißenberg überstand die Säkularisation und zwei Weltkriege. Sicher über 1000 Wetterbeobachter versahen hier im Lauf der Jahrhunderte aufopferungsvoll ihren Dienst. Auch als zu Kriegszeiten Bomben fielen und Granaten einschlugen wurden die Daten mühevoll zusammengetragen. Nur deshalb können wir jetzt auf so lange Messreihen zurückblicken.

Da die alte Wetterwarte noch besteht, gab es Vorschläge zur Bewerbung der Station ins Weltkulturerbe der UNESCO. Der DWD lehnte ab. Ab 2019 erfolgt die Vollautomatisierung der Wetterwarte, womit die langjährigen Reihen gefährdet sind, Inhomogenitäten und Sprünge in Messreihen sind vorprogrammiert. (Siegmar Lorenz)

Klimadaten:

Temperatur
Jahresmitteltemperatur (seit 1781): 6,3°C
Höchste Temperatur (seit 1879): 33,8°C am 29.07.1945
Tiefste Temperatur (seit 1879): -29,1°C am 11.02.1929
Wärmstes Monatsmittel (seit 1781): 20,7°C im August 2003
Kältestes Monatsmittel (seit 1781): -12,4°C im Februar 1956
Wärmstes Jahresmittel (seit 1781): 8,9°C im Jahre 2015
Kältestes Jahresmittel (seit 1781): 4,2°C im Jahre 1829

Niederschlag (seit 1879)
Mittlere Jahressumme: 1209,7mm
Höchster 24-stündiger Niederschlag: 138,5mm am 21.05.1999
Höchster Monatsniederschlag: 366,6mm im Juni 1979
Geringster Monatsniederschlag: 0,2mm im November 2011

Sonnenscheindauer (seit 1937)
Mittlere Jahressonnenscheindauer: 1820,3 Stunden
Sonnenscheinreichster Monat: 332,3h im Juli 2006
Sonnenscheinärmster Monat: 30,7h im Dezember 1947

Sonstiges:
Höchste Windböe (seit 1939): 49,0m/s bzw. 176,4km/h am 27.11.1983
Größte Schneehöhe (seit 1901): 1,45m am 10.03.1931

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2 Antworten zu Hohenpeißenberg – Die Älteste Bergwetterwarte der Welt

  1. Matthias Barth schreibt:

    Danke Siegmar für den interessanten und mahnenden Bericht.
    Matthias

    Gefällt 1 Person

  2. meteocb schreibt:

    Alleine der Punkt, dass die Wetterstation eine Klimareferenzstation des DWD ist/sein sollte, reicht schon aus, um zu wissen, dass hier vollkommene falsche Entscheidungen getroffen werden.

    Gefällt 1 Person

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