Fichtelbergwetter im April 2018

Der April war sehr sonnig, viel zu trocken und zu warm. Mit einem Monatsmittel von 7,9°C und einer Abweichung von 6,6°C war er der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1916. Platz 2 belegte 2009 mit 7,2°C und Platz 3 2007 mit 6,0°C. Auch die Plätze 5 und 7 in der Liste der wärmsten Aprilmonate wurden in den letzten 10 Jahren registriert.

Damit macht sich die derzeitige Erwärmung im April am deutlichsten bemerkbar, zumindest hierzulande. Denn des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid – so war es nicht nur in Osteuropa zu kalt, sondern vor allem in Nordamerika, wo in großen Teilen einer der kältesten Aprilmonate seit Beginn der Aufzeichnungen registriert wurde. Man kann also keinesfalls von einem global rekordverdächtigen April sprechen.

Aber zurück zum Fichtelberg und dem Erzgebirge. Nach den zu kalten Monaten Februar und März, in denen es einige markante Kälteperioden gab, fühlte sich der April wie Hochsommer an. Nach einem Kaltstart mit der Monatstiefsttemperatur von -6,7°C am 06. und letztem Neuschnee zu Ostern stellte sich die Wetterlage nachhaltig um. Ein Hochdrucksystem über Nord- und zeitweise auch Mitteleuropa blockierte die meisten Fronten und führte meist warme Luftmassen aus dem Süden zu uns. Die zum Monatsanfang noch 79cm hohe Schneedecke schmolz in Rekordzeit dahin, bereits am 17. gab es nur noch Schneeflecken und am 22. letzte weißgraue Reste. Am 20.04. wurde an der privaten Station Schwarzenberg mit 30,8°C der erste heiße Tag (Tagesmaximum ≥ 30°C) und auf dem Fichtelberg mit 20,8°C der erste Bergsommertag (Tagesmaximum ≥ 20°C)gemessen. Zum Monatsende wurde es zwar etwas kühler und in den Tälern gab es nochmals verbreitet Frost, jedoch war der Siegeszug des Aprils nicht mehr aufzuhalten.

Auch in der Niederschlagsbilanz präsentierte sich der normalerweise launische April als trockener Frühlingsmonat, den lediglich einige Schauer und Gewitterchen (zum Beispiel am 04., 11., 22. und 23.) vor der totalen Austrocknung retteten. Auch der in Rekordgeschwindigkeit schwindende Schnee konnte das Niederschlagsdefizit nicht ausgleichen, denn meist verdunstete er und führte kaum zum Anstieg der Wasserpegel. Immerhin erreichte der Fichtelberg mit einer Monatssumme von 45,3mm 53% des Normalwertes. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 16. April mit 14.9 mm. In Aue gab es im gesamten Monat nur 34,5mm, was aufgrund der wärmebedingten hohen Verdunstung und den schon zu trockenen beiden Vormonate besonders ins Gewicht fiel.

Da auch die Sonne mit 243,6 Stunden 75% mehr als normal schien (Platz 3 der April-Bestenliste!), explodierte die Pflanzenwelt förmlich. Zum Monatsbeginn war die Blüte der ersten Frühblüher etwa 2 Wochen zurück. Aber dann wurde dieser Rückstand eingeholt, indem sich Pestwurz, Schneeglöckchen, Krokusse, Huflattich, Narzisse und Co. regelrecht die Klinke in die Hand gaben (12). Die berühmte Krokusblüte in Drebach war in Windeseile vorbei, nach nur einem Wochenende waren die meisten der zarten Pflänzchen verdorrt. Dafür blühte bereits zum Monatsende die Fichte, die normalerweise erst im Mai/Juni zu erwarten ist. Alle Fichten in der Umgebung schienen am 30.04. zu blühen und verursachten einen wahren Pollensturm (12), denn starker Wind wehte riesige Pollenwolken aus den Wäldern heraus und hüllte alles in gelben Blütenstaub.

An diesem Tag wurde auf dem Fichtelberg mit 94 km/h die höchste Windgeschwindigkeit gemessen. Auch sonst war der Monat auf dem Gipfel recht windig, an 22 Tagen wurde Starker Wind (Windstärke 6) und an 5 Tagen Stürmischer Wind (Windstärke 8) registriert.

Wie bei einer Südströmung recht häufig zu beobachten, gab es auch im April mehrere Sandgrüße aus der Sahara, die vor allem für farbenprächtige Dämmerungen sorgten. Der in den Medien groß angekündigte „Blutregen“, der durch den aus der unteren Atmosphäre ausgewaschenen Sand entstehen sollte, blieb allerdings aus. (ch)

Monatswerte Fichtelberg

Wetterrückblick Olbernhau von Dirk Christoph

Deutschlandwetter im April 2018, Pressemitteilung des DWD

Klimatologischer Hintergrundbericht des DWD: „Wärmster April seit 1881 mit sommerlichen Temperaturen in Deutschland“

Wetterrückblick des Observatoriums Hoher Peißenberg in den bayrischen Voralpen

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Wetterrückblick abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s