20 Jahre Tornado im Westerzgebirge/Vogtland

Schäden des Tornado am 22. Juni 1998 in Carlsfeld. Foto: Andy Förster

Heute vor 20 Jahren, also am 22. Juni 1998 schlägt ein Tornado eine über 20 Kilometer lange, gerade Schneise in den Wald des Westerzgebirges und des angrenzenden Vogtlandes, die bis heute auf dem Satellitenbild von Google zu sehen ist. Der Tornado zog über Falkenstein, Hammerbrücke, Jägersgrün/Tannenbergsthal und Morgenröthe zur Talsperre Carlsfeld (Zugbahn) und knickte auf einer Breite 100 bis 400 Metern sämtliche Bäume um. Erheblicher Schaden entstand auch an Wohnhäusern in Falkenstein und am ehemaligen Bahnhof von Jägersgrün. In der Stadt Falkenstein gesellten sich zum Tornado noch starke Regen- und Hagelschauer. Ein Mensch wurde verletzt und es entstand ein Millionenschaden. In den Forstämtern Schöneck, Klingenthal und Eibenstock entstanden rund 60 000 Festmeter Bruch- und Wurfholz.

Augenzeugenberichte und in den Boden gerammte Bäume belegen, dass ganze Bäume durch die Luft gewirbelt wurden.

Sören Vogt, der damalige Pressesprecher von Falkenstein, berichtete in der Zeitung Neues Deutschland vom 25. Juni 1998: „Teilweise sind Dächer bis zu 100 Meter weit geflogen. Bäume wurden entwurzelt, Autos wurden durch herumfliegende Gegenstände beschädigt, Fensterscheiben gingen zu Bruch und Häusergiebel sind abgestürzt. Von der Nachbargaststätte sind Stühle und Tische in die Luft geflogen. Ein Mann ist von einem herunterfallenden Ast am Kopf verletzt worden. Das war aber nichts Ernstes. Eine Frau erlitt einen leichten Schock. Es ist ein Wunder, dass keine Menschen schwer verletzt wurden. Schlimm hat es unsere Waldfläche erwischt. Die liegt genau am Hang. Da ist der Tornado richtig draufgeknallt. Als alles vorbei war, standen die Falkensteiner fassungslos vor ihren Häusern und Autos. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Es gab aber keine Panik, so wie in Filmen immer zu sehen ist. Vielmehr war erstaunlich, mit welcher Ruhe die Einwohner ans Aufräumen gingen. Aus dem Gebiet ringsum sind Dachdeckerfirmen gekommen und haben geholfen. Die Nachbargemeinden haben Feuerwehren geschickt und Bauhof-Leistungen wurden angeboten.“

In Carlsfeld wurde zwischen 1997 und 2000 die Talsperre grundlegend saniert. Der Tornado zog über die Baustelle der Talsperre und den angrenzenden Wald und warf auf einer rund 6 km langen Schneise sämtliche Bäume um. Einwohner von Carlsfeld berichteten, dass am späten Vormittag Luft und Himmel gelb wurden und ein gewaltiger Sturm einsetzte, der jedoch nur wenige Minuten andauerte. Glück im Unglück hatte ein Kranführer an der Talsperre in 30 Meter Höhe, dessen Kran sich bei dem Wirbelsturm im Kreis drehte, aber standhielt. Er ist danach noch selbst abgestiegen, dann war allerdings ein Notarzt fällig. Sein Überleben grenzt an ein Wunder.

Die Wetterwarte in Carlsfeld wurde übrigens ausgespart, dort wurden zum Zeitpunkt des Tornados lediglich 15,5m/s (55,8 km/h) Wind gemessen…

Die Schneise durch den Wald ist auch heute noch gut zu erkennen. In der Nähe der Talsperre wurde ein Gedenkplatz eingerichtet, wo an umgestülpten Bäumen eine Gedenktafel an den Tornado erinnert. Die Webcam Carlsfeld Schutzhütte-Teichhäusel zeigt in Blickrichtung genau auf die ehemalige Tornadoschneise, die inzwischen wieder gut bewachsen ist. Wobei der Name „Schutz“hütte dabei wohl relativ zu betrachten ist, denn auch die Alte fiel dem Tornado zum Opfer. Zum Glück hat niemand zu diesem Zeitpunkt Schutz gesucht! Sie wurde wieder aufgebaut, ist jetzt allerdings 3 Mal kleiner als die Vorherige.

Vielen Dank an Klaus Quaas von der ehemaligen Wetterwarte Carlsfeld/Wetterwarte Fichtelberg, Kevin und Andy Förster sowie Holger Weigel, Staumeister der Talsperre Carlsfeld für die zur Verfügung gestellten Aufnahmen und Informationen! (ch)

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