Zinnkammern Pöhla

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Besucherbergwerk Pöhla (kf)

Bisher haben wir meist das Wetter auf dem Fichtelberg betrachtet, aber auch tief unter dem Fichtelbergmassiv ist das Wetter wichtig. Denn in den dort befindlichen Bergbauschächten ist das Wetter die Belüftung der Grubenbaue, also die Zuführung frischer sauerstoffhaltiger Luft und die gleichzeitige Abführung der verbrauchten Luft und alle unter Tage auftretenden Gase und Gasgemische.

Und damit sind wir mitten drin in der Führung durch das Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla, welche der gleichnamige Verein zweimal täglich ehrenamtlich interessierten Gästen anbietet. Der Eintritt wird komplett für die Sanierung und den Erhalt des riesigen Bergwerkareals verwendet, welches von Pöhla bis unter das Fichtelbergmassiv und mehrere Etagen in die Tiefe reicht.

Bereits seit dem frühen Mittelalter wurde im Erzgebirge Eisen, Zinn, Silber, Kupfer, Blei, Arsen, Kobalt, Nickel u. a. abgebaut. Aber erst 1967 kam die Wismut nach Pöhla und entdeckte bei Bohrungen Vorkommen von Uran, Zinn, Wolfram und anderen Erzen. In den Berg wurde ein acht Kilometer langer Hauptstollen getrieben, der auf ca. 600 m ü.M. bis zum Fuße des Fichtelbergs reicht. Vorrangiges Ziel war die Uranerzlagerstätte Tellerhäuser, in der mit zwei Blindschächten, 13 Haupt- und Nebensohlen sowie ein halbes Dutzend Wetterschächten 1979 der Abbau von Uranerz begann. Nach etwa 3000m wurde die Zinnerzlagerstätte „Hämmerlein“ und die geologisch überaus interessanten Zinnkammern aufgefahren, die heute als einmalige Zeugen der Wismut-Bergbaugeschichte zu besichtigen sind. Diese 3000 Meter werden mit der Grubenbahn zurückgelegt.

Es gibt kaum ein Erzgebirger, bei dem nicht irgendein Familienmitglied bei der Wismut unter Tage gearbeitet hat, aber nur wenige können sich vorstellen, wie hart, laut, manchmal heiß und extrem anstrengend die Arbeit der Kumpels war. Teilweise 160 Dezibel Lärm machten die Schlagbohrer, bei denen in der eindrucksvollen Vorführung nur Sekunden ausreichten, damit sich alle Besucher erschrocken die Ohren zuhielten. Die Bohrarbeiten wurden seinerzeit größtenteils per Hand und mit Bohrwagen durchgeführt. Diese Geräte, Ladevorrichtungen, Bohr- und Zündschemen und vieles mehr sind im Bergwerk erhalten und können unter fachkundiger Führung ehemaliger Bergmänner besichtigt werden. Den Abschluss des 2 ½-stündigen Führungsprogramms bildet eine Lasershow, die in der Tiefe der Zinnkammern besonders eindrucksvoll ist.

In der Adventszeit lässt sich eine besonders Tradition der Bergleute erleben: eine Mettenschicht, die letzte verfahrene Schicht eines Bergmanns vor dem Heiligen Abend. Die Schicht wird vom Steiger vorzeitig durch ein Klopfzeichen beendet. Anschließend folgt eine Predigt und mit dem Singen von Bergmannslieder betrachten die Bergleute das Jahr noch einmal rückblickend und gedenken den Verstorbenen. Es ist sehr beeindruckend, den Klang der Musik unter Tage in dem großen Gewölbe der Zinnkammern zu lauschen. Ein einfaches Essen, meist bestehend aus Bratwurst und Kartoffelbrei oder belegtem Brot rundet die Mettenschicht ab. Der Verein der Zinnkammern Pöhla bietet in der Weihnachtszeit mehrere Mettenschichten am Tag an, jedoch sind die Karten dafür sehr begehrt!

Mit der politischen Wende endete übrigens auch der Wismutbergbau im Erzgebirge und in der Grube Pöhla. Aber Ende 2016 ist allerdings das Berggeschrei nach Pöhla zurückgekehrt, denn die Firma SME (Sachsen Mineralien und Exploration) plant, im Luchsbachtal Zinn, Wolfram und Flussspat abzubauen. Ein entsprechender Erkundungsschacht ist bereits in Arbeit. Denn ein großer Schatz liegt noch unter Tage: 22.000 Tonnen Wolfram, 20.000 Tonnen Zinn, 70.000 Tonnen Flussspat und 204 Tonnen Indium, das man für LED’s in Computer, Handy oder Digitalkamera nutzt, dazu jede Menge Magnetit, Silber und Zink. (ch, wh, kf)

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2 Antworten zu Zinnkammern Pöhla

  1. Gerd Richter schreibt:

    Wir waren voriges Jahr da unten – die Einfahrt im Stolln war schon „interessant“ – aber dann erst die Führung. Günstig ist grobe Kleidung, wer auch durch die „Umleitung alter Stolln“ möchte.

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  2. ch schreibt:

    Mich hat die Führung auch total beeindruckt, deshalb mußte das auch unbedingt hier rein 🙂

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