Vom Blitz umarmt

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Blitz in Richtung Chemnitz, aufgenommen in Zwönitz. Foto: Olaf Wolfram, digimakro.de

Gestern Abend, 20.00 Uhr, Schichtende. Den ganzen Tag hatte ich vorfreudig auf die angekündigten Gewitter gewartet, aber nichts. Immerhin sah man zum Sonnenuntergang fern im Westen ein paar Schauer niedergehen. Mein Kollege war schon da und wir waren gerade bei der Dienstübergabe, als sich (Murphy sei dank) 6min später ein Blitz in meinen Augenwinkel verirrte. Ich sprang auf und rannte zum Fenster. Juchhuuu, endlich, das erste Gewitter des Jahres! Ich freute mich wie Bolle und beobachtete noch ein Weilchen das Geschehen. Etwa 20.20 Uhr entfernte sich das Gewitter und ich machte mich daran, heim zu fahren.

Vom Auto aus beobachtete ich noch die abziehenden Blitze und die Venus, die sich am Westhorizont hinter dem Gewitter hell blinzelnd durch die Wolken kämpfte. Nichts deutete auf das Kommende hin.

Auf dem Weg nach unten, kurz vor der Sachsenbaude, leuchtete es auf einmal um mich herum gleißend hell auf und es gab gleichzeitig einen ohrenbetäubenden Knall. Erschrocken ging ich auf die Bremsen und versuchte verwirrt das Geschehene einzuordnen. Der Blitz muss eingeschlagen sein, entweder direkt vor mir in die nasse Straße oder vielleicht sogar ins Auto selbst, welches ja wie ein Faraday’scher Käfig die elektrische Entladung in den Boden leitet. Auf Youtube habe ich zwei Videos (12) gefunden, die solch einen Blitzschlag ins Auto zeigen. An meinem Auto sieht man allerdings keinerlei Spuren.

Wie auch immer, weiterfahren konnte ich erst einmal nicht. Die Augen waren geblendet und in den Ohren klang noch eine ganze Weile Beethovens Fünfte. Und das nun über dem Berg entstandene Gewitter war auch nicht von schlechten Eltern und wollte bestaunt werden! Aber selbst, als ich dann langsam weiter fuhr, sah ich ständig vermeintliche Lichtflecken auf der Straße, die mich in der Annahme, es seien Frösche, abbremsen ließen. Aber die gigantischen Mammaten auf der Gewitterrückseite, die mich in Tellerhäuser zu einem weiteren Stopp verleiteten, die waren echt!!!

Laut der Blitzanalyse von Kachelmannwetter handelte es sich um einen Positivblitz. Diese Blitze machen nur etwa 5% aus und kommen aus dem positiv geladenen oberen Wolkenstockwerk einer Gewitterwolke. Sie sind mit bis zu 400.000 Ampere mehr als doppelt so stark wie die „normalen“ Blitze und werden von einem besonders lauten Donner begleitet, der an einen Kanonenschlag erinnert. Diese Positiv-Erdblitze können mehrere Kilometer vom eigentlichen Gewitter entfernt einschlagen, wenn man also, wie in meinem Fall, gar nicht mehr damit rechnet.

Ob ich jetzt Angst vor Gewitter habe? Nein, das, was ich da erlebt habe, war ja nur die stürmische umarmende Begrüßung, weil wir uns ewigst nicht gesehen haben…

Anbei noch einige Fotos von den herannahenden Schauern auf dem Fichtelberg (ch), vom Gewitter selbst in Zwönitz (Olaf Wolfram) und vom letzten Abendlicht angeleuchteten Gewitterwolken in Adorf (Fotos: Wolfgang Weigert). Vielen Dank für die tollen Fotos! (ch)

 

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Eine Antwort zu Vom Blitz umarmt

  1. Du hast das dramatische Geschehen sehr anschaulich, dramatisch und nachvollziehbar beschrieben. Toll!

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